>tr. 194 Erstes Blatt Sonntag den 21. August 1892 Amts- und Anzeiseblatt für den Ureis Giefzen Hratisöeilage: chießener JamikienökätLer. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Ausstellung als solche betrachtet werden müsse. Für dieses aber glaubte die Reichsregierung nicht genügende Garantie zu besitzen. Und zwar mußte sie ein Mal an der, gelinde ausgedrückt, recht kühlen Haltung der Industrie Anstoß nehmen, dann auch Zweifel hegen, ob die im Anschluß an die Chicagoer Weltausstellung sicherlich auftretende Ausstellungsmüdigkeit bis zum Jahre 1898, in welchem bekanntlich die Berliner Weltausstellung stattgefunden haben würde, soweit geschwunden wäre, um nicht den Ausstellungsbesuch zu beeinträchtigen, endlich stand natürlich von Anfang an fest, daß im Falle eines Deficits von beliebiger Höhe das Reich dieses hätte decken müssen. Unter diesen Umständen wird die Reichsregierung mit ihrer Entscheidung wohl das Richtige getroffen haben. — Auch über das Schicksal der Militärvorlage scheint in nächster Zeit entschieden werden zu sollen. Nachdem Se. Majestät der Kaiser und der Kriegsminister von ihren Erholungsreisen nach Berlin zurückgekehrt sind, wird voraussichtlich die Auswahl unter den verschiedenen Fassungen der Militärvorlage getroffen werden und dann wohl auch die Veröffentlichung der ausgewählteu nicht mehr allzulange aus sich » arten lassen.— Von den Steuerprojecten, welche von 'en betheiligten Ressorts mit Rücksicht auf die Deckung der in der Militärvorlage vorgesehenen Mehraufwendungen für das Heer gegenwärtig erwogen werden, hat namentlich der Plan, durch Verbot des inländischen Tabakbaues und hierdurch entstehende Steigerung der Einfuhr von Tabak aus dem Auslande die Zolleinnahmen des Reiches zu vergrößern, auch in der Parteipresse eine lebhafte Erörterung gesunden. Zu unserer Ueberraschung stehen nicht alle Parteiblätter dem Projekt grundsätzlich ablehnend-gegenüber. Allerdings wird auch vielfach betont, daß es doch sehr bedacht sein will, ob es sich wirklich in volkswirthschaftlicher Hinsicht empfiehlt, eine Industrie, die etwa 163 000 (nicht 22000, wie wir neulich in Folge eines Versehens schrieben) selbstständige Angehörige zählt und jährlich auf etwa 17 000 Hektaren rund 39 000 Tonnen getrockneter Tabakblätter im Brutto- I türkischen Hof gegen Rußland erzeugte Verstimmung klug dazu benutzt, den Sultan der förmlichen Anerkennung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien geneigter zu machen. — Im Congostaat in Afrika sieht es im Augenblicke recht trübselig aus. Mit nicht weniger als drei Gegnern liegt die Regierung des Congostaates im Streite, ein Mal mit den Handelsgesellschaften, weil diese nicht dem Congostaate die Ausbeulung der Elsenbeinvorräthe als Monopol überlassen wollen, dann mit Frankreich, das sich aus Kosten des Congostaates weiter ausdehnt, schließlich auch noch mit den Eingeborenen, gegen die allein in der letzten Zeit sechs Expeditionen entsandt worden sind. Diese befinden sich sämmtlich in sehr bedrängter Lage, diejenige unter Hodisters Führung ist sogar völlig vernichtet worden. In Marokko und Venezuela haben die Volksbewegungen ihr Ende noch nicht erreicht. 2lmtlid?er Lbeil. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche. Nachdem in 15 Gehöften in der Stadt Alsfeld die 'laut- und Klauenseuche festgestellt ist, wird die Abhaltung an Viehmärkten daselbst, namentlich desjenigen vom Mon- den 22. l. M. hierdurch untersagt. Alsfeld, den 18. