Nr. 144 Freitag den 24. Juni 1892 Der eutnur frmtUtt erscheint täglich, Bit Ausnahme deS Montags. Die Gießener tteeiCitwICaUtt »erden dem Anzeiger BSchentlich dreimal veigelegt. Kchemr Anzeiger Henerat-Anzeiger. Vierteljähriger ASa»«eme«t»»retsr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Plg. Rcbaction, ®pebitbn nud Druckerei: ZchntßratzeVr.F. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. gff—g ■■■ .....'■ ■■..... Sgg 1 * -------1 1 . -- WSW LJ - ■ ■■ ..l 1 11 B.I Ennahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für den TtOtt6^44W Alle Lnuoncm-Vureaux deS I«. und «uslaude» nehm« folgenden Dag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr. VUl-lPVvllUtJv« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen. Amtlicher Theil daß die 2. Z. Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten stir Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein/ Gießen, den 20. Juni 1892. Betr.: Erhebung der Umlage. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen e* die »rotzh. Bürgermeistereien de» Greife». Nach § 20 der Großh. Verordnung vom 11. Juli 1888 sind die zu der Berufsgenoffenschaft zu leistenden Beiträge von den Gemeinde-Einnehmern innerhalb einer Frist von 4 Wochen nach Empfang der Heberolle in ganzer Summe an den Genossenschaftsvorstand einzusenden. Bei Erhebung der Umlage für die Jahre 1889 und 1890 hat es sich jedoch ergeben, daß ein großer Theil der Gemeinde-Einnehmer diese Frist nicht innehält und die Beiträge erst viele Wochen nach Ablauf derselben einsendet. Hierdurch wird der Genossen- schastsvorstand in die mißliche Lage versetzt, den Abschluß der Bücher, die Stellung der Jahresrechnung und die Anlage des gesetzlich vorgeschriebenen Reservefonds über Gebühr hinausschieben zu müssen. Auch erwachsen ihm dadurch nicht unerhebliche Zinsverluste. c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der Vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist/ d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß. Bezüglich des Prüsuugstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung/ aus specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 10. Juni 1892. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Deutsches Reich. Berlin, 22. Juni. Die Pforten des preußischen Landtages dürften sich zur Stunde geschlossen haben. Wenigstens war das Abgeordnetenhaus mit seinen Arbeiten | nach Erledigung der vr. ^attler'schen Theater-Interpellation und endgiltiger Annahme "des Lehrergesetzes in der Fassung des Herrenhauses bereits am Montag fertig, im Herrenhause aber galt es nur noch, das Kleinbahnengesetz, welches am Mittwoch auf der Tagesordnung stand, zu erledigen. Freilich sind dem Herrenhause von seiner Commission verschiedene Abänderungen des genannten Gesetzentwurfs vorgeschlagen worden und deren Gutheißung durch das Plenum würde die Zurückverweisung des Entwurfs an das Abgeordnetenhaus bedingen, doch auch in letzterem Falle konnte sich der Sessions- schluß um höchstens einen Tag verzögern. Allerdings erscheint nicht ausgeschloffen, daß das Abgeordnetenhaus an seinen Beschlüssen dritter Lesung beim Kleinbahnengesetz sesthält, was also das Scheitern dieses nicht unwichtigen Gesetzes bedeuten würde. — Ueber die jüngste Unglücks-Botschaft aus Deutsch-Ostafrika, die Niederlage der Bülow'schen Truppen durch die aufständischen Maschi und die Zerstörung der Kilimandjaro-Station, liegt an amtlicher Stelle in Berlin noch immer keine ausklärende Nachricht vor. Inzwischen hat aber die erste, aus englischer Quelle stammende Kunde von diesem neuesten Schlag, der die deutsche Colonialpolitik in Ostasrika betroffen, ihre Bestätigung seitens des deutschen Consuls erfahren, so daß also die gemeldete Niederlage wohl kaum mehr zu bezweifeln ist. Zur Beurtheilung ihrer etwaigen Tragweite muffen indessen nähere Nachrichten noch abgewartet werden. (S. Depeschen.) Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 22. Juni. Die „Poft" setzt ihre Mittheilungen bezüglich der Militärvorlage fort. Sie sagt, voraussichtlich würden 48 Cavallerie-Regimenter, bei welchen eine Etatserhöhung bisher nicht erfolgte, um je 15 Mann und Pferde verstärkt werden. Zur Vorbereitung der für Reservedivisionen auszustellenden Regimenter im Frieden würden ver- muthlich schwache, mehr administrativen Zwecken dienende Stämme oder Cadreregimenter errichtet. Bezüglich der Feldartillerie würde die Zahl der deutschen Batterien künftig nicht sehr wesentlich hinter 500 zurückbleiben. Berlin, 22. Juni. Das italienische Königspaar empfing um 43/4 Uhr eine gemischte Deputation der italienischen Colonie und des Hilssvereins unter Führung des Consuls Kaibel. Der Vorsitzende des Hilssvereins, Micotti, stellte die Mitglieder der Deputation vor/ Frau Morluzze überreichte ein prachtvolles Bouquet. Nach Ueberreichung der Adresse unterhielt sich das Königspaar mit den Mitgliedern der Deputation über die Dauer ihres Aufenthalts und persönliche Verhältnisse, besonders über die Wirksamkeit des Hilssvereins, die sehr anerkannt wurde. Der König sprach sich auch über die Weinsrage aus/ er hofft eine gute Entwickelung des italienischen Weinexports nach Deutschland und äußerte seine große Freude über den glänzenden Empfang in Berlin. Auch die Königin sprach sich in gleichem Sinne aus. Die Deputation wurde um 5 Uhr entlassen. Bekanntmachung. Wir Dringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß die Heuankäufe bei dem Proviantamt Bockenheim ausgenommen sind. Das Heu muß aus langen, süßen Gräsern bestehen, vor allen Dingen trocken geerntet und frei von MooStheilen rc. sein. Producenten erhalten den Vorzug. Zur Ertheilung weiterer Auskunft ist das Königliche Proviantamt Bockenheim gern bereit. Gießen, den 21. Juni 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Mit Rücksicht hierauf und aus den Umstand, L«d uu Umlage für das Jahr 1891 soeben zur Erhebung gelangt, -wollen Sie die Gemeinde-Einnehmer anweisen, in Zukunft die Beiträge zur Berufsgenoffenschaft spätestens mit Ablauf der vorgeschrkebenen Frist von 4 Wochen an den Ge- noffenschaftsvorstand zu Darmstadt einzusenden. Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum cinjährigsreiwilligen Militärdienst im Herbst 1892. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1892; stattsind end en rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche nm Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1892 3ei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- üellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Com- __v. Gagern.