Rr. 96 Erstes Blatt Dienstag den 26. April 1892 rchmWAnMUer M I xj V_ I W d Redaction, lkxpedit'.oa link . * und Druckeret:". Kenerat-Anzeiger Schntfiratze^r.^.. Amts- und AnzeiSelrlatt für drn Arers Gio^en. Hratisöeikage: Hießener Jamikienbtätter Aintlichev Theil Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für btw folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- uh» Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Neueste Nachrichten. WolfiS telegraphisches Lorresponbenz-Hureau. Wien, 24. April. Das Radetzky-Denkmal wurde heute Mittag in Anwesenheit des Kaisers, der Mitglieder des österreichischen Herrscherhauses, der in Wien anwesenden Fürstlichkeiten und zahlreicher Würdenträger vom Militär und Civil aus der ganzen Monarchie feierlichst enthüllt. Eisenach, 24. April. Se. Majestät der Kaiser ist heute Vormittag um 11 Uhr nach Neunkirchen abgereist. Der Großherzog von Sachsen-Weimar gab Allerhöchstdemselbcn bis zum Bahnhofe das. Geleit. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte Se. Majestät mit lebhaften Zurusen. Berlin, 23. April. Das unerwartete Hinscheiden der Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin hat auch eine Veränderung in den Reisedispositionen Kaiser Wilhelms veranlaßt. Der erlauchte Monarch gedachte nach Beendigung seines Aufenthaltes auf der Wartburg zunächst nach Hessen weiterzureisen, statt dessen begab er sich am Sonnabend Nachts von Eisenach nach Schwerin, um der Beisetzung der irdischen Ueberreste der Großherzogin Alexandrine beizuwohnen. (Siehe indeß „Neueste Nachr.") — Die jüngste Sitzungsperiode des deutschen Colo- ni alrathes ist am Freitag durch den Vorsitzenden, Wirkt. Geh. Legationsrath Dr. Kayser, geschlossen worden. In der Schlußsitzung stimmte der Colonialrath zunächst einer Resolution des Ausschusses zu, betreffend die Regelung der Zollfrage in den deutschen Schutzgebieten. Weiter hieß die Versammlung den Ausschußantrag gut, wonach für die Schutzgebiete als Ersatz für die einstweilen nicht durchführbare Vermehrung der Zollstellen schnellsegelnde Zollkutter beschafft werden sollen. Hinsichtlich der Sclavereifrage beschloß der Colonialrath, den Behörden in den Schutzgebieten auszugeben, nach den vom Colonialrath aufgestellten Gesichtspunkten Ermittelungen einzuleiten, die einer Regelung der Sclavereifrage zu Grunde gelegt werden könnten. Ferner genehmigte die Versammlung Resolutionen des Ausschusses, welche sich auf Strafbestimmungen hinsichtlich des Sclavenraubes und auf Aufwendung größerer Mittel zur Bekämpfung des Sclavenraubes und des Sclavenhandels beziehen. Zuletzt nahm die Versammlung eine von den Mitgliedern Fürsten Hohen- I lohe-Langenburg und Staatsminister v. Hofmann gestellte Resolution an, .welch.' den Wunsch ausspricht, daß bei Regelung des Auswandcrungswesens auch aus Hinleitung der deutschen Auswanderung nach den hierzu geeigneten Theilen der Schutzgebiete Rücksicht genommen werde, und I daß dem Colonialrath der Entwurf eines AuSwanderungs- | gesetzes thunlichst noch vor Zusammentritt des Reichstages I vorgelegt werden möge. Am Ende der Sitzung dankte I Geh. Legationsrath Dr. Kaiser den Anwesenden für ihre I aröeitsfreudige Betheiligung, worauf Namens der Versamm- I lung Fürst Hohenlohe-Langenburg dem Vorsitzenden Dank I ür die umsichtige Leitung der Geschäfte aussprach. — Unterstaatssecretär Magdeburg im Handels- I Ministerium soll zum Nachfolger des Grafen Eulenburg im Oberpräsidium von Hessen-Nassau ausersehen sein. Deutsches Aeich. Darmstadt, 23. April. Wegen des Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer von 14 Tagen angeordnet worden, welche mit der bereits bestehenden getragen wird. Darmstadt, 23. April. Die Königin Victoria von England trifft Dienstag Vormittag 9 Uhr 25 Min. hier tin und wird, wie vor zwei Jahren, im neuen Palais ab- 'teigen. Sie gedenkt bis zum 2. Mai hier zu