Nv. 20 Erstes Blatt Sonntag den 24. Januar 1892 Der Hteßnrer Auzeiger erscheint täghd), mit Ausnahme dcS Montags. 2>tc Gießener Aamikienbtütler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger ASonnementspreiLr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schalstrahe Fernsprecher 51. Arnts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Iamitienötätter Alle Annoucen-Lureaux de- In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Anrtlicl-ev Thssl. Gießen, den 21. Januar 1892. Vetr.: Die Erstreckung der Versicherungspflicht nach dem Jnvaliditäis- und Altersversicherungsgesetz aus die Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien Alten-Buseck, Danbringen, (Harberrteich, Gießen, Heuchelheim, Klein-Vinden, Watzenborn-Steinberg und Wieseck. Während nach rubr. Neichsgesetz die Lohnarbeiter der Tabakfabrikation, welche aus persönlichen, hauSwirth- schastlichen oder sonstigen Gründen anstatt in der Fabrik zu Hause arbeiten, bereits seither versicherungspflichtig waren, ist nunmehr durch Bundesrathsbeschluß vom 16. December 1891 die Versicherungspflicht auch auf die eigentlichen Hausgewerbetreibenden, d. h. solche selbständige Gewerbetreibende ausgedehnt worden, welche in eigenen Betriebs- stätten im Auftrag und für Rechnung anderer Gewerbetreibenden (Fabrikanten, Fabrikkaufleute, Handelsleute) mit der Herstellung oder Bearbeitung von Cigarren oder anderen Tabakfabrikaten beschäftigt werden und zwar auch dann, wenn diese Hausgewerbetreibenden die Roh- oder Hülfsstoffe selbst beschaffen und auch für diejenige Zeit, während welcher sie vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten. ES sind hiernach nur solche Personen als Hausgewerbetreibende zu betrachten, welche zwar in eigener Betriebsstätte, aber für Rechnung und im Auftrag anderer Gewerbetreibender (also nicht einzelner Consumenten) arbeiten. Sie verkaufen die von ihnen hergestellten oder bearbeiteten Erzeugnisse nicht unmittelbar an die Consumenten, sondern an andere Gewerbetreibende, welche ihrerseits für eigene Rechnung (auf ihre Gefahr) die von den Hausgewerbetreibenden gefertigten Fabrikate weiter vertreiben. In Berücksichtigung des Vorstehenden wollen Sie binnen 8 Tagen berichten: 1) ob und wie viel selbständige Hausgewerbetreibende der Tabakfabrikation sich in Ihrer Gemeinde befinden, 2) ob und wie viel versicherungspfüchtige (s. § 4 Abs. 2 des Ges.) Hülfspersonen dieselben beschäftigen, 3) ob es vorkommt, daß die Hausgewerbetreibenden vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten oder 4) ob dieselben umgekehrt regelmäßig für eigene Rechnung arbeiten und nur gelegentlich von anderen Gewerbetreibenden für deren Rechnung beschäftigt werden, 5) ob es vorkomml, daß dieselben für mehrere Fabrikanten zu gleicher Zeit arbeiten, 6) wie die Arbeits- und LöhnungsverhÜltnisse zwischen den Fabrikanten und den von ihnen beschäftigten Hausgewerbetreibenden gestellt sind, 7) welche Cigarren- bezw. Tabaksfabriken sich in Ihrer Gemeinde befinden. v. Gagern. Gießen, den 22. Januar 1892. Betr.i Die Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes, hier Portokosten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien, die mit Cin- ziehung der Beiträge beauftragten Kaffenorgane und die örtlichen Stellen. Wir benachrichtigen Sie, daß nach Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz für den brieflichen Verkehr zwischen den Organen der Jnvaliditäts- und Alters- verficherungsanstalt „Gr. Hessen" und den Hessischen Verwaltungsbehörden in der Regel eine Frankirung der gegen- seitigen Sendungen bis auf Weiteres stattfinden soll. ___v. Gagern.