1892 Rr. 245 Erftes Blatt Donnerstag den 20. October Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Anmttienbtälter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. HießenerAnzeiger Kenerat-Anzeiger. Bierteljähriger Avounementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gieren. Annah me von Anzeigen zu der Nachmittags für den I folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Hratisöeitage: Kießener JamitienöMtter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen betreffend. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld 1) Samstag den 22. Oktober l. I., Abends 7 Uhr zu Lich int Saale des Herrn Gastwirths Glöckner einen Vortrag „über rationelle Fütterung des Milch- und Mastviehes und Züchtung und Aufzucht des Rindes", 2) Sonntag den 23. October l. I., Nachmittags 3 Uhr zu Muschenheim im Saale des Herrn Gastwirths Konrad Roth einen Vortrag „über die Anwendung der künstlichen Dünger und die Gründüngung", 3) Samstag den 5. November l. I., Abends 8 Uhr im Saale des Herrn Wirths Faber zu Watzenborn einen Vortrag „über Bodenkultur und Drainage" 4) Sonntag den 6. November l. I., Nachmittags 3 Uhr zu Weitershain im Saale des Herrn Gastwirths Theiß einen Vortrag „über Schweinezucht und Mast", 5) Samstag den 12. November l.J., Abends 7 Uhr im Rathhaussaale zu Inheiden einen Vortrag „über Wiesenverbefferung und Drainage" 6) Sonntag den 13. November l. I., Nachmittags 3 Uhr zu Lollar in dem Saale des Gasthauses zum Schwanen einen Vortrag über das Thema „Wie bringt der Landwirth in futterarmen Zeiten sein Vieh am Besten durch den Winter?" abhalten wird. Zu diesen Vorträgen werden alle Mitglieder des land- wirthschastlichen Vereins und alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 13. October 1892. Der Director des landwirtbschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost. Neueste Wolffs telegraphisches Eorresnondenz-Bureau. Berlin, 18. October. Der Kaiser empfing heute im hiesigen Schlosse den Oberbürgermeister Zelle. Berlin, 18. October. Heute Vormittag 10 Uhr sand im königlichen Schlöffe in Gegenwart des Kaisers die Nagelung und Weihe der neuenFahne des zweiten Bataillons des Infanterieregiments Goeben statt.- Außer dem kaiserlichen Hauptquartier und einer Deputation des Regiments mit dem Obersten Bilfinger an der Spitze, nahmen Theil Caprivi und Generaloberst Pape. Nach der Nagelung im Rittersaale folgte im Capitelsaale unter Assistenz des katholischen Garnisonpsarrers Theinert die Weihe durch den Militär-Oberpfarrer Fromme!. Er sprach über Sprüche Salo- monis 17, 6, gab eine Geschichte des Regiments, gedachte des Kaisers Friedrich, dessen Laus auch durch Kamps zum Sieg und durch Krieg zur Krone gegangen sei, und weihte die Fahne pro gloria patriae. Berlin, 18. October. Heute Mittag sand die Grundsteinlegung der Kaiser-Friedrich-Gedächtnißkirche im Thiergarten statt. Der Kaiser erschien um 111/2 Uhr, begleitet von einer Schwadron Gardedragoner. Der Feier wohnten bei die Prinzen, die Generalität, die Offiziere des früheren persönlichen Dienstes bei Kaiser Friedrich. Die Ehrencompagnie stellten die Gardesüsiliere. Der Kaiser trat an den Grundstein unter „Heil Dir im Siegerkranz", es folgten die Hammerschläge unter dem Gesang „Eine feste Burg ist unser Gott". Die Weiherede hielt Prediger Stechow von der Dorolheenstädtischen Mutterkirche. Der Kaiser vollzog de drei Hammerschläge mit dem Bibelspruch : „Dieser Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, ist zum Eckstein geworden." In Vertretung der Kaiserin vollzog die Prinzessin Leopold die Hammerschläge. Alsdann folgten die Prinzen, die Prinzessinnen, der