Freitag den 26. Februar 1892 M. 48. Der Oleh euer A«zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener A«»ttteu-rLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger AvoanemcutspreiA t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstraße fbr.1« Fernsprecher 51. Amts- und Anzrigeblatt für den Aveis Gieren. Hratisbeikage: Hießener Jamitienökätter Annahme von Anzeige« zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Vureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen. Anrtlichs^ Lherl. Bekanntmachung, betr. Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, bafe Werkführer Heinrich Haas zu Gießen zum Ersatzmann des Vertrauensmannes aus dem Kreise der Arbeitnehmer an Stelle des Ludwig Löb daselbst ernannt worden ist. Gießen, den 24. Februar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _________________________v. Gagern._________________________ Gießen, 24. Februar 1892. Betr.-. Die Ausführung des Kirchengesetzes über Aufhebung der Accidenzien. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die evang. Kirchenvorstände des Kreises. Einem Ersuchen Großh. Ober-Confistoriums entsprechend, beauftragen wir Sie, binnen 5 Tagen an uns zu berichten, ob und welche Beträge für seither noch nicht abgelöste Accidenzien in den Voranschlägen für 1892/93 vorgesehen worden sind. Die Vergütung für die schon früher abgelösten Accidenzien mußte bereits nach den Vorschriften des Gesetzes vom 17. November 1888 über den Gehaltsbezug der Geistlichen in den Centralkirchcnfonds bezahlt werden, soweit nicht dieses Gesetz auf einzelne Geistliche unanwendbar war. Wir setzen voraus, daß dies überall geschehen ist; sollte indessen seither anders verfahren worden sein, so sind die desfallsigen Beträge uns namhaft zu machen. I. V.: Jost. Deutsches Reich. Berlin, 23. Februar. DaS kaiserliche Gesundheitsamt besteht aus einem Director, fünf ordentlichen Mitgliedern und zur Zelt 32 außerordentlichen Mitgliedern. Die ordentlichen Mitglieder sind wie der Director etatsmäßig angestellte Reichsbeamte, während die außerordentlichen Mitglieder vom Kaiser je auf fünf Jahre aus den Kreisen hervorragender Sachverständigen berufen werden. Gestern sind die Berufungen für die Zeit von Anfang 1892 bis Ende 1896 bekannt gegeben worden. Wie es in der Natur der Sache begründet ist, sind die bisherigen Mitglieder, bei deren Auswahl die einzelnen Bundesstaaten möglichst berücksichtigt werden, meistens von Neuem berufen worden. Ausgeschieden sind von den früheren Mitgliedern der preußische Wirkliche Geheime Ober-Medicinalrath Dr. Kersandt, der Ende vorigen Jahres in den Ruhestand getreten ist, Dr. Miquel in Folge seiner Ernennung zum Staatsminister und Prof. Dr. Reichardt in Jena. Außerdem ist im letzten Jahre der städtische Oberbaurath Zenetli durch den Tod ausgeschieden. Neu berufen sind Geh. Obermedicinalrath Dr. Schönfeld vom preußischen Cultußministerium, Geh. Medicinalrath Pros. Dr. Gerhardt in Berlin, Prof. Dr. Renk in Halle, Fabrikdirector Dr. Holtz (Director der Schering'schen chemischen Fabriken) in Char- lottenburg, Ober-Regierungsrath und Landesthierarzt Göring in München und Geh. Medicinalrath Dr. Lehmann in Dresden. Im Gesundheitsamt sind Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Hamburg und Elsaß Lothringen vertreten. Von den Mitgliedern sind 18 aus Preußen: die Räthe Skrzeczka, Schönfeld und Pistor aus dem Cultusministerium und Höpker aus dem Ministerium des Innern, die Professoren v. Hofmann, Gerhardt, Koch, Lewin, Schweninger und Schütz in Berlin, Bockendahl in Kiel, Jaffe in Königsberg, Wolffhügel in Göttingen und Renk in Halle, der Director Zinn der Land-Irrenanstalt in Eberswalde (früher Mitglied des Reichstags), die practifchen Aerzte Graf (Mitglied des Abgeordnetenhauses) in Elberfeld und Lent in Köln und der Fabrikdirector Holtz. Von den Mitgliedern sind 23 Medicmer, 4 Thierärzte, 3 Chemiker, ein Apotheker und ein Verwaltungsbeamter. Als Apotheker kann man auch noch Max v. Pettenkoser bezeichnen, da er nicht bloß von Hause aus Apotheker, sondern auch jetzt noch Inhaber der Leib- und Hosapotheke in München ist. Berlin, 23. Februar. In der