Nr. 142 Mittwoch den 22. Juni 1892 Der frit|taer Anzeiger erscheint täglich, wtt Ausnahme bei Montags. Die Gießener ye*mreirattlutt föt? den 'Kreis Gieften. folgenden Tag erscheinenden K \ Hratisbeikage: Kietzen er Kamitienötatter. ! I“e, ___L ■ ■■WIWIWWWMWMW« Anrtlichev Theil. Bekanntmachung, Amtstage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wird Samstag den 2. Juli 1892 von Bormittags 8 Uhr an einen Amtstag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den Kreis-Eingesessenen aus den Amtsgerichts. Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen. Gießen, den 20. Juni 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. __________ Gießen, den 20. Juni 1892. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 20. Juni. Dem Bundesrathe ist das zwischen )em Deutschen Reiche und der Schweiz abgeschlossene Abkommen, betreffend den gegenseitigen Patent-, Muster- und Markenschutz, nebst der hierzu gehörigen Denkschrift vorgelegt vorden. Die Annahme des Abkommens Seitens des Bundes- :athes ist selbstverständlich. — In der jüngsten Plenarsitzung des Bundesrathes st der vom Reichstage mit den Stimmen des Centrums und Der beiden konservativen Fraktionen am 20. Januar 1890 angenommene Gesetzentwurf, welcher die Einführung des Befähigungsnachweises.im Handwerk unter gewissen Einschränkungen ausspricht, nach eingehender Berathung abgelehnt worden. Im Anschlüsse hieran wurden die Eingaben, welche die Wiedereinführung des Befähigungsnachweises im Baugewerbe befürworteten, ebenfalls abgewiesen. Mit diesem seinem Votum hat der Bundesrath endlich den genannten Reichstagsbeschluß in Sachen des Befähigungsnachweises, nachdem die genannte Körperschaft die Entscheidung hierüber also beinahe zweiundeinhalbes Jahr vertagt gehabt, definitiv zurückgewiesen. Man darf wohl annehmen, daß angesichts einer solchen bestimmt abweisenden Stellungnahme des Bundesrathes die Bestrebungen, welche dem Handwerke durch solche künstlichen Wiederbelebungsmittel, wie es ohne Zweifel der geforderte Befähigungsnachweis ist, aushelsen wollen, nunmehr für längere Zeit zur Ruhe kommen werden. Berlin, 20. Juni. Amerikanische Zeitungen veröffentlichen die Schätzung, welche die Behörden der Columbischen Weltausstellung in Chicago neuerdings über die durch Diese Ausstellung voraussichtlich erwachsenden Ausgaben aufgestellt haben. Darnach rechnet man, nach der höheren Schätzung, aus eine Gesammtausgabe von 22476 000 Doll., ö. h. nahezu 95000000 Mk., während eine niedriger gegriffene Berechnung, zu welcher man durch Einschränkungen ruf verschiedenen Gebieten gelangt, eine Gesammtsumme von 19319088 Doll., gleich etwa 82 000000 Mk., ergeben hat. Neneste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 20. Juni. Abgeordnetenhaus. Am Ministertische die Minister Gras Eulenburg, Bötticher, Miquel, Bosse und Herrsurth. Der Abgeordnete Dr. Sattler begründete zunächst seine Interpellation bezüglich der Hostheater- frage und schilderte die in Hannover, Cassel und Wiesbaden herrschende Besorgniß hinsichtlich der erwarteten Aenderung in der Stellung der dortigen Hostheater, sowie die Bedeutung der letzteren für das Kunstleben der betreffenden Städte. Eine Aeußerung König Wilhelms L, welche sich auf die Erhaltung der Hostheater bezieht, wurde dabei vom Redner :itirt. Die Angelegenheit berühre, hob Dr. Sattler hervor, nicht nur das Hausministerium, sondern auch die Staatsregierung. Die Unzufriedenen in Hannover benutzten nämlich Die Angelegenheit zur Agitation gegen Preußen, indem sie behaupteten, daß die bisherigen Zuschüsse aus dem Welsen- vnds geflossen seien. Die Theatergebäude in Hannover und Cassel seien überdies im Besitz des Staates. Ministerpräsident Gras Eulenburg erklärte in seiner Antwort, der Regierung sei die Klarstellung der Frage