Di nstag den 22. März 1892 Vierteljähriger Lj Aßonnecienlsptfi# i ” 2 Mark 20 Pfg. mit Amts- und Anzeigeblatt füv den Aveis Gieren. Hmlisöeikage: Hießener JiamiKenökätter. Dentsche» Reich. Ansland. Provinzial-Hauplstadt Gießen verordnet wie folgt: S 1. S 4/ S 2. 8 3. Ällt «nnonctn-Bureaur bei In. und ZuttanM nehmm Anzeigen für bm „Siebener Znjeiger* entgegen. Dringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Äebaction, Expedition und Druckerei: SiSalSraze Ir.?. Fernsprecher 51. «ießen, den 13. November 1891. Großherzogliches Polizeiaml Gießen. Fresenius. Nr. 69. Erftes Blatt. .. ”ä,i- S» d,» s*k,, „i, le, Rutschen Unterrichtssprache soll der Unterricht in der all- gerne nen Geschichte von jetzt ab in russischer Sprache ertherlt werden. F Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Is-mitienStLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Bekanntmachung. I«. bcnSB4-. April d. Js., Vormittags l Jm Regierungsgebäude dahier eine öffent- f^nh.16^9 / P'°^"^ltags der Provinz Oberheffen mit tolgenber Tagesordnung statt. 1) Prüfung der Rechnung der Provinzialkasse und Er- o. 'Eattung des Rechenschaftsberichts für 1890/91. -J »Wellung des Voranschlags der Provinzialkaffe für XOtjZjöO, 3) Darlehen ans der Provinzia'kaffe zur ®riinbiT.g eines pomologischen Gartens zu Friedberg. 4) Statutarische Bestimmung für die Provinz Oberheffen hinsichtlich der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. 5) Ersatzwahl zum Provinzial-Ausschuffe für die Ende 1892 ihrem Dienstalter nach ausscheidenden Mit- i glicber Fabrikant Trapp-Friedberg, Steuerrath Pfaunmüller-Nidda, Oeconom Schade-Altenburg, Bürgermeister Fendt-Schotten, sowie die Ersatzmitglieder Fabrikant Schiele-Gießen und Oeconom Schlenke-Hardthof bei Gießen. Gießen, 19. März 1892. Der Vorsitzende des Provinzialtags: v. Gagern. Berlin, 10. März. Jm Senioren-Convent des Reichstags thetlte heute der Präsident v. Levetzow mit, bte Regierung sei bereit, die Session vor Ostern zu schließen und verzichte auf die Beraihuug des Trunksuchts- und Chek- zesetzes. Nach dem Etat sollen nur noch die Vorlage der | Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht, Telegraphen- gesetz, Nachtragsetat und wo möglich Weingesetz und das roerticnSC8Cn Unf’ttIi*fcit in der ersten Lesung erledigt Berlin, 19. März. Heule begann der Prozeß vor dem Landgericht gegen 22 wegen Bethciligung an den kürzlichen Unruhen Angeklagten/ der jüngste ist 15, der älteste 22 Jahre alt. Sämmtliche leugnen. Berlin, 19. März. Die Kornträger Berlins beenden sich seit heute Morgen aus sämmtlichen Speichern im A u s st a n d. Sie begehren 50 pCt. (?) Lohnerhöhung. Der Eingang von Getreide ist sehr stark. Wilhelmshaven, 19. März. Von den gestern durch daplatzen eines Rohres Verbrühten sind Nachts ein Unteroffizier und vier Heizer im Lazareth gestorben. Bayreuth, 19. März. Jm Dorfe Mechlenreuth wurden elf Häuser durch eine heftige Feuersbrunst einmalige^' 206960 Ablassung des Dorsteiches herrschte Waffer- abgelehnt. Er geht demnächst nach Karlsbad. r März. Der Reichskanzler ist im Kron- rathe und nachher für v. Zedlitz eingetreten. Die Bemühungen, den Minister v. Zedlitz zur Zurücknahme seines Gesuches zu bewegen, gelten für gescheitert, v. Rauch Haupt wird als Nachfolger ernstlicher genannt. Berlin. 19. März. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß die Bo l ks sch u l g e s-tz. C ° m mi ss i ° n weitere Sitzungen nicht halten wird, da der neue Cultus- m,nister Namens der Staatsregierung den Entwurf sofort zuruckziehen dürste. 