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Alsfeld, v. Grolman. Vierteljähriger Äbonneurcntspreis: 2 Mart 20 Psg. mit Bvingerlohn. Du?ch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutftraße Mr.7. Fernsprechsr 51. Bei der großen Ge'wandtheit HänslerS ist indessen damit rechnen, daß derselbe sein Aeußeres nach Möglichkeit ver- oert haben wird, um sich unkenntlich zu machen. In Häuslers Besitz sich vorfindende Gelder und Werth- chen bitte ich zu beschlagnahmen. Von dem Vollzüge der Verhaftung erbitte ich mir tele» aphische Nachricht. Bei Schiffsagenturen und auf Bahnhöfen bitte ich Errungen in der Richtung zu veranlassen, ob Häusler sich oa nach Amerika oder nach England gewendet hat. Signalement: Häusler ist 34 Jahre alt, circa >7 m groß, schlank, hat röthlich-blonde Haare und solchen chnurrbart, längliches frisches Gesicht, etwas gebogene Nase; gt vermuthlich graues Jaquet, hellgestreifte Hose, aelblich- itzen Strohhut. Mannheim, den 9. August 1892. Großh Untersuchungsrichter beim Großh. Bad. Landgericht Mannheim. Wengler. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Iramikienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Henerat-Anzeiger. politifctye Wochenschau. Gießen, 20. August 1892. lieber ben Plan, eine Weltausstellung in Berlin Jiran 0 en' ^at uc Reichsregierung nunmehr entschieden ■tiOrQU8Beia8t hamn, in verneinendem ' ( J V1 > "gterung Halle sich von vornherein mit n PU t,8Cft‘1nt' b°b nicht die Unternehmung r Weltausstellung als eme nationale Ehrensache an i°n se,, sondern allein das Gelingen einer unternommenen Deutsches Reich. — Gegenwärtig sind seitens der Reichsregierung resp. des Reichsschatzamtes Erhebungen über den Umfang der Bier- besteuerung im Gange. Dieselben deuten daraus hin, daß eine Aenderung in der Bierbesteuerung, die natürlich nur in einer Erhöhung derselben bestehen 'könnte, thatsächlich geplant ist. Nicht nur mit der von süddeutscher Seite angeregten Reform der Branntweinsteuer beschäftigt sich das Reichsschav- amt, sondern auch das Bier soll noch mehr Steuern bringen um den erhöhten Bedarf für Militärzwecke zu decken. Die Regierung legt Werth darauf bei dieser Gelegenheit eine einheitliche Regelung der Bierstcner herbeizuführen. Sollte in dieser Richtung wirklich eine Vorlage beim Reichstage eingebracht werden, die beiläufig bemerkt, in Bayern wohl am wenigsten Sympathie finden würde, so erscheint es uns geboten, daß darin vorwiegend die kleinen Brauereien eine Begünstigung, ähnlich wie im Branntweinsteuergesetz die kleinen Brennereien, erfahren. _ Letztere entrichten einen niedrigeren Steuersatz als die großen Betriebe. So würden auch zur Entrichtung der Brausteuer die kleineren Brauereien, welche nur einen geringen Absatz haben oder zum Theil in eigener Gastwirthschaft ihr Fabrikat absetzen, besser gestellt werden müssen. Auf eine empfindliche Vertheuerung des Bieres würde die Steuererhöhung aus jeden Fall hinauslausen. Ausland. Lyon, 18. August. Die „Katholische Mission" veröffentlicht ein Schreiben des Btschofs Hirth aus Uganda an Cardinal Lavigerie vom 25. April, worin die Meldungen von den der Mission von den Engländern bereiteten Hindernissen bestätigt und die Intervention der Königin von England angerufen wird- ferner wird berichtet, der Ches der deutschen Station Bukoba sandte an Hirth 10O Katholiken, die während der Unruhen in die Sclaverei abgesührt wurden und deren Befreiung ihm gelungen war. werth von mehr als 18 Millionen Mark produzirt, ein für alle Male kurzer Hand zu beseitigen. — In Bezug auf die handelspolitischen Verhandlungen mit Rußland können wir mittheilen, daß die Vorbesprechungen, in denen der Umfang der auf deutscher Seite zulässigen Zugeständnisse und der entsprechenden Gegenforderungen festgestellt werden sollte, nunmehr abgeschlossen sind, so daß die eigentlichen Verhandlungen