erwünscht. Die jetzigen Zuschüsse überstiegen übrigens, was jemals für diese Theater nöthig gewesen sei. Der Minister des Königlichen Hauses plane die Verhandlungen in wohlwollendstem Sinne in der Richtung zu führen, daß die Verwaltung von den Städten übernommen würde. Die Zuschüsse sollten weitergezahlt werden, soweit es mit den Mitteln der Krondotation in Ver- hältniß stehe. Die Staatsregierung werde die Angelegenheit nicht aus den Augen verlieren, lieber die Antwort des Ministers entspann sich hierauf eine Debatte, an welcher sich die Abgeordneten Enneccerus, Wallbrecht und Lieber beteiligten. Abgeordneter Enneccerus erkannte zwar an, daß nach der Erklärung des Ministerpräsidenten die Gefahren für das Fortbestehen der Theater beseitigt seien, pflichtete im Uebrigen aber den Ausführungen des Abgeordneten Sattler bei und sprach die Hoffnung aus, daß die Regierung ihr Wort von 1875 einlöse und die Theater nicht in Verfall gerathen lasse. Abgeordneter Wallbrecht hofft, daß die Verhandlungen zu einem günstigen Ergebniß führen werden. Auch der Abgeordnete Brandenburg spricht sich im Allgemeinen-im Sinne der Interpellation aus, ohne sich geradezu auf die Seite der Interpellanten zu stellen. Abgeordneter Richter würde es für einen Fortschritt halten, wenn die betreffenden Theater zu selbständigen Instituten gemacht würden. Gras Limburg erklärte sich mit der Interpellation einverstanden, die Erklärungen des Ministerpräsidenten würden beruhigend wirken. Der Abgeordnete Sattler ergriff hierauf noch einmal das Wort und rief den betheiligten Städten zu: „Habt Acht." Der Antrag aus Schluß der Diskussion wurde angenommen und der Gegenstand damit erledigt. ‘ Nach längerer Debatte wurde sodann das Gesetz betreffend das Diensteinkommen der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Schulen in der Fassung des Herrenhauses angenommen. Die nächste Sitzung ist noch nicht anberaumt. Berlin, 20. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt anläßlich des Besuches des italienischen Königspaares: Möge der Aufenthalt in Potsdam den Majestäten von Neuem die Ueberzeugung von der Aufrichtigkeit der freundschaftlichen Gesinnungen in Deutschland verschaffen, wie er sicherlich auch bei den Nationen, die den friedlichen Bestrebungen ihrer Monarchen im Innern und nach Außen mit hingebendem Vertrauen folgen, zum Heile gereichen wird. Berlin, 20. Juni. Der Magistrat bewilligte 10,000 Mk. zur Ausschmückung der Straßen, durch die König Humbert Mittwoch nach der Rückkehr vom Schießplätze bei Jüterbog aus dem Wege vom Anhalter Bahnhose nach dem königlichen Schlosse fährt. Wildpark, 20. Juni. Zum Empfange des Königspaares von Italien waren auf dem Bahnhose der Kaiser, die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Albrecht, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen, der Erbgroßherzog von Baden, der Erbprinz von Hohen- zollern, der Reichskanzler, Staatssekretär Marschall, Botschafter Solms, zahlreiche Generäle, Generaladjutanten und Flügeladjutanten, sowie der Polizeipräsident und der Stadtkommandant von Potsdam anwesend. Um 6 Uhr 52 Min. lies der königliche Sonderzug ein. Der Kaiser in der Uniform des 1. Garderegiments mit dem Annunciatenorden trat an den Wagen heran, dem König Humbert in der Uniform des hessischen Husarenregiments entstieg. Beide Monarchen umarmten und küßten sich zweimal. Sodann entstieg dem Wagen die Königin Margherita- der Kaiser küßte dieselbe zweimal aus die Wange und geleitete sie nach dem Empfangssalon, wo die Kaiserin mit der Prinzessin Friedrich Leopold sich befand. Hier küßte der König Humbert die Kaiserin und die Kaiserin die Königin- ebenso küßte König Humbert die Prinzessin Friedrich Leopold. — Der König von Italien begrüßte sodann besonders herzlich den Herrn Reichskanzler und den