________________ Bekanntmachung, betreffend die Abhalung des Fasel-, Zuchtvieh- und Schweine- Marktes zu Biebesheim. Der Viehmarkt zu Biebesheim, sowie die damit verbundene Verloosung ist auf den 5. Juli l. I. verlegt worden. Es wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 21. Juni 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gag ern. Berlin, 22. Juni. Der Kaiser verlieh Br in die Brillanten zu dem Großkreuz des Rothen Adlerordens, den dieser 1889 bei dem Besuche des Kaisers in Italien als Marineminister erhielt. Der Geschäftsträger Marquis Beccaria erhielt den Rothen Adlerorden zweiter Klasse in Brillanten, der Privatsecretär Brins, Pavarisii, den Kronenorden zweiter Klaffe; auch eine Anzahl anderer Persönlichkeiten aus dem Gefolge des Königs wurden durch Orden ausgezeichnet. Jüterbog, 22, Juni. Der Kaiser und der König von Italien trafen um 10 Uhr hier ein. Sie wurden auf dem Bahnhöfe von dem commandirenden Generale v. MeerscheidtHüllessem empfangen und begaben sich zu Wagen nach dem Schießplätze, wo sie der Erbprinz von Meiningen, der Erbgroßherzog von Baden und der Schießplatz-Comman- deur erwarteten. Um IO1/* Uhr begann das Schießen. Brüffel, 22. Juni. Eine Verordnung des Königs ermächtigt den Kriegsrninister, drei Jahresklaffen der Infanterie zu einer zehntägigen Hebung mit dem neuen Gewehr einzuberufen. London, 22. Juni. Der Bergärbeiterverband Großbritanniens erließ einen Wahlaufruf, der die Mitglieder auffordert, nur für die Befürworter des Achtstundentages zu stimmen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 22. Juni. Die Kaiserin traf mit der Königin von Italien heute Nachmittag 23/4 Uhr von Potsdam hier ein. Dev Wagen wurde von einer Ehren escorte von Garde-Dragonern geleitet. Im Gefolge befanden sich italienische und deutsche Hofdamen und Herren. Die Königin Margherita sprach sich sehr erfreut über den begeisterten Empfang aus. Um 3V2 Uhr traf auf dem Anhalter Bahnhof der Kaiser und der König von Italien ein und fuhren im Vierspänner nach dem Schlosse. Am Brandenburger Thore begrüßte eine städtische Abordnung den König. Bürgermeister Zelle hielt eine Ansprache an den König und sprach seine Freude über das Weilen des Königs auf deutschem Boden und die Sympathie für das italienische Volk aus. Die Tochter des Stadtraths Marggraff überreichte an der Spitze von 15 Ehrenjungfrauen ein Bouquet von Kornblumen und Marschall-Nilrosen. Berlin, 22. Juni. Zur Ankunft des italienischen Königspaares ist die Stadt, namentlich die Feststraße, herrlich geschmückt in den deutschen und italienischen Farben und mit Topfpflanzen und Guirlanden. Besonders prächtig sind der Anhalter Bahnhof, die Schloßbrücke und das Denkmal Friedrichs des Großen decorirt. Berlin, 22. Juni. Die „Post" theilt bezüglich der Militärvorlage weiter mit, die Etatserhöhungen bei der Cavallerie würden bereits in 10 Regimentern des Reichslandes ausgeführt. Berlin, 22. Juni. Die „Berl. Pol. Nachr." schreiben: Angesichts der großen Aufgabe des Abschlusses der Steuerreform^ und des Communalsteuergesetzes wird die nächste Session des Landtags ungleich länger dauern und bereits am 9. November eröffnet werden, was selbstverständlich noch nicht definitiv ist. Berlin, 22. Juni. ES verlautet, der Rücktritt des Polizeipräsidenten von Berlin, v. Richthofen, sei unmittelbar bevorstehend. Als Nachfolger gilt der jetzige Landrath Stubenrauch. Berlin, 23. Juni. Der Bau des Centralbahnhofs in Hamburg ist durch Vertrag zwischen Preußen und Hamburg gesichert. Berlin, 23. Juni. Der „Kreuzztg." zufolge ist in den Reisedispositionen des Kaisers insofern eine Acnde- rung eingetreten, als derselbe bereits am 27. Juni in Wilhelmshaven eintrifft und am 30. Juni die Reise nach England antritt. München, 22. Juni. Nach einer nunmehr von Wien aus an das hiesige Empfangscomite gelangten Depesche trifft Fürst Bismarck bestimmt Freitag früh 1 Uhr 22 Min. hier ein. Wien, 22. Juni. Bei dem Hochzeitsmahl trank Fürst Bismarck auf das Wohl der Braut, Schuwalow auf das Haus