te i. t IT t. ir h, tl 'S i- Qt Itl ke ld it n >. ft i- ), n n t, v- v n h 4 i- ir d ft 8 •/ t$ >t v k $ i i t t । i i i i ! I i r l t i' k i i । । $ i l i i l i Nr. 193 Samstag den 20. August 1892 Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Hratisbeikage: Hießener Jamitienökätter. Amtlicher Theil und That" oder ein an durch Einfügung Llle Lnnoncen-Bureaux d«S In- und LusluadeL nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Lanahmi von Anzeigen zu brr Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Corrn. 10 Uhr. und auch viele Militärs die einheitliche zweijährige Dienstzeit dem jetzigen ungleichen Zustande vorziehen, so dürfte diese Reform vielleicht stattfinden. — Die Versuche, die deutschen Besitzungen in Afrika zu cultiviren, werden mit neuer Kraft fortgesetzt. In Deutsch.Südwestasrika wird in nächster Zeit eine lange vorbereitete Niederlassung deutscher Ansiedler ins Werk gesetzt werden. Am 16. Juni schiffte sich von Hamburg an Bord des von der deutschen Colonialgesellschast gecharterten Dampfers „Agnes" eine Anzahl deutscher Ansiedler nach der Walfischbai ein, sämmtlich wohlausgerüstete und bemittelte Landwirthe, die sich als Viehzüchter dort ansässig machen wollen. Der Reisegesellschaft haben sich zwei finnländische deutschredende, in ihr südafrikanisches Arbeitsfeld zurückkehrende Missionare angeschloffen. Ein Bruder des kürzlich in Ostafrika gefallenen Freiherrn v. Bülow, der sich ebenfalls als Landwirth in Deutsch-Südwestasrika anzusiedeln beabsichtigt, hat über Kapstadt seine Reise nach der Walfischbai angetreten. Bierteltäbriger Avounement-prei«» 2 Mark 20 Pfg. mV Lcingerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Während die beste Idee oft nach Jahren kaum ein paar Anhänger gewinnt, gibt cs Vereine, die in kurzer Zeit ein Land überwuchern, nur weil etwas „Klimbim" daran hängt Saßen da z. B. am 24. October 1878 in Oswin Schumanns Wirtschaft zu Zwickau ein Dutzend Männlein an einem Stammtisch und machten Witze, so gut sie konnten. Einmal hieß cs „Famos! Der Witz muß angenagelt werden", der Wirth nimmt die Redensart nach Eulenspicgel-Art und holt Hammer und Nagel herbei. Der Nagel wird cingeschlagen da zu erwarten steht, daß noch mehr gute Witze die Ein- schlagung weiterer Nägel nöthig machen,'einigt man sich, daß die Nägel zuletzt ein Kreuz bilden und daß zum Hammcr- schlag nur die zugelaffen werden sollen, die bei jedem Hieb 10 Pfennig für die Armen opfern. So entstanden die „Kreuzbrllder-Ttsche". Bis März 1886 waren deren 200 geworden, allermeist in Sachsen, mit 26000 Mitgliedern, 1884 sollen 64000 Mark für Unterstützungen aufgebracht worden sein. (Schluß folgt.) „Hilfsverein" oder ein Verein „zu Rath „Armenverein" wird immer ein paar Jahrzehnte alt sein. Die katholische Kirche regt die Phantasie an durch Einfügung der hl. Elisabeth, des Vincentius oder des Karl Borromäus in eine sonst einfache Bezeichnung und haucht dadurch dem Verein ein stärkeres, höheres Leben ein. Wenn schlichte Bürger eine Wohlthätigkeitsgcscllschast bilden, so heißen sie den Täufling wohl „Viola", Vergißmeinnicht", „Glocke „Bienenstock", „Christbaum"; entsteht der Verein in der Kneipe, so kommt auch wohl ein „Propfenverein" oder em Club „Schwarze Brüder" oder gar eine „Rothe Nase" wie in Dresden-Neustadt zu Stande. Die „Fechtschulcn" haben sich nicht so schnell ausgebreitet, weil die Idee des Reichswaisenhauses so begeisternd war, sondern weil das Wort „Fechten" und allerlei damit zusammenhängendes Titel- und Aemterwesen anlockte. **i*ticr erscheint täglich, •fct Ausnahme de» Montag» Die Gießener *a*UUwlUUet Werden dem Anzeiger »schentlich dreimal beigelegt. Ausland. Der 18. August war ein großer Ehren- und Freuden tag für die östcrreichischmugarischc Monarchie, denn der 18. August ist der Geburtstag des allverchrtcn Kaisers Franz Joses von Oesterreich und Königs von Ungarn. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers Franz Joses, welcher am 18. August sein 69. Lebensjahr vollendete, heben die österreichischen Zeitungen die hcrzerhcbenden, innigen und patriotischen Kundgebungen hervor, die bei dem Schützenseste in Brünn und bei der Krönungsseicr in Pest stattgefunden haben und hierein Reflex der hingebenden Liebe und Verehrung aller -Ltämmc Oesterreich-Ungarns für den Kaiser sind. Die „Wiener Abendpost" weist ferner auf die Vorbereitungen der Bevölkerung in Galizien, Böhmen und Ungarn hin, welche anläßlich der Manöver dem Kaiser Beweise inniger Liebe und unwandelbarer Anhänglichkeit geben. Somit herrscht in der ganzen Monarchie dasselbe Bestreben, den politischen, nationalen und eonfessionellen Unterschied in den Hintergrund treten zu lassen, wo cs galt, dem Kaiser den Tribut der Dankbarkeit und Verehrung abzustatten. — Die als steinreich verschrieenen Amerikaner haben jetzt auch eine Roth und zwar eine richtige Goldnoth, öenn in Nordamerika herrschen Besorgnisse wegen der Vertreibung des Goldes aus dem dortigen Verkehr in Folge des GiehenerAitzeiger Keneral-Anzeiger. Feuilleton. Allerlei Vereinsnameir.*) Von vr. Wilhelm Bode (Dresden). Wo drei Deutsche beisammen sind, da gründen sie bc- auntlich emen Verein. Die Wahrheit, die hinter diesem alten Scherzworte steckt, ist bekannt genug, aber wir haben noch icht gelernt, die Lehre daraus zu ziehen. Wenn ich diesem der jenem Fachenthusiasten nachfolgen wollte, würde ich die " der Vereinswissenschaft in die Unterrichtsgegenstände er Volk^ chule Vorschlägen und die Begründung würde nicht hroer fallen. Ich würde z. B. erwähnen, daß in Basel von eun Erwachfenen immer Einer Vereinspräsident ist uud daß manche reichsdeutsche Stadt in dieser Hinsicht mit Basel wett- iern kann i ich würde auf die vielen kleinen und großen nannehmlichkeiten Hinweisen, die daraus entstehen, daß die usertigung von Vereinsprojeeten, von Statuten, von Ver- nsnamcn heute noch von Antodidaeten besorgt werden muß 'd ich könnte mit Pathos behaupten, das wichtigste sociale actum des Jahrhunderts sei, daß die sociale Lebensform Bcrein" neben die alten Formen Familie, Stamm, Staat n° Kirche emporgewachsen ist, diesen zum Theil die Säfte 'tziehcnd. Nach den üblen Erfahrungen aber, die die letzten ultO|d)u[,«Reformatoren gemacht haben, ziehe ich vor, meine 'tgemaje gbee noch für das nächste Jahrhundert auszuheben :o beschranke mich auf den Wunsch, daß bald eine Vereins- istenschast entstehen und daß deutsche Gelehrsamkeit auch hier '»Lenste leisten möge. Ein Stückchen dieser Zukunfts- is cnschast will ich denjenigen zahlreichen Lesern nicht vor- ttha cn, welche in Zukunft bei der Gründung neuer Vereine ne Rolle zu spielen haben. Die Wahl des Vereinsnamens ist von großer Wichtig- it; ost hangt von ihrem Ausfälle das Schicksal der Gesell- s m0 b,r. cine Namen erweckt Sympathie, der .bere das Gegenthc.l Freilich sind die „Geschmäcker" t,er= Ä , ^nC 9”6e Kluft zeigt sich auch hier zwischen den “,le" und den „Ungebildeten", wie man kurz aber Id) die Menschen nennt, je nachdem sie eine höhere oder *) Aus der „Franks. Zlg." nur die Volksschule besucht haben. Nicht etwa, daß die „Gebildeten" gelehrte Namen bevorzugten und die „Ungebildeten" schlichte,- eher ist das Gegentheil der Fall. Die „Gebildeten" wählen nüchterne, sachliche, deutliche Namen, ohne Rücksicht auf Wortlaut, ohne Anregung der Phantasie- die „Unqe- bildeten" bevorzugen schöne oder wenigstens fremdartig