Samstag bett 25. Juni Nr. 145 1892 Der Gießerei A«zet-er erscheint täglich, Mit Ausnahme bei Montags. Dir Gießener W«Wirte«ßlirrsT »erben bem Anzeiger »ßchmtlich dreimal deigelegi. Kichener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. vierteljähriger -SonnementspreiO, 2 Mark 20 Pfg. mU vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 60 Pfg. Rebactioti, Lxpebetiov und Druckerei: Ach»tßr«ße Ar.I. Fernsprecher 51. Amts- imb 2lnzeigeblc»tt für den Avsis Gieren. "L ' - »■ 1 -- ■" '«H - ..■JU. - " " ■ ' _ ........ . - -.....i_( । fi« — — Annahme von Anzeige« zu der Nachmittags für ben dllle Annoncen-Vureaux bei In- und Auilandes nehme» folgenden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. ^raHdVCUage. ^«111111(1101611(1. «B1ei|e« für den Gießener A-zeiger- entgegen Aintlichev Theil. Bekanntmachung, betreffend Schafräude zu Climbach. Nachdem unter den Schafen zu Climbach der Ausbruch I der Räude amtlich sestgestellt worden ist, haben wir heute die I Sperre der Gemarkung Climbach verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal einzuholenden besonderen Erlaubniß. Zuwiderhandlungen unterliegen den gesetzlichen Strafen. Gießen, den 22. Juni 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Gagern.___________________ Statut die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe betreffend. Auf Grund der 105b, Absatz 2 und 142 der Gewerbeordnung in der Faffung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, betreffend den Arbeiterschutz, wird gemäß Beschlusses des Provinzialtages der Provinz Oberhessen vom 4. April | 1892 und mit Genehmigung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 20. Juni 1892 zu Nr. M. J. 9661, für die genannte Provinz, vorbehältlich weitergehender statutarischer Bestimmungen einzelner Kreise oder Orte, festgesetzt: § 1. Für die ausschließlich in den Contoren der Handels- Gewerbe, wie in den Bankgeschäften überhaupt, beschäftigten Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter wird die Beschäftigung an Sonn, und Festtagen auf die Stunden von 11 — 1 Uhr eingeschränkt. § 2. Die vorstehende Bestimmung tritt am 1. Juli 1892 in Kraft. Gießen, den 23. Juni 1892. Grobherzogliche Provinzialdirection Oberhessen. __________________v. Gagern. ______________ Bekanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß per Dienstmann Johannes Martin von heute an statt seiner seitherigen Dienstnummer Nr. 13 die Nr. 2 führt. Gießen, den 21. Juni 1892. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Dcuffdtcs Reich. Berlin, 23. Juni. Der Gegenbesuch des italieni- chen Königspaares am deutschen Kaiserhofe hat -.ach viertägiger Dauer sein Ende erreicht und befinden sich )ie italienischen Majestäten zur Stunde wieder auf der Heirn- .eise, aus welcher die Königin Margeritha einen Abstecher mch Homburg zum Besuche der Kaiserin Friedrich zu machen zedenkr. Der italienische Königsbesuch hat in seinem ganzen verlause gezeigt, wie überaus herzlich das Verhältniß zwischen :em deutschen Kaiserhause und der italienischen Königsfamilie st und diesem Verhältnisse entsprechen ja im vollsten Maße luch die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien, deren Stand sich für Jedermann in der unentwegten Fortdauer des deutsch-italienischen Bündniß- und Freund- chastsverhältnisses funbgibk Dasselbe ist nach allen Seiten )in so klar, daß hierüber keine neuen politischen Abmachungen wthwendig sind und solche dürsten darum auch von der üngsten Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Humbert chwerlich zu erwarten sein. Wenn trotzdem während derselben wiederholte und lange Unterredungen zwischen Cavaliere Brin, )em jetzigen italienischen Minister des Auswärtigen, und dem Reichskanzler Grafen Caprivi, sowie dem Staatssecretär ?. Marschall gepflogen worden sind, so galten diese