ribh H Nj Äij Pi. Ni- ■Qt« n9ti !r. 197 Donnerstag den 25. August 1892 Der bießener Anzeiger cridieint t ä g 1 i d>, mit Ausnahme des Montags. Tic Gießener pimitlenblälter verbm dem Anzeiger eöchentlich dreimal dcigelegt. Gießener A nzeiger General-Anzeiger. Dicrtel jähriger Abonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchutstrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren ntt ngv dii -ks, gkeil Annahme von Anzeigen zu der Aachmulagö für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biS Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Samil'ienbl'ätter. Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. hm unl IDO! esch f n •6n teil der !NN inet lini Ser ?in.- ÖB AnrUichev Theil. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Ettingshausen. Nachdem in einem Gehöft zu Ettingshausen die aul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, haben : die Sperre des betreffenden Gehöftes verfügt. Die AuS- irung von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus Gemarkung Ettingshausen ist hiernach bis auf Weiteres c auf Grund thierärztlicher Gesundheitsscheine zulässig. Gießen, den 23. August 1892. GroßherzoglicheL Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. itn ein 14 •at io 'er lei er ic w er ’flf 14» ile er nt ic ii|i IC )£E ii er Berlin, 24. August. Die so lange ventilirte Frage der isührung der zweijährigen Dienstzeit ist in Hinblick i die jüngst gefallene Aeußerung des Kaisers hier- :r vorläufig wieder gegenstandslos geworden. Denn nach- n der allerhöchste Kriegsherr erklärt hat, daß bis auf nteres keine Veränderungen in der bestehenden activen enstzeit stattfinden sollten — der Wortlaut der bezüglichen ußerungen steht allerdings noch nicht fest — erscheinen e ferneren Erörterungen über dieses Thema als zwecklos, e könnten höchstens dann noch eine gewisse Berechtigung sweisen, wenn das in Berliner Blättern colportirte Gerücht hr wäre, wonach die Stellung des Reichskanzlers rasen Caprivi infolge der unerwarteten Wendung in Militärsrage angeblich erschüttert worden sein sollte, er man hat es hierbei offenbar mit einer ganz haltlosen mbination zu thun, was schon daraus erhellt, daß Gras privi nichts weniger als ein begeisterter Anhänger der eijährigen Dienstzeit ist, wie ja die „Nordd. Allg. Ztg. verschiedenen seiner früheren Reichstagsreden nachgewiesen . Wie alsdann der jetzige Reichskanzler durch die einst- ilige Ablehnung der zweijährigen Dienstzeit Seitens des isers compromittirt sein soll, ist schwer erfindlich. Außerdem c Graf Caprivi gerade in den letzten Wochen mancherlei rnstbezeugungen von seinem erhabenen Souverain empfangen, >zu u. A. die Einladung zur Theilnahme an den Kaiser- mövern in Lothringen gehört. — H e rr v. Giers, der noch immer beurlaubte russische Minister des Auswärtigen, wird dieser Tage auf der Durchreise nach Italien in Berlin erwartet. Es heißt indessen, die bevorstehende Anwesenheit des Herrn v. Giers in der deutschen Reichshauptstadt würde keinerlei politische Bedeutung haben, während es bis jetzt hieß, er würde gelegentlich seines Berliner Aufenthaltes Besprechungen mit den leitenden politischen Persönlichkeiten in Sachen des geplanten deutschrussischen Handelsabkommens pflegen. Da Herr v. Giers in der That noch sehr leidend sein soll und sich lediglich zu seiner Erholung nach Italien begibt, so ist es allerdings nicht wahrscheinlich, daß er in Berlin politischen Geschäften nachgehen sollte. — Schon wiederholt ist in den letzten Wochen das Gerücht von auch in Deutschland ausgetretenen Fällen asiatischer Cholera gegangen, ohne daß es sich jedoch bewahrheitet hätte — glücklicher Weise! Jetzt