in naher Zeit beginnen können. In Preußen hat das statistische Bureau kürzlich die Ergebnisse seiner Ermittelungen in Betreff der Ernteaussichten in diesem Jahre veröffentlicht. Im Gegensätze zu den beiden Vorjahren wird das lausende Jahr ein recht befriedigendes Resultat ergeben. Bei Winterweizen rechnet man auf eine Mittelernte, bei Winterkorn und Kartoffeln auf eine noch etwas bessere Ernte. Es ist auch in der That an der Zeit, daß die gegenwärtig noch immer außerordentlichen Getreide-, Mehl- und Brodpreise entschieden und bedeutend heruntergehenk Noch während des Juli stand der Durchschnittspreis für Roggen auf 183 Mark, d. h. noch 3 Mark ü^er demjenigen Betrag, welchen der frühere LandwirthschaftS- mmtster Lucius im Jahre 1887 gelegentlich der Berathung über die Erhöhung der Getreidezölle von 30 auf 50 Mark als einen solchen bezeichnet hatte, bei dessen Eintreten die Reichsregierung alsbald eine Aufhebung der Getreidezölle aus freien Stücken veranlassen würde. In England hat sich das liberale Kabinet, welches in Folge des Ausfalles der Wahlen für das Unterhaus an Stelle des abtretenden conservatioen tritt, nunmehr endgültig con- stituirt. Gladstone ist selbstverständlich Premierminister geworden. Außerdem hat für uns Deutsche im Wesentlichen nur noch die Ernennung Roseberrys zum Minister des Auswärtigen ein größeres Interesse. Roseberry steht mit seiner Auffassung der auswärtigen Politik in scharfem Gegensatz zu seinem Parteigenossen Gladstone. Während dieser 'stets eine große Vorliebe für Rußland, eine gewisse Sympathie für Frankreich, einen starken Haß gegen die Türkei und eine recht kühle Haltung gegenüber Deutschland und dem Dreibund zur Schau getragen hat, ist Roseberry, wie der Exminister Salisburry, ein Freund des Dreibundes und er wird, da er sich bei seinem Eintritt in das Cabinet Gladstone völlig freie Hand gewahrt hat, die Politik feines Vorgängers fortzusctzen auch im Stande fein. — Auch in Serbien haben die Enthüllungen der „Swoboda" ebenso wie in Bulgarien einen Sturm des Unwillens gegen Rußland bervorgerusen, da aus den jüngsten Mittheilungen des bulgarischen Blattes hervor- geht, daß Rußland nicht allein Bulgarien gegenüber jedes Mittel für erlaubt hält, sondern auch an Serbien treulos handelt. Der gefdr *+e bulgarische Minister Stambulow, der die Veröffentlichungen veranlaßt hat, hat die durch diese am Ileeieftc liacbrtcbton* Wotffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 19. August. Der Kaiser ließ an den Berliner Magistrat durch seinen dienstthuenden Flügeladjutanten lele- graphiren, er habe dem Oberpräsidenten Achenbach besohlen, bei der jetzigen Temperatur den Nachmittagsunterricht m den Schul en bis auf Weiteres auszufetzen- erbitte, ein Gleiches für die öffentlichen Schulen Berlins schon heute anzuordnen. Der Magistrat beschloß, unverzüglich die erforderlichen Anordnungen hierzu zu treffen, Bern, 19. August. Der deutsche Gesandte Bülow überreichte heute Vormittag dem Bundesrathe sein Abberufungsschreiben. Catania, 19. August. Der große Krater des Aetna schleudert mit lautem Getöse eine Menge Rauch und Steine bis zur Höhe von 160 Metern. Paris, 19. August. Die übermäßige Hitze dauert fort. Es werden neue Fälle von Sonnenstich gemeldet. Bei einem für den Markt von La Vilette angelangten Vtehtianspone sind 100 Stück Rindvieh und 300 Schweine durch Hitz, schlag gelobtet in den Eisenbahnwagen aufgefunden worden. Die Werkstätten der Kanonengießerei von Bourges wurden wegen der großen Hitze geschlossen. Paris, 19. August. Meldungen aus Havre zufolge kamen dort 12 choleraartige Erkrankungen vor und starben an jebem der letzten Tage drei