1 Bekanntmachung, betreffenb bie Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterieen zum Vertrieb im Großherzogthum. sa hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Großherzogliches Ministerium des Jnnem unb ber Justiz dem «orftanbe ber „Gläubigen Ausstellung für Kunst unb Kunst- gewerbe m Weimar" bie Erlaubniß ertheilt hat, bie Loose einer im ^uni unb December l. I. zu veranstaltenden Ver- loosung von Gegenständen ber Kunst und be§ Kunstgewerbes innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben. Bemerkt wirb noch, baß nach bem von ber zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan 400000 Loose zu je 1 oas Stuck ausgegeben werden dürfen und 200000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden müssen Gießen, den 14. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Die von der zweiten Kammer einstimmig angenommene Adresse an Seme Königliche Hoheit den Großherzog hat folgenden Wortlaut: M M Allerdurchlauchiigster Großherzog! Allergnädigster Großherzog und Herr! Ew. Königliche Hoheit haben den Ständen deS (Srnfibtrmn- von ®bcm4™i M «üsftellun^d?r'inArMellÄ fflrnftb QnhCl/elXen Ablebens Seiner Königlichen Hoheit de! Großberzogs Ludwig IV. aufs schwerste erschüttert ° **BU L®* Königliche Hoheit mit dem ganzen Grobherzogliche» Gichener Anzeiger Henerat-Anzeiger. Darmstadt, 19. März. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben zu bestimmen geruht, daß die regelmäßigen Empfangstage, Mittwoch und Samstag, wie seither, beibehalten werden, ebenso die Stunden von i/.10 bis 11 Uhr Die Vorträge der Minister finden ebenfalls, wie seither' Mittwochs und Samstags von 11 Uhr an statt. Darmstadt, 20. März. Infolge des Todes des Groß- Herzogs Ludwig von Hessen ist die Jnhaberschaft des 18. russischen Dragoner-Regiments auf seinen Nachfolger, den Großherzog Ernst Ludwig übertragen worden. Berlin, 19. März. Die schleichende politische Crisis in Sachen des Volksschulgesetzes hat sich über Nacht zu einer Minlsterkrisis in Preußen gestaltet, insofern, als nach übereinstimmenden Versicherungen der Cultusminister Graf r ' V We 1 ■ fein Entlaffungsgesuch eingereicht hat. Dieser Entschluß soll mit dem Verlaufe der am 17. März unter Vorsitz des Kaisers abgehaltenen Kronraihssitzung zu- sammenhangen, in welcher sicherem Vernehmen nach das neue Volksichulgesetz der Hauptgegenstand der Verhandlungen ge- wesen ist. Es heißt, die Mehrzahl der CabinetsmUglieder £,bre„f*d’ u"ler Hinweis ans den Widerstand, welchem das Volksschulgesetz in den weitesten Kreisen der Nation begegne, I O Jruru^ic^un9 des Entwurfes ausgesprochen, und da Graf Zedlitz m Anbetracht seiner entschiedenen Stellungnahme für die Regierungsvorlage einen solchen Schritt schwerlick iq cm» m . "umachen könnte, so würde sein Rücktrittsentschluß allerdings Ursach^ de^Katast^obe' • r,ote Zufolge wäre die begreiflich erscheinen. Indessen schwirren die Gerüchte noch eine« ^at^‘ro^.e Anderlues auf den Racheact zu kunterbunt durcheinander, um sich ein klares Urteil über zurückzufllhren'° bcS ®£r3roerfS erbitterten Arbeiters ble Vorgänge zu bilden, welche in den letzten Tagen hinter ' ®e.rIlncr Regierungscoulsssen gespielt haben. Auch war «3 37 b's Ende voriger Woche dos Geher de - Bleiben des Cultus- Die Adressen Ministers noch keineswegs bestimmt entschieden, zumal da dem der Landstände des (titOfchcriDntftumä B-rnehmen nach der Kaiser den Chef seines Civileabinets wrvstyerzogthuMS. Ur‘ “• Lucanus, zum Cultusminister sandte, um denselben Darmstadt, 18. März. Entlaffuiigsgesuches zu bewegen. Auch nnn, ®,e tion ersten Kammer der Landstände einstimmig heißt es, daß die übrigen Minister, sowie die Führer des angenommene Adresse an Seine Königl. Hoheit den Groß^ Centrums und der Conseroativen dem Grafen Zedlitz zu- $er3°9 hat folgenden Wortlaut: »ÜSX®e™fr,0"c zurückzunehmen. An der am Freitag Allerdurchlauchtigster Großberzog! Vormittag beim Staatssecretar von Bötticher stattgefundenen Allergnädtgfter Großherzog und Herr! Nutzung des preußischen Staatsministeriums nahm indessen K . „®“tc Äö"*et*d,c 6o6eit haben Allergoädigst geruht mittelst der Cultusminister nicht Theil. Nach den umlaufenden Ge- H-chttderen getreue» Ständen von d/m rüch.en hätten ,n der That Differenzen zwischen dem Kaffer Ä iv” ”n ßeffen^bÄ"^" des GroßherzÄ un dem SultuSminifter wegen der Schulvorlage den letzteren dieselben vermöge der im Großherwglichen Hause°°g"lienden Erb??'