________ Bekanntmachung, betreffend die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterieen zum Vertrieb im Großherzogthum. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Grobherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz die dem Straßburger Gewerbeverein mit Verfügung vom 30. Juni 1891 ertheilte Erlaubniß zum Vertrieb der Loose der von demselben veranstalteten Lotterie bis zum 15. März dieses Jahres verlängert hat. — Die Gewinnziehung soll an dem genannten Tage stattfinden. Gießen, den 22. Januar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gefunden: 20 Pfennig, 1 Pferdedecke, 2 Halstücher, 3 Paar Handschuhe und 3 einzelne Handschuhe, 2 Muffe, 1 Taschenluch, 1 Tischdecke, 3 Portemonnaies mit Inhalt. 1 Griffelbüchse, 1 Shlips. Auf der Eisbahn: 8 Handschuhe, 3 Taschentücher, 2 Hutnadeln, 3 Haarnadeln u. 1 Armband. Gießen, den 23. Januar 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsches Reich. Berlin, 21. Januar. Die Nationalzeitung beziffert die Höhe der zu erwartenden preußischen und Reichsanleihen aus 350 bis 375 Millionen Mark. Bezüglich des Zinstypus sei noch nichts entschieden, doch herrsche Neigung, den dreiprocentigen Typus zu wählen. Die Ausgabe werde durch öffentliche Subscription erfolgen. Ein auslä-ndisches Bankhaus habe bereits 50 Millionen fest erbeten, wurde aber auf die Subscription verwiesen. Veutschee Reichstag. 154. Pleuarfitzuug. Freitag den 22. Zanuar 1892, 12 Uhr. Auf der Tages-Ordnung: Erste und event. zweite Berathung des Handelsvertrags mit der Schweiz. Staatssekretär Frhr. v. Marschall: Der Vertrag knüpfte sich an die Verträge mit Oesterreich und Italien. Es werde immer nur gefragt, welche Vorthelle der Vertrag bringe, aber nicht danach, welche Nachtheile eintreten würden, wenn wir mit der Schweiz zu einer Verständigung nicht gelangen, Die Behauptung, die Tarifverträge seien mit der bisherigen Wirthschaftspolitik unvereinbar, sei ganz falsch; die Tarifverträge seren nur eine Consequenz deS Schutzzollsystems. Ebenso falsch sei es, zu sagen, datz Deutschland durch seine Schutzzollpolitik erst den Anstoß zu der europäischen Schutzzollpolttik gegeben habe; Schutzzölle hätten längst vor 1879 in den verschiedensten Staaten Europas bestanden. Es widerspreche den Thatsacken, angesichts der Verträge von einer Niede^rge des Schutzzollsystems zu sprechen. Er halte dasselbe für so gesund, datz er nicht danach frage, wie andere Länder dazu gekommen seien, zum Schutzzoll überzugehen. Mit dem Mciftbegünstiaunasoertrage mit der Schweiz hätten wir nur deshalb so gute Geschäfte gemacht, weil die Schweiz eine der unserige.', entgegengesetzte Wirthschaftspolitik eingeschlagen; das höre aber mit dem 1. Februar auf. Hätte die Regierung einen neuen Vertrag nicht geschlossen, nachdem der alte unbrauchbar geworden, so würden gerade die Gegner des vorliegenden Vertrags die Regierung der Unfähigkeit bezichtigt haben. Wir seien ja stark genug, um einem Zollkriege mit der Schweiz ruhig entgegensehen zu können; aber einen solchen breche man nicht auch mit einem Staate, mit dem man bisher in guten Beziehungen gestandest, ohne Roth vom Zaune. Der bisherige deutsche Vertrag mit der Schweiz beruhe auf dem schwetzerisch- französi'chen Vertrage; für die schweizerischen Conccssionen habe Frankreich sehr weitgehende Concessionen gewährt gehabt, viel weiter gebende, als wir jetzt gewähren; da können wir doch nicht verlangen, datz wir nun von btr Schweiz dieselben Eoncesstonen erhalten, die sie s. Z. an Frankreich für