Reichskanzler, der Ministerpräsident, General Hüllessem, die Minister, General Versen. Hieraus Schlußgebet und Gesang. Der Kaiser verlieh dem Gemeinde- ältesten Pinker den rothen Adserorden vierter Klasse, dem Prediger Stechow den Kronenorden dritter Klaffe. Berlin, 18. October. In der heutigen Landtagsersatzwahl im ersten Berliner Wahlkreis wurde Rechtsanwalt Träger gewählt» Rotterdam, 18. October. Amtlich wird mitgetheilt: Letzte Woche starben 34 Personen gegen 44 in der Vorwoche- im Ganzen starben in ganz Holland 164 Personen, davon in Rotterdam 19, in Utrecht 14 und in Amsterdam 6. Stockholm, 18. October. Der Reichstag wurde heute Nachmittag vom König mit einer Thronrede eröffnet. Darin wird ausgesprochen, der Reichstag werde wegen der Frage der Armee-Reorganisation zu einer außerordentlichen Session voraussichtlich von kurzer Dauer einberufen. Der neue Reorganisationsvorschlag sei aus derselben Grundlage ausgebaut wie der frühere. Auch die Kosten überstiegen nicht die der früheren Vorlage. Am Schluffe forderte der König auf, die Parteistreitigkeiten ruhen zu lassen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 18. October. Nach der „Nationallib. Corresp." verlautet zuverlässig, die Veröffentlichung der Militär- voringe erfolge nicht vor dem Zusammentritt des Reichstags. Wegen der Mehraushebung von 60000 Mann Rekruten halte die Regierukrg-?^hr entschieden an dem Quinquennat fest. Bei dem Scheitern oet Vorlage dürste die Auflösung des Reichstags ernstlich in Frage kommen. — Die sonstigen Aufgaben des Reichstages sind möglichst beschränkt. Das Trunk- suchts- und Checkgesetz toerb'fc nicht wieder eingehen, dagegen das Spionagegesetz, die Vorlage zur Bekämpfung der Unsittlichkeit und das Seuchengesetz. Die Verschärfung des Preßgesetzes befindet sich noch im ersten Stadium der Vor- berathung. Berlin, 18. October. Heute Vormittag sand im Beisein des Kaisers die Grundsteinlegung der Kaiser- Friedrich-Gedächtnißkirche'im Thiergarten statt. Berlin, 18. October. Gestern trat der Bun des- rathsäusschuß für Handel und Verkehr zusammen und berieth eine Reihe von Petitionen, ferner beantragte der Bundesrath die Annahme der Anträge. Preußens, betreffend Gestattung des Feilbietens von Bier im Umherziehen, des Antrages Bayerns betreffend Ausscheiden der bayerischen Staatsbaubetriebe aus der Tiesbaugenossenschast und die neuen Bestimmungen über die Statistik der Krankenkassen. Berlin, 18. October. Die erste Nummer des socia- listischen Blattes für kaufmännisch Angestellte, „Der Handelsangestellte", ist heute erschienen. Hamburg, 18. October. Gestern erkrankten 8 Personen, 3 starben. Köln, 18. October. Der „Köln. Volksztg." zufolge kündigte das seit 1856 bestehende Grobblechwalzwerk der Gebrüder Marcotty in Duisburg-Hochfeld seinen sämmt- lichen Beamten und Arbeitern, da dasselbe Ende October zu arbeiten aufhört. Stuttgart, 18. October. Otto Baisch, Chefredacteur der Zeitschrift „Heber Land und Meer", ist gestorben. Marseille, 18. October. Privatnachrichten melden aus Porto-Nowo, die französische Colonne in Dahomey fei auf unerwartete Terrainhindernisse und kaum angreifbare Verschanzungen des Königs Behanizns gestoßen. Die Expe- ditionscolonne befinde sich in einer sehr schwierigen Lage. Hongkong, 18. October. Mit dem Schiff „Bokhara" sind von 200 Personen 170 ertrunken, darunter 20 Passagiere, 3 Offiziere und 3 Sergeanten der Hongkonger Garnison. Feuilletsn. Chicago. Von Ernst Otto Hopp. (Schluß.) Das deutsche Element der Stadt machte sich bereits 1843 bemerkbar - die Namen Karl Sauter, Karl Stein, Johann Pfund, K. Walter, G. Scheirer werden als die