^ bermMere,^\n Eutlaffuugsgesuches veranlaßt, weil ^uungdie Regierung des Gioßherzogchums IngetreienhabmM der Kaiser Bebenken aeaugert haben soll die 9^nrfnno no^or. Kenntnttz zu setzen. • wünsche der Nationalliberalen und der Freiconservativen getreum S.änden'Äe in°Att 106' ÄÄ- ,? .^^'.^cr Ausgang der ganzen Crisis Ä*“ I ÄÄ £»Ä^M^Ännb = Andruck des unoorhergesehenen traurigen Ereignisses ftebenb h,^ Eurer Königlichen Hoheit den Ausdruck lieiempfundener Tbeilnabme an dem für Allerhochstdiefelben, für das Großherzogl che ^aus für das ganze Land so schmerzlichen Todesfall enigege,? sie verbindet damit die aus.ichiigsten Wünsche für Eure Königliche Hoh st Möge Gott der Herr seine Hand segnend über Eure Gemini a L; O0J d^, ganze Großherzogstche' Haus ballen mök- E ^d ?d böL herzigen Bestrebungen des in der Fülle der ttrafr Fürsten mit reichern Erfolg gekrönt hat, auch Eur! Köniallch?Lobest als schönsten Lohn für die Landesväterlichen Gesinnungen die Liebe und den Dank Ihres treuen Volkes finden lasten. 9 ° U bc o s ? e ^ami^cr stets bestrebt gewesen, die dem Wobl des Landes gewidmeten Absichten Allerhöchstderen in Gott ruhenden Regierungsvor ahren nach K, ästen zu unterstützen, und sie wird auck unter der Regierung Eurer Königlichen Hoheit diesen Gesinnunaen treu bleiben, indem sie in der Hebung der Wohlfahrt der Etni-i- Mi't Ä -"gleich Stärkung des Reichs und der Reichsgewalt erblickt Mit dieser Versicherung verbindet die Erste Kammer der Stände dm das gnädige Wohlwollen, welches Allerhöchstdieselben in so huldvoller Weise auszusprechen geruht haben ’ n tn ,0 Euer Königlichen Hoheit allerunterthänigste, treu gehorsamste n t _ Erste Kammer der Stände Darmstadt, den 18. März 1892. ausschließlich zur Beförderung von Personen bestimmt 'st. muß an beständig sichtbarer Stelle, wenn thun- Uch auf der linken oder Hinteren Seite, mit dem Namen (Firma) und Wohnort des Eigenlhümers. -.......... »u., „öor,emenung" ,Ufolae bat Se6t(errr ^Ehrere derartige Fuhrwerke Gras v. Zedlitz definitiv die Zurücknahme der Dem ssion besitzt, auch mit fortlaufenden Nummern versehen 1 -.-<•* >-—— - ~ - - ccr jUem,|,uin ’p"'.D'ese Bezeichnung muß in durchaus deutlicher Lchrift mit Buchstaben von nicht unter 3 cm Höbe ausgeführt sein. v 9 Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind die Kaiserlichen Posten und die städtischen Sprengfäffer ^gen vorstehende Anordnungen werden nut Geldstrafen bis zu 30 Mark oder mit e^We.nbet bestraft. Tiefe Polizeiverordnung tritt mit dem 1. April 1892 Ul Jv l U Ile Bekanntmachung. , nüd) x„.. ■ — rr—v yuugtn Der Personen- und Fuhrwerksverkehr in der Nordanlna- s, 9 ““J,,0 verwickelter erscheint, als infolge Ä»"**-*-**“»»f»-«« W2MSW »T“X Großherzogliches Polizeiamt Gießen. und bedeutenden Charaeter und stehen wir in ®eutfcblanb ________________ Fresenius. abermals vor einem entscheidenden Wendepunkt in unserer n> r . ... " -- Gelammtpolitik, gerade wie genau vor zwei Jahren anläülicki Pollzel-Verordnuna. ^tritte8 be§ Fürsten Bismarck. (Vergleiche die folgern Auf Grund des Art. 56 der Staht,.nrh„,.„. • k x itn Notizen und „Neueste Nachrichten"). Anhörung der Stadtverordneten-Versammluiia und"mit I or 181 Die „Nationalzeitung" schreibt: nehmigung Großherzoglichen Ministeriums d^es Innern und ?