Nr. 68 189’2 Amt Kret« Gieren angenommen, Art. 25, wie tieftener -«zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MonlagS Die Gießener P««ikieu5tä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gefunden: 1 Sturmlaterne, 1 Haarbürste, 1 Tischtuch, 1 Pferdedecke, 2 Taschenmesser, 2 Paar und 2 einzelne Handschuhe, 1 Theil einer Spindeluhr nebst Kette, verschiedene Porzellangegenstände und 3 Fässer Bier. Gießen, den 19. März 1892. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Vierteljähriger Montu’mentspreUt 2 Mark 20 Pfg. mH Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pig Redaktion, Expedition und Druckerei: Kch»tSr«ße 3h.?. Fernsprecher 51 Bekanntmachung, betreffend die Schafräude zu Burkhardsfelden. Nachdem die Schafräude in Burkhardsfelden erloschen ist, haben wir die über die Gemarkung Burkhardsfelden unter dem 12. August v. Js. verfügte Sperre heute wieder aufgehoben. Gießen, den 19. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___v. Gagern. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nun i ier bi» vorm. 10 Uhr Reichstag 196. Plenarsitzung. Donnerstag den 17. März, 12 Uhr. ('(Schluß.) Abg. Wurm (Soc.): Er habe so viel Vertrauen zu der ärztlichen Wissenschaft, daß sie schon selbst mit der Kurpfuscherei werde fertig werden; es bedürfe dazu des Antrags v. d. Schulenburg nicht. Der Kranke müsse vor Allem Vertrauen zu dem Arzt haben, in dessen Behandlung er sich begibt, sonst befolge er dessen Anordnungen nicht. Bertrauen werde er aber nur haben, wenn man ihm die Wahl des Arztes und der Heilmethode überlasse. Man verstaatliche den Aerzte- Üand und die Curpfuscherei werde aushören. Abg. Prinz v. Car olat h (fracttvnslvs) befürwortet den Antrag des Abg. Frhrn. v. Stumm. Adg. Dr. Gutfleisch (bfr.) vertheidigt den von ihm mit- unterzeichneten Antrag Hirsch, bedauert aber, für den Antrag o. d. Schulenburg nicht stimmen zu können, indem er dagegen protestirt, deshalb ein Freund der Curpfuscherei zu sein. Die Frage sei durch die Gewerbeordnung zu regeln. 2lbg. Dr. Meyer (bfr ): Er wolle ja Niemand verhindern, die Behandlung in Anspruch zu nehmen, die ihm gefalle; aber aus den Kassen soll nur die Behanblm.g durch approbirte Aerzte bezahlt werden und wenn es Einer für heilsam halte, barfuß im nassen Grase herumzulausen, so möge er dies auf eigene Kosten thun. Nachdem noch Abg. En bemann (nall.) den Antrag Schulenburg mit dem Zusatzantrage Möller befürwortet hat, wirb ber Zusatz- antrag Möller mit 130 gegen 107 Stimmen abgelehnt; mit demselben Stimmenoerhältniß wird der Antrag v. d. Schulenburg abgelehnt. Abgelehnt wird ferner der Antrag Hirsch, während der Antrag Stumm einstimmig Annahme findet. Mit diesem wird schließlich S 55a angenommen. Der Rest der gemeinsamen Bestimmungen für die Gemeinde- Krankenoersicheruna und die Ortskrankenkassen wird nach den Anträgen der freien Commission angenommen, ebenso die Bestimmungen über die Fabrik- und Innungs-Krankenkassen. Bei den Bestimmungen über das Verhältniß der' Knappschaftskassen und der eingeschriebenen und anderen Hilfskassen zur Krankenversicherung beklagt Abg. Stötze! (Ctr.), daß auch dieses Gesetz oorübergehe, ohne einen Theil der Unzufriedenheit der Bergarbeiter durch Gewährung freier Aerztewahl zu beseitigen. Abg. Leuschner-Eisleben (Rp.): Freie Aerztewahl sei sehr hübsch, aber es ständen finanzielle Schwierigkeiten entgegen und über bte hohen Kassenbeiträge werde schon jetzt geklagt. Abg. Möller (natl.) weist daraus hin, daß man in dem großen westphälijchen Knappschaftsverbande den Arbeitern die Wahl unter den vorhandenen Aerzten lasse. Abg. Szmula (Ctr.): Uebelftänbe in der ärztlichen Behandlung von Knappschaftskassenmitgliedern seien allerdings vorhanden, namentlich tn zweisprachigen Gebieten wie in Oberschlesien. Abg. Dr. Hirsch (bfr.): Stötzel und Szmula hätten als Anhänger des Zwangskassrnwesens vernichtende Kritik an demselben qtubf. Die Mißstände in den Knappschaften seien groß und die Unzufriedenheit darüber im steten Wachsen. Zu den Bestimmungen über die freien Hilfskassen beantragen