Conserenzen ediglich der Erörterung der zur Zeit schwebenden Fragen der niropäischen Politik. Dem Vernehmen nach hat sich hierbei n allen Punkten die vollkommenste Uebereinstimmung des »^errn Brin mit den beiden verantwortlichen Vertretern der rutschen auswärtigen Politik herausgestellt. - Auf dem Gebiete der inneren Politik ist die 5agesdiscussion vorwiegend der schon längst angekündigten reuen Militär Vorlage gewidmet, über welche die „Post" etzthin nähere Mittheilungen brachte. Dieselben sind mit großer Bestimmtheit abgefaßt und enthalten in ihrem Kernunkte die Ankündigung, daß die neue Vorlage die Vermehrung er Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres um 63 000 ^ann fordern und im Princip die Einführung der zweijährigen Dienstpflicht zugestehen würde- die jährlichen Mehrkosten dieser abermaligen Heeresvermehrung würden sich au: 60 Millionen Mark belaufen. Indessen bedürfen diese Angaben noch der Bestätigung von zuständiger Seite. — Die Zahl der in Deutschland gebauten strategischen Eisenbahnen, bei deren Herstellung, wie schon ihr Name besagt, in erster Linie nicht allgemeine Verkehrsinteressen, sondern vielmehr militärische Rücksichten maßgebend gewesen sind, wird demnächst durch eine neue Linie, die jüngst vom badischen Landtage bewilligte Bahn Karlsruhe-Röschwoog, vermehrt werden. In Röschwoog, Station der Straßburg-Lauterburger Bahn, trifft die neue Linie auf das reichsländische Eisenbahnnetz, von genanntem Punkte aus wird sie dann weiter bis Saaralben und Bendsdorf in Lothringen durch das Reich gebaut. Die Kosten für die neue strategische Linie, wozu die Mittel vom Reichstage schon früher bewilligt worden sind, betragen, soweit sie sich auf badischem Gebiet befindet, 19 228 600 Mark, wovon Baden laut Vertrag 9 243850 Mark trägt. Nach den ausgestellten Berechnungen erfordert der jährliche Gesammtaufwand für die Linie Karlsruhe-Röschwoog rund eine Million Mark Seitens Badens und da das Großherzogthum Baden für die übrigen sein Gebiet schon berührenden strategischen Bahnen jährlich ebenfalls erhebliche Zuschüsse zu leisten hat, so sind die Opfer nicht gering, welche dieser Staat im Interesse der Verteidigung des Reiches bringt. Die Opferwilligkeit und der hiermit bekundete Patriotismus der badischen Regierung und des badischen Landtages müssen um so höher angeschlagen werden, als speciell durch die Linie Karlsruhe-Röschwoog den bereits bestehenden Schienenwegen Karlsruhe-Kehl-Straßburg und Karlsruhe-Maxau eine bedenkliche Concurrenz erwächst. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 28. Juni. Die Stadtverordneten nahmen die Vorlage, betreffend die Verwendung der für die internationale Kunstausstellung von 1891 von der Stadt gegebenen Beihilfe zum Bau eines Künstlerhauses an. Potsdam, 23. Juni. Um 1 Uhr landete der Kaiser, König Humbert, die Kaiserin und Königin aus der Psaueninsel. Das Frühstück wurde im Zelte eingenommen, da Regenwetter eingetreten war. Nach dem Frühstück begaben sich die Herrschaften trotz des Regenwetters ins Freie und gingen nach der Rutschbahn. Um 2f/2 Uhr kamen auch die drei ältesten Prinzen nach der Pfaueninsel. Gegen 3 Uhr wurde der Dampfer bestiegen zur Fahrt um die Psaueninsel nach Wannsee; alsdann erfolgte die Rückkehr nach der Matrosenstation, wo 3J/2 Uhr die Landung erfolgte. Hier bestiegen die Kaiserin und die Königin Margherita einen Zweispänner, der Kaiser und der König Humbert einen anderen Zweispänner und fuhren nach dem Neuen Palais. Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold begaben sich mit Gefolge zu dem Reitersest des Regiments der Gardes-du-Corps. An dem Feste nahmen auch Herren aus dem Gefolge des italienischen Königspaares Theil. Prinzessin Friedrich Leopold vertheilte den ersten Preis, bestehend in einer goldenen Taschenuhr mit der Widmung: „Kaiser Wilhelm II. dem besten Reiter 1892." Auf Schloß Glienicke sand alsdann Abends 7 Uhr bei dem Prinzenpaare Friedrich Leopold zu Ehren des italienischen Königspaares eine Prunktasel statt, woran auch das Kaiserpaar theilnahm. Um 81/2 Uhr begaben sich das Kaiserpaar und Königspaar nach dem Neuen Palais, wo im Marmorsäule eine Musiksoiree stattsand. Nom, 23. Juni. In der heutigen Sitzung des Gemeinderaths beantragte Bacceli, dem Bürgermeister von Berlin herzlichen Gruß und ausrichtigen Dank für die festlichen Veranstaltungen bei der Anwesenheit des italienischen Königspaares zu senden, er erwiese hierdurch dem Deutschen Reiche, dem sichersten und ruhmvollsten Freunde Italiens, die gebührende Ehre. Der Maire erklärte, er nehme gern den Antrag Namens der Versammlung an, er könne die Gefühle der Hauptstadt nicht besser ausdrücken als durch die Sendung eines Telegramms nach Berlin mit den Worten Baecellis. Der Antrag wurde per Acclamation angenommen. Chicago, 23. Juni. Der Resolutionsausschuß legte der demokratischen Nationalconvention ein Programm vor, welches die Selbstregierung der einzelnen Staaten betont und in dem hervorgehoben wird, daß die Steuern niemals die Staatsausgaben übersteigen sollen. In demselben heißt es ferner, daß der Mac-Kinley-Taris die Ackerbauer und Arbeiter schwer schädige und daß Rohstoffe, sowie Volksnahrungsmittel nicht zu belasten seien. Das Programm sagt die Abschaffung des Mac-Kinley-Tarifs zu und legt wiederholt die Haltung der Partei gegenüber der Silberfrage dar. Die Convention verwarf dieses Programm der Mehrheit des Ausschusses und nahm mit 564 gegen 342 Stimmen das Programm der Minoritäten, welches jedoch in der Tariffrage mit dem Majoritätsprogramm identisch ist, an. Chicago, 23. Juni. Für Cleveland wurden 616, für Hill 112, für Boies 103, für Gorman 36 Stimmen abgegeben. Aus die übrigen Candidaten entfielen 31 Stimmen. Rio de Janeiro, 23. Juni. Reutermeldung. Regierungsboote begannen am 19. Juni ein Bombardement aus Porto Alegre, die Hauptstadt von Rio Grande do Sul. Die Telegraphenverbindungen mit Rio Grande sind unterbrochen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 23. Juni. Abgeordnetenhaus. Der Präsident wird ermächtigt, dem Kaiser, der Kaiserin und der Kaiserin Friedrich zur Verlobung der Prinzessin Margarethe die Glückwünsche des Hauses darzubringen. Spahn und Jmwalle legen ihre Mandate wegen der Ernennung zu Ober- landesgerichtsräthen nieder. Bei der Berathung des von dem Herrenhause abgeänderten Kleinbahnengesetzes bemängelt Abg. Rickert (dsr.), daß dem Hause nach den Abänderungen des Herrenhauses keine Zeit zur gründlichen Prüfung gelassen wurde. Der Eisenbahnminister erklärt, nach der jetzigen Fassung des § 30 sei die Erwerbung der Kleinbahnen durch den Staat nur dann möglich, wenn das Staatsministerium entschieden habe, daß die Bahnen als Theile des Eisenbahnnetzes zu betrachten seien. Er ersucht um Annahme des Gesetzes. Nach einer weiteren längeren Debatte wird das Gesetz gegen die Stimmen des Centrums und einiger Freisinnigen angenommen. Das Haus erledigte verschiedene Petitionen. Der Präsident gibt die Geschäftsübersicht. Hobrecht (natlib.) dankt dem Präsidium Namens des Hauses für die Geschäftsführung. Der Präsident dankt dem Hanse und bringt das Hoch auf den Kaiser aus. Beide Häuser werden behufs Schlusses der Session auf 3 Uhr zusammenberufen. Berlin, 23. Juni. Das italienisch e Königspaar reift Freitag Abend nach Frankfurt ab. Berlin, 23. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet, daß die Commission für Arbeiterstatistik heute zusammen- getreten ist. Berlin, 23. Juni. Gestern beschloß der Gesammtvorstand des Wahlvereins der Deutschconservativen eine Aen- derung und Ergänzung des Parteiprogramms von 1876, sowie die Einberufung eines Parteitages für den Herbst und beantragte eine neungliebrige Commission mit den Vorbereitungen. Frhr. v. Manteuffel wird ersucht, die Fraction zusammenzurusen. Berlin, 24. Juni. Das „Tageblatt" meldet aus Zanzibar: Die deutschen Kriegsschiffe „Schwalbe" und „Möve" haben sich nach Tanga begeben für den Fall, daß tm Hinterlande Unruhen auSbrechen. Die Deutschen in Zanzibar und an der Küste bezeichnen die Wiedereinführung eines Militärregiments unter Wißmann als daS einzige Mittel, die Deutsch - Ostafrika - Colonie vor weiteren Katastrophen zu schützen. Die Unsicherheit der Carawanenstraßen nimmt zu. Die durchziehenden sudanesischen Gouvernements - Soldaten brandschatzen die Dörfer. Berlin, 23. Juni. Ahlwardt wurde abermals verhaftet und in Untersuchungshaft abgeführt, da das Kammergericht den Beschluß der Strafkammer auf Entlassung gegen Caution aufhob,- eventuell wird eine nochmalige Haftentlassung abhängig gemacht von einer erhöhten Caution von 50000 Mark. Berlin, 23. Juni. In der gestrigen Versammlung des Unterstützungsvereins der Tabaksarbeiter wurde bekannt gemacht, daß eine Controlmarke in der Tabakbranche für ganz Deutschland eingeführt werden solle. Berlin, 23. Juni. Die kürzlich gegründete Genossen- schastsbäckerei steht vor dem Krach. In der gestrigen Socialistenversammlung wurden haarsträubende Einzelheiten über die Verwaltung, das Zutagetreten von unerhörten Maßregelungen von Arbeitern und ein erhebliches Kaffenmanco conftatirt. München, 24. Juni. Der Extrazug Bismarcks lief um 2 Uhr 10 Min. unter den Klängen eines flotten Marsches und unter frenetischen Hochrufen ein. In überraschender Frische entflieg Bismarck hinter seiner Gattin bem Wagen.. Augenscheinlich von dem begeisterten Empfang angenehm berührt, begrüßte er das Pubilkum freundlich, sich durch den kleinen Fürstensalon nach dem Wagen begebend. Anwesend waren der Bürgermeister, die Vorstände des Ge- meindecolleginms, Schauß, Miller, Künstler und eine zahlreiche auserwählte Gesellschaft. Vor dem Bahnhöfe hatten. sich starke Volksmassen angesammelt. Begeistertes Hochrufen begleitete den Fürsten während der Fahrt durch das Spalier von Fackelträgern durch die Louisenstraße bis nach Lenbachs Villa. Biömarck verweilt hier bis Sonntag Vormittag. Bromberg, 24. Juni. Heber 600 Holzflößer des Kanals striken. Der Canal ist durch Holz gesperrt, der Flößereibetneb ruht. Neu angekommene Arbeiter nahmen die Arbeit nicht aus. Wien, 24. Juni. Bismarck besichtigte Mittags das Rathhaus und erklärte dem Bürgermeister, er werde bald wiederkommen, weil er sich in Wien überaus wohl gefühlt habe. Nachmittags 3*/2 Uhr reifte er mit Umgebung nach Salzburg ab. Deutschnationale Abgeordnete und antisemitische Studenten begleiteten den Fürsten einige Stationen. Die „Neue Fr. Presse" veröffentlicht ein Dankschreiben für die zahlreichen Glückwünsche zur Vermählung seines Sohnes. Bismarck dankt gleichzeitig den Wienern für die sympathische Ausnahme herzlich. ————————— Localer rin- provinzielles, Gießen, 24. Juni 1892. — Aus der Garnison. Durch Allerhöchste Cabinets- Ordre vom 11. d. Mts. ist dem Hauptmann und Compagnie- Chef Weimer im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm das Dienstauszeichnungskreuz verliehen worden. — Der Lazareth- Verwaltungs-Jnspeetor Christ vom hiesigen Garnison-Lazareth ist nach Wiesbaden, der Lazareth-Verwaltungs-Jnspector Beyer von Lyck nach Gießen versetzt worden. — Der Theatervereiu hat bei seiner Gründung statutarisch die Ausführung von Dilettanten-Vorstellungen vorgesehen. Der Vorstand hat jedoch bisher diesen Bestimmungen nicht entsprochen, weil er der Ansicht war, daß für den immerhin nicht grade niedrigen Eintrittspreis künstlerisch abgerundete Leistungen beansprucht werden könnten und geboten werden mußten. Vergessen war diese Bestimmung keineswegs und wenn dieselbe erst jetzt zur Ausführung kommt, so