Bismarck. Wegen Ueberanstrengung ist Bismarck etwas unpäßlich, er verschob deshalb, Schweningers Rath olgend, die Abreise auf morgen. Die Neuvermählten sind nach der Schweiz abgereist. Wien, 22. Juni. Schlosser Lorenz sagte ans, er habe das Briespacket in Bismarcks Wagen geworfen, weil der FriedrichSruher Gutsverwalter durch einen Mißbrauch dcS Patentes für die Holzverkleinerungsmaschine ihn geschädigt habe. — BiSmarck machte gestern Abend 10 Uhr, unerkannt, von Dr. Schweninger begleitet, eine Fahrt durch den Prater. Paris, 22. Juni. Der Proceß Ravachol in Mont- brison hat begonnen. Ravachol ist geständig. Petersburg, 23. Juni. Der „Westnik Finanffow" schreibt: Die Ernteaussichten in vielen Gouvernements sind schlecht. Die anfänglich guten Hoffnungen in Kasan, Samara und Wiatka sind stark gesunken. Der Frühjahrsanbau ist in einzelnen Gouvernements wegen Mangel an Zugvieh erst jetzt beendet. _____________ Montbrison, 23. Juni. Der Anarchist Ravachol wurde zum Tode verurtheilt, Beala und Soubern freu gesprochen. Dar-es-Salaam, 23.Juni. Unterossizier Bartel, selbst verwundet, undLazarethgehilse Wiest melden unterm 10.Juni: Bei Moschi Gefecht mit Mali, wobei Chef Bülow und Lieutenant Wolf rum, sowie 20 Sudanesen gefallen. Die Unteroffiziere Wutzer und Wittstock halten mit 64 Mann die Kilimandjarostation. Von hier abgesandte 180 Mann Verstärkung sind heute in Tanga eingetroffen und sofort ins Innere dirigirt worden. Cocains nnd provinzielles. Gießen, 23. Juni 1892. — Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 22. Juni 1892. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Marie Jekel von Rohrbach wegen Kindesmords. Die Anklage wurde von Großh. Staatsanwalt Schilling- Trygophorus vertreten, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Weidig, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Heinrich Ganß IX., Anton Brückel II., Ludwig Reidel II., Johann Peter Wagner, Georg Ohly V., Philipp Lenz V., Heinrich Schadeck III., Caspar Schmidt, Johann Georg Görlach, Wilhelm Reichert I., Karl Müller, Johannes Jung. — Die Nähterin Marie Jekel, geb. Koch, von Rohrbach, Ehefrau des schon seit 7 Jahren in Amerika abwesenden August Jekel, ist angeklagt, daß sie kurz nach Ostern 1892 zu Rohrbach als Mutter ihr uneheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich gelobtet habe. Die Angeklagte, das Opfer eines gewissenlosen Händlers, der ihre pecuniäre Nothlage mißbrauchte, ist vollständig geständig. Die That will sie in der Verzweiflung darüber, daß sie als verheirathete Frau und Mutter von drei Kindern noch ein Kind hätte haben müssen, begangen haben. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Gutsbesitzer Karl Müller) das Schuldig unter Annahme mildernder Umstände ausgesprochen, wurde sie in eine Gefängnißstrase von zwei Jahren — das gesetzliche Mindestmaß der Strafe — nebst Kosten verurtheilt. — Wie wir hören, begeht der A k a d. N a t u r w. V e r e i n Hierselbst am 25. Juni sein Stiftungsfest, an welchem Tage er auf ein 20jähriges Bestehen und Wirken mit Stolz zurückblicken kann. Das in Aussicht genommene Programm, soweit wir dasselbe in Erfahrung gebracht haben, besteht in einem, in Steins Garten am Samstag stattfindenden Commers, einem für Sonntag angefetzten Festessen im Kneiplocal: Restauration „zum Löwen". Hieran schließt sich eine Fahrt durch die Stadt nach dem Gleiberg. Abends Rückkehr mit Lampions und gemiithliches Zusammensein auf der Kneipe. Wir wünschen nur, daß das Wetter an diesen Tagen ein günstiges sein und so zum Gelingen des Festes beitragen möchte. — Die Gießener Ruder-Gesellschaft hat für ihre am 31. Juli d. I. stattfindende Regatta folgende Ausschreibungen an sämmtliche deutsche Ruder-Vereine ergehen taffen: 1. Begrüßungspreis: Einser. Für Ruderer, welche noch kein offenes Rennen im Einser gewonnen haben. Einsatz Mk. 10.