im Nr. 222 Freitag de» 23. September Der Kießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Die Äießcn.r Aamittenbkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Heneral-Wnzeiger. Vierteljähriger Abonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezöge« 2 Mart 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchutflraße Sr.7. Fernsprecher 51. Anrts- und 2lnzeigeblatt für den Kreis Gieren. Gratisöeilage: chießener Aamikienökätter. Anrtti^ev Ttzeil an Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. für daß 5) Die Voranschläge derjenigen Gemeinden, in denen dem Großh. Fiscus ein Grundsteuercapital von mindestens 857 Mk. 14 Pfg. zur Last steht und eine Vertretung desselben aus Grund vorerwähnten Gesetzes nicht stattfindet, find vor Beginn der zweiten Offenlegung der betr. Großh. Oberförsterei mitzutheilen. 6) Auf Beilage 1 darf die Bescheinigung der Ueberein« stimmung mit der Rechnung und auf Beilage 2 die Bescheinigung der Uebereinstimmung mit dem Inventar nicht fehlen. 7) Die Beilage 2 ist zu dem Voranschläge für 1893/94 nicht zergliedert, sondern nur summarisch aufzüstellen. 8) In Beilage 4 sind alle namhaften Abweichungen kurz und klar zu erläutern. Der § 41 der Voranschlags-Instruction ist hierbei genau zu beachten. 9) Bei den Gemeinden, deren Rechner Hebgebühren beziehen, ist in Beilage 6 eine ordnungsgemäße Berechnung der Hebgebühren vorzunehmen. 10) Als Beitrag zur Kreiskaffe ist der für das Jahr 1892/93 angeforderte Betrag vorzusehen. 11) Zur Vermeidung von Verlegenheiten für die Ge- meindekafle und namentlich auch von Kaffeanlehen ist auf Beschaffung eines ausreichenden haaren Betriebscapitals Bedacht zu nehmen. 12) Sofern für außerordentliche Bedürfnisse keine, oder nur geringe Beträge vorzusehen sind, muß eine angemessene Summe zur Schuldentilgung in Aussicht genommen werden. Den Gemeinden, welche noch ältere Kriegsschulden haben, wird empfohlen, zuerst deren Rückzahlung ins Auge zu fassen. Dabei ist zu beachten, daß unter Rubrik 54 eine weitere Umlage in Höhe der ab^tragenden, älteren Kriegsschuld einzustellen wäre. 13) Für die land- und sorstwirthschastliche Berufs- gen?ffenschaft sind unter den Rubriken 59 und 101a zwei Pfennige als Beitrag von 1 Mark Grundsteuercapital in Ansatz zu bringen. 14) Die Beiträge zur land- und forstwirthschaftlichen Unfallversicherung von Gemeindegütern, welche verpachtet oder in sonstiger Weise dritten Personen zur Nutznießung überlassen sind, fallen gesetzlich dem Pächter oder Nutznießer zur Last. In den Fällen, in denen die Gemeinde auf einen Ausschlag auf die Pächter rc. verzichtet, ist dieser Verzicht im Voranschlag zu beantragen. Dies geschieht am zweckmäßigsten unter der Rubrik 92 des Voranschlags, unter welcher hie Beiträge der Gemeinde zur land- und forstwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft, bezw. zur Tiefbau-, Steinbruchsberufsgenossenschaft rc., sowie auch diejenigen zur Invaliditäts- und Altersversicherung für die von her Gemeinde beschäftigten Personen verrechnet werden können. Die Rubrik 92 würde hiernach den Titel „Beiträge die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir beauftragen Sie, mit Aufstellung der Voranschläge 1893/94 alsbald zu beginnen und dafür zu sorgen, deren Einsendung an uns in dem vorgeschriebenen Ter- Gießen, den 19. September 1892. Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge für die Landgemeinden des Kreises Gießen pro 1893/94. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen mine — 15. November l. I. — erfolgt. Zur Beachtung bei Ausstellung dieser Voranschläge bemerken wir das Folgende: l) Für den Zahlenvoranschlag und das Be- rathungsprotocoll dürfen nur die neu redigirten bezw. in Gemäßheit unserer Verfügung vom 15. Juli v. I. — Anzeiger Nr. 164 — abgeänderten Formulare verwendet werden. 2) Nach dem Gesetz vom 19. Juli 1890 findet eine Vertretung der Forensen bei der Berathung des Voranschlags nicht mehr statt, die Einladung der Forensenvertreter sällt mithin fort. Falls Umlagen, zu welchen die Forensen beizutragen habens erhoben werden sollen, hat der Bürgermeister mittelst Bekanntmachung im Kreisblatt, unter Bezeichnung des Ortes der Offenlegung, zur Kenntniß der Betheiligten zu bringen, daß der Voranschlag während 8 Tagen, von dem anzugebenden Zeitpunkte an, zur Einsicht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen, offen gelegt wird. Diese Bekanntmachung ist in einem, vor Beginn der Offenlegungsfrist erscheinenden Kreisblatte einzurücken. Zur Vermeidung von Mißverständnissen fügen wir hier nochmals an, daß die vorbezeichnete Offenlegung mit der in Art. 71 der Landgemeindeordnung bereits vorgeschriebenen zweiten Offenlegung des Voranschlags genau zusammenfallen muß. 3) Einer besonderen Bescheinigung der erfolgten Bekanntmachung im Kreisblatt bedarf es nicht, da diese Bescheinigung in dem Vordruck aus der Rückseite des Zahlenvoranschlags Aufnahme gefunoen hat. 4) Nach dem Gesetz vom 3. Mai 1858 gehört mit voller Stimmberechtigung außer de^ gewählten Mitgliedern auch derjenige höchstbesteuerte Grunooesitzer, welcher wenigstens ein Viertheil der in der Gemeinde aufzubringenden Grundsteuer entrichtet, oder in Ermangelung dessen der Höchstbesteuerte, welcher ein Grundsteuercapital von wenigstens 1500 Gulden in der Gemeinde hat, zum Gemeinderath. Diese Grundbesitzer oder deren Bevollmächtigte sind zu den Gemeinderathssitzungen einzuladen. zur Unfallversicherung und znr Invaliditäts- und Altersversicherung" zu führen haben. 15) Nur diejenigen Bürgermeistereien, welchen im vorigen Jahre besondere Verfügung wegen der Voranschläge für die Gemeindekrankenversicherung zugegangen ist, haben solche aufzustellen und miteinzufenden. Selbstredend haben jedoch auch diejenigen Gemeinden, für welche ein Krankenkassevoranschlag nicht aufzustellen ist, den muthmatzlich erforderlichen Zuschuß unter Rubrik 93 vorzusehen. 16) Soweit die einzelnen Gemeinden für Beschaffung von Feuerlöschgeräthen und Ausrüstungsgegenstünden größeren Eredit unter Rubr. 84 einzustellen haben, ist den ergangenen Anordnungen gemäß zu verfahren. Für die lausende Unterhaltung der Feuerlöschgeräthe muß ebenfalls ein den Verhältnissen angemessener Betrag in Ansatz gebracht werden. 17) Die Bedürfnisse für Kirchen und Schulen sind durch Auszüge aus den Kirchenvoranschlägen und bezw. detaillirte Anforderungen her Schulvorstänhe zu begrünhen. 18) Verärgerungen unh namentlich Herabsetzungen her Umlagen sinh, wenn nicht ganz besonhere Grünhe dies rechtfertigen, zu vermeiden; bei günstigen Abschlüssen empfiehlt es sich vielmehr, Eapitalrückzahlungen eintreten zu lassen. 19) Es ist darauf zu achten, daß die achttägigen Offenlegungsfristen genau eingehalten werden, namentlich darf eine neun- oder gar zehntägige Offenlegung, wie dies bisher mehrfach vorgekommen ist, nicht stattfinden. Zu beachten ist weiter, daß hie Offenlegun jen nicht an ei iem Sonn- oder Feiertage beginnen, bezw. enhigen. » 20) Zur Berathung des Voranschlags ist her Gemeinde- Einnehmer als Auskunstsperson zuzuziehen. 