wird die Freude darüber wohl kaum eine beeinträchtigte fein. So leicht ist, nebenbei bemerkt, das Zustandebringen eines Theaterabends nicht, es hat Seitens der damit betrauten Commission sehr fleißige Umschau gehalten werden muffen, um die nöthige Anzahl Mitwirkende zu finden, zumal ein besonderer Werth darauf gelegt wurde, nicht einseitig eine bestimmte Gesellschaftsklasse zu bevorzugen, sondern alle Kreise zu berücksichtigen. Wenn nun auch nach Ansicht der Commission die Besetzung aller Rollen wohl geglückt ist, so zweifeln wir nicht daran, ohne den Fleiß und den Spürsinn der Herren in Frage stellen zu wollen, daß so manche schätzbare Kraft übersehen wurde- möchte doch solche freiwillig aus ihrem Dunkel hervortreten, sie würde für später der Commission manchen Korb ersparen. Der Vorstand war nun weiter der Ansicht, daß ein so ganz dem Vergnügen gewidmetes Unternehmen auch dazu dienen soll und muß, nach anderer Richtung hin Freude zu bereiten, es ist daher beschlossen, einen namhaften Theil der Reineinnahme dem Gießener Verein für Armen- und Krankenpflege zu überweisen, der so uneigennützig ohne Rücksicht auf Confession und Stand Wohlthun ans seine Fahne geschrieben hat. Auch wir wüßten keinen schöneren, edleren Zweck und wir legen aus diesem Grunde allein schon allen unseren Mitbürgern den Besuch dieser Wohlthätigkeits-Vorstellung recht warm ans Herz- ganz abgesehen von den sonst gebotenen Genüssen. Das im Inseratenteil gegebene Programm billigen wir vollkommen, alle Stücke sind wie geschaffen für Dilettanten - bei allen herrscht die Komik, und die Situation unterstützt die handelnden Mimen aus das Glücklichste. Mit Lachen Thränen zu stillen, ohne große Geldopfer ist doch gewiß eine dankbare Aufgabe, wozu Niemand wohl besonders gebeten werden muß. — Wir machen hiermit nochmals auf das Samstag den 25. Juni in Steins Garten stattfindende Concert des berühmten HoruquartettS aufmerksam. Die „Braunschweigische Anzeigen" schreiben u. A.: Im Wilhelmsgarten eröffnete gestern Abend das Waldhorn-Quartett der Königlichen Capelle aus Hannover ein Gastspiel. Es waren in jeder Beziehung wahrhaft künstlerische Leistungen, welche von demselben geboten und von dem außerordentlich zahlreich versammelten Publikum mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. — Heute Nacht 12 Uhr brannten in Heuchelheim in der Nähe der Wirtschaft Steinmüller zwei Scheunen nieder. — Verkehrswesen. In saft allen Fortschritten des Verkehrswesens, zumal auch bezüglich der Fernsprech- einrichtungen (Telephonanlagen) hat das deutsche Reich die übrigen europäischen Länder überflügelt. Nehmen wir die Angaben der zuletzt veröffentlichten amtlichen Statistik für 1890 als Grundlage der Vergleiche. Am Ende des Jahres 1890 waren in Deutschland rund 58000 Sprechstellen vorhanden, von welchen aus in einem Jahre 250 Millionen Gespräche geführt worden sind. Die durch das directe Sprechen erzielte Ersparniß an Zeit und Arbeitskräften läßt sich zwar nicht ziffermäßig darstellen, aber zweifellos als großartig bezeichnen. Wie verhältnißmäßig gering ist gegenüber den vorstehenden Zahlen die Anwendung des Fernsprechers in anderen Staaten geblieben- es zählte England 32 000, Frankreich 15000, Schweiz 9200, Oesterreich- Ungarn 8700, Spanien 7100, Rußland 6600 und Belgien 5300 Sprechstellen. Auch die Hauptstädte der auswärtigen Staaten sind mit Fernsprecheinrichtungen weit hinter Berlin zurückgeblieben. Während unsere Reichshauptstadt Ende 1890 etwas über 15 000 Fernsprechteilnehmer zählte, kam Paris nur aus 8000, London sogar nur auf 6500 Teilnehmer. In Wien waren zu derselben Zeit 1600, Christiania 2500 und Brüssel 1600 Teilnehmer vorhanden. Dresden und Leipzig besitzen also umfangreichere Fernsprechanlagen als bedeutende Hauptstädte des Auslands. nn. Darmstadt, 23. Juni. Die zweite