klmgendc, oft recht kühne und phantastische Bezeichnungen, an die träumerische Gedanken leicht anknüpfen können. Freilich trifft diese Regel nicht immer zu. Daneben gilt noch die andere Regel, daß ungelehrte Leute gern einen kurzen, ein- fadien Namen wählen, wo die gelehrten Umständlichkeiten machen. Die einen gründen einen „Sparverein", die andern eine Gesellschaft „zur Beförderung der Sparsamkeit" oder „zur Bekämpfung .der Unwirthschastlichkeit". Ein Beispiel für beide Regeln mögen die Menschen hcrgcben, die der Theorie, daß man wohl mal zu viel aber nie genug trinken könne, nicht bcistimmcn. Sic werden sich zu einem Mäßig- keils- oder Enthaltsamkeitsvcrein zusammenschlicßen: einfache Leute werden die Vereine auch so nennen. Wir hatten in Deutschland in den dreißiger und vierziger Jahren viele Vereine mit diesen Namen, jetzt gibt es von den „Enihaltsamkeitsvereiricn" nur noch versprengte Reste ein „Mäßigkeitsverein" ist 1890 in Bremen, vornehmlich von Arbeitern, neubegründet und der einzige seines Namens. Als 1888 die Mäßigkeitsfreunde der höheren Klassen einen Verband schufen, nannten sie ihn „Deutscher Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke". Das ist deutlicher, aber man geht wohl nicht fehl, wenn man die Erfolglosigkeit des Vereins bei der Werbung von Mitgliedern im „Volke" zum großen Theil dem unschönen Namen zuschreibt. Auch die „Vereine zgir Bekämpfung des Alkoholgenusses", die von Zürich und Basel ausgehen, werden einen anderen Titel wählen müssen um das Herz des gemeinen Mannes zu gewinnen. Klug gewählt für die Wirksamkeit im Volke haben ihren Namen die beiden Enthaltsamkcitsvcreine, die als „Blaues Kreur" und als „Guttcmpler" sich vorstellen,- sie hatten denn auch bei gewöhnlichen Leuten verhältnißmaßig viel Erfolg,- als „Guttempler" ober „unter der Fahne des Blauen Kreuzes" kämpft Mancher, der blos für die „Enthaltsamkeit" nicht zu Haden wäre. Ausschreiben. Seit dem 17^ Iso Mts.,'Vormittags, fehlt dahie'r die «kargaretha Rausch, Tochter der Johannes Roß Zhefrau zu Gießen. 0 Das Kind ist am 10. November 1885 geboren hat ilonbeä Haar, trägt dunkles karrirtes Kleid und ist für sein Alter nein. * 1 Da anzunehmen ist, daß dem Kinde ein Leid zuqestoßen iriuchcn wir um Nachforschung nach demselben und um llachncht. Gießen, den 18. August 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Bekanntmachung. Zu Groß-Rechtenbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochcn. Gießen, den 18. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Wieseck, am 17. August 1892. Betreffend) Decanatsmissionsfest. Das Großh. evangelische Decanat Gießen an die evangelischen Pfarrämter und Gemeinden des Decanats. ... ^'er diesjähriges Decanatsmissionsfest soll am ”r°" Vormittags 9-/, Uhr in der Gemeinde 9Ä‘ Edem Festprediger sind Vormittags (äußere Mission): Pfarrer Weber in Münster und Missions- predtger Thumm in Frankfurt, Nachmittags (innere Mission): Pfarrer Spieß in Waldgirmes und Pfarrer Graf in (Hambach. Die Herren Geistlichen werden ersucht, am Feste mit t^ren Familien therlzunehmen, auch ihre Gemeinden zur Theil- nahme einzuladen. Wahl. Bekanntmachung. Bei der infolge der außergewöhnlichen Hitze eingetretenen außerordentlichen Zunahme des Wafferverbrauchs, verbunden mit dem infolge der anhaltenden Trockenheit eingetretenen empfindlichen Rückgang des Quellenergusses, wird hiermit zur Vermeidung der damit verbundenen Unzuträglichkeiten und Gefahren die Gntnahmc von Wasser aus den öffentlichen Bcntilbrunncn der Quellwasserleitung für gewerbliche und landwirthschaftliche Zwecke auf Grund des Art 56 pos. 2 der Städteordnung bei Meldung einer Polizeistrafe bis zu 90 Mark untersagt. Des