■ f' JX Wr 116 Erstes Blatt. Donnerstag den 19. Mai M Gießener Anzeiger »erden dem Anzeiger e ' Heneral-Unzerger. 1892 vieneljähriger ASonnementspreis: 2 Mark 20 Psg. mtt Brmgerlohn. Durch die Post bezogey. 2 Mark 50 Pf-. ^Rfboctwn, Lrpeditio» und Druckerei: -chukstr«tze 3tr.1, ^Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Tlreis Gieren. Annahme von Anzeige« zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorau 10 Uhr, Hratisöeikagt: Hitßener Jamikienötätter. Alle Annoncen-Vureanr des In- und Auslände- nehmen «vz eigen für den ,<0tt$tncr *■»«'« e x* mtgegm. —I—■■■■ Anrtlicher Theil Bekanntmachung. Die Grundbesitzer, welche ihren Grundbesitz entweder ^ganz oder theilweise nicht selbst bewirthschaften, werden hier- r durch aufgefordert, bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemeinde, ?in deren Gemarkung die Grundstücke liegen, bis zum vSL Juni l. I. schriftlich oder mündlich zu Protokoll den £ Äntrag zu stellen, daß der auf die Steuercapitalien ihrer Grundstücke oder einzelner derselben entfallende Beitrag zur Berufsgenoffenschaft von einem Anderen, als Betriebsunter- H nehmer zur Zahlung Verpflichteten, erhoben werde. Die -^Anträge müffen auch die nöthigen Angaben über die Pacht- lert^gniffe der einzelnen Loose enthalten. >^/^odann wird zur öffentlichen Kentniß gebracht, daß 10 der Verordnung vom 11. Juli 1888 von nach- iBd^chueten Objecten ein Beitrag zur Berufsgenoffenschaft ^ntth^erhoben wird: 1) von Grundstücken, welche zu einem land- oder sorst- wirthschaftlichen Betrieb überhaupt nicht gehören; von allen Gebäuden nebst zugehörigen Hofräumen, > Haus- und Ziergärten; \ 3) von Grundstücken von Betrieben, deren Sitz außerhalb des Landes gelegen ist; 4) von steuerpflichtigen Grundstücken, deren land- und forst- wirthschastliche Benutzung dauernd eingestellt ist, sei es, daß jede Nutzung aufgehört hat, sei es, daß an Stelle der land- und forstwirthschastlichen eine gewerbliche Benutzung getreten ist (z. B. Verwandlung eines Ackers in einen Steinbruch). Diejenigen Grundbesitzer, welche derartige Befreiungs- * gründe, die siH der amtlichen Kenntniß entziehen, geltend machen können/ werden, aufgesochert, «die Befreiung bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemarkung, in welcher das Grund- stück gelegen ist, bis zum L Juni l. I. zu beantragen. Gießen, den 17. Mai 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gag ern. Gießen, 17. Mai 1892. Betreffend: Die land- und sorstwirthschastliche Berufsgenoffenschast für das Großherzogthum Hessen. " Das Großherzogliche Kreisamt Gießen cm die Grotzh. Bürgermeistereien -e- Sreises. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald aus ortsübliche Weise zur öffenlUchen Kenntniß bringen lassen. Unter Bezugnahme auf § 5 und 10 der Verordnung vom 11. Juli 1888, die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschastlichen Betrieben beschäftigten Personen betr., und unser Ausschreiben vom 17. Juli 1889 (Anzeigeblatt Nr. 167) machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß die Grundbesitzer, welche ihren Grundbesitz nicht selbst bewirthschaften, bei der Anmeldung das Rechts- verhältniß (z. B. Pacht rc.) und die Pachterträgnisse der einzelnen Loose anzugeben haben. Heber die gestellten Anträge haben Sie ein Register 