Kammer der Stände beschäftigte sich heute mit der Beantwortung einer Reihe von Interpellationen. Zunächst stand eine solche der Abgg. Osann, Schröder und Genossen über die neuen Handelsverträge, hier den Schutz des Weinbaues im Groß- herzogthum Hessen. Staatsrninister Finger beantwortet die Interpellation dahin, daß es nicht zu verkennen sei, daß durch die neuen Handelsverträge der Weinbau in Hessen Schaden gelitten habe. Die Regierung werde jedoch diese Schäden durch Errichtung einer Weinbauschule, sowie durch die Bekämpfung der Reblausgesahr zu mildern suchen. Auch das Nahrungsmittelgesetz bezüglich des Weins biete eine Handhabe, um die Weinproduetion in Hessen zu schützen. Diese Interpellation ist hiermit erledigt. — Es folgte die Interpellation derselben Abgeordneten wegen der Mißstände an der Börse und im Börsenverkehr. Staatsminister Finger erklärt, daß die Regierung die durch die von der Reichsregierung ernannte Commission zu machenden Vorschläge reiflich erwägen und sie soweit als möglich mit allen Mitteln unterstützen werde. Ebenso sei die Regierung auf Wunsch nicht abgeneigt, den bei der Bank für Handel und Industrie bestellten staatlichen Commissär zurückzuziehen, wenn der Statutenparagraph aufgehoben werde. An der Debatte betheiligen sich noch die Abgg. Wolfskehl, Theobald, Osann, Schröder und Jöst. — Hiernach erfolgt die Interpellation des Abg. Ullrich über das Vereins- und Versammlungswesen. Staatsminister Finger erklärt, daß bei der in Frage stehenden Sache der betreffende Gendarm seiner Instruction in gutem Glauben entgegengehandelt habe. Uebrigens sei es richtig, daß man einen Unterschied zwischen der Partei des Umsturzes und der Regierungspartei mache und demgemäß nicht mit gleichem Maß messe. Auch der antisemitischen Partei widme die Regierung besondere Aufmerksamkeit. Denn einer Partei, welche Haß, Neid und Bosheit großziehe, müsse man aus die Finger sehen. Uebrigens werde die Regierung ihre Organe in besonderer Weise instruiren. — Zum Schluß beantwortet noch Staatsminister Finger die Interpellation des Abg. Möhn, die Verwerfung des perlsüchtigen Schlachtviehs, dahin, daß die Regierung vorerst keine Veranlassung finde, die preußischen Bestimmungen bet uns einzuführen. Die Verordnungen in Hessen über krankes und perlsüchtiges Fleisch seien genügend und entsprächen den Bedürfnissen des consumirenden Publikums. Nicht ladenreines Fleisch gehöre zur Freibank, um keinen Mißbrauch herbeizuführen, einerlei ob es viel oder nur wenig zu beanstanden fei. — Hiermit ist die Sitzung geschloffen.. — Die Kammer vertagt sich auf zehn Tage. A. Von bet Bergstraße, 23. Juni. Als vor zwei Jahren die Secundärbahnen in der Ständekammer berathen und bewilligt wurden, meinte ein biederer Landbewohner: „Es kommt noch soweit, daß jede Butter- und Eierfrau ihr Extrabähnchen bekommt und den Zug Herrichten läßt, wenn sie abfahren will. Fahrpläne und Bahnhöfe braucht man nicht mehr, jeder hat feinen Dampfwagen selbst in der Remise stehen." Wir sind dieser Ansicht, die Spott gewesen, um einen kräftigen Schritt näher gekommen, denn seit einiger Zeit macht Herr Jo h. Hof mann, Maschinenfabrikant in Worms, ein geborner Bensheimer, Fahrversuche auf den Straßen mit einem von ihm erfundenen Motorwagen, welche in Erstaunen versetzen. Nach den vorgelegten Zeichnungen und den gezeigten Fahrproben kann der Wagen in. einer halben Stunde eine Meile zurücklegen- er macht die schärfsten Wendungen und kann augenblicklich zum Stillstände gebracht werden. Von Kohlenrauch verspürt man nichts. Die Fahrbereitschaft ist binnen wenigen Minuten möglich. An den Wagen kann ein zweiter angehängt werden. Wer das Fuhrwerk arbeiten sah, hat die Ueberzengung gewonnen, daß das Problem der Dampsstraßenbahn einen großen Schritt vorwärts gethan hat. Bis das 19. Jahrhundert abläuft, werden