weiteren wird davor gewarnt, durch Offenstehen- lafscn der Brnnncnventile, sowie unnöthiges Ausspülen von Gefäßen und ähnliche Handlungen, Wasser aus der Wasserleitung zu vergeuden. Vorstehende Anordnung bleibt in ihrem ganzen Umfange während der nächsten vier Wochen in Kraft. Gießen, den 19. August 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsches Reich. Berlin, 19. August. In der inneren deutschen Politik herrscht gegenwärtig vollständig die sommerliche Ruhe, und es gäbe von diesem Gebiete nichts Namhaftes zu berichten, wenn nicht schon jetzt künftige Ereignisse resp. Vorlagen des Reichstages ihre Schatten vorauswürfen. Die große Frage der nächsten parlamentarischen Session scheint nämlich eine neue Militärvorlage, welche das Reichsgesetz der allgemeinen Wehrpflicht noch mehr als bisher zur -Geltung bringen soll, zu sein. Die neue Militärvorlage hat aber natürlich auch gleichzeitig das Bedürfniß nach neuen Reichs- emnahmen erweckt, und sind offenbar, aus mehrfachen offiziösen »ettungsnachrichten zu schließen, die deutschen Finanzmänner daber, zu untersuchen, ob nicht durch eine neue Tabak- oder Biersteuer weitere Einnahmequellen erreicht werden können. Diebin Auspcht'stehende neue Militärvorlage hat auch wieder . F^ge der zweijährigen Dienstzeit zur Erörterung gebracht, mdem man aus diese Weise eine wirthschaftliche Erleichterung für die großen persönlichen und finanziellen militärischen Leistungen zu erreichen hofft. Da thalsächlich bereits jetzt der größte Theil der Infanteristen nur zwei Jahre dient, So läßt sich in der Regel schon aus dem Namen schließen, was für Leute den Verein gegründet haben. Nehmen wir die Wohlthätigkeitsvereine. „Gegen Armennoth und Bettelei", „gegen Verarmung", „für Naturalverpflegung", diese Wendungen zeugen davon, daß moderne Volkswirthe und Beamte Pathen waren. Ein Ueberflufses an Silber. Aus Washington wird gemeldet: Der Unterstaatssecretär des Schatzes erwiderte im Reprä- senkantenhause aus eine betreffs der Goldaussuhr an ihn gerichtete Anfrage, die starke Goldaussuhr könne die Zahlung einer Goldprämie keinesfalls zur Folge haben, da er gegebenen Falles in der Lage sein würde, alle Schatzbons mit Stlbergeld zurückzukaufen. Ein anderer Regierungsbeamter erklärte, daß der Staatsschatz genügende Reservebestände hat, um jeden auf die Schwächung des Goldbestandes der Vereinigten Staaten gerichteten systematischen Versuch ausländischer Speculanten zurückzuweisen. Wolffs telegrovhisches Corresvondenz-Bureau. Berlin, 18. August. Soeben findet die große Herbst- parade der Berliner und Potsdamer Garnison im Beisein des Kaisers auf dem Tempelhoser Felde bei prachtvollem Wetter statt. Berlin, 18. August. Die heutige Herb st Parade des Garde-Corps auf dem Tempelhofer Felde verlief glänzend. Der Kaiser, begleitet von dem Prinzen Leopold von Bayern, der Erbprinzessin von Meiningen zu Pferde, der Prinzessin Friedrich Leopold zu Wagen und einer glänzenden Suite, ritt die Front der in zwei Treffen ausgestellten Truppen ab. Hieraus fand ein einmaliger Vorbeimarsch in Cornpagnie- resp. Escadronsront statt. Nach der Parade, welcher auch die vom Kaiser geladene Deputation der Helgoländer Fischer beiwohnte, ritt der Kaiser an der Spitze der die Fahnen escortirenden Leibcompagnie des ersten Garderegiments unter jubelnden Zurufen des die Straßen füllenden Publikums zum Königsschloß. Berlin, 18. August. Der Kaiser empfing nach der Parade im Schlöffe die hier eingetroffene Deputation der Helgoländer. Er hielt eine längere Ansprache an fie und unterhielt sich eingehend mit ihnen. Berlin, 18. August. Privattelegramm des „Berliner Tageblattes" aus Burtscheid: Unter den Pferden der Kölner, Deutzer