Nr. 95 Erstes Blatt Sonntagden 24. April 1892 Amts- und Anzcigcvlatt für den Kreis Gieren. IRebactton, Expedition und Druckerei: Sch«tstr«he Ar.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Avonnementsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener MsmirtenötLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. KichcncrAiiMgcr Kenerat-Mnzeiger. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Jamikienbkätter. 2lnrtlichev Theil Gießen, 22. April 1892. Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Alle AnnoncenaBureaux de» In. und Lu-lande- nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und Ortspolizeibehörden. Durch unser Ausschreiben vom 31. Januar 1885 (Gießener Anzeiger Nr. 30 von 1885) ist Ihnen die strenge Ueberwachung der NahrungS- und Genußmittel und der sonstigen in rubr. Gesetze genannten Gegenstände zur Pflicht gemacht und sind Sie, wie in unserem weiteren Ausschreiben vom 20. Februar 1886 (Anzeiger Nr. 46 von 1886) bemerkt, befugt, in den Verkaufsräumen Proben der gedachten Gegenstände zum Zweck der Untersuchung zu entnehmen. In dem letztgenannten Ausschreiben ist nun zwar angenommen, daß Sie in manchen Fällen selbst in der Lage sein werden, die Untersuchung vorzunehmen; zugleich ist Ihnen aber empfohlen, in Fällen, wo eine chemische Analyse nothig erscheint, diese sachverständigen Fachmännern zu übertragen. Aus den von Ihnen in diesem Jahre vorgelegten Tabellen haben wir nun aber ersehen, daß Sie sich sämmtlich darauf beschränken, die bei den Verkäufern entnommenen Proben selbst zu untersuchen resp. deren Güte durch Verbrauch in der eigenen Haushaltung zu erproben und daß (außer in der Stadt Gießen) in keiner einzigen Gemeinde des Kreises eine fachmännische chemische Untersuchung veranlaßt worden ist. Ein solches Verfahren entspricht nicht der Absicht des Gesetzes und müssen wir erwarten, daß wenigstens in den größeren Gemeinden von Zeit zu Zeit einzelne Proben zur chemischen Untersuchung gebracht werden. Das im vorigen Jahre hier in Gießen errichtete chemische Untersuchungsamt für die Provinz Oberheffen soll gerade derartige Untersuchungen ermöglichen und verweisen wir in dieser Beziehung auf unser Ausschreiben vom 6. Mai 1891 (Beilage zu Nr. 113 des Gießener Anzeigers vom 17. Mai 1891). v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Gesuch des Pferdemarktcomitvs zu Fritzlar, Reg.- Bez. Caffel, um Erlaubniß zum Vertrieb von Loosen einer von ihm am 13. und 14. Juli l. I. zu veranstaltenden Verloosung im Großherzogthum. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem rubr. Comite die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose einer von demselben am 13. und 14. Juli l. I. in Fritzlar zu veranstaltenden Verloosung von Pferden, Wagen, Fahr- und Reit-Requisiten und sonstigen Gegenständen in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach zu vertreiben. Nach dem von dem König!. Preuß. Oberpräsidenten der Provinz Heffen- Naffau genehmigten Verloosungsplane dürfen 7000 Loose ä 3 Mk. ausgegeben und müssen 16 900 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden. Gießen, den 22. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gag ern. Gefunden: 1 Uhrkette, 1 Runge, 1 Seil, 2 Gebund Weißbinderrohr, 1 Milchkanne, 1 Kinderkragen, 1 Beil, 1 Messer, 2 Taschentücher, 1 Serviette, 1 Cigarrenspitze, Geld und 1 Portemonnaie mit Inhalt. Gießen, den 23. April 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Apolitische Wochenschau. Gießt», 23. April 1892. Im Reiche ist es während der Osterzeit zu keinerlei politischen Vorkommnissen von irgendwelcher Bedeutung gekommen. Der Reichstag ist geschlossen und schon darum eine auch für weitere Kreise wahrnehmbare