will nun eine Karlsruher Meldung wissen, daß in Pforzheim ein Cholerasall vorgekommen sei, worüber strengste Geheimhaltung angeordnet wäre. Ein solches BertuschungSsystem würde indessen völlig verkehrt sein, falls sich die Meldung von einem Cholerasall in genannter badischer Stadt wirklich bestätigen sollte. Vorerst wird man jedoch hoffen dürsen, daß sich der Pforzheimer Fall nur als Cholera nostras herauöstellt, wie dies bei den in Hamburg vorgekommenen choleraartigen Erkrankungen festgestellt worden ist. Jedenfalls begünstigt die schon so lange herrschende große Hitze das Auftreten von Cholera nostras ungemein. Auch aus Belgien wird der angebliche Ausbruch der Cholera gemeldet und zwar sollen in Jnmet bei Charleroi zwölf derartige Fülle, worunter fünf mit tödtlichem Ausgange, constatirt worden sein. Es heißt, eine französische Arbeiterfamilie hätte die Seuche eingeschleppt. Meldungen vom Auftreten der Cholera kommen ferner aus Finnland, Norwegen und Irland. Ausland. — Wieder einmal tagt ein europäischer Friedens- Con g r e ß, diesmal in Bern. Er zählt 308 Theilnehmer und wurde am Montag durch den eidgenössischen Bundesrath Ruchonnet mit einer warmen Bewillkommnungsansprache eröffnet. So löblich indessen an sich auch die Bestrebungen der Friedens- congresse sind, so steht doch von ihnen so lange kein practischer Erfolg zu erwarten, als sich die Regierungen den Einflüssen solcher Vereinigungen zu entziehen wissen. An die Erringung eines derartigen Einflusses ist aber vorerst nicht zu denken und so wird denn auch der Berner nach so manchen schönen Reden wieder auseinandergehen, ohne dem Ideale der Völkerverbrüderung näher gekommen zu sein. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 23. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Anläßlich des Vorkommens einer größeren Zahl choleraverdächtiger Erkrankungen in Hamburg begeben sich Namens des Kaiserlichen Gesundheitsamts die Doctoren Koch und Rahts dorthin, um sich über die Natur der Krankheit und über etwaige Bekämpfungsmaßregeln mit den dortigen Behörden zu benehmen. Fulda, 23. August. Die BischosSconserenz wurde heute mit einer Andacht im Dome eröffnet. Anwesend sind die Erzbischöfe von Köln und Posen, die Bischöfe von Erm- land, Culm, Hildesheim, Paderborn, Münster, Trier, Limburg und Fulda, der Armeebischos aus Berlin und der päpstliche Delegat Prälat Nagel aus Rom. Wegen seiner preußischen Diözesanantheile nimmt auch der Bischof von Mainz Theil, während der Erzbischof von Freiburg diesmal nicht kommt. Erwartet werden noch der Fürstbischof von Breslau und der Bischof von Osnabrück. Den Vorsitz führt der Erzbischof von Köln. Die Dauer der Conferenz wird zwei biS drei Tage sein. Hamburg, 23. August. Dem „Hamb. Corr." zufolge sind gestern 126 choleraähnlichc Erkrankungen vorgekommen, wovon viele tödtlich Verliesen. Bei mehreren Erkrankten sei die cholera asiatica constatirt. Die Medicinal- behörde und die Polizei haben Maßregeln getroffen behufs Localisirung der Krankheit aus die am stärksten betroffenen Theile der Altstadt. Auch heute ist die Zahl der neuen Erkrankungen erheblich. Die Hitze dauert an. j Hamburg, 23. August. Die Cholerafälle nehmen ' zu, besonders in dem Hasengebiet. Seit Sonntag werden ! 132 Fälle gemeldet, der Procentsatz der Sterblichkeit ist sehr erheblich, es heißt gegen sechzig. Von der niedrig gelegenen dicht bevölkerten Straße Lembckentwiete wird ein Cholerasall gemeldet. Die Sanitätscolonne ist in ununterbrochener Thätig- feit und hat Verstärkungen herangezogen. Asiatische Cholera ist bisher nicht constatirt worden. Feuilleton. u tu el d- )0 Ü H le; or el ai ft V l il -t [l r> ü ii !