und Bonner Garnisonen ist die Influenza ausgebrochen. Brüssel, 18. August. Entgegen Blättermeldungen, wonach arabische Banden nach Lomani den Lualaba abwärts in der Richtung des Stanleysalls marschiren sollen, melden Depeschen des Generalgouverueurs in Boma an die Regierung des Congostaates, daß am 13. Juli die Lage am Fall durchaus befriedigend sei/ man hegte keinerlei Besorgniffe. London, 18. August. Reuter-Meldung aus Nashville: In der Nacht erfolgte ein erneuter Angriff von 1700 Bergleuten aus das Gesängniß in Oliversprings/ nach verzweifeltem Kampfe, wobei 12 gerödtet und 20 verwundet wurden, wurden die Wärter zurückgedrängt, 200 Gefangene befreit und über Knoxville nach Nashville geschickt. Helfingsors, 18. August. Ein in Wiborg aus Rußland eingetroffener Offizier ist von der Cholera befallen worden und gestorben. Petersburg, 18. August. Die Czarenfamilie ist nach Peterhos übergesiedelt. Petersburg, 18. August. Die Cholera hat sich nunmehr im Landkreis Petersburg ausgedehnt. Nach einer amtlichen Meldung sind gestern sieben Personen an der Cholera erkrankt. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 19. August. Der Kaiser hat der „Nationalzeitung" zufolge nach der gestrigen Parade eine Ansprache an die Generäle und die anderen höheren Offiziere gehalten, worin er erklärte, alle Gerüchte über die bevorstehende Einführung der zweijährigen Dienstzeit seien unbegründet. Er wolle lieber eine kleinere Armee mit längerer, als eine größere mit kürzerer Dienstdauer. Berlin, 19. August. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Halle a. d. S.: In dem Braunkohlenschacht „Glück aus" bei Trotha ist gestern der Lustschacht ausgebrannt. Steiger Moritz und Bergmann Hofmann, welche eingefahren waren, wurden erstickt vorgesunden. Beuthen, 18. August. Die wegen Verdachts der Spionage verhafteten drei angeblich sranzöfischen Offiziere legitimirten sich als Ingenieure einer französischen Gesellschaft in Dombrowa (russisch Polen). Sie befanden sich aus einer Vergnügungsfahrt nach dem Bergwerk Wieliczka. Wilhelmshaven, 18. August. Heute wurde wegen der Schießv er suche mit den neuen Mörsern die Rhede für den Verkehr gesperrt. Berliner Offiziere wohnen den Versuchen bei. Taruowitz (Schlesien), 18. August. Ein furchtbarer Orkan deckte gestern Dächer ab, entwurzelte Bäume und bog die Kirchthurmspitze um. Im Dorfe Oppatowitz brannten fünf Wohnhäuser und vier Scheunen ab. Basel, 18. August. Aus Grindelwald im Berner Oberland wird ein heftiger Brand gemeldet, der bereits das Hotel zum Bären, das Telegraphenbureau und die Bahnstation zerstört hat. (Siehe Privatdepesche). Basel, 19. August. Aus dem Simmenthale kommt die Schreckensbotschaft, daß in St. Stephan bereits sechsundzwanzig Häuser niedergebrannt sind und bei dem herrschenden Föhn sogar Blankenburg und Zwei simmen bedroht sind. Paris, 18. August. Der sich momentan in Aix-leS-bainS aushaltende König von Griechenland wird Ende September den deutschen Kaiser in Potsdam besuchen. Amsterdam, 19. August. In Holländisch-Brabant sind Unruhen bei der Ablieferung der Zehnten ausgebrochen. Die Bauern verweigern die Zahlung. Militärmannschaften wurden requirirt. Buffalo, 18. August. Der Ausstand der Weichensteller nimmt zu. Die Tagmannschasten von Westerford weigerten sich zu arbeiten, auch wird befürchtet, daß die Nachtmannschaften nicht arbeiten. Die Waarenlager der Newyork-Central-Railway sind mit Maaren überfüllt, welche von Truppen beschützt werden. Die Heizer scheinen der Bewegung folgen zu wollen, ebenso die Maschinisten. Andere Heizer fahren. Die Intervention des Papstes zur Beilegung des Strikes wird erwartet. Der Sherif fordert Truppen zur