Erkrankte. Petersburg, 19. August. Nach einem heute veröffentlichten Gesetze wird der Abschluß von Wuchergeschäften beim Getreideankauf von Bauern durch die Friedensrichter mit Arrest bis drei Monaten bczw. Gefängniß bis sechs N a ch t r a g. Das Großh. Ministerium der Justiz, des Cultus und bal mit Erlaß vom 13. b. Mts. eine Belohnung t 300 Mark für Denjenigen ausgesetzt, welcher solche gaben macht, die zur Ermittelung und Festnahme des aterS geeignet sind. Mannheim, den 15. August 1892. Großh. Untersuchungsrichter beim Großh. Bad. Landgericht Mannheim. Wengler. Gefunden: I Kinderstrohhut, 1 schwarzer Hut, 1 Kinder- chen, IJßaar Strümpfe, 2 Paar graue Handschube, 1 Hand- b 1 Stuck Band, 1 Schirm, 1 Badehose, 1 Peitsche, -pazierstöcke, 2 Bilderrahmen, 1 Sporn, 2 Hundemaulkörbe! i)undehalsbänder, 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Uhr ,l Kette und 1 Faß Branntwein. ®ie6en, den 20. August 1892. Großherzoglrchcs Polizeiamt Gießen. Fresenius. Ausschreiben. Der am 18. Juli 1858 zu Durlach (Baden) geborene, .rheirathete, bereits wegen Unterschlagung vorbestrafte Glosser, zuletzt Cassier Wilhelm Häusler — ner der Führer der hiesigen Socialdemokratie und in social- 'mokratischen Kreisen sehr bekannt, steht wegen Unter- chlagung von mindestens 15,000 Mark Gelder s von der socialdemokratischen Partei begründeten Medicinal- rbandes Mannheim und wegen Betrugs und Untreue er in Untersuchung. Seit dem Nachmittage des 6. d. Mts. ist Häusler ftüch- b — Richtung der Flucht bisher unbekannt. Socialdemokratische Kreise kommen bei der Ermittelung uptsächlich in Betracht. Indem ich den diesseits erlassenen Haftbefehl und das ignalement des Häusler beifüge, ersuche ich ergebenst unK ergische Fahndung. Monaten bestraft- außerdem müssen die Käufer den Preisunterschied ersetzen, um den sie den Verkäufer übervortheilten. Petersburg, 19. August. Nach amtlicher Mittheilung sind von gestern Mittag bis heute Mittag 92 Cholera- Erkrankungen und 13 Todesfälle vorgekommen. Auch im Gouvernement Tula sind bis zum 14. d. M. 38 Personen erkrankt und 11 gestorben. Moskau, 19. August. Der Verein deutscher Reichsangehöriger veranstaltete gestern zu Ehren Virchows ein zahlreich besuchtes Festmahl. Der Vicepräsident toastete aus Virchow, der mit einem Toast auf das gastliche Rußland erwiderte. Vor dem Diner besuchte Virchow mit seinem Sohne und anderen Aerzten das Friedrich Wilhelm Victoria- Stift und legte Lorbeerkränze am Denkmal Kaiser Alexander II. und Wilhelm I. nieder. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 19. August. Die „Vossische Zeitung" bespricht die Meldung der „Nationalzeitung" über die Aeußerung des Kaisers, betreffend die Nichteinsührung der zweijährigen Dienstzeit, und nennt die Aeußerung „ein klärendes Ereigniß". Die Meldung selbst sei richtig, da es ihr bereits länger bekannt sei, daß der Kaiser persönlich die zweijährige Dienstzeit bekämpfte. Die in größerer Oeffent- lichkeit erfolgte Verwerfung der zweijährigen Dienstzeit sei indeß nicht unbedenklich, weil doch eventuell die Nothwendig- keit eintreten könne, trotz der Abneigung der leitenden Stelle zu der zweijährigen Dienstzeit überzugehen. In solchen Fällen sei es immer besser, wenn die Verantwortung nicht dem Träger der Krone, sondern seinem berufenen Rathgeber zufalle. Unter den gegenwärtigen Umständen sei man freilich in der üblen Lage, eine Erörterung mit dem Kaiser, der persönlich spricht und handelt, nicht ganz aus dem Wege gehen zu können. Nach dieser Kaiserkundgebung seien die geplanten Militärvorlagen todtgeborene Kinder. Die zweijährige Dienstzeit sei heute die Forderung aller Parteien mit der alleinigen Ausnahme der