ß 5 K J I I I „Nr. 81691". Novellette von B. Corony. (Schluß.) „Aber sie ist glänzend gelungen! Wenn ich den Kirch- arm auf der Promenade spazieren gehen sähe, so würde ch das weniger in Verwunderung setzen als die so uner» irtete Großmuth." „Wir ziehen es vor, zu handeln, anstatt viele Worte machen," bemerkte Ludovika würdevoll und fügte zu dem tth gewendet hinzu: „Sind Sie damit einverstanden, so sen wir jetzt die Kinder allein. Katharina hat jedenfalls on den Theetisch gedeckt und wartet aus uns." Von dem Dank der Ueberglücklichen begleitet, entfernten sich. „Es kam doch schauderhaft theuer, lieber Welker," seufzte 'äulein Koch eine halbe Stunde später, einen Löffel Rum seine Tasse gießend. „Weiß der Himmel! Aber da uns das Geld gewiffer- aßrn zum Fenster herein regnete, — — a propos, wie äre es? Die Frist, welche Sie aus allzugroßem Zart- sühl festsetzten, ist verstrichen." „Und ich will Ihre Geduld nun nicht länger aus die robe stellen." Ludovika stand aus, entnahm dem Schreibtisch das Loos, ingelte der alten zuverlässigen Dienerin, händigte es ihr n und sagte: „Katharina, gehe abermals zu dem Bankier reitag und ersuche ihn, Dir sofort den Gewinn auszuzahlen." Mit begreiflicher Ungeduld wurde ihre Rückkehr erwartet, ie Schnelligkeit gehörte leider nicht zu den Tugenden der 'ackeren. Endlich erschien sie aber doch. „Hast Du alles?" ries ihr das Fräulein entgegen. „Qo." Sie legte ein Vierrel-Freiloos auf den Tisch >d begann auszuzählen: „50, 60, 70, 80 und hier noch Hs einzelne, macht 86." „Wie dumm! Die Pfennige zuerst vorzunehmen!" murrte Welker. „Nun?" fragte Ludovika, als die Dienerin innehielt. „Sie befehlen?" „Weiter! Weiter!" „Was denn weiter?" „Das Geld! Wo hast Du es denn?" „Da liegt es ja: 50, 60, 70 —" „Wer spricht denn von den sechsundachtzig Pfennigen? Du mußtest doch weit über dreitausend Mark bringen?" ' „Ueber dreitausend — ?" „Ja, natürlich? Hast Du das Geld etwa gar unterwegs verloren ?" „Nicht die Spur!" „Nun, dann gieb es doch her!" „Ich habe ja keines." „Was ist das für ein entsetzlicher Wirrwarr?" rief der Steuerrath. „Ste müssen doch eine schriftliche Abrechnung erhalten haben." „Freilich." „Also her damit!" „Da ist sie." Er begann laut vorzulesen: „Nr. 81691 — ^-Gewinn ä 155 Mark beträgt 38 Mark 75 Pfennig, davon ab die planmäßigen Abzüge von 15 4/5 Procent, 6 Mark 12 Pfennige, verbleiben 32 Mark 63 Pfennige, und nach Abzug des planmäßigen Betrages für ein Viertel-Freiloos Nr. 140560 vierter Klasse 31 Mark 77 Pfennige, zur Baarzahlung 86 Pfennige." Wohl fünf Minuten herrschte unheimliches Schweigen, dann sagte Fräulein Koch, bis in die Lippen erblaßt: „DaS muß entweder ein Jrrthum sein oder ein Betrug. Man glaubt, ich spiele allein und speculirt auf meine Unerfahrenheit in Geschäftsangelegenheiten. Wir lasen doch beide: Fünfzehntausend Mark." „Ich habe eö recht deutlich gesehen, aber ich verließ mich natürlich auf Sie," erwiderte Welker mit einem Blick, aus dem verheerende Ungewitter drohten. „Und icv kann dafür einstehen, daß ich mich nicht irrte. Uebrigens besitze ich daS Zeitungsblatt noch." „Nun, dann wollen wir selbst zu Freitag gehen und um Aufklärung ersuchen." „Ja! Mit diesem Bescheid gebe ich mich keineswegs zufrieden! 86 Pfennige! 