verweilen. Gießen, den 25. April 1892. Betr.: Die Ausführung des Landesfeuerlöschordnung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen sm die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reifes. Unter Hinweis auf unsere desfalls bereits ergangenen speciellen Verfügungen eröffnen wir Ihnen, daß wir die Firmen, welche sich um Aufträge zur Lieferung von Feuerlöschrequisiten für die Gemeinden des Kreises bewerben, eingeladen haben, Proben ihrer Fabrikate Freitag den 6 und Samstag den 7. Mai L I. im Regierungsgebäude dahier zur Ausstellung zu bringen und bezw. ihre Vertreter hierzu zu entsenden. Wir empfehlen Ihnen, sich zu dieser Ausstellung, welche am 6. Mai Vormittags von 10 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, am 7. Mai von 9% Uhr Vormittags bis 121/a Uhr Mittags geöffnet sein wird, an einem der beiden Tage einzufinden. Die Kreisfeuerwehrinspectoren werden zugegen sein, um Sie mit ihrem Rathe zu unterstützen und etwaige Anfragen zu beantworten. Wir überlassen es Ihnen zwar, wie erwähnt, an welchem der beiden Tage Sie die Ausstellung besuchen wollen, bemerken indessen, daß Samstag den 7. Mai, Nachmittags 2 Uhr, Herr F. W. Feller, Vorsitzender des Oberhessischen Feuerwehrverbandes, im Saale des Cafe Leib (Gühlholtz), Wallthorstraße, einen Vortrag über die zweckmäßige Bekämpfung von Schadenfeuern halten wird, und stellen Ihnen anheim, diesen Vortrag sowohl selbst zu besuchen, als auch die 'Befehlshaber und Vorstände Ihrer Pflichtfeuerwehren und freiwilligen Wehren zur Beiwohnung und Besichtigung der Ausstellung zu veranlassen, mit dem Anfügen, daß wir es für gerechtfertigt erachten, die eventuellen Diäten der Befehlshaber der Feuerwehren auf Ihre Gemeindekassen zu übernehmen. v. Gagern. Cocalcs unb provinzielles, Gießen, iü. April 1892. — Militärdieustnachricht. Beck, UHlerarzt vom Ins.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum 1. Großh. Hess. Jns.-(Leibgarde-) Regt. Nr. 115 versetzt. Verhaftet. Am vergangenen Samstag wurden zwei Knechte verhaftet, die ein Sittlichkeitsverb rechen begangen hatten. — Gestern wurde eine Frau verhaftet, welche einer armen, mit ihr in einem Hause wohnenden Witttwe — Im Großherzogthum Baden begeht man am 29. April die officielle Feier des vierzigjährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Friedrich. Am genannten Tage werden voraussichtlich in allen Städten des Landes einheitlich Festacle abgehalten werden, während der Festempfang am Hofe von Karlsruhe selbst nur ein beschränkter sein wird, da sich Großherzog Friedrich von seiner jüngsten Krankheit noch nicht gänzlich wieder erholt hat. Ueber eine militärische Feier des Jubiläums scheinen abschließende Dispositionen noch nicht getroffen zu sein. Berlin, 23. April. Der „Reichsanz.", die Reform der directen Staats st euer und der Communal- b e st e u e r u n g besprechend, erklärt, das über Erwarten günstige Ergebniß der neuen Einkommensteuer-Veranlagung gestatte, das Mehrergebniß der letzteren lediglich zu weiterer Durchführung der Reform und Entlastung der Steuerpflichtigen zu verwenden. Der Staat werde aus vier Fünftel der Grund- und Gebäudesteuer verzichten können. Bei stärkerer Heranziehung des fundirten Einkommens werde der Staat auf die gesammte Grund- und Gebäudesteuer verzichten. Das Finanz. Ministerium hat sich mit der Prüfung der Frage besaßt, die Vorlage sei für den nächsten Landtag zu erwarten. Berlin, 23. April. Die „Voss. Ztg." meldet aus Sofia : Die Polizei entdeckte in Ruftschuck gelegentlich einer Haus- । suchung bei dem Armenier Garabet 14 mit Eisenstücken gefüllte Dynamitbomben, welche in Galatz gefüllt worden waren. Die Haussuchung geschah infolge einer Information der türkischen Polizei. Es scheint ein neuer Anschlag gegen bulgarische Staatsmänner geplant gewesen zu sein. Berlin, 23. April. Die „Allg. Reichscorr." meldet aus Petersburg vom 