21) Die Einsendung der Voranschläge hat jedenfalls im bestimmten Termine zu erfolgen, da wir im Interesse einer ordnungsmäßigen Budgetwirthschaft Frist nicht gestatten werden. Sollten aus besonderen Gründen einzelne Rechnungen bis zu dem Termine noch nicht gestellt sein, so ist, dem § 41 Absatz 2 der Voranschlags-Instruction entsprechend, die Ueber- sicht — Beilage 4 — aus Grund des Handbuchs zu fertigen. Im Uebrigen wollen Sie nach unseren früheren Ausschreiben, sowie stach den Revisionsbemerkungen und Beschlüssen zu den vorhergehenden Voranschlägen versahren. v. Gagern. Gießen, den 19. September 1892. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evang. Kirchenvorstände des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, den im Gemeindevoranschlag vorzusehenden Betrag des kirchlichen Deficits, unter Mitthei- Feuilleton« VerwechsNt. Von Alexander von Degen. (3. Fortsetzung.) Bald hatte er ein großes Haus in der Königgrätzer Straße erreicht. Er betrat den Flur und warf einen Blick aus die Wohnungstafel. „Richtig," meinte er, „hatte mich doch nicht geirrt." In diesem Augenblicke kam ein junger Osfizierbursche die Treppe aus dem Souterrain herauf. „Sind Sie her Diener vom Herrn von Königsdorf?" „Jawohl, wohl eine Einladung?" meinte dieser, Johann, dem er gleich den Diener aus vornehmem Hause ansah, mit Kennerblick betrachtend. Ja, so ein Osfiz'ersbursche besitzt Menschenkenntnisse! „Schön, werde es besorgen, mein Herr ist augenblicklich nicht zu Hause." Er begab sich wieder in das Souterrain, um dort seiner angebetenen Auguste, der Köchin des die erste Etage bewohnenden Commerzienraths, den Hos zu machen. Eine halbe Stunde mochte er dort geweilt haben, als die Hausthür geöffnet wurde und eine laute Stimme rief: „Fritz, wo steckst Du wieder?" Gleich daraus trat Fritz in das Parterrezimmer seines Herrn, des Lieutenants Arno von Königsdorf. „Jemand dagewesen, Fritz?" „Jawohl, Herr Lieutenant. Ein Diener hat einen Bries abgegeben, Antwort wäre nicht nothwendig." „Gut, scheint eine Einladung zu sein!" Schnell öffnete er den wappenverzierten Umschlag. „Mein lieber Neffe! Theile Dir mit, daß das Diner heute nicht um 6 Uhr, wie auf der ersten Einladungskarte steht, stattfindet, sondern eine halbe Stunde später. Habe guten Muth, ich habe mit Cilly gesprochen, es wird keine Schwierigkeiten machen, ich rede mit dem Papa noch vor Tisch. Deine treue Tante Hedwig von Globen." Der jugendliche, bildschöne Lieutenant machte in diesem Augenblicke ein höchst einfältiges Gesicht und drehte mechanisch die Spitzen seines kleinen blonden Bärtchens bald kühn in die Höhe, bald zog er sie trübselig nach den Mundwinkeln herunter. „Das begreife, wer kann!" rief er endlich, „Tante Hedwig von Globen! Im millionensten Gliede glaube ich mit ihr verwandt zu sein, mein Vater sagte mir so etwas. Hm, Cilly sagte allerdings etwas wie „werde mich meiner Tante Hedwig offenbaren!" Aber wie kommt diese gute Tante daraus, mich gleich so cordial anzureden? Gleichviel, alte Damen sind manchmal sonderbar. Sie muß doch das Beste wollen, das sagen deutlich die Worte „habe Muth, wird keine Schwierigkeiten machen! Ich rede mit dem Papa noch vor Tisch!" Die Excellenz, wahrscheinlich die Frau eines alten schneidigen Generals, ist eine resolute Frau, liebt Cilly, weiß die Sache am rechten Fleck anzusaffen. So wirds sein, ja, so