Rechten. Berlin, 19. August. Auch der „Kreuzzeitui'g" wird die Aeußerung des Kaisers über die zweijährige Dienstzeit in der Hauptsache bestätigt. Berlin, 19. August. Die „Post" sagt über die Aeußerung des Kaisers, die Nachricht sei wohl mir großer Vorsicht aufzunehmen. Heber solche Aeußerungen werde in militärischen Kreisen stets Discretion bewahrt. Berlin, 19. August. In weiteren Kreisen wird angenommen, daß nach der Aeußerung des Kaisers über die zweijährige Dienstzeit die Amtstage Caprivis gezählt seien. Berlin, 20. August. Der Kaiser hat das nunmehr nach achtmonatlicher Arbeit vollendete gräfliche Diplom für Caprivi diesem am Donnerstag Abend nach dem Paradediner im neuen Palais persönlich überreicht. Berlin, 20. August. Den „Berliner Politischen Nachrichten^ zufolge werden in dem Entwürfe zum nächstjährigen Reichsetat die Summen für den Bau neuer Kriegsschiffe eine große Rolle spielen. Der nach der Denkschrift zum Etat für 1889/.90 vorgesehene Betrag dürfte indessen erheblich überschritten werden. Posen, 20. August. Von den in Gnesen und Posen zur Vertheilvng gelangenden Sperrgeldern wurden dem ehemaligen Erzbischof und jetzigen Cardinal Ledochowski 180,000 Mk. zugebilligt. Der Cardinal soll diese Summe dem Erzbischof v. Stablewski zur Verfügung gestellt haben. Spandau, 19. August. In der Königlichen Munitions- 1 fabrik wurde wegen der herrschenden Hitze der Betrieb eingestellt. Zahlreiche Arbeiter sind erkrankt. München, 19. August. Die Prinzen Ludwig und Leopold, sowie Herzog Max Emanuel wohnen auf eine kaiserliche Einladung hin den Kaisermanövern in Lothringen bei. Basel, 19. August. Ganz Grindelwald ist vollständig niedergebrannt,- der Bahnhof, alle Hotels, sowie Wohnhäuser sind zerstört. Nur wenige der Paffagiere konnten einen Theil ihres Gepäckes retten. Das Feuer ist um 21/t Uhr Nachmittags aus unbekannter Ursache im dritten Stock des Hotels „Zum Bären" entstanden, wurde von furchtbarem Föhn angesacht und erfaßte in kürzester Frist die anliegenden Hotels, dann den Bahnhof. Brennende Stücke flogen aus die Dächer und zündeten diese an. Die Telegraphenverbindung ist seit 4 Uhr unterbrochen. Soeben treffen die ersten geflüchteten Passagiere hier ein. Dieselben entwerfen ein herzzerreißendes Bild und sind alle derartig kopflos und von der Panik ergriffen, daß es unmöglich ist, von ihnen zuverlässige Informationen zu erhalten. So viel ist sicher, daß ganz Grindelwald in Flammen steht. Um 4 Uhr traf der erste Hilfszug der Feuerwehr ein, vier weitere folgten. Personen wurden bisher weder verletzt, noch sind solche umgekommen. Grindelwald, 19. August. Den letzten offiziellen Angaben zufolge sind 45 Wohnhäuser, 55 Scheunen und andere Gebäude bis aus den Erdboden verbrannt. Der Gebäudeschaden beträgt nach der Brandsteuerschätzung 654,000 Frcs., der Mobiliarschaden 450,000 Frcs. Fünfhundert Schweizer sind obdachlos und von allem entblößt. Ein Hilfscomit^ wurde gebildet. Der Ortspfarrer Straßer ift Vorsitzender, der Gemeindeschreiber Häseler Kassirer. • Budapest, 19. August. Nach dem offiziellen Berichte be* hindern die andauernde tropische Hitze und Dürre die Feldarbeiten. Da der Mais Regen erheischt, wird die Maisernte schwächer sein als im Vorjahre. Rüben versprechen eine schwache Mittelernte. Paris, 20. August. Dem „Temps" wird aus Rom gemeldet, daß in Genua, um jede Verletzung zu verhindern, die eintreffenden Schaffe ihrer Ankunft nach auf- gestellt werden. Petersburg, 19. August. Die amtliche Schätzung beziffert die Weizenernte im Reiche aus 38—40 Millionen, Roggen auf 112 Millionen. Weizen somit um 7 Millionen, Roggen um 22 Millionen besser als im Vorjahre. Warschau, 20. August. Der „Dniewnik Warzjawsky" meldet aus Petersburg, Rußland wünsche beim russisch- deutschen Zollübereinkommen die Aufhebung der Differentialzölle auf Getreide, sowie eine Zollermäßigung auf russisches Naphta, Aushebung der Differentialzölle aus russische Forstproducte und Zollsreiheit bei Flachs und Hans. London, 19. August. Nach statistischen Daten beträgt die Weizenernte 93,13 pCt., Gerste 97,14 pCt., Hafer 92,4 pCt., Kartoffeln 96,9 pCt. Weizen bleibt hinter der vorjährigen Ernte zurück. Schwimmende Vorräthe werden auf 2 Millionen Quartier, Lagervorräthe auf 2 bis 3 Millionen Quartier geschätzt. Malmö, 19. August. Der vierte scandinavische socialistische Arbeitercongreß wurde gestern eröffnet. Es sind 68 dänische, 53 schwedische und 10 norwegische Dele- girte anwesend. Unter den Theilnehmern befinden sich mehrere Landsthingsabgeordnete und der Advocat beim höchsten Gericht, Mayer-Norwegen. Bombay, 19. August. Die Weizenernte Ostindiens ergab 54,42 Millionen Metercentner gegen 68,76 Millionen Metercentner im Vorjahre. Konstantinopel, 19. August. Nachrichten aus Persien melden, daß dort in Folge der fieberhaften Thätigkeit der Anarchisten große Gefahr drohe. Die Behörden fliehen vor der Cholera, da deren Aushalten unmöglich sei. Sämmtliche an der türkischen Grenze gelegenen Zollstalionen sind mit Aerzten und Apotheken versehen. Washington, 19. August. Die Regierung beschloß, kein Schiff in den Häfen der Vereinigten Staaten landen zu lassen, wenn nicht von der Behörde constatirt ist, daß es ch olerafrei ist. Cocatc» und j-rovinzkeller. Gießen, 20. August 1892. — Vom Wetter. Nach einer Reihe recht heißer Tage, von denen sich besonders der 17., 18. und 19. August hervor- thaten, schien es gestern Abend, als ob eine Aenderung eintreten sollte. Leider war dies nicht der Fall, denn dem zu beobachtenden Wetterleuchten folgte nicht der gewünschte Regen, sondern ein heftiger Sturm. Derselbe hat einen großen Theil des durch' die andauernde Hitze ohnedies recht locker hängenden Obstes abgeschüttelt, so daß der Artikel „Fallobst" in diesen Tagen viel Angebot erfahren dürfte. Wie es scheint, hat die afrikanische Hitze nun etwas nachgelassen, sie ist aber immerhin noch groß genug, um das Suchen nach Kühlung erklärlich zu machen. Der Eisverbrauch der letzten Tage scheint ein ganz ungeheuerer gewesen zu sein, derselbe läßt aber auch aus einen großen Bierverbrauch schließen, und so sind neben den Eisverkäufern die Bierwirthe diejenigen, die eigentlich nicht unter der Hitze zu leiden hatten. Wie groß das Kühlungsbedürsniß in den heißen Tagen der verflossenen Woche war, zeigte sich auch an den Ufern der Lahn. Sowohl unsere schönen Badeanstalten wie das Freibad waren unausgesetzt das Ziel der von der Tages Last und Hitze erschöpften Menschheit. Besonders an den Abenden war der Weg nach der Lahn von Groß und Klein, Alt und Jung stark belebt. Möge der ersehnte Regen zum Wohle von Mensch und Thier, Wald und Flur bald eintreten; die „amerikanische Hitzwelle", der wahrscheinlich keine Eisberge auf dem Ocean in die Quere gekommen sind, hat uns Allen recht zugesetzt. — Verhaftet wurden gestern zwei Leute wegen Bettelns und Landstreichens. — Waldbrand. Ein gestern Nachmittag im Crum- bacher Wald ausgebrochener Brand hat sicherem Vernehmen nach circa 40 Morgen 20jährigen Nadelholzbestand vollständig vernichtet. Nur dem energischen Einschreiten, besonders der Förster, ist es zu danken, daß der Waldbrand nicht noch viel größere Dimensionen annahm. Man vermuthet Brandstiftung durch Jungen. — Tränkt die Thiere! Die „Worms. Zrg." schreibt: Bei der eben herrschenden tropischen Hitze ist es nothwendig, Thierhalter