fit« 248 Erstes Blatt Sonntag den 23. Oktober 1892 Amts- und Anzeigeblatt fiiv den Ttveis Gieren Kratisöciloge: Hießcner JamikienblÄtcr. ■5 3m Anschlüsse an den in der Anlage dieses Blattes veröffentlichten Aufruf des Landes-Ausschusses für Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Die Gießener ^amitienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der SieKener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MoutagS. Errichtung eines Denkmals weiland Graßherzags Ludwig IV. Ä LMWASV* * ***cMra' -" ** m **, wlrd willkommen ,em. Qurttrrung und Rechnungslegung wird demnächst öffentlich erfolgen. unrerzercyneren zu ubermltteln. - Auch d.e klein,te Gabe Gießen, den 9. October 1892. S Redaction, Expcditio» A p A • und Druckerei: Keneral-^rnzerger. ’S*“ Anrtlichsv Theil rie«efte Nachikichtsn. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. hat der Regierungspräsident in Königsberg verschiedene vorbeugende Maßregeln gegen eine etwaige Verschleppung der Cholera über die ostpreußische Grenze angeordnet. Inzwischen wird wohl schon der eingetretene Frost, der sich gerade in den östlichen Grenzgebieten der preußischen Monarchie ziemlich scharf bemerklich macht, dafür sorgen, daß sich die Cholera an der russisch preußischen Grenze nicht weiter ausbreitet. Berlin, 21. October. Heute Vormittag 11^ Uhr wurde , i jviuuKt= । Erlöserkirche in Rummelsburg eingeweiht. Der 1 künstliches I Kaiser, die Prinzessin Friedrich Leopold in Vertretung der Kaiserin, der Cultusminister, der Hausminister, der Präsident des Oberkirchenraths Barkhausen und der Oberpräsident Achenbach waren anwesend. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsche- Reich. Berlin, 21. October. Am Donnerstag Nachmittag erfolgte die Uebersiedelung des Kaiserpaares und der vier jüngsten kaiserlichen Kinder aus dem Marmorpalais bei Potsdam nach dem Neuen Palais. In letzterem werden die Majestäten bis zur Uebersiedelung nach dem Berliner Residenzschlosse behufs des Wiriterausenthaltes in demselben residiren- indessen steht der Zeitpunkt dieses abermaligen Umzuges der kaiserlichen Familie noch nicht fest. — Kaiser Wilhelm beabsichtigt, bei der bevorstehenden Wittenberger Lutherfeier eine bedeutsame Rede in seiner Eigenschaft als Oberhaupt der evangelischen Kirche Preußens zu halten. Man glaubt, daß die evangelischen Bundessürsten fast ausnahmslos der Feier beiwohnen werden und ebenso dürsten die ausländischen protestantischen Höfe — also die von London, Stockholm, Kopenhagen und dem Haag — bei den Wittenberger Festlichkeiten vertreten sein. Die Vorbereitungen zu einer möglichst glänzenden äußerlichen Gestaltung der Feier sind in vollem Gange. — Die Cholera in Hamburg steht nach wiederholtem schwachem Ausflackern jetzt anscheinend vor ihrem endlichen gänzlichen Erlöschen. Für den 19. October gelangt- nur eine Choleraerkrankung zur amtlichen Anmeldung und wurde auch nur ein Cholerakranker transportirt. Während demnach die Choleragefahr im Norden des Reiches als beseitigt betrachtet werden kann, droht sie von den Ostgrenzen her, infolge des Auftretens der Cholera in den an Ostpreußen stoßenden russischen Grenzgebieten. Infolge dessen Ausland. Budapest, 21. October. Bis Mitternacht erkrankten an der Cholera 26, starben 14, entlassen wurden 10. Der