43 ä Person! — Das könnte mir paffen nach derartigen Auslagen!" Ludovika setzte den Hut auf, ergriff den Regenschirm mit ' so kriegerischen Mienen, als sollte er ihr nötigenfalls als Waffe dienen, und sagte mit kurzem, befehlendem Tone: „Ihren Arm, Herr Rath!" Bei dem Bankier angekommen, begann Welker: „Herr Freitag, diese Dame behauptet —" Er wurde aber sofort von Fräulein Koch unterbrochen mit den Worten: „Ich kann schon selbst Vorbringen, was ich behaupte. Im Bromberger Anzeiger — ich brachte das Blatt mit, hier ist es — steht, daß in der ersten Ziehung, also Vormittags, das Loos 81691 mit einem Gewinn von fünfzehntausend Mark gezogen wurde." „Bedauere sehr. Belieben Sie einen Blick in die offizielle Ziehungsliste zu werfen. Der genannte Betrag fiel auf Nr. 81694." „Aber hier steht doch —" Freitag nahm das Blatt. „Ein Jrrthum, der durch den undeutlichen und blaffen Druck veranlaßt wurde," sagte er achselzuckend. „Der dünne Settenstrich fehlt, man muß wenigstens sehr scharf Hinsehen, wenn man eine schwache Spur von ihm entdecken will. Hätten Sie übrigens weitergelesen, so würden Sie unter den Nachmittags gezogenen Nummern die Ihrige gefunden haben. . . . Hier ist sie. Bitte sich zu überzeugen. Hoffentlich bringt Ihnen das neue Loos mehr Glück." Es war keine angenehme Unterhaltung, die zwischen den beiden so bitter Enttäuschten ans dem Heimwege gepflogen wurde. Hermann und Grethchen erfuhren nie, welchem Zufall sie die Erfüllung ihrer Wünsche zu danken hatten, sanden jedoch neuerdings Ursache, zu staunen, denn der Steuerrath that etwas, was rr noch nie gethan, so lange sie zurückzudenken vermochten: Er ließ volle acht Wochen verstreichen, ehe er wieder seinen Thee bei Tante Ludovika trank. Hamburg, 23. August. Die 21. Generalversammlung deö deutschen Apothekervereins ist heute Dormittag unter dem Dorsche von Fröhlich-Berlin eröffnet worden. An derselben nahmen etwa 220 Mitglieder Theil. Senator Dr. Hachmann begrüßte die Erschienenen im Namen des Senates, Geh. Medicinalrath Dr. Pistor-Berlin im Auftrage des preußischen Cultusministeriums. Zunächst wurde der Jahresbericht von 1891/92 erstattet. Der Antrag des Vorstandes, sich durch Mitglieder aus den einzelnen Staaten verstärken zu dürfen, um in der Gewerbesrage den Apothcker- stand zu vertreten, wurde einstimmig angenommen. Ein zweiter Antrag, beim preußischen Cultusministerium dahin vorstellig zu werden, daß an der Universität Berlin specielle Lehrkräfte für die Ausbildung in den pharmaceutischen Wissenschaften angestellt werden, gelangte ebenfalls zur Annahme. Sagau, 23. August. Das bisherige Ergebniß der Reichstags-Ersatzwahl Sagan Sprottau aus 59 Ortschaften ist: Klitzing (cons.) 3918, Müller (freisinnig) 3729, Zubeil (Soc.) 1286 Stimmen. Bern, 23. August. Der Bundesrath hat wegen der Choleragefahr die Ein- und Durchfuhr von aus Rußland und Frankreich stammenden Hadern, Lumpen, alten Kleidern, gebrauchtem Bettzeug, gebrauchter Leib- und Bettwäsche, mit Ausnahme des Gepäckes von Reisenden, untersagt. Paris, 23. August. In der gestrigen Sitzung der Akademie der Wiffenschasten theilte Pasteur mit, daß die von dem Arzte Hafkine an seiner eigenen Person und an drei anderen Personen vorgenommenen Jmpsversuche gegen die Cholera zu Ergebnissen geführt hätten, die zu weiteren Versuchen ermuthigten. Kopenhagen, 23. August. Anläßlich der Cholera- gesahr sind heute gegen Herkünste aus den französischen Häsen des atlantischen Meeres, sowie des Canals Maßregeln ergriffen worden. Die Einfuhr von Lumpen, gebrauchten Kleidern, Watte, Kratzwolle und Papierabsätlen wurde verboten. Eine Quarantäne ist noch nicht angeordnet worden. Petersburg, 23. August. Der „Regierungsbote" tritt kategorisch den Meldungen der Blätter entgegen über die Grausamkeiten, welchen in Rußland die Juden ausgesetzt feien; namentlich sei die Meldung der „Daily News" völlig unrichtig, daß Juden aus Moskau und Petersburg gefesselt und zu Fuß in die ihnen zum Aufenthalte angewiesenen Orte abgesührt, ja sogar nach Sibirien transportirt worden seien. In Rußland würden nur Zwangssträflinge gefesselt und auch diese nicht zu Fuß transportirt. Der „Regierungsbote" schließt mit der Erklärung, in Rußland würden gegen die Juden keine Grausamkeiten und Gewaltthaten begangen. Alle bezüglichen Zeitungsmeldungen seien rein erfunden. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 24. August. Seitens der Freiconservativen werden die Vorbereitungen zu dem conservativen Parteitage energisch betrieben. Die conservative Correspondenz veröffentlicht diesbezügliche Mitrheilungen. Berlin, 24. August. Die von Hamburg eintreffenden Meldungen von 150 Erkrankungsfällen mit 65 Fällen von tödt- lichem Verlauf lassen keinen Zweifel, daß die asiatische Cholera vorliegt. Eventuell ist für heute die Sperrung des Hafens zu erwarten. Altona, 24. August. Hier wurden ebenfalls Fälle von asiatischer Cholera amtlich constatirt. Oldenburg, 23. August. Auf eine Anfrage des Comites für die Huldigungsfahrt nach Friedrichsruh ließ Bismarck antworten, er sei gerne bereit, die Huldigung Ende I September anzunehmen. Köln, 24. August. Ein Telegramm der ,Köln. Ztg." \ aus Antwerpen bezeichnet die an die deutschen Blätter gesandten Telegramme über die Einschleppung der asiatischen Cholera in Belgien als Sensationsnachrichten. Von der asiatischen Cholera fei dort keine Rede. Wiesbaden, 23. August. Wie dem „Rhein. Kurier" aus Biedenkopf gemeldet wird, hat der Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Biedenkopf, Landgerichtsrath Bork in Marburg, welcher früher wegen seiner abneigenden Meinung über das Volksschulgesetz aus der nationalliberalen Fraction austrat, nunmehr sein Mandat niedergelegt. Der nationalliberale Candidat für die Ersatzwahl ist Amtsgerichtsrath Seyberth in Siegen, der sreiconservative Candidat Regierungspräsident von Tepper-Laski in Wiesbaden. Paris, 23. August. Das franco-russische Fest hat mir einem Deficit von 80,000 Francs geendet. Die Blätter kritisiren die Leichtfertigkeit der Regierung, bei Er- laubnißertheilung von Festen, bei denen der Erfolg nicht gesichert ist. Rouen, 23. August. In dem hiesigen Correctionshause ist eine choleraähnliche Epidemie ausgebrochen, zwei Personen sind bereits gestorben. Chesterfield, 23. August. Mehrere Fälle von Pockenkrankheiten wurden hier constatirt. Malmö, 23. August. In der letzten Sitzung erklärte der socia list isch e Ar beiter congr eß, die Enthaltung von der Theilnahme am parlamentarischen Leben sei verwerflich. Bei der Verhandlung über die Frage, betr. Stellung der Socialdemokraten zum Unionsconflict, äußerte der Ad- vocal vom höchsten Gericht, Meyer-Christiania, die norwegische Arbeiterpartet habe ein Interesse daran, daß diese Frage aus der Welt geschafft werde, entweder durch Beilegung des Con- flictes oder durch Auflösung der Union. Der nächste Congreß findet im Jahre 1897 in Stockholm statt. Madrid, 23. August. Die Regierung beschloß, Maßregeln gegen alle Reisenden und Maaren, welche aus Belgien kommen, zu ergreifen, weil befürchtet wird, in Belgien feien choleraartige Krankheitserscheinungen ausgetreten. Der spanische Gesandte in Belgien wurde beauftragt, genau die spanische Regierung über die vorgekommenen Fälle von Cholera zu unterrichten. Petersburg, 23. August. Die Roggenausfuhr wurde wieder gestattet. totales unb provinzielles. Gießen, 24. August 1892. -n. Unsere Quellwasserleitung konnte heute (24. August) QU&er i" der von der Verwaltung festgesetzten Zeit auch von 8 bis 12 Uhr Vormittags benutzt werden; es ist zu hoffen, daß dies auch in den nächsten Tagen möglich sein wird und wolle man es im Bedarfsfall versuchen. — Dies Ergebniß ift um so erfreulicher, als der Quellenerguß sich inzwischen