Volksschulgesetz- Eommission des preußischen Abgeordnetenhauses verlaufen öie Abstimmungen überwiegend auch fernerhin im Sinne der Amendements der Conservativen und des Centrums. So wurden die Paragraphen 15 (Errichtung consessioneller Schulen bei 30, resp. 60 Schulkindern) und 11 (bei Vorhandensein dreiklassiger Schulen dürfen Kinder nicht einklassigen Schulen zugewiesen werden) in der am Montag Abend abgehaltenen Sitzung der Commission im Allgemeinen nach den von con- servativer Seite gestellten Anträgen genehmigt, welche auf eine Verschärfung des confessionellen Princips zielen. Am Dienstag Vormittag wandte sich die Commission der Be« rathung von § 16 zu, welcher bestimmt, daß der Religionsunterricht nach der Lehre derjenigen Religionsgesellschaft zu ertheilen ist, welcher die den Unterricht empfangenden Schüler angehören. Die Discussion hierüber gestaltete sich sehr langwierig und konnte erst in der Nachmittags-Sitzung beendet werden. § 16 wurde dann in einer vom welfischen Abgeordneten Dr. Brüel vorgeschlagenen präciseren Fassung genehmigt. Im weiteren Verlaufe der letzteren Sitzung wurde noch der erste Abschnitt des ebenfalls vom Religionsunterricht handelnden § 17 mir einer kleinen Aenderung angenommen. — Anläßlich des Jubiläums des 25jährigen Bestehens der nationalliberalen Partei wird in Dresden am 6. März ein nationalliberales Parteisest für das Königreich Sachsen stattfinden. Heber Zeit und Ort der Jubiläumsfeier der nationalliberalen Gesammlpartei find jedoch noch keine Bestimmungen getroffen. -......... DcutHier 179. Plenarsitzung. Mittwoch den 24. Februar, 1 Uhr. Präsident v. Levetzow erinnert vor Eintritt in die Tagesordnung daran, datz heute vor 25 Jahren der constituirende Reichstag des Norddeutschen Bundes eröffnet wurde und daß von den heutigen Mitgliedern des HauseS folgende fünf der Eröffnungssitzung beiwohnten: v. Bennigsen, Graf Hompesch, Richter, Flhr. v. Stumm und Frhr. v. Unruhe-Bomst. Gleich darauf traten in das Haus ein: Bebel, v. Forckknbeck und vr. Peter Reichensperger. Ebenso find eine Anzahl der damaligen Beamten des Reichstags noch heute in Diensi. Auf der Tagesordnung stehen Anträge aus dem Hause. Abg. Bock (Soc.) begründet die von den Socialdemokraten beantragte Novelle zum Zolltarif, welche die Aufhebung der Getreide-, Dieb-, Fleisch- und anderer Lebensmtttelzölle bezweckt. Der Noth- stand sei im beständigen Anwachsen und eS stehe heute außer allem Zweifel, daß die Zölle die Preise vertheuerten. Man scheine die Arbeiter auf das Roßfletsch Hinweisen zu wollen. So habe neulich hier ein großes Rotzfletschessen ftattgefunden. (Große Heiterkeit.) Redner verwahrt sich dagegen, daß er auf den Roßleber-Witz heretn- gefallen sei; es handle sich um ein wirkliches Roßfletschessen, an dem auch reiche Leute thetlgenommen. Die Speisekarte sei auch danach gewesen und wenn man den Arbeitern das Rotzfleisch so vorsetzen würde, würden sie es auch nicht abweifen. Der Nothstand bekunde sich u. A. darin, daß in Dresden mit Rücksicht auf die colossale Zunahme der Pfändungen zwei neue Gerichtsvollzieher angestellt werden mußten. Er bekunde sich in der Zunahme der Verbrechen, in der Ueberfüllung der Gefängnisse. Nur in der Landwirthschaft, zu Gunsten deren die Getretdezölle aufrecht erhalten würden, fei von einem Nothstand nichts zu merken; seien doch bei einer kürzlich in einem Dorfe bei Berlin stattgefundenen Bauernhochzeit 5 Centner Karpfen aufgegessen worden. Die Famtlienverhältnisse auf dem Lande seien derart, daß sie keine Stütze für den Staat bilden könnten. Jämmerlich seien die Löhne der landwtrthschaftlichen Arbeiter. Die Landwirthschaft bade wahrlich die Lage der landwirtdschastltchen Arbeiter nicht verbcssert; auf die Arbeiter dürfe man sich also nicht zu Gunsten der Aufrechterhaltung der Kornzölle berufen. Die kleineren Bauern hätten gar keinen Nutzen von den Kornzöllen, da sie gar kein Getreide zu verkaufen hätten. Die Einfuhr sei durch die Zölle nicht verhindert worden, sondern sei unter der Herrschaft derselben beständig gestiegen. Die deutsche Landwirthschaft forme allo den deutschen Eonsum nicht decken. Als s. Z. BiSrnarck die Einfuhr amerikanischen