ersten genannt. Ein Jahr später rüsteten sich auch die Deutschen Chicagos zur Abwehr gegen den amerikanischen Nativismus und Fremdenhaß- in einer allgemeinen Versammlung, in der die Deutschen Brehl und Baumeister Ansprachen hielten, wurde beschlossen: „Da nach der Verfassung des Landes kein Unterschied besteht zwischen den Rechten der eingeborenen und der eingewanderten Bürger, so sind wir es uns selbst schuldig, daß wir unsere Rechte eifrig überwachen und selbst den kleinsten Versuch, solche zu beeinträchtigen, mit der entschiedensten Verachtung zurückweifen." Der „Chicago Volks- sreund", aus dem sich später die „Illinois Staatszeitung" entwickelte, das beste der deutsch-amerikanischen Blätter Amerikas, wurde 1845 begründet. Einer der bedeutendsten deutschen Männer in Chicago war in den 50er Jahren Franz A. Hoffmann, der zuerst Schullehrer, dann Prediger und darauf Redacteur war- er errichtete ein Bureau für Landverkäufe und war in diesem Geschäft sehr erfolgreich, bald wurde er ein reicher Mann. Chicago zählte 1848 nahezu 11,000 Einwohner, und ist ihm ganz besonders verpflichtet sür feine unablässigen Bemühungen, die Aufmerksamkeit Deutschlands auf die schnell aufblühende Handelsstadt zu lenken. Auf eigene Kosten veröffentlichte er Jahre hindurch eine'jährliche Uebersicht über die Industrie, fcen Handel und die Fortschritte der Stadt- in Tausenden von Exemplaren wurde dieser Ausweis nach den deutschen Handelsplätzen gesandt. Große Summen Geldes wurden durch Hoffmanns Vermittelung in Chicago angelegt, viele Jahre lang bekleidete er mehrere Consulate für Deutschland. Nachdem der Canal fertiggestellt worden war, der den Michigansee mit dem Mlssissippistrom verbindet, wuchs Chicago ganz erstaunlich- auch die Eisenbahnverbindung, die mit jedem Jahre bester wurde, trug viel zu dem raschen Wachsthnm der Stadt bei. Chicago hatte 1850 erst 29,963, 1870 aber schon 298,977, 1880: 503,185, 1890: 1,086,000 und soll jetzt (1892) bereits gegen 1,500,000 Einwohner zählen. Hierbei muß jedoch bemerkt werden, daß die amerikanische Statistik selten ganz zuverlässig ist. Als bei einer Volkszählung vor einer Reihe von Jahren St. Louis und Chicago in hartem Kampfe lagen, welches die größere Stadt fei, ging der Localpatriotismus reicher Bürger Chicagos so weit, daß sie aus den nächstgelegenen Ortschaften und Städten schnell mehrere tausend Personen nach Chicago schafften, damit ihre Stadt bei dem Census die Oberhand gewinne. So ist denn auch die Nachricht, daß Chicago feit 1890 um mehr denn 400,000 Einwohner gewachsen sei, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Zur Weltausstellung von 1893 wird Chicago vielleicht nahe vor der zweiten Million stehen oder sie gar erreicht haben, — allerdings nur aus dem Papier, das bekanntlich geduldig ist. Die Sucht der Angloamerikaner, überall „the biggest“, das Allergrößte, zu erreichen und zu zeigen, zeitigt sonderbare Blüthen. Um nur em Beispiel zu erwähnen, rechnen die amerikanischen Geographen beharrlich aus, daß der Mississippi der größte Strom der Erde sei, sowohl seiner LÄn^t'als seinem Flußgebiete nach, obwohl er in That und Wahrheit, was beides anlangt, vom Amazonenstrom beträchtlich übertroffen wird. Die Feuersbrunst, die 1871 einen großen Theil der Stadt vernichtete, entstand durch eine Kuh, die beim Melken im Stalle ausschlug und die nahe dabei stehende Petroleumlampe zerschmetterte. Das brennende Oel fetzte den Schuppen in Flammen und der Wind that das Uebrige- zu jener Zeit war Chicago, selbst der innere Theil der Stadt, voll von Holzhäusern, die dem entfesselten Elemente wenig Widerstand leisteten. In New - Dort