'nach der Zeitfolge der Anträge in vorschriftsmäßiger Form (cf. Formular A. zu der Verordnung vom 17. Juli 1889, XS. 93 des Regierungsblattes) zu führen und dies Register ^testens bis zum 15. Juni l. I. unter Anschluß der gestellten Anträge und der dazu gehörigen Nachweise an uns einzusenden. Innerhalb gleicher Frist sind die Anmeldungen ein- getretener Befreiungsgründe von der Beitragüpflicht (cf. § 10 der alleg. Verordnung) mit dem von Ihnen zu führenden Antragsregister uns mitzutheilen. Die Anträge sind von Ihnen zu prüfen und nach Befund als richtig zu bescheinigen. Sodann weisen wir Sie unter Bezugnahme auf § 14 und 15 der genannten Verordnung hierdurch an: 1) Verzeichnisse der in den Gemeinden etwa vorhandenen landwirthschastlichen Nebenbetriebe (z. B. von Fuhrwerks-, Drescherei-, Brennerei-, Molkerei-, Steinbruchs-, Sandgruben-, Lehmgruben-, Torfstich-, Ziegelei-, Kalkösen-, Kellerei-Betrieben rc.), soweit diese Betriebe nicht bereits nach dem gewerblichen Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884 versichert sind, 2) Verzeichnisse der außerhalb des Großherzog- thums gelegenen Grundstücke, welche zu einem landwirthjchaftlichen Betrieb im Großherzogthum gehören, mit Angabe dieser Grundstücke nach der Kataster- dezeichnung, der Größe und des Eigenthümers, an den Vorstand der land- und forstwirthschastlichen Berufsgenossenschaft, Herrn Regierungsrath Nover in Darmstadt, bis Ende Juni l. I. einzusrnden. ____________________v. Gagern._________________ Bekanntmachung. Die Provinzial-Fohlenweide bei Merlau beginnt in diesem Jahr am 1 Juni. Die Fohlen müffen an diesem Tage zwischen 10 und 1 Uhr Mittags daselbst mit gezeichneter Halfter und Kette, sowie mit Gesundheitsschein von Grobherzoglicher Bürgermeisterei oder Veterinärarzt abgeliefert und den letzten September d. I. um dieselbe Tageszeit abgeholt werden, wobei der Besitzer beim Einsangen behilflich sein muß. Die Fohlen erhalten, neben Behandlung und Weidefutter auf ca. 34 Hectaren, bei trockenem Wetter Kleegras oder bei nassem Wetter Heu und außerdem pro Tag und Stück P/2 Pfund Hafer aus der Vereinskaffe. Jeder Besitzer kann jedoch Haferzufatz in Natur oder durch Selbstzahlung geben lassen. Das Weidegeld für bezeichnete Zeit von vier Monat beträgt pro Fohlen 39,04 v4L oder pro Tag 32 und muß die Hälfte beim Eintrieb und die andere Hälfte vor dem 1. August l. I. an die Verwaltung resp. Großh. Baurath Dr. Dieffenbach in Grünberg bezahlt werden. Allen- fallsige Kurkosten der Fohlen muß der Eigenthümer bezahlen. Letzterer kann wegen begründeter Verhältnisse sein Fohlen zu jeder Zeit zürücknehmen und bezahlt dann nur die benutzte Weidezeit. Kranke und bösartige Thiere, sowie über 11/< Jahre alte Hengste, welche die anderen Thiere stören, können ausgeschlossen werden. Sonstige Auskunft ertheilt der genannte Großh. Baurath Dr. Dieffenbach. . Laubach, den 12. Wai 1892. Der Präsident des tandwirchsch. Vereins von Oberheffen. Friedrich, Graf zu Solms Laubach. De«tsche» »eich. Darmstadt, 17. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfängt am Donnerstag den russischen Gesandten, den österreichischen und den belgischen Gesandten Baron Greindl. Berlin, 17. Mai. Prinz Ludwig von Bayern, der als ältester Sohn des Prinzregenten Luitpold einst berufen ist, den Thron der Wittelsbacher zu besteigen, hat schon wiederholt die allgemeine Aufmerksamkeit durch öffentliche Reden, in denen er die mannichsachsten Tagesfragen freimüthig behandelte, auf sich gezogen. Auch aus jüngster Zeit liegt wiederum eine derartige Kundgebung des erlauchten Herrn vor, in der Rede, welche er auf dem Festbanket der 30. Wanderversammlung der bayerischen Landwirthe in Würzburg gehalten hat. In derselben schlug Prinz Ludwig zunächst einen hochpolitischen Ton an, er erklärte, die Erhaltung des Friedens stehe in keines Menschen Macht, was Deutschland in dieser Beziehung thun könne, dies bestehe in der Sorge für eine starke Armee und deren Erhaltung; eine solche Armee müßte es jeder Fremdmacht verleiden, Deutschland anzugreifen. Im weiteren Verlause seiner Rede sprach sich der Prinz entschieden für die Herstellung einer großen Schifffahrtsstraße zur Verbindung zwischen Rhein und Donau aus und verlieh er der Hoffnung Ausdruck, die Verwirklichung dieses Projectes noch erleben zu können. — Die Bildung eines Garantiesonds für die geplante Weltausstellung in Berlin soll nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden. Wie die „Nat.-Ztg." von zuständiger Seite erfährt, haben der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, der Verein für Gewerbefleiß und Kunstgewerbe und der Verein der 1879er beschlossen, Delegirte zu einer freien Vereinigung zu entsenden, welche die Bildung des gedachten Garantiesonds planmäßig betreiben soll. Wünschenswerth erscheint es, daß dieser Fonds möglichst bald zu Stande kommt, denn nachher wird die Reichsregierung genöthigt sein, endlich osficiell Stellung zu dem WeltauSstellungs- projecte zu nehmen. — lieber das Ergebniß der bislang in der konservativen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses gepflogenen Erörterungen über die Umgestaltung des Parteiprogramms verlautet noch nichts Bestimmtes, da für die betreffenden Verhandlungen die Parole auSgegeben war: „Stillschweigen nach außen!" In parlamentarischen Kreisen glaubt man indessen, daß durch diese vertraulichen Besprechungen die innerhalb der konservativen Partei bestehenden Gegensätze betreffs der vorzunehmenden Programmänderungen nicht ausgeglichen worden seien. Ucttefte Nachrichten. wolffS telegraphische- Lorrespoadmz-Bureav. Danzig, 17. Mai. Nachmittags 4 Uhr wohnte der i Kaiser auf der kaiserlichen Werft der Taufe des neuen Kreuzers in Gegenwart des gesammten OsfiziercorpS bei. Die Taufe vollzog im Auftrage des Kaisers Oberwerftdirector Aschmann- er taufte das Schiff „Kormoran". Zwanzig reichbeflaggte Dampfer mit Passagieren lagen vor der Werst. Danzig, 17. Mai. Die Illumination der Stadt gestaltete sich glänzend. — Bei der Umfahrt des Kaisers loderten aus den Thürmen mächtige Magnesiumfackeln, der Wasserweg des Kaisers zur „Hohenzollern" war gleichfalls festlich beleuchtet. Jlluminirte Dampfer gaben das Geleit. Das Wetter war ausgezeichnet. Danzig, 17. Mai. Der „Danziger Ztg." zufolge äußerte der Kaiser aus dem Paradefelde, sein Großvater habe einst gesagt, man dürfe nur die Spielleute sehen, so wisse man, was von einem Regiment zu halten sei. Das habe heute zugetroffen. Die Spielleute seien vorzüglich, die Regimenter vortrefflich, eine bessere Parade bekomme man auch in Berlin nicht zu sehen. Man habe ihm hier stramme, sehr gut ausgebildete, kriegsbereite Truppen vorgesührt. Wien, 17. Mai. Die „Neue Freie Presse" meldet au- Warschau, der Oberpolizeimeister verfügte die sofortige Ausweisung von 120 Deutschen und 78 Oesterreichern. Paris, 17. Mai. Nach einer Vorlage, welche heute den Kammern zugeht, soll^ der Wittwe des Restaurateurs Bvrtz eine Pension von 1200 Francs und der Tochter eine solche von 800 Francs bewilligt werden. Kairo, 17. 