Abgg. Dr. Hirsch und Dr. Gutfleisch (bfr.) einen Zusatz, wonach durch Statut ber freien Hilfskassen bestimmt werden kann, daß den Wlitgliebern an Stelle sieter ärztlicher Behandlung, Arznei und Heilmittel der Ersatz der Aufwendungen, welche sie hierfür gemacht haben, in Hohe der Halste des ortsüblichen Tagelohns ihres Beschäftigungs- oues gewährt werde. Abg. Dr. Hirsch (bfr.) begründet diesen Antrag. Wenn man wirklich nicht die Vernichtung der freien Kassen wolle, so biete sich bier Gelegenheit, die Bedingung,n für ihre Lebensfähigkeit zu erhalten. Es weide nichts Neues für sie verlangt; man solle ihnen nur die (6tr.), o. Jagow-Rühstädt (conf.), Hermes (frs.), Graf v. Arnim (Rp.), ®riJJ™t (Rp.) und Zangemeister (frs.); beanstandet werden dagegen die Wahlen der Abgg. v. d. Osten (cons.), v. Janta-Polczynski (Pole), Dr. Lanel (frs.), v. Henk (cons.) und Dr. Giese (cons.) Abg. Hermes (frs.) beantragte, die Wahl Grumbts für um gültig zu erklären und zwar in Folge Wahlbeeinflussung durch die Kriegervereine. Abg. v. H e 11 m a n n (Rp.): Der Aufruf des Kriegervereins habe sich nicht gegen die Freisinnigen, sondern gegen die Socialdemokraten gewendet. Socialdemokraten gehörten nicht in die Kriegervereine, da ihre Bestrebungen zu denen dieser Vereine in strictem Gegensatz stunden. Er freue sich des Aufrufs der sächsischen Vereine, der mit so kräftigen geistigen Waffen gegen die Socialdemokraten kämpfe. Abg. Auer (Soc.): In Sachsen würden auch die Freisinnigen als Umsturzpartei behandelt. In einem von Herrn v. Friesen-Rötha unterzeichneten Erlaß der sächsischen conseroativen Partei seien die Deutschsrersinnigen ausdrücklich in eine Linie mit der „social- demokratischen Umsturzpartei" gestellt. Abg. Baumbach-Altenburg (Rp.) bestreitet, daß in den Kriegervereinen Politik getrieben werde. Die Kriegervereine hätten noch nie einen Pfennig für Wahlagitation ausgegeben. Sie träten ein für Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland und diese Politik werde man ihnen gewiß lassen wollen. . , Abg. Rickert (frs.): Der Reichstag sei es seiner Würde schuldig, den Agitationen der Kriegervereine eine Ende zu machen. Wie weit man mit der seitherigen Politik in Sachsen gekommen sei, hätten die letzten Tage gezeigt. Daß die Freisinnigen als Umstürzler hingestellt wurden, seien sie von den Junkern, die zu Beginn dieses Jahrhunderts Preußen an den Rand des Abgrunds gebracht, gewöhnt Abg. Schneider (nl.) führt aus, daß ein Einfluß auf das Wahlergedniß in Folge des Aufrufs des Kriegervereins nicht nachweisbar sei. Abg. Bebel (Soc.): Wenn in den Kriegervereinen Politik getrieben werden solle, so möge man dies in den Statuten aus sprechen und die Vereine auch als politische behandeln. Sächs. Gesandter Gras Hohenthal giebt Aufschluß über die Stellung der Kriegervereine zum sächsischen Vereinsgesetz. Schließlich wird, wie schon erwähnt, die Wahl des Abg. Grumbt für gültig erklärt. Morgen 12 Uhr: Telegraphengesetz Gesetz betr. Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht. Rechte belassen, die sie besitzen und Dank deren sie die bedeutende Entwickelung nehmen konnten, die sie genommen haben. Abg. Molkenbuhr (Soc.) führt aus, daß eine ganze Reihe non Kassen aufhoren müßten zu existiren, wenn man sie zwinge, ihre Leistungen zu hoch zu spannen, und empfiehlt die Aufrechterhaltung der bestehenden gesetzlichen Bestimmung. Ministerialdirector Lohmann: Der Antrag Hirsch würde große Ungleichheiten schaffen. Nachdem noch Abg. Dr. Gut fiel sch für den Antrag eingetreten, wird derselbe gegen die Stimmen der Freisinnigen und Svcialdemv- kraten abgelehnt und S 75 mit mehreren von der freien Commission vorgeschlagenen Amendements angenommen. Herauf wird die Weiterberathung aus morgen vertagt. Außerdem Neueste Nachrichten. WolstS telegraphisches Eorrespondmz-Bureau. Berlin. 18. März. Der Kaiser ist, um sich von dem jüngsten Unwohlsein zu erholen, mir kleinem Gefolge nach dem Jagdschloß Hubertusstock abgereist. Berlin, 18. März. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Cultusministrr wies die Provinzial-Schulcollegien an, bei den ihnen unterstellten Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungs- anstalten 2C. aus eine angemessene Feier des auf den 28. März fallenden 300jährigen Geburtstages des berühmten Volksschulmannes Comenius hinzuwirken. Karlsruhe, 18. März. Beide Kammern beschlossen in geheimen Sitzungen, zum 40jährigen Regierungsjubiläum, 24. April, eine Huldigungsadresse an den Großherzog zu richten. Paris, 18. März. Der heutige Jahrestag des 18. März ist bisher in Paris vollständig ruhig verlaufen- keinerlei! Kundgebung hat stattgesunden, auch die Polizeimacht wurde nicht aufgeboten. — Die Polizei setzt die Haussuchungen wegen der jüngsten Explosion fort. Amtlicher Theil. 9?r. 14 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. d. Mts., enthält: (Rr. 2000.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Glashütten. Vom 11. März 1892. (Nr. 2001.) Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Draht- ziehereien mit Wasserbetrieb. Vom 11. März 1892. Gießen, den 18. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. bestimmt, daß das Gesetz mit dem 1. Januar 1893 in Kraft treten soll. Dieser Bestimmung beantragt Adg. Dr. Gutfleisch folgende Fassung zu gfben: „Dieses Gesetz tritt, soweit es sich um die zu seiner Durchführung erforderlichen Maßnahmen handelt, sofort, im Uebrigen mit dem 1. Januar 1893 in Kraft." Ferner beantragt Abg. v. Strombeck (Ctr.) an Stelle der Bezeichnung „Gesetz betr. die Krankenversicherung der Arbeiter" zu setzen „Krankenverstcherungsgesetz". Der Antrag Gutfleisch wird angenommen, ebenso der Antrag v. Strombeck. Damit ist die dritte Berathung des Gesetzentwurfs selbst erledigt Die Gefammtabstimmung findet nach Drucklegung der Beschlüsse der dritten Lesung statt. Abg. Roes icke (lib.) begründet folgende von ihm beantragte Resolution: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die geeigneten Maßregeln zu ergreifen, daß mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes auch eine anberroeite Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne in Kraft tritt, sowie periodische Veröffentlichungen der festgesetzten ortsüblichen Tagelöbne von Reichswegen herbeigeführt werden." Die Resolution wird einstimmig angenommen. Es folgt Bericht der Gcschäitsordnungscommission über die Frage, wer zur Erhebung einer Wahlanfechtung berechtigt fei. Die Commission antwortet: jeder zur Reichstagswahl Berechtigte. Abg. Gröber, Spahn und Krebs (Ctr.) beantragen: Zur Erhebung einer Wad'anfechtung ist jeder Deutsche berechtigt. Abg. Gröber (Ctr.) begründet diesen Antrag. Die Commission knüpfe das Anfechtungsrecht an das active Wahlrecht; aber die Voraussetzungen für das active und passive Wahlrecht seien nicht dieselben. Das active Wahlrecht sei an einen Wohnsitz gebunden, das passive nicht; das erstere ruhe für den Soldatenstand, während Militärs wählbar seien. Abg. Klemm (cons.) spricht sich gegen den Antrag Gröber aus, indem er barlegt, daß bas Wahlanfechtungsrecht nur ein Correlat bes Wahlrechts sein könne. Abg. Träger (frs.) befürwortet den Commissionsantrag. In Consequenz des Gröber'tchen Antrags müßten auch die Frauen das Wahlansechtuvgsiecht haben. Der Commissionsantrag wird angenommen. Es folgen Wa hlprüfungen. Für gültig werben erklärt die Wahlen ber Abgg. Dr. Porsch ÜHr Ännonren-Biireanr befl In- und Auslande« nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 18. März. Es geht das Gerücht, in dem gestrigen Kronrath sei die Rede von einer Kron-Anleihe von 40 Millionen gewesen, welche hypothekarisch auf die Krongüter eingetragen werden solle. Berlin, 18. März. Heute Vormittag fand eine Sitzung des Gesammt-Staats Ministeriums in der Wohnung des Ministers Bötticher statt, da derselbe noch das Zimmer hüten muß. Es ist sicher, daß in dem gestrigen Kronrath über das Volksschulgesetz verhandelt wurde. Ziemlich sicher ist, daß eine partielle Ministerkrisis eintritt, besonders werden Herrsurth und Graf v. Zedlitz genannt. Berlin, 18. März. Es ist Thatsache, daß der Cultu s- minister gestern unmittelbar nach