Str. 221 Erstes Blatt Donnerstag den 22. September 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, gut Ausnahme deS MomagS. Die (Siebener AsmirienötäUer werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal be,gelegt. Gießener Anzeiger Henerat-Unzeiger. Bieneljähriger Aöonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. RedacNon, Expedition und Druckerei: Zchrrtsiratze Ar.7. Fernsprecher 51. Aints- und 2lnzeigel>latt für den 'Kreis (Nieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den iolgend-n Tag erscheinenden Nummer bis Porm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamitienbtätter. Alle Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Verwaltung des Rentamts Gießen. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, Daß durch Verfügung Großh. Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Forst-und Cameralverwaltung vom 12. d. M. dem Großh. Steuer-Assessor Welcker die Verwaltung des Großh. Rentamts Gießen während deffen Erledigung mit Wirkung vom 16. d. M. übertragen wurde. Gießen, den 19. September 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Neueste Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 20. September. Wie die „Nationalzeitung" hört, hat das Aeltesten-Collegium der Berliner Kaufmannschaft in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, in den Börsensälen Sammellisten für Hamburg aufzulegen und die eingebunden Beträge dem Berliner Hilfs - Comite, welches vom Bürgermeister Zelle ins Leben gerusen wurde, zu überweisen. Haag, 20. September. Die Königin-Regentin eröffnete die General st aaten mit einer Thronrede, in welcher betont wird, 8ic Beziehungen zum Auslande seien die freundschaftlichsten. Die Ernte sei eine gute, der Stand der Landwirthschast ein günstiger, .der Stand des Handels, Deutscher Reich. Berlin, 20. September. Der Kaiser beabsichtigt, am Donnerstag Abend von Potsdam aus^Aach seinem Jagdschlösse Rominren in Ostpreußen abzureisen, um daselbst einen mehrtägigen Jagdausenthalt zu nehmen. Genau ist jedoch der Tag der Rückkehr nicht bekannt. — Sultan Abdul Hamid erhielt anläßlich seines 50. Geburtstages (22. September) vom Kaiser Wilhelm ein eigenhändiges, sehr herzlich gehaltenes Glückwunschschreiben.^ Der Vorgang bekundet erneut die Innigkeit der zwischen den beiden Herrschern bestehenden persönlichen Beziehungen, die durch den Besuch Kaiser Wilhelms in Constantinopel an- geknüpst wurden. — Die Comödie der Irrungen in den Zeitungs- mcldungen über die neue Militärvorlage geht noch immer listig weiter. Das allerneueste Verwandlungsstück in dieser Angelegenheit ist die „authentische" Meldung des ,,Berl. Tagebl.", wonach sämmtliche über das Schicksal der Militärvorlage verbreiteten Nachrichten, soweit es sich um die jüngste Berathung des preußischen Staatsministeriums handelte, ungenau seien. Das Staatsministerium habe sich in dieser Sitzung hauptsächlich mit den Einzelheiten der weiteren Steuerreform beschäftigt und dieselben schließlich einstimmig genehmigt. lieber die neue Militärvorlage jedoch sei im preußischen Staatsministerium noch gar nicht verhandelt worden, sie sei überhaupt noch nicht weit gediehen, so daß man bisher nicht einmal die Vorverhandlungen in dieser Frage zum Abschluß habe bringen können. — Es scheint allerdings, daß die so lange angekündigte Militärvorlage keineswegs schon fast bis zum „Tipserl aus dem i" fertig ist, wie viele Zeitungen wissen wollen. Vielmehr muß man anoehmen, daß der Entwurf bis zu seiner Vorlegung im Bundesrathe noch bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden haben wird, die eben so wohl nach der milttärisch-technischen, wie nach der .finanziellen Seite hin liegen. Unter solchen Umständen muß die Frage, wann der Entwurf wohl an den Reichstag gelangen werde, bis aus Weiteres noch als müßig gelten. — Eine