noch nicht gehoben hat und ist daraus zu ersehen, wie durch vorsichtigeren Gebrauch des Quellwasiers der plötzlich eingetretene Mangel zum Besten der Allgemeinheit gemildert und erträglicher gemacht werden kann. — Der am Montag verunglückte Monteur Michel befindet sich, nachdem sämmtliche Holzsplitter aus dem Körper entfernt sind und eine am Mastdarm vorgenommene Operation gut verlaufen, den Umständen nach wohl. Hoffentlich gelingt es, den Mann am Leben zu erhalten. Der hiesige Turnverein beabsichtigt, Sonntag den 4. September eine Turnsahrt mit Damen nach Kloster Arnsburg zu machen und wird im Voraus an dieser Stelle hieraus aufmerksam gemacht. Verhaftet wurde gestern Abend ein hiesiger junger Bursche, welcher s. Zt. die Fahne des akademisch-naturwissenschaftlichen Vereins gestohlen und dann vernichtet hat. — Heute Morgen wurde ein auswärtiger Maurergeselle verhaftet, der während des Arbeitens die Gelegenheit benutzt hatte, aus einer an der Wand hängenden Weste eine Taschenuhr zu stehlen. — Mißhandlung. Ein Einwohner von hier hat gestern seinen L>ohn ohne Grund mißhandelt und derart geschlagen, daß er eine nicht unbedeutende Wunde auf dem Kopfe davontrug. — Die diesjährige Jahresversammlung der allgemeinen Conserenz der deutschen Sittlichkeitsvereine wird am 19. und 20. October in Darmstadt stattfinden. Für die Hauptversammlung, die am Donnerstag um 9 Uhr gehalten wird, haben die Herren Sanitätsrath Dr. Brinkmann von Wiesbaden und der Vereinßgeistliche Pastor Patzsche von Liegnitz die Referate übernommen. Das Thema des Ersteren lautet: „Inwieweit beeinflussen die Lebensanschauungen und Gesellschaftsordnungen der Gegenwart die Sittlichkeit?", das Thema des Letzteren: „Oeffentliche Vergnügungen und die Unsittlichkeit". — Der kürzlich in Darmstadt begründete Sittlichkeitsverein zählt bereits an 100 Mitglieder. Vorsitzender ist Pfarrer W a g n e r, Schrift- ührer Landgerichtsrath Cellarius, Kassirer Kaufmann H. Lautz. Blofeld, 16. August. Bei der heutigen Gemeinderathswahl wurden unter großer Betheiligung folgende Personen gewählt: Karl Nicolay II. mit 34, Gg. Schmidt III. mit 32, Georg Mögt mit 32 und Heinrich (Siebte mit 31 Stimmen. Lauterbach, 23. August. Gestern Mittag fand der im besten Mannesatter stehende Arbeiter Georg Gonnee von hier einen schnellen Tod. Derselbe hatte sich, wie verlautet, in angetrunkenem Zustande in die Gluth der Mittags- onne gelegt, was vermuthlich die Ursache des plötzlichen Todes war. Er hinterläßt eine Frau und zwei noch unerzogene Kinder. □ Vom Vogelsberg, 23. August. Mit dem Heutigen hat die tropische Hitze wieder die Höhe von der vorigen Woche erreicht. Sie wird immer unerträglicher und die Folgen der Dürre machen sich jeden Tag schärfer bemerkbar. In den Ortschaften, welche auf hohen Stellen gelegen sind, ist die Wasserversorgung zu einer Calamität geworden. Die Wasserreservoire sind längst ausgetrocknet oder in einen übelriechenden Sumpf verwandelt. Stundenweit müssen die Leute das Wasser in Fässern herbeischaffen. In Kestrich wurde eine bejahrte Frau aus dem Felde von einem Hitzschlage betroffen; sie verstarb in Folge dessen noch in der Nacht. O Ulrichstein, 23. August. Em anfangs der dreißiger Jahre stehender lediger Mann von hier hat sich gestern Nachmittag mit einem Revolver in seinem Bette erschossen. Die Kugel war dem Lebensmüden durch den Mund hinein und am Hinterkops herausgedrungen. Der Lebensüberdruß des Unglücklichen, welcher in guten Vermögensverhältnissen gestanden, lag wohl in einer geistigen Umnachtung. L. Offenbach a. M., 23. August. Bei Gelegenheit des dem gestrigen, von 200 Genossen besuchten Verbandstages der hessischen