Staatssekretär Freiherrn v. Marschall, während der Kaiser sich dem Gefolge des Königs zuwendete. Der Reichskanzler Graf v. Caprivi tauschte mit dem italienischen Minister des Auswärtigen, Brin, die herzlichsten Begrüßungen aus, beide schüttelten sich wiederholt die Hand. Aus dem Bahnhose stand eine Compagnie des Garde-Jäger-Bataillons mit Musik, die bei der Einfahrt des Zuges die Königssansare spielte. Daraus schritt der Kaiser mit dem Könige die Front der Ehreneompagnie unter den Klängen des italienischen Königs- Marsches ab, wobei der Vorbeimarsch erfolgte. Die Kaiserin und die Königin Margherite standen in der Thür des Salons, dort folgte auch die Vorstellung der anwesenden Prinzen. Sodann bestiegen der Kaiser und König Humbert einen offenen Vierspänner. Ein Zug Husaren mit Standarte und dem Trompetercorps an der Spitze eröffnete den Zug. In einem I zweiten offenen Vierspänner fuhren die Kaiserin und die Königin. Ein Zug des Leibgarde Husaren-Regiments bildete den Abschluß. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte die Herrschaften Mit zahlreichen Hochrufen. Von der Wildparkstation bis zum Neuen Palais bildeten das Lehrinsanterie- Bataillon und die Unteroffizierschule Spalier. Vor dem Neuen Palais stand die Leibcompagnie des 1. Garderegiments, in die der Kronprinz eingereiht ist, mit dem Musikcorps. Im Innern des Neuen Palais war die Galawache des Regiments Gardes- du-Corps mit dem Trompetercorps, der zweite Zug der Leib- gensdarmerie und die Schloßgarde-Compagnie mit der Fahne, sowie Posten der Leibgensdarmerie ausgestellt. Abends 8 Uhr findet Abendtasel statt. Essen, 20. Juni. Der „Rhein-Westsäl. Zeitung" zufolge lehnte die Beschlußkammer des Landgerichts Essen die Eröffnung des Hauptversahrens gegen Baare und die Ingenieure Bering und Gremme ab. Aachen, 20. Juni. Eingegangener Meldung zufolge stieß heute Vormittag bei Lindern der Schnellzug nach Berlin mit einem Rangirzuge, vermuthlich in Folge falscher Weichenstellung, zusammen. Mehrere Passagiere wurden erheblich verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Metz, 20. Juni. Bei dem Grenzorte Cheminot landete gestern ein Luftballon mit zwei von Tont kommenden französischen Offizieren, der durch den Wind über die Grenze getrieben worden war. Nach Feststellung des Tatbestandes sind die Offiziere nebst dem Ballon über die Grenze zurück- gekehrt. Newyork, 20. Juni. Dem „Herald" zufolge sind die Truppen des Präsidenten Palacio in der letzten Schlacht westlich von Caracas gänzlich von den Ausständischen zersprengt und 800 davon gefangen worden. Der Einzug des Generals Crespo in Caracas werde stündlich erwartet. Chicago, 20. Juni. Palmer von Illinois ist in der Bewerbung um die Präsidentschaft zu Gunsten Clevelands zurückgetreten. Letzterer erhält daher auch die Stimmen von Illinois, was bisher zweifelhaft war. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 20. Juni. Die „Post" erklärt bezüglich der neuen Militärvorlagen, die Verkürzung der gesetzlichen Dienstpflicht bedinge eine Erhöhung des Präsenzstandes um 63000 Mann mit 60 Millionen Mehrkosten. Außerdem eine Vermehrung und Ausbildung des Personals, demnach bei 173 Infanterie-Regimentern eine Neubildung der Stammbataillone mit weiterer Erhöhung des Etats. Das Blatt kündigt fernere Mittheilungen für die übrigen Waffengattungen an. Berlin, 20. Juni. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine Cabinetsordre vom 3. Juni, welche die Farben für die Provinz Hessen-Nassau bestimmt und zwar für die Provinz Roth-Weiß-Blau, »für den Bezirksverband Kassel Roth-Weiß, Bezirksverband Wiesbaden Blau-Orange. Berlin, 21. Juni. Den „Bert. Pol. Nachr." zufolge haben nur wenige Städte mit Königlicher Polizei, darunter Berlin, bisher von der Besugniß Gebrauch gemacht, eine Wohlfahrtspolizei unter eigener Verwaltung zu erlangen. Sobald einige schwierige Fragen hierüber gelöst sind, soll hierüber mit den betreffenden Stadtgemeinden in Unterhandlung getreten und demnächst die im Polizeikostengesetze vorgesehene anderweite Abgrenzung der Zuständigkeit der Königlichen städtischen Polizei durch Reglements herbeigeführt werden. München, 20. Juni. Gutem Vernehmen nach tritt im Herbst die Retchscommission zur Vereinbarung der Grundzüge der Reichs-Militär st rafproceßordnung zur Schlnß- berathung in Berlin wieder zusammen. Wien, 20.Juni. Der Empfang Bismarcks verlief aus dem polizeilich abgesperrten Perron der Nordwestbahn ruhig. Ein Vertreter der deutschen Botschaft war nicht anwesend. Eine unbekannte Dame überreichte dem Fürsten einen Blumenstrauß und verschwand dann sehr eilig. Der Empfang außerhalb des Bahnhofs verlies äußerst lärmend. Durch Absperrung der Straßen versuchte die Polizei Demonstrationen vor dem im Centrum der Stadt liegenden Palais Palffy zu verhindern. Die Demonstranten widersetzten sich der Polizei, worauf diese mit der blanken Waffe einschritt. Bismarck wurde auch in Teschen, Jglau und Znaim lärmend begrüßt. Der Fürst unterhielt sich wiederholt in lebhafter Weise mit dem Publikum. Wien, 20. Juni. Bismarck lehnte den Empfang aller Deputationen ab. Um Demonstrationen zu verhüten, wird die Fahrt der Hochzeitsgäste nicht korporativ erfolgen. Als Brautführer fungiren: Erbprinz Hohenlohe, Botschaftssekretär dElow und die Eltern des Brautpaares. Bismarck unterläßt auf den Rath SchwenningerS den geplanten Besuch in der Theater-Ausstellung. Bei den gestrigen Erceffen wurden 15 Personen verhaftet. . W""- 21. Juni. Wegen Verkehrsstörung ordnete die Polizel gestern Nachmittag die Räumung der Wallnerstraße an; die Volksmenge kam sofort der Aufforderung nach. Bismarck wurde bei seiner Ausfahrt, wo er erkannt wurde, mit Hochrufen begrüßt, worauf er verbindltchst dankte. Er gab seine Karte bei Kalnokh, Hohenlohe, Nuntius Galimbert und Staatsrath Braun ab. Der Chef des Civilcabinets des Kaisers gab seine Karte bei Bismarck ab. Wien, 20. Juni. . Die Kronprinzessin-Wittwe nimmt an der Trauung Herbert Bismarcks nicht Theil. Dieselbe ist plötzlich nach Ungarn abgereist. — Die Dorotheengaffe, wo sich die reformirte Kirche befindet, wird während des TrauungSaetes polizeilich abgesperrt. Loudon, 20. Juni. Die „Times" melden aus Teheran: Die osficiellen Angaben über die Eholerasterblichkeit bleiben hinter der Wahrheit zurück, in Meshed fanden 500 Todesfälle und nicht, wie officiell gemeldet, nur 100 statt. Loealer Provinzieller. Gießen, 21. Juni 1892. — Sitzung des Schwurgerichts der Proviuz Oberheffeu am 20. Juni 1892. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Friedrich Weber HI. von Bönstadt wegen Brandstiftung. Die Anklage vertrat der Großherzogl. Erste Staatsanwalt Joeckel, die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Labroiffe, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Johann Peter Wagner, Johann Georg Görlach, Georg Faber IV., Martin Zehner, Heinrich Schadcck LU , Wilhelm Hensel, Ludwig Reidel II., Heinrich Gantz IX., Adolf Schlosser, Johann Jacob Reuhard U., Philipp Lenz V. und Conrad Haber IL — Der bereits wegen Körperverletzung mit tödtlichcm Erfolg vorbestrafte Schuhmacher Friedrich Weber III. von Bönstadt ist angeklagt, daß er am 18. April l.J. den in der Gemarkung Burg-Gräfenrode gelegenen zum Großherzogl. Familieneigenthum gehörigen Wald, District Diebeseiche, vorsätzlich in Braud gesetzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Forstwart Conrad Gebhardt von Burg-Gräfenrode befand sich am 18. April l. I. (Ostermontag) Nachmittags um etwa 5 Uhr aus dem Wege' welcher von der von Ilbenstadt nach Kaichen führenden Chaussee ab nach Bönstadt führt und nach