Neuerung tritt diesen Herbst beim deutschen Heere in Kraft. Es soll bei jedem der 18 Armeecorps eine größere Anzahl Offiziere und Jntendanturbeamten als Dolmetscher für den Kriegsfall ausgebildet werden. Für die Heerestheile östlich der Elbe wird Russisch und Polnisch angestrebt, für die übrigen in erster Reihe das Französische. Jedes General-Commando erhält einen unter die verschiedenen Garnisonen zu vertheilenden „Sprachstudieusonds", um die Kosten des Unterrichts der künftigen Dolmetsch Offiziere zu bestreiten. Ende März jedes Jahres bestimmt der Ches des Großen Generalstabes die Prüsungsaufgaben, die in einem Aufsatz und einer Übersetzung in die betreffende Fremdsprache bestehen, woraus dann das mündliche Examen in Converscuion folgt. Alle fünf Jahre ist die Prüfung von allen Dolmetschern zu wiederholen. Hervorragend begabte Dolmetscheroffiziere können eine Reisebeihilfe für das Ausland beanspruchen. der Schifffahrt und der Industrie ein mittelmäßiger, der Gesundheitszustand ein zufriedenstellender, da die asiatische Cholera bisher keine große Ausbreitung erlangt habe. Die Thronrede kündigt dann Wahlreformen für die General- und Provinzialstaaten an, sowie Reformen, betreffend die Gewerbesteuer, und Gesetzentwürfe, betreffend die Organisation der Armee und die Verstärkung der Marine, ferner sociale Reformen, für Indien Reformen, betreffend die Finanzen, und Maßnahmen, betreffend den Kaffeeanbau und die Ausbeutung der Bergwerke. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 20. September. Das „Berl. Tagebl." meldet, in Preußen werde eine nicht unerhebliche Vermehrung des Richter st andes vorbereitet. Berlin, 21. September. Sicherem Vernehmen nach trifft die Nachricht von einer mehrtägigen Reise des Kaisers nach Wien zu. Berlin, 21. September. Der „Voss. Ztg." zufolge sollen die von Sachverständigen abgegebenen Urtheile sich gegen eine stärkere Besteuerung des Börsenverkehrs richten, weßhalb letztere vorläufig von Seiten der Regierung abseits gelegt worden sei. Wien, 20. September. In Folge der Ermordung des Tarnopoler Gymnasial-Prosessors durch einen Schüler wurden vorläufig die römisch-katholischen und griechisch-katholischen Religionslehrer pensionirt. Wien, 20. September. Kaiser Wilhelm wird hier zu einem mehrtägigen Besuch am 10. October erwartet. Der Kaiser soll das Schönbrunner Schloß bewohnen. Der Besuch hängt von dem Gu r.^beitszustande in Deutschland und Oesterreich ab. Rom, 21. September. Die Feier anläßlich des Jahrestages der Befreiung Roms ist glänzend verlaufen. Am gestrigen Nachmittag legten der Gemeinderath, Offiziere und Deputationen Kränze auf das Grab Victor Emanuels im Pantheon nieder. Hieraus fand ein Empfang der Deputationen an der Porta Pia statt. Der Bürgermeister hielt eine Rede und verlas ein Telegramm des Königs, worin es heißt: „Noch freudig bewegt von den Festen in Genua, erhalte ich den Gruß von Rom, der an seine Befreiung erinnert. In den vergangenen Festen sah die Nation wie ich nicht nur eine Huldigung für das junge Italien, sondern die Weihe der unauflöslichen Einheit Italiens, das Unterpfand des Friedens, welcher durch den Austausch loyaler Gefühle gekräftigt werde." Alexandria, 20. September. Der Nil steigt besorgniß- erregenb; er durchbrach Dämme an mehreren Stellen. Der Eisenbahnverkehr ist theilweise unterbrochen. Darmstadt, 21. September. Die „Darmstadter Ztg." meldet die gestern stattgehabte Vermählung des Prinzen Heinrich mit der bisherigen Hossängerin Milena. Die Neuvermählten werden außerhalb Hessens ihren Wohnsitz nehmen. Die Cholera. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht in seiner Nummer vom Montag Abend ein sehr bemerkenswerthes Gutachten der Choleracommission des kaiserlich en Gesundheitsamtes. Nach demselben ist die Cholera, wie die bisherigen Erfahrungen hierüber lehren, noch niemals durch andere Maaren als diejenigen verbreitet worden, deren Einfuhr aus verseuchten Gebieten schon jetzt regierungsseitig verboten worden ist. Auch bei der gegenwärtigen Hamburger Choleraepidemie habe man bislang die gleichen Erfahrungen gemacht. Unter Hinweis auf dieses Gutachten bezeichnet der „Reichsanzeiger" die Versuche, sich von dem Waarenverkehr mit Choleraorten abzusperren, als durchaus ungerechtfertigt und meint, die wirksamste Hilfe für Hamburg würde darum in der Wiederaufnahme der alten Handelsbeziehungen in ganz Deutschland bestehen, man solle dieselben doch nicht durch eingebildete Gefahren noch mehr schädigen. Da noch immer Verschleppungen der Cholera aus Hamburg nach verschiedenen Punkten des Reiches durch vereinzelte Personen stattfinden, so sind verschiedene größere Festlichkeiten der nächsten Zeit mit voraussichtlich starkem Menschenandrang in Frage gestellt. Dies gilt namentlich von dem großartigen historischen Festzug, der in Weimar am 9. October anläßlich der goldenen Hochzeit des Groß- herzoglichen Paares in Scene gehen soll. Da aber in Erfurt und auch in Weimar Cholerafälle vorgekommen sind, so ist der Wegfall des Festzuges bestimmt worden, sobald sich noch weitere Cholerasälle im Großherzogthum Weimar oder in den angrenzenden Gebieten ereignen sollten. Andererseits indessen wird doch das Münchener Octoberfest stattfindeu, ebenso ist das für das Königreich Sachsen aus Anlaß der Choleragefahr ergangene Verbot des Abhaltens von Kram- und Viehmärkten wieder aufgehoben worden. Es machen sich sogar Stimmen laut, nun auch die Abhaltung der Leipziger Michaelismesse vom 3. October ab zu gestatten und sind die Leipziger Meßinteressenten in diesem Sinne bereits vorgegangen. Hoffentlich vergißt man an den leitenden Stellen aber nicht, daß gerade der September mit zu den gefährlichsten Choleramonaten gehört. — Dem Kais erlichen Gesundheitsamt vom 19. bis 20. September, Mittags, gemeldeie Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle: Staat und Bezirk O r t Datum 16./9. 17./9. 18/9. 19./9. - 5 - 5 erkrankt gestorben erkrankt gestorben = 1« *2 ? « o X s. £ 4=. L | cx> L a Hamburg Hamburg 276 136 286 127 241 115 206 105 Preußen Schleswig Altona 10 3 10 4 20 7 17 8 Wandsbeck 3 2 1 1 — — 2 2 Stettin Stettin 1 - 1 1 — 1- 4 1 Vereinzelte Erkrankungen: Regierungsbezirk Lüneburg: in der Stadt Harburg und in drei Orten des Landkreises Harburg und Lüneburg 4 Erkrankungen, 1 Todesfall. Regierungsbezirk Stade: in einem Orte des Kreises Kehdingen 1 Todesfall. Berlin: 2 Erkrankungen, 1 Todesfall (älterer Bruder Woytkowski und Pohl, bezw. Trempler). Regierungsbezirk Potsdam: in Wittenberge 1 Erkrankung. Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin: in der Stadt Ludwigslust 1 Todesfall. Berlin, 20. September. Im Lause des Nachmittags bis zum Abend sind acht sehr Choleraverdächtige in Moabit eingeliefert. Davon ist ein Kind gestorben. Berlin, 20. September. Das Eisenbahnministerium erwägt die Frage, ob es nicht nöthig sei, angesichts der Choleragefahr auf den Bahnhöfen die Trinkbrunnen zu schließen. Hamburg, 20. September. Der Gesammtbetrag der bisherigen Sammlungen für die Nothleidenden Hamburgs übersteigt 1200000 Mark. Hamburg, 21. September. Bis jetzt sind insgesammt über 7000 Menschen an der Cholera gestorben. — Das Wasser der Elbe bei Wittenberg enthält nach Untersuchung des Kreisphysikus Dr. Haustein Kommabacillen. — Nach Erklärung des Ministers des Innern ist Harburg nicht verseucht. Hamburg, 20. September. Sämmtliche hierher beorderte Militärärzte haben die Krankenhäuser verlaßen. Die Feldlazarethe wurden geräumt, weil sie bei der rauhen Witterung für die Cholerakranken ungeeignet erscheinen. Swinemünde, 21. September. Nachdem in Ueckermünde ein Todesfall infolge Cholera asiatica amtlich festgestellt