dem Kronrath sein Entlassungsgesuch einreichte. Die heutige Sitzung des Staatsministenums bezweckte besonders, ihn zur Zurücknahme des Gesuches zu bewegen. Alle Versuche blieben bisher erfolglos. Der Minister nimmt nicht Theil an der Abend sitzung der Volksschulgesetz Commission. Als Nachfolger wird der Chef des kaiserlichen Civilcabinets, v. Lucanus, genannt. - Die Meldung, daß Rauchhaupt aus Wunsch des Kaisers nach Berlin gekommen sei, wird bestritten. Berlin, 18. März. Auf dem Kirchhose wurden die Gräber der im März Gefallenen seit 6 Uhr von Kränzen niederlegenden Arbeiterdeputationen besucht. Die Polizei ist tark vertreten, duldet aber rothe Kranzschleifen und Kränze mit Aufschriften wie „Hoch die Anarchie", „Vom Lumpen- Proletariat" rc. 197. Plenarsitzung. Freitag den 18. März, 12 Uhr. Die dritte Berathung der Novelle zum Krankenver- sicherungSgeseh wird fortgesetzt und zwar bei den Bestimmungen über die freien Hilfskassen, soweit dieselben nicht gestern ihre Erledigung gefunden. Zu 8 7t» hat Abg. Dr. Gutfleifch (bfr.) den gestern bei S 75 abgelehnten Antrag wiederholt, daß die freien Hilfskassen ermächtigt sein sollen, an Stelle ärztlicher Behandlung und Arznei die dafür gemachten Aufwendungen bis zur Hälfte des Krankengeldes zu vergüten. Antragsteller weist auf die Schwierigkeiten bin, welche den freien Hilfskassen daraus erwachsen würden, wenn sie ihren zerstreut wohnenden Mitgliedern ärztliche Behandlung und Arznei in natura gewahren sollten. Abg. Goldschmidt (bfr.) befürwortet den Antrag unter Hinweis auf die Verhältnisse ber Kassen bet Handlungsgehilfen. Abg. Hitze (Ctr.) wird für feine Person für den Antrag stimmen, um auch nur den Schein zu vermeiden, als ob er bie freien Kassen unterdrücken wolle. Abg. Möller (natl.) kann in bem jetzigen Stadium ber Ver- h an bl un gen für ben Antrag nicht stimmen. - i » b. ©djulenburg (conf.): Das Gesetz gewähre ben freien Hilfskassen genau biefelben Rechte wie den übrigen Kassen und räumen Wn ®runb Dor' ^nen eine Ausnahmestellung einzu- Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) wendet sich gleichfalls gegen ben Eintrag. Am richtigsten wäre es gewesen, bie freien Kassen überhaupt nicht in ben Rahmen bieses Gesetzes einzubeziehen. Abg. Ulrich (Soc.): Mit bem, was sonst bas Gesetz enthalte, sei das Schicksal ber freien Kassen schon besiegelt; ber Antrag würbe, wenn er angenommen würbe, baran nicht viel änbern. Doch stimmten seine Freunde dafür. Geh. Rath Woedtke spricht sich entschieden gegen ben Antrag aus, ber eine ungleiche Behanblung ber Versicherten ber verschiebenen Kassen im Gefolge haben würbe. Aog. Hirsch (bfr.) vertheibigt ben Antrag unb bittet den Reichstag, durch Annahme desselben ben freien Kassen bie Möglichkeit zu geben, auch unter bem neuen Gesetze sortzubestehen. . Abg. Frhr. v. Stumm: Der Antrag laufe auf eine Begünstigung ber großen becentralifirten Kassen auf Kosten der kleinen localen Kassen. Der Antrag Gutfleisch wird mit geringer Mehrheit angenommen unb bamit 8 76. Der Rest ber Bestimmungen über bie freien Hilfskassen wirb in ber von ber freien Commission beantragten Fassung angenommen. Bei ben Schluß- rc. Bestimmungen beantragt Abg. v. Strombeck (Ctr.) Gebühren- unb Stempelfreiheit für freiwillig Versicherte Locale» rrn- provinzielles Berlin, 19. März. Die „Kreuzzeitung« hält die Meldung von der Demissionirung Caprivis ausrecht und fügt hinzu, der Kaiser habe Herrn v. Lucanus an den Cultusmiiiister gesandt, um diesen zur Zurücknahme der Demission zu bewegen. Bis zum Spätnachmittag sei letztere nicht erfolgt. Der Cultus- minister habe Nachmittags eine Besprechung mit Caprivi gehabt. Das Tageblatt enthält dieselbe Meldung. Berlin, 19. März. Aus zuverlässigster Quelle verlautet, daß das Entlassungsgesuch Caprivis abgelehnt fei. — Fluchtversuch. Gestern Abend machte der wegen des Einbruchs in der Bahnhofs-Restauration dahier verhaftete Liellner Petri aus Wetzlar, als er vor dem Großh. Amtsgericht vernommen worden war und wieder in das Arresthaus zurückgebracht werden sollte, einen Fluchtversuch. Petri