konnte man damals alle paar Stunden an den Straßenecken neue Depeschen lesen: „Chicago brennt noch immer" - mit Extrazügen, aus denen sich Dampfspritzen, Feuerwehrleute und Polizisten befanden, kam man der gefährdeten Stadt zu Hilfe. Besonders die letzteren thaten Noth, denn die unheimlichen „Bassermann'schen" Gestalten, die in großen Städten zu Zeiten der Noth und atl- gemeiner Unbotmäßigkeit stets auftauchen und von denen Niemand weiß, woher sie plötzlich kommen, spielten auch in Chicago ihre Rolle. Häuser, die weit entfernt vom Herde des Brandes standen, fingen plötzÜch Feuer, — Leute, die man aus solchen Häusern hatte treten sehen, wurden als der Brandstiftung verdächtig erschossen, und Anarchlsten, die sich die Gelegenheit zu Nutzen machen wollten, um Läden auszuplündern und practisch zu beweisen, daß sie keine Achtung vor dem Eigenthum hatten, wurden an die Laternen gehängt, sobald man sie bei dem Acte selber ertappte. Einige Jahre daraus (1874) wurde Chicago noch einmal von einem bedeutenden Brande heimgesucht. Diese beiden Schadenfeuer zerstörten 18,450 Häuser und richteten einen Schaden von gegen 800 Millionen Mark an. Der Kampf zwischen „Capital und Arbeit", der am 4. Mai 1886 in Chicago stattfand und bei dem durch Dynamitbomben viele Unschuldige getödtet wurden, steht noch so frisch in allgemeiner Erinnerung, daß wir dieses traurigen Abschnittes aus der Geschichte Chicagos hier nur erwähnen wollen. Die neueren und neuesten Stadtthcile zeichnen sich durch einen großartigen Boulevard aus, an dem sechs öffentliche Parks liegen, durch Straßen, die mit Schattenbäumen bc- . J das Beste. — Plötzlicher Tod. Vermischtes * Berlin, 18. — Theater. Donnerstag den 20. October kommt der so vielfach und stürmisch verlangte Schwank von Rudolf Kneisel: „Der liebe Onkel" noch einmal zur Aufführung. Wir wir jetzt erst erfahren, wollten sich Bedenken gegen eine Wiederholung einführen, diese sind jedoch nunmehr glücklich beseitigt und steht der Aufführung des lustigen Stückes nichts mehr ,m Wege. — Freitag geht zwar ein altes, aber sehr Ist neben der Stelle -nzuklcben, an welcher aus der letzicn Spalte der 7 Uhr 49 Mtn. Abends hier abgehende Personenzug verzeichnet ist. Darmstadt, 18. October. Der des Mordes an dem Landwirth Schulmeyer in Mörfelden beschuldigte Tagtöhncr Georg Schreck von Königstein wurde heute Abend um 7 Uhr in das hiesige Untersuchungsgericht eingeliefert. Offenbach, 18. October. Unsere Polizei hat gestern wieder einmal einen guten Fang gemacht. Unsere Leser erinnern sich wohl noch einer Notiz, wonach vor etwa drei Wochen in Nidda bei einem Uhrmacher eingebrochen und eine Anzahl Uhren und Goldwaaren gestohlen worden sind. In den letzten Tagen wurde nun die Aufmerksamkeit der Polizei auf einen Burschen gelenkt, der hier Goldwaaren zum Verkauf anbot und sich dadurch verdächtig machte. Die Polizei griff zu und sand in der That bei dem Burschen eine Parthie Uhren, Goldwaaren und eine ganze Anzahl Dietriche, mit denen der Gauner seither operirt und die er auch offenbar bei seinem Einbruch in Nidda gebraucht hatte. Derselbe entpuppte sich als ein großer Spitzbube, der schon mehrere Zuchthausstrafen hinter sich hat. X Kestrich, 18. October. Beim Graben in einem hiesigen Garten wurde eine Anzahl alt^r Münzen gefunden. Die Stücke stammen aus der Zeit des 30jährigen Krieges, sind wohl erhalten und scheinen werthvoll zu fein. Einige übertreffen die Grüße der Thaler. Auch früher schon hat man an demselben Ort alte Münzen gefunden. Ist neben der Stelle anzukleben, an welcher auf der ersten Spalte der 1 Uhr Mittags hier etntreffende Schnellzug verzeichnet