Krankenbestand beträgt 119. London, 21. October. Der „Daily Telegraph" meldet: Die russische Regierung beschäftigt sich mit der Schaffung der Kriegskassen. Die Meldung, Rußland habe in England Goldreserven hinterlegt, sei durchaus falsch. Solche könnten sich höchstens nur in Banken befinden. München, 21. October. Kelheimer Reichstags- I Ersatzwahl. Resultat aus 109 Bezirken: Sigl 4076 Stimmen, Rauhenecker 4074, zersplittert 30 Stimmen: aus- I ständig 3 Bezirke. Cagliari, 21. October. In letzter Nacht wüthete ein I großer Sturm. Ueberschwemmungen sind eingetreten- I an verschiedenen Punkten sind Bahnen und Telegraphen unterbrochen. In Decimo sind acht Häuser eingestürzt, in Elmas und Assemint ebenfalls viele. Zwei Todte wurden ausgefunden. Die Gesammtzahl der Opfer ist bisher unbekannt. Chicago, 20. October. Die Festlichkeiten anläßlich der morgen stattfindenden Einweihung der Gebäude der Weltausstellung haben heute mit einem großen Festzuge begonnen, an welchem etwa 90 000 Personen theilnahmen, dar- I "ater die Municipalität, die Gouverneure des Staates, zahlreiche inländische und auswärtige Gesellschaften. Die Straßen sind I festlich beflaggt. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 22. October. Als der Kaiser gestern Nachmittag um 4 Uhr mit seinem Adjutanten nach dem Potsdamer Bahnhof fuhr, wurde die Equipage am Potsdamerplatz durch ein offenes Break hart angefahren. Der Kaiser setzte die Fahrt unverletzt fort; der Breaksührer wurde sistirt. Berlin, 21. October. Der Landtag wird nicht durch I den Kaiser, sondern durch den Grafen Eulenburg eröffnet. Berlin, 21. October. Die vereinigten Bundesrathsausschüsse für Landheer und Festungen, Seewesen und Justizwesen beriethen gestern die in der vorigen Reichs- tagssession angenommene Resolution, betr. Revision der Bestimmungen über das Beschwerderecht der Militärpersonen. Dem Vernehmen nach wurde beschlossen, dem Plenum des Bundesraths zu empfehlen, der Resolution keine Folge zu geben. Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Schirme, 1 Säge, 2 Laternen, 1 Halskrause, 1 Broche, 1 Kindermütze, 1 Partie Hutfedern, 1 Haarbürstchen, 1 Zahngebiß, 1 Messer, 1 Schürze, 1 Pack Kleidungsstücke, 1 Kinderstrohhut, 1 Kindermuff, 1 Paar Kinderschuhchen, 1 Pack Wolle und ein Trittbrett von einer Chaise. Zugelaufen: 1 Dachshund und 1 Stallhase. Gleßen, den 22. October 1892. Bekanntmachung, betreffend den Ausbruch der Räude zu Treis a. d. Lumda. ^Nachdem unter der Schafheerde des Johs. Balth. Lenz II. zu Treis a. d. Lda. der Ausbruch der Räude amtlich fest- gestellt worden ist, haben wir die Sperre dieser Heerde verfügt. Da auch die Heerde des Schäfers Joh. Bergen räudeverdächtige Erscheinungen zeigt und da die Heerde des Georg Joh. Michel mit den beiden anderen wiederholt in Berührung gekommen, also der Ansteckung verdächtig ist, haben wir angeordnet, daß die Heerden des Bergen und des Michel unter polizeiliche Beobachtung gestellt werden. Es dürfen hiernach Schafe aus der Gemarkung Treis a. d. Lda. nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Erlaubniß ausgeführt werden. Zuwiderhandlungen unterliegen scharfer Strafe. Gießen, den 21. October 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Locales und provinzielles. Gießen, 22. October 1892. toic dem