fprang über den Schorgraben und gelangte auf den Brandplatz, wo er von dort exercirenden Soldaten gefangen und in das Arreslhaus zurückgebracht wurde. Derselbe soll des Diebstahls bereits überführt sein. — Verhaftet. Gestern Abend wurde ein junger Mensch verhaftet, der in voriger Woche eitlem Kinde in der Wilhelms- straße 62 Pfg. abgenommen hatte. Der Verhaftete hat sich außerdem noch verschiedene Zechprellereien zu Schulden kommen lassen, indem er in hiesigen Wirthschasten logirte, aß und trank und bann sich heimlich entfernte. Reiskirchen, 19. März. Am 16. d. M. sand hier die Bürgermeisterwahl statt und wurde der seitherige Beigeordnete Herr Johannes Wagner mit 121 Stimmen einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Möge es nunmehr dem neuen Bürgermeister beschieden fein, unsere stark durch Parteiwesen getrennte Gemeinde auf einen friedlichen Weg zu bringen. -ck. Vom Vogelsberg, 17. März. Wenn je die Trauerschläge eines Grabgeläutes das Menschenherz ernst und zur Wehmuth stimmten, so war es das heutige Trauergeläute, während dessen in der Residenz Darmstadt man die sterbliche Hülle des unvergeßlichen, mit seltener Treue geliebten Großherzogs Ludwig IV. zu ihrer Ruhestätte brachte. Wenn schon seither der Glockenklang der Trauer von allen Thürmen wie eine beredte Klage um den herben Verlust durch die Lüfte sich schwang, so ließ sich heute am Bestatrungs- tage des so hochgeschätzten Landesherrn kaum die innere Rührung bewältigen, als die Glocken wiederum ihren Trauergesang anstimmten. „Jetzt bestattet man unseren Landesvater, dem so innig das Wohl seiner Untertanen am Herz gelegen^ der schon so früh dem Lande entrissen, für dessen Wohlfahrt er feine ganze Kraft eingesetzt!" Das war der stumme Ausdruck gar mancher thränenumflorter Augen. Erst in dieser allgemeinen Trauer kommt die ganze Größe der seltenen treuen Liebe und Anhänglichkeit des biederen Hessenvolkes zu seinem entschlafenen Regenten zum Ausdruck. "Und diese aufrichtige und wahre Landestrauer wird der schwergeprüften fürstlichen Familie sicherlich einen Trost gewähren in ihrem tiefen Leid. Von den meisten Krieger- und Militälvereinen unserer Ortschaften sind heute Deputationen bei der Bestattung in Darmstadt anwesend. In allen Schulen wurde der Unterricht heute ausgesetzt und eine Gedächtnißfeier abgehalten. 33alb werden sich Male von Stein und Erz erheben, um de» soweit, als dem Gesuchsteller Concession zum Wirthschasts- betrieb überhaupt ertheilt würde. Das Gesuch des Herrn Architecten Stein um Erlaub- niß zur Erbauung eines Hinterhauses auf einem . der aus dem Bender schen Garten am Seltersweg sich ergebenden Bauplätze wird unter der Bedingung befürwortet, daß Gefuchsteller sich verpflichtet, innerhalb dreier Jahre bei Vermeidung des Verfalls einer Caution von 1000 ein Vorderhaus zu errichten. Nach weiter angestellten Ermittelungen befinden sich eine Anzahl Erbbegräbnisse in vorschriftswidrigem Zustande. Bezüglich vier derselben haben sich auf erlassene Aufforderung Personen gesunden, die sich zu weiterer Unterhaltung der Begräbnisse verpflichteten- erfolglos war das Ausschreiben bezüglich eines Erbbegräbnisses- es wird auf Antrag der Friedhosscommission beschlossen, dasselbe einebnen zu lassen. Berlin, 18. März. Vor dem Landsberger Thor gab es gegen 2 Uhr heftige Zusammenstöße zwischen der po tzet und dem Pöbel. Berittene Schutzleute säuberten den platz und hieben scharf ein. Ein Mann wurde schwer verwundet. - ®er^n* 19. März. Um 4 Uhr erfolgte ein Zusammen- Hoß zwischen der Polizei und einer zweitausendköpfigen Volks- menge in der Straußbergerstraße. Vier Personen wurden verwundet. Um 6 Uhr wurde der Friedhof geschloffen, nachdem wohl 30,000 Personen tagsüber anwesend waren. Hierauf wurde die Menge aus dem Friedrichshain und den aitt grenzenden Straßen zurückgedrängt und zerstreut. Den Tag über fanden viele kleine Ansammlungen statt, bie Plänkeleien dauerten bis in die Nacht. Berlin, 18. März. Das „Tageblatt" meldet aus zuverlässiger Quelle, die Mehrzahl der an dem gestrigen Kronrath beteiligten