Nr. 92 Erstes Blatt. Donnerstag den 21. April GWench Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Die Gießener M««ttienötL1ter „erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. ' Der titlmtr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. 1892 Vierteljähriger Avonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogm 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: HchntSratze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden N immer bi» Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Nr. 21 des Michs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. d. M., enthält: (Nr. 2015.) Gesetz über das Telegraphenwesen des Deutschen Reichs. Vom 6. April 1892. Gießen, den 20. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v. Gagern._______ Bekanntmachung, betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach, hier den allgemeinen Meliorationsplan für den II. Bereinigungsbezirk. In der &it vom 22. April bis 5. Mai l. Js. liegen die Arbeiten des ersten Hauptabschnittes des II. Bereinigungsbezirks (Feld zwischen der Kreisstraße nach Garben- ttich und dem alten Anneroder Weg) nämlich: der allgemeine Meuoratlonsplan mit Erläuterungsbericht nebst den dazu ergangenen Beschlüssen der Vollzugscommission und dem Protokoll über die Prüfung dieser Arbeiten auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zu Jedermanns Einsicht offen. _ vermin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen diese Arbeiten habe ich auf Freitag den 6. Mai L I., Nachmittags von 3 bis 5 Uhr, in das Rathhaus zu Steinbach anberaumt. Die in diesem Termin nicht Erscheinenden sind mit Einwendungen ausgeschloffen. Gießen, den 16. April 1892. Der Vollzugsco.nmiffär: Nebel, Amtniann. Bekanntmachung, da» Ersatzgefchäft pro 1892 betrrff.nd. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jabr 1892 findet an den nach- benannten Tagen statt und zwar: I. Zu Gießen in dem friiheren Hofgerichts- gebände (B r a n d p l a tz). Montag den 25. April, Vormittags von 8 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen-Buseck, Hattenrod und Klein-Linden; Dienstag den 26. April, Vormittag von 8 Uhr on: derjenigen der Stadt Gieße» der beiden ältesten Jahrgänge (1890 und 1891); a Mittwoch den 27. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1892) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinde Heuchelheim,- Donnerstag den 28. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck; Freitag den 29. April, Vormittags von 8 Uhr an: Loosziehung. II. Zu Grimberg im Gasthaus zum Rappen. Samstag den 30. April, Vormittags von 8 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter und Lindenstruth; Montag den 2. Mai, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain. Dienstag den 3. Mai, Vormittags von 8 Uhr an: LvoSziehung Besondere Bestimmungen. 1) Zur Musterung haben sich, bei Meidung der gesetz- i lichen Strafen, zu stellen: Diejenigen, dem Großherzogthum Hessen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militärpflichtigen, welche a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil — ihre Heimath oder ihren ständigen Wohnsitz — haben und sich nicht in einem andern Theile söeikage: Gießener Jamitienökäb des Großherzogihums Hessen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) angegebenen Eigenschaften aufhalten; b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienstboten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, Handlungsdiener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehrburschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen; e) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Hessen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil besitzen oder sich aufhalten; und im Jahre 1872 geboren sind; ferner Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1890 bezw. 1891 zurückgestellt worden, oder nach ihrer gezogenen Nummer disponibel geblieben, d. h. nicht einberufen worden sind. Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist. 2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, haben ihre Loosungsscheine m i t z u b r i n g e n. 3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem V:.'-' oder seiner Mutter Zurück« Stellung in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforderlichen Nachweise und Zeugnisse vor dem zur Musterung an« beraumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amtlich ausgestellt oder beglaubigt sein. Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähig- keit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission ein- zusinden. Noch nicht eingereichte ZurücksteüungSausprüche sind bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei vorzubringen und die Verhandlungen baldigst — unter allen Umständen vor Beginn deS Ersatzgeschäftes — an die Ersatz Commission einzusenden. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. 4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Harthörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. f. w. nachzuweisen. DaS Vorhandensein von Epilepste ist durch die eidliche Erklärung von mindestens drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten. 5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei dem Aufrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Ersatz-Commission das Loos. 6) Die Großherzoglichen Bürgermeistereien haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehörigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtigen Militärpflichtige auf Grund der ihnen bereit» zugeganaenen Stammrollen zu der Musterung vorzuladen. Bemerkt wird hierbei, daß Militärpflichtige, welche sich au-wäri- aufhalten, rur Musterung nicht geladen werden dürfen, da solche nur an ihrem Aufenthaltsort gestellungspflichtig sind. Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinde im Musterungstermin rechtzeitig anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren \/2 Stunde vor der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des MusterungsgeschäfleS ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten. Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Haft befindet, so ift darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung des Gerichts vorzulegen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger »y Alle Annoncen-Bureaux be» In- und Auölandc» nehmen • Anzeigen für den „(Siebener Anzeiger- entqrqen. wegen gerichtlicher Bestrafung des Militärdienstes unwürdig ist, und sind deshalb die erforderlichen Nachweise amtlich ;u erwirken und vorzulegen. Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet Freitag den 22. April im Rathhaus zu Lieh, Donnerstag den 28. April in dem früheren Hof- gerichtsgebäude zu Gießen, Montag den 2. Mai im Gast haus zum Rappen zu Grünberg, di« Clasfifieirung der Mannschaften derR«serv«, der Landwehr ersten und zweiten Aufgebots und der Grsatz-Referve rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhällniffe statt. Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehr, männer ersten und zweiten Aufgebots, sowie die Ersatz. Reservisten, welche im Falle einer Einberufung auf Zurückstellung wegen häuslicher Verhältnisse einen Anspruch machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr, zu erscheinen und ihre Gesuche zu begründen. Gießen, den 25. März 1892. Der Civil-Vorsitzende der Ersatz-Commission des Kreises Gieße». Jost, Regierungsrath.__ Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Bürgermeister Johannes Wagner zu Reis, kirchen zum Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten daselbst ernannt und in diesen Eigenschaften heute verpflichtet worden ist. Gießen, den 13. April 1892. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Fresenius. Deutscher Reich. Berlin, 19. April. Der Kaiser trifft, einer amtlichen Nachricht zufolge, am 20. d. Mts. auf der Wartburg ein, um in den Forsten der Umgebung der Auerbabnbalz obzulicgen. Soweit bekannt, gedenkt der Kaiser am 22. April wieder in Berlin einzutreffen. (S. „Neueste Nachr.") — In den Gedanken, daß die jüngste Kanzler- und Mmrsterkrisis mit den stattgefundenen Veränderungen im preußischen Cabinet ihren vorläufigen Abschluß gesunden hat, kann sich die öffentliche Meinung noch nicht recht finden. Davon zeugen die immer wieder auftauchenden Gerüchte von dem angeblich bevorstehenden Ausscheiden dieses oder jenes Mitgliedes aus dem Staatsministerium, daneben wird von der Nothwendigkeit gesprochen, dem neuen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg ein Fachministerium zu übertragen, und endlich sollen Gegensätze zwischen deup Grafen Eulenburg und dem Finanzminister Dr. Miquel aufgetaucht sein. Trotzdem, daß diese Gerüchte mit einer gewissen Bestimmtheit auftreten, dürften sie doch nichts als bloße Vermuthungeu ohne einen greifbaren Hintergrund fein, die höchstens eine einfache Er- wähnung verdienen. — Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Reichskanzler hat zum Vorsitzenden der Commission für Arbeiter- statistik den UnterftaatSfecretär von Rottenburg und zum Mitgliede dieser Commission den Direetor des Kaiserlichen Statistischen Amts von Scheel ernannt. Zu Mitgliedern der Commission sind gewählt vom Bundesrath: der preußische Ministerialdirector Lohmann, der bayrische Regierungsrath Rasp, der sächsische Regierungsrath Morgenstern, der württem- bergische Oberregierungsrath von Schicker und der badische Oberregierungsrath Wörishoffer- vom Reichstag: die Reichs- tagsmitglieder Biehl, vr. Hartmann, vr. Hirsch, Hitze, Schippe! und Siegle. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Nachtragsetat betreffend die strategischen Babnen sowie das Gesetz betreffend die Aushebung der Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg. — Wie die Abendblätter melden, ist in der Reichsbank bei einem Lombard Unterpfand ein Manco von 50 000 Mark Consols entdeckt worden, so daß der Verdacht einer Unterschlagung vorliege. — Staatsminister Rudolf Delbrück feierte am Samstag seinen 7 5. Geburtstag, welches Ereigniß wieder einmal die Aufmerksamkeit aus diesen schon seit Jahren in der Oeffcntlichkeit nicht mehr hervorgetretenen verdienten Politiker lenkt. Rudolf Delbrück gehört zu den bedeutendsten nationalen Staatsmännern unseres Volkes, denn nachdem er 1867 als Präsident an die Spitze des neuen Bundes« kanzleramtes getreten war, hat er ein Jahrzehnt hindurch dem Fürsten Bismarck in der ersten Ausgestaltung des neuen deutschen Nationalstaates treulich als unermüdlicher Helfer zur Seite gestanden und aus den verschiedensten Gebieten Hervorragendes und Bleibendes geleistet. Tiefgehende Meinungsverschiedenheiten, in welche Delbrück mit dem Fürsten BiSmarck in den Fragen der Zoll-- und Handelspolitik gerieth, veranlaßten ihn, im Jahre 1876 aus dem Reichs- und Staatsdienste auszuscheiden, woraus er in der Legislaturperiode von 1878 bis 1881 dem Reichstage als Vertreter Jenas angehörte. Seitdem ist Rudolf Delbrück politisch fast nie mehr hervorgetreten, aber dies hindert nicht, daß ihm anläßlich seines 75. Geburtstages die Dankbarkeit des deutschen Volkes aufs Neue kund wird und erfreulicher Weise sind denn auch Rudolf Delbrück zu seinem Ehrentage zahlreiche Beweise herzlicher Theilnahme und ausrichtiger Verehrung zugegangen. München, 18. April. Der Nestor der hiesigen medizinischen Fakultät, Professor Dr. Franz Seitz, ist gestern im 