21. April: Neue, dem Finanzministerium I vorliegende Nachrichten constatiren die eingetretene Ver- I schlechterung des Standes der Wintersaaten im I südwestlichen Rußland. Die Gestaltung der Ernte hänge I mehr als je vom Eintreten des Mairegens ab. Schwerin i. M., 23. April. Am Montag und Diens- I tag in der nächsten Woche findet die öffentliche Aus- bahrung der Leiche der verstorbenen Großherzogin Alexandrine tatt. Am Mittwoch 2 Uhr 30 Min. Nachmittags erfolgt die eierliche Beisetzung. Zu derselben werden Großsürst Wladimir und Gemahlin am Sonntag erwartet. Bekanntmachung. Herr Landwirthschaftslehrsr Leit Higer von Alsfeld wird Sonntag den 1. Mai 1S92 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauerngutes, insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel halten. Alle Mitglieder des landwirlhschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung ergebenst eingeladen. Gießen, den 28. Januar 1892. Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost. Bekanntmachung. betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach, hier den allgemeinen Meliorationsplan für den II. Bereinigungsbezirk. In der Zeit vom 22. April bis 5. Mai l. Js. liegen die Arbeiten des ersten Hauptabschnittes des II. Bereinigungsbezirks (Feld zwischen der Kreisstraße nach Garbenteich und dem alten Anneroder Weg) nämlich: der allgemeine Meliorationsplan mit Erläuterungsbericht nebst den dazu ergangenen Beschlüssen der Vollzugscommission und dem Protokoll über die Prüfung dieser Arbeiten auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zu Jedermanns Einsicht offen. Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen oiese Arbeiten habe ich auf Freitag den 6. Mai l. I., NachmiÄ^as von 3 bis 5 Uhr, in das Rathhaus zu SteinvHch .anberaumt. Die in diesem Termin nicht Erscheinendes find mit Einwendungen ausgeschlossen. Gießen, den 16. April 1892. Der VollzugScommissär: Nebel, Amtmann. Ausland. Wien, 23. April. Nach einer Meldung der „Politischen Correspondenz" aus Rom werden der König und die Königin auf ihrer bevorstehenden Reise nach Potsdam von dem Ministerpräsidenten di Rudini begleitet werden. Budapest, 23. April. Die öffentlichen Arbeiter- l Auszüge und Demonstrationen am 1. Mai sind verboten. Die hiesigen Arbeiter beschlossen, einen einfachen Ausflug nach außerhalb zu machen. Eine Broschüre, betitelt: „Der erste Mai 1892", welcher die Wichtigkeit des irner- I nationalen Feiertages betont und den Achtstundentag und I das allgemeine Stimmrecht fordert, wird in 40,000 Exemplaren I vertheilt. Vern, 23. April. Das von der Socialdemokratie gegen das neue Auslieferungsgesetz geplante Referendum ist wegen der ungenügenden Zahl von Unterschriften gescheitert. Paris, 22. April. Im Laufe des Tages wurden hier noch vier Anarchisten verhaftet. In Argenteuil wurden drei Anarchisten verhaftet. Die beschlagnahmten Papiere I ergaben, daß die Anarchisten beschlossen hatten, am 1. Mai I die Kirche, die Mairie und das Polizeibureau in die Lust zu I sprengen. Die Gesammtzahl der verhafteten Anarchisten be- I trägt gegenwärtig 51, weitere Verhaftungen sollen heute Vor- I mittag vorgenommen werden. I Rom, 23. April. Die internationale Conferenz der I Vereine vom Rothen Kr e uz stimmte der vom internationalen Comite beantragten Tagesordnung, betreffend Verhinderung der Mißbräuche mit dem Abzeichen des rothen Kreuzes, zu, I und beschloßene' najlonal-n Comites znm Studium von I Mitteln aufzufordern, um nichttransportablen Verwundeten Aufenthalt und Verpflegung an gesunden Orten zu sichern. I London, 23. April. Dem „Standard" zufolge dürfte I das Gerücht von einer bevorstehenden Unabhängigkeitserk lärüng der brasilianischen Provinzen Rio Grande und San Paulo jeden Tag Bestätigung erfahren. London, 23. April. Der französische Dampfer „Canada", welcher für Colon unterwegs ist und im Hasen von Puerte Cabello in der