Jnferatenthetle er|id)tlt(t), beginnen mit morgen Sonntag die populären Concerre unserer Regimentsmusik in Steins Garten. Das Programm voll der reizendsten Novitäten der Neuzeit, als „Mikado"' ,,Puppensee" ?c. rc, verspricht uns einen sehr qenuß.eichen Aufenthalt. Al« Solisten werden Herr Langenhagen mit bem ersten Concert siir Violine von Benot und Herr'Claus w,t einem Solo für Xylophon sungircn. - An vorzügliche Ausführung seitens der Capelle sind mir gewöhnt und machen wir nur von dieser Stelle das musikliebendc Publikum hier- durch aufmerksam. -g. Theater. „Großstäd tisch" war die Losung des gestrigen Theaterabend. Zwar wird mancher der Anwesenden unter diesem vielversprechenden Titel sich größeres vorgestellt haben, doch man ist zufrieden. Waren einige ©eenen für das Auge des Zuschauers etwas in die Länge gezogen, im Ganzen genommen war sowohl Stück wie Aufführung be- "i£ ____________.vuticiibesttzer, Lollar, Wahl, Dekan, Wieseck. 7. ®’ _ . --- — _____ ___ V 1 JO Hamburg, 21. Oetober. Von gestern bis heute erkrankten 3 Personen und 2 starben. Wilhelmshaven, 22. Oetober. Die Panzerschiffe „Kron- ! Pr,lnä und „Friedrich Karl" wurden in der Liste der activen Kriegsschiffe gestrichen. ' ®te?ben, 21. October. Der Thierschutzverein bat in einer Eingabe an das Ministerium des Innern um Er- grclsung von Maßnahmen gegen erneut- Thierquälereien, wie fin?C £ ®iftanärftte Berlin-Wien vorgekommen Rnb. Auch der Leipziger Thierschutzverein erläßt ein scharfes Protestcircular. SR„ hDcto6er; Das nächstjährige österreichische Budget schließt abermals ohne Deficit ab. L ®ie*' 21. Oetober. Der Justizminister hob die von seinem Vorgänger Prazak in Südsteiermark einqcsührte Verordnung, welche den Parteien gestaltete, mit deutschen Gerichten slovenisch zu verkehren, auf. Neapel, 22. October. Das hiesige Blatt „Jl Corriere" behauptet offiziös, die italienische Regierung habe in Wien stch die Ermächtigung erbeten, den Dreibund -Ve r tra a betreffs der italienisch-österreichischen Abmachungen zu vcr- to^iger *6n' habe indessen die Genehmigung ver- Darmstadt, 22. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Rector der Landes- “™Crfi% Jörs. Der Herr Rector nimm, an der Großherzoglichen Tafel Theil. Berlin, 22. October. Eine Extraausgabe des „Reichs- anzeigers" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß wodurch anläßlich der Geburt einer Prinzessin mehr als vierhundert wegen Verbrechen und Vergehen verurtheilten weiblichen Personen der S t r a f e r l a ß bewilligt ist. Die in Strafhaft befindlichen Verurtheilten wurden heute Morgen in Freiheit Hamburg, 22. Octobcr. Seit 4«/, Uhr früh brennt der Lagerspeicher und die Reparaturwerkstätte der Packetsabrt- Gesellschaft; die umliegenden Gebäude sind sehr gefährdet Der Schaden beträgt über eine Million. Fünfhundert Per^ fonen sind arbeitslos. Der Branddirector Klpping ist schwer u ET LCB te friedigend. Von den Damen gebührt der Frau Clara Coppe die Ehre be? Abends. Ihr Vortrag war wirklich ausgezeichnet und würde das Zusammenspiel mit Herrn Reiners mancher größeren Bühne Ehre gemacht haben. Fräulein Brünner, welche wir leider erst gestern zum ersten Male sahen, spielte gut, und hoffen wir, daß dieselbe sich an der hiesigen Bühne bald eingebürgert haben wird. Ueber Frau Reiners kann man