3Äpi. Reutermeldung. Wißmann reifte heute nach Zanzivar ab. X epefiten M „Sureau Herold" T Danzig, 17. Mai. Die Parade ist heute.Vormittag bei herrlichem Wetter glänzend verlaufen. Der Kaiser ritt nach dem Schluß an der Spitze der Truppen in die Stadt zurück. Die Husaren waren bereits mit den Lanzensahnen mit Todtenkops versehen. Heute Nachmittag findet die Taufe des Kreuzers statt. Nach der Parade äußerte der Kaiser seine vollste Zufriedenheit, eine solche Parade habe er noch nie gesehen. Der commandirende General Lentze erhielt den rothen Adlerorden erster Klasse, andere Offiziere wurden ebenfalls mit Auszeichnungen bedacht. Berlin, 17. Mai. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Zanzibar: Der Oberhäuptling der Wahehe wird am 20. Juni von Dar-eS-Salaam abreifen, um unter der Vermittelung des Bischoss Monseigneur de Courmont mit den Deutschen Frieden zu schließen. — Die Wahlprüsungs- Commission desAbgeordnetenhauseS hat heute den früheren Beschluß bestätigt und die Wahl des nationalliberalen Abgeordneten Grimm-Frankfurt a. M., die zur abermaligen Prüfung vom Plenum an eine Commission zurückverwiesen worden war, wiederum mit 8 gegen 4 Stimmen für unglltig erklärt. München, 17. Mai. Die Plenarsitzung der Abgeordnetenkammer genehmigte mit allen gegen 13 Stimmen das Nachtrags Postulat in der Höhe von 1,100,000 Mk. für die erste Rate zum Neubau des Nationalmuseums. München, 17. Mai. Die Generaldirection der Staatsbahnen meldet, daß vorgestern Nacht der Orient-Expreß- zug bei Dorten durch Legung einer eisernen Querschwelle auf den Schienenstrang von böswilliger Hand gefährdet war. Die Maschine schob die Querschwelle der Länge nach zwischen die Schienen, wodurch die Gefahr glücklich beseitigt wurde. Essen, 17. Mai. Aus einem Schachte der Gewerkschaft Monopol, wovon die Gelsenkirchener Gesellschaft bekanntlich fast alle Kuxe besitzt, wurden in den letzten Wochen zwei Kohlenflötze mit im Ganzen 261 Ctrn. Kohle durchteust, welche sich nach angestellten Analysen als Gaskohlen reinster Qualität characterisirten. Bei vorliegender flacher Lagerung bergen beide Flötze innerhalb dieses Schachtes ein gewinnbares Kohlenquantum von über 10 Millionen Tonnen. Luxemburg, 17. Mai. Das Zuchtpolizeigericht erließ heute das Urtheil wegen der anarchistischen Revolte in der Nacht vorn 10. April auf einem öffentlichen Platze der Stadt. Von sieben Angeklagten wurde einer zu 15 Tagen, ein zweiter zu 8 Tagen Gesängniß, drei zu einer Geldbuße verurtheilt, zwei wurden freigesprochen. Wien, 17. Mai. Aus dem Verordnungsblatt des Handelsministeriums geht hervor, daß die Regierung beab« sichtigt, die Tariferhöhung auf den Staatsbahnen am 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Wie die bezügliche d 1 v I • 15. Mai. Ein bei einer hiesigen Herrschaft 7lenftcn