Specks verbot, sei die Folge nur gewesen, daß der Arbeiter weder amerikanischen noch deutschen Speck mehr essen konnte, weil er den erhöhten Preis mcht bezahlen konnte. Nach Aufhebung des Einfuhrverbots habe ein einziger Kaufmann in Gotha 96 Ctr. amerikanischen Speck verkauft. In gewissen Kreisen merke man freilich vom Nothstande nichts; so vertheile eine Chemnitzer Actien- gesellschaft 40pEt. Dividende. Nur einige Wenige hätten von den Zöllen Nutzen, Die überwiegende Mehrheit werde dadurch geschädigt. Abg. Frhr. v. Manteuffel (conf.): Bei der Berathung der Handelsverträge fei das Für und Wider der Getreidezölle eingehend erörtert worden; das Haus habe damals anerkannt, daß man heute an eine Aufhebung der Getreidezölle nicht herantreten könne. Man sage immer: Der Nothstand ist da und nur die Getreidezölle sind schuld. Aber in Rußland bestehe doch ein ganz unzweifelhafter Nothstand, den man auf keine Getreidezölle zurückführen könne. Dort sei die schlechte Ernte Schuld und wenn hier und da auch in Deutschland eine Nothlage bestehe, so sei auch diese auf die mißliche Ernte zurückzuführen. Wenn sich ein Verein bilde, der das Rotzfleisch als NahrungSmiitel empfehle und dafür Propaganda mache, so sei das doch kein Beweis für den behaupteten Nothstand, ebensowenig wie es etwas für die Schädlichkeit der Getreidezölle beweise, wenn für den Amtsbezirk Dresden, der 3 bis 400000 Bewohner umfassen möge, zwei neue Gerichtsvollzieher angestellt werden. Die Lohne der landwirthschastlichen Arbeiter seien in den letzten 20 Jahren um 50pCt. in die Höhe peqangen, was er statistisch Nachweisen könne. Von den landwtrthschaftlichen Zöllen hätten Millionen Nutzen, von der Aufhebung nur die socialdemokratifchen Agitatoren. (Beifall.) Abg. Dr. Buhl (natl.) bestreitet dem Adg Bock gegenüber, daß ein Landwirth mit 30 bis 40 Morgen keinen Nutzen von den Getreidezöllen hätte und führt ein Beispiel vor, für das er garantiren kann und wonach ein Besitzer von 30 Morgen im vorvorigen Jahre einen Korner ertrag von 125 Ctr. hatte, wovon er 24 Ctr. für feinen Hausstand (neunköpfige Familie) brauchte und 101 Ctr. verkaufte. In der Provinz Sachsen seien die Verhältnisse noch günstiger. Die Getreidezölle seien für weite Gegenden unseres Vaterlandes noth- wendig. Abg. Gras Behr (Rp.) findet es unbegreiflich, wie man behaupten könne, daß die Löhne der landwirthschastlichm Arbeiter nicht gestiegen seien. Es handle sich doch hier um eine notorische That- fache, die dadurch nicht beseitigt werde, daß in einzelnen Gegenden die Lohne zurückgeblieben sein mögen. Der Antrag sei offenbar nur zu agitatorischen Zwecken gestellt; denn ein anderer Zweck desselben sei nicht erfindlich. Abg. Dr. Bamberger (6fr.) erklärt, daß seine Freunde für den Antrag stimmen würden, um damit ihren principiellen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, datz sie sich aber vorbehalten, für den unwahrscheinlichen Fall, daß der Antrag zur dritten Lesung komme, ihrerseits Ergänzungen zu beantragen, da vhne solche der Antrag unannehmbar sei. Denn wenn man einen sehr grotzen Theil der Reichseinnahmen in Wegfall bringen wolle, so müsse man auch Vorschläge für ausreichenden Ersatz machen. Darüber enthalte der vorliegende Gesetzentwurf nichts. Abg. Bebel (Soc.): Wenn die Löhne im Osten wirklich um 50pCt. gestiegen seien, so müßten sie noch immer Hungerlohne sein, denn sonst blieben die Leute daheim und zogen nicht als Sachsen- gänger nach Westen. Posen, Westpreußen und Pommern stellten auch daß größte Contingent aller deutschen Auswanderer nach Überseeischen Ländern. Die Lebenshaltung der Bevölkerung sei zurück- gegangen. Der Brod- und Fleischconsum habe sich vermindert; die Bevölkerung sei mehr aus Kartoffeln angewiesen. Gegenüber ben hohen Kartoffelpressen hätte die Regierung das Brennen verbieten und ein Kar toffelaussuhrverbot erlassen sollen. Das Pferdefleisch steige im Preise, da es begehrter sei, nachdem anderes Fleisch unerschwinglich geworden. In dem Maße wie die Getreidezölle müßten auch die Jndustriezölle zurückgehen: die Socialdemokraten würden fich dagegen nicht sträuben. Wenn Die Nothlage noch großer werde, wie sie heute