ist, macht der hiesige Magistrat bekannt, daß hier bis heute zwei Personen unter verdächtigen Symptomen erkrankt und zwei gestorben sind. Brüssel,21. September. Eine fortschreitende Besserung ist eingetreten. Die noch in den Hospitälern liegenden Kranken sind außer Gefahr. Paris, 21. September. Es ist eine erhebliche Besserung eingetreten. Locale» «nd provinzielles. Gießen, 21. September 1892. — Von der Universität. Herr Professor Dr. Gassky hat sich, einer Aufforderung des Reichskanzlers Folge leistend, mit Bewilligung Großh. Ministeriums gestern für längere Zeit nach Hamburg begeben, um dem Senate daselbst in Bekämpfung der Epidemie und Assanirung der Stadt zur Seite zu stehen. — Der außerordentliche Professor der Chemie Dr. Beckmann hat einen Rus als ordentlicher Professor nach Erlangen erhalten. — Die Lehrer und die Jagd. Das Großherzogliche Ministerium hat Anweisung gegeben, den Volksschullehrern nur dann Jagd Pässe auszustellen, wenn die Kreisschulvisitatoren .bei den Prüfungen nur sehr günstige Resultate festgestellt haben und wenn die familiären Verhältnisse der betreffenden Lehrer wohlgeordnete sind. Es starben an: Zusammen: I. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:: 2 1 Literatur und Ruirft. hiesigen Krankenhause sich befindet, war an jenem Nachmittag m^ar “u nutzen 1 1 1 (1) 1 2 (1) 1 1 (1) 1 (1) 1 (1) 1 (1) 1 1 _ 5i.CttLtn' 20* September. sPer transatlantischen Telegraph.) | Versicherungsanträge wurden bis dahin im laufenden Jahre über Der Schnelldampfer Ems, Capt. R. Sander, vom Norddeutschen 1 - - •------ — - - - - Lloyd in Bremen, welcher am 10. September von Bremen und am 11. September von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. 26,7 Millionen Mark, d. t. 5,2 Millionen Mark mehr als in demselben Zeitraum des Vorjahres gestellt. Sterbfälle wurden angemeldet zulammen über 3 382 441 Mark. Bis jetzt hat die Bank trotz starken Versicherungsstockes in Hamburg noch keinen einzigen Cholera- Todesfall zu verzeichnen. Als Dividende gewährt die Bank im laufendem Jahre nach ihrem Plan B (steigende Dividende) 3pCt. der Gesammtprämiensumme und nach Plan All 40pCt. der lebenslänglichen und extra 20pCt. der alternativen Zusahprämie; allein auf die lebenslängliche Prämie berechnet kommen die letzteren Procentsätze einer Dividende bis zu 70pCt. gleich. Univcrfitäfs - Nachrichten. Berlin, 16. September. Der „Staatsanzeiger" meldet: Der König bestätigte die Wahl Virchows zum Rector der Universität Berlin. ~ Königsberg, 13. September. Der Senior unter den Professoren der Albertina, der durch die ganze wissenschaftliche Welt bekannte und hochgeschätzte Physiker Geheimer Regierungsrath P:o- sessor Dr Franz Neumann, vollendete am Sonntag sein 95. Lebensjahr. Im Jahre 1797 geboren, kämpfte Geheimer Rath Neumann als Freiwilliger in den Befreiungskriegen mit, ist somit einer der sehr wenigen Lebenden, die damals mit Gott für König und Vaterland ins Feld zogen. Der greise Gelehrte erfreut sich immer noch einer seltenen geistigen und körperlichen Gesundheit. Lungenschwindsucht Tuberkulose anderer Organe Brechdurchfall Atrophie Neubildung (Krebs) Altersschwäche Unbekannt gebliebener Krankheit Mr die Nothleidenden in Hamburg gingen ferner bei uns ein: Von L. V. 5 jt, I. M W. 10 ult, P. W. W. 20 X, Frl. S. 5 JL, Prof. Beckmann 30 Jt, Familie A. N 15 v4L, ß. ft, 3 JL Zusammen 88 JL Jnsgcsamrnt 132 vM Weitere Gaben nimmt bereitwilligft entgegen Die Expedition des „Gießener Anzeiger". — Die Lebensversicherung-' und Ersparnitz-Bank in Stuttgart weist Ende August d. I. einen Versicherungsstand von 358% Millionen und ein Bankvermögen (einschließlich Extrareserven von 16,3 Millionen Mark) von 95% Millionen Mark aus. Neue Gottesdienst der israelitischen Keligionsgeseltschast. Neujahr. Donnerstag den 22. und Freitag den 23. September: Mittwoch