81. Lebensjahre gestorben. Ausland. Wien, 16. April. Die „Neue Freie Presse" hält die Nachricht von einer bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Mary von Edinburg mit dem rumänischen Kronprinzen aufrecht. Wien, 16. April. Turiner Anarchisten kündigten durch Drohbriefe an, daß sie die dortige Börse in die Luft sprengen würd en. Wien, 19. April. Italienische Blätter melden, daß die Casinosäle in Monte Carlo vorläusig geschlossen wurden, weil wiederholt Melinitpatronen in den Casinosälen gefunden worden seien. Zwanzig Verhaftungen wurden vorgenommen. Athen, 16. April. Wegen des Ueberhandnehmens von schweren Verbrechen in Griechenland hat König Georg dem Justizminister gegenüber seine feste Absicht kundgegeben , jedes Urtheil zu unterzeichnen und von seinem Begnadigungsrecht einstweilen keinen Gebrauch machen zu wollen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphische- Lorrespondenz-Vureou. Berlin, 19. April. Der Kaiser begibt sich nächsten Donnerstag Nachmittag nach Eisenach und zur Jagd auf die Wartburg. Nach einem Besuche bei dem Grasen Görtz, gen. v. Schlitz, wird der Kaiser den Schießplatz in Meppen in- spiciren, sodann am 29. nach Oldenburg und Wilhelmshaven sich begeben. Die Rückkehr nach dem Reuen Palais wird zum 1. Mai erwartet. Die Kaiserin siedelt mit den Prinzen Ende dieser Woche nach dem Neuen Palais in Potsdam über. Bremen, 19. April. Die Rettungsstation Putgarten tclcgraphirt: Am 18. April von dem bei Arconariff gesunkenen deutschen Schuner „Johanna", Capitän Berg, vier Personen gerettet durch das Rettungsboot „H. H. Meier" der Station Putgarten. Heftiger Ostwind, hoher Seegang. Boot drei Stunden unterwegs. Genf, 19. April. Heute Vormittag 10 Uhr ist hi°r der Zweite internationale Congreß für Chemie eröffnet worden. Budapest, 19. April. Das ungarische Telegraphen« Correspondenz - Bureau erführt authentisch, die rumänische Regierung habe das Verbot der Einfuhr von Thieren und ihierischen Rohproducten ungarischer Provenienz ausgehoben. Paris, 19. April. In den ersten drei Monaten dieses Jahres importirte Frankreich aus Deutschland Maaren im Werthe von 109 Millionen Francs und exportirte nach dort für 80 Millionen Francs Maaren. Petersburg, 19. April. Auf den Bodenräumen des Winterpalais entstand Sonntag Nachts ein Brand durch Berühcung der Drähte der elektrischen Beleuchtung. Mehrere electrische Elemente enthaltende Holzkästen sind zerstört. Das Feuer blieb aus den Bodenraum beschränkt und wurde bald gelöscht. Um Mitternacht wohnte das Kaiserpaar der Osterfrühmesse in der Capelle des Wintcrpalais bei und folgten sodann die Ostergratulationcn. Depeschen de« „Bure-u Herold'. Berlin, 19. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Ministerialerlaß, betr. Heilighaltung der Sonn- und Feiertage, nebst dem Entwurf einer bezüglichen Poli- zeiverordnung. Berlin, 19. April. Nach der „Nationalzeitung" erfolgt der Besuch des italienischen Königspaares in Berlin am 9. Juni. Berlin, 19. April. Das Präsidium des deutschen Handelstages bereitet schon die Bildung einesComites für die Berliner Weltausstellung vor. Die Einladungen an die betreffenden Notablen des deutschen Handelsstandes erfolgen demnächst. Berlin, 20. April. Die „Kreuzzeitung" meldet aus Wien: Dem nächstens erfolgenden Zusammentritt des Reichsrathes geht eine Ministerberathung über das Reichsbudget voran. Wilhelmshaven, 19. April. Es verlautet, der Kaiser treffe Ende April hier ein. Greifswald, 19. April. Die theologische Facultät ernannte den früheren Cultusminister v. Zedlitz zum Ehren- doctor. Lübeck, 20. April. Der socialdemokratische Parteitag stellte für die nächsten Wahlen als Candidaten u. A. in Schwerin Wismar Redacteur Groth - Bielefeld, Malchin- Waren Schwarz Lübeck, Rostock Doberan