— 2. Wanderpreis: Vierer. Dem siegenden Verein ein Nebenpreis. Einsatz Mk. 40.— 3. Universitätspreis: Dollenzweier für Juniors. Einsatz Mk. 20.— 4. Preis von Gießen: Vierer. Für Ruderer, welche nicht im Rennen Nr. 2 (Vierer) rudern. Einsatz Mk. 30.— 5. Gleibergpreis: Doppelzweier ohne Steuermann. Für Ruderer, welche bis zum Meldeschluß noch kein offenes Rennen im Doppelzweier ohne Steuermann gewonnen haben. Einsatz Mk. 20.— 6. Ermunterungspreis: Vierer. Für Ruderer, welche noch in keinem offenen Rennen gestartet haben. Einiatz Mk. 25.— 7. Preis von der Lahn: Einser. Einsatz Mk. 10.— 8. Damenpreis: Vierer für Juniors. Einsatz Mk. 25.— 9. Zukunstspreis: Vierer. Für Ruderer, welche bis zum 16. Juli noch kein offenes Rennen im mehrruderigen Boot gewonnen haben. Einsatz Mk. 25.— 10. Preis von Wetzlar: Dollenvierer für Juniors. Einsatz Mk. 25.— 11. Preis vom Woog: Einsatz für Juniors. Einsatz Mk. 10.— 12. Preis von Hessen: Achter. Für Ruderer, welche bis zum 16. Juli noch kein offenes Rennen um einen Heraus- sorderungs- oder Wanderpreis im Achter gewonnen haben. Einsatz Mk. 40.— — Verhaftet wurden gestern ein Bettler, und heute ein junger Bursche wegen eines außerhalb begangenen Diebstahls. — Untersuchung. Wie man uns mittheilt, ist heute das Divisionsgericht von Frankfurt a. M. hier anwesend, um über die Todesursache betreffs des unlängst ertrunkenen Soldaten vom 80. Infanterie-Regiment Ermittelungen anzustellen. — Entscheidung des Reichsgerichts. Das Spielen mit einer Flinte in einem öffentlichen Schanklocal und das Anlegen derselben auf das daselbst befindliche Publikum ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 24. März 1892, als grober Unfug zu bestrafen, wenn auch der Thäter die ernstliche Absicht zu schießen gar nicht gehabt hat. — Das neue „Betriebsreglement" für die Eisenbahnen von Deutschland und Oesterreich-Ungarn ist jetzt eine „Verkehrsordnung" geworden und hat auch in seinem Inhalt eine durchgreifende Verdeutschung erfahren. So heißt es nunmehr statt Uniform — Dienstkleidung, statt Frequenz Verkehr, statt Billetexpedition — Fahrkartenschalter- Expedition ist in Abfertigung umgewandelt- declarirt wird mit versichert, Declaration mit Werthangabe übersetzt, Quittung mit Empfangsschein- Revers mit Bescheinigung- die Gardinen haben — Vorhängen und die Tornister — Ranzen weichen müssen. — lieber die Verhandlungen des Delegirtentages der Krieger Kameradschaft „Haffia", welche am Sonntag in Alsfeld stattfanden, theilen wir Folgendes mit: Die Verhandlungen begannen unter dem Vorsitz des Herrn Oberst z. D. Gerlach aus Darmstadt im Gasthaus „Zum deutschen Kaiser". Herr Bürgermeister Arnold begrüßte im Namen der Stadt in warmen Worten die Versammelten, die Theilnehwer herzlich willkommen heißend. Der Vorsitzende brachte ein Hoch auf den hohen Protector des Verbands, Se. Köuigl. Hoheit den Großherzog, aus. Die satzungsgemäß aus dem Präsidium aus- scheidenden Mitglieder, die Herren Rechtsanwalt Dr. Neuling (Darmstadt), Hauptmann d. L. Gernsheim (Worms), Amtmann Dr. Göttelmann (Büdingen) wurden wiederund an Stelle des freiwillig zurücktretenden Herrn Oberamtsrichter Hellwig Herr Apothekenbesitzer Scriba zu Schotten neugewählt