wirds sein, ja, so eine alte Exeellenz hat zuweilen Hosen an. Ich begebe mich unbedenklich unter die Fittiche dieser mir so unvermuthet oetroyirten Tante!" Er klingelte, Fritz trat ein. „Um fünf Uhr will ich mich zum Diner anziehen. Lege die nöthigen Sachen hin!" „Zu Befehl, Herr Lieutenant!" Die neuesten Zeitungen vermochten das Interesse Arnos nicht zu fesseln, immer wieder betrachtete er diese geheimniß- volle Einladung. „Ach was, gehen wir etwas spazieren!" ries er endlich unmuthig, „da wird das Blut ruhiger." „So ganz harmlos kann die Einladung nicht gewesen sein," dachte Fritz, der mit dem Rohrstock respeetwidrig auf dem Hofe die Unaussprechlichen seines Herrn bearbeitete, als er seinen Herrn das Hans verlassen sah, „sonst schläft er stets vor einem guten Souper oder Diner aus!" * * * Soeben schlug es auf der nahen Kirche halb fünf Uhr. Mit zufriedenem Lächeln durchschritt Ihre Excellenz ihre wohldurchwärmten, mit etwas Tannenduft leicht durchschwängerten, im Kerzenschein erstrahlenden Wohnräume und warf noch einen langen prüfenden Blick über die Tafel, die mit allen kostbaren Schaustücken des Hauses reich besetzt war. „Sie haben Ihre Sache recht gut gemacht, Johann!" lobte sie, „ich hoffe, unsere Gäste werden zufrieden sein. Sonderbar, eö ist eben erst halb, da scheint schon Jemand zu kommen, wenn ich mich nicht irre, klingelte es soeben. Lassen Sie die Gäste in den rothen Salon treten." Johann beeilte sich, den Gast zu empfangen; Hauptmann v. Königsdorf stand vor ihm. „Ich komme wohl etwas zeitig?" fragte er, indem er auf dem Vorsaale mit Hilfe Johanns sich des eleganten hellen Herbstpaletots entledigte. „Bei uns in den kleinen Nestern kommt man immer etwas zeitiger." — Er betrachtete seine elegante Gestalt, die her vorzüglich sitzende Frack — „mein Angsikind das ganze Jahr, eö können Motten hineinkommen," pflegte er zu sagen — ausgezeichnet kleidete, in dem großen Spiegel. ttingen verstorbenen Mann dahingegangen, Vereinzelte Erkrankungen: en u Ich 1 c allgemeinen Verkaufs - Vereinigung stattgesunden, sei gänzlich unzutreffend. Der Plan sei vielmehr vollständig ausgegeben. Die Versammlung, an welcher auch Vertreter der größeren Eisenwerke theilnahmen, hatte einen ganz anderen Zweck. Haag, 21. September. Der neue Gesetzentwurf verleiht 800 000 Bürgern gleich 74 pCt. der männlichen Bevölkerung das Wahlrecht. Jeder volljährige Niederländer, welcher liest und schreibt und seine Familie ernährt, wird wahlberechtigt. Militär unter dem Offiziersrang während seiner activen Dienstzeit, ferner Deserteure, Gefangene, Sträflinge und Geisteskranke sind ausgeschlossen. Paris, 21. September. Victor Napoleon erläßt ein Manifest, worin er erklärt, der 22. September sei wie zu einem Volksappell geschaffen. Napoleon I. habe an diesem Tage Frankreich gegen die Monarchie geschützt. Napoleon III. habe an diesem Tage das allgemeine Stimmrecht wieder hergestellt. Der 22. September sei deshalb ein Napoleonsdatum. Paris, 21. September. Am 19. September griffen die D a h o m e e r um 5 Uhr Morgens bei Dorba die französische, 5000 Mann starke Colonne unter Oberst Dodds an, welcher dieselben nach einer vierstündigen Schlacht in die Flucht schlug. Die Dahomeer ließen einige hundert Leichen und zahlreiche Feuerwaffen aus dem Platze. Die Franzosen verloren 5 Todte, einen Commandanten und einen Marinelieutenant. Zehn Franzosen wurden schwer verwundet. lung eines Auszug» aus dem Kirchenvoranschlag, im Lause dieses