Kretzschmar, Mecklen- burg-Strelitz Lütgenau auf. Wien, 19. April. Der Herzog von Cumberland hatte heute eine einstündige Conserenz mit Kalnoky. Pest, 19. April. Das Justizministerium bereitet ein neues Ehegesetz vor, wonach die Verschiedenheit des Bekenntnisses künftig kein Ehehinderniß sein soll, die Wiederverehelichung auch geschiedenen Katholiken gestattet werden, die Priester nur als Mandatare des Staates die Trauung vornehmen sollen. London, 20. April. Gladstone erklärte sich in einer Flugschrift über das Stimmrecht der Frauen gegen die Emancipation. Die Frage sei noch nicht reis für das Eingreifen der Gesetzgebung. London, 20. April. Die letzte Abstimmung der Bergleute in Durham ergab eine Majorität von über tausend Stimmen für Fortsetzung des Strikes. San Francisco, 19. April. Heute früh 3 Uhr erfolgten mehrere Erdstöße. In mehreren Dörfern wurde großer Schaden an Gebäuden und Inhalt angerichtet. Personen wurden nicht verletzt. Locales utt6 provinzieller. Gießt», 20. April 1892. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadverordneten Donnerstag den 21. April 1892, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des Georg Koch um Erlaubniß zur Erbauung einer Beamtenwohnung bei seinem Thonwerk. 2. Gesuch des Emil Kalbfleisch um Erlaubniß zur Aufführung einer Arbeitshütte am Schiffenbergerweg. 3. Gesuch des Architecten Stein um Erlaubniß zum Bauen am Seltersweg. 4. Gesuch des Carl Weidig um Erlaubniß zum Bauen in der Sonnenstraße. 5. Gesuch des Johannes Häuser von Kleinlinden um Erlaubniß zum Bauen in der Liebigstraße. 6. Gesuch des A. Bock um Herstellung einer Einfriedigung, hier: Verpachtung städtischen Geländes. 7. Neubau einer zweiten evangelischen Kirche, hier: Ueberwölbung des Schoorgrabens entlang des Kirchenbauplatzes. 8. Vermiethung von zwei Kellern unter dem Realschulgebäude. 9. Gesuch des Gustav Patz um Vermiethung der Kellerräume unter der Turnhalle bei der Realschule. 10. Die Grabenstraße, hier: Gesuch des Architecten Stein um Freigabe der von ihm gestellten Caution. 11. Benennung der Straßen, hier der Sonnenstraße. 12. Ausbau des Erdkauterwegs. 13. Die Dienerstelle für das Schulgebäude in der Schulstraße. 14. Decretur von Kostenrechnungen. 15. Die Durchführung des Reichsgesetzes über die Gewerbegerichte vom 29. Juli 1890. 16. Gesuch des L. Seuling und Chr. Hohmeier um käufliche Ueberlassung von Hospitalgelände. 17. Ausübung der offenen Armenpflege. 18. Gesuch des L. Berger um Wirthschastsconcession für das Haus Damm- straße 39, in welchem Wirthschast betrieben wird. — Feuer. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Osterseiertag brannten die zur Hosraithe des Herrn Oeconom Lamp u s am Seltersweg gehörigen Scheuer und Stallungen, sowie ein zur Restauration Busch gehöriges Nebengebäude nieder. Die den meistens aus Fachwerk bestehenden Nachbargebäuden drohende Gefahr konnte durch energisches Eingreifen der Feuerwehren abgewendet werden. — Ernennungen. Am 13. April wurde der Gerichtschreiber bei dem Amtsgericht Grünberg Heinrich Wießner zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Beerfelden und der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Beerfelden Johann Georg Franz Schnellbächer zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Grünberg, beide mit Wirkung vom 1. Mai 1892 an, ernannt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt: Durch Allerhöchste Entschließungen Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 31. März dem Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zu Gießen Georg Schneider, vom 15. März dem Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B. Ludwig Gartner, vom 10. April den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B. Ludwig Greiner und F. Martin Klenz. — Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Zwei