Nacht vom 5. April vor Anker gehen wollte, wurde von der Hafenwache verfolgt und wegen eines Mißverständnisses für das dem früheren Präsidenten von Venezuela, Rojas Paul, gehörige Schiff gehalten. Die Wache gab Feuer aus ihren Remingtongewehren aus den aus der Commando- brücke stehenden Capitän, welcher mit Mühe dem Tode entging. Es sind keine Reisenden verwundet. Paris, 23. April. Den Anarchisten wird trotz der letzten Massenverhastungen der Plan zugeschrieben, am 1. Mai in den von der Polizei entblößten Vororten einen Handstreich auszuführen, womöglich in Paris selbst einen der großen Waarenbazare zu plündern. Petersburg, 23. April. Die Gesuche um Gestattung der Haferausfuhr aus Libau, der Kornausfuhr aus Südrußland wurden abschlägig beschieden,- das Verbot soll bis zum September fortdauern. Petersburg, 23. April. In Jekaterinoslaw wurde eine nihilistische Verschwörung und eine den Nihilisten gehörende Geheimdruckerei entdeckt. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Petersburg, 23. April. Der Kaiser ist auf einige •Seit nach Petersburg übergesiedelt und bewohnt hier zum ersten Male während seiner Regierung das Winterpalais. Der >i«fcener «Ztnjeiger erscheint täglich. mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener M«mitienb kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. aus einer verschlossenen Schublade einen Geldbetag von 25 Mark entwendet hatte. — Weiter wurde verhaftet ein Hülssbriesbote, welcher ebenfalls einen Einbruchsdiebstahl begangen haben soll. 4» — Der Borstand und der Gesammtausfchuß des deutschen Hereins für Knaben Handarbeit erläßt mit dem Ortsausschuß f 4" Frankfurt a. M. gegenwärtig die Einladung zum elften Deutschen Congresse für erziehliche Knaben-Hand- arbeit, der vom 10.—12. Juni d. I. daselbst stattfinden wird. Dem Ortsausschuß gehören Männer aus allen Schichten der Bevölkerung an, und steht dem Congreß daher eine besonders freundliche Aufnahme in Frankfurt a. M. bevor. Aus der Einladung ersehen wir, daß die deutsche Bewegung zwar in Bezug aus ihre Stärke und Vertiefung wohl derjenigen der meisten ausländischen Staaten voranschreitet, daß indeß die Erfolge in Deutschland andern Staaten gegenüber erst an achter Stelle sich anreihen. Voraus gehen Frankreich, England, Finnland, Schweden, Norwegen, die Schweiz und Belgien. Die Ursache wird vor Allem darin gefunden, daß in diesen Staaten die oberen Behörden, Gemeinden und gesetzgebenden Gewalten bereits entschiedener die Bewegung unterstützt haben. In Deutschland selbst steht das Großherzogthum Baden allen andern Staaten voran, welches den Handfertigkeits-Unterricht bereits in den Lehrplan der Volksschule ausgenommen hat. Am 10. Juni Abends findet die Begrüßung statt, am 11. der Vereinstag. Aus der Tagesordnung desselben stehen u. A.: Soll die Knabenhandarbeit vornehmlich in den Dienst der Erziehung oder des Schulunterrichts gestellt werden? von Director Dr. Götze» Leipzig - wer soll den erziehlichen Knaben - Handarbeitsunterricht leiten, der Handwerksmeister oder der Lehrer? von Stadtschulrath Dr. Rohmeder — München,- über die Verschiedenartigkeit des deutschen und des französischen Arbeitsunterrichts, von dem Lehrer Neumann — Görlitz. Am Sonntag den 12. Juni findet im großen Saale des Saalbaus der öffentliche Congreß statt, mit welchem eine Comeniusseier verbunden sein wird. Als Festredner wird Rector Rißmann— Berlin auftreten. Den Hauptvortrag des Congresses bildet das Thema: „Die sociale Frage und die Erziehung zur Arbeit in Jugend und Volk" von dem Abgeordneten Schenkendorfs—Görlitz. Vom 10.