stets gut urtheilen, auch ihr gestriges Spiel schließt sich an Güte den früheren Anerkennungen würdig an. Nur finden wir es eigenthümlich, daß wir bei Frau Reiners in jeder Partie die gleichen Gesten und Bewegungen wiederfinden, an welchen sie sofort zu erkennen. Die anderen Damen, besonders Fräulein Copps, gefielen gut, was bei genannter Dame Der Beifall des Publikums bezeugte. Herr Dircctor Reiners, so recht in seinem Fahrwasser, war famos. Die kleine Scharte, welche Herr- Rupp im „Lieben Onkel" davontrug, hat er gestern glänzend ausgewetzt. Die Rolle war schwierig, die Ausführung deshalb gebührend anzuerkennen. „Immer schneidig" war der Lieutenant des Herrn Stückel, eines wirklich talentirten jungen Schauspielers, gestern an dem Platze, der ihm als junger Liebhaber gebührt. Herr Marti en sen, einer der besten Künstler unserer Bühne, verdient dieselbe Anerkennung wie früher, Herr Halpern war als Student viel besser wie Förster Eichmann. — Theater. Den Gastspiel-Reigen in der diesjährigen Winter-Spielzeit eröffnet bereits am 27. d. M. der überall doch gefeierte Heldendarsteller und k. k. Hosschauspieler Herr Leon Resemann. Nach den uns vorliegenden Berichten gastirte der Künstler allein im letzten Jahre an nicht weniger wie 42 deutschen Theatern, ein Beweis, wie gesucht der geschätzte Gast ist. Auftreten wird derselbe in vier seiner bellen Rollen, — „Kean" in dem gleichnamigen Schauspiele von Schneider und „Graf Bela" in dem Schönlhan'schen Lustspiel „Die berühmte Frau" werden den Anfang machen. Wir kommen in den nächsten Tagen näher auf dies interessante | Gastspiel zurück. I — Die Seitens der Reichsregierug neuerdings projectirte Erhöhung des Zolles aus Tabak hat den Industriellen dieser Branche Veranlassung gegeben, sich gegen eine Erhöhung der Tabaksteuer zu verwahren und gaben auch die hiesigen Betheiligten in einer gestern Abend im „Hotel zum Rappen" stattgesundenen Versammlung durch Annahme folgender \ Resolution Ausdruck gegen die projectirte erhöhte Tabaksteuer : „Die heute versammelten Cigarren- und Tabak- Fabrikanten Gießens und Umgegend mit ca. 3500 Arbeitern sprechen sich einstimmig gegen jede Zoll- und Steuer-Erhöhung aus. Nachdem unsere Industrie durch die letzte so bedeutende Zoll- und Steuer-Erhöhung einen sehr erheblichen Beitrag zu den Reichs-Einnahmen geliefert und es jahrelanger mühevoller Arbeit bedurft hat, um die dadurch geschlagenen Wunden einigermaßen auszumerzen, und nachdem durch die bundesräthlichen Verordnungen vom 9. Mai 1888, sowie durch die neuere socialpolitische Gesetzgebung, welche gerade unsere Industrie durch die Eigenart der Arbeiterverhältniffe besonders empfindlich trifft, derselben neue schwere Lasten auserlegt worden sind, müssen wir bei dem ohnehin überaus schwierigen und schleppenden Geschäftsgänge gegen jede Zoll» und Steuer-Erhöhung protestiren. Wir sind der wohlbegründeten Ansicht, daß eine neue Belastung und eine hieraus resultirende Verschlechterung des Fabrikats den Consum so einschränken wird, daß ganz erhebliche Arbeiter-Entlassungen stattfinden müssen, wodurch unzweifelhaft zahlreiche Familien brodlos werden. Wenn unsere Industrie auch fernerhin lebens- und steuerkräftig bleiben soll, dann bedarf sie der Ruhe- jede Zoll- und Steuer-Erhöhung aber muß aus die Dauer