ist. Ist neben der Stelle anzukleben, an welcher auf der letzten Spalte der 1 Uyr 5 Min. Mittags hier abgehende Schnellzug verzeichnet ist. * Koblenz, 18. October. In einer Wirthschast bei Psaffendors wurde durch einen Gensdarmen eine Falsch- ! münz erbande ermittelt. Der Sohn des Wirthes ist I flüchtig- einer der Fälscher wurde hier verhaftet. * Die Ausfuhr amerikanischen Schweinefleisches nach Enropa. In welcher Weise der Export der amerikanischen Schweinefleisch-Produc,e seit Aufhebung des Einfuhrverbotes in den verschiedenen europäischen Ländern zugenommen hat, geht aus folgenden Angaben des Statistischen Bureaus in Washington hervor: Der Export hat sich im Juli 1892 tm Vergleich zum Juli 1891 gehoben: nach Dänemark von 29 061 auf 32 787 Dollar- nach Deutschland von 515157 auf 867049 Dollar- nach Italien von 3884 auf 21 259 Dollar- nach Spanien von 3636 auf 12800 Dollar. Dagegen hat sich der Export nach Frankreich von 221 540 Dollar im Juli 1891 auf 90 790 Dollar im Juli 1892 vermindert. * Versuche mit dem französischen Lebelgewehr stellen für den Ernstfall nachstehende Wirkungen in Aussicht: Aus 100 Meter schlägt das Geschoß durch fünf in Gefechtsordnung stehende Reihen - auf 400 Meter geht es, auch wenn es die widerstandsfähigsten Knochen durchbohrt, durch vier Glieder- auf 1200 Meter geht es noch durch zwei, ohne in der Wunde stecken zu bleiben. Auf 800 Meter geht es durch ein Eisenblech von 2 Millimeter und durch einen Fichtenblock von 1,10 Meter Dicke. Auf nahe Entfernungen sind die Wunden glatt und sauber, die Spaltungen der Knochen sind lang, sie werden durch die Knochenhaut zurückgehalreu - traumatische Herde an den Ausgängen entstehen nicht. Auf weite Entfernungen ist die Eingangsöffnung rund und kleiner,, als das Kaliber, die des Austritts ist nicht viel größer als letzteres (Eingang 0,005 Meter, Austritt 0,006 bis 0,008 Meter). Die Wundengänge in platten und weichen Knochen entsprechen dem Durchschnitt des Geschosses, diese Knochen werden durch dasselbe nicht zerschmettert. Das Durchschlagsgebiet des Geschosses dehnt sich bis aus 1500 Meter aus. des Gesammtwohls durch Aufdeckung und Befriedigung der berechtigten Interessen einzelner Stabtt heile kann nur als eine durchaus lobenswerthe bezeichnet und der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß dem Verein, der als Bezirksverein bereits Vieles erreicht hat, nunmehr die Bewohner der südwestlichen Stadttheile zahlreich beitreten und in seiner erweiterten Gestalt er segensreich zur Förderung der bürgerlichen Interessen wirke. Bezüglich weiterer Beitrittserklärungen zu dem Bürgerverein Südwest verweisen wir aus das bezügliche Inserat in heutiger Nummer. der von der Grenzlinie durchschnittenen Straßen. Der dritte Beschluß betraf die durch Erweiterung des Gebietes des Vereins nöthig gewordene Aenderung der Bezeichnung des Vereins. Von einer Seite wurde beantragt, den Verein: „Bürgerverein der südwestlichen Stadl- theile" zu benennen, während andererseits „Bürgerverein Südwest" vorgeschlagen wurde. Die Versammlung erhob den letzteren Antrag zum Beschlüsse, gleichzeitig den Unterantrag acceptirend, daß in Schrift- und Drucksachen des Vereins derselbe den Zusatz „früher Bezirksverein Seltersberg" seinem Namen geben solle. Der seitherige Vorstand wurde schließlich ersucht, die gefaßten Beschlüsse öen bestehenden Statuten anzupassen und die letzteren der dem- nächstigen Versammlung des Vereins vorzulegen. Zweifel, ob der Vorstand zukünftig ohne Weiteres fungiren könne, wurden mit dem Hinweise widerlegt, daß der Verein sich nicht aufgelöst, sondern nur Grenzen und Bezeichnung geändert habe. Die Tendenz des Vereins, wie sie in der Versammlung mehrfach dargelegt wurde: . . . Gestern Abend ist ein in Alten- Buseck wohnender Cigarrenmacher in der Marburgerstraße als Leiche aufgefunden worden. Derselbe war im Begriff, nach Hause zu gehen, wurde aber auf dem Wege von einem Vlutsturz befallen. Die Leiche wurde nach dem Friedhose verbracht. Förderung Aufdeckung October. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Graudenz, bei dem Neubau des Garnisonlazareths stürzte eine Mauer ein und begrub 5 Maurer. Zwei davon wurden getödtet, drei schwer verletzt. I Von den Lehrern des Kreises sind 84 definitiv, 18 Schulverwalter und 1 Schulgehilfe. Von den Schulen sind 48 einklassig, 18 zweiklassig, 3 dreiklassig und 2 vierklassig. auf einen Lehrer kommen durchschnittlich 6445/ioo Schüler. Schulgeld wird noch an 19 Schülern erhoben und an 52 nicht. Weiter befindet sich im Kreise die erweiterte Schule zu Nidda, die höhere Töchterschule zu Büdingen und das Institut auf dem Bingenheimer Forsthaus. Die Fortbildungsschulen des Kreises betragen 71, mit einer Schülerzahl von 969. Nachdem hiermit der geschäftliche Abschnitt erschöpft, wurde tu die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der sich als erstes Thema befand: „Amos Comenius und seine Bedeutung für die Volksschule", Referent Herr Lehrer Stork von Altenstadt, gab zunächst einen ausführlichen Abriß von dem Leben des Amos Comenius, besprach dessen Werke und zeigte, was er erstrebt und wie er vorbildlich für unsere jetzige Schule geworden. Hieran schloß sich der zweite Vortrag: „Die Gesundheitspflege in der Volksschule," Referent Herr Lehrer Koch von Ober-Widdersheim. Redner führt aus, daß vor allen Dingen gesunde Schulhäuser mit geräumigen Lehrzimmeru nöthig seien und daß bei diesen wie bei Schülern auf Reinlichkeit gesehen werden müßte, und daß der Lehrer mit den Schülern eine Gesundheitslehre einsübren müßte. totales unfr provinzielles, Gießen, 19. October 1892. ” ®,c Abend im Hotel Victoria stattgehabte nalnS? d""ksvereinS Sellersberg war stark besucht, , . ch von Bürgern, die seither dem Verein nicht angehört, L. er ergangenen Einladung Folge geleistet hatten. Der fitzenbe, Herr Bergwerksdirector Pascoe, theilte zunächst m1' ovß der Verein dem Wunsche weiterer Kreise der -oUrgerschaft, daß durch Erweiterung der Grenzen, die sich er Verein gezogen habe, der Beitritt ermöglicht werde, geneigt sei und daß er die Discussion über die Frage eröffne, ob die Vereinsgrenzen und inwieweit sie erweitert werden sollten, ob insbesondere der Verein sich zu einem allgemeinen Bürgerverein gestalten solle, dem jeder Bürger der Stadt, ohne Rücksicht auf die Lage seiner Wohnung, beitreten könne. Es liege ein Antrag, die Grenzen gänzlich fallen zu lassen, vor. In der Discussion wurde darauf hingewiesen, daß zwar der Verein lediglich solche Interessen verfolge, die auch Interessen der gesammten Stadt feien und daß feine Bestrebungen j sich niemals in Widerspruch mit diesen setzen dürften, daß aber andererseits der Zeitpunkt für Schaffung eines allgemeinen Bürgervereins noch nicht gekommen sei, die Rücksicht aus den bestehenden Bezirksverein Nordost auch nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Die Versammlung beschloß, daß die örtliche Begrenzung prin- I zipiell nicht aufgegeben werden solle. Nach hierauf stattfindender eingehender Verhandlung über die Frage, welche Grenzen bestehen sollten, an der sich I eine große Anzahl Herren beteiligten, gelangte ein Antrag I zur Annahme, demzufolge die Grenze des Vereins! durch eine Linie Bon der Lahnbrücke nach dem I Markt und von da nach dem Stein'schen