^E"p°^'s^er Abgeordneter hatte eine Unterredung der Justiz vom 7. November 89 ü Nr 2974! S wTqW“ Z?blitz- das Resultat derselben war, für die Provinzial-Hauptstadt Gießen ^nrLt^uJ44 »bautet mst q-,,, . r, - ziemllcher Besttmmthett tn Retchstaqskreisen, Cavrivi mprhp Jeiner Natur nach nicht | b'e-ben, im Ce.itrum zweifelt man daran. - Nach derselben Bettung verlautet, daß itn Kronrath die Entschädigung der Retchsun mtttel bar en in einer für dieselben sehr ungünstigen Weise zur Sprache gekommen sei. Stalin, 19. März. Der „Börsenzeitung" zufolge hat Annahme von Anzeigen zu btt Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Theil 2620 Pros. F. Himstedt. eine eine aus der 600 Der Antrag Dr. v. Bar wird abgelehnt, ebenso der von Dr. Ham wacher beantragte Zusatz. Dagegen wird der Paragraph in der von Dr. Ham wacher vorgeschlagenen Fassung angenommen. . Damit ist die dritte Berathung beendet. Der Entwurf wird in Der Gksammtabstiinmung gegen Socialdemotraten, Freisinnige und einen Theil des Eentrums angenommen. m ,^lgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Gesellschaften mit beschrankter Haftung. Abg. v. Bennigsen (natl.) beantragt en bloe-Annahme. Abg. Dr. Brömel (dfr.) und v. Strombeck (Etr.) haben Bedmken gegen die Vorlage, wollen aber dem Anträge nicht widersprechen. Der Entwurf wird on bloc angenommen. ar . klestern zur Krankenkassennovelle angenommenen Antrag Htrsch-Gutfleisch, wonach die freien Kassen statt ärztlicher Behandlung und Arznei die Aufwendungen dafür bis zur Hälfte der Hohe des Krankengeldes gewähren dürfen, muß nochmals abgestimmt werden, da er gestern nicht gedruckt vorlag. Der Antrag wird abgelebnt. Darauf wird die Novelle zum Krankenkassengesetz in der Ge- sammtabstnnmung dlfinitiv angenommen. Dagegen stimmen Socialdemokraten und Freisinnige. Montag 1 Uhr: Dritte Lesung des Gesetzes betr. die Gesellschaften mit beschrankter Haftung, zweite Lesung des Gesetzentwurfes betr. die Unterstützung der Angehörigen der zu Friedensübungen etn- gezogenen Mannschaften, erste bezw. zweite Berathung des Antrags auf Abänderung des Unterstützungtzwohnsitzgesetzes. Hause in dem Heimgang des Hohen Verblichenen den unersetzlichen - v elgeltcbten Vaters und Fanulienhaupts beklagen, so erfüllt liefe Betrubnitz die Zweite Kammer über daS Hinschetden des lheuren Landestül sten, welchen die schönsten Herrscher lügenden in so reichem Matze zierten. Da« Hessische Volk verliert in Großherzog Ludwig IV. Königlicher Hoheit mit ganz Deutschland den tapferen Helden und echt deutschen Fürsten, welcher, zur Zett der Gefahr für Deutschlands und Einigung in hervorragendster Weise eintretend, nach Niederwerfung des Feindes und Einigung der deutschen Stämme in un- " entwegter Treue zu Kaiser und Reich stand. ltcrt tn den erhabenen Landesherrn, dessen unausgesetztes Bestreben auf Förderung deS geistigen und wirthschaftlichen WohlS seiner Unterlhanen gerichtet war und der in Hoher Weisheit verstanden bat, auf den im Einvernehmen Seiner Staatsregierung mit den Ständen eingeschlagenen Bahnen die zum Heile des Landes gereichenden Maßnahmen -u treffen. Daß sich mit dieser Empfindung das Hessische Volk einig fühlt, hat die großartige Theilnahme bewiesen, welche das Hinschetden des Großherzogs Ludwig IV. hervorgerufen hat und neben der Liebe zur Dynastie ihre Begründung hat in der fünfzehnjährigen glücklichen Leitung des staatlichen Lebens. Es sieht aber auch in Ihm den inntgstgeliedten Landesvater scheiden, dessen Herzensgüte und herablassendes Wohlwollen die Verehrung und Zuneigung aller Seiner Untertbanen gewonnen hat. Einem solchen Regenten ist dauernde Dankbarkeit und unauslöschliches Andenken in allen Kreisen des Landes gesichert, und die Zweite Kammer bestätigt aus vollem Herzen die von Ew. Königlichen Hoheit ausgesprochene Ueberzeugung, daß sie, wie das ganze Land, an dem so schmerzlich betrübenden Trauerfall den innigsten Antheil nimmt. Den Regierungsantritt Ew. Königlichen Hoheit begrüßt die , Zweite Kammer mit der Wärme und Gesinnung, welche die