Verstärkung. Bei den Unruhen in Oliverspring gab es 17 Todte und 400 Verwundete. Interlaken, 19. August. Eine gestern Nachmittag 3 Uhr ausgebrochene Feuersbrunst äscherte in Grindelwald bei furchtbarem Föhnsturm 80 Häuser, meistentheils Hotels, ein. Der Brand dauert fort. Das Bahnhof- und Telegraphengebäude ist abgebrannt, der Schaden ist ernorm, sämmtliches Mobiliar, sowie fast alles Gepäck der zahlreich dort wohnenden Fremden, und alle Vorräthe sind verbrannt. (Grindelwald liegt cq. 15 Kilometer von Interlaken, 1057 Meter über dem Meere. Es ist Ausgangspunkt für viele Hochgebirgstouren, inmitten zweier beliebter Touristenpässe belegen. Während des Sommers ist der Fremdenverkehr außerordentlich lebhaft,- letzterer bildet, im Verein mit Alpwirthschaft, den Hanpterwerbszweig der Bewohner, deren Bergführer als die besten der Schweiz gelten.) Potsdam, 19. August. Bei dem gestrigen Paradediner brachte der Kaiser einen Toast aus, worin er erklärte, es gereiche ihm zur größten Freude, daß der Ehrentag des Gardecorps mit dem Geburtstage des Kaisers Franz Joses zusammenfalle, der als leuchtendes Vorbild militärischer und Herrschertugenden und edelster Pflichterfüllung hervorrage. Das Bündniß zwischen Kaiser Franz Joses und ihm (dem Kaiser) sei der sicherste Hort des europäischen Friedens. Der Kaiser schloß mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser Franz Joses. Cocates und provinzielles, Gießen, 19. August 1892. - n. Wie aus dem Anzeigentheil ersichtlich, hat die Abgabe des Wassers aus der städtischen Ouellwafferleitung für die nächsten Tage eingeschränkt werden müssen. Es tritt hiermit in unserer Stadt dieselbe Erscheinung ein, welche auch anderwärts, wie s. Z. in Frankfurt a. M., nicht vermieden werden konnte, und welche hier allerdings — bei einem etwas rücksichtsvolleren Gebrauch und bei Vermeidung jeder Verschwendung des Quellwassers seitens aller Betheiligten — wahrscheinlich nicht hätte angeordnet zu werden brauchen. Es sei deshalb auch an dieser Stelle -die aufs neue erfolgte hieraus bezügliche polizeiamtliche Bekanntmachung allen Betheiligten besonders empfohlen, um dadurch unserer Quellwasserleitung recht bald wieder eine ununterbrochene Versorgung zu ermöglichen. — Durch den gestrigen Brand in Heuchelheim sind nicht, wie wir berichteten, eine Scheune und ein Stall, sondern zwei Scheunen und ein Haus eingeäschert worden. Ein der Brandstiftung verdächtiger Einwohner in Heuchelheim wurde verhaftet. — Ernennung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 13. August den Kaufmann Gustav Müller in Gießen zum Handelsrichter an der bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen gebildeten Kammer für Handelssachen mit dem Sitze in Gießen mit Wirkung vom Tage des Decrets an bis zum 31. December 1894 zu ernennen. — Postsendungen an die mauöverireuden Truppen. Wir machen bei Beginn der Manöverzeit wiederholt darauf aufmerksam, daß es sich empfiehlt, Postsendungen für die an den Hebungen teilnehmenden Truppen zur Vermeidung von Verzögerungen nicht nach den in kurzen Zwischenräumen wechselnden Marschquartieren, sondern nur stets nach den ständigen Garnisonsorten zu richten. Für die richtige Leitung der Sendungen wird postseitig Sorge getragen. Ferner ist dringend nothwendig, in den Briefaufschriften den Familiennamen (unter Umständen auch den Vornamen oder Ordnungsnummer), den Dienstgrad und den Truppentheil (Regiment, Bataillon, Compagnie, Schwadron, Batterie rc.) genau anzugeben. — Zur Sonntagsruhe. Aus Sachsen wird der „Köln. Ztg-" Folgendes geschrieben: Die Uebelstände, welche die neu eingesührte Sonntagsruhe zum Theil mit sich bringt, sind Kleinigkeiten gegen einen anderen schweren