viel größere Gegenleistungen zugestanden hatte und von denen wir nur auf Grund der Meistbegünstigung profitirt hatten. Durch die Verträge würde das Schutzzollsystem erst z:r vollen Wirkung gebracht. Die Beunruhigung der Schutzzöllner habe ihren Grund wohl in dem Jubel der Freihändler über die Verträge und die Freude der Freihändler steigere die Beunruhigung der Schutzzöllner, lieber den Schweizer Generaltarif dürfen wir nicht so erregt sein, denn er entspreche im Allgemeinen unserem Zolltarife und wir schließen Verträge mit Staaten, die ein ähnliches Wirth- schaftssystem haben wie wir. Ein papierner Popanz sei dieser Generallarif nicht, sondern ein nach schweren Kämpfen zu Stande gekommenes Werk. So lange die Schweiz mit anderen Staaten keine Verträge schließe, werden wir auf dun Schweizer Markte vermöge unseres Conventionaltarifs die meiste Begünstigung haben; schließe sie Verträge mit anderen Staaten, so kommen "uns diese zu Gute. Die verbündeten Reg-erungen hielten an dem Cou'S lest, den sie für richtig hielten und führt-n mit diesen Verträgen unsere bisherige bewährte Wirthschaftspolitik um eine gefährliche Klippe herum. (Beifall) Abg. Graf Kanih (conf.): Nicht um einen Uebergang zum Freihandel bandle es sich bei diesen Verträgen, wohl aber um eine gefährliche Wendung: wir binden uns damit die Hände und geben unsere Actionsfreibeit auf. Wir Haden Oesterretch-Ungarn und Italien weitgehende Concessionen gemacht und diese Concessionen fallen ohne Weiteres allen den Ländern zu, welche die Meistbegünstigung haben, namentlich auch Amerika. Durch die Verträge würden uns große Opfer und Nachtheile zugemuthet, besonders durch den mit der Schweiz, obgleich es sich bei der Schweiz großenthetls um Erzeugnisse handle, bezüglich deren sie auf das Ausland angewiejen fei. Der Schweizerische Generaltarif hätte nie zur Giundlage von Verhandlungen mit der Schweiz gemacht werden dürfen. Oesterreich habe zwar auch auf Grund dieses Tarifs mit der Schweiz verhandelt, aber bedeutend mehr herausgeschlagen altz wir. Die „Köln. Ztg." habe mit Recht gesagt, daß bei Verhandlungen eines großen mit einem kleinen Staate der große noch nie in solchem Maße den Kürzeren gezogen habe wie Deutschland in seinen Verhandlungen mit der Schweiz. Schwer geschädigt werde durch den Vertrag u. A. die deutsche Baumwollen-Jndustrie, welcher zudem die österreichischen Concessionen gar nichts nützten. Als die Schweiz mit ihrem Generaltarif kam, hätten wir ihr mit Repressalien drohen und ihr klar machen sollen, daß sie mehr von uns abhänge, als wir von ihr. Landwirthschaftliche Interessen würden von dem Vertrag nicht berührt, aber die Intereffen der Industrie und Landwirthschaft seien solidarisch verbunden, von diesem Grundsätze gehe er nicht ab und deßhalb stimme er gegen den Vertrag. Abg. vr. Barn berg er (fr.) bestreitet, daß der vorliegende Vertrag allgemein als mißlungenes Machwerk betrachtet werde, wie dies Vorredner behauptet habe. In einzelnen Industriezweigen sei man unzufrieden, aber aus den Kreisen der meistbetheiligten Industrien, der Eisen-, der Textil- und der chemischen Industrie seien keine Stimme» gegen den Vertrag laut geworden. Um landwirthschaftliche Interessen handle es sich, wie Gras Kanitz selbst anerkannt habe, hter nicht. Abgesehen von der LebLNsrnitteltaxe sei der Landwirthschaft gegenüber eine sympathischere Behandlung angezeigt als der Industrie, denn in der großen wirthschostlichen Entwickelung der letzten 10 Jahre habe sie viel weniger Schlitt halten können als die Industrie. Die deutsche Industrie sei