Nr. 71 Zweites Blatt Donnerstag den 24. März 1892 Vierteljähriger Anrts- und Anzeiseblatt für de» Areir Gieren Hratisöeikage: Hießener Jamikienökätter. I *nr ann Abonnements^Emladung! Brinqerlohn Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Nkdaction, Expedition und Druckerei: M*nirafct ^tr.7. Fernsprecher 51. tnnabmc von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. «üc Annoncen-Bureaux de» In. und «u»lande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Univcrjitäte - Nachrichten. « . rÄcr Mertge Privatdocent Dr. Karl Moelt, dirtgirmder Arzt bei der städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf, ist zum außer- ordentlichen Professor in Der medicintfchen Facultät der UntverfitLt zu Berlin ernannt worden. Loyaler und pvovinzieller. Gießen, 23. März 1892. ' Oevmischtes. * Slectrische Perroubelenchtung durch Eisenbahnzüge. Aus Wien wird berichtet: Es ist bekannt, daß die Zwischen- stationen und Haltestellen der Eisenbahnen sehr ungenügend beleuchtet werden. Größere Einrichtungen zur Beleuchtung sämmtlicher Stationen würden sich aber desto kostspieliger — Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht: Am 19. März den Kaiserlichen Eisenbahubau- und Betriebs - Jnspector Gustav Mayer zu Straßburg zum Vortragenden Rathe bei der Ab- theilung für Eisenbahnwesen des Großh. Ministeriums der Finanzen mit Wirkung vom 1. April d. I. zu ernennen. — Die landwirthschaftliche Wiuterschule zu Friedberg hat ihren 20. Jahresbericht veröffentlicht. Die Schule wurde vor 20 Jahren als Ackerbauschule für die Provinz Ober- hessen errichtet und ist mit diesem Jahre, nachdem der Staat den bisherigen Zuschuß des landwirthschaftlichen Provinzial- verems übernommen hat, direct der landwirthschaftlichen Behörde unterstellt. In der Leitung der Schule trat insofern eine Aenderung ein, als der bisherige Vorstand, Herr Dr. Tobisch, nach mehrjährigem Leiden sich veranlaßt sah, seinen Abschied zu nehmen. An seine Stelle trat Herr Dr. v. Peter. Als zweiter Lehrer, besonders für Naturwissenschaft und Obstbau, wurde Herr C. Reichelt angestellt und als Hilfslehrer neu eingesührr Herr Kreisveterinärarzt May, welcher den Unterricht über Thierkrankheiten übernahm. Der Anstalt steht eine hervorragende Lehrmittelsammlung und eine Bibliothek von über 700 Bänden zur Verfügung- außerdem als Demonstrationsmaterial im Obstbau ein pomologischer Garten von 2 Hectaren Größe. Die obere Klaffe wurde im Schuljahre 1891/92 besucht von 14 Schülern, die untere» Klasse von 19 Schülern. Im gleichen Schuljahre sanden Obstbaucurse statt- es beteiligten sich am Baumwärtercursus 21, an dem Obstbaueursus für Freunde des Obstbaues 18 Personen. In diesem Jahre finden folgende Eurse statt. Obstbaueursus für Baum- und Straßenwärter nebst einem Repetitionscursus, ein Cursus für Lehrer und Freunde des Obstbaues, sowie ein Cursus für Freunde des Obstbaues. Anmeldungen sind an Herrn Dr. v. Peter zu richten. §§ MehlosGehaag (Kreis Lauterbach), 21. März. Heute Morgen gegen 2 Uhr brach in der Hosraithe des Maurermeisters Diehl hier Feuer aus. Obwohl ja rasch Hilfe herbeigerufen wurde, so brannte doch Scheuer und Stallung total nieder und nur mit Mühe wurde das Wohnhaus gerettet. Der Gießener Anzeiger erfcheinl täglich, mit Ausnahme de» Montags. Die Gießener MamitienVkälter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. — Der Regenlenname Ernst Ludwig ist keine Novität m der hessischen Geschichte. Schon im Jahre 1678 kam ein , ^"dgraf dieses Namens nach dem Ableben seines Bruders Ludwigs VII., welcher nur vier Monate selbstständig regierte als Regent der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt vor. Der Landgraf Ernst Ludwig, ein Sohn des Landgrafen Ludwig VI., geboren am 15. December 1667, kam, wie oben bemerkt, 1678 im Alter von 11 Jahren zur Regierung. Bis zur Boll,ahrigkeit führte seine Mutter die vormundschaftliche Verwaltung. Unter der Regierung Ernst Ludwigs feierte die Universität Gießen am 16. October 1707 ihr erstes hundertjähriges Jubiläum. Der Landgraf selbst feierte am 17. Feb- ruar 1738 das fünfzigjährige Jubiläum seiner langen, glück- lichen Regierung und starb am 12. September 1739. ~ Unter den aus Anlaß des Hinscheidens unseres Großherzogs Ludwig IV. K. H. vielfach mit Trauer- emblemen gezierten Straßen hiesiger Stadt zeichn-te sich der