Lehrer- tellen an der kath. Schule zu Lampertheim, Kr. Bensheim'- mit der einen derselben ist 'ein Gehalt von 1000 Mk., mit der anderen ein nach dem Dienstalter sich bemessender Gehalt von 1000 bis 1400 Mk. jährlich verbunden. — Der Getreidemarkt. In Folge des in den letzten Tagen kälter und trockener gewordenen Wetters, dem man Nachtheile für den Saatenstand zuschreibt, war die Haltung der deutschen Weizenmärkte zunächst sehr fest. An eine wirkliche Preissteigerung für Weizen und Roggen war aber nicht zu denken, denn zu den von den Verkäufern etwas erhöhten Preisen sanden sich keine Käufer, die Haltung schwächte sich ab und schließlich wurde wieder zu billigeren Preisen gehandelt. Zu dieser Gestaltung des Getreidemarktes trug offenbar der Umstand auch viel bei, daß die Saatenstandsberichte aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland und Amerika fortgesetzt gut lauten, und daß in Indien, Syrien und Egypten demnächst schon die Weizenernte unter günstigen Verhältnissen tattfinden wird. Enorm groß müssen auch in Amerika die Weizenvorräthe noch sein, denn auf der Newyorker Getreidebörse sind in den letzten Tagen die Preise wiederholt gefallen. Weizen wurde per Tonne (20 Centner) zu 188 bis 214 Mk., Roggen per Tonne zu 197 bis 203 Mk. und Hafer zu 145 bis 170 Mk. gehandelt. — Für Gastwirthe. Das Großh. Ministerium hat ent- chieden, daß Bierflaschen mit dem bekannten Drahtbügelverschluß, dem sog. Patentverschluß, als verschlossen im Sinne des § 7 des Reichsgesetzes vom 20. Juli 1881 nicht Zu erachten sind. Solche Flaschen müssen deshalb gesetzlich geaicht sein. -r- Nieder Ohmen, 16. April. Der diesjährige Sommerahrplan bringt eine für unfern Ort nicht gerade erfreuliche Aenderung. Der Zug 3^ Uhr Nachmittags soll an unserer Haltetelle nicht mehr halten. Diese Maßregel wird hier schwer verstanden, da nunmehr von Mittags 12 Uhr bis Abends 3/49 Uhr keine Bahnverbindung nach Grünberg und Gießen besteht. Wir hören, daß man in den in Betracht kommenden Gemeinden: Nieder-Ohmen, Bernsfeld, Weitershain, Rüd- dingshausen, Atzenhain und Elpenrod eine Petition an die Land stände plant. Lauterbach, 13. April. Einen in mancher Beziehung empsehlenswerthen Beschluß hat der Kreistag des Kreises Lauterbach in seiner letzten Sitzung gefaßt. Seither war vler Wo h lthätigkeitsanst alten die Erlaubniß ertheilt worden, im Kreise für ihre Zwecke Gelder zu sammeln. Diesen Anstalten soll nun diese Erlaubniß in Zukunst nicht werden- dafür sind ihnen aber Subventionen aus Mitteln der Kreiskaffe bewilligt, deren Höhe entspricht dem durchschnittlichen Betrage der Reinerträge der in den letzten fünf Jahren veranstaltenen Collecten. Michelstadt i. O., 18. April. Hier hat heute, am zweiten Osterseiertag, Nachmittags ein 22jähriger Barbiergehülfe und tüchtiger Musiker ein junges Mädchen auf offener Landstraße mit Revolverfchüssen lebensgefährlich verletzt und sich auf der Stelle selbst durch zwei Schüsse in den Kopf um- Leben gebracht. vermischtes. * Wiesbaden, 19. April. Der Dichter Friedrich Bodenstedt ist gestern Abend 9 Uhr an Lungenentzündang gestorben. * Eassel, 18. April. Wie aus vorliegender Nummer (im Jnseratentheil) ersichtlich, findet hier am 9. und 10. Mai im Saale des Kunsthauses die Versteigerung der Gemälde- sammlung Habich statt. Besichtigung kann schon am 7. und 8. Mai stattfinden. Wir machen auf diese günstige Gelegenheit, werthvolle Gemälde zu erstehen, ausdrücklich aufmerksam. * Mannheim, 16. April. Zwei Mädchen, die 19jährige Marie Kurz und die 20jährige Johanna Eisele, haben gestern gemeinsam den Tod im Rheine gesucht und gefunden. Das Motiv des Doppelselbstmordes soll Liebeskummer gewesen sein. Ferner hat der hier wohnhafte Kaufmann Hut sich in seiner Wohnung aus unbekannten