Abend uhr, Donnerstag Vormittag 7°° Uhr, Donnerstag Nachmittag 4°o Uhr, Donnerstag Abend 6» Uhr, Freitag Vormittag 7»o Uhr, Freitag Abend 51* Uhr, Samstag Vormittag 80Q uhr, Samstag Nachmittag 4°o uhr, Samstag Abend 630 Uhr. Gottesdienst in der Synagoge. Donnerstag den 2?. September: Neujahrsfest. Vorabend 6™ Uhr, Morgens 7«> uhr, Nachmittags 4« Uhr. Freitag den 23. September: Vorabend 6«> Uhr, Morgens 7°o Uhr. Samstag den 24. September: Vorabend 680 Uhr, Morgens 800 Uhr, Nachmittags 4C0 Uhr, Sabbathautzgang 630 Uhr. Schiffsnachrichten. Hamburg, 17. September. Das Hamburg-Newyorker Post- Dampfschiff „Suevia", Capitän Bauer, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, ist am 16. September, 7 Uhr Abends in Newyork angekommen. * Berlin, 16. September. Ein Krawall, der sehr große Dimensionen angenommen, hat sich am Mittwoch Abend in Rixdorf abgespielt. Eine Kutscherssrau, welche erst vor vierzehn Tagen entbunden, während ihr Mann vor zehn Tagen durch Uebersahren schwer verletzt worden war und in einem ™ Köhlers Deutscher «aiserkalender für 1893* (13.Jahr- 0Qn0) Preis 50 Pfg. Als Beilage ein Wandkalender auf Carton. von Wilhelm Köhler in Minden i. W. Dieser beliebte alljährlich wiederkehrende Hausfreund stellt sich in diesem Jahre in bedeutend vergrößertem Formate und recht schöner Ausstattung vor. , ~ -Arisch arrf*. Jllustrtrte Zeitung für Natur- und Wander- freunde mit dem Gratisbeidlatt „Die Heilquelle" erscheint in Berlin 201 leben Monats und kann bei jeder Postanstalt oL 1,2 uL PJ°, Quartal bestellt werden. Das Bestreben der Zeitung beruht darin, bte Lust des Wanderns und des Reisens stets neu vnzuregen. Es werden Reisesclzzen, Schilderungen von Städten und landschaftlich hervorragenden Partien des engeren und wetteren Vaterlandes nebst veranschaulichenden Abbildungen gebracht, ferner alles Neue über Verkehrswesen, Feuilleton usw. „Frisch auf" sollte von Jedem, der sich den Sinn für unsere herrliche Natur bewahren will, gehalten werden. vernr-schtes. * Pfarrer Sebastian Kneipp und die Cholera. Bekanntlich hat auch Pfarrer Kneipp in seinem Werke „Meine Wasserkur" Mittel gegen die Cholera angegeben. — Bei einem Vortrag, den er jüngst in der Wandelbahn in Wörishofen vor mehr als lausend Personen hielt, theilte er mit, daß er eine Reihe von Zuschriften und Danksagungen aus Hamburg habe und verlas u. a. den Bries eines Hamburger Wirthes, der Zeugniß ablegt, welch' glänzende Erfolge die Kneipp'sche Behandlung auch bei dieser gefürchteten Krankheit ausweist. Der betreffende Wirth schreibt: „Mein Dienstmädchen wurde von der Cholera aufs Heftigste befallen. Sofort veranlaßte ich, daß mit der Behandlung nach dem Kneipp'schen Buche begonnen wurde, und zwar wie folgt: „Ein Eßlöffel voll Fenchel wurde in einer Tasse Milch abgesotten und der Kranken eingegeben. Zuvor erfolgte ein heißer, sog. „kurzer" Wickel, von den Armhöhlen abwärts bis zu den Knien. Die Patientin kam ins Bett, es erfolgte bald nach Einnahme der Milch Schweißausbruch —; nach kurzer Zeit wurde die Procedur wiederholt. Der sofort herbeigerufene Arzt kam nach zwei Stunden; inzwischen war fcerdt« der zweite Wickel gemacht. Er constatirte Cholera in höchstem Grade und ordnete Uebersührung in das Spital an. Als jedoch nach ca. vier Stunden der Wagen kam, befand sich die Kranke bereits auf dem Wege der Besserung, und andern Tags in der Frühe konnte sie zum Theil ihre Beschäftigung wieder ausnehmen." Diese Mittheilung mag dazu beitragen, die geradezu gemeingesährliche Angst vor dieser Krankheit zu vertreiben. Insbesondere können alle Anhänger und Befolger der Kneipp'schen Methode diesem gefürchteten Gast mit Ruhe entgegensetzen. — Peinliche Reinlichkeit in jeder Hinsicht und genügende Hautpflege und Abhärtung, hauptsächlich aber geordnete Diät machen den Menschen nahezu unempfänglich