wurden. Weiter gelangten zwei Erlasse Sr. Köuigl. Hoheit des Großherzogs zur Verlesung, deren wesentlicher Inhalt folgender ist: Dem Verbandspräsidium wird, im Einverständniß mit dem Großh. Ministerium, das Reckt eingeräumt, für die Zukunft solchen Vereinen, die dem Verbände drei Jahre angehören, das Führen von Fahnen zu gestatten. Hessische Wappen dürfen auch nur diejenigen Vereine führen, die der „Haffia" angehören. Ebenso ist das Schießen über das Grab bei der Beerdigung verstorbener Kameraden nur dem Landesverbände angehörigen Vereinen erlaubt. (:) Aus dem Huttenberg, 22. Juni. Mittwoch den 29. Juni findet eine Familienzusammenkunft der Lehrer des Bezirks „Großen-Linden" auf der Haltestelle im Gasthof „zur Linde" statt. Darmstadt, 22. Juni. Die Zweite Kammer genehmigte mit 31 Stimmen die Erhöhung der Civilliste des Großherzogs auf 1 200 000 Mk., 65 000 Mk. weniger als die Regierung gefordert hatte. A Mainz, 22. Juni. Der Postdefraudant Wind ecker von dem hiesigen Postamte, dessen Verhaftung wir gestern mitgetheilt haben, hat das Geständnib abgelegt, daß er außer den zwei bereits ermittelten Unterschlagungen, die eine Gesarnrntsurnrne von 14900 Mk. repräsentiren, noch eine ganze Reihe anderer Postsendungen, darunter auch gewöhnliche Briese und Postkarten foi Seite geschafft habe. Die Unterschlagungen der Werthsendungen hat Windecker in der Art bethätigt, daß er „Einschreibebriefe" einer hiesigen Versicherungsgesellschaft, in denen sich nach der äußeren Form Geld vermuthen ließ, hinwegnahm und dieselben mit Goutierten mit gleicher Adresse ersetzte, weicherer nur mit gewöhnlichen Papierstücken ausfüllte. Auf diese Art sorgte Windecker dafür, daß die Zahl der abgehenden Einschreibebriefe mit den Bucheinträgen übereinstimmte und die Defraudationen nicht sofort entdeckt wurden. Nur das verschwenderische Leben, das der erst 22jährige, monatlich mit nur 75 Mk. besoldete Defraudant führte, hat mit dem Erken.ien der Handschrift auf den eingeschobenen Briefen aus die Spur Windeckers geführt. Worms, 22. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadt- verordneten-Versammlung wurde u. A. beschlossen, eine Statistik über die Wohnungsverhältnisse der Fabrik-und bezw. gewerblichen Arbeiter aufzustellen- es soll festgestellt werden, wie viel Flächenraum und Cubikmeter auf jedes Zimmer, auf jede Wohnung, wie viel auf den Kops der Bevölkerung nach dem Alter von 10 bis 14, von 14 und mehr Jahren komme u. s. w. vermochte». * Karlsruhe, 20. Juni. Wie die „Badische Schulzeitung" mittheilt, wird auch in den badischen Schulen eine Verbesserung der bisher üblichen schiefen Schreibschrift erstrebt. Es sind bereits Versuche angestellt worden, welche ergeben haben, daß die vollständige Steilschrift sehr mühsam und im praktischen Leben kaum verwendbar ist. Auch nimmt sich die deutsche Currentschrift, steil geschrieben, weniger schön aus als die lateinische Schrift. Deshalb soll ein llebergaug zur Steilschrift eingeführt werden, nämlich eine Schrift mit 7 pCt. Steigung. Dabei können Tafel oder Schreibheft ganz wagrecht gelegt werden, und die Schrift selbst hat ein gefälliges Aussehen. Kreisschulrath Keller in Bruchsal ist mit den Vorarbeiten zur Einführung dieser Schrift beauftragt worden. * Elbing, 22. Juni. Das finanzielle Ergebniß der Ausstellung der deutschen Landwirthschaftsgesellschast in Königsberg ist nicht günstig. Es bleibt ein Fehlbetrag von etwa 40,000 Mk. zu decken. * Adamsweiler i. E., 20. Juni. Ein humorvoller Vorfall hat sich unlängst hier