Minister habe sich für die Zurückziehung des Schulgesetzentwurfs ausgesprochen. Berlin, 18. März. Der Breslauer Proseffor Gaspari hat sich vergangene Nacht in der Nervenklinik des Professors Mendel in einem Anfalle von Geistesgestörtheit erhängt. Halberstadt, 18. März. Der Gewerkschafts-Con- greß beschloß gegenseitige Unterstützung bei Strikes, Reiseunterstützung sür Agitationen auf gemeinsame Kosten, statistische Erhebungen, die Centralisirung des Herbergswesens und Arbeitsnachweises und Schaffung eines gemeinsamen Preß- organes. Halberstadt, 19. März. Der Gewerkschaftscongreß beendigte die Arbeiten und setzte die Ausgaben der Generalcommission fest, bestehend in Agitation unter den Arbeitern und einer Streikstatistik, sowie Herausgabe eines Correspondenz- blattes. Der Antrag, den Sitz der Generalcommission nach Stuttgart zu verlegen, wird abgelehnt. Bei der Neuwahl der Commission wurden nur Hamburger gewählt, darunter Legien. Hierauf wurde der Congreß geschloffen. Die Deleginen fangen stehend die Arbeitermarseillaise. ■ Kiel, 18. März. Das Panzerschiff „Baden" ist gestern Abend bei Langeland ans den Grund gerathen. „Bayern" ist zur Hilfeleistung abgegangen. Thorn, 18. März. Täglich passiren aus dem hiesigen Bahnhose große Trupps russischer Juden, welche nach Argentinien auswandern. Gestern allein passirten über vierhundert. Wilhelmshaven, 19. März. Im Panzerfahrzeug „Sieg- srieb« explodirte heute Nachmittag ein Kesselrohr, wobei sieben Leute schwer verwundet wurden. Brüssel, 18. März. Die Polizei verhaftete in Lüttich einen Anarchisten, welcher als Urheber des gestrigen Dynamitanschlags verdächtig ist. Die deutschen Anarchisten wurden ausgewiesen. London, 19. März. In Durham wurden die Ausständigen durch 10,000 nicht verbündete Kohlenarbeiter verstärkt. Zahlreiche Ordnungsstörungen wurden gemeldet. Es wurden Vorkehrungen getroffen, die Polizeimacht im Kohlenbezirk zu verstärken. Die außergewöhnliche Kohlennachsrage ist saft gänzlich geschwunden. London, 18. März. In der Confercnz der Kohlen- ar beit er wurde beschloffen, daß die Arbeiter außer in Durham fünf Tage wöchentlich die Arbeit sortsetzen solle. Odeffa, 18. März. Die Typhus-Epidemie in Kasan und Samara nimmt erschreckende Dimensionen an. Man fürchtet dazu die Einschleppung der Cholera aus Persien. Sitzung der Stadtverordneten am 18. März 1892. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Grüneberg und Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten dte Herren' Adami, Georgi, Habenicht, Hcyliqen- staedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Petri, Schiele, Schwall Schopbach, Simon, Dr. Thaer und Wallenfels. ' Zu Beginn der Sitzung machte Herr Oberbürgermeister Gnauth nähere Mittheilung über den letzten Städtetaq speziell über die aus demselben besprochene Aendernng der Verwaltungsgesetze. Bon den vorliegenden Gesuchen um Ertheilung der Concession zum Wirthschastsbetrieb wird dasjenige des Herrn Karl Kratz behufs Behandlung in nicht öffentlicher Sitzung von der Tagesordnung abgesetzt. — Gegen die Gesuche des Herrn Louis Bourgeois, welcher die Hctl'sche Wirthschgst m der Kaplaneiggsse erworben hat des Herrn Thomas Moser, welcher die Wirthschaft im Hause Schloßgasse 7 weiterbetreiben will und des Herrn Fran- Mäder, der die Wirthschaft zum Chausseehaus übernommen bat, findet die Versammlung nichts zu erinnern. Die Versammlung befürwortet ferner, im Gegensatz zu dem Gutachten des Gr. Polizetamts, welches ein Bedürsniß zum Ausschank von Branntwein als nicht vorliegend erklärt, das Gesuch des Herrn Ferdinand Noll um Erlaubniß zur Einrichtung einer Wetn-Wirthschait im Neubau des Herrn Carl Steinberger an der Balmhosstraße, sowie dasjenige des Herrn Carl Loth um Erlaubniß zum Wirthschastsbetrieb im Retsstchen Hause in der Schanzenstrabe, letzteres Gesuch in dem den Ausschank von Branntwein betreffenden Theile in- Pünktlich um 1/28 Uhr eine Gedächtnißfeier für Se. Königl. Hoheit ben verstorbenen Großherzog Lubwig IV. abhalten. Zugesagt basür finb verschobene Ansprachen, bie oqS Leben des theuren