Monats den Großh. Bürgermeistereien mitzutheilen. __________________v. Gagern. — Wohlthätigkeits Concert. Wie unsere geehrten Leser schon aus dem Jnseratentheile ersehen haben werden, giebt die Capelle des Jnsanterie-Regiments Kaiser Wilhelm heute Abend in Steins Garten ein Concert, dessen Ertrag dem von der Cholera so schwer heimgesuchten Hamburg zufließen soll. Giebt dieses Concert einestheils unserer RegimentS- mufik Gelegenheit, der Hamburger Bevölkerung gewissermaßen den Dank abzustatten für die überaus günstige Ausnahme,, deren sich die Capelle vor einigen Monaten während eines vierwöchentlichen Aufenthalts zu erfreuen hatte, so ist das Concert anderseits geeignet, der Bevölkerung Gießens Gelegenheit zu einem Wohlthätigkeitsacte für die nothleidende Hamburger Bevölkerung zu geben. Hoffentlich unterstützt das Publikum Gießens dieses edle Bestreben unserer Militärcapelle durch recht zahlreichen Besuch des Concertes. Die Leistungen der Capelle sind zu bekannt, als daß sie besonderen LobeS an dieser Stelle bedürften. Während der letzten Manöver war es der Capelle mehrere Male vergönnt, ihr Können zu zeigen und die besten Zeugnifie ihrer Leistungen in der Tagespresse zu erlangen. So schreibt u. A. der „Mainzer Anz." über ein in der „Stadthalle" am 4. September gegebenes Concert: „Das Programm war abwechslungsreich und geschmackvoll zusammengestellt, die Ausführung der einzelnen Piscen durchgehends von jener Präcision und Abrundung, wie man sie bei Militärcapellen zu finden gewohnt ist. Da waren Richard Wagner und Rubinstein ebenso zu finden wie totales unb provinzielles, Gießen, 22. September 1892. Die Cholera. Der Kamps gegen die Choleraepidemie in Hamburg ist endlich derartig organisirt und wird mit so ausreichenden Kräften geführt, daß die Hamburger keiner auswärtigen Hilfstruppen mehr bedürfen. Eine größere Anzahl von Militär- wie Civilärzten, ferner von Lazarethgehilsen und Krankenwärtern, die von auswärts nach Hamburg gekommen waren, sind jetzt darum wieder abgereist, weil man ihrer Dienste nicht mehr bedarf. Immerhin wird die Bekämpfung des unheimlichen Feindes in Hamburg wohl noch Wochen energischer Thätigkeit bedürfen, denn die täglichen Cholerafälle sind noch immer ziemlich zahlreich. Z. B. wurden für die Zeit vom Montag Mittag bis Dienstag Mittag noch 206 Erkrankungen und 105 Todesfälle an Cholera gemeldet. Etwas verfrüht scheint die amtliche Erklärung gewesen zu sein, wonach Altona wieder der Character einer seuchefreien Stadt zugesprochen wurde. Denn für Dienstag wurden aus Altona 17 Erkrankungen und 8 Todesfälle an Cholera gemeldet, da kann Altona doch kaum als seuchefrei bezeichnet werden. Neue Cholerafälle sind außerdem in Berlin, Stettin, Wittenberge, sowie in den Regierungsbezirken Lüneburg und Stade vorgekommen. Außerhalb Deuschlands hat sich jetzt die Cholera ein neues Gebiet durch ihr Auftreten in Krakau, Podgorze und anderen galizischen Orten erobert. Anerkennenswerther Weise haben die österreichischen Behörden sofort auf das That- kräftigste die Bekämpfung der gefährlichen Seuche begonnen, so daß zu hoffen steht, dieselbe ^werde sich nicht weiter über die österreichisch-ungarische Monarchie verbreiten. Im Uebrigen herrscht die Cholera noch ziemlich stark in Theilen Rußlands, peciell in den Gouvernements Saratow und Tambow, ver- hältnißmäßig mild jedoch in den übrigen inficirten Landestheilen Rußlands, ebenso tritt sie in Frankreich, Belgien und Holland ortgesetzt mild auf. — Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 20. bis 21. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrank- Mit dem am Samstag in Göttingen verstorbenen Professor Rudolf von Zhering ist ein EL_____ _7...ö.a_.ÖVM. der zu der neueren Richtung der Gelehrten gehört, welche in dankenswerther Weise sich nicht daraus beschränken, die Resultate ihrer Geistesarbeit einer kleinen Zahl von Fachmännern zugänglich zu machen, sondern die vielmehr eine ihrer Hauptaufgaben darin erblicken, die Ergebnisse ihrer Forschungen möglichst Vielen aus dem Volke zugänglich zu machen. Daß dieses Verfahren nicht zu einer Verflachung der Wissenschaft zu führen braucht, hat ebenso wie Virchow und Holtzendors auch Jheriug auf das Schlagendste bewiesen. Er war einer der populärsten, zugleich aber einer der kennt- nißreichsten und gediegensten Gelehrten, namentlich auf dem Gebiete des Römischen Rechts. Zu dem Besten, was auf diesem Gebiete in neuerer Zeit geschrieben ist, gehört unbedingt, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, sein Hauptwerk „Geist des römischen Rechtes auf den verschiedenen Stufen seiner Entwickelung", welches in drei Bänden von 1852—65 erschienen ist und seitdem nicht nur zahlreiche Auslagen erlebt hat, sondern auch in verschiedene fremde Sprachen übersetzt ist. Am populärsten dagegen ist und die weitefc Verbreitung sand, auch in zahlreichen Uebersetzungen, seine Schrift „Der Kampf ums Recht", welche von Wien aus im Jahre 1872 ihre Reise um die Welt antrat. Dieses Buch ist zwar sehr viel gelesen, leider aber nicht genug beherzigt worden. Von neueren Artikeln, die im großen Publikum besonders Aufsehen machten, erwähnen wir seine Streitschrift „Gegen das Trinkgeld" (Braunschweig 1882) und seine Abhandlung über die „Uebertragbarkeit der Retourbillets", für welche er bekanntlich im Gegensatz zu den Eisenbahnverwaltungen eintrat, ohne indeß damit einen practischen Erfolg zu erzielen. Jhering ist 20 Jahre lang Docent an der Göttinger Universität gewesen, nachdem er vorher an ver- schiedenen anderen Hochschulen gewirkt hatte. Es hat lange gedauert, ehe er zur Ruhe gekommen ist. Nachdem er in Heidelberg, München und Göttingen seine Studien absolvirt hatte, wandte er sich, da man ihm, obgleich er ein geborener Auricher war, die Zulassung zum hannoverschen Staatsdienst versagte, im Jahre 1840 nach Berlin, wo er als Schüler von Savigny und Stahl sich auf die akademische Laufbahn vorbereitete. Im Jahre 1845 erhielt er eine ordentliche Professur in Basel, die er im folgenden Jahre mit einer solchen in Rostock vertauschte, 1849 ging er nach Kiel, 1852 nach Gießen, wo er bis 1868 blieb. In diesem Jahre folgte er einem Ruf nach Wien. Als er 1872 von dort nach Göttingen übersiedelte, verlieh ihm der Kaiser von Oesterreichs in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste den erblichen Adelstand. Johann machte ein etwas erstauntes Gesicht. „Aber Herr von Königsdorf wohnen doch in Berlin, ich war vorhin in der Wohnung mit der —" Er unterbrach seine Rede, da der Hauptmann rauh einfiel: „Hier auf dem Vorsaale wünsche ich nicht zu antichambrieren." Devot riß Johann die Flügelthür aus zum rothen Salon, wo Excellenz mit gewinnendem Lächeln den Neffen empfing. „Ich komme wohl etwas zeitig, liebe Tante," begann Arno, nachdem man Platz genommen, „ich bin erst um fünf W geladen und jetzt ist es erst soeben dreiviertel." Gießen, den 19. September 1892. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, den Ueberschlag der Kosten der Schulen für das rubr. Rechnungsjahr im Laufe dieses Monats den Großh. Bürgermeistereien zuzustellen. v. Gagern. //Hast Du denn meinen Brief nicht bekommen, lieber Neffe, heute Morgen? Ich übergab ihn Johann persönlich und bat Dich, erst um halb sechs zu kommen." „Nein, o wie mir das leid thnt, Dich aeftiirt zu haben' will wieder gehen." Er erhob sich. Bekanntmachung. Heinrich Münker, seither Dienstmann mit der Nr. 17 dahier, hat sein Gewerbe als Dienstmann niedergelegt und werden daher alle diejenigen, welche etwa Ansprüche an die von demselben bei uns hinterlegte Caution aus ihm ertheil- ten Aufträgen geltend machen zu können glauben, aufgefordert, solche binnen 8 Tagen bei uns anzumelden. Gießen, den 19. September 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. „Nein, nein, lieber Arno, bleibe nur hier- wenn aber der Baron Lilienstern mit seiner Tochter kommt, so sei so gut und gehe in das Nebengemach, in das Zimmer meines seligen Mannes, ich will in Deinem Interesse vor dem Essen nut dem Vater Cillys sprechen, nachdem diese mir rückhaltslos lhre Liebe zu Dir —" „Was — zu — mir — Cilly — ?" „Schnell, schnell, Arno! Begib Dich in das Zimmer und komme nicht eher herein, als bis ich Dich benachrichtige oder es Dir durch Johann sagen lasse, aber dann tritt in den Salon durch die Flurthür, damit es nicht auffällt. Ich denke bestimmt, bei dem Baron zu reüssiren." (Schluß folgt.) Regierungsbezirk S ch l e s w i g: in den Städten Wandsbeck und Pinneberg und je einem Orte der Kreise Stormarn und Kiel (Land) 2 Erkrankungen, 5 Todesfälle. Regierungsbezirk Lüneburg: in der Stadt Harburg und je einem Orte der Kreise Harburg (Land) und Dannenberg 2 Erkrankungen, 3 Todesfälle. Regierungsbezirk Stade: in der Stadt Stade, sowie in fünf Orten der Kreise Jork, Kehdingen und Stade 5 Erkrankungen, 6 Todesfälle. Berlin: 5 Erkrankungen, darunter 1 Todesfall (Karsten, Baberski, Gericke, Michaelis mit Kind). Regierungsbezirk Potsdam: in der Stadt Schwedt 1 Todesfall. Berlin, 21. September. Nach einer weiteren Mittheilung sind gestern insgesammt 2 2 Choleraverdächtige in das Moabiter Lazareth eingeliefert worden- bei 5 wurde asiatische Cholera constatirt. Hamburg, 21. September. Der Gesundheitszustand ist heute b esser. Pros. Pettenkoser traf aus München hier ein, um in den Krankenhäusern Beobachtungen zu machen. Der^Reichscommiffar für Elbstromcontrole traf in Begleitung der Stabsärzte Rohlshorn und Kranzfelder ein. Der Capitän zur See Herbig inspicirte in Begleitung von hiesigen Stationsbeamten und Sanitätsmitgliedern den ganzen iElbstrorn bei Hamburg. Hamburg, 21. September. Die Choleracommission des Senats fetzte 25 aus mehreren Bürgern und je einem Vorsitzenden bestehende Gesundheitscommissionen ein, die in allen Theilen der Stadt die Gesundhettsverhältnisse überwachen, von sanitären Mängeln der Polizeibehörde behus» sofortiger Abhilfe Mittheilung machen, vor Allem aber für Desinficirung in Cholerafällen und Reinigung von Wasserläufen zu sorgen haben. Wo Choleraherde sich befinden, sind» die Bewohner anderweitig unterzubringen. Hamburg, 21. September. Die Inangriffnahme des Baues eines Alstercanals durch Hamerbrook nach der Elbe soll bevorstehen. — Verschiedene Typhus fälle wurden constatirt. Lübeck, 21. September. Die Handelskammer ersuchte den Senat um Aushebung der Ch vier arnaßregeln, da durch die Beschränkungen Handel und Verkehr sehr empfindlich