der Chaussee hin etwas abfällt, an dem Waldrande des Diktricts Diebeseiche, als er eine Mannsperson in der Richtung von Burg-Gräfenrode her aus dem Feldwege, welcher an dem Waldrande des genannten Districts herzieht und in die bereits erwähnte Chaussee einmündet, nach dieser hingehen sah. Er beobachtete diese Person und da er sie auf einmal aus den Augen verlor, so verließ er den Bönstädter Weg und ging über das Feld nach der Richtung hin, woher die Mannsperson kam. Als er auf etwa 130 Schritte an die Mannsperson herangekommen war, sah er, daß dieselbe sich am Waldrande niederbückte und sich an dem Boden etwas zu schaffen machte. Unmittelbar darauf bemerkte er auch, daß Rauch an der Stelle ausstieg. Forstwart Gebhardt eilte darauf hin auf die Mannsperson, in welcher er den Friedrich Weber III. erkannte, zu- dieser lief jedoch, als er den Forstwart bemerkte, davon und blieb auch trotz des Anrufs des Forstwartcn nicht stehen, eilte vielmehr querfeldein in der Richtung nach Bönstadt hin davon. Da Forstwart Gebhardt ihn nicht einzuholen vermochte, derselbe auch sah, daß der Wald brannte, so holte er zunächst Hülse herbei und gelang es ihm mit ihr den Brand zu löschen. Das Feuer hatte etwa drei Morgen des fraglichen Waldes „Eichenniederwald" zerstört und betruq der Schaden etwa 30 Mk. - Der Angeklagte räumte nur ein, den Brand aus Fahrlässigkeit und Unvorsichtiqkeit, nicht aber aus böswilliger Absicht verursacht zu haben- die Geschworenen (Obmann Fabrikant Philipp Lenz V.) sprachen nur das Schuldig bezüglich der den Thatbesland der fahrlässigen Brandstiftung enthaltenden Hülfsfrage aus, worauf Verurtheilung des Angeklagten in eine Gesängnißstrafe von f \ ^ona*cn klüglich eines Monats Untersuchungshaft — Ferien Sonderzug. Wir verweisen auf die in heutiger Nummer befindliche Bekanntmachung der König!. Eisenbahn- Direction Hannover, wonach am 2. Juli ein Sonderzuq mit 50 pCt. Fahrpreis-Ermäßigung von Hamburg nach Frank- furt a. M. und Basel über Cassel-Gießen, bezw. Mainz- Weißenburg befördert wird. Fahrkarten 1., 2., 3. Klaffe mit 45tägiger Giltigkeit werden auch in Gießen und Marburg zur Ausgabe gelangen. — Der Landtags-Abgeordneter Möhn hat folgende Inter- pellation, betreffend die Verwerfung des Fleisches von perlsuchtigem Schlachtvieh, bei der zweiten Kammer eingebracht: „Die Art und Weise, wie die gesetzliche Bestimmung über die Genieß- barkeit und Verwerthung des Fleisches perlsüchtiger Thiere in Hessen gehandhabt wird, führt zu den größten und allergrößten Klagen der Landwirthe und der reellen Metzger. Die jetzige Ausführung des Gesetzes führt eine Härte mit sich, welche den Landwirthen unberechenbaren Schaden bringt. Wegen eines einzigen Perlknütchens an der Lunge, oder wegen eines kleinen Lymphgeschwüres, selbst bei gesunder Lunge, wird oft vollgemästetes Vieh auf die Freibank verwiesen und der Handelsmann hat dann nichts Eiligeres zu thun, als dem Landwirth mitzutheilen, daß dort sein Stück Vieh zu seiner Verfügung sei. In Preußen hat man ein- g-sehen, daß dieses Verfahren den kleinen Bauer ruiniren muß und man hat daher dasselbe durch einen Erlaß des Ministeriums vom April d. I. gemildert. Die Folge davon ist, daß sich die Viehhändler nunmehr von den hessischen Marktplätzen ab- und den preußischen Märkten Frankfurt a. M. und Wiesbaden zuwendcn. Gedrängt von dem allgemeinen Nothschrei, der in ganz Hessen und besonders im Kreise Mainz in dieser Sache herrscht, halte ich mich verpflichtet, an Großh. Ministerium die ergebene Anfrage zu richten: 1. Ist der Großh. Regierung dieser Mißstand in der vollen Tragweite bekannt und welche Maßregel gedenkt die Großh. Regierung im Hinblick aus den obenerwähnten preußischen Ministerial-Erlaß zu ergreifen? 