ihren Ruin unausbleiblich herbeisühren." — Ueber Herrn Rochus Schmidt, der aus Veranlassung der Gießener Abtheilung der deutschen Colonial- gesellschast am 11. Nov. l. I. dahier über „die Sichernug der Karawanenstraße und die Bedeutung des Seengebiets" sprechen wird, gehen uns folgende Mittheilungen zu: Schmidt wurde, nachdem er aus sein Ansuchen zu den Reserve- osftzieren seines Regiments versetzt worden, von der Deutsch-Ostafiika- ntschen Gesellschaft im Juli 1885 nach Ostafrtka herausgeschtckt und übernahm, daselbst angekommen, die Führung einer der Erwerbs- Expeditionen der Gesellschaft, wobei er die Landschaften Usaramo, Ukarni, Usagara, Nguru durchzog und der Gesellschaft Ansprüche spectell auf Usaramo sicherte. Bet der Rückkehr von seiner Expedition wurde er in Usagara von Ruga-Ruga überfallen und schwer verwundet, erhielt einen Schuß durch die Lunge und einen Schuß ins Bein. Die Verwundungen nöthigten ihn, im Jahre 1886 nach Berlin, sobald er transportfähig war, zurückzukehren, um Heilung in der Bergmännischen Klinik zu suchen; dort unterzog er sich zwei Operationen und kehrte noch im selben Jahre, sobald er nothdürfttg genesen war, nach Ostafrtka zurück, woselbst er im Witu-Lande für die WitU'Gesellschaft in den Jahren 1886 und 1887 thätig war und auch die Witu angrenzenden Länder und Völkerstämme kennen lernte. Im Jahre 1888 war er wieder acttoer Offizier, um im Februar 1889 von Wtßmann nach Ostafrika gesandt zu werden. In der Wtßmann- schen Schuhtruppe war er als Chef thätig und zwar als Stattons- chef in Dar-es-Salaam, Mpapua, Saadant, Lindt; ferner machte er mehrere Expeditionen ins Innere mit ^ind führte selbst deren einige, empfing u. A. in Mpapua Emin und Stanley und geleitete sie durch deutsches Gebiet nach Bagamoyo. Auch während der Wlßmann'schen Zeit wurde Schmidt noch zweimal verwundet. Der Kaiserlichen Schutztruppe gehörte er bis zum Februar d. I. an und war während der Zeit Beztrkshauptmann von Bagamoyo, außerdem führte er zwei erfolgreiche Expeditionen, eine nach Nguru und Usagara, eine gegen die Mafiti. Außerdem war er nach der Zelewski'schen Katastrophe militärischer Beirath des Gouverneurs. Nach Ablauf seines Kommandos zur Schutztruppe schied er aus derselben im Februar d. I. aus. Herr R. Schmidt, der zu den besten Kennern ostafrtkantscher Verhältnisse gehört und, was besonders wichtig Ist, sich in allen Dienstzweigen auch in der Praxis als tüchtig bewährt hat, dürfte berufen sein, demnächst seine reichen Erfahrungen, sei es im Verwaltungsdienste oder als Expedttionsführer, zu verwertben. Seine Bereitwilligkeit, aus dem reichen Schatze seiner Erlebnisse in den Abteilungen der Deutschen Colonialgesellschaft über Ostafrtka vorzutragen, kann nur mit großer Freude begrüßt werden. — Der Kalligraph Herr O. Gottlieb aus Leipzig, bekannt durch seine guten Erfolge, eröffnet, vielfachen Wünschen entsprechend, Freitag den 28. d. M. tn unserer Stadt wieder einen Cursus im Schönschreiben. Alle diejenigen — Damen, Herren und Kinder —, welche in kurzer Zeit eine schöne ( Handschrift sich zu eigen machen wollen, seien auf diese ' günstige Gelegenheit aufmerksam gemacht, zumal Herr Gottlieb garantirt, in nur fünf Lectionen die besten Erfolge zu erzielen, (s. heut. Inserat.) .