Seltersweg nnd namentlich das Geschästslocal des Herrn Hoflieferanten C. Schwaab besonders aus. Dabei machten wir aber leider die Bemerkung, daß das über dem Eingang dev genannten Geschäftslocales angebrachte umflorte Groß- herzogliche Wappen, welches in seiner plastischen Ausführung sehr gelungen erscheint, in Betreff der Farbenzusammen- steUung des hessischen Wappenlöwen nicht vollständig den Regeln der Heraldik entspricht. Nach dieser Regel hat das hessische Wappen im blauen Felde einen ausgerichtcten von Suber «Weiß) und Roth zehn Mal quergestreiften, goldgekrönten nnd goldbezungten, sowie mit goldnen Krallen be- wehrtcn doppelschwänzigen Löwen (seit 1806) mit einem Schwert in der rechten Pranke. Wenn wir nicht irren, ist an dem Wappen, welches an dem hessischen Grcnzpsahl bei Heuchelheim an der preußischen Grenze sich befindet, dem Maler ein ähnliches Versehen unterlaufen. erweisen, je kürzer die Dauer ist, während welcher die Beleuchtung nothwendig erscheint. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat der Electrotechniker Krizik eine Vorrichtung erfunden, welche darin besteht, daß man im „Hüttelwagen" eine Electricitätsschelle und an der Außenseite jedes Waggons eine oder mehrere electrische Lampen anbringt. Bei der Einfahrt in die Station wird durch einen Umschalter die Reihe von Lampen derjenigen Seite, wo eingestiegen werden soll, angezündet und dadurch eine vorzügliche und billige Petron- beleuchtung geschaffen. Außerdem können die Signallichter am Zuge selbst aus dieser Electricitätsquelle in Betrieb gesetzt werden, was vorthcilhaft erscheint, da die electrischen Lampen weder durch Wind ausgelöscht, noch durch sonstige Witterunqs- einflüffe beschädigt werden. * H'tschbcrg i. Schl., 22. März. Ein zum Tode ver- urtheilter Raubmörder, der 19 Jahre alle Knecht Joseph Sippe! aus Crummoels, wurde heute früh durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg hingerichtet. Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für ■ das 2. Vierteljahr 1892 laden wir hiermit ergcbenst em. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer objectiver Uebersicht zur Kenntmß seiner Leser bringen. Die neuesten Nach- richten der zuverlässigsten telegraphischen Correspondcnz- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und iveiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt- durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur KcnnMiß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Untcrhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Meßmer Anzeigers Aenerat-Anzeiger. Literatur und Annft. « Meisterwerke der Holzschneidekunst auf dem Gebiete der Architectur, eculptur und Malerei. Vierzehnter Band. 4. MS v 1 ,WtL ■ V-rlag von I. I. Weber in Leipzig. Vorgänger Io brmgen auch diese drei Lieferungen des 14. Bandes der „Meisterwerke der Holzfchneidekunst" Schöpfungen namhafter älterer und neuerer Meister zur Anschauung, besonders solche, welche auf Ausstellungen die allgemeine Aufmerksamkeit auf M) gezogen haben, dann Bilder aus der HochgebirgSwelt, Jagdlcenen, Sculpluren usw. Der Inhalt der einzelnen Lieferungen ist möglichst vtelseitig und kommt so auch dem Bedürfnisse Derjenigen entgegen welche auf das Gegenständliche der Darstellungen das Hauptgewicht lcfl.cn- Die Ausführung der Holzschnitte entspricht der heutigen hoch- entwickelten Technik des Tonschnittes, wie er in der periodischen Jllustrattonsliteratur in England, Frankreich und Amerika mit so großem Erfolge angewendet wird und welchem in Deutschland mehr und mehr Eingang und Verbreitung verschafft zu haben bekanntlich röVnT^ltd,eS ^dienst der „Illustrieren Zeitung" ist, deren rühriger Verlag vor nun schon vierzehn Jahren auch die vorliegende dankenswerthe Publikation ins Leben gerufen hat. • 8 .. r ~Hefte der »Wiener Mode". Soeben beendet dieses Blatt das erste Quartal des Jahres, uns liegen die sechs Hefte der verstossenen drei Monate vor. Es kann wohl gesagt werden daß diese schmucken Hefte zum Besten gehören, was aus dem Gebiete der Mode und Handarbeit Herausgaben wird. Da schaut Alle» frisch und chic aus, da ist viel fesche Wiener Art darin und so an- muthrg und freundlich wird Alles dargeboten. Die „Wiener Mode" schlägt aus der Art; das ist kein trockenes Fachblatt, daraus steife Holzpuppen in symmetrischer Gruppirung uns anftarren; das