Heimgegangenen beleuchten werben. Darauf folgt ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. A. Schmibt über bie bürgerliche Rechtsentwicklung im Großherzogthum ^"en. Zu biefer Sitzung werben ausnahmsweise auch Nicht- mitglteber beS Vereins eingelaben unb ist zu erwarten, baß die Versammlung sehr zahlreich werben wirb. . ~ Herr Droschkenbesitzer Carl Huhn jun. hier wurde A Sr. ^ni9L Hoheit dem Großherzog Lubwig IV. zum Pru W brnannt unb bemfelben bie Berechtigung er- *^10, bo§ Allerhöchste Wappen neben der Firma zu führen. Das Decret würbe unter dem 16. Februar b. I. ausgefertigt. ... ~ Aessentliche Prüfung bet Fortbildungsschule. Es ist für den Berichterstatter eine wahre Freude, wenn er unge> - r Obrectivttät in der Lage ist, nur Gutes und Lobenswerthes rnttzutheilen. In solcher Lage befinden wir uns heute wahrend der Abfassung eines kurzen Referates über ben Verlaus obengedachter Prüfung. — Bei einem nad) Umftänben recht guten Besuche derselben, worunter wir einen Vertreter der Schulbehörde — Herr Schulrath Büch- ner war am Erscheinen durch Unwohlsein verhindert — Herrn Oberbürgermeister Gnauth, Mitglieder des Stadt- und Schulvorstandes, Jnnungsmeister und sonstige Freunde der ^ugendbllduug bemerkten, entwickelte sich und verlief die Prüfung glatt und ohne Störung, vor einem, wie wir ausdrücklich hervorheben wollen, andächtig lauschenden Zuhörer- krelfe. Zur Prüfung zugezogen waren folgende Klaffen: Illa. Illb, Ila, Ilb, la, Ib, Io. Ueber ben Erfolg derselben herrschte nur eine Stimme lebhafter Befriedigung und könnet, wir uns diesem Urtheil voll und ganz anschließen. Es ist ja auch immerhin eine achtungswerthe Leistung, wenn Schüler wie diejenigen es sind, aus denen der Grundstock der Fort" bildungsschule sich zusammenfetzt, es nach des Tages Last und Ermattung zu einem nennenswerthen Erfolg in dieser Richtung bringen, insbesondere wenn man sich noch die zahlreichen anderen Störungen und Hindernisse vergegenwärtigt, die gerade dieser Schule entgegentreten. Aus den Noten über Fleiß und Betragen constatiren wir einen Fortschritt zum Besseren, da den meisten Schülern hierin gut — sehr aut gegeben werden konnte. Nach Schluß der Prüfung erfolgte wie früher Prämiirung durch die Jnnungsmeister und Be lobung braver durch die Lehrer hierzu vorgeschlagener Schüler, alsdann Vertheilung der ausliegenden Hefte und endlich Schlußrede und Entlassung der Schüler der ersten Klasse. Die Rede, die auf folgenden Worten basirte: „Arbeit ist das Glück unseres Lebens und dem Fleißigen hilft Gott", betont, daß nicht der erlangte Bildungsgrad allein das Glück unseres Lebens ausmacht, sondern die Art, wie man hiervon im Leben Gebrauch zu machen weiß. Fleiß ist ein großes Cap"al, das Jeder bestrebt sein soll, nach besten Kräften zu verwerthen und auszunutzen, da hierin das eigentliche Lebensglück zu suchen und zu finden ist. Wir wünschen, daß diese Worte nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sein mögen uni) hoffen, indem wir den Entlassenen unsere bestgemeinten Segenswünsche mit auf den Lebensweg geben, daß sie von dem in der Schule Erlernten nur guten Gebrauch machen werden. — Zur Landestrauer. Wer während der Trauertage der vergangenen Woche die Straßen der Stadt paffirte, dem konnte bei einiger Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß die Trauer der Einwohnerschaft Gießens um den dahinqe- schiedenen Landcsherrn eine aufrichtige gewesen. Dies gab sich ganz besonders am Donnerstag, dem Tage der Beisetzung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. futtb. Eine große Anzahl schwarzer Fahnen hatte sich zu den bereits seit Sonntag ausgehängten schwarz-weiß-rothen und roth-weißen mit Trauerabzeichcn versehenen Fahnen gesellt, und der sonst lebhafte Verkehr in den Straßen wickelte sich viel ruhiger als sonst ab. Es schien, als ob Jedermann bemüht gewesen, seiner Geschäftsthätigkeit, wo sic sich nicht ganz einstellen ließ, so geräuschlos wie möglich obzuliegen. Ganz besonders offenbarte sich auch die allgemeine Trauer in den Auslagen der Schaufenster jener