stehendes Stubenmädchen ist plötzlich zur- Millionärin geworden. Sie ist das uneheliche Kind eines- Grafen, der auf dem Sterbebette, ans Aerger über seine I Verwandten, die ihre Freude über die in Aussicht stehende I g.roße Erbschaft nicht verbergen konnten, seine ehemalige Geliebte zu sich ries, um eine rechtsverbindliche Ehe mit ihr I abzuschließen. Die Tochter setzte der sterbende Graf hieraus I als Universalerbin ein. Buben heraus! Der Besichtigung des 4. Garde- I Regiments z. F. in Spandau am Dienstag voriger Woche I wohnten auch sämmtliche Schulkinder bei. Wie der „A. I H-" meldet, hat nach seinem Erscheinen auf dem Parade- I 'cl^e ^cr Kaiser durch einen Adjutanten feinen bezüglichen I Wunsch auf dem Rathhause überbringen lassen. Infolge dessen I wurden die Schulen, darunter das Gymnasium, am Vormitraa geschlossen. Eine weitere Meldung sagt: Fünfzehn Minuten spater stürmten 5000 Schulkinder nach dem Paradefelde I hinaus. * Praktisch. Die Agitation gegen das Altersversicherungs. I gesetz hat sich sogar des eben in Würzburg statlsindenden I landwirthschaftlichen Festes bemächtigt. Auf dem Festplatz I befindet sich nämlich eine Sammelstelle für Unterschriften qeaen I das Gesetz. y 9 * Serbische Studeuten Eheu. Es kommt sehr häufig vor I baß in Serbien Studenten heirathen, besonders wenn sie schon das zwanzigste Jahr erreicht haben und mündig geworden sind. Dieser Uebelstand frühzeitiger Studenten Ehen, die selten ein gutes Ende nehmen, tritt aber auch im Auölande hervor. Serbische Studenten, die an auswärtigen Hochschulen studiren, heirathen ost mit Einwilligung ihrer Eltern int Auslande, aber ihre Gattinnen finden in der Heimath des Gatten nicht immer gute Aufnahme. Ein warnendes Beispiel I ^at dieser Tage hervor. Ein junger Mann, Namens Mita | Uresevics, studirte in Graz Pharmacie und heirarhete dorr ein zwar armes, aber aus guter Familie stammendes Mädchen, ! Namens Louise Miller. Vor mehreren Monaten kehrte Uresevics nach Belgrad zurück, nahm aber seine Frau und das Kind, das der Ehe entsprossen, nicht mit, sondern sagte der Gattin, er werde schreiben, wenn sie nach Belgrad kommen soll. In der serbischen Hauptstadt angekommen, stieg Mira bei seinem Schwager Dr. Steics, Poltzei-Physikus, ab, ließ aber nun keine Meldung an seine Gattin in Graz gelangen. Die Frau wartete mehrere Monate vergebens aus einen Bries von ihrem Gatten und entschloß sich endlich, nach Belgrad zu reisen und den Mann aufzusuchen. Als sie ihn nun bei seinen Eltern und Verwandten fand, wollte man sic nicht ausnehmen, und aus ihre Frage, was ihr Mann mir ihr und seinem Kinde machen wolle, wurde sie von den Eltern in Gegenwart des Mannes, der solches duldete, geschlagen und aus dem Hause getrieben. Auf ihr Weinen und Klagen sammelte sich eine große Menschenmenge an, welche mit Entt rüstung das traurige Schauspiel ansah. Die Aermste muß nun die Hülse der Behörden in Anspruch nehmen, um ihr gesetzliches Recht als Gattin und Mutter zur Geltung zu bringen, ihr Recht, im fremden Lande bittere Noch zu leiden. Diesen Vorfall schildern Belgrader Blätter mit Ausdrücken der Entrüstung über eine solche Handlungsweise und warnen zugleich vor „den serbischen Studentenheirachen im Auslande". * DaS Glockenspiel. Von den bösen Eigenschaften, dir in der