stark genug, den Kampf im internationalen Wettbewerb aufnehmen zu können. Der wahre Handelsvertrag könne nicht ein einfacher Meistbegünstigungsvertrag, sondern müsse ein solcher mit Tarifen sein, denn wir haben gesehen, daß der Nutzen der Meistbegünstigung des bisherigen Vertrags mit der Schweiz mit dem Aufhören des französisch-schweizerischen Vertrags wegsiel. Gegen den Vertrag werde angeführt: Ihr hättet mehr Concessionen erlangen und weniger Concessionen machm sollen. Dasselbe sage man aber auch der Schweizer Regierung. Die Unterhändler konnten sich von vornherein sagen, daß, was auch das Ergebnlß ihrer Arbeiten sein möchte, sie zu Hause Unzufriedenheit sinken würden. Was unsere Concessionen anlange, so handle es sich um Industrien, für die vor 10—12 Jahren Schutz verlangt wurde, damit sie sich entwickeln könnten; eine deutsche Industrie, die unter Bedingungen arbeite wie die Garnspinnerei und die in 10—12 Jahren deS Schutzes noch nicht genügend erstaikt sei, werde sich überhaupt nicht entwickeln. Redner vertheidigt einem Einwande des Vorredners gegenüber den Veredelungsverkehr. Die Weber würden nicht das Geringste mehr zu weben haben, wenn man den Druckern verbiete, für das Ausland zu drucken. Man hätte vielleicht mit der Schweiz vor dem Referendum über den Generaltarif abschließen können und dann etwas Besseres erzielt, aber dann wäre man mit der Kritik, wie wir sie heute hören, über die Regierung hergesallen und hätte ihr vorgeworfen, die Sache überhastet zu haben, ohne abzuwarten, ob der Gcneraltarif in der Volksabstimmung wirklich Annahme finden werde. Wenn man sich die Folgen eines Zollkrieges vergegenwärtige, sei sicher anzunehmen, daß auch diejenigen, welche gegen die Verträge stimmen, es sich, wenn sie auf der Regierungs- banf fäßen, zweimal überlegen würden, ob sie ihn entfachen sollten. Die Verträge seien noch lange kein Freihandel, aber es werde damit 'doch endlich in das exorbitante und extravagante Schutzzollsystem 'Bresche gelegt. Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.): Wenn wir 1879 unseren Zolltarif nicht gemacht hatten, so würden wir heute von der Schweiz keinerlei Concessionen erhalten haben. Die Concessionen, die unS zugestanden sind, vei danken wir also dem Schutzzoll, nicht dem Freihandel. (Widerspruch links.) Die Eisenindustrie werde von dem Schweizer Vertrage nicht berührt, die chemische Industrie habe Vor- thetl davon, die Textilindustrie aber habe sich -allerdings gegen den Vertrag gemeldet. Es sei also nicht richtig, daß sich unter den Kreisen der nichlbethriligten Industrien keine Stimmen gegen den Vertrag erhoben hatten. Andererseits müsse zugegeben werden, daß uns nichts anderes übrig blieb, als bei den Verhandlungen den Schweizer Generaltarif zu Grünte zu legen. Er stimme für den Vertrag, trotzdem derselbe für uns ungünstiger fei, als das bisher bestandene Verhältniß. Er stimme dafür, weil in vertragsiofer Zeit die deutsche Industrie aus der Schweiz verdrängt werden könnte, weil die Conceisionen, die sich die Schweiz und Frankreich bei einem -wischen beiden abzuschließenden Vertrage etwa machen, dann auch Deutschland zu Gute kommen und endlich und vornehmlich, um eine Beruhigung zu schaffen, an der eS jetzt fehle. Er erblicke in den Handelsverträgen e-m Sanctionirung der 1879er Wirthschaftspolitik, die er als eine der unsterblichsten Thaten des Fürsten Bismarck betrachte, die unser Vaterland zu ungeahntem Woblstand geführt und den Arbeitern Löhne gebracht hat, die früher unmöglich waren. (Wider spruch links.) Das beweist die Lohnstatisitk. Er