— Berichtigung. Unsere gestrige Mittheilung aus der Sitzung der Stadtverordneten in Betreff der Eintheilung der Wähler zur Stadtverordneten-Wahl berichtigen wir dahin, daß die eine Abtheilung die Wähler mit den Anfangsbuchstaben A bis L, die andere diejenigen mit den Anfangsbuchstaben AI bis Z, wie dies bei früheren Wahlen üblich war, umfaßt. — Ruhestands - Versetzung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: Am 15. October den Umversitätßgärlner bei der Landesuniversitär Johann Friedrich Müller zu Gießen auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. November dss. Js., in den Ruhestand zu versetzen. Lang-Göns, 22. October. Gestern gelang es der Gießener Gendarmerie, zwei schon oft bestrafteDiebe, welche in letzter Zeit die hiesige Gegend unsicher machten, auch im Vogelsberg Einbruchsdiebstähle verübt haben sollen, unter Beihülse des Polizeidieners Weil aus Lang-Göns, den einen hier und den anderen in Großen-Linden, zu verhaften. Beide wurden in das Arresthaus zu Gießen eingeliesert. Dieselben haben es hauptsächlich aus Wirthskassen und Gänse abgesehen. Letztere sollen sie in unserem benachbarten Orte Kirchgöns gestohlen und bei Großen Linden sich zum Essen zubereitet haben. Bruchenbrücken, 19. October. Bei der heute dahier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seit 1871 im Dienste stehende Bürgermeister I. H. Wagner einstimmig wiedergewählt. Wiffelsheim, 19. October. Bei der heute stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Hofmann, der schon 18 Jahre das Amt eines Bürgermeisters verwaltet hatte, einstimmig wiedergewählt. Friedberg, 15. October. Heute fand am hiesigen ev. Predigerseminar die Ausnahme von 13 neuen Candidaten ftatt, bei welcher Director I)r. Diegel in sehr erquickender Weise über 1. Petr. 2, 9a sprach. Mit den verbliebenen 10 besuchen nun für das Wintersemester 23 Candidaten unsere Anstalt. Friedberg, 16. October. Der Gemeinderath unserer Stadt veranstaltete heute eine Aus st ellungdes städtischen Obstes. Von etwa 100 Apfel- und 30 Birnenforten waren Proben zur Schau gestellt. Die Stadt hat dieses Jahr für ihr Obst bei einer Mittelernte etwa 6000 Mk. eingenommen. Darmstadt, 21. October. Ueber die aus Anlaß der hier stattgehabten Conferenz des deutschen Sittlichkeitsvereins am Mittwoch abgehaltene öffentliche Frauenversammlung berichtet das Darmst. Tagebl. wie folgt: Pastor Zimmermann (Dresden) sprach über das Thema: „Wie ist den sittlichen Gefahren für das weibliche Geschlecht im gewerblichen Berufsleben vorzubeugen?" Redner nahm seinen Ausgang von der durch die bittere Logik der Zahlen festgestelllen Thatsache, daß die bekannten Dichterworte vom stillen Walten der Frau im häuslichen Kreise halb und halb Sage geworden seien und daß der größte Procentsatz der 650,000 ledigen Frauen und Mädchen, die Deutschland laut der letzten Volkszählung hat, aus den Selbsterwerb angewiesen sei. Er nannte hieraus die verschiedenen Branchen der Industrie, die weibliche Arbeitskräfte verwenden und zu wahrhaft erschreckenden Spottpreisen. Das Minimum, was eine Arbeiterin zu ihrem Lebensunterhalt brauchen müßte, sind 10 Mark pro Woche. Dieser Normallohn wird aber in den seltensten Fällen erreicht. Der Lohnansatz wird sehr häufig geradezu unter dem Gesichtspunkt gefaßt, daß die Mädchen sich einen Nebenverdienst