Verschiebung unserer Parteiverhältnisse vorläufig nicht zu erwarten. Immerhin kann die Stellung, welche die Preßorgane aller politischen Parteien zu dem Projecte einer zweiten Schloßlotterie in der vergangenen Woche genommen haben, als ein deutliches Symptom des Anschauungswechsels, der sich bei säst «llen politischen Parteien vollzogen hat, angesehen werden. Während der früher veranstalteten Schloßfreiheitlotterie nur wenig Widerspruch begegnet war, ist der Veranstaltung einer zweiten Lotterie zur Gewinnung der Mittel für die Verschönerung des Schlosses die Stimmung aller politischen Parteien, soweit sie sich aus den Zeitungsstimmen erkennen läßt, entschieden zuwider. Unter diesen Umständen ist es in hohem Grade wahrscheinlich, daß man das vor längerer Zeit ausgegriffene Project schließlich ganz fallen lassen wird. — Wie vor Kurzem bekannt geworden ist, hat der Gesetzentwurf in Betreff der Entschädigung der Familien von eingezogenen Mannschaften während der Dauer der Hebungen nun doch in der erweiterten Fassung, die er im Reichstag erhalten hatte, die Zustimmung des Bundesrathes erhalten. Der preußische Landtag wird seine Thätigkeit am 26. April wieder aufnehmen. Sein Arbeitspensum ist noch recht beträchtlich. Es steht noch die Berathung von sechs wichtigen Gesetzen aus. Das Gesetz über die Entschädigung der Reichsunmittelbaren haben wir an dieser Stelle bereits besprochen. Ebensowenig, wie dieses Gesetz, wird die Landgemeindeordnung für Schleswig-Holstein einen nennenswerten Widerstand finden, da sie im Wesentlichen nur die im vorigen Jahr für die sieben östlichen Provinzen Preußens angenommenen Bestimmungen auch auf Schleswig-Holstein ausdehnt. Die Berggesetz Novelle dagegen wird zu lebhafterem Widerstreit der Meinung genügend Anlaß bieten. Die Novelle, welche die Bestimmung hat, die im sogenannten Arbeiterschutzgesetz für das Reich im Allgemeinen aufgestellten Grundsätze den speciellen Verhältnissen des preußischen Bergbaus anzupassen, hat in der Commission wesentliche Veränderungen erfahren, welche namentlich die Centrumspartei cfa> wesentliche Verschlechterungen im Vergleich zu den Festsetzungen des Regie'rungs- entwurses ansieht. Von Bedeutung sind endlich noch ein Gesetz über die Versorgung von Militärpersonen im Communaldienst, ein solches, welches die Secundär- bahnen betrifft, und ein Tertiärbahnengesetz, das auch die Pferdebahnen umfassen soll. Von ausländischen Angelegenheiten verdient die italienische Ministerkrisis und die neuerliche Aufrollung der bulgarischen Frage eine Erwähnung. Die italienische Ministerkrisis ist in der Hauptsache auf die Gegensätze, welche sich während der parlamentarischen Session zwischen dem Kriegsminister Pelloux und dem Finanzminister Colombo gebildet hatten, zurückzuführen. Der Finanzminister wollte zur Deckung des vorhandenen Deficits von 20 Millionen Ersparungen im Kriegs- und Marineetat vorgenommen wissen, während Pelloux noch über die ersten Ansetzungen hinaus 15 Millionen für militärische Zwecke forderte. Die Krisis ist schließlich in der Weise beendigt worden, daß sowohl Pelloux wie Colombo durch andere Minister ersetzt wurden, das Ministerium also nach keiner der beiden von Pelloux und Colombo vertretenen Richtungen sich zu wenden, sondern aus dem mittleren Wege weiterzuschreiten sich entschlossen hat. — Die Regierung von Bulgarien hat der Pforte eine Note überreicht, in der sie die Anerkennung des Fürsten Ferdinand, die Ausweisung aller bulgarischen Flüchtlinge aus türkischem Gebiete und eine Einwirkung der Pforte auf Rußland hinsichtlich der Auslieferung der an den politischen Morden in Bulgarien beteiligten Personen verlangt. Die bulgarische Regierung beruft sich darauf, daß