für den gefürchteten Keim. Sorge demnach Jeder, daß er keinen „verdorbenen" Magen bekomme, sei es durch Völlerei, sei es durch Genuß nervenerregender Getränke und Speisen. Folge Jeder auch hier dem berühmten Weisen von Wörishofen^ — abgesottene Milch-, Brod- oder Wassersuppe oder Malzkaffee sei das Frühstück,- Hülsenfrüchte, Gemüse, Mäßigkeit im Fleischgenuß sei der Grundzug des Mittagstisches. Wer sich hieran hält, wird, selbst wenn er von der Krankheit befallen werden sollte, so viel Widerstandskraft besitzen, daß er dieselbe leicht bestehen wird, vorausgesetzt, daß obige Mittel bei Zeiten zur Anwendung gelangen und nicht besondere Complicationen vorliegen. — Meyers Kleiner HandAtlaS. Mit Benutzung des r i^»Eriats aus Meyers Conocrsattons-Lexikon zusammengestellt In Kartenblattern und 8 Textbeilagen. 17 Lieferungen zu je 50 Pfg. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Mehr und mehr befestigt sich „Meyers Kleiner Hand-Atlas" E? Buchformat in der Gunst des Publikums, und mit dem fortschreitenden Erscheinen dieses neuen, eigenartigen Kartenwerks wächst auch das allgemeine Interesse an dem gemeinnützigen Unternehmen. Wir haben die uns vorliegenden Lieferungen (es sind deren nunmehr 13 erschienen) wiederholt geprüft und können danach unser Urtheil schon letzt dahin zusammenfassen, daß die Verlagshandlung ersichtlich bestrebt ist, einen in feiner ganzen Anlage und Durchführung als vorzüglich zu bezeichnenden Hand-Atlos für den täglichen Gebrauch zu einem erstaunlich niedrigen Preis -inzuführen und der Allgemein- t11*- Zu den von uns früher bereits lobend * „Wir kommen aus Hamburg!" Der „Berliner Abend" schreibt: Unter den Fahrgästen, welche am Samstag Nachmittag den Zug von Stralsund nach Berlin benutzten, befanden sich auch zwei junge Leute, welche durch ihr albernes Gebühren Aergerniß erregten. Auf den Haltepunkten lehnten sie sich zum Fenster hinaus und riefen: „Hier nicht einsteigen! Wir kommen aus Hamburg!" Als der Zug aber Neubrandenburg erreicht hatte, ließ einer der jungen Leute wiederum den Warnungsrus zum Fenster hinaus ertönen. Sofort bestieg ein in der Nähe befindlicher Polizist den Wagen und holte sich den Schreier mit den Worten: „Wenn Sie aus Hamburg kommen, dann müssen Sie des- inficirt und beobachtet werden, kommen Sie nur mit." Der Polizist richtete dann an den zweiten jungen Mann die Frage, ob er auch aus Hamburg komme, und erhielt die Versicherung, daß dies keineswegs der Fall sei. Vergebens betheuerte ' dessen Reisegenoffe, daß er sich nur einen Scherz habe leisten wollen^ er sei keineswegs in Hamburg gewesen. Der Polizist nahm ihn zur besonderen Genugthuung der übrigen Reisenden mit und voraussichtlich wird er den Sonntag unter Beobachtung in Neubrandenburg haben zubringen müssen. * Augsburg, 20. September. Bei den Grundaushebungsarbeiten eines Neubaues vor dem rothen Thore wurden vier Arbeiter durch Nachstürzen des Erdreichs verschüttet. * Dirschau, 20. September. Der Director der Dirschauer Credit-Gesellschaft, Wilhelm Preuß, wurde wegen Unterschlagung von 93,700 Mk. und wegen Betrug und Bücherfälschung von der Strafkammer zu Pr. Stargard zu sechsjährigem Gefängniß, sechsjährigem Ehrverlust und zu 3000 Mk. Geldbuße verurtheilt. Der Arbeiter Nicolajewski und der Fischer Kiedrowski erhielten wegen Beihilfe 18 Monate Ge- sängniß, Frau Kiedrowski sechs Monate. * Budapest, 19. September. Eine aus fünf angeheiterten jungen Arbeitern bestehende Gesellschaft ermordete gestern Nacht in einer sonst belebten Straße ohne irgend welchen Anlaß einen Maurermeister und fein ihm erst vor , drei Wochen angetrautes junges Weib und verletzten sodann friedlich des Weges kommende fünf andere Personen. Die Thäter wurden verhaftet. * London, 20. September. Gestern wurden 3744 Kranke, darunter 3353 Scharlachkranke, angemeldet. Zahlreiche