—20.Juni findet in Frankfurt a. M. in den Räumen des Kunstgewerbe- Museums eine bezügliche internationale Ausstellung statt. — Weltausstellungs-Notizen. In der Nähe des Gartenbaupalastes wird eine Sängerhalle von 160—260 Fuß errichtet. Daselbst wird sich Chordirector Tomlins mit 9000 geschulten Sängern vorführen. Während einer Woche wird in der Halle das internationale Waliser Eifteddfod abgehalten werden. + Lich, 24. April. Der hiesige frühere Fuhrmann und Gemüsehändler Johannes Eise L, welcher erst vor wenigen Tagen die Verbüßung einer längeren Freiheitsstrafe beendigt hatte, machte heute seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Friedberg, 22. April. Am 19. April d. I.- sand im Festsaale des hiesigen Predigerseminars, in Anwesenheit des Oberconsistorialraths Dr. Köstlin als Vertreter der Kirckenbehörde, die feierliche Entlastung der 10 Candidaten: Dr. Dieckmann, Dr. Grein, Hosmeyer, Jakob, Koch, Krämer, Kumps, Marquardt, Schäfer und Zatzmann statt. Im Predigerseminar verbleiben 12 Candidaten. Laubach. 22. April. Seit einigen Wochen hat sich hier unter der Leitung des Herrn Organisten C. A. Kern ein Kirchengesangverein gebildet. Die Mitglieder, etwa 50 an der Zahl, repräsentieren die besten Gesangskräste. Bom Main, 22. April. Im Mainthale macht sich seit Beginn besserer Witterung eine erhebliche Auswanderungs- lu st bemerkbar. Ganze Familien ergreifen den Wanderstab, um meist in Amerika ihr Glück zu suchen. vermischtes. * Leipzig, 20. April. Congreß für innere Medizin. (Fortsetzung- Anfang s. Nr. 95, 1. Bl.) Herr Prof. Dr. Birch Hirschfeld behandelt die Frage der schweren anämischen Zustände vorzugsweise vom allgemeinen klinischen, pathologisch-anatomischen und ätiologischen (d. h. ihre Entstehungsursachen ins Auge fassenden) Gesichtspunkt aus. Die schweren anämischen Zustände sind characterisirt durch Verminderung der Zahl und Degeneration der rothen Blutkörperchen (Aus- tceten abnormer und kernhaltiger Formen und Ablagerung von Blutfarbstoff in den verschiedensten Organen), mit daraus hervorgehendem Zerfall im Gewebe (fettige Degeneration in den verschiedensten Organen, vermehrte Harnstoffausscheidung und Peptonurie). Als Veranlassung des Zerfalls rother Blutscheiben können verschiedenartige Schädlichkeiten in Betracht kommen, die durch Zersetzung des Blutplasmas (mit Verminderung der Gerinnbarkeit des Blutes) oder durch directen Einfluß zerstörend aus die rothen Blutkörperchen wirken. Die eben berührten Schädlichkeiten können von außen stammen (toxische Schädlichkeiten) oder durch specifische Mikroorganismen im Körper gebildet sein (insectiöse Noxen) oder endlich durch regressive Veränderungen aus den Körpergeweben- entstehen (Autointoxication). Demnach wird für die hier besprochenen schweren anämischen Zustände eine einheitliche Krankheitsursache nicht vorausgesetzt, sondern die in ihrem Wesen analoge, in ihren Folgen gleichartige Blutveränderung aus verschiedene ätiologische Momente zurückgesührt. Betreffs der Therapie erwähnt der Vortragende, daß Arsenbehandlung in eittkr Anzahl von Fällen von Erfolg begleitet sei, daß die Transfusion zwar Besserungen zu erzielen, aber im Allgemeinen nur palliativ zu wirken im Stande sei. Besonderer Werth dagegen sei in allen Fällen aus die diätetische und besonders auch klimatische Seite der Behandlung zu legen. Der Correserent über das in Rede stehende Thema, Herr Pros. Ehrlich (Berlin), berücksichtigt in seinen Aussührungen vorzugsweise die Blutanomalien, wie sie schon am lebenden Menschen zu constatiren sind, und wie sie sich anatomisch und chemisch analysiren taffen. Von rothen Blutscheiben kann man nach ihm Regenerations- und Degenerationsformen unterscheiden. Zu den letzteren gehören die mannigfachsten Spaltungssormen sowie die Formen, bei denen innerhalb des Leibes der rothen Blutscheiben Veränderungen in der Structur und chemischen Zusammensetzung vorkommen. Letztere characterisiren sich besonders durch Beeinträchtigung der Färbbarkeit, erstere durch Auftreten eigenthümlicher Körperchen im Innern der Blutscheiben, sog. hämoglobinämischer Jnnen- körper. Es handelt sich bei diesen um ein allmähliches Schwinden des Blutsarbstoffs