sie seither die Ordnung im Lande ausrecht erhalten habe und ihren internationalen Verpflichtungen, in Sonderheit den Forderungen Rußlands hinsichtlich der Kosten der Occupation und der angeblich nach Bulgarien geflüchteten russischen Anarchisten nachgekommen sei. Deutsches Reich. Darmstadt, 22. April. Der Großherzog empfing heute Nachmittag die Gesandten Preußens, Oesterreichs, Bayerns, Sachsens und Württembergs, welche ihre neuen Beglaubigungsschreiben überreichten. Später sand zu Ehren der Gesandten eine Galatasel statt. Berlin, 22. April. Se. Majestät der Kaiser haben sich nach Eisenach begeben und trafen dort heute früh um 8 Uhr 12 Minuten ein. Allerhöchstdieselden wurden aus dem Bahnhos von Ihren Königl. Hoheiten dem Großherzog und dem Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar empfangen und fuhren alsbald aus die Wartburg. Schwerin, 21. April. Die Gcoßherzogin-Mutter Friederike Wilhelmine Alexandrine Marie Helene, Schwester des Kaisers Wilhelm I. und letzte Tochter der Königin Luise und des Königs Friedrich Wilhelm III., ist heute gestorben. Die Verblichene war seit dem 25. Mai 1822 mit dem Großherzog Paul Friedrich, dem Bruder des Vaters des jetzt regierenden Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, vermählt, der bereits am 7. März 1842 starb, hat mithin über 50 Jahre den Wittwenschleier getragen. Leipzig, 20. April. Mit dem heutigen Tage ist der elfte Congreß für innere M e di ein, dessen Dauer sich vom 20.—23. ds. Mts. erstreckt, unter dem Vorsitz von Geh.-Rath Professor Curschmann im Crystallpalast hier eröffnet worden. Die Betheiligung am diesjährigen Congreß ist eine ganz besonders zahlreiche. Mit demselben ist eine fachwissenschaftliche Ausstellung verbunden, bei welcher die Betheiligung diesmal ebenfalls eine sehr lebhafte ist. Die ausgestellten Gegenstände sind Artikel zur Krankenbehandlung und Krankenpflege, physikalische Instrumente mannigfacher Art, besonders zumZweck medicinisch-wiffenschaftlicher Untersuchungen, Produete der Pharmakologie und chemischen Industrie u. dgl. m. — Zu der heutigen Eröffnungssitzung am Vormittag hatte sich manche hervorragende Persönlichkeit eingesunden. — In der Eröffnungsrede begrüßte der Vorsitzende den Congreß und gab einen Rückblick auf die medicinischen Ereignisse der letzten zwei Jahre. Während das Jahr 1890 ein Jahr des ungeheuersten Sturmes und Dranges infolge der Tuberkulinfrage gewesen sei, habe das letzte Jahr den Charakter ruhiger forschender Arbeit getragen und habe besonders der letzte Congreß in Wiesbaden wohlthätig beruhigenden Einfluß auf die Tuberkulinfrage ausgeübt und dieselbe aus dem Getriebe der Praxis zunächst wieder in die Säle der wissenschaftlichen Forschung zurückgewiesen. In Kurzem hebt dann der Vorsitzende die ungeheure Reichhaltigkeit des Arbeitsprogramms des diesjährigen Congresses hervor,- sämmtliche große Gebiete der inneren Medicin, mit Ausnahme der Neurologie (Nervenkrankheiten), würden diesmal berührt. Der Grundsatz bei der Arbeit aber solle immer wie bisher bleiben die Wahrung der Einheit der inneren Medicin gegenüber einer übertriebenen Zersplitterung in medicinische Specialsächer. Die Klinik solle der Einheitskörper bleiben, der er bisher gewesen, und wie bisher solle die Klinik die umfassende Schule für die jungen angehenden Medieiner bilden, nach deren Absolvirung diese dann, mit guten Allgemeinkenntnissen ausgerüstet, etwaigen fpecialistischen Neigungen folgen könnten. — In den officiellen Ansprachen begrüßte Herr Cultnsminister v. Seydwitz Exc. die Mitglieder des Congresses im Namen der sächsischen Regierung. Herr Bürgermeister Tröndlin bringt die Freude der Stadt Leipzig zum Ausdruck, daß aus Grund der Wiederkehr