Scharlachkranke befinden sich in Privatbehandlung. * Die Weinproduction Deutschlands in den Jahren 1890 und 1891. Die Gesammtweinproduction im Deutschen Reiche hat im Jahre 1890 2,974,593 Hectoliter betragen, im Jahre 1891 dagegen nur 748,462 Hl. Im Durchschnitt der zehn Jahre 1881 — 1890 wurden 22,2 Hl. aus dem Hectar geerntet, in dem so ungünstigen Weinjahre 1891 aber betrug I dieses Durchschnittsquantum nur 6,3 Hl. bei einer Gesammt- I erntefläche von 119,294 Hectar. Hieraus kann man deutlich I genug die Verluste der deutschen Weinproducenten im ver- I stoffenen Jahre ermessen. Bei der Weinproduction Deutschlands im Jahre 1890 steht das Königreich Bayern mit 846,550 Hl. an erster Stelle, allein die Pfalz producirle I 663,353 Hl., dann folgen Elsaß-Lothringen, Hessen, Preußen, I Baden und Württemberg. Hand-AtlaS zahlt auch die, daß in demselben neue Momente zur Aufnahme kamen, welche in den großen Hand-Atlanten bis jetzt leider fast §unz vernachlässigt wurden; als Beispiel verweisen wir hierbei ans die -Wiedergabe der Dampfer- und Kabelverbindungen; auf der Kar e von Elsaß-Lothringen findet man die französische, auf der von m ftCln bk Sprachgrenze. Jngleichen ist auf den a cn ?nb „Schlesien" die Ausbreitung des polnischen OtI1x uI?b i °«x Blatte „Schweiz" eine Darstellung der ?er «Ji un? ?er drei Nationalitäten genau ersichtlich. Was ferner /^inen Hand-Atlas besonders angenehm auszeichnet, das sind die Pläne und Umgebungskarten der Weltstädte, denen ganze w"h"nd man dieser Specialität in andern kartographischen Werken nur vereinzelt und nur als Cartons in den Martenecfen begegnet. Beigegeben sind diesen Plänen und Umgebung^ «-.^^bnregis er zur schnellen Auffindung der gesuchten Objecte. - Bei dieser sorgfältigen Bearbeitung, die Alles berücksichtigt, was nur rrgendwie in dem Vordergründe des Tagesinteresse steht, wird «I Bevorzugung des Meyerschen „Kleinen Hand-Atlas" leicht erklär- » » il mit peinlicher Gewissenhaftigkeit durchgeführte correcte Rubere, lebhafte Colorit gewinnen auf den ersten B ick für das Unternehmen, welches bestimmt ist, die bisherigen unhandlichen Atlanten erfolgreich zu verdrängen und dem practischen Gebrauch bei bequemer Handhabung zu dienen. Summa: 8 (3) 5 (2) 3~(1) _ c Anm Die in Klammern gesetzten Z ffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. n Großen Linden, 20. September. Bei der gestern vorgenommenen Beigeordneten-Wahl wurde der seitherige Beigeordnete Jo Hs. Lutz V., Sparkassen-Rechner, einstimmig mit 68 Stimmen wieder gewählt. Die Betheiligüng der Wahl war eine geringe, da kein Gegencandidat ausgestellt war. § Aus dem Kreise Alsfeld, 20 September. Unter den einstimmig wiedergewählten Bürgermeistern des Kreises findet sich auch der Nestor derselben, Herr Bürgermeister Bast von Ilsdorf. Obwohl im 86. Lebensjahr stehend, ist derselbe noch sehr rüstig und noch immer frisch in seinem beliebt gewordenen Humor. Die goldene Hochzeit hat er bereits hinter sich, in zwei Jahren schon winkt ihm die diamantene. Möge sie ihm und seiner Ehegattin zu feiern bestimmt sein! Auch der zweitälteste Bürgermeister des Kreises, Herr Reich hold in Elpenrod, ist wieder gewählt worden. Derselbe befindet sich im 75. Lebensjahr und ist jetzt zum viertenmal zum Bürgermeister gewählt. Vor zwei Jahren feierte er fein 25 jähriges Dienstjubiläum, aus welcher Veranlassung ihm der Verdienstorden für 25 jährige treue Dienste von weiland Großherzog Ludwig IV. verliehen wurde. Auch er befindet sich noch in voller körperlicher und geistiger Frische. — Außer den bereits mitgetheilten Wahlen wurden weiter einstimmig wiedergewählt die Bürgermeister Reitz zu Bernsfeld, Wolf zu Appenrod, Westrupp zu Ruppertenrod, neu einstimmig der Sohn des seitherigen Bürgermeisters zu Heimertshausen, Heinrich Caspar. Auch der Wiederwahl des um die