bis zum völligen Erblaffen der Blutscheiben zu sog. Schatten. — Die Regenerationsformen sind kernhaltige rothe Blutkörperchen, von denen der Referent zwei Arten unterscheidet, eine kleinere (Normoblasten) mit äußerst stark tingirbarem Kern, und eine sehr große Art (Megaloblasten) mit sehr wenig färbbarem Kern. Die ersteren sind normaler Weise in den blutbereitenden Organen vorhanden, treten aber im treibenden Blute der Erwachsenen nur bei Veränderungen des Blutes durch bestimmte Vergiftungen oder bei einfachen secundären Anämien auf. Die Megaloblasten sind die embryonalen Entwicklungstypen der rothen Blutscheiben und treten als regenerative nur bei den schweren perniciösen Anämien, und zwar in geringer Zahl, im Blute auf. Sie sind jederzeit Characteristicum der ernstesten Erkrankungsformen. Im Knochenmark hat ein compensatorischer Neubildungsvorgang bei schweren Anämien statt (characterisirt durch das sog. rothe Knochenmark), der aber bei den allerschwersten Formen der perniciösen Anämie ausbleibt. Der Referent geht dann noch auf die Leukocytose ein, die nach seinen Untersuchungen auf dem Auswandern der polynucleären (vielkernigen) Zellen des Knochenmarks beruht. — An der Discussion über das Thema betheiligten sich die Herren Troje (Berlin), Litten, Fürbringer (Berlin), Klebs (Zürich-Berlin) und Dehio (Dorpat). * Frankfurt a. M., 23. April. Wie die „Frankfurter Zeitung" erfährt, sind aus Anlaß der Jäger'schen Defraudation durch das hiesige Syndicat der beeidigten Wechselsensale Ermittelungen auf Jahre zurück vorgenommen worden, wobei festgestellt wurde, daß von beeidigten Maklern der hiesigen Börse keiner für Jäger Geschäfte vermittelt hat. Auch eine Untersuchung der Behörden auf Grund von Gerüchten, nach denen Jäger in einer hiesigen Wirthschast mit einigen unbeeidigten Maklern häufig verkehrt hätte, sollen bisher kein greifbares Resultat ergeben haben. * Frankfurt a. M., 23. April. Die Hessische Ludwigs- bahn hat in voriger Woche 60,000 Tonnen prima Loco- motivkohlen in der seitherigen Qualität mit 662/3 pCt. Stückgehalt aus Jahresliefecung zum Preise von 116, bezw. 114 Mk. franco Waggon Gustavsburg, bezw. Bingen vergeben. Für weiteren Bedarf liegt der Ludwigsbahn eine ganze Reihe gleicher Offerten vor. * Görlitz, 22. April. Durch den Scharfrichter Rein del in Magdeburg wurden heute Früh die Arbeiter August Knoll und Wilhelm Heidrich, die in der Nacht zum 22. December 1891 die Wittwe Buchelt in Leopoldshain ermordet und beraubt hatten, hingerichtet. * Berlin, 22. April. Drei Arbeiter wurden am Anhalter Bahnhof verhaftet, weil sie Nachts beim Rangiren einen Güterwagen beraubten, nachdem sie die Plomben abgerissen hatten. Sie gestanden, daß sie bereits 150 derartiger Diebstähle ausgeführt hatten. * Stuttgart, 22. April. In Brackenheim zerstörte ein furchtbarer Brand sieben Häuser und fünf Scheunen. * Gumbinnen, 23. April. Der Rendant Wenghöfer von hier hat sich in Berlin erschossen. In der Kreis- sparkaffe fehlen 19,000 Mk. Wie viel in der Kreiskaffe noch fehlt, ist unbestimmt. * Wien, 23. April. Heute Mittag sand der festliche Empfang der „Berliner Liedertafel" durch den Bürgermeister Dr. Prix, durch die beiden stellvertretenden Bürgermeister, durch die Stadträthe und Obmänner der Clubs des Gemeinderaths im hiesigen Rathhause statt. * Wien, 24. April. Dem heutigen Concerte der B e r- linerLiedertaselim Arkadenhofe des Rathhauses wohnten etwa 3000 Personen bei. Der Bürgermeister Dr. Prix begrüßte die Berliner Gäste mit einer herzlichen Ansprache. Sämmtliche Gesangsvorträge wurden mit brausendem Beifall ausgenommen. Der Vorsitzende der Berliner Liedertafel, Canzleirath Weiße, sprach seinen Dank für die gespendete Anerkennung aus und schloß mit einem Hoch auf die Stadt Wien. Vor der heutigen Vorstellung im Deutschen Volkstheater, zur welcher die Mitglieder der Liedertafel Einladungen