verschaffen. Diese Dinge schreien nach Abhülse und die bekannte Bewegung der Mäntelnäherinnen in Berlin war immerhin ein beachtenswerter Anfang, ein Nothschrei, der sein Echo finden mußte. Auch die Tagespresse hat die Aufgabe, das Gewissen des Volkes aufzuwecken. Lernen wir vor Allem social empfinden! Näher verweilte Redner bei den mannigfachen Gefahren, denen die alleinstehende Fabrikarbeiterin ausgesetzt ist, und dem Geist der Regellosigkeit, der zum größten Theil in diesen Mädchen lebt und die weiblichen Tugenden ins gerade Gegentheil verkehrt. Auf die Proletarierehe, die Arbeiterfamilie, die fragwürdigen Sonntags-Belustigungen ließ Pastor Zimmermann manches bezeichnende Streiflicht fallen, um sich dann weiter über den tiefsten Krebsschaden unserer Zeit zu verbreiten, nämlich die armen gefallenen Mädchen. Bauet die christliche Familie neu, damit sich von ihr aus eine Reorganisation unserer socialen und wirthschaftlichen Verhältnisse vollziehen kann, das war der Gedanke, auf den Pastor Zimmermann in seinem Vortrage mehrmals zurückkam. — Nach ihm behandelte Herr Superientendent Niemann (Kyritz) das Thema: „Was haben die Frauen bisher zur Bewahrung und Rettung ihrer Schwestern gethan und was müssen sie noch thun?" Er kam dabei zu sprechen aus die Mädchenhorte, Sonntagsvereine, Herbergen, Marthahäuser und Magdalenen- stiste und zeigte die Lücken, die noch in dem weitmaschigen Netze auszusüllen seien. An diese Betrachtungen schloß sich Herr Pastor Wießner (Berlin) mit einigen Mittheilungen über das Berliner Magdalenenstift, das sich der besonderen Fürsorge unserer Kaiserin zu erfreuen hat. ' vermischtes. * Durbach (Amt Offenburg), 20. October. Hier erschoß am Dienstag Morgen einer der wohlhabendsten Bürger seinen eigenen Sohn aus drei Schritte Entfernung. Das Opfer starb aus dem Transporte nach Straßburg, während der Mörder nach Offenburg durch die Gensdarmerie abgeliefert wurde. Ueber das Motiv des Familiendramas erfährt man laut der „Bad. Presse", daß der Vater mit seinem Sohne in Streit gerieth, angeblich weil letzterer dem ersteren aus einem Faß besseren Wein genommen und schlechteren hinein- gethan haben soll. Der Vater, welcher als jähzornig und händelsüchtig gilt, griff plötzlich nach einem an der Wand hängenden Gewehr und gab einen Schuß auf seinen Sohn ab, an deffen Folgen der Sohn starb. * Mannheim, 21. October. Vom Schwarzwald werden heftige Schneefälle gemeldet, welche bedeutenden Schaden anrichten. * Glogau, 21. October. Das hiesige Bahnhofs-Gebäude brennt- die Kassen sind in Sicherheit. * München, 19. October. In vergangener Nacht ist hier starker Schneefall eingetreten- Straßen und Dächer trugen heute eine dichte Schneedecke. Neue Opfer von Monte Carlo. Wegen großer Spiel- verluste in Monte Carlo nahmen sich am Samstag, wie aus Nizza gemeldet wird, vier Personen das Leben. Bei Mentone sprang ein etwa 60 Jahre alter Mann ins Meer. Der Leichnam konnte bis jetzt noch nicht indentifiziert werden. In Falicon bei Nizza erschoß sich der 27 Jahre alte Pariser Großhändler August Grenier, in Montboron der Pariser Bör-. senmakler Bastide, der mehr als 100,000 Francs am Spieltische verloren hatte, und in seinem Hause zu Nizza erhängte sich ein etwa 30 Jahre alter Franzose, der erst vor drei Tagen nach Monaco gekommen war und in dieser kurzen Zeit sein ganzes bedeutendes Vermögen verspielt hat. Auszug aus den Standesarntsregtftern der Stadt Gießen. £ r Aufgebote. ™ .October: 18. Georg Anton Rörig, Dachdecker dahier, mit Maria Elisabeth Bierau zu Lollar. 