Landesvertretung stets dem angestammten Fürstenhause entgegengebracht hat, und freudig legt sie an dem Throne Ew. Königlichen Hoheit das Versprechen nieder, daß sie mit derselben Treue und Anhänglichkeit, welche sie dem in Gott ruhenden Vater und Vorfahren Ew. Königlichen Hoheit gewidmet hat, auch Ew. Königlichen Hoheit zugethan sein wird. Sie gibt sich dabet der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß es Ew. Königlichen Hoheit unter Gottes gnädigem Schutze be- schieden fein möge, die Geschicke des Großherzogthums auf den bewährten bisherigen Bahnen auch fernerhin zu einem Glück und Segen I verheißenden Ziele zuweilen. Für die dm Ständen ertheilte Versicherung der besonderen I landesherrlichen Huld und Gnade verfehlt die Zweite Kammer I nicht, ihrerseits Ew. Königlichen Hoheit den ehrerbietigsten Dank I abzustatten. In tiefster Ehrfurcht ' Ew. Königlichen Hoheit ' allerunterthänigfte treugehorsamste . Zweite Kammer der Stände. f Darmstadt, 17. März 1892. I Neueste Nachrichten ff 1 dcrr?ft)cnbeni*SBureou Berlin, 20. März. Der Reichskanzer ist auf telegraphische Berufung des Kaisers heute nach Hubertusstock abgcreist. — Der Landesausschuß der nationalliberaleu Partei hat anläßlich der Thronbesteigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig eine öffentliche Kundgebung beschlossen. — Der Fonds zur Gewährung von Beihilfen bei Ueber- schwemmungen hatte Ende deS Rechnungsjahres 1890/91 eine Höhe von 99,800 Mk. Butzbach, 20. März. In der Wirthschast des Herrn Theis dahier fand heute eine Versammlung von Delegirten der Gesangvereine umliegender Dörfer behuss Gründung eines allgemeinen Sängerbundes statt. Unter dem Namen „Wetterau-Taunusbund" wurde ein solcher gegründet. Als Bundespräsident wurde Herr D t l g e s-Hoch-Weisel und als Vicepräsident Herr Raabe-Griedel gewählt. Friedberg, 18. März. Außer den bereits genannten (Korporationen war bei der B ei se tzu n g s se i er in Darmstadt auch die hiesige Freiwillige Feuerwehr durch eine Deputation vertreten. Bad Nauheim, 18. März. Nicht aus dem Kurverein, sondern aus dem Vor st an de desselben sind die hiesigen Aerzte ausgetreten. nn. Darmstadt, 20. März. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung der Stadtverordneten sand die Wahl. Breslau, 20. März. Die „Schlesische Zeitung" meldet Reichenbach am Eulengebirge das Niederbrennen dortigen Rosenberg'schen Spinnfabrik, wodurch gegen Arbelter brodlos geworden seien. Lüttich, 20. März. In der vergangenen Nacht entdeckte Polizeipatrouille an dem Hause des Polizeichess Mignon Flasche, welche eine Dynamitcartouche zu enthalten schien. Der Zünder war in Brand gesteckt worden, aber in Folge des engen Halses der Flasche erloschen. Letztere wurde einem Artillerieoffizier zur Feststellung ihres Inhalts übergeben. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 20. März. Der Chef des Civilcabinets, L u c a n u s, erhielt die Meldung, daß der Kaiser, entgegen der ursprünglichen Absicht, bereits am Montag Abend von Hubertusstock wieder in Berlin eintrifft. Berlin, 20. März. Der Gerichtshof verurtheilte 22 bei den jüngsten Straßenunruhen Verhaftete wegen Land- sriedensbruch und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu zweimonatlichem bis dreijährigem Gesängniß. Berlin, 21. März. Wie das „Kleine Journal" aus Abgeordnetenkreffen erfährt, soll die Krankheit des Kaisers ernster sein als geglaubt wird, verschlimmert durch die vorzeitige Wiederaufnahme der Geschäfte und die Ausfahrt im Thiergarten trotz des Widerspruchs der Aerzte. Berlin, 21. März. Als Nachfolger des Ministers v. Zedlitz wird ernsthaft Graf Botho von Eulenburg, der frühere Minister des Innern, jetzt Oberpräsident von Hessen-Nassau, genannt? Berlin 21. März. Der Reichskanzler kehrte gestern Abend um 6 Uhr aus Hubertusstock zurück und begab sich heute