Nachtheil, den das Gesetz gebracht und den auch die Freunde desselben beklagen müssen: es hat ein widerwärtiges Denunciantenthum in einem Umfange, wie man ihn nicht erwarten durste, hervorgerufen. Die Gewerbepolizei größerer Städte weiß sich in der That vor Angeberei kaum zu retten. Es wird, zumal bei der Höhe der in der Gewerbeordnung vorgesebenen Strafen nur zu billigen fein, wenn sie jetzt, wo das Gesetz sich noch lange nicht eingelebt hat, nicht sogleich zu Bestrafungen schreitet, sondern sich zunächst mit Benachrichtigung Derer begnügt, gegen welche die Angebereien sich richten. tt Muschenheim, 18. August. Bei der gestern stattgehabten Gemeinderathswahl wurden die seitherigen Gemeinderathsmitglieder Nikolaus Spieß III. mit 61 Stimmen, Adam Müller mit 61 Stimmen und Heinrich Eller III. mit 57 Stimmen wiedergewählt. Von den Candidaten der sog. „blauen Partei" erhielten Nikolaus Eifer 17, Johannes Becker X. 15 und Johannes Eller II. 14 Stimmen. Von 120 Stimmberechtigten stimmten 75 ab. A Aus dem Ohmthal, 18. August. Solch heiße, trockene Tage wie die gegenwärtigen sind eine Seltenheit und innerhalb zweier Decennien kaum um diese Zeit wiederholt vorgekommen. Eines ähnlichen trocken-heißen Jahres erinnert man sich nur des Jahres 1857. Damals verbrannte auch das Gras aus den Wiesen, kein sonstiges Futter wuchs und die Viehpreise gingen so herunter, daß das Pfund Kalbfleisch mit einem Batzen = 4 Kreuzer verkauft wurde. Allerdings war die damalige Dürre schon um die Heuernte eingetreten, um die gegenwärtige Zeit war aber dann wieder durchweichender Regen gekommen und die Grummeternte fiel noch recht gut aus. So sehr das trocken-heiße Wetter der Ernte zu statten kommt, so bedrohlich ist anderseits die Kalamität, die unvermeidlich daraus hervorgehen muß. Menn schon das bekannte Sprichwort „die Sonne scheint dem Bauern nicht zum Felde hinaus" sein Recht behält, so treten doch die nachtheiligen Folgen der Trockenheit in Verbindung mit einer wirklich afrikanischen Hitze jeden Tag immer mehr hervor. Seit Montag begonnen, hat die heiße Witterung gegenwärtig einen Grad erreicht, wie es in der That selten vorkommt. Schon Morgens um 9 Uhr zeigt das Thermometer 23 Grad R im Schatten. Im hohen Mittag gleicht die Luft heißer Backofenlust. Wäre sie nicht immer durch einen mittelstarken Wind bewegt, so wäre die Feldarbeit um diese Zeit unmöglich. Das Ohmwasser, bekanntlich reines Quellwasser, hat gegen Abend 19 Grad R, einen Wärmegrad, den wir um die Mitte des August noch niemals beobachtet haben. Dabei kühlt sich die warme Luft Nachts durchaus nicht ab. Um Mitternacht beobachteten wir noch 20 Grad R im Freien und Morgens gegen 7 Uhr zeigte das Thermometer noch 18 Grad. Bei einer solchen Höhe wird die Hitze nachgerade zur Plage und die Folgen der Dürre zeigen sich überall. Das Obst fällt massenhaft entkräftet zu Boden. Die Blüthen der Bohnen und Gurken welken und fallen ab. Auf den Bergen ist alles Gras an den Rainen, Triften und Abhängen gänzlich verbrannt. Aber auch in den besseren Grundwiesen verdorrt das Gras, nur die ganz feuchten Wiesen zeigen noch Graswuchs. An eine Grummeternte ist bei den meisten Wiesen überhaupt nicht zu denken. Der Klee verwelkt, ja verbrennt auf trocknen Aeckern und Futtermangel herrscht überall. Die erste Saat, welche eben in den Boden kommt, der Winterraps, kann bei solcher Trockenheit nicht aufgehen. Das Wasser in den Mühlbächen ist noch kleiner und dadurch der Betrieb bei den Mahlmühlen noch mehr reducirt oder gänzlich eingestellt worden. Ein Glück, daß wir eine so vorzügliche Getreideernte bekommen haben und daß die Kartoffeln so vortrefflich gediehen sind, sonst würden die Folgen der