Brust des Menschen schlummern, wird keine so leicht geweckt, wie der Brodneid. So wissen Berliner Blätter von einem wahren Cabinetstückchen zu berichten, das jener Trieb einen Wirch in Halenfee seinem Nachbar, der ebenfalls Wirth ist, spielen ließ. Besagter Wirth, Herr A., ärgerre sich, daß sein Nachbar und Concurrent B. eine Sommerbühne eingerichtet hatte, deren nahe bevorstehende Ervssnung den Strom der Gäste von dem A.'schen in daö ^tefle besagt, setzt das Erscheinen der neuen Tarife die alten Tarife ab 1. Juli außer Kraft. Pest, 17. Mai. General Georg Klapka, der Helden- muthige Vertheidiger der Festung Komorn während deS ungarischen Freiheitskrieges, ist heute gestorben. — Daß «dgeordnetenhauS beschloß den protokollarischen Aus- vruck des Beileids wegen des Ablebens des Generals Klapka. Das ^elchenbegängniß veranstaltet der Landeshonved-Central- Kopeuhagen, 17. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mit ihren Kindern werden Samstag von Petersburg aus der Dacht „Polarstern" abfahren und Montag Vormittag hier etntreffen. Der Großherzog von Luxemburg hat feine Ankunft zu den Festlichkeiten der goldenen Hochzeit des Königspaares angemeldet, ferner Prinz Karl von Schweden, ein österreichischer Erzherzog und ein Vertreter des Groß- Herzogs von Mecklenburg-Strelitz. Warschau, 18. Mai. DaS amtliche Blatt „WarSzawcki Dnewnik" dementirt, daß dieses Jahr bei Petersburg oder in den westlichen GouvernemenrS größere Manöver stattfinden sollen. Loudon, 18. Mai. Der Großherzog von Hessen wurde zum Ritter des Hosenbandordens ernannt. hält, wurden im abgelaufenen Jahre 737 Bände (1890/91 560 Bände) an Hiesige verliehen. — Der neue Zuwachs ’ ®iblio^ct i-n Jahre 1891/92 umfaßte 8059 Schuften, von welchen 1777 gekauft, 1984 als Tausch. Geschenk- und Pflichtexemplaie, 379 von der Obcrhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, 178 vom Ober- hessjsch«, Geschichtsverein, 261 vom philologischen Seminar, deren Bibliotheken mit der Universitäts-Bibliothek vereinigt sind, geliefert wurden,- der Rest von 3480 Schriften bestand ouS Universität«, und Schulschristen. Von umfangreicheren Schenkungen ist eine durch Vermächtniß von Frau Dr Ohler "Ma'nz an die Universitäts-Bibliothek gekommene größere Buchersammlung zu erwähnen, die allerdings ziemlich isolirt dasteht. Man gestatte bei dieser Gelegenheit eine kurze Bemerkung ! Angesichts der mit dem Anschwellcn der literarischen Production von Jahr zu Jahr gesteigerten Anforderungen an die öffentlichen Bibliotheken reichen deren Mittel in unseren Tagen zur systematischen Sammlung auch nur der unentbehrlichsten wissenschaftlichen Literatur immer weniger aus Um so dankbarer ist die Ausgabe für die weiteren gebildeten Kreise hier helfend einzutreten und durch Zuwendung von guten Privatbibliotheken (nicht werthloscm Plunder) die klaffenden Lücken in den öffentlichen Sammlungen schließen zu helfen. Erwägt man einerseits, welchen allgemeinen Nutzen unsere öffentlichen Bibliotheken, weit über die fachwissen- I fd)QftItd)en Kreise hinaus, für alle Schichten und Stände der Bevölkerung stiften, und bedenkt man anderseits, wie täglich werthvolle Privatbibliotheken nach dem Tode ihrer Besitzer zu Schleuderpreisen in alle Welt verstreut werden, so kann man sich des Wunsches nicht