Morgen 9V< Uhr zu einer Cons^renz bei dem Staatssecretär Bötticher. unsere Mütter werden daher gut thun, zeitig ihre Töchter anzumelden (bei Fräulein Möser in der Schule am Asterweg). Neben dieser mehr materiellen Seite der Ausbildung soll aber die ideale Seite nicht vernachlässigt werden- es ist vielmehr geplant, den bereits bestehenden Unterrichtssächern (Handnähen, Maschinennähen, Kleidermachen, Sticken, Flicken und Bügeln) für die Folge auch den Unterricht in Filigran-, Blumen-, Ra dir- und Applications-Arbeiten, sowie in den so beliebten Holz-, Punz-, Nagel- und Lederschnitt-Arbeiten zuzusügen, und zwar in der Weise, daß zunächst vor Weihnachten dasür ein besonderer, etwa zweimonatlicher Kurs eingerichtet wird. Der Alice-Verein darf darnach wohl beglückwünscht werden, zu der Einsicht, mit welcher er den unerläßlichen, seitherigen Unterrichtsfächern immer neue Lehrgegenstände anschließt. Was die Schule mit ihrer im Frühjahr 1878 erfolgten Dirundung geleistet hat, das erweisen aber auch schon die trockenen Zahlen der Schulstatistik- sind doch in dieser Zeit tlicht weniger als 2104 Schülerinnen in derselben ausgebildet worden und zwar: 383 trn Handnähen, 468 im Maschinennähen, 580 im Kleidermachen, 260 im Sticken, 159 in Buchführung, 64 im Bügeln und 26 im Putzmachen. — Daneben sind 73 Schülerinnen als Handarbeitslehrerinnen ausgebildet worden, von denen der größere Theil an öffentlichen Schulen oder Privatinstituten angestellt ist. Das Alles ist mit verhältnißmäßig bescheidenen Mitteln und lediglich Dank der Unterstützung des Vereins in allen Kreisen unserer Bevölkerung wie insbesondere auch Seitens Großh. Ministeriums, des Alice Vereins zu Darmstadt, des -Dtadtvorstondes, der Sparkasse und der Loge erreicht worden. Immerhin ist der Vorstand genöthigt, nunmehr entsprechend den erweiterten Ausgaben, welche er der Schule gestellt, nach einer mehrjährigen Unterbrechung wiederum an die Unterstützung unserer Einwohnerschaft sich zu wenden, indem er um weitere Beitrittserklärungen zur Mitgliedschaft (mit einem Jahresbeitrag von 2 Mark) sich bemüht. Wir wünschen dem gemeinnützigen Vorgehen des Alice-Vereins auch aus dem neuen Wege das Beste, und sind sicher, daß gerade in der jetzigen Zeit diese Schöpfung der Grobherzoglichen Familie mit doppelter Pietät von allen Seiten unserer Bevölkerung wird gefördert werden. — Auf Anordnung des Großherzoglichen Rabbinen der Provinz Oberhessen Herrn vr. Levi zu Gießen fand gestern hier, wie in allen Synagogen des Rabbinats, für den 'dahingeschiedenen höchstseligen Großherzog Ludwig IV. eine Trauer- feier statt, welcher der größte Theil der Gemeindeangehörigen beiwohnte. Die Rede des Herrn Dr. Levi in der hiesigen Synagoge, sowie die Trauergesänge machten aus die Anwesenden einen ergreifenden Eindruck. — Wir erhielten folgende Zuschrift: Höchst unliebsam ist es in Darmstadt und namentlich von den aus Nah und Fern zu den Trauerfeierlichkeiten herbeigeeilten fremden Gästen bemerkt worden, daß seitens der Stadt so gar nichts geschehen war, um den Straßen, durch welche der Leichenconduct sich bewegte, ein entsprechendes feierliches Gepräge zu verleihen. Da sah man weder schwarz ausge- schlageue Balkone, noch waren die Straßenlaternen mit Trauerflor umwunden. Was sich an den Häusern an Trauer- schmuck vorsand, war alles aus Privatmitteln hervorgegangen. Dieser Mangel berührte um so peinlicher, als man sich recht wohl erinnerte, daß die nämliche Stadt für den Kaiserempfang vor drei Jahren 20,000 Mk. bewilligt hatte. Es geht wohl nicht an, die Schuld des jetzigen Versehens dem Provisorium in der Stadtvertretung zur Last zu legen. — Gestern brach im Philosophenwalde dahier ein Waldbrand aus, der sich auf eine Strecke von 70 Meter Länge und 15—20 Meter Breite ausdehnte und die jungen Bäume total vernichtete. Der Brandstifter wurde in der Person eines jungen Hausburschen durch Criminal- schutzmann Weiß ermittelt und verhaftet. Seufer Sekbitag. 