erhalten hatten, fang der Verein mehrere Chöre, die jubelnden Beifall ernteten. * Fahrkarteu-Automaten. Nach der „Tägl. Rdsch." hätte jetzt das Betriebsamt der Berliner Stadt- und Ringbahn sich entschlossen, den Fahrkartenverkauf an den Schaltern durch Ausstellung von automatischen Apparaten zu entlasten. Von jetzt ab wird aus dem Schlesischen Bahnhof ein solcher Automat, vorerst allerdings nur versuchsweise, in Thätigkeit treten. Die Fahrkarte sällt ohne Zuthun des Kaufenden in -eine große Schale, aus der sie bequem herauszunehmen ist. Der Automat verkauft 40 Karten in der Minute. Der erste Apparat ist für eine Füllung mit 500 Fahrkarten eingerichtet, kann aber leicht vergrößert werden. Auf Anweisung des Betriebsamts wird der Automat zunächst Stadtbahnkarten dritter Klasse verkaufen, die zwischen den Stationen Schlesischer Bahnhof und Lehrter Bahnhof giltig sind. * Gegen die Gefangswettstreite. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Sängerbundes in Nürnberg erklärt, daß er auf dem Boden des Beschlusses von 1883 stehe, in welchem das Ueberhandnehmen der Gesangswettstreite beklagt und die Sängerschaft dringend ersucht wurde, diese fremdländische Institution nicht bei uns einzuführen. Der Ausschuß gibt diese Erklärung ab im Hinblick daraus, daß auch in diesem Jahre wieder ein solcher Wettstreit von einem Gesangverein im Großherzogthum Baden veranstaltet wird. * Das kostspieligste Bahnhofs Empfangsgebäude der Welt befindet fich, nach der „Schles. Ztg." auf dem vor Kurzem eröffneten neuen Bahnhofe in Bombay. Der Bau soll zehn Jahre gedauert und an Kosten die erhebliche Summe von fast 70 Millionen Mark verzehrt haben. Dieser Aufwand findet seine Erklärung in der Größe der Bauanlage, in der künstlerischen Ausstattung, die dem Gebäude in allen hervorragenden Theilen gegeben ist, sodann in dem Werthe des Materials, das zur Errichtung und Ausschmückung Verwendung gefunden hat. Die Mittelkuppel des Gebäudes wird von einem riesigen Kunstwerk gekrönt, das den Fortschritt darstellt. Den Hauptschmuck des Innern der großen Halle bildet eine von allegorischen Figuren umgebene Colossalstatue der Kaiserin Victoria Königin von England. Außen und innen zeigt daß Gebäude eine reiche Ausstattung in kunstvoll bearbeitetem, verschiedenfarbigem Marmor, die im Innern durch werthvolle Holzschnitzereien ergänzt wird. Das Vorkommen von Diehseuchen in Hessen während des Monats März 1892. Milzbrand wurde festgestellt am 12.März in Eudorf, Kreis Alsfeld, bei einem creptrten Rinde. Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Dornheim, Kreis Groß-Gerau, in Unter-Hambach, Kreis Heppenheim, in Maulbach, Kreis Alsfeld, in Ortenberg, Kreis Büdingen, in Staden und Steinfurth, Kreis Friedberg, in Weisenau, Kreis Mainz, in Hackenheim und Flonheim, Kreis Alzey, in Rieder-Ingelheim, Kemplen und Dietersheim, Kreis Bingen, in Partenheim, Dolgesheim und Selzen, Kreis Oppenheim, in Kriegsheim, Mörstadt und Abenheim, Kreis Worms. Die Seuche herrscht fort in Lorsch, Kreis Bensheim, in Biebesheim, Kreis Groß-Gerau, Heppenheim, in den Orten des Kreises Alsfeld: Altenburg, Eudorf, Liederbach, Unter-Sorg, Alsfeld, Billertshausen und Hopfgarten, in Mombach, Kreis Mainz, in Volxheim , Kreis Alzey, in Guntersblum und Biebelnheim, Kreis Oppenheim. Die Seuche wurde im Monat März feftgestellt und war am Schlüsse desselben wieder erloschen in Kocherbach, Kreis Heppenheim, in Offenbach, auf dem Btehhofe in Mainz, in Bornheim, Kreis Alzey, in Bingen, in Weinolsheim, Kleis Oppenheim, in Westhofen und Osthofen, Kreis Worms. Die Seuche wurde im Monat März feftgestellt und herrschte am Schlüsse desselben noch fort in Darmstadt, in Großhausen, Kreis Bensheim, in Ernsthofen und Herchenrede, Kreis Dieburg, in Erfelden und Bischofsheim, Kr. Groß-Gerau, in Klein-Welzheim, Kr. Offenbach, in Trais-Horloff und Langsdorf, Kreis Gießen, in Selters