Gemeinde Nieder-Ohmen sehr verdienten seitherigen Bürgermeisters Ohnacker fei Erwähnung gethan. Groß-Gerau, 19. September. Gestern fand hier unter dem Vorsitz des Herrn Director Fiedler aus Darmstadt der 15. Verbandstag der mittelrheinischen Bildungs- vereine statt. Der Hauptverein besteht aus 31 Vereinen mit zusammen 2450 Mitgliedern. Die Bibliothek zählt 10,850 Bände, die Wanderbibliothek 387. Ausgeliehen wurden im Berichtsjahre ca. 26,000 Bände- innerhalb des Verbandes wurden 459 Vorträge gehalten. Die Gesammt- einnahme betrug 16,832 Mk., die Ausgaben 12,512 Mk. Der Vorstand wurde im Wesentlichen wiedergewählt, als Ort für den nächsten Verbandstag Worms bestimmt. Nach dem gemeinsamen Mittagsmahl hielt Schulinspector Scherer-Worms einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „Handfertigkeitsunterricht in der Schule" im Anschluß an eine im „Adler" veranstaltete Ausstellung von Knabenhandarbeiten. Seligenstadt, 19. September. Der Export von Kartoffeln der neuesten Ernte har am hiesigen Bahnhofe begonnen und wendet sich vorzugsweise nach Westfalen und den Rheinlanden. Die Kartoffeln werden um 3,50 Mk. pro Doppel- centner von den Händlern angekaust. Die allgemeine Kartoffelernte beginnt erst nächste Woche. Worms, 19. September. Als gestern Morgen ein Schutzmann in den in der Kämmrrerstraße gelegenen Laden des gutsituirten 50jährigen Goldarbeiters Rahke gehen wollte, um denselben wegen Offenhalten seines Ladengeschäfts zu protocolliren, fand er diesen Himer einem Schranke erhängt vor. Kinder Erwachsene: im vom f direkt aus der Fabrik also auS erster Hand v , HlWtt von Elten & Keussen, Crefeld, S llIHlllllJ lll in jedem Maas; au beziehen. Man verlange c© Mutter mit Angabe des Gewünschten. — Verkehr, Land« un6> volkswirthschasi. Lauterbach, 20. September. Am Wochenmarkt vom 17. d. M. 829 Kilo Wetzen 15.75 X, 7275 Kilo Korn 15.56 205 Kilo Gerste 13.50 X, 1250 Kilo Haser 13 X, 153 Kilo 32 ^«0 Linsen 30 X, 1725 Kilo Kartoffeln 5.10.* pro iuu jvtio. Poröse Pstanzenkübel aus Cemeut. Die Fabrik für poröse, unzerbrechliche Pflanzenkübel von Lesse in Bitterfeld bietet eine neue Art von Pflanzenkübeln an. Dieselben sind aus Cementt aber mit eingelegtem Eisendraht hergestellt und scheinen auch ihres niederen Preises wegen Beachtung zu verdienen. Lesse urthoilt über dieselben folgendermaßen: Die neuen Kübel unterscheiden sich von den bisher hergeftellten besonders dadurch, daß sie porös und daher dem Wachsthum der Pflanzen förderlich sind. Sie sind ferner nicht der Faulniß unterworfen, wie die Holzkübel, auch nickt dem Zerbrechen uorwalem Gebrauch, wie die aus Thon gefertigten, und in den gefälligsten Formen hergestellt. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 37. Woche. Vom 11. September bis 17. September 1892. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 20,19°/«>bczw. 12,62nach Ausschl.derOrtsfremden. von ihrem Hauswirth exmittirt worden. Die Handlungsweise erwähnten vortheilhaflen Eigenthüml.'chkeiten dkS Meyerschen Kleinen des Hauswirthes verursachte bei den benachbarten Bewohnern k K-~ ',r grofje Entrüstung und es sammelte sich vor dem Hause eine ständig wachsende Menschenmenge, die laute Schimpfreden gegen den hartherzigen Wirth ausstieß. Als die wülhende Menge, um den Hauswirth zu lynchen, in die Wohnung desselben zu dringen versuchte, traf eine Anzahl Gendarmen und Polizeidiener ein. Es folgte nun ein heftiger Kampf, die Polizeibeamten wurden mit Steinen geworfen und nur mit großer Mühe gelang es, die Tumultuanten zurückzudrängen. Welche Dimensionen der Krawall angenommen, geht daraus hervor, daß etwa 11 Personen verhaftet wurden, die sich nun wegen Landfriedensbruch, Beleidigung, Sachbeschädigung vor Gericht zu verantworten haben werden, ebenso daß der Tumult volle 2i/3 Stunden, von 7 bis halb 10 Uhr Abends, gedauert hat.