erwehren, daß die öffentlichen Bibliotheken in Zukunft eine kräftigere Unterstützung nicht nur seitens des Staates, sondern auch seitens des gebildeten Publikums finden möchten. Nordamerika, wohin im Lause der lebten Jahre unsere werthvollsten privaten deutschen Bücher- sammlungen gewandert sind, um in öffentlichen, mit privaten Mitteln gegründeten Bibliotheken Ausstellung zu finden, gibt uns Deutschen nach dieser Richtung ein glänzendes Beispiel, durch das wir uns hoffentlich nicht auf die Dauer beschämen lassen. — Verhaftet wurde gestern dahier ein Barbiergehilfe, her ein Sittlichkeitsvergehen nach § 175 des St.-G.-B begangen hatte. wurde, fei vorerst noch nicht spruchreif, doch wäre die Frage bereits in ernster Erwägung. Vermischtes. * L / Bentfurt a. M., 17. Mai. Die Nachricht von der Ankunft Jägers in Triest muß, so berichtet die „Fr. Z." auf einer Verwechslung beruhen. Wenn die Ausliesernn« Jagers auch keinem Zweifel unterliegt, so sind doch die Aus- „ * f°T?ht“ten' bie Falle erfüllt sein müssen, noch nicht erledigt- es wird daher immer noch einige Zeit dem'in' <*18 «“0er bCn 8tufcnt^alt w Egypten zunächst mit dem in Frankfurt vertauscht. — Wie man ferner mit Bc- stimmtheit vernimmt, ist dieser Tage das Geld, das bei der ",a"'lle 2°ger von der Behörde mit Beschlag belegt wurde, zurückgegeben worden, da das Haus Rothschild ausdrücklich a“f.£ben, Anspruch nach dieser Richtung verzichtete und die Zurückgabe wünschte. — Die Verhaftung des Buch- H-r-n1 m8 61 Rothschild'schen Bankhause soll hren Grund darin haben, daß G. die Eintragungen, die leinen Schwager Jäger betrafen, nicht auf ihre Richtigkeit pruste, sie vielmehr lediglich im Vertrauen auf die Ehrlichkeit Jägers passiren ließ. Von anderer Seite wird der „Fr. Z." dagegen die folgende Darstellung gegeben: Gerloff erhielt Bor wenigen Tagen von einem Unbekannten ein Packet „An Frau ^ager übergeben. Anstatt den sonderbaren Anstraq einer Prüfung zu unterziehen, richtete G. ihn ohne Weiteres aus. Bei einer Haussuchung in der Wohnung der Adressatin sand man am folgenden Tage 150000 Mk. vor und daraufhin wurde G. verhaftet, um Rechenschaft über seine etwaige Mit- schuld zu geben. 3 . . * derlill, 16. Mai. In der verflossenen Nacht hat ein dreizehnfahriges Mädchen, Namens Clara Wernecke, seinen sieben Jahre alten Stiefbruder Hermann Büge von der Cottbuser Brücke herab kopfüber in den Canal geworfen Hilfe war nicht zur Stelle und der Knabe mußte ertrinken Dortmund, 16. Mai. Auf der Zeche „Germania" wurden durch Schlagwetter neun Bergleute, zum Theit' schwer, verletzt. Todt ist keiner. Der Betrieb wird moracil wieder ausgenommen. Auszeichnung. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des G r oh h er z o o s vom 11. Mai l. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zuCastel: Joseph Lor um, Wirth und Fleischbeschauer, Carl Neumann, Spezereihändler, und Leopold Ne umann Spezereihändler. ' Krankenversicherung. Aus dem neuen Krankenversicherungsgesetz sind nicht blos den Krankenkassen neue Rechte und Pflichten erwachsen, sondern auch den Berufsgenoffcnschasten und den Versicherungsanstalten für Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung. Die beiden letzteren Organe können zum Zweck her Ermittelung der von ihren Mitgliedern, bezw. den