zugetragen. Hat da ein Landmann ein altes Wohnhaus abgerissen, um an dessen Stelle ein neues zu bauen. Die Arbeiter kommen und in einigen Tagen ist die Arbeit so weit vorgeschritten, daß die Fenstersteine hätten eingesetzt werden können. Da — man war eben daran, dies zu thun — gebietet den Arbeitern die Haussrau ein energisches Halt! Und warum? Der Mann hatte nicht in Betracht gezogen, daß zu den neuen Fenstern, die bedeutend länger als die alten waren, die — alten Fenstervorhänge nicht passen. FlugS mußten nun die Steine durch einen Handwerker so weit abgenommen werden, daß das alte Maß erreicht war. * Ein Kieler Restaurateur hat die dortige Polizei auf Zahlung von mehreren Tausend Mark verklagt, weil bei den strengen Absperrungsmahregeln am Tage des Czarrenbesuches Niemand sein Local betreten konnte und er dadurch nachweislich einen großen Einnahmeausfall gehabt hat. (Hoffentlich hat diesem Einnahmeausfall gegenüber die Polizei den Ausnahmeeinfall und entschädigt den Mann.) * Kaiser Wilhelm als Zmpfgegner. Die „Franks. Zig." bringt folgende Mittheilung, für die wir dem genannten Blatt die Verantwortlichkeit überlassen müssen: „In einer Versammlung der Jmpsgegner in Eisleben, in der Dr. Hübner einen Vortrag gehalten hatte, fragte in der Debatte Jemand, ob es wahr sei, daß die Kinder des Kaisers nicht geimpft worden seien und aus welchem Grunde die Impfung unterblieben fei. Dr. Hübner antwortete, daß er bald nach der Geburt des jetzigen Kronprinzen im Jahre 1882 an den Vater, den damaligen Prinzen Wilhelm, eine von ihm über die Schädlichkeit der Impfung abgefaßte Broschüre eingesandt habe mit dem Bemerken, daß er es für seine patriotische Pflicht halte, dringend von der Impfung des jüngsten Hohen- zollern-Sprößlings abzurathen. Bald darnach habe er vom Hofmarschallamte den Bescheid erhalten, daß der Prinz Wilhelm mit Interesse von dem Inhalte der Broschüre Kenntniß genommen habe. Das Ergebniß dieser Eingabe sei gewesen, daß sämmtliche Prinzen unseres jetzigen Kaiserhauses un- geimpst find." * Ein neuer Schwerkraft-Motor. Nach vielen Versuchen ist es dem Schlossermeister H. Horstmann in Leipzig- Volkmarsdors gelungen, eine recht interessante Schwerkraftmaschine zu conftruiren, welche etwa nach dem Principe der großen Thurmuhren die Schwungkraft eines großen und schweren Pendels zur Erzeugung von Kraft aus einer gleich- mäßig rotirenben Welle benutzt. Eine Unterstützung durch menschliche Kraft braucht die Maschine nur beim Anlauf, dann geht sie aber in Folge Anwendung eines sinnreichen Mechanismus gleichmäßig fort und entwickelt dabei eine Wirkung von zwei bis fünf Pferdekräften, so daß sie zum Betriebe kleiner Hilfsmaschinen im Hausgewerbe von hoher Wichtigkeit zu sein scheint. Auf weitere Erfahrung mit dieser Kraftmaschine muß man gespannt sein, da diese für den Kleinbetrieb von allergrößter Bedeutung werden kann. * Seit 6 Jahren hat der Abfiuth-Consum in Paris in gewaltigem Maße zugenommen- er hat sich beinahe verdreifacht. Die Absinth'Zufuhr betrug im Jahre 1885 (in reinem Alkohol ausgedrückt) 10,755 Hectoliter. Es ist zu bemerken, daß auch die Frauen eine immer wachsende Neigung für dieses gefährliche Getränk verrathen. Früher war es eine Seltenheit, sie im Wirthshaus an einer „Grünen" sitzen zu sehen, jetzt ist das durchaus nichts Auffallendes mehr. * Akademische Bildung. 