leiden. Lübeck, 21. September. Der Senat beschloß, den Waarenverkehr zwischen Hamburg und Lübeck entsprechend den Bestimmungen der preußischen Ministerialverordnun- wieder zuzulaffen. Mons, 22. September. Die Cholera tritt heftig unter den Bergarbeitern im Borinage auf; gestern erkrankten 32 Personen und 7 starben. Wien, 21. September. In der großen Sanitäts- commisfion betonte Gemeinderath Herold die Wichtigkeit guter Volksernährung und sprach den Wunsch aus, der Bürger- meister möge geeigneten Orts die Frage eines ViehauS- suhrverbotes gegen Deutschland und die Schweiz anregen. Rom, 21. September. Infolge des Auftretens der Cholera werden die für October geplanten Wallfahrten nach Rom wahrscheinlich aufgeschoben. Deutsches Reich. Berlin, 21. September. Die Vorarbeiten zu der bevorstehenden Wintersession desReichstages werden zur Zeit namentlich im Reichsschatzamte sehr eifrig betrieben. Es handelt sich um die Aufstellung des Reichshaushaltsetats für 1893/94. Bis jetzt hat es den Anschein, als ob nur einzelne Theile des neuen Etats erhebliche Abänderungen vor dem lausenden Etat erfahren würden. Ob und inwieweit die Einnahmen bereits unter der voraussichtlichen Wirkung neuer, erst zu genehmigender Steuern späterhin höher zu veranschlagen sein werden, ferner, wie der Ausgabe - Etat der Militärverwaltung durch die angekündigte Heeresvorlage sich anders gestalten möchte, ist zur Zeit noch gar nicht abzusehen. Rach beiden Richtungen hin geben, wie die „M. Z." betont, die Vorarbeiten im Augenblick noch gar keinen Maßstab für die Gestaltung der Dinge. Eine glaubwürdige Meldung z. B. will wissen, daß der Entwurf des neuen Militärgesetzes schon wiederholt umgestaltet worden sei und daß die Kostenanschläge noch immer keine endgiltige Feststellung erfahren hätten, es befinde sich in dieser ganzen Frage alles noch in der Schwebe. Dem scheint in der That so zu fein! Neueste Nachrichten» Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 21. September. Nach der „Nationalzeitung" haben bei den Hauptsteuerämtern vertrauliche Erhebungen stattgesuuden über die voraussichtlich mit der Deckung der Kosten der Militärvorlage zusammenhängende Erhöhung der Brausteuer von 4 auf 8 Mark pro Doppelcentner Berlin, 21. September. An der hiesigen Börse wurden heute sü. Hamburg 44000 Mark gezeichnet. Berlin, 21. September. Wie uns parlamentarische Kreise mittheilen, erscheint demnächst vom Landtagsabgeordneten Enneccerus eine den Miquel'schen Plänen und Grundzügen zustimmende Broschüre über die Steuerreform. Berlin, 21. September. Der hiesigen Criminalpolizei wurde angezeigt, daß die Bankiers Seemann und Rosenberg in Hannover nach Verübung bedeutender Unterschlagungen flüchtig geworden sind. Berlin, 22. September. Die „Kreuzzeitung" erfährt aus Konstantinopel: Laut Berichten aus Sebastopol wurde eine Vermehrung der Flotte aus dem schwarzen Meere durch den Bau von mehreren neuen Schiffen angeordnet. Köln, 21. September. Der „Kölnischen Ztg." wird von unterrichteter Seite mitgetheilt, die Nachricht der Berliner Blätter, es habe am 19. d. Mts. eine Vertrauensmänne r- Versammlung der größeren Zechen zur Bildung einer ungs- und Todesfälle: Datui n — Staat 17./9. 18./9. 19/9. 20./9. und O r t — K -a__e e s K Bezirk c <5 o kO ’S a £ 5 UM. e-» £ ■ - 'M 'M CD ’M 'M a> Hamburg Preußen Hamburg 286 127 241 115 206 105 211 100 Schleswig Altona 10 4 20 7 17 8 11 8 Stade Achim — — 2 1 Stettin Dornbusch — — — _ 2 1 1 _ Stettin 1 1 — — 4 1 5 2