und Wenings, Kreis Büdingen, in Ober-Erlenbach, Kreis Friedberg, in Laubenheim, Kreis Mainz, in Fürfeld, Flomborn und Eckelsheim, Kreis Alzey, in Ober-Ingelheim, Kreis Bingen, in Eimsheim, Dalheim, Dexheim und Hahnheim, Kreis Oppenheim, und in Alsheim, Kreis Worms. Der Bläschenausschlag unter dem Rindvieh ist erloschen in Bockenrod, Kreis Erbach, in Rieder-Roßbach, Kreis Friedberg, in Lörzweiler, Kreis Oppenheim. In Lindenfels, Kreis Bensheim,' und in Diebach a. H., Kreis Büdingen, herrscht die Seuche fort Festgestellt wurde dieselbe in Eberbach, Kreis Erbach, am 1. März, im Kreise Gießm in Weikertheim am 4., in Lollar am 29. und in Münster am 31. März, im Kreise Büdingen in Rinderbügen am 6., in Büdingen am 8. und in Michelau am 10. März, in Uffhofen, Kreis Alzey, am 16., in Uetzhausen, Kreis Lauterbach, am 23. und in Dorn-Assenheim, Kreis Friedberg, am 31. März. In Ederbach und Büdingen ist die Seuche bereits wieder erloschen. Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Lauter und Grünberg, Kreis Gießen; in Ober-Ohmen, Ober-Breidenbach und Brauerschwend, Kreis Alsfeld; in den Orten des Kreises Büdingen: Usenborn, Michelau und Leidhecken; in Ilbenstadt, Kreis Friedberg. Verkehr, Land- rin- Volksrvlrthschaft. ^rünberg, 23. April. Fruchtprei.se. Weizen X21.— Korn vH. 19.00, Gerste X 16.40, Hafer X 13.00, Erbsen X 22.—, Linsen X Wicken X —— Lein^L —, Kartoffeln X 8.—, Samen X ——. — Berficherirngßsache. In den ersten drei Monaten der laufenden Jahres wurden bei der Lebensversicherungs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart neue Verftcherungs-Anträge über 10483060 Mk. eingereicht, gegen 6646100 Mk. in derselben Zeit des Vorjahres. Das laufende Jahr brachte also ein Plus von 3836960 Mk. Die Sterblichkeit hält sich in mäßigen Grenzen Die im Jahre 1892 an die Versicherten zur Rückvergütung kommende Dividende beträgt 40oCt. der lebenslänglichen und extra 20pEt. der alternativen Zusatzprämie oder 3pEt. aus der Gesammtprämien- zahlung (steigende Dividende). Versicherungsstand derzeit rund 350 Millionen Mark. — Rach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahltndustrieller belief sich die Roheisenproduetio« des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat März 1892 aus 413 644 Tonnen, darunter Puddelrohetsen und Spiegeleisen 161169 Tonnen, Bessemerroheisen 34 668 Tonnen, Thomasroheisen 169 593 Tonnen und Gießereiroheisen 48 214 Tonnen. — Die Production im März 1891 betrug 370018 Tonnen, im Februar 1892 378 700 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. März 1892 wurden producirt 1200719 Tonnen gegen 1050033 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Literatur und ICunft. — Die Erschließung der Oftalpen. Unter Redaction von Prof. Dr. Ed. Richter. Herausgegeden vom D. u. Oe. Alpenverein. 1. Heft. Unter diesem Titel gibt der D. u. Oe. Alpenoerein, welcher dermalen 25800 Mitglieder in 192 Sectionen zählt, ein reich mit Illustrationen in Heliogravüre und Karten ausgestalketeS Prachtwerk heraus, welches eine für Touristen wie für Geographen gleich inteitssante Geschichte der Bergbesteigungen bietet. Das Werk erscheint in 20 Lieferungen (zu 4 Bogen) zum Preise von 1 Mk. für VcretnS- mitglieder. (Im Buchhandel 1.40 Mk.) Spielplan der vereinigten frankfurter Ltadttheater. OveruhauS. Dienstag den 26. Apru: Der Prophet. Mittwoch den 27. April geschlossen. Donnerstag den 28. April: Mignon. Freitag den 29. April: Faust (1 Theil.) Samstag den 30. April: Walküre. Sonntag den 1. Mat: Der Wildschütz. Vorher: Cavalleria rusticana. Schauspielhaus. Dienstag den 26. Ap l: Stiftungsfest. Der sech ste Sinn. Mittwoch den 27. Apiil: Farinelli. Donnerstag den 28. April geschlossen. Freitag den 29. April: De, Fall Cle- menceau. Samstag den 30. April: Der Schatten. Hierauf: Das Stiftungsfest. Sonntag den 1. Mai: Ihr Eorporal. Montag den 2. Mat: V'lla Friedclsruh.