wir — soviel kann mit Gewißheit vorausgesetzt werden — in Bezug auf unsere Fuhrwerke ganz bedeutende Veränderungen erleben und es ist nicht unmöglich, daß es den jetzigen Vehikeln geht, wie es den Spinnrädern und Lichtputzscheeren ergangen ist. ' vermachter. * Wehlar, 23. Juni. Gestern Nachmittag verunglückte auf „Grube Raab" der Bergmann Friedrich Harder aus Garbenheim. Der Mann war zwischen die Wagen eines Erzzuges gerathen, welche ihm die Brust eindrückten. Ein Verschulden an dem tief bedauernswerthen Unglück trifft Niemanden. Harder ist verheirathet und Vater mehrerer Kinder. * Frankfurt a. M.» 23. Juni. König Humbert von Italien trifft am Samstag Vormittag hier ein und nimmt auf der Neuen Forsthausstraße eine Parade über das 1. Hess. Husaren-Regiment Nr. 13, dessen Chef er bekanntlich ist, ab. Nach der Parade folgt der König einer Einladung des Offieiercorps zu einem Frühstück im Officier-Casino zu Bockenheim, während die Königin zu einem Besuch der Kaiserin Friedrich und der Prinzessin Irene, deren Taus- pathin bekanntlich Königin Margherita ist, nach Homburg v. d. H. fährt. * Berlin, 21. Juni. Herr Sanitätsrath Dr. Piss in schreibt der „Voss. Ztg." Folgendes: „Als authentisch kann ich Ihnen mittheilen, daß sämmtliche Kinder des Kaisers in den ersten Lebensjahren mit Erfolg geimpft worden sind. Sowohl der frühere Leibarzt der Kaiserin, der vor einigen Jahren verstorbene Oberstabsarzt Dr. Ebmeier in Potsdam, wie auch der jetzige Leibarzt haben die Lymphe dazu aus meinem Institut für animale Vaceination bezogen." Das stimmt nicht zu der Angabe der „Kreuzztg.", die nur bestreitet, daß sämmtliche Prinzen ungeimpft geblieben seien. Ferner theilt die „Eisl. Ztg." heute mit, Dr. Rüger in Elberfeld sei vor einiger Zeit wegen der Behauptung, daß die kaiserlichen Prinzen nicht geimpft seien, der Majestätsbeleidigung angeklagt worden. Er habe sich dann um Auskunft an das Hosmarschallamt gewendet und von diesem den Bescheid erhalten, daß in der That die Kinder des Kaisers ungeimpft geblieben seien. Es wäre doch nach diesen widersprechenden Mittheilungen eine amtliche Kundgebung über die Sache angebracht. * Weltkongreß für Botaniker. Der Ausschuß für den Weltcongreß der Botaniker hat Einladungen für das Jahr 1893 erlassen. Zu dem Ausschuß gehören: I. C. Arthur, Vors.- C. B. Atwell, Vicevors.- Thos. I. Burrill, Henry L. Tolman, Chas. R. Barnes, I. M. Coulter. Folgende Themata sollen zur Besprechung gelangen: 1. Beziehungen der botanischen Wissenschaft zur Wohlfahrt des Volkes. 2. Wechselbeziehungen zwischen der Botanik und anderen Wissenschaften. 3. Moderne Methoden des botanischen Suchens und Versuchens. 4. Die Botanik als Lehrgegenstand. 5. Botanische Forschungen unter Regierungsschutz. 6. Internationale Gesetze für morphologische und photographische Benennungen. * Neuestes Spitzbuben Manöver. Ein Herr und ein Knabe traten kürzlich in einen Hutladen in der Altstadt in Frankfurt a. M. Nachdem sich Ersterer einen modernen Cylinder im Betrage von 20 Mk. ausgesucht und ausgesetzt hatte, wendete er sich mit der Frage an den Knaben: „Wie steht mir der Hut?" „Wie einem Spitzbuben", ist die Antwort. Hierüber gerieth der Herr sehr in Zorn, er legte seine Geldbörse, welche er schon in der Hand hielt, auf den Ladentisch und läuft dem aus der Thür eilenden Knaben mit den Worten nach: „Warte, Du Schlingel, das sollst Du mir büßen!" Keiner von Beiden ließ sich natürlich im Laden wieder sehen- die anscheinend gefüllte Börse enthielt bei der Besichtigung werthlose Knöpfe. * die Geschwindigkeit zu ermitteln, mit welcher die Telegramme der unterseeischen Kabel zwischen New-York und London ausgewechselt werden können, wurden jüngst Versuche angestellt. Von New-York aus wurde ein Telegramm nach London gesandt, und in vier Minuten war die Antwort von dort in