Arbeit- brC§ ^zirks beschäftifften Versicherten, sowie deren Beschaftigungszeit und Lohnhöhe durch Beauftragte von den Buchern und Listen der Krankenkaffen Einsicht nehmen laffen. Die Berufsgenoffenfchaftcn sind ferner berechtigt, in Erkrank- uiigsfallcn, welche durch Unfall hcrbcigeführt werden, das Heilverfahren auf ihre Kosten zu übernehmen. Auf sie geht dann zwar vom Tage der Uebernahme an der Anspruch des Kranken auf Krankengeld über, sie haben aber auch alle Verpflichtungen zu erfüllen, welche sonst den Krankenkassen gegenüber dem Erkrankten obliegen. Es ist ersichtlich, daß namentlich lnese zweite, die Berussgenossenschaften allein angehende Neuerung eine wichtige materielle Aendcrung des bisherigen Zustandes bedeutet. Die Berufsgenoffenschasten haben, um nicht durch zu große und zu lang andauernde Renten belastet zu werden, ein großes Jntereffe daran, die durch Unfall erkrankten Versicherten möglichst bald und mög- lichft vollständig geheilt zu sehen. Sie werden deßhalb, wie die „Berl. Pol. Nachr." bemerken, zu ihrem eigenen Nutzen opcriren, wenn sie von dieser ihnen nach dem neuen Krankenversicherungsgesetz vom 1. Januar 1893 ab zustehenden Er- mat*on jetzt auf vielfache Verbindungen mit dem Orient blicken können, sich bestreben werden, dieselben noch möglichst zu festigen und zu erweitern. Speciell durch Collectivausstellungen, ju welchen sich je eine Anzahl Industrieller der gleichen Branche vereinigen könnten, in den bedeutenderen Plätzen ließe sich gewiß so Manches für die deutsche Exportthätigkeit rm Orient erreichen, was bislang nicht zu erstreben war und jedenfalls würden sich dem Scharfblick untererer Industriellen aud) noch andere Mittel und Wege zur Vermehrung ihrer Abiatzgebiete int Orient eröffnen. tocales unJ provinzielles. Gießen. 18 Mai 1892. „ • “Z ~2tul.?cr übcr bic Benutzung und Vermehrung der Unioerfitats.Btblwthek zu Gießen vom l. April 1891 bis ?ion“rL 892 (bciro' »am 1. April 1890 bis 31. März 1891) geführten Statistik dürsten die folgenden Zahlen auch weitere Kreise intereffiren. Was die Ausleihe betrifft fo wurden im Geschäftsjahr 1891/92 circa 14 200 (1890/91 circa 13,300) Bände verliehen. Die Anzahl der im Lesezimmer benutzten Werke läßt sich, da ein Theil der Benutzer Zutritt zu den Büchersälen hat, nicht feststellen. Von auswärts und zwar in erster Linie von Angehötigen der drei Provinzen deS Grogherzogthums ist die Universitäts-Bibliothek, die diesbezüglichen Wünschen gerne nach Möglichkeit entgegenkommt, ,m Lause der letzten Jahre in steigendem Maße benutzt worden. ,m Geschäftsjahr 1891/92 wurden 1363 Bände in 27o «endungen (gegen 1352 Bände in 1890/91) nach Unter den 364 einheimischen Benutzern des Gelchafttfahres 1891/92 befanden sich 119 nicht der ^n't,srf,,m (.?n9^.Ör<.enbE S-t5crfoncn und 52 Universitätslehrer. ®te die B.bl.vthekbenutzenden 198 Studirenden repräsentiren 36% Don deren Gesammtzahl. Den höchsten Procentsatz zu den d,e Unioersitats-Bibliothek benutzenden Studirenden stellen b,e Historiker, klasftfchen Philologen, Neu-Philologen und Theologen (75, 70, 65, 58%), während von den Medicinern vur 25%, von den Juristen nur 23% sich einstellten. Von der Großherzoglichen Hof-Bibliothek zu Darmstadt, mit der die Umverfitats Bibliothek einen regelmäßigen Verkehr unter- '