2. Welche Abhilfe und wann ist diese zu erwarten?" — Reiche Stiftung. Wie aus Darmstadt berichtet wird, ist in der letzten Zeit die Regulirung des Nachlasses des im vorigen Sommer verstorbenen Rentners Wilhelm Schwab von dort zum Abschluß gekommen und wurde der nach Auszahlung aller Legate usw. verfügbare Rest dieses Nachlasses der Stadt Darmstadt, die zur Erbin eingesetzt ist, im Ge- sammtbetrage von etwa 272000 Mk. übergeben. Wie schon früher besprochen, hat die Stadt die Verpflichtung, den Nachlaß voll und uneingeschränkt zu einer „Stiftung für höhere Ausbildung talentvoller armer Knaben ans Darmstadt" zu verwenden. Für diese Stiftung ist nach Maßgabe der Testamentsbestimmungen ein besonderer Verwaltungsrath zu bilden, zu dessen Constitutrung nunmehr geschritten werden dürfte. Ist der Verwaltungsrath ernannt, dann kann demnächst die Stiftung ihre hoffentlich segensreiche Wirksamkeit beginnen. △ Au8 dem Ohmthal, 20. Juni. Gegenwärtig finden auf den Domanial- und Gemeindewiesen die Heugras- ! Versteigerungen statt. Der Preis für das Heugras ist im Durchschnitt gegen das Vorjahr ein höherer, ungeachtet des quantitativ weniger zu erwartenden Ertrags der Wiesen. Wenn der Kümmel gedeiht und der Hahnenkamm (Klappertops) reichlich in den Wiesen wächst, dann ist der Grasbestand kein vollkommener. Wohl hat sich ja der Graswuchs noch recht gut nach dem vorletzten Regenwetter gehoben, allein das Versäumte konnte nicht mehr ganz nachgeholt werden. Das I ungemein trockene Frühjahr begünstigte den Graswuchs nicht. Eine Heuernte wie im vorigen und vorvorigen Jahre, bekanntlich beide nasse Jahrgänge ist hinsichtlich der Quantität nicht zu erwarten. Der Preis für den Gentner Heu, wie er toäljrenb dieser beiden Jahre hier bezahlt wurde, mit 1,80—2 2,40 Mk. war ja auch ein sehr niedriger. Er I stellt sich gegenwärtig schon auf den Wiesen über diesen Preis, ungeachtet des Arbeitslohnes. Mit der Heuernte hat man indessen noch nicht begonnen, da das Wetter dazu nicht angethan ist, weil regnerisch und veränderlich. Vorzüglich eignet es sich dagegen zum Setzen der Ackerpflanzen, welche Arbeit eben mit allem Fleiß erledigt wird. Rieder-Ohmen, 19. Juni. Der 78 Jahre alte Jacob Schellhaas von hier hat sich vor etwa sechs Wochen von Hause entfernt, ohne zu sagen wohin und ohne bis jetzt Nach- richt von sich zu geben. Es ist anzunehmen, daß dem alten Manne ein Unglück zugestoßen ist, und wären dessen An- gehöngen, da alle angestellten Nachforschungen erfolglos geblieben sind, recht dankbar, wenn ihnen Anhaltspunkte mit- getheilt werden würden, die zur Auffindung des Mannes beitragen könnten. □ Vom Vogelsberg, 20. Juni. Die Aussichten für die ^agd sind in diesem Jahr ganz erheblich günstiger als in den beiden letzten Jahrgängen, in denen dem Nieder- und Federwild durch die naßkalte Witterung empfindlicher Schaden zugefügt wurde. Das diesjährige trockene, warme Frühjahr und der gleiche Vorsommer dagegen sind der Rebhühnerbrut sehr förderlich gewesen. Die jungen Hühner werden nach ihrem Auslaufen nicht durch Nässe und Kälte in ihrer Entwickelung gehemmt ober gar aufgerieben. Hauptsächlich zeigt sich ein gutes Fortkommen der ersten Hasensätze- auch Freunb Lampe ist bie seitherige Witterung zur Vermehrung seiner Familie bienlich gewesen, bas offenbaren evibent bie jungen Hasen, bie man eben öfters im gelbe sich tummeln sieht. K. Alsfeld, 20. Juni. Das gestern unb heute bahier abgehaltene Bezirks krieg er fest ist in schönster Weise verlaufen. Dasselbe war, von einem leichteren Sprühregen gestern Abenb abgesehen, vom herrlichsten Wetter begünstigt unb beshalb ber Frembenzufluß in unsere mit Transparenten, Fahnen unb Grün prachtvoll geschmückte Stabt ein außergewöhnlich starker. Heute Abenb am Schluß bes Festes stellt sich ber lang ersehnte Regen ein, der hoffentlich für unsere ausgetrockneten Fluren in