ist ein durchaus künstlerisch gemachtes, erstes Famtlienblatt. Die geschmackvollen, so gut passenden Wiener Kleider sind reizenden Wienerinnen angezogen: die Handarbeiten gehören der rühmlichst bekannten Wiener Schule an; der Unterhaltungstheil des Blattes ist interessant temperamentvoll, hier und da voll köstlichen Humors. Wer diese sechs Hefte durchblättert, versteht den Riesenerfolg, der nunmehr in sieben Sprachen erscheinenden „Wiener Mode". - ArühjahrS-Mode 1892. Die bekannte Seiden-Fabrik G. Henrrederg tn Zürich schreibt uns: Der ausgesprochene Character unserer diesjährigen Mode ist: Streifen (Peckin) und ganz kleine Effecte tn L-treublümchen oder sonstigen kleinen Figuren Den ersten Platz nehmen wieder bedruckte indische Foulardsstoffe ein neben bedruckten einheimischen (ganz abgekochten) Surahs sog. Rongeants die sehr viel bestellt worden sind; es ist dies ein vollständig neuer Artikel, der die indischen Foulards veidrängen soll — btibe Gewebe treten nun vor die höchste Instanz: die Damenwelt; sie soll ent- schetden, welches von ihnen für die Zukunft die Führung übernehmen wird; indische Foulards sind preiswerther, Rongeants müssen in verhältnißmäßig theuren Qualitäten disponirt werden, um sie solid Herstellen zu können. In gestreiften und carrirten Surahs, Mer- vetlleux, Taffetas rc. sind wirklich neue Sachen nicht gemacht worden- trotzdem werden sich gerade diese Seidenstoffe nie ganz verdrängen lassen und immer wieder, in den neuesten Modefarben angefertigt als verhältnißmäßig einfach aber durchaus practisch, ihren festen Platz' behaupten. — Paris hat enorme Quantitäten in Changeonts bestellt und zwar in Taffetas für Unterkleider, in Surahs für Damen- lavallicres, die wieder in Mode kommen — nur breiter und länger als vor ca. 10 Jahren —; sie werden bald dieCachenez oerdränaen da sie fescher sind. Damaste, schwarz und farbig, in kleinen DessinS und Streifen, Moir6 Antique, zwei' und dreifarbige Damaste, schwarze, ein- und zweifarbige PeckiuS, Satins merveiHeux, Surahs, Foulards, Armüres, BengalineS, Satins Duchesse, Satins de Lyon, Crepe de Chine' Failles fran^aises, TaffctaS ujw. sind in zahllosen (Kombinationen und Farben bestellt worden, sodaß jeder Geschmack befriedigt werden kann. Bevorzugte Modefarben sind: gris, beige, heliotrope, fraise, electric und lao Leman (ein grünlich blaucS electric) in den verschiedensten Abstufungen — tn hell: gelb, röthlichltlla, gelbltchnilgrün rosa und blau in satten Rüancen. Großer Luxuü wird getrieben in ganz seidenen Unterkleidern — die schwe,sten Stoffe weiden dazu verwendet - ebenso füttert man jetzt die seidenen Roben mit Taffet oder Fatlle, xm beim Gehen daS knistern Rauschen zu erziele». Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtend Verlag des „Gießener Anzeiger" _____________Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch). Amtlicher* Theil. Rr. 15 des Reichs Gesetzblatts, ausgegeben den 18. d. M., enthält: (Nr. 2002.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Cicho- rienfabriken. Vom 17. März 1892. (Nr. 2003.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auf Steinkohlenbergwerken. Vom 17. März 1892. Gießen, den 22. März 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. __________ v. Gag.er n. Bekanntmachung. Es wird zur Kenntniß der Mitglieder des landwirth- schaftlichen Vezirksvereins gebracht, daß den landwirthschaftlichen Bezirksvereinen eine Broschüre, die Verwendung des Lhilisalpeters, zur Düngung der landwirthschaftlichen Cultur- pflanzen von Herrn Professor Dr. Wagner, Vorstand der landwirthschaftlichen Versuchsstation zu Darmstadt in einer Anzahl Exemplare zugestellt worden ist und daß diese Schrift an die Mitglieder des Vereins auf Wunsch abgegeben werden wirb. Gießen, den 22 März 1892. Der Director des landwirthschaftlichen Vezirksvereins. Jost. [1320 empfiehlt Emil Fischbach Ecke Plockstraße-SelterSweg. 2286] Marktstr. 35 Wegen Selbst-Uebernahme meines in Mörchingen seit V/a Jahren Glessen £ Marktstrasse Jeuer-und 17R2 Vermiethungen einzelner Panzertresors zu billigsten Bedingungen. 1910 14/ Die Molkerei Gießen, empfiehlt Marktstraße 16. in erlesenen feinsten und feinen Qualitäten, roh und gebrannt, 20 1/2-Liter-Flaschen. Gebr. Röhrte, Giessen. (dunkel) oder u/2 Flaschen. 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