landwirthschaftlichen Genossenschaften, über dessen Verhandlungen wir weiter unten (siehe Mainz) berichten, folgenden Mittagsmahles brachte der Ver- bandsdirector, Kreisrath Haas, den ersten Toast aus Se. Königliche Hoheit den Großherzog aus. Allerhöchstdemselben wurde die ehrfurchtsvolle Huldigung der versammelten Verbandsgenossen durch ein Telegramm dargebracht. Hierauf ging folgende Antwort ein: „An den Director der hessischen landwirthschaftlichen Genossenschaften, Herrn Kreisrath Haas. Sagen Sie bitte den versammelten Genossen meinen Dank {ür die in Ihrem Telegramm ausgesprochenen Gesinnungen und fügen Sie hinzu, daß ich das gleiche Interesse wie mein in Gott ruhender Vater für die Bestrebungen der landwirthschaftlichen Genossenschaften hege und dem Fortschritt der Landwirthschast unseres engeren Vaterlandes auf allen Gebieten mit reger Theilnahme folge. Ernst Ludwig." T**f Mainz, 22. August. Unter dem Vorsitz des Verbandsdirectors, Herrn Kreisrath Haas-Offenbach, fand heute der 31. Verbandstag der hessischen landwirthschaftlichen Genossenschaften statt. Die Obere Landwirthschaftliche Behörde, durch Herrn Oeconornierath Müller, der landwirthschaftliche Provinzialverein Rheinhessen durch seinen Präsidenten, Herrn Hirsch, vertreten sowie die Vertreter der Verbände in Rheinpreußen, Nassau, Pfalz u. A. zeichneten den von ungefähr 200 Abgeordneten ber Vereine unb greunben der genossenschaftlichen Sache ' besuchten Verbandstag durch ihre Anwesenheit aus. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und gedachte in warmen Porten des herben Verlustes, welchen namentlich die hessischen Genossenschaften durch den erfolgten unerwarteten Heimgang Sr. König!. Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. erlitten haben. Aus dem Jahresbericht verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß dem Verbände zur Zeit 374 hessische Genossenschasten mit rund 30 000 Mitgliedern angehören, mit^n innerhalb Jahresfrist ein Zuwachs von 73 Genossen- schasten und 8000 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Die dem Jahresbericht beigegebene Geschäftsstattstik der einzelnen Genossenschaften weist nach: 209 hessische Darlehenskassen mit 20 000 Mitgliedern hatten einen reinen Kassenumsatz Don runb 35 Millionen, 115 landwirthschaftliche Consum- oereine mit 7400 Mitgliedern hatten einen Waarenbezug im Geldwerth von 2,1 Millionen Mark, während von 14 Molkereigenossenschaften runb 7 Millionen Kilo Milch verwerthet wurbem Die Zahl ber hessischen Darlehenskassen ist feit 1884 von 66 auf 209 gestiegen und deren Geldumsatz von 7,2 Millionen auf 35 Millionen Mark. In 1891 wurden bei diesen Kassen als Spareinlage 5 Millionen eingelegt, dagegen 3 Millionen zurückgenommen, Ende 1891 bezifferten sich die Spareinlagen bei diesen Genossenschaften auf 14,5 Millionen Mark. Ausgeliehen wurden in 1891 in lausender Rechnung unb aus Schuldscheine insgesammt 6,5 Millionen Mark, die Gesammtschuld der Genossen in lausender Rechnung und auf Schuldschein betrug Ende 1891 8,6 Millionen, während in Kausschillingen 5,ö Millionen unb in Hypotheken 2,8 Millionen ausstanben. Die eingezahlten Geschäftsantheile hatten bie Höhe von 873000 Mk. unb die Reserven von 421 000 Mk. erreicht. — Der Gesammturnsatz ber hessischen Darlehenskassen, bankmäßig ausgestellt, ergibt in Soll unb Haben zusammen 140 Millionen Mark. Der durchschnittliche Zinsfuß für Spareinlagen wird auf 31/2%, für Darlehen aus 41/2°/o bei J/4% Provision angegeben. Das gesummte eigene Vermögen sämmtlicher Genossenschaften des Verbandes ber hessischen lanbwirthschastlichen Genossenschaften belief sich Enbe 1891 aus 1,6 Millionen Mark