ausgiebiger Menge fallen wird. Büdingen, 20. Juni. Heute wurde von Gendarm Brick von Wenings ein Wilddieb aus Kefenrod abgefaßt und in hiesiges Gesängniß gebracht. Vilbel, 19. Juni. Großes Aufsehen erregt die gestern Nachmittag erfolgte Verhaftung des israelitischen Gemeindevorstehers Sigmund Strauß, der des Meineids beschuldigt wird. Der Verhaftete wurde in das Gesängniß zu Hanau gebracht. A Mainz, 19. Juni. Der Capitän Bildges von dem holländischen Schraubendampfer „Mazuschka", welcher mit seinem Sohn unter dem Verdacht, bei der Streitigkeit, die vor einigen Wochen auf genanntem Dampfer ausgebrochem den Steuermann Görtzen gewaltsam über Bord geworfen zu haben, in gerichtliche Untersuchung gezogen war, ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft außer Verfolgung gesetzt worden. Die sehr eingehend geführte Voruntersuchung hat zur Evidenz ergeben, daß der ertrunkene Steuermann durch seine eigene Schuld den Tod gefunden hat. — Zu den großen Uebungen, die durch das 10., 11. und 15. Pionierbataillon in der Zeit vom 2. bis 10. August hier stattfinden, sind jetzt die einzelnen Dispositionen festgestellt. Nach denselben werden die Uebungen, denen sich eine Parade und Inspektion der drei Pionier-Bataillone anreihen, in zwei Abteilungen zerfallen und zwar in ein großes Angriffsmanöver und in eine dreitägige Pontonierübung mit unvorbereitetem Material. Letztere Uebung wird durch Major Orter vom 11. Bataillon geleitet. A. Lampertheim, 19. Juni. Die unverzeihliche, von dem [ Gesetze streng untersagte Manier mancher Menschen, auf k einen sich in Bewegung befindlichen Eisenbahnzug zu springen, hat gestern Abend wieder ein Menschen- leben gefordert und verschiedene hiesige Familien, welche heute mit den Einwohnern L.'s das Fest der Fahnenweihe des Gesangvereins „Liederkranz" begehen wollten, in Trauer Ersetzt. Ein hiesiger Bürger, welcher kürzlich mit seiner Familie nach Worms übergesiedelt war, wollte nach Hause und stürzte, als er sah, daß der Zug schon in Bewegung Sm*' mUr-ClI?en ber Waggons, der ihm am nächsten war, los. Die Passagiere, das Balmpersonal im Zuge und auf dem Perron schrieen und winkten ab, doch alles war vergeblich. Der Mann klammerte sich an einen Thürgriff und sprang aus das Trittbrett.- Hier glitt er aus und kam mit beiden Beinen unter die Räder. Ein schrecklicher Schrei durchzitterte die Lust, aber das Unglück war geschehen. Die Räder gingen bem Bebauernswenhen über beibe Beine unb zerquetschten fie zu einer formlosen Masse. Der Unglückliche rannte fo zu sagen mit aller Gewalt in sein Unglück hinein, benn ätoet ©tunben spater ging noch ein Zug, mit welchem er batte reifen können. Man brachte ben Verunglückten in bas Heute Spital der barmherzigen Schwestern und hatte auch gleich ärztliche Hülfe bereit, um 2 Uhr heute Nacht aber ist er feinen schrecklichen Leiben erlegen. Permffcbtc». H. Weilburg, 20. Juni. In unserer Stabt fanb in ben Sagen bes 19. unb 20. Juni bas 19. Gesangfest bes I Sängerbunbe§ statt. An betreiben be- theiligten sich bie Bunbesvereine: „Lieberkranz" Siebentopf, „Orpheus Butzbach, „Lieberkranz" Dillenburg, „Bauer'scher Gesangverein" unb „Harmonie" Gießen, „Gesangverein" Grünberg, „Cäcilia" Lich, „Liebertafel" Marburg, „Männergesangverein" Wetzlar unb „Lieberkranz" Weilburg. Am . Ium Morgens 9 Uhr würben bie von auswärts erschienenen Vereine unter Dvrantritt ber Capelle bes Nassauischen Jnfanterie-Regts. Nr. 88 in bie mit Ehren- Pforten, Gutrlanben, Kränzen unb Fahnen prächtig geschmückte Stabt geleitet. Nachbem ber Zug auf bem Marktplatz anqe- kvmrnen unb, eine Hufeisensonn bilbenb, Aufstellung genommen, hwfce derselbe von dem Präsidenten des Vereins „Lieder- »°nz - Weilburg begrüßt. Derselbe gebuchte in seiner Rebe be§ Flusses, welcher Weilburg burchfließt, berfelbe habe bem