Garten I gebildet wird, sodaß alle Bewohner der südwestlich ! von dieser Linie gelegenen Stadtheile Mitglieder des Vereins I werden können, einschließlich der Anwohner beiber ©eiten I — Wieder eingelegte Schnellzüge. Vom 20. October an »erben die beiben infolge beS burch bie Cholera berminberten Reiseverkehrs ausgefallenen Schnellzüge Nr. 73 unb 74 zwischen Frankfurt a. M. unb Hamburg toieber ben fahrplanmäßigen Skrfeljr äufneten; es soll beabsichtigt sein, sie bis Kiel durchzufuhren. — Zug 73 (Richtung Frankfurt-Cassel) geht 12 Uhr 5 Min. Mittags in Frankfurt a. M. ab, trifft 1 Uhr 15 Min. in Gießen ein unb geht 1 Uhr 20 Min. weiter (in Marburg 1 Uhr 47 Min., in Cassel 3 Uhr 42 Min., in SWÄ Mittag?i2Uhr^2oL"in । ?°th°lische,^39 SiUsche" 3^ibe°nte ab unb trifft Abenbs 8 Uhr 56 Min. in Gießen ein. Abfahrt nach Frankfurt 9 Uhr, Ankunft baselbst 10 Uhr 11 Min. abenbs. Die Besitzer unseres Plakat-Fahrplans, auf welchem biese Züge noch nicht verzeichnet sinb, können denselben burch Einkleben nachstehenber Ausschliitte ergänzen. Aus dem Kreise Friedberg, 16. October. Bei ber Bürqer- E^^ahl m Assen he im würbe der seitherige Bürgermeister Best wiedergewählt. Derselbe ist schon 24 Jahre im Amt. - Ebenso wurde Bürgermeister Kremer in Jiiebermorlen mit Einstimmigkeit wiedergewählt — In Massenheim wurde mit großer Majorität Heinrich Puth zum Beigeordneten gewählt. (Darmst. Ztg.) K. Büdingen, 17. October. Die Kreisconserenz ber L°hrer unseres Kreises sand heute im diesigen Rathhaussaale unter dem Vorsitze des Herrn Kreisraths Klietsch und im 90YSch»klliii,l.-3.K,. ---In Frankfurt 10.11 — Der erste Orgelcursns in Hessen. Unter ber Leitung des Klrchenmusikmeisters, Herrn Arnolb Menbelsohn, fand in der Zeit vom 26. September bis 15. October d. I. I >n Darmstadt, der erste Orgelcursus in Hessen statt. Es beteiligten sich daran 18 Herren, darunter 1 Geistlicher und | 17 Lehrer. Bei der Eröffnung des Cursus hielten Se. Exc. Ober - Consistorial - Präsident Dr. Goldmann, sowie Herr Geh. Ober-Schulrath ©reim kurze Ansprachen, worin sie auf die Bedeutung der kirchlichen Musik für das gottesdienstliche Leben der Gemeinden hinwiesen unb bie Theilnehmer zum Fleiß unb Ernst für diese hohe Aufgabe ermahnten. Der Fortbildungscursus umfaßte bie Uebung im kirchlichen Orgelspiel (Einleitung unb Begleitung beS Gemeinbeliebes, Registerwahl tc.), Hebung im Chorgesang unb im Einüben und Leiten von Chören, Einführung in die wichtigsten Formen der Orgel- und Chor-Composition. Kirchgöus, 18. October. Bei der am 14. October dahier stattgehabten Bürgermei st erwähl wurde unser seitheriger Bürgermeister, Herr Johannes Weber, der sein Amt bereits 33 Jahre in hiesiger Gemeinde mit aller Liebe unb Treue verwaltete, als solcher mit großer Majorität wieber- gewählt- wir wünschen genanntem Herrn bei bem Eintritt in seine neue Arntsperiobe recht viel Glück unb ©egen. Rendel, 18. October. Bei ber am 8. October stattge- funbenen B ei g eo b n e t en w ah l würbe SB. Wittich mit 114 Stimmen zum Beigeorbneien unserer Gemeinde gewählt. Der seitherige Beigeordnete Gun der!och hatte eine Wiederwahl abgelehnt. Ober-Lais, 17. October. Bei ber heute bahier stattgehabten Bürgermeisterwahl würbe Herr Friebrich Sch au ermann II. mit 62 Stimmen gewählt. Der seitherige Bürgermeister Herr Säubert erhielt 35 Stimmen. Ulfa, 18. October. Bürgermeister Döll ist nach hartem Wahlkamps mit 20 Stimmen wiedergewählt worden. Allmenrod, 17. October. Bei der heute hier stattgehabten Bürg erweist er wähl für die Gemeinden Allmenrod und Sickendorf wurde der seitherige Bürgermeister Lerch einstimmig mit 32 Stimmen