Rr. 270 Freitag hc» 18 November 1892 Der Mott «scheint täglich, ■it Ausnahme bei Montags. Die Gießener D,«ttte>ßrsi1s, •a*en dem Lnzeiß« »ßchentlich drei mal betfdtgt MchenerAnzeiger Kenerat-Mnzeiger. vierteljähriger AßoanementSprets i 2 Mark 20 Pfg. mtt vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 60 Pf,. Redaction, Lrpeditta» und Druckerei: -chutstraßeMr.,. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Areis Gieren. U«»»h«r ior Anzeige» zu bet Nachmittags für bce folgen de« Lag erscheinenden Nummer bis von». 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamitienötätter. Alle Aano»cen-Vureaux bei I«. und Auslandes netz«« Anzeigen für de« .Gießener Anzeiger^ entgegen. Amtlicher Theil. Gießen, 15. November 1892. Betr.: Die Unterstützung der Familien der zu Friedens- Übungen einberufenen Mannschaften. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« dte Erotzh. Vürgermeiftereie» de» «reise». Nachdem nunmehr die militärischen Hebungen der Reser- visten und Landwebrleute beendet sind, sehen wir in Gemäß- heil unseres Ausschreibens vom 28. Juni I. I. (Anzeigeblatt Nr. 150) der Vorlage der quittirten Empfangsbescheinigungen (^ornt. A.) über die an die Familien einberufener Mannschaften auf Grund be» Gesetzes vom 10. Mai l. I. ausgezahlten Beträge bis längstens den I.December l. I. entgegen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 16. November. Kaiser Wilhelm wird den soeben stattgesundenen Besuch des Königs von Sachsen am Berliner Hose gelegentlich der Hosjagden von Königs- Wusterhausen alSbald durch einen Ausflug nach Moritzburg, dem berühmten Jagdschlösse der sächsischen Herrscher, erwidern. Wie man aus Dresden meldet, hat der Kaiser die Einladung des Königs Albert zu einer am 2. December stattfindenden Hosjagd in Moritzburg angenommen, das Nähere über diese abermalige Zusammenkunft der beiden verbündeten und befreundeten Monarchen muß indessen noch abgewartet werden. Die Annahme, daß es sich bei dem kürzlichen Zusammensein des Kaisers und des sächsischen Monarchen um ernste politische Dinge gehandelt hat und daß hierbei die Jagden in Wusterhausen gleichsam nur zur Folie dienten, kann durch den so rasch nachfolgenden Gegenbesuch des Kaisers nur eine Verstärkung erfahren, wenn auch Berliner Blätter wissen wollen, daß die Reise des Königs nach Königs-Wusterhausen mit der Politik nichts zu thun gehabt habe. — Die Audienz, welche Kaiser Wilhelm neulich dem Bischof von Straßburg ertheilte, hat dem Vernehmen nach einen rein privaten Character getragen. Der erlauchte Monarch sprach hierbei wiederholt seine Zufriedenheit mit der Entwickelung der Dinge im Elsaß aus und betonte namentlich auch die Verdienste des Statthalters Fürsten Hohenlohe, zu dem er besonders Zutrauen hege. Neueste 2Tcxcbrtcbtct». WolffS telegraphische« Correspondenz-Bureau. Berlin, 16. November. Das Landesöeonomie Collegium faßte mit 13 gegen 8 Stimmen' folgenden Beschluß: Es ist dringend wünschenswerth, daß auf dem Wege der Gesetz« gebnng ermöglicht werde, den landwirthschastlich en Centralvereinen auf Antrag eine Organisation und Zuständigkeit ähnlich derj.nigen der Handelskammern zu verleihen. Berlin, 16. November. Drei Versammlungen der Omnibus-, Pferdebahn- und Packetsahrt - Bediensteten beschlossen heute Nacht, zur Durchführung der von der Lohncommission gestellten Forderungen event. einen Strike herbeizuführen. Berlin, 16. November. Seine Majestät der Kaiser conferirte heute Vormittag längere Zeit mit dem Staatsminister Dr. v. Bötticher. — Der Großfürst Wladimir trifft morgen Abend zum Besuche Sr. Majestät des Kaisers im Neuen Palais ein, wird am Freitag früh Seine Majestät zur Jagd nach der Göhrde begleiten und von dort mit nach Potsdam zurückkehren. Dresden, 16. November. Eine Erklärung des „Dresdener Journals" bezeichnet die Blätlermeldung, in Sachsen würde der M i l i t ä r ü o r l a g e an maßgebender Stelle keinerlei Sympathie entgegengebracht, als jeder Begründung entbehrend. Hamburg, 16. November. Vom Senat wird zur öffentlichen