zu erinnern, denThieren doch das nöthigeTrink- wasser nicht vorzuenthalten. Außer der großen Hitze verursacht auch die jetzige Pflanzenkost großen Durst, da bei dieser Dürre dem Futter der gewöhnliche Wassergehalt abgeht. Viele Landwirthe haben zweckmäßig Selbsttränker eingerichtet, aber bei den „kleineren Leuten" sieht es in dieser Beziehung oft schlimm aus. Auch die Kettenhunde sieht man oft lechzend vor Durst, den heißesten Sonnenstrahlen ausgesetzt, was beides außer einer großen Thierquälerei auch oft die Ursache sich einstellender Tollwuth ist. Zweckmäßig dürfte es sein, das zu verabreichende Wasser nicht zu kalt zu geben. r. Großen Linden. 19. August. Der seitherige Bürgermeister I. Leun wurde bei der heutigen Wahl einstimmig wiedergewählt. Mit dieser Wiederwahl geben ihm seine Bürger ein Vertrauensvotum, das mehr als genug beweist, daß sie mit den Erfolgen und Bestrebungen seiner Amts- thätigkeit zufrieden und einverstanden sind. Herr Leun hat durch die Weiterentwickelung aller communalen Verhältnisse auf fester Basis, sowie durch zielbewußte Leitung aller Gemeindeangelegcnheiten sich das Vertrauen und die Achtung der gesummten Bürgerschaft erworben,- Kirche und Schule erkennen dankbar seine Fürsorge an. — Am Abend brachten sämmtliche hiesige Vereine durch einen Fockclzug und Musik dem Herrn Bürgermeister eine Ovation. r. Großen-Buseck, 18. August. Gravelotteseier im Veteranenverein. Den Gedenktag dieser Entscheidungsschlacht feierten die Kameraden des Vereins in herkömmlicher Weise. Am Abend versammelten sie sich, festlich gestimmt und militärisch decorirt, im VereinSlocal. Alsbald wurde ein stattlicher Zug aufgestellt, der sich unter den Klängen der Musikcapelle durch die Ortsstraßen bewegte und dem Herrn Ehrenpräsidenten eine Ovation darbrachte. Im VereinSlocal angekommen, unterhielten sich die Kriegskameraden im Beisein ihres Herrn Ehrenpräsidenten und der Spitzen der Ortsbehörde aufs trefflichste. Declamatorische und musikalische Vorträge wechselten mit „Hochs" auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit unsren Großherzog und wurden öfters durch feurige Ansprachen unterbrochen. So verlief der Jahrestag dieser Riesenschlacht, an dessen Feier sich auch die Frauen der Mitglieder betheiligten, in herz- erhebender Weise, gewürzt durch die innige Freundschaft und den offenkundigen Patriotismus aller Kameraden. M. Herbstem, 19. August. Seit einigen Tagen herrscht hier eine fast tropische Hitze. Das Thermometer zeigt im Schatten Morgens gegen 7 Uhr circa 24 Grad R, um 12 Uhr Mittags circa 34 Grad und Abends gegen 10 Ubr circa 25 Grad. Heute am 19. August war die Hitze derart unerträglich, daß eine aus dem Felde gegen Mittag heirn- kehrende Frau in Folge eines Hitzschlages ohnmächtig zusammenstürzte. Auf einem Schubkarren wurde dieselbe in ihre Wohnung gebracht, woselbst sie jetzt schwer krank darniederliegt. C. Ettingshausen, 19. August. Bei der am 16. ds. Mts- stattgefundenen Gemeinderathswahl wurden mit großer Majorität gewählt: Heinrich Keil V. mit 97 Stimmen, Kaspar Brock mit 94 Stimmen, Johannes Opper IV. mit 92 Stimmen. Einstimmig wurde Herr Ludwig Jox gewählt. Mainz, 18. August. Gestern Nachmitkag vermißte ein fremder Herr, der die Strecke Darmstadt-Mainz befahren hatte, bei dem Ankommen im Bahnhof eine Brieftasche mit etwa 1000 Mk. Inhalt - zwei fremde Herren in Reise- costüm, die gebrochen deutsch sprachen, sind verdächtig, den Diebstahl verübt zu haben. Auf der gleichen Strecke verlor gestern ein Reisender eine Brieftasche mit 6000 Mk. Inhalt. vermischtes. * Frankfurt a. M., 19. August. Wie ein Berichterstatter der „Frks. Ztg." zu melden weiß, ist die