wiedergewählt. Ilbeshausen, 15. October. Mehrere Wiesenbesitzer im Wiesengrund unterhalb unseres Dorfes beabsichtigen im sog. Birkerts und ben nassen langen Wiesen eine Russenstein - brennerei nächstes Jahr anzulegen, weil sich bazu ein vorzügliches Material bietet unb voraussichtlich eine größere Einnahme erzielt wirb, als burch ben Ertrag von Heu. § Von der Ohm, 18. October. In der verflossenen Nacht hatten wir den ersten Frost, nachdem in voriger SBocbe uns eine Nacht ben ersten Reis gebracht. Heute Morgen zeigten bie Wasserpsützen eine leichte Eiskruste unb Jßiefen unb Dächer waren bis zum Vormittag weiß bereift. Sie Baume, welche noch in vollem, üppigen Blattschmuck stehen, beginnen nun, bas Laub abzuwerfen. Ein Geschoß mit Nickelmantel verändert («ine Gestalt, wenn es aus nahe Entfernung abgefeuert wird und sehr harte Knochen trifft, ein solches mit Stahlmantel behält dieselbe in 1 ber Regel vollstänbig bei. pflanzt sinb, unb burch villenartige Gebäube, bie nicht selten hübsche Vorgärten besitzen. An großen Gebäuben ist kein Mangel, an riesigen, ans Eisen unb Stein bestehenben Bienenkörben, unb mehrere Hotels, bas Zollamt, bie Post, bas Gerichts- unb bas Handelskammergebäube zeigen einen reichverzierten Stil unb machen einen gewissen Einbruck aber architectonisch sehenswerth ist boch Weniges, die zahlreichen Kirchen sind alle klein und nur die coloffalen Schlächtereien Viehhöse, Getreidespeicher unb bie stäbtischen Wasserkünste oerbienen bie Beachtung bes Fremden, — für ben Mann ber Praxis und des Geschäfts ist besser gesorgt als für ben, ber Werke ber Kunst unb Stätten ber Wissenschaft aufsucht. Dazu kommt noch, daß ber Weltausstellungsbesucher, der sich nicht etwa in deutschen Wirihschasten niederläßt, durch die Verpflegung sehr enttäuscht werden wird, ba bie amerikanische Küche das denkbar Ungenügendste zu bieten pflegt. Das Großartigste, was Chicago seinen Gästen zeigen wird, ist zweifelsohne das „Rauschen ber strömenden Lebens- flulh", und dies wird in den Ausstellungsmonaten wahrscheinlich °Ues bisher Dagewesene übertreffen; denn bie Trans- porigelegenheiten haben sich seit ber ersten Weltausstellung aus amerikanischem Baben, zu Philabelphia, bebeutenb gebessert unb bie Bevölkerung ber Vereinigten Staaten wirb 1893 gegen 65 Millionen betragen, währenb sie 1876 kaum 46 Millionen zählte. Dem Deutschen wirb ganz besonbers das zahlreiche Deutschthum auffallen unb von Interesse fein; in Chicago wohnen mehr Deutsche als in München ober Breslau unb ber Zustrom von Leuten beutscher Zunge aus Milwaukee, St. Louis, Cleveland, Detroit, Cincinnati unb anberen amerikanischen Großstädten wird ein gewaltiger fein, fo daß er sich, wie Badenstedt bei seiner letzten Amerika- Reise, „saft wie zu Hause fühlen wird". ®em von Herrn Kreisschulinspector Buß erstatteten Bericht ist zu entnehmen, baß z. Z. im Kreise 71 Schulen bestehen, wovon 70 gemeinsame unb 1 katholische. Sämmtliche Schulen find gemischte, mit Ausnahme der 3 obersten Klassen zu Büdingen, in welchen die Geschlechter getrennt unterrichtet werden. Die Anzahl der Schulklassen beträgt 102 und diesen spricht bie Anzahl ber Lehrer. Sie Gesammtzahl ber des Kreises betrug zu Anfang bes Schuljahres 6166 (3058 Knaben unb 3108 Mäbchen), welche 16-/,„ pCt. ber Bevölkerung bes Kreises betragen, barunter 5874 Evan- Ist neben der Stelle anzukleben, , an welcher auf der ersten Spalte der cm t. o n» I 7 44 E"- Abends hier eintreffende Marburg 8.28 Perjonenzug verzeichnet ist. (Zug 73) Schnchiig 1.-3. Kl. Aus Frankfurt 12.05 „ Friedberg 12.39 J 20^0^08 1.-3. Kl. I In Marburg 147 „ Cassel 3.42 (Zug 74) chllgl.-3.K1. Cassel 6 36