Bund den Namen verliehen. Es sei nun schon bas vierte Mal seit Bestehen bes Bunbes, baß bas Sänqersest in Weilburgs Mauern ftattfänbe unb stets wäre ber Verein toie auch bie Einwohner ber Stabt von ben wärmsten Sympathien für bie Sänger erfüllt gewesen. In mächtigen Accorben erhebe sich ber Gesang zum Himmel empor unb so möge auch heute toieber ber Bunb Zeugniß von seiner schon oft erprobten Tüchtigkeit ablegen. Sein Hoch galt bem „Lahntal-Sängerbunb". Morgens 11 Uhr begann bie General- probe in ber mit ben nassauischen unb preußischen Farben geschmückten Sängerhalle. Da ein Zusammenspiel bes Orchesters mit ben Chören vorher nicht möglich, so war eine Wieber- bolung einzelner Stellen ersorberlich. Währenb berfelben unb "Uw °w Nachmittag öffnete ber Regengott seine Schleichen vermochte jedoch nicht, die Feststimmung im Geringsten zu beeinträchtigen. Gegen 2 Uhr nahm der Zug Ausstellung am Shiegerbenfmat. An bemfelben beseitigten sich außer ben erwähnten Vereinen auch ber Turn-, Krieger-, Schützenverein unb bie Freiwillige Feuerwehr. Den Zug eröffnete bas Musikcorps bes Nassauischen Jnsanterie-Regts. Nr. 88, bem- selben schlossen sich bie Ehrenjungfrauen unb1 biefen bie Behörbeii, sowie bie verschiebenen Vereine an. Manches bufttge Sträußchen wurde ben Sängern im Vorbeimarsch bon zarter Hanb als Willkommengruß gespenbet. Aus bem Festplatz angelangt, wurde derselbe von bem Bürgermeister unb bem Lanbrath ber Stadt bewillkommt. Ersterer gedachte in seiner Rebe der Freude, welche bie gefieberten Sänger jeder Menschenbrust gewähren, heute aber sei bieselbe noch viel größer, ba wirkliche Sänger ihren Einzug gehalten. Sein Hoch galt bem Lahnthal-Sängerbunb. Der Lanbrath warf einen Blick auf bie Geschichte Nassaus bis jui Zeit Konrabs I. unb gebuchte hierbei ber ehemaligen Scheibegrenze ber französischen unb österreichischen Herrschaft bei Runkel a. L., auch erwähnte er ber Nassauer, welche bem hartbebrängten Wellington — ber in ber Schlacht bei Waterloo ben Ausruf that: „Ich wünschte, es wäre Nacht ober bie Preußen tarnen!" — zur rechten Zeit zur Hülse kamen unb ben Sieg zu Gunsten Englanbs entscheiben halsen. Sein Hoch, welches unserem Kaiser Wilhelm gatt, fanb tausenbfaches Echo. Diesem folgten bie Gesammt- unb Einzelchöre in Programm- gemäßer Weise, erstere mit Orchesterbegleitung. Dieselben würben mit größter Präcision zum Vortrag gebracht. Ein Tänzchen, welches hierauf folgte, hielt bie Theilnehmer noch lange zusammen. Das prächtige Wetter am zweiten Tage hatte Viele schon am frühen Morgen herausgelockt zu einem Ausflug in bie prächtige Umgebung unb war es namentlich bie herrlich am Ufer ber Lahn gelegene „Guntersau", welche fich einer befonberen Beliebtheit erfreute. Morgens 9 Uhr fanb im „Nassauer Hof" ber Sängertag statt, als beffen hauptsächlichster Beschluß hervorzuheben ist, baß bas 20. Bunbes- feft 1894 in Butzbach stattfinbet. Nachmittags nahm ber Festzug in ber am vorhergehenben Tage stattgehabten Weise Ausstellung unb begab sich toieberum nach bem Festplatz, woselbst bie Capelle bes 88. Infanterie-Regiments concertirte. Gegen Abenb verließen uns bie von auswärts gekommenen Vereine unb schieben mit dem Gruße: Auf Wiedersehen 1894 in Butzbach. Wir aber wünschen bem „Lahnthal-Sängerbunb" ein ferneres Blühen unb Gebeihen. *tt Waldkappel, 20. Juni. Eine epochemachende Erfindung, die zweifellos von großer Bedeutung für Handel und Landwirthschaft in Deutschland ist, ist dem hiesigen Apotheker Freysoldt nach längerem Studium und vielen praktischen Versuchen gelungen, nämlich unser gewöhnliches Rüb öl mit leichter Mühe in vollständige Geschmack- unb Geruchlosigkeit zu bringen unb bamit dasselbe an Stelle des erheblich theuerern „Provencer-OelS" zu setzen. Bewährt sich diese Erfindung auf die Dauer in ber Praxis