New-York eingetroffen, ein Resultat, welches aber als Ausnahme zu betrachten ist, denn in der Regel erfordert die Beförderung von Telegrammen zwischen beiden Städten bedeutend längere Zeit. * Aus Liebe zu seinem Sohne hat sich kürzlich in dem österreichischen Orte Aschendorf bei Oberhollabrunn der wohlhabende 67jährige Bauer Franz Zeinler am Fensterkreuze seiner Wohnung erhängt. In einem zurückgelassenen Briefe sagt Zeinler, daß er sich das Leben nehme, weil es seinem Sohne beim Militär nicht gefalle und er den Sohn durch den Selbstmord freibekommen wolle. Zeinler hatte thatsächlich vor einiger Zeit um Befreiung seines Sohnes vom Militär — der Sohn dient als Soldat in Wien — nachgesucht. Es wurde ihm jedoch der Bescheid, daß, so lange beide Eltern noch am Leben seien, diesem Ansuchen nicht entsprochen werden könne. Der Mann hat nun das Hinderniß gegen die Befreiung seines Sohnes durch seinen Selbstmord beseitigt. Itnivcrfitäte - Nachrichten. Marburg, 22. Juni. Der ordentliche Professor an dem eidgenössischen Polytechnikum in Zurich Dr. Friedrich Schottky wurde zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät hiesiger Universität ernannt. Von dem Herrn Minister ist demfelbm der durch die Versetzung des Herrn Professors Dr. Weber nach Göttingen zur Erledigung kommende ordentliche Lehrstuhl der Mathematik verliehen und die Directton des mathematischen Seminars übertragen worden. verkehr, Land, und volkrwirthschaft. S Grünberg, 23. Juni. Der heute dahier abgehaltene „Johanni-Markt" litt sehr unter der Unaunft der Witterung. Der Tag brach mit einem Gewitter an und darauf folgte ein fast ununterbrochener Regenguß, der bis zur Mittagszeit anhielt. Dessenungeachtet war aber der Markt dennoch gut besucht und mit Jungschweinen recht stark befahren. Der Handel hiermit ging sehr flott und man bezahlte hohe Preise. Die Ferkel erster Qualität kosteten 60—65—70 Mk., diejenigen zweiter Qualität 40—45—50 Mk. Das Paar Läufer galt 80—90—100 Mk. und darüber. Der Rindviehmarkt zeigte dagegen einen schwachen Auftrieb, auch der Handel darin hatte keinen Fluß, sondern Stockung. — Der Krämermarkt mar in Folge des am Vormittag herrschenden Wetters nicht so stark besucht, wie sonst. Kircblicbe Anzeigers der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 2. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juni: Vormittags 73/< Uhr: Pfarrer Dingeldey. Vormittags 9Vi Uhr: Pfarrer Schlosser. Kinderkirche Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nächsten Sonntag den 3. Juli wird das heilige Abendmahl im Hauptgottesdienst gehalten werden. Die Beichte findet unmittelbar vor dem Abendmahl statt. Die Pfarrgeschäste in der Woche vom 26. Juni bis 2. Juli besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemeinde. 3. Sonntag nach Pfingsten, 26. Juni (Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus). Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 7i8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 8/<6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6 Uhr erste hl. Messe; um 7t8 Uhr zweite hl. Messe; um 8/<10 Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Christenlehre und Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 25. Juni: Vorabend 730 Uhr, Morgens 8« Uhr, Nachmittags 4” Uhr, SabbathauSgang 9W Uhr. Anikin, ßheviot, Welour ca. 140 cm breit, ä Mk. 1.75 Pfg. per Meter versenden jede beliebige Meterzahl dirett an Private Buxkin - Fabrik - Depot Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Musterabschnitte auf Verlangen bereitwilligst franco. (1292 Temperatur der Lahn und Luft gemessen nach Reaumur am 24. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 13Ve Grad, Lust 15 Grad im Schatten. Rübsarnen'sche Badeanstalt. I r 11 ft 1 Mk I I 11 I n I 3 I d I ; I \ f. I 1 I $ I 'c Ue I rid I 'rve I uti I lui i