schon sei, so werde die Regierung fich wohl oder übel dazu ertschließen müssen, die Getreidezölle weiter herabzusetzen oder zu beseitigen. Ueber die Deckung des Ausfalls, der durch die Aufhebung der Lebensmittelzolle entstehen würde, brauchte sich seine Partei nicht den Kopf zu zerbrechen, da sie den Ausgabeerhöhungen, die im Laufe der Jahre dnßetreten, nicht zugestimmt hätten. Abg. Graf Holstein (conf.): Die Zahl derjenigen, welche ein Interesse an den Getreidezöllen hätten, sei eine sehr große; sie umfasse alle in der Landwirthschaft beschäftigten Kräfte vom Großgrundbesitzer bis zum Drescher. Mit den Getreidepreisen stiegen auch die Lohne. Nachdem Abg. Bock den Antrag nochmals vertheidigt, wird derselbe abgelehnt. Dafür stimmen die Socialdemokraten und die Freisinnigen. Es folgt erste Berathung des von den Socialdemokraten vorgebrachten Gesetzentwurfs betr. die Aufhebung von Wirkungen des SocialiftengesetzeS. Abg. Stadthagen (Soc.) begründet den Antrag. Es schlage dem Rechtsbewußtsein ins Gesicht, wenn Leute wegen Handlungen, die sie vor Aushebung des SocialiftengesetzeS begangen hätten und die heute straflos sind, noch beute bestraft werden könnten. Redner spricht von der Verfolgungssucht der Behörden und wird deshalb vom Präsidenten recttficirt. Er fordert ferner Zurückgabe der auf Grund des Socialistengesetzes beschlagnahmten Gegenstände. Hier könne die Mehrheit einmal den Beweis liefern, daß ihr daS Eigen- thum wirklich heilig ist. Abg. Klemm (conf.): Das Socialistengefetz sei nur auf Zeit erlassen gewesen, eS fei also auch nicht aufgehoben, sondern Mangels einer Verständigung nur nicht erneuert worden. Wolle man den socialdemokratischen Antrag annehmen, so würde man damit anerkennen, daß das Socialistengefetz überflüssig und schädlich gewesen sei; feine Freunde hätten dasselbe aber für nothwendig und nützlich gehalten und seien deshalb außer Lage, dem Anträge zuzuftimmen. Abg Spahn (Ctr.) kann nicht anerkennen, datz die Consequenz eine Ablehnung deS Antrags erfordere. Er und seine Freunde seien für den dritten Punkt des Antrags, welcher Aushebung der Beschränkungen der Gewerbefreiheit, die auf Grund des Socialisten- gesetzes eingeführt wurden, fordert. Abg. Dr. v. Bar (frf.): Das Socialistengefetz fei gefallen, nachdem sich die Anschauungen geändert; deßhalb sei es auch angezeigt, volle Amnestie eintreten zu lassen. Die zweite Berathung des Antrags findet ohne commissarische Vorberathung demnächst im Plenum statt. Ein dritter Antrag der Socialdemokraten auf Verstaatlichung der Apotheken durch das Reich wird von der Tagesordnung abgesetzt. Ueber Petitionen betr. Verleihung der Rechte der juristischen Person an Jnnungsausschüsse und Abänderung der Unfallversicherungsgesetze wird zur Tagesordnung übergegangen. Morgen: Zweite Berathung des TelegraphengefetzeS, Wahlprüfungen. Neueste Nachrichten. SolffS telegraphisches Lorrefpondmz-vureau. Berlin, 24. Februar. Bei dem Festmahl des Provinziallandtages hielt Se. Majestät der Kaiser eine Ansprache, worin er sagte, daß es leider Sitte geworden sei, an allen Handlungen, die die Regierung vornähme, herumzumäkeln, und ob es nicht besser wäre, wenn die mißvergnügten Nörgler lieber den deutschen Staub von ihren Pantoffeln schütteln würden und sich unseren, ihnen elend und jammervoll erscheinenden Zuständen aufs schleunigste entzögen. Diesen wäre geholfen und uns thäten sie einen großen Gefallen. Deutschland trete allmählich in das Jünglingsalter und es wäre Zeit, daß man sich von den Kinderkrankheiten freimachte. Der Kaiser feiert ferner zum Vertrauen aus Gott und die alten Verbissenen von Roßbach und Dennewitz auf und schließt seine Rede mit den Worten: „Zu Großem sind Yon noch bestimmt und herrlichen Tagen führe ich euch noch entgegen. Mein Cours ist der richtige, er wird weiter gesteuert." Depeschen deS „Bureau Herold". Berlin, 24. Februar. Vormittags gratulirte der Kaiser dem Reichskanzler zu dessen Geburtstag. Berlin, 24. Februar. Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf zugegangen, betreffend die Heranziehung von Militärpersonen zu Gemeindezwecken, ferner eine Denkschrift deS Cultusministers, betr. Normaletat für Directoren und Lehrer höherer Lehranstalten. Stuttgart, 24. Februar. Anläßlich deS Geburtstags des Königs erfolgen zahlreiche Ordensverleihungen und Avancements von Militärs und Beamten. Generaüieutenant v. Wölkern wurde zum General der Infanterie befördert. Paris, 24. Februar. Die Presse ist einem Ministerium Rouvier mit Freycinet, Ribot, Constanz, Bourgeois günstig. Rouvier ist beauftragt, das Cabinet zu bilden, er besucht Nachmittags Carnot. Paris, 24. Februar. Die Polizei setzt die Haussuchungen bei dem Anarchisten fort. Es wurden fünfzig Dynamitcartouchen aufgefunden- man glaubt, daß viele von Spanien geschickt sind. Petersburg, 24. Februar. Auf telegraphische Ordre des Czaren trafen der Oberbefehlshaber des Wilnaer Militärbezirks uud der Generalgouverneur von Kiew ein. General Gurko weilt noch hier. Die Berufung wird mit Truppen-Dislocationen in Verbindung gebracht. Locale» unfr Provinzielles. Gießen, 25. Februar 1892. — Zur Sonutagsruhe im Haudelsgewerbe. Wie verschiedenartig sich die Sonnragsseier in den einzelnen Orten gestalten würde, wenn allen dort gestellten Ansinnen von Seiten der Jnteressenten-Verbände stattgegeben werden könne, zeigen schon die nachstehend angeführten drei Orte. Der Stadtrath in Mannheim unterbreitet dem Bezirksamt folgendes: „1. Von dem Rechte, die Zeit der Beschäftigung der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen von 5 Stunden durch ortsstatutarische Bestimmung weiter einzuschränken, macht die Gemeindeverwaltung vorerst keinen Gebrauch. 2. Die gesetzlich gestattete Arbeitszeit von 5 Stunden soll im Allgemeinen von 6 bis 9 Uhr und von 11 bis 1 Uhr festgesetzt werden. 3. Die Arbeitszeit für die Comptoire des Großhandels und der Großindustrie soll derart sestgestellt werden, daß mindestens von 10 bis 12 Uhr ununterbrochen gearbeitet wird. Für Metzgereien, Bäckereien und Conditoreien sollen gemäß § 105 e Ausnahmen von den in § 105 b der Gewerbeordnung getroffenen Bestimmungen zugelaffen werden. 5. Für Friseure wird die Festsetzung der Arbeitszeit von 6 bis 1 Uhr Vormittags in Vorschlag gebracht. 6« Für die letzten vier Wochen vor Weihnachten, sowie an Sonn- und Feiertagen während der Messen soll die im Allgemeinen auf 5 Stunden festgesetzte Arbeitszeit auf 10 Stunden ausgedehnt werden. 7. Eine Ausnahme vom Verbot des Gewerbebetriebs im Umherziehen an Sonn- und Feiertagen soll nicht gemacht werden." — In Oppenheim wurde vom Gemeinderath unter Zuziehung von Kaufleuten und Gewerbetreibenden beschlossen : „bei Großh. Kreisamt zu beantragen, daß in Zukunft die Verkaufsgeschäfte an Sonntagen von 8 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags geöffnet bleiben sollen, während für Nahrungsmittelhändler die Zeit von 6 bis 8 Uhr Vormittags und 5 bis 8 Uhr Nachmittags am passendsten sei." — In Limburg wurde Seitens der Geschäftsleute der städtischen Vertretung eine Petition übermittelt, worin mit Rücksicht auf die bedeutende Landkundschast das Offenhalten der Geschäfte von 11 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags beantragt wird. — Neues Theater. Leider konnten wir über den Verlauf der Benefiz-Vorstellung am Montag bisher nur ganz kurz berichten, wollen aber nicht unterlassen, heule das Versäumte zum Theile nachzuholen. Wir dursten am Montag wieder einmal einen Ehrenabend begehen, wie wir ihn in unserem Theater lange nicht mehr erlebt haben. Ein sehr zahlreiches und distinguirtes Publikum hatte sich eingefunden, um seinem Liebling, Frau Anni Reiners, einen schönen Beweis seiner Dankbarkeit und Verehrung zu geben. Stürmischer Jubel, reiche Blumenspenden begrüßten die treffliche Künstlerin und blieben ihr für den Verlauf des ganzen Abends gesichert. Der Beifall galt aber nicht nur der Darstellerin, sondern auch der Verfasserin von „Schön Roth traut" und wandte sich in dieser Beziehung auch an unseren trefflichen Herrn Director Reiners. Es sei uns heute gestattet, auf den Inhalt des anmuthigen Stückes, dessen Erfolg wir schon vorgestern constatiren konnten, etwas näher einzugehen. Der Fee Aetheria ist ihr Schützling Schön Rothtraut von der bösen Hexe Frau Grusel entführt worden. Sie trauert darum um