1. Kellnerin: „Sag' 'mal, Selma, weißt Du vielleicht, wer der nette Herr ist dort unten am Fenster?" — 2. Kellnerin: „Hab' keine Ahnung — aber akademisch gebildet ist er sicher!" — 1. Kellnerin: „So, woher weißt Du das?" — 2. Kellnerin: „Oh, er läßt stets den Deckel seines Schoppens auf, wenn er aus- getrunfen hat!" Universität- • Nachrichten. — UniversitätS - Statistik. Die Universität Heidelberg weist eine Besuchsziffer von 1292 Personen auf. Es sind 86 Theologen, 384 Juristen, 278 Mediciner, 212 Angehörige der philosophischen, 196 der naturwissenschaftlichen Facultät und 136 zum Besuche der Vorlesungen Berechtigte reiferen Alters. — Die Universität Berlin wird von 4356 immatricultrten Studtrenden besucht, zu welchen noch die zahlreichen Personen kommen, die die Erlaubntß haben, Vorlesungen zu hören, ohne ordnungsmäßig eingeschrieben zu sein. Von den Studtrenden gehören der Theologie 557, der Rechtswissenschaft 1150, der Heilkunde 1185, der philosophischen Facultät 1464 an. Ihrer Herkunft nach sind 3181 Preußen, 3788 Reichsdeutsche. Aus Oesterreich-Ungarn stammen 89, aus der Schweiz 44, auS Rußland 145, aus Frankreich 6, England 24, Italien 15, Türkei 12, Griechenland 9, Niederlande 16, Rumänien 11, Schweden und Norwegen 14, Amerika 138, Asien 19, Afrika 2. — Die Universität Breslau wird von 1251 Studirenden und 38 Hörern besucht. 143 Studirende gehören der evangelisch-theologischen Facultät, 211 der katholisch-theologischen Facultät, 274 der juristischen, 292 der medicinischen und 331 der philosophischen an. — Professor en besold ungen aus alter Zeit. Der riesigen Besoldung gegenüber, welche heutzutage ein berühmter Ordinarius an einer deutschen Hochschule einstreicht, stehen die früheren recht erbärmlich da. Am 15. Juli 1558 wurde der 30 Jahre alte Christoph Lurkäs (lateinisch Caesianus) mit einem Gehalt von 40 Gulden (70 Mark) jährlich angestellt, unter der Bedingung, sich 6 Jahre lang an der Freiburger Hochschule jedem Lehrauftrag zu unterziehen, den die hochwürdigen Patres seinen Fähigkeiten zutrauen würden. Sein Vetter Jodocus Lurkas (lateinisch Lorichius) wurde 1568 zum Supplenten der Lehrkanzel der Poesie in Freiburg i. B. ernannt und bezog einen Gulden (1.71 Mark) Gehalt wöchentlich, nebstdem aber das Bapstsche Stipendium. Freilich waren diese genügsamen Profifforen Ordensleute und hatten für keine Familie zu sorgen. Schiffsnachrichtei«. Der Postdampfer „Friesland" 'der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 21. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen. verkehr, Land» unt volkswirthfchaft. Friedberg, 21. Juni. Fruchtpretse. Weizen X 19.00 bis 00.00, Korn X 19.00-00.00, Gerste X 15.00—00.00, Hafer X 13.00- 00.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 22. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 0.90-1.00, Eier 1 St. 6 H, 2 St. - H. Limburg, 22. Juni. Frachtmarkt. Ryther Weizm X 17.50, weißer Weizen X 00.—, Korn X 14.90, Gerste X 10.00, Hafer X 6.50, Erbsen X «ottesdienst der israelitischen KeligionsgeseUschaN. Freitag Abend 730 Uhr, Samstag Vormittag 8oo Uhr, Samstag Nachmittag 4°o Uhr, Samstag Abend 9°° Uhr. Leiden-Damaste schwarze, weiße u. farbige v. Mk. 2.35 bis Mk. 12.40 p. Mtr (ca. 35 Qual.) — versendet roden- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-Depot G. Henne- berg (K- u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 620 | Pfarrer, Lehrer, Beamte rc. emps. allerorten den vorzügl- Holl. Tabak bei B. Becker in Seesen a. Harz 10 Pfd- lose i Beutel. 8 X sr. [3648 Temperatur der Lahn und Luft gemessen nach Reaumur am 23. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14 Grad, Luft 14 Grad im Sckatten. Rübsamen'sche Badeanstalt.