habe das vollste Vertrauen, daß die jetzige Regierung an dem Schutze der vaterländischen Arbeit festhalte. (Beifall.) Abg. v. Bennigsen (nl.): Eine Commissionsberaihung würde Viele von den Besorgnissen und Mißverständnissen, die gegen den Vertrag bestehen, behoben haben; aber da bis zum Inkrafttreten des Vertrags wenig mehr als eine Woche Zeit ist, so müsse davon abgesehen werben. Empfehlenswerth wäre aber, daß eine frei gebildete Gruppe aus dem Hause zwischen der 2. und 3. Lesung zur Erörterung einzelner Punkte des Vertrags zusawmcnträte. Vielfach gehe man bet der Kritik des Vertrags von falschen Auffassungen aus. Es sei richtig, daß die Schweiz in Bezug auf Kohlen u. f w. auf das Ausland angewiesen sei; aber gerade deshalb mußte sie sich auf die Industrie und zwar die Exportindustrie legen. Pressionsmittel der Schweiz gegenüber hätten vielleicht zu einem Erfolg geführt, aber es sei doch zu bedenken, daß das wachsende Ansehen, dessen sich Deutschland fortgesetzt zu erfreuen habe, daraus entspringe, daß Deutschland seine Macht niemals gcmißbraucht habe. Hoffentlich führten die Handelsverträge auch zu einer Annäherung der verschiedenen liberalen Gruppen und damit zu einer Gesundung unserer Parteiverhältnisse. Die liberalen Grundsätze fänden heule weniger Berücksichtigung, als ihnen zukomme. Zu einer solchen Annäherung aber sei erforderlich, daß die wirthschaftlichen Trer.npunkte in den Hintergrund treten. Ein gemäßigter Schutz sei für Industrie wie für Landwirthfchaft nöthtg. Er hofft von den Verträgen eine ähnliche Wirkung, wie sie der Zollverein geübt, eine Annäherung der menschlichen und politischen Beziehungen. (Beifall.) Weiterberathung: morgen 1 Uhr. WcUffü telegraphisches Lorrelpondeuz-Bnrea" Berlin, 22. Januar. Abgeordnetenhaus. Bei der Fortsetzung der Etatsberathung ergriff nach dem Abgeordneten Frhrn. v. Zedlitz Ncukirch der Ministerpräsident Graf v. Caprivi das Wort und erklärte, die vorliegende Codification deS Volksschulgesetzes sei nothwendig gewesen, sie stütze sich lediglich auf die bisherige Praxis. Ein weiterer Grund für die Einbringung des Gesetzes habe darin gelegen, daß die katholischen Staatsbürger möglichst zufriedengestellt werden sollten. Die jetzige Regierung habe den Culturkampf nicht Depeschen deS ^Bureau Herold". 2. Donnerstag den 28. Januar: 91 90 6 768 aus mit Länge Länge Länge 40 67 138 3300 Stück Großherzoglrche Bürgermeisterei Gambach. Reuhl. Berlin, 23. Januar. Die „Kreuz-Zeitung" meldet London, England strebe eine Verständigung Spanien betreffs Marokko an, Frankreich bereite aber Schwierigkeiten. geführt. In der jetzigen ernsten Zeit sei die Schule ein hervorragendes Mittel, die Gefahren der Zukunft zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke bedürfe sie aber der Pflege der Religion und damit der Consession und der diese vertretenden ReliqionSgesellschasten. Im weiteren Verlause der Debatte tritt der CultuSminister Graf Zedlitz lebhaft der Behauptung entgegen, daß er mit dem Eentrum ein Handelsgeschäft treibe. Er habe mit Mitgliedern aller Parteien, ausgenommen das Centrum, Fühlung genommen. Bezüglich der Ernennung des Herr v. Stablewski zum Erzbischof von Posen bemerkte der Minister, wenn Stablewski erklärt habe, daß er ein loyaler Preuße sein und mit Gut und Blut für die Cultur und Wohlfahrt des Landes eintreten wolle, so habe er als Cultus- minister sich nicht ablehnend verhalten können. Den östlichen Provinzen müsse das Gefühl der Selbstständigkeit gegeben werden, dann werde das „Polenphantom" verschwinden. Berlin, 22. Januar. Die Transitlager - Commission des Reichstags beschloß mit 17 gegen 3 Stimmen die Ausdehnung deö Termins aus den 30. Juni und nahm mit 15 gegen 5 Stimmen die Ausdehnung des Gesetzes aus Bauholz, Nutzholz und Wein an, ferner wurde die Ausnahme der Mühlenproducte sowie des in Mühlenlägern befindlichen Getreides in das Gesetz von der Commission einstimmig genehmigt. Wien, 22. Januar. Heute Nachmittag sand die feierliche Beisetzung der Leiche des Erzherzogs Carl Salvator in Gegenwart des Kaisers, des Prinzen Leopold und der Prinzessin Gisela von Bayern, sowie der Erzherzoge und Erzherzoginnen statt. Vor der Hauptpforte der Kapuziner- kirche wurde der Sarg von dem Cardinal Gruscha an der Spitze der Geistlichkeit empfangen und in die Gruft hinabgetragen. Venedig, 22. Januar. Die Delegtrten der Sanitätsconserenz beabsichtigen, morgen das alte Lazareth zu besuchen, um die dortigen Desinfectionsapparate zu besichtigen. Die Sitzungen der Conserenz sind immer noch siftirt. Mruch-Verlikigerlmg. Dienstag, den 26. Januar, Vormittags 10 Uhr, wird auf dem Brandplatz (alter Marstall) T v eine Parthie Brennholz und Pfosten öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. 7ßi 747] Ein kleines Saadflück zu ver- kaufen. H. Wallenfels Wwe., | Kirchenplatz 21. 'Rabel. Stämme bis zu 40 Ctrn. Durchmesser, 20 Meter — 44-10 A, Zwiebeln per Eentner X 7,00—8,00, Milch per Liter 12—18 A. Hamburg, 23. Januar. Der Capitän und Obermaschinist des Hamburg-Südamerikanischen Postdampfers „Petropolis" sind in Santos am gelben Fieber gestorben. Breslau, 22. Januar. Die „Schlesische Zeitung" dementirt die Nachricht, daß die Paßvorschristen betreffs Rußland verschärft worden seien. Dagegen soll der Zuzug ausländischer Arbeiter erschwert werden. Rom, 22. Januar. In der Kammer erklärte auf Befragen Nicotera, die Alarmnachrichten über den Papst seien vollständig falsch und es sei angeordnet, solche Depeschen zurückzuhalten. Der Papst empfing wie gewöhnlich seine Vertrauten. Rom, 23. Januar. Die offiziöse „Italic" meldet, falls eine schlimme Wendung in dem Befinden des Papstes eintrete, feien Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Regimenter in Perugia und Caserta seien marschbereit. Brüffel, 23. Januar. Im Palais Arenberg brach im Schlafzimmer der Prinzessin Crey ein B r a n d aus. Der Prinz, die Prinzessin und die Kinder retteten kaum das Leben. Gras Egmonts Cabinet, welches sich noch in demselben Zustand befand, in welchem der Graf im Augenblick seiner Verhaftung (1567) dasselbe verlassen, wurde vollständig zerstört. Das Palais ist bis aus die Mauern zerstört, das Feuer unter« drückt - drei Feuerwehrleute wurden schwer verletzt. Cocales und provinzielles, Gießen, 23. Januar 1892. — Der neu gewählte Vorstand des „Theatervereins" hat sich, den Statuten gemäß, in den letzten Tagen durch Cooption ergänzt, zu alten, bewährten Kräften sind neue hinzugetreten, gür das vorliegende Vereinsjahr Januar—April 1892, das örei Theaterabende bringen wird, sind alle Vorarbeiten beendet. Unsere alten lieben Frankfurter Freunde werden wir sicher wieder hier begrüßen - aller Wahrscheinlich- kett nach werden zu dieser willkommenen Künstlerschaar noch andere hochgeschätzte kommen. Dahin zielende Verhandlungen schweben rod); an hoher Stelle intereffirt man sich in schmeichelhaftester Weise lebhaft für unser Kunstleben, so daß letzte jährl. Pacht Gesammtssäche davon Wald 300 683 ha 270 ha chachs 150 „ 474 „ 100 „ ft 150 „ 300 „ 64 „ 210 „ 419 „ 242 370 „ 341 „ 136 „ 260 „ 570 „ 233 , 200 „ 579 „ 122 „ von Wetzlar beginnt bas Jagbgebiet von Nauborn