198. Plenarsitzung. Samstag den 19. Marz, 12 Uhr. Aus der Tagesordnung steht zunächst dritte Berathung des ^elegraphengesetzes. Abg. Dr. v. Bar (frf.) führt nochmals eingehend die Bedenken 'etner Freunde gegen die Vorlage vor. Der Reichstag habe derselben gegenüber von vornherein eine sympathische Haltung eingenommen, aberebenso seien von vornhereingewisseAbänderungmfürunbcdingt noth. roenbig gehalten worden. Die Concessionen, zu denen sich die Verwaltung bereit gefunden, seien ganz ungenügend und der Entwurf in De vor. legenden Fassung unannehmbar. Geh. Oter-Postrath Dambach gibt Erklärungen überden vom Vorredner gestreiften und in ben Zeitungen erörterten Fall, daß der Acttenbrauerei zu Löbau die unentgeltliche Benutzung ihres Telephon- anschlusies nach Görlitz zu einem aus Gefälligkeit im Interesse eines Dritten zu führenden Gesprächs versagt worden fei. Im Stadtver- .ebr habe jeder Angescklossene Das Recht, nicht nur selbst in Angelegenheit Dritter das Telephon zu benutzen, sondern auch seine ^ei ung durch Dritte benutzen zu lassen, vorausgesetzt, daß dafür ein Entgelt nicht geleistet werde. Anders liege die Sache im Fernverkehr wo die abgeschlossenen Verträge ausdrücklich die unentgeltliche Benutzung der Leitung in Angelegenheiten Dritter ausschließen. Diese VertragSbestimmung sei im vorliegenden Falle verletzt gewesen und Dre Verwaltung habe demgegenüber gar nicht milder handeln können, als sie es gethan. ' Abg. Bödecker (Etr.) theilt in dieser Frage den Standpunkt der Verwaltung und verthetdigt im Uebrigen die Beschlüsse der -werten Lesung. ' Abg. Dr Ha mm ach er (nl.) legt dar, daß die Vorlage nur bejroerfe, tatsächlich bereits bestehende Verhältnisse nun auch rechtlich festzusetzen. k Abg. Schrader (frf.) gilt dies zu, verlangt aber eine bestimmte unb oerblnplidje Erklärung darüber, was die Verwaltung als ihr u efln pru^e‘ Das sei jetzt klar, werde auch durch die Vorlage nicht beantwortet. Es handle sich um wichtige Interessen, die von der Verwaltung nicht hinreichend anerkannt würden und welche gegenüber der^Telegraphie und des Fernsprechbetriebes zurückgefetzt würden, •nr.tt, Tm9’nn man sich daraus beruse, datz das, was seine Freunde hier geregelt wissen wollten, in das angekundigte Gesetz über die elec,rischen Anlagen gehöre, fo bc- fiepe keine Garantie dafür, daß die angefünbtgte Vorlage auch wirklich an das Haus kommen werde. Hierauf wird in Die Einzelberathung eingetreten u $ 9 bedroht mit Geldstrafe bis zu 1500 oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu 6 Monaten denjenigen, der vorsätzlich entgegen den Bestimmungen dieses Gesitzes eine Telegraphenanlage errichtet ober betreibt. abg. Dr o. Bar beantragt Streichung der Gesöngnißstrafe. Der Antrag wird abgelehnt. -r, 8 bestimmt, daß, wenn sich electrische Anlagen gegenseitig stören, die spätere Anlage so anzulegen sei, daß die Störung ausgeschlossen wird. u Abg.Dr v.Bar beantragt dagegen, daß dieReichs-Telegraphen- Verwaltung verlangen kann, daß, sobald eine Störung ihrer in berechtigter Weise gelegten Leitungen zu befürchten ist, andere benachbarte Leitungen so eingerichtet werden, daß sie in sich selbst geschützt find, vorausgesitzt, daß die Ttlegraphenleitung ebenfalls Den berechtigten Anforderungen des Selbstschutzes genügt. Abg- Schrader (fis) begründet diesen Antrag. c 190;, k Hammocher (nl.) beantragt eine präcisere Fassung !