des Congresses in ganz bestimmten Zeiträumen nach derselben sich engere Beziehungen zwischen dem Congreß und der Stadt Leipzig voraussichtlich knüpfen würden. Se. Magnificenz Herr Rector Professor Lipsius bot den Willkommengruß der Universität, welche ihre Blüthe zum guten Theil der hervorragenden Vertretung der medicinischen Wissenschaft auf der Leipziger Hochschule verdanke. Der Vorsitzende dankte den Vorrednern und gab eine Reihe geschäftlicher Mittheilungen. Daraus erhält der für den durch Krankheit verhinderten Professor Biermer (Breslau) eingetretene Professor Birch- Hirschfeld (Leipzig) zum ersten Referat über die schweren anämischen Zustände (schwere Formen von Blutarmuth) das Wort. Netteste Nachrichten Wolfis telegraphische- Lorrespondenz-vnrelm. Berlin, 22. April. Aus Befehl Seiner Majestät des Kaisers wird der Königliche Hof zum Gedächtniß der gestern gestorbenen Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin für die Dauer von drei Wochen Trauer anlegen. Berlin, 22. April. Der Magistrat stimmte dem Anträge der Commission für Bestattungswesen zu, wonach der Magistrat sich mit der facultativen Feuerbestattung auf dem Gemeindekirchhofe zu Friedrichsfelde einverstanden erklärt und die Baudeputation beauftragt, die Kostenvoranschläge zu prüfen. Der Magistrat beschloß ferner, der Stadtverordnetenversammlung nach Prüfung des Voranschlags eine entsprechende Vorlage zur Genehmigung zu unterbreiten. Berlin, 22. April. Der Colonialrath nahm heute die Ausschußresolution an, stimmte im Princip specifischen Zöllen zu, erklärte aber vorher eine statistische Erhebung behufs Feststellung der finanziellen Folgen für nothwendig. Bei einer Neuordnung sei Befreiung vom Ausgangszoll für die Produete auszufprechen, welche in Deutschland Eingangszoll zahlen. Anstatt der Anlage neuer Zollstationen empfehle sich die Beschaffung von Zollknttern. Bezüglich der Sclaven- frage beschloß der Colonialrath, Ermittelungen anzustellen behuss gesetzlicher Regelung, und beschloß ferner, unter Vorschlag von Strafbestimmungen, daß unter Aufwendung größerer Mittel gegen den Sclavenraub und Sclavenhandel vorzugehen sei. Hierauf wurde gemäß der Resolution Hohenlohe-Hos- mann der Wunsch ausgesprochen, bei Regelung des Aus- wandcrungswesens die Hinleitung deutscher Auswanderer nach den Schutzgebietstheilen zu berücksichtigen und das Aus- Wanderungsgesetz eventuell vorher dem Colonialrathe vorzulegen. Der Vorsitzende schloß mit dem Dank an die Mitglieder für, die arbeitssreudige Betheiligung. Hohenlohe erwiderte imt einem Dank an den Vorsitzenden, Geheimrath Kayser, für dessen umsichtige Leitung der Geschäfte. Berlin, 22. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, die Behauptung der Blätter, der Besuch des italienischen Königspaares in Potsdam wäre in diesem Jahre nicht erfolgt, wenn der italienischen Ministerkrisis nicht eine Bedeutung zugeschrieben worden wäre, die ihr nicht zukomme, widerlege sich durch die Thatsache, daß der Besuch des Königspaares bereits tm Märzmonat festgestellt gewesen sei. Breslau, 22. April. Der schlesische Verein für Hausindustrie, welcher die Beseitigung der Handwebernoth bezweckt, hat sich der „Schlesischen Zeitung" zufolge heute unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten von Seydewitz constituirt. Paris, 22. April. Heute Vormittag wurden 45 Anar- chisten verhaftet, um aus Grund des Gesetzes über die Bestrafung von Vereinigungen zu verbrecherischen Zwecken zur Untersuchung gezogen zu werden. Rom, 22. April. Die internationale Conferenz der Vereine vom Rothen Kreuz nahm in ihrer heutigen Sitzung eine Tagesordnung an, durch welche die Signatarmächte der Genfer Convention aufgesordert werden, die