Lage der Familie Jäger eine derartig traurige, daß die Erziehung des 6 Jahre alten Sohnes durch das Waisenhaus in Erwägung gezogen wurde,- das 13 Jahre alte Mädchen ist über die Jahre der Waisenhauserziehung hinaus. * Nürnberg, 19. August. Der Magistrat hat insbesondere wegen der herrschenden Hitze und Trockenheit eine Reihe sanitärer Vorkehrungen gegen die Choleragefahr angeordnet. * Bremen, 19. August. Der neue Stahlviermaster „Aschdank", nach Australien unterwegs, ist der „Weserztg." zufolge sechs Wochen überfällig und gilt mit der Besatzung für verloren. * Wien, 19. August. D e nun den dritten Tag währende außerordentliche Hitze verursachte heute zahlreiche Unfälle. Heute Nachmittag allein sind sieben Personen vom Hitzschlage betroffen worden, die auf offener Straße zu- sammenfielen- zwei starben, die übrigen erholten sich bald. Schisssnachrichten. Bremen, 19. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Ter Schnelldampfer Trave, Capitän W. Reimkaften, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9. August von Bremen und am 10. August von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Br em en, 19. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer München, Cavitän C. Steencken, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. August von Bremen abgegangen war, ist gestern, 1 Uhr Mittags, wohlbehalten in Baltimore angekommen. Auszug aus den Sfan6csamtsregiftcm der Siadi Gießen. Aufgebote. August: 18. Friedrich Ludwig Zimmer, Großh. Brant ver- sicherungs-Jnspector zu Gießen, mit Kathinka Sophie Louise Will- mann zu Wald-Michelbach. 18. Friedrich Martin Emil Julius- Pausch, Lacktrer zu Gießen, mit Anna Caroline Christiane Kramer hierselbst. Eheschließungen. August: 16. Heinrich Theodor Gustav Schmidt, Kaufmann dahier, mit Justine Johanna Timpe zu Wetzlar. 17. Heinrich Lust, Hilssheizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen dahier, mit Johannette Eleonore Fay hierselbst. 18. Johann Jost Bergener, Kutscher dahier, mit Maria Neudeck hierselbst Geborene. August: 7. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Reeh eine Tochter. 9. Dem Maschinisten WUHelm Balser eine Tochter. 10. Dem Gütn arbeiter Karl Weber IV. ein Sohn, Joh. Heinrich. 11. Dem Bäcker Johann Jost Scheid eine Tochter, Marie. 14. Dem Maurer Gemg Dietz Zwillinge, ein Sobn, Heinrich Ludwig, und eine Tochter, Eltsabeih Caroline. 14. Dem Fabrikanten Hermann Eichenauer eine Tochter. 14. Dem Kaufmann Wilhelm Mades eine Tochter. 16. Dem Glasermeister Heinrich Gröninger ein Sohn, Heinrich Friedrich. 17. Dem Maschinenmeister Lorenz Odert ein Sohn, Ludwig. Gestorbene. August: 13. Mathilde Helene Klinkerfuß, 5 Monate alt, Tochter von Tapezier Johannes KlinkeNuß dabier. 14. Caroline Mayer, aeb. Reis, 61 Jahre alt, Ehefiau von Religionslehrer i. P Salomon Mayer dahier. 14. Sophie Kath. Balser, geb. Horn, 74 Jahre alt, Ehefrau von Ackersmann Leonhard Balser dahier. 15. Adam Fachtnger, 28 Jahre alt, Maurer von Lindenbolzhausen. 18. Lina Dörr, 21 Jahre alt, ledig, von Annerod. 19. Paula Kahn, 8 Monate alt, Tochter von Handelsmann Isaak Kahn zu Euskirchen. Auszug aus den TLircheubucheru -er Stavt Giesten. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 14. August. Ludwig Horn, Schlosser und Margarethe Nuhn, Tochter des Schuhmachers Philipp Nuhn zu Treis a. d. Lda. Den 16. August. Heinrich Theodor Gustav Schmidt, Kaufmann, ein Wittwer, und Justine Johanna Timpe, Tochter des Bauunternehmers Johann Joachim Friedrich Timpe von Wetzlar. Den 17. August. Heinrich Luft, Hilssheizer und Johannette Eleonore Fay, Tochter deS verstorbenen Schreinermetsters Wilhelm Christian Fay II. von Grüningen.