so mehr, da sie dem Prinzen Edelhold das Bild ihres Lieblings gezeigt und ihn dadurch zu heißer Liebe entflammt hat. Mistel zweig, Aetherias dienstbarer Geist, erbietet sich, die Befreiung Rothtrauts zu unternehmen, indem er Edelhold, der die Verkörperung seines Traumbildes sucht, Hilfe leisten will. Im zweiten Bilde sinnt der König Bambus mit feinem närrischen Hofstaate vergebens darauf, wie die hoffnungslose Liebe seines Sohnes zu heilen sei. Edelhold selbst will nochmals ausziehen, um Schön Rothtraut zu suchen- widerwillig gibt Bambus endlich seine Einwilligung. Begleiter des Prinzen ist der furchtsame Knappe Hasenpfeffer, der aber bald seinen Herrn im Walde verliert. Edelhold findet nun daS Bild seiner Träume mitten im Walde und wirbt mit Erfolg um Rothtrauts Liebe. Diese ist bereit, mit ihm zu fliehen- da erscheint Frau Grusel, sie reißt das Mädchen an sich und versperrt durch herabslürzende Felsen dem Prinzen den Weg. Nun trifft aber Hasenpfeffer auf Frau Grusel, die sich in ihn verliebt und ihn durchaus heirathe» will. Ihre Leidenschaft macht sie blind und taub, so daß Rothtraut entfliehen kann. Sie findet auch wirklich ihren Geliebten, aber wieder will Frau Grusel durch List die Liebenden verderben. Doch da erscheint Mistelzweig als Retter und verhindert den Plan der Hexe. Im letzten Bilde kehren dann die Liebenden an den Hof des Königs Bambus zurück und alles endet in Lust und Freude. — Der poetische Grundton des Ganzen ist in den einzelnen Scenen glücklich sestgehalten und verleiht dem Stück einen äußerst anmuthigen Reiz. Die Musik des Herrn Krauße paßt sich dem Inhalte glücklich an und ist sehr wohlgelungen. — Neues Theater. Wir machen nochmals darauf aus- mersam, daß die heutige Aufführung von „Der Veilchensresser" mit Herrn Georg Hacker von Darmstadt als Gast zum Benefiz des Herrn Paul Ernst stattfindet. Letzteres ist aus den Theaterzetteln zu bemerken vergessen worden. Herr Ernst hat sich während seiner hiesigen Wirksamkeit die Sympathien des Publikums in so hohem Grade erworben, daß voraussichtlich heute Abend sein ausverkausteS Haus zu erwarten ist. — Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben dem Schüler der Prima des Gymnasiums zu Hanau Friedrich Wagner in Anerkennung der von demselben am 19. December 1891 mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Fuhr- knechts Ludwig Müller aus Groß-Steinheim vom Tode deS Ertrinkens die Rettungsmedaille zu verleihen geruht. — Schuldienst - Nachrichten. Am 24. December 1891 wurde dem Schulamtsaspiranten Wilh. Seum aus Schwickartshausen eine Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Hofheim, — an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Heinrich Schwarz zu Ober-Gleen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Romrod übertragen - — am 26. December wurde der unter Wahrung seiner Rechte als definitiv angestellter Bolksschullehrer mit Verwaltung einer Lehrerstelle an der Vorschule des Gymnasiums zu Mainz betraute Lehrer Georg Martin Petrus zum Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule daselbst, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, — am 4. Januar 1892 wurde der Schulverwalter an der Vorschule des Gymnasiums zu Gießen Aug. Haggenmüller zum Lehrer an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, mit Wirkung vom 1. Januar an, — am 5. Januar wurde die Privatlehrerin Auguste v. Cordier in Mainz zur Lehrerin an der höheren Mädchenschule daselbst ernannt- — am 5. Januar wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Rorhermel aus Eich die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder - Breidenbach übertragen- — am 8. Januar wurden die von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein aus Lehrerstellen an der Volksschule zu Offenbach präsentirten Schulamtsaspiranten August Stork aus Richen und Emil Gabriel aus Hillesheim für diese Stellen bestätigt- — am 1. Februar wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Laubinger aus Holzhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eichenrod übertragen - — am 5. Februar wurde der von dem Herrn Fürsten zu Dsenburg und Büdingen in Büdingen auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hain - Gründau präsentirte Schulamtsaspirant Hermann Reuß aus Grünberg für diese Stelle bestätigt - — am 10. Februar wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Karlin aus Gabsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Uffhofen, mit Wirkung vom 1. Januar an, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Peter Clarius zu Lindheim, unter Enthebung desselben von der ihm übertragenen Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Balkhausen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langen übertragen. — Lebensmittel-Preise Ende November 1891. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten: L' K •e — jO c 'S S» ndslei Pfu lbslel Pfu SS. e- 3 misch Brod ’S ä L Q. *6~ j- (£) Q- S £ a ö. Städte mit Octroi Darmstadt 76 70 70 66 66 16 Mainz 72 60 70 70 65 16 Offenbach 76 58 70 70 70 17 Worms 76 70 64 64 68 14,5 Gießen 74 64 60 67 65 14,5 Städte ohne Octroi Bingen 75 70 60 70 70 15,5 Bensheim 70 64 60 60 60 16 Alzey 69 64 70 70 70 19 Friedberg 68 60 60 60 60 15,5 Alsfeld 65 54 55 56 — 17,5 Lauterbach 64 64 56 60 56 19 Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter Eier 1 Stück 14,5 91-120 17 6-10 15 89-100 19 6-7 15 110-124 21 6-10 14 91-105 16 7-9 14 83-95 17 8-9 15 81-98 19 7—9 14 90-100 17 7-8 14,5 87-105 17 8-9 15 87-93 16 8 15 95-100 14 6-7 15 100 14 6 § Alsfeld, 24. Februar. Der diesjährige Delegirtentag der unter dem Protectorat Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs stehenden Kriegerkameradschaft Hassia wird am 18. und 19. Juni d. I. in unseren gastlichen Mauern tagen. Der hiesige Veteranen- und Kriegerverein, gegründet 1873, hat die Abhaltung dieser kameradschaftlichen Festlichkeit übernommen. Bereits sind in engerer Sitzung schon Vorbereitungen zu diesen Festtagen getroffen worden. Bei der anerkannt sehr tüchtiges Leitung genannten Vereins und bei der rühmlichst bekannten Gastfreundschaft unserer altehrwürdigen Stadt steht sicher zu erwarten, daß das geplante Fest ein schönes und ausgedehntes werden wird. Da der Delegirtentag viele alte Kampfgenossen und jüngere Kameraden aus den drei Provinzen versammelt, so steht auch eine größere Anzahl von Festgästen gewiß zu erwarten. Alsfeld mit seinen zu solcher Festlichkeit vorzüglich geeigneten freien Plätzen, trefflich eingerichteten Wirthschastsräumlichkeiten und historischen Sehenswürdigkeiten wird sicher auch bei diesem Feste sich bemühen, den Wünschen der Festgäste nach Kräften entgegenzukommen, um den alten Ruf der Gastfreundschaft aufs Neue zu bethätigen. + Herbstei«, 24. Februar. Zu Ehren des Herrn Ober-- AmtSrichter Dr. Scriba, der nach Alsfeld versetzt wurde, sand gestern Abend in dem schön decorirten Saale des Deutschen Hauses ein Abschiedsessen statt. Herr Oberamtsrichter Dr. Scriba hat sich während seines Hierseins in Ausübung seines Amtes sowohl, als auch als Director der hiesigen Spar- und Leihkasse so verdient gemacht, daß die Stadt ihn ungern scheiden sieht. Darmstadt, 24. Februar. Se. Königl. Hoheit der Groß- herzog empfingen heute u. A. die Katharina Amendt von Trais a. d. Lumda. A Mainz, 24. Februar. Wie der Acker so die Ruben, wie der Vater so die Buben! Das schreckliche Ende, das der am verflossenen Freitag Hingerichtete Peter Eschbach von Fürfeld gefunden, dem die Folgen seiner Sucht zur Wilderei die Mordwaffe in die Hand gegeben, scheint bei den ältesten Söhnen des Hingerichteten keinen besonderen Eindruck hervorgerufen zu haben. Während das Schicksal Peter Eschbachs schon besiegelt und demselben nur noch wenige Tage seines Lebens vergönnt waren, liefen bei den Behörden fortgesetzt aus der Gegend von Fürfeld, Wöllstein und Neu-Bamberg Anzeigen von verübten Wildereien ein, die von den zwei ältesten Söhnen des zum Tode Verurtheilten verübt worden fein sollten. Eine zwei Tage nach der Hinrichtung ihres Vaters bei denselben vorgenommene gerichtliche Haussuchung lieferte den vollgültigen Beweis ihrer Schuld, indem man frisch geschossenes Wild, eingesalzenes Rehfleisch, zahlreiche Hasen- und Rehfelle, Revolver und Jagdflinten, sowie einen großen Vorrath von Schrot, Blei und Kugeln vorfand. Zur Befriedigung