jetzigen Dürre viel empfindlicher fich fühlbar machen. Darmstadt, 18. August. Ein Dienstmädchen, Elise Kraft von Bessungen, im Hause des Hauptstaatskasse-Directors Lindeck war gestern Abend mit Bügeln beschäftigt, als ihr Kleid plötzlich in Flammen aufging. Die Unglückliche stürzte in den Hof, woselbst es gelang, die Flammen zu ersticken. Die Ursache des Unfalls ist nicht ganz aufgeklärt, man vermuthet indeß, daß ein noch glimmendes Zündholz an dem Kleide hängen blieb. Die Verwundungen des Mädchens sind sehr schwere. Darmstadt, 18. August. Infolge Genusses von Obst starb gestern unter Anzeichen der CHoler ine, die mit den heftigsten Krämpfen verbunden war, ein zweijähriger Knabe. Die Eltern des Kindes sind untröstlich. Möge dieser Fall eine Warnung für andere fein, bei dem Genüsse von Obst, das durch die tropische Hitze ungewöhnlich rasch eine äußere Reife erlangt hat, besonders vorsichtig zu sein. Die Eltern werden gut thun, ihre Kinder aus das eindringlichste vor dem Genüsse unreifen Obstes, das dieselben sich zumeist auf unerlaubte Art zu verschaffen wissen, zu warnen. Dieburg, 16. August. In einem Landstädtchen Hessens hat sich neuerdings ein Wahlcomite gebildet, das als Candidaten vier Anhänger der Werktagsheiligung aufstellte. Da aber einer der ausgestellten kürzlich in einer Woche drei Garben Korn drosch, so wurde er ausgeschlossen und ein neuer an seine Stelle gesetzt, der besser als Candidat in dem genannten Sinne paffen soll. (!) Singe«, 17. August. Gestern Abend wurde hier ein Mann ans Reichenbach i. O. verhaftet, der auf ein hier bedienstetes, aus seinem Orte gebürtiges Mädchen zwei Schüsse aus einem Revolver abgegeben hatte. Der eine Schuß ging fehl, die zweite Kugel steckt noch im Fuße. Das Motiv der That soll Eifersucht sein. — Heute morgen während deS Marktes stürzte eine Frau aus Horrweiler, die hier Butter 2C. verkaufte, auf der Schmittstraße vom Hitzschlage getroffen, tobt zusammen. D. Z. vermischtes. * Berlin, 18. August. Als der Kaiser an der Spitze der Fahnencompagnie vom Paradeselde zurückkehrte und sich der Taubenstraße näherte, wurden etwa hundert blaue Ballons zu drei und drei zusammengekoppelt und mit Farbenflaggen geziert losgelassen. Eine Zeitlang trieb der Wind die Segler der Lüfte die Friedrichstraße entlang nach den Linden hin, so daß die Wimpel in den Farben der drei befreundeten Staaten Oesterreich, Italien und Deutschland zu Häupten des Monarchen schwebten, der sehr sympathisch von der originellen Huldigung berührt schien, denn er dankte freundlich den Veranstaltern durch militärischen Gruß. Brausende Hochrufe begleiteten den Monarchen und die bunten Huldigungsflaggen wirbelten hoch hinaus in die freie Luft, bis sie im sommerlichen Blau verschwanden. * Karlsruhe, 18. August. In dem benachbarten Orte Mörsch brannten elf Gebäude ab. Die gesammte eingebrachte Ernte ist mitverbrannt. * Würzburg, 18. August. In Wettringen bei Rotheo- burg sind neun Wohnhäuser und acht Nebengebäude, darunter das Forsthaus und das Armenhaus, abgebrannt. * Köln, 18. August. Die „Köln. Volksztg." meldet aus Düsseldorf von einem Duell zwischen einem Seconde- üeutenant, einem Bildhauer und einem Maler. Der Lieutenant töbtete den einen und machte den andern kampfunfähig. * Neisse, 15. August., Mit allen militärischen Ehren, wie sie den im Dienste ums Leben gekommenen Soldaten zukommen, wurden am Samstag Nachmittag die acht Opfer der Katastrophe in der Neiffer Militärschwimmanstall zu Grabe geleitet. Dem Leichenzug, den eine viel- hundertköpfige Menge an sich vorübergehen ließ, schritten zwei Sergeanten voran, ihnen folgte ein von einem Kirchenbeamten getragenes Kreuz, dann kamen zwei Musikcorps^