Wohlthaten der letzteren, soweit es thunlich sei, auf den Seekrieg auszudehnen. ____________ Depeschen deS „Bureau Herold*. Köln, 22. April. Die „Köln. Volkszeitung" meldet aus Neunkirchen, die Kaiserreise hierher wurde verschoben. Nürnberg, 22. April. Die Kreisregierung bestätigte das Verbot des hiesigen Socialistenumzuges zum 1. Mai. Stuttgart, 22. April. Der russische Gesandte Baron Fredericks ift heute hier gestorben. Altona, 23. April. Der Kassirer des „Altonaer Tageblattes" ist nach bedeutenden Unterschlagungen flüchtig. Wien, 23. April. Wegen Mangels an Aufträgen entließ die österreichische Waffenfabrik in Steyr 800 Arbeiter- den Herbst beginnt erst die Lieferung für die italienische Armee. Wien, 23. April. Pserdebahnschaffner sanden aus den Schienen in der Praterstraße und Mariahilferstraße Patronen mit Explosivstoffen. London, 22. April. Der Lordmayor ist angegangen worden, Unterstützungssonds für die nothleidenden Familien der strikenden Bergleute in Durham einzureichen. Loudon, 22. April. Das Einigungsamt lud die Bergwerksbesitzer Durhams ein, ein Meeting zu veranstalten, damit eine Vereinbarung über die Strikenden zu Stande komme. Das Amt that dies aus eigener Initiative und will das Resultat dann den Bergleuten vorlegen. Die Vergwerksbesitzer antworten morgen. Newcastle, 22. April. Die Maschinenbauer, welche mehrere Wochen gestrikt hatten, beschlossen, in allen Punkten den Meistern nachzugeben. Brüssel, 23. April. Die städtische und vorstädtische Polizei verzichtet auf jede außerordentliche Maßregel zum Newyork, 22. April. Das Kupfersyndicat scheint nicht zu Stande zu kommen, da die europäischen Minen- desitzer nicht gewillt sind, die Production einzuschränken, und auch unzufrieden sind, weil die Amerikaner betreffs der eigenen Einschränkung keine bestimmte Zusage gemacht haben. Cadix, 22. April. Bei einem gewissen Manuel Es- cudier wurden 25 Dynamitpatronen gesunden. Die Ausregung ist groß. Die wohlhabenden Bürger wollen vor dem 1. Mai die Stadt verlassen. Sitzung der Stadtverordneten am 21. April 1892. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Adami, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmall, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels. Vor Uebergang zur Tagesordnung gelangt ein Schreiben der beiden hiesigen Turnvereine zur Kenntniß der Versammlung, in welchem die Turnvereiue für die in Aussicht gestellte Unterstützung des Mittelrheinischen Turnfestes, falls dasselbe 1893 in Gießen abgehalten würde, danken. Die Vereine bitten, nachdem die Bewerbung um das Fest zu Gunsten Darmstadts ausgefallen ist, das gleiche Entgegenkommen der Stadt zu bewahren, falls das Fest in einigen Jahren hier abgehalten werden sollte. Das Gesuch des Herrn Georg Koch um Erlaubniß zur Erbauung einer Beamtenwohnung bei seinem Thonwerk am Schiffenberger Walde wird ausnahmsweise unter der Bedingung befürwortet, daß die Abfallwässer in eine dicht gemauerte und cementirte Grube geleitet werden. Das von der Baudeputation wegen Mangel einer Baufluchtlinie (§ 5 des OrtSbaustatuts) für den zwischen der Licher- und Gartenstraße gelegenen Theil des Schiffenberger Weges beanstandete Gesuch des Herrn Emil Kalbfleisch um Erlaubniß zur Erbauung einer Arbeitshütte wird widerruflich und unter dem Vorbehalt genehmigt, daß die Arbeits- Hütte in einer Entfernung von mindestens 20 Metern von der Straße errichtet wird. Bezüglich des Gesuches des Herrn Architecten Stein handelt es sich lediglich um Erlaubniß zur Anbringung eines Balkons an einem der am Seltersweg zu errichtenden Häuser. Die aus Grund des § 2 der Ortspolizeiverordnung nöthige Genehmigung wird ertheilt. Das Gesuch des Herrn Ioh. Häuser von Kleinlinden um Erlaubniß