der Bewohner der ganzen dortigen Gegend, wurden die beiden Wilderer nach dieser ausgiebigen Haussuchung sofort in Haft genommen. — In dem Bestattungswesen soll hier eine lobenswerthe Aenderung getroffen werden. Die verschiedenen Klassen Todtenwagen sollen nämlich abgeschafft und, ob reich oder arm, Alle in einem Leichenwagen zum Friedhof gebracht werden. Worms, 21. Februar. In den letzten Jahren ist in hiesigen Wirthschaften eine größere Anzahl Orchestrions ausgestellt worden. Diese Wirthschaften sind besonders stark besucht, auch in Tagesstunden, in welchen es sonst in den Wirthshäusern stille zu sein pflegt. Die hiesige Stadtverordneten - Versammlung glaubt, daß dieser vermehrter Wirthshausbesuch vom Uebel sei und will den häufigen Gebrauch der OrchestrionS, Drehorgeln u. s. w., der auch der Nachbarschaft nicht besonders angenehm ist, einschränken. Es wurde deßhalb der Erlaß einer Polizeiverordnung beschlossen, wonach Musikaufführungen in Wirthschaften u. f. w. mit mechanischen Musikwerken, sofern nicht eine besondere Erlaub- niß erwirkt wird, nur von 7—9 Uhr Abends, an Sonntagen von 4—11 Uhr stattfinden dürfen, an den drei hohen Festtagen und in der Charwoche gar nicht. Schiffsnachrichten. — Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Linie" ü? Antwerpen ist laut Telegramm am 23. Februar wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land» nnd Volkswirt, Schaft. Limburg, 24. Februar. Frachtmarkt. Rother Weizen X 18.90, weißer Weizen JL —, Korn 16.00, Geiste Jt 10.00, Hafer v4t 6.60, Erbsen Jt —. — Der Norddeutsche Lloyd in Bremen hat seine Zwischendeckspreise für die Ueberfahn nach Amerika um Mk. 20 für die Schnelldampfer, um Mk. 10 für die Packetdampser erhöht. Die Schifffahrtsgesellschaft macht durch Circulair vom 22. Februar 1892 Nachstehendes bekannt: Mit dem Heutigen treten folgende Zwischendeckspreise in Kraft: Mk. 120.— nach New-Aork für Schnelldampfer, Mk. 100.— nach New-Aork für Postdampfer, Mk. 100.— nach Baltimore. Diese Preise gellen für alle Abfahrten nach dem 29. Februar cr. Das Alter von Kindern, namentlich solchen, die auf der Grenze der Tarifstufen von ein und zwölf Jahren stehen, ist durch Geburtsschein nachzuweisen. Kann ein solcher nicht erbracht werden, so ist daS Ueberfahrtsgeld nach der Schätzung des Alters zu entrichten. — Sind falsche Altersangaben gemacht, um dadurch einen VotheU zu erzielen, so wird außer der Nachzahlung eine Strafe von 10 % in Gemäßheit der Ueberfahrtsbedtngungen erhoben. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß derartige falsche Angaben strafrechtlicher Ahndung unterliegen. Gesuche um Ermäßigung sind zwecklos, da solche keine Berücksichtigung können. — Auf der „Internationalen Ausstellung für daS Rothe Kreuz rc. in Leipzig" wurde den Präparaten der Compagnie Kemmerich („Kemmerichs Fleisch Pepton", „cond.Bouillon" und „Fleisä- Exiract") die goldene Medaille der Ausstellung, sowie die höchste Auszeichnung r eine goldene Medaille als Ehrenpreis der Stadt Leipzig zuerkannt; hinsichtlich der zur Ausstellung gl langten Gegenstände schreibt die „Leipziger Zeitung" in ihrer Nr. 30 vom 6. Februar d. I Abends: Die Fleischprävarate der Compagnie Kemmerich haben längst den Ehrenplatz an der Spitze der nach dem sogenannten Liebig'schen Verfahren hergeftellten Fleischextracte erobert und bewiesen, daß dieses Verfahren nicht nur vervollkommnungssähig, sondern sogar verbesserungsbedü'ftig war. Seit einer Reihe von Jahren schon sind auf den Aufstellungen der ganzen Welt die höchsten Auszeichnungen für solche Präparate stets der Compagnie Kemmerich zu- gesallen, sie besitzt allein schon 20 goldene Medaillen und noch werth- vollere Ehrenpreise. Neben der Verbesserung des Fleischextracts und der Herstellung der vorzüglichen Fleischbouillon hat den Ruhm deS Prof. Dr. Kemmerich, unseres Landsmanns, namentlich der con currenzlose Artikel „Fleischpepton" für alle Zeiten fest begründet. Gottesdirast der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 510 Uhr, Samstag Vormittag 880 Uhr, SamStag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 6i5 Uhr. 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