Gründen den Hals abgeschnitten. * Oldenburg, 16. April. Heute begann vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts die Verhandlung gegen den Pastor Müller aus Goldenstedt. Die Anklage zählt 46 Vergehen gegen die Paragraphen 267 und 268 des Strafgesetzbuchs (Urkundenfälschung), 30 Fälle von Unterschlagung und 6 Fälle versuchten Betrugs aus. Seit 1881 verübte Müller seine aus mehr als eine Million belaufenden Betrügereien. Der Angeklagte ist völlig geständig. — Pastor Müller wurde zu 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. verurtheilt. Derselbe nahm das Urtheil völlig gleichgültig entgegen. * Bremen, 17. April. Aus authentischer Quelle verlautet, daß der Norddeutsche Lloyd den Schnelldampfer Eider nicht wieder in Dienst stellen, sondern denselben, da eine Wiederinstandsetzung sehr hohe Reparaturkosten ersorderu würde, verkaufen wird. * Loudon, 19. April. Im Bahnhof Hampstead entstand bei der Rückkehr der Menge von Ausflügen ein starkes Drängen, wobei mehrere Personen getödtet und zahlreiche verwundet wurden. * Wenn in Sprottau Holzauktion ist. In Sprottau fand jüngst eine Holzauction statt, welche rund 1000 Mk. brachte. Die Stadtverordnetenversammlung sand es nun unerhört, daß zur Ankündigung dieser Auction 700 Mk. für Zeitungs- inserate verausgabt worden und beschloß, den Magistrat regreßpflichtig zu machen. In Folge dessen haben die sechs unbesoldeten Stadträthe und der Forstdecernent, Forstmeister Passow, ihre Aemter niedergelegt. * Ein verkannter Löwe. In Sobernheim wurde beim Auswerfen eines Kellers eine einen sitzenden Löwen darstellende Figur gefunden, die man für eine gußeiserne hielt. Dieselbe ging in Besitz eines Juweliers für 30 Mk. über. Dieser fand bald, daß der Löwe aus Silber hergestellt ist und einen Werth von etwa 4000 Mk. hat. * Electrische Schnellzug-Locomotive. Die Firma Brown, Boveri & Co. in Baden läßt zur Zeit in ihren Werkstätten die größte electrische Locomotive der Welt und eine der größten Locomotiven überhaupt Herstellen. Die Maschinen dieser Locomotive werden eine Leistung von 2000 Pserde- krästen besitzen. Diese Kraft wird an acht Triebachsen abgegeben, von denen jede direct einen Electromotor trägt, so daß keinerlei Untersetzungsmechanismus (Reibung) nothwendig ist. Die electrische Locomotive soll eine ganz bedeutend größere Fahrgeschwindigkeit gestatten, als sie mit den gebräuchlichen Dampslocomotiven bisher möglich war. In der nächsten Zeit soll die neue Locomotive auf der Eisenbahn ihre Probefahrten machen. Verkehr, Land- nnd Dolffsum . «rünberg, 16. April. Frachtpreise. Weizen^—.— Korn vti* 20.00, Gerste JL 16.00, Hafer JL 14.00, Erbsen Linsen JC —, Wicken JL —— Lein X ——, Kartoffeln Jt ' Samen vM ——. Lauterbach, 19. April. Am Wochmmarkt vom 16. April waren angtfobxn: 75 Kilo Korn, Mk. 22,—, 100 Kilo Gerste Mk. 17 -, 1850 Kilo Haier, Mk. 13,30, 200 Kilo E'bsen, Mk 21 112 Wicken, Mk. 16—, 725 Kilo Kartoffeln, Mk. 8,47 pro 100Kilo' — Auf dem Gebiete der Volksernährung ist es der Hohenlohe- schen Präseroei.fabrik, die sich öte Bereitung billiger und kräftiger Nährmstnl nach hygienischen Grund'ätzen zur besonderen Ausgabe macht, gelungen, eine neue Suppe in den Handel zu Dringen, die viel Bestall findet und auf der Leipziger Ausstellung in Fochk^iken fich 0’öfter Anerkennung erfreute. Es ist dies die Hohenlohe'sche Nährsuppe, hergesttlll aus Legumtnofin und etnuemahlenen prä- paiuten rA.müien mit und ohne Flerschbiühe. Die Suppe mit concent.irter Fleischbrühe, nur mit Wasser g.kocht, ist in 15 bis 20 Minuten vollständig tischfertig. Die Poriton kostet etwa 2 Pfg. Es ist bekannt, daß z B. ein P'und Erb en mehr Blut erzeug nde Stoffe als das gleiche Gewicht an Fletsch haben, aber durch Zugabe von eingemahlenen Gemüsen wird die Nährkraft noch