zum Bauen in der Liebigstraße wird wegen noch nicht geregelter Besitzverhältnisse in Betreff des Straßen- geländes beanstandet. Die Verpachtung eines Stückes bei der Straßenverlegung an der Nordanlage übrig gebliebenen Geländes an Herrn Alsr. Bock wird genehmigt. Der Pächter ist gehalten, das Gelände mit einer für Bauplätze vorgeschriebenen Einfriedigung zu versehen. (Ist bereits geschehen.) Der Keller unter der Turnhalle der Realschule soll Herrn Gustav Patz zum Lagern von Wein auf die Dauer von 6 Jahren gegen eine jährliche Pacht von 100 Mk. überlassen werden. Einer Eingabe von Bewohnern der Sonnenflraße zufolge soll am Ricker'schen Hause ein Straßenschild angebracht werden. Die Gesuchsteller haben ihre Eingabe damit begründet, daß der zwischen Canzleiberg und Schulstraße befindliche Theil der Sonnenstraße vielfach als zu den Neuen Bäuen gehörig bezeichnet werde. Die Genehmigung eines von Herrn W. Gail eingereichten Gesuches um theilweisen Ausbau des Erdkauterwegs wird bis nach Feststellung eines Bebauungsplanes für die dortige Gegend abgelehnt und zwar unter Hinweis daraus, daß die Stadt bei Behandlung des Gesuchs um Erbauung der Dampsziegelei ausdrücklich sich ausbedungen hat, daß ihr mit Errichtung der Ziegelei keinerlei Verbindlichkeiten zur Herstellung von Zufuhrwegen erwachsen. Da nach Fertigstellung des Knabenschulgebäudes das Schulhaus in derSchulstraße bis aus Weiteres, bezw. bis zur etwaigen Ausnahme des Polizeiamts unbenutzt bleibt, ist auch die Dienerstelle für fragliches Gebäude eingegangen. Die hiermit verbunden gewesene Schuldienerwohnung soll an ' einen Schutzmann vermiethet werden. In Verfolg einer vor einiger Zeit gelegentlich einer Arbeiter-Versammlung gefaßten Resolution har der socialdemokratische Wahlverein das Gesuch an die Stadtverordneten- Versammlung gerichtet: Es möge auch für die Stadt Gießen ein dem Gesetz vom 29. Juli 1890 entsprechendes Gewerbegericht errichtet werden. Wie wir s. Z. mittheilten, hat eine aus Bürgermeistern, Vertretern der Amtsgerichte und Verwaltungsbeamten aus Kreis und Provinz zusammengetretene | Conferenz erklärt, daß ein Bedürsniß zur Errichtung eines Gewerbegerichts weder für die Stadt Gießen noch für den Kreis Gießen, und wahrscheinlich auch nicht für die Provinz Oberhessen vorliege, da von keiner Seite, weder von Arbeitgebern noch von Arbeitern, diesbezügliche Wünsche geäußert wurden. Die bisher anhängig gewordenen Gewerbestreitigkeiten (im Jahre 1890 waren es 29) wurden durch den Bürgermeister bezw. einen Beigeordneten behandelt und entweder durch förmliches Urtheil oder auf dem Wege eines Vergleichs erledigt- tur in wenigen Fällen wurden die ordentlichen Gerichte angerufen. In der Eingabe des social- demokratischen Wahlvereins wird geltend gemacht, daß aus dem Grunde so wenig der Entscheid der Bürgermeisteret von Seiten der Arbeiter angerufen worden, weil ihre Anliegen nicht von Sachverständigen behandelt würden, sie hätten wenig Vertrauen zu der bisherigen Regelung von Gewerbestreitigkeiten. Die juristische Commission hat beantragt, daß bei Großh. Kreisamt Gießen der Antrag aus Errichtung eines Gewerbegerichts für den Amtsgerichtsbezirk Gießen gestellt werden möge. In Rücksicht auf die in den Filialen der hiesigen Cigarrensabriken in der Umgegend Gießens beschäftigten Arbeiter hielt die Commission ein einen weiteren Kreis umfassendes Gewerbegericht für zweckdienlicher als ein nur für den Stadttreis bestimmtes. Der Antrag der juristischen Commission wird zum Beschluß erhoben. Das Gesuch der Herren L. Seuling und Chr. Hoh- meier um käufliche Überlassung von Plock'schem Stistungs- gelände in der verlängerten Bleichstraße wird genehmigt. Nachdem die offene Armenpflege seit