Geschäfte, deren Artikel sich besonders zu Trauer-Arrangements eigneten. Kletd-rstosse-, Mode- und W-ißwaarengeschäste, dte Laden der Gärtner und Buchhändler u. s. w hatten in ihren Schaufenstern ein Trauergcwand angelegt, das ebenso treffend sür den Sinn der Geschäftsinhaber wie für den guten Geschmack sprach. Es wurde uns von Theil- nehmern an den Trauerseierlichkeiten in Darmstadt mitgetheilt daß dort, Ausnahmen abgerechnet, im Verhältniß zu Gießet/, recht wenig für Trauerschmuck aufgewendet worden sei, und glauben wir sonach den hiesigen Geschäftsinhabern, die ihren Schaufenstern em stimmungsvolles Trauergcwand verliehen, nicht vorcnthalten zu dürfen das Lob, das ihnen offen und priOQttm von der Einwohnerschaft gezollt wird. — Der Oberheffifche Geschichtsverem wird nächsten Donnerstag im geschmückten Saale des Caf4 Balzer Gießen, 19. März 1892. r? Unieetnfi,5L ®ic cs begreiflich ist, ist di- Landes.Universität in all ihren Gliedern aufs tiefste bewegt von dem Hinscheiden ihres ersten Rector maenifi- centissimna. Im Namen derselben wurde am Tage vor der Beisetzung des Hochseligen Grobherzogs ein großes Palmenarrangement auf dem Sarge niedergelegt. Die Schleifen desselben trugen die mit Goldlettern eingedruckten SBorte Ludovico IV prtncipi dilectiasimo viro bono patri patriae recton auo magnificentiasimo morte acerba erepto academia Ludoviciana Gieaaenaia animo pio dedicavit. rP7?Cr Universität, so hatte nicht minder die Mehrzahl der akademischen Korporationen prächtige Kränze nad) Darmstadt übersandt oder durch Abgesandte überbringen -1 Ct1V ^Ur Besetzung selbst war von Seiten des akaderni- Ichen Senats eine Deputation von fünf Mitgliedern entsandt worden. Dieselbe bestand aus dem gegenwärtigen Rector magmficua Prof. Dr. Sicbeck und aus je einem Vertreter der Fakultäten. Es entspricht dem Brauche, daß die Dekane zu Vertretern der Fakultäten auserschen waren. Doch traf c« ft* so, daß die gegenwärtigen Dekane sämmtlich entweder auf Reifen abwesend oder durch Krankheit verhindert waren, ehrenvollen Auftrage zu entsprechen. So mußten überall tue Prodekane eintreten, nämlich die Herren 1 Dr. Kattenbusch, Jörs, Löhlein und Bchaghel Es waren dieselben Vertreter der Fakultäten, welche am zweiten Ostertagc des vorigen Jahres die Ehre hatten, dem Heimgegangenen Großherzog den Dank dafür abstatten zu dürfen, daß er, der Bitte der Landesuniversität willfahrend, sich die Würde emes obersten Inhabers der Reetorwürde beizuleaen gnadtgst geruht hatte. In demselben Saale, in welchem der h°h° H°rr damals die Deputation huldvoll empfangen hatte, war ,etzt seine Leiche aufgebahrt. Es war für die Mitglieder der Deputation ganz besonders ergreifend, unter diesen Um- (tanben zuerst roieber diesen Raum zu betreten. Wie die Deputation die Ehre hatte, bei der Einsegnung der Leiche des hochseligen Großherzogs im Neuen Palais gegenwärtig zu sein, so war ihr auch hernach vergönnt, der Beisetzung im Mausoleum aus der Rosenhöhe anwohnen zu dürfen. Im Zuge war die Deputation als solche getrennt und auf einen anderen Platz betreteien, als diejenigen Mitglieder der Universität, bie es 5-," versagen mögen, in privater Eigenschaft perfönlt* ber Allerhöchsten Leiche des Rector magni- ficentiaaimus das Geleite zu geben. Die Letzteren hatten sich unter Vorantritt der Pedelle, welche die Seepter der Universität trugen, an die Beamten des Ministeriums des Innern anqereiht. Auch sarnrntliche Corporationen der Hochschule waren so zahl- o ' W'CJ8 nur bie Ferien gestatteten, mit Chargirten in »oilem 28^« und mit ihren Fahnen im Zuge. Wenn die Universität den geliebten Landesfürsten schlicht und kurz als ”vir “onus“ bezeichnet hat, so hat sie ihm damit das Prä- dicat gewidmet, welches für die alten Römer Alles das zusammensaßte, was einen Mann, wo immer er stehe, loben mag. Ein guter Mann«/- in der That, es ist in der Stürze das Wort, womit alle treuen Hessen gern und mit "nerster Zustimmung das Wesen des tapferen, hochherzigen, gerechten und milden Regenten bezeichnet sehen werden, den ihnen der Tod jetzt entrissen hat.