20. Philipp Volk, Fußgendarm dahier, mit Katharine Elisadethe Würz hierselbst. 20. Carl Haas, Brieftiäger dahier, mit Karoline Elisabeth Henriette Pauline Keiner hierselbst. 21. Friedrich Gustav Jrle, Locomotivführer zu Erndtebrück, mit Maria Gröntnger von hier. Eheschlietzungerr. October: 15. Engelhard Ado'.f Ferdinand Buß, Rechtsanwalt zu Offenbach a. M., mit Johanna Maria Franziska Werlo hierselbst. Geborene. ___ October: 11. Dem Schneider Karl Handrich ein Sobn, Günther Friedrich Karl. 11. Dem Bureau-Vorsteher Wilhelm Eidmann eine Tochter, Marie Elisabethe Wilhelmine. 15. Dem Schreiner Georg Veith eine Tochter. 18. Dem Kaufmann Leopold Schlatter ein Sohn. 20. Dem Kürschnermeister Alfred Willmaser eine Tochter, Lina Margarethe Susanne Wilhelmine Anna Alma. Gestorbene. October: 15. August Werner, 37 Jahre alt, Dienstmann dahier. 16. Frieda Holm, 2 Jahre alt, Tochter von Werkmeister August Ho m dahier. 16. Margarethe Kreiling, 21 Jahre alt, Fabrikarbeiterin von Heuchelheim. 19. Willy Kinkel, 8 Jahre alt, Sohn von Bierbrauer Carl Kinkel II. dahier. 20. Heinrich Konrad Ebert, 64 Jahre alt, Rentamtsdiener i. P. dahier. 20. Elisabeth Peters, 3 Jahre alt, Tochter von Versicherungs-Jnspector Eduard Peters zu Frank- furt a. M. 21. Josephine Koppe, geb. Josseaux, 81 Jahre alt, dahier, Wittwe von Fabrikant Franz Alexander Koppe. Auszug uus den Kirchenbüchern der Stadt Gietzerr. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 15. October. Engelhard Adolf Ferdinand Buß, Rechtsanwalt zu Offenbach, und Johanna Maria Franziska Werlo, Tochter des Landgerichtsraths Johannes Baptist Werlö zu Gießen. n Den 16. October. Friedrich Keil, Schuhmacher, und Helene Lotz zu Gießen. * Denselben. August Ludwig Treding, Schlosser bei der Main- Weser-Bahn, und Marie Elisabeth Schneider, Tochter des verstorbenen Schreiners Johann Heinrich Schneider von Gießen. Getaufte. Den 15. October. Dem Premterlieutenant Karl Pampe ein Sohn, Hans Arthur Eberhard, geboren den 1. September. , Den 16 October. Dem Locomotiohcizer Hermann Schleuning ein Sohn, Fritz Julius Eduard Ernst, geboren den 8. September Denselben. Dem Kaufmann Ludwig Loth ein Sohn, Ludwig Heinrich, geboren den 13. September. Denselben. Dem Korbmacher Ludwig Zecher eine Tochter Margarethe Auguste, geboren den 26. September. Denselben. Dem Taglöhner Konrad Jäger ein Sohn, Wilhelm geboren den 20. August. Denselben. Dem Bäcker Georg Keil ein Sohn, Georg, geboren den 24. September. Denselben. Dem Bremser Johann Philipp Weber ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geboren den 2. September. Den 18. October. Dem Director der höheren Mädchenschule Dr. Friedrich Landmann ein Sohn, Werner Albert, geboren den 22. August. Den 20. October. Dem Schaffner Hans Heinrich Scherz eine Tochter, Elisabeth Anna Kordula, geboren den 1. October. Beerdigte. Den 16. October. Wilhelm Appel, Locomotivführer i. P., alt 57 Jahre, starb den 14. October bet Nieder-Gtrmes. Den 21. October. Willy Kinkel, Sohn des Bierbrauers Karl Kinkel, alt 8 Jahre, starb den 19. October. P n