einem Jahre neu geordnet worden ist, kann nach Mittheilung des Herrn Oberbürgermeisters angenommen werden, daß die Neuordnung sich im großen Ganzen gut bewährt hat. Nur hinsichtlich des Maßes der den einzelnen Armenpflegerbezirken erwachsenen Arbeiten hat sich ergeben, daß die Bezirksversammlungen in dem einen Bezirk mehr beschäftigt sind als in dem andern. So hat sich beispielsweise ergeben, daß im 1. Bezirk 14, im 2. Bezirk 38, im 3. Bezirk 26, im 4. Bezirk 38, im 5. Bezirk 26, im 6. Bezirk 24, im Ganzen 166 Pflegesälle zu behandeln waren. Es hat deshalb die Armendeputation eine Neueintheilung der Pflegschaften in die sechs Bezirke vorgeschlagen, derart, daß möglichst jedem Bezirk annähernd die Durchschnittszahl der Pflegefälle (28) zusällt, bezw. daß | einzelne Straßen und Pflegschaften von dem einen Bezirk abgetrennt und dem anderen zugethetlt werden. Die Stadt- I verordneten-Versammlung hat sich damt einverstanden erklärt. (Das Nähere über die beschlossenen Aenderungen findet sich in der Bekanntmachung der Armendeputation in vorliegender Nummer.) Die beiden vorliegenden Gesuche um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb, nämlich dasjenige des Herrn L. Berger für das Haus Dammstraße 39 und dasjenige des Herrn Ludwig Jochem für die „Pulver- mühle" werden befürwortet. Cocates unb provinzielles. Gießen, 23. April 1892. — Die Nr. 9 des im Auftrage des Evang. Pfarr- '.ereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Jr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Kindlein, bleibet bei ihm! 2. Herzliche Bitte einer Pfarrfrau an die Pfarrhausgenossen. 3. äum Accidenz^engesetz (Schluß). 4. Die IV. ordentl. evangel. Landessynode, November 1891. II. 5. Eine Katechismussrage. 6. Verzeichniß der Lectionen aus alle Sonn- und Festtage. 7. Feuerversicherungsverband. 8. Vom Büchertisch. 9. Literarische Thätigkeit hessischer Pfarrer. 10. Zusammenkünfte der Pfarrvereinsmitglieder. 11. Briefkasten. 12. Anzeigen. — Warnung. Der neuerdings in der sogenannten Franzosenschanze durch unbeaufsichtigte Kinder herbeigesührte Waldbrand veranlaßt uns, wiederholt daraus hinzuweisen, daß nach den bestehenden selb- und sorstpolizeilichen Bestimmungen die Eltern haftbar, beziehungsweise strafbar sind für die Verfehlungen ihrer Kinder. Es dürfte sonach im Interesse aller Eltern liegen, ihre Kinder nur unter Beaufsichtigung die benachbarten Waldungen besuchen zu lassen. Verhaftet. Gestern wurde ein hier wohnender, früher bei der Post als Postillon beschäftigt gewesener Mensch verhaftet, der bei einem hiesigen Conditor unter Angabe eines falschen Namens zwei Ostereier ausgeschwindelt hatte. Der Mensch benahm sich so widerspenstig, daß zwei Schutzleute zu seiner Ueberführung in das Gefängniß nöthig waren. — Weiter verhaftet wurde heute Morgen ein lüderliches Frauen^ zimmer, welches sich in den letzten Tagen hier umhergetrieben hat. — Vorgestern sah man einen Soldaten mit auf den Rücken gefesselten Händen, begleitet von zwei Soldaten mit Gewehr, durch die Straßen der Stadt führen. Wie man hört, soll der Verhaftete die früher gemeldeten Kasernendiebstähle ausgeführt haben. — Zum Kaiserbesuch in Schlitz. Der für Montag angekündigte Besuch Se. Maj. des Kaisers bei dem Herrn Grasen zu Schlitz ist in Folge des Ablebens der Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, der Großtante des Kaisers, auf unbestimmte Zeit verschoben. — Wie aus Berlin mitgetheilt wird, begibt sich der Kaiser nach Mecklenburg. — Oberhessischer Obftbauverein, Vereinsbezirk Friedberg. Sonntag den 24. April, Nachmittags 3 Uhr, findet in Assenheim im Gasthaus „Zum Bahnhos" von Ewald eine Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Ueber Sortenwahl, von dem Vorsteher des pomologischen Gartens zu Friedberg, C. Reichelt. 