ür S *2 “nb einen Zusatz, wonach bei Streitigkeiten das Gutachten der pbynkalisch technilchen Reichsanstalt eingebolt werden soll. ~l Ober Postrath Dambach beantwortet einige vom Abg. Schrad r gestellte Anfragen dahin, daß die Telegraphenveiwaltung I keine anderen Rechte auf Grund und Boden beanspruche als die, welche ihr durch die Gesetzgebung zugesprochen sind oder noch zu- ge'p,ochen we'den; ferner daß de Verwaltung immer mit ben Be- filern pon ©tarfftrom eitungen verhandle, nickt aber diese durch pol ^ürche Verbote ernfack beseitige. Er verwahrt die Verwaltung zügle ch bagegen als ob b eleihe der elektrischen Industrie gegenüber eine feinbMige Stellung einn.bm-- und wendet sich ichlnßlich gegen den Antrag Bar O wie den vom Abg. Hamacher beantragten Zuiatz. Ponrath G r awink el macht Mittheilungen über die Kosten, welche Setbstschuh-mrichtungen der Telegr pbenleitungen verw fachen wU'den. Für Berlin allein würden dieselben etwa 5 Millionen betragen. । totales und provinzielles, Gießen, 21. März 1892. — Reorganisation der Alice-Schule in Gießen. Die diesjährige Ausstellung der Schülerinnen-Arbeiten hat im Laufe der letzten Tage eines recht zahlreichen Besuches sich zu erfreuen gehabt und von Neuem Zeugntß abgelegt von den soliden, schönen Leistungen der Alice-Schule. Wie wir bei diesem Anlaß erfahren haben, steht im kommenden Schuljahre eine wichtige Erweiterung der Schule und eine wesentliche Verbesserung der äußeren Lebensbedingungen derselben bevor: durch das Entgegenkommen des Stadtvorstandes ist der Alice-Schule für die Folge das ganze Schulhaus auf dem Oswaldsberg zur Verfügung gestellt, sodaß dieselbe Montag den 25. April d. I. ihren Sommercursus in den geräumigen und schönen, zudem neu hergerichteten, Sälen dieses Schulhauses eröffnen kann. Gleichzeitig ist aber auch geplant die Einrichtung einer Kochschule, in der unsere Töchter Gelegenheit bekommen sollen, theoretisch und praktisch eine vorzügliche Küche zu erlernen, während zur Verwerthung des Gekochten ein Mittagstisch für Damen und Schülerinnen eingerichtet werden soll. Die Kochschülerinnen sollen in zwei Abtheilungen zu je 8 unterrichtet werden, wobei jede Abtheilung an 3 Wochentagen von 9—1 Uhr kocht. Der Kurs dauert 3 Monate und kostet monatlich 12 JL Auswärtigen Schülerinnen insbesondere, welche die Zeit ihres hiesigen Aufenthaltes voll ausnützen wollen, ist dadurch Gelegenheit gegeben, gleichzeitig auch einen der anderen Lehrkurse der Aliceschule zu absol- viren. Das nüthige Hilfspersonal soll in der Weise gewonnen werden, daß in jedem Kurs zwei Freistellen vergeben werden an solche Mädchen, welche zu Köchinnen sich ausbilden wollen. Bet der Vergebung dieser Stellen ebenso wie für die in manchen Familien gewünschte Bereitung des Einsiedeobstes (während der Reisezeit), wie für etwaige Herstellung von Weihnachtsgebäck sollen den Mitgliedern des Alice-Vereins besondere Vergünstigungen eingeräumt werden. Wennschon nach den mit solchen Kochschulen anderwärts, so z. B. auch in Darmstadt, gemachten guten Erfahrungen und wiederholten bezüglichen Anfragen in den letzten Jahren an einer regen • ™ -Sri9 Faurm Zweifeln ist, so hat doch der Vorstand mit Rücksicht auf die erforderlichen Vorbereitungen die für Montag den 2. Mai in Aussicht genommene Eröffnung des ersten Kochkurses davon abhängig gemacht, daß bis Ende März bereits 16 Anmeldungen von Kochschülerinen vorliegen - — Am 28. und 29. d. M. beabsichtigt Herr H. Dähne im Saale des Cafe Leib zwei physikalische Experimental-Vor- träge zu halten. Das Programm umfaßt eine. Reihe der interessantesten und glänzendsten Erscheinungen aus dem Gebiete der Optik und der Electricität. Herr Dähne hat dieselben Vorträge in fast allen Universitätsstädten Deutschlands gehalten und liegen mir darüber Zeugniffe von mehreren meiner Fachgenossen vor, welche sich sehr anerkennend aussprechen und ausnahmslos die geschickte Auswahl und Zusammenstellung der Versuche rühmen, sowie die Sicherheit und Präcision, mit der dieselben ausgesührt werden. Ich glaube deshalb den Besuch der Vorträge dem hiesigen Publikum bestens empfehlen zu können.