und zwar auf 1 Million Geschäftsguthaben unb 600000 Mk. Reserven. — Die Der- waltungsrechnung bes Verbanbes, wonach die Einnahme unb Ausgabe rund 24 000 Mk. beträgt, wurde genehmigt. Der von Herrn Verbandsrevisor Ihrig vorgetragene Generalrevisionsbericht fand allgemeine Anerkennung, aus demselben ist ersichtlich, daß in 1891 bei 221 Verbandsgenofsenschasten die gesetzlich vorgeschriebene und außerdem bei 132 Genossen- chaften eine postenweise Rechnungs-Revision ausgeführt wurde. An bie mit großem Beifall aufgenommenen Referate des Herrn Oeconornierath Dr. Haven st ein-Bonn sowie der Herren Lanbwirthschaftslehrer Leithiger-Alsfeld und Dr. Schnid er-Worms knüpften sich recht lebhafte unb ein- gehenbe Verhanblungen, welche zur Annahme folgenber Resolutionen führten: „Der Verbanbstag beauftragt ben Ausschuß, eine Geschäftsorbnung auszuarbeiten unb zu veröffentlichen, welche bie Bedingungen der Verwerthung der Darlehenskassen beim Vieheinkauf und Viehtauschhanbel ihrer Mitglieder in einer geeigneten zur Beseitigung der in diesem Zweige unleugbar vorhandenen großen Mißstände unb zur Bekämpfung bes Viehwuchers bienlichen Form enthält." — „Der Verbanbstag beauftragt ben Verbandsausschuß, bie Frage bes Rechtsschutzes für bie Genossenschaften unb ihre Mitglieder, eventuell im Einvernehmen mit den landwirthschaftlichen Vereinen, aus Grund der heutigen Verhandlungen näher zu prüfen und bei geeignetem Befund eine passende Organisation herbeizuführen." „Der Verbandstag erklärt ben genossenschaftlichen Absatz ber lanbwirthschastlichen Probucie unter Zuhülsenahme von Lagerhäusern für erstrebenswerth unb beauftragt ben Ausschuß, ber beregten Frage näher zu treten unb positive Vorschläge für eine baldige Inangriffnahme derselben auszuarbeiten." Mainz, 23. August. Zwischen der Militärbehörde und der städtischen Verwaltung ist in Bezug auf die Choleragefahr ein Übereinkommen dahingehend getroffen worden, daß in # der Nähe des Forts Carl, unweit der Straße nach Hechts- heim, zwei größere Cholera-Baracken errichtet werden sollen. Die eine derselben soll zur Aufnahme der eventuell an der Cholera erkrankten Militär- unb die andere zur Aufnahme der Civilpersonen dienen. Hoffentlich erweisen sich die übrigens sehr zweckmäßigen Einrichtungen als völlig überflüssig. 7 Vermischtes. * Frankfurt a. M, 22. August. Die Versteigerung der Fahrniß des Kassirer Jäger'schen Ehepaares hat, wie ein Berichterstatter meldet, den geringen Erlös von nur etwas über 3200 Mark ergeben. — Die sämmtliche Habe des im Proceß Jäger verwickelten Eierhändlers H. Hensel wurde Ende verwichener Woche gepfändet. Da dessen Ehefrau das Mobiliar mit in die Ehe brachte, so hat sie die Jnterventions- klage anhängig gemacht. Die Tochter der Frau Hensel, jetzige Frau Zeising, die jahrelang das Geschäft ihres Vaters führte, hat ein Eiergeschäst eröffnet. Ihrem Manne, ber Lehrer an einer hiesigen städtischen Schule ist, hat, wie ein Berichterstatter meldet, die vorgesetzte Schulbehörde daraufhin zur Kenntniß gebracht, daß es mit Dem Ansehen und der Würde eines Lehrers unvereinbar sei, wenn dessen Frau eilt selbstständiges Geschäft, in welchem sie die Unterstützung ihres Mannes finde, betreibe, höchstens sei es zulässig, daß eine Frau Procuristin in einem Geschäfte sei. * Berlin, 23. August. In Rinteln wüthet feit vergangener Nacht ein großer Brand. Es sollen bereits zwölf Häuser abgebrannt fein. * Köln, 23. August. Die „Köln. Volksztg." meldet aus Olpe: das benachbarte Dors Hillrnicke brennt seit gestern Abend. 20 Häuser wurden emgeäschert- * Chemnitz, 23. August. In Folge der Hitze find große Brände im Erzgebirge ausgebrochen. In Kirch«.