2. Ueber den Schnitt junger Bäume von (S. John, Obergärtner an dem pomologischen Garten zu Friedberg. 8. Die von befreundeter Seite in der „Darmst. Ztg." veröffentlichte und auch in dieses Blatt übergegangene Mittheilung über das Zahressest des Oberhessischen Vereins für innere Mission beruht auf einem Jrrthum. Allerdings war der 4. Mai dafür in Aussicht genommen, aber wegen Verhinderung des Referenten mußte der Tag verschoben werden. Richtig steht, daß Herr Baron v. Göler ein Referat erstatten wird, und gerade der Wunsch, diese bedeutende Kraft zu gewinnen, hat den Vorstand bewogen, das Fest zu verschieben. Echzell, 20. April. Am vorletzten Dienstag endete dahier der diesjährige Obstbaumcursus. An demselben betheiligten sich 12 junge Leute. Geleitet wurde der Cursus von Herrn Landwirthschaftslehrer Andrae von Büdingen und Herrn Obstbautechniker Metz von Friedberg. Der Orts- vorstand dahier spendete den Scheidenden ein Faß Bier, das am vorletzten Dienstag Abend getrunken wurde. Mainz, 21. April. Die üble Angewohnheit vieler Dienstmädchen, sich beim Fensterreinigen auf das Gesimse zu stellen, hat heute früh wieder ein Opfer gefordert. In der Leibniz- straße stürzte ein Mädchen auf das Pflaster und brach beide Beine. Bingen, 20. April. Der hiesige Gemeinderath hat gestern den sämmtlichen Angestellten der Stadt eine Gehaltszulage von 10pSt. bewilligt, insoweit nicht in einzelnen Fällen höhere Zulagen gewährt werden. Bingen, 21. April. Heute Morgen wollte in der Nähe der Station Welgesheim der Landwirth Jacob Emmrich aus Planig die Bahnstraße entlang fahren, als durch das Loco- motivsignal die Pferde scheuten und durchgingen. Emmrich fiel vom Wagen, wobei ihm die Räder über die Brust gingen, so daß er, in den Wartesaal zu Welgesheim verbracht, innerhalb 10 Minuten seinen Geist ausgab. Verini^chtes. * Frankfurt a. M., 22. April. Die Erhebungen bei dem Hause M. A. v. Rothschild.u. Söhne, welche auch jetzt noch fortbauern, sollen bis heute Mittag ergeben haben, daß Jäger eine weit größere Summe unterschlagen hat, als gestern angegeben werden konnte. Die zuletzt genannte Summe ist 2,200,000 Mk. Räthselhaft erscheint, wo Jäger diesen Betrag hingebracht hat, denn an der Berliner Getreide- i börse will keine Firma von einem Geschäft für Jäger wissen und die von anderer Seite gebrachte Meldung, daß Jäger bei einer Bankfirma der Nachbarschaft speculirt habe, bestätigt sich nicht. Man nimmt also an, daß der Defraudant eine sehr erhebliche Summe mitgenommen hat und die Briefe aus Darmstadt nur dazu benutzt hat, die Polizei und das gcschä- I digte Haus auf eine falsche Fährte zu führen. Von gut insormirter Seite verlautet noch, daß die Veruntreuungen keineswegs so weit zurückdatiren, wie man zuerst annahm, 1 sondern erst aus neuester Zeit stammen, welcher Umstand auch für die Annahme spricht, daß Jäger nicht die ganze veruntreute Summe verspielt hat. * Braunfels, im April. In dem klimatischen Surorte Braunfels an der Lahn wurde durch Se. Durchlaucht den Prinzen Albrecht zu Solms-Braunfels eine Kneip pasche 1 Wasserheilanstalt ins Leben gerufen. Die Anwendungen, genau nach Kneipp, werden durch den in Wörris- hofen ausgebildeten Bademeister und dessen Frau auf ärztliche Verordnung ausgesührt. Die klimatischen Vorzüge von | Braunfels, ozonreiche Wald- und kräftigende äußerst reine 1 Bergluft, dürften die Gur nicht unwesentlich unterstützen] andererseits bieten prachtvolle Spaziergänge, weit in die : , romantische Umgegend hinaus, Vorzüge, wie sie nur wenige derartige Surorte besitzen dürfen. Das Badehaus, woran eine geräumige, genügend geschützte Turnhalle angrenzt, ist $ 6 < b, I