Kennrniß gebracht, daß nach einer Mittheilung des Reichskanzlers die Bundesstaaten Ersucht worden sind, von einer gesundheitspo llzei li chUeberwachung der von Hamburg kommenden Seeschiffe abzusehen. Für die amtliche Verbreitung der Thatsache, daß die aus Hamburg kommenden Schiffe in den deutschen Häsen nicht mehr als verdächtig behandelt würden, in den vorzugsweise beteiligten Auslandsstaaten, würde Seitens des Reichskanzlers Sorge getragen werden. Newyork, 16. November. Der Einwanderungscommissär ordnete gestern an, keinen Einwanderer durchzulassen, welcher nicht mit einer Eisenbahnfahrkarte, einem Gepäckscheine und zehn Dollar Geld versehen sei. Jnsolgedessen wurden gestern zweihundert Einwanoerer nach der Control- ftation auf Ellis Island gebracht. Die Einwanderer, sowie die Eisenbahn- und Dämpfschiffahrtsgesellschaften protestirten entschieden, aber vergeblich. Die Gesellschaften drohen, die Sache vor Gericht zu bringen. — Das Schatzamt bereitet ein Circular vor, welches bestimmt, daß die zwanzigtägige Quarantäne für Einwanderer in Zukunft nur auf Zwischendeckspassagiere anwendbar sein soll. Depeschen de« Bureau „Herold". Berlin, 16 November. Der. Bundesrath hat den Reichöhaushaltsetat so weit vorbereitet, daß derselbe sofort nach Constituirung des Reichstages den Mitgliedern zugeht. Die Vorarbeiten für die Einführung der Sonn-, tagsruhe in allen gewerblichen Betrieben, wo dieselbe noch nicht eingeführt ist, werden so beschleunigt, daß dieselbe bis spätestens 1. April 1893 überall eingesührt wird. Berlin, 16. November. Die n'ationalliberale Fractiion beschloß gegen die Vermögenssteuer' (Ergänzungssteuer) zu stimmen und schlägt dagegen die Erhebung einef Erbschaftssteuer vor. Berlin, 16. November. Socialdemokratischer Parteitag. Vormittagssitzung. Nach einigen geschäftlichen Mittheilunger. Singers wurde die Discussion über den Bericht des Parteivorstandes fortgesetzt. Liebknecht erkennt die Mängel bet dem „Vorwärts" an und tagt, Aenderungsvorschläge seien willkommen. Er spricht ferner über das Gehalt der Redacteure. Bezüglich der Parlamentsthätigkeit der ReichstagSfraction verweist Abg. Singer auf den gedruckten Bericht und beant- tragt die Annahme einer Resolution gegen die Militärvorlage, welche die Einführung eines auf der Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit beruhenden und die allgemeine Volksbewaffnung verwirklichenden Wehrsystems fordert. Augustin-Berlin begründet den Antrag auf Stimmenthaltung bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Candidaten. Mittag und Albrecht (Halle) verlangen einen Antrag der Fraction im Reichstag auf Einführung des Achtstundentages. Bueb Mülhausen (Elsaß) spricht über einen Antrag betreffend Aushebung der Ausnahmegesetze für Elsaß-Lothringen unter Anführung drastischer Beispiele. — Nachmittagssitzung. Schwer-Hamburg spricht für die Verstaatlichung der Apotheken und Aerzte. Kauth-Rostock befürwortet den Antrag des Reichsvereins, ein Versammlungsgesetz im Reichstage einzubringen. Metzner-Berlin befürwortet die Abschaffung des religiösen Eides. Auer bittet die Discussion über momentan aussichtslose Anträge aufzugeben. Erhardt- Ludwigshasen beantragt den Beschluß, daß nach jeder Reichstagssession ein kurzgesaßter Bericht über die parlamentarische Thätigkeit herausgegeben wird. Bebel wünscht, daß in der Antragform eingereichte Wünsche möglichst besprochen werden und beantragt, sämmtliche Anträge, die sich aus die zukünftige Thätigkeit der ReichstagSfraction beziehen, zur Erwägung zu übergeben. Referent Singer conftatirt beim Schlußworte, daß im Ganzen kein Widerspruch gegen die parlamentarische Thätigkeit der Fraction vorhanden sei. Eine Resolution gegen Feuilleton. Eine Lücke in der Ausbildung unserer Forstleute. (Schluß.) Die Entwickelung des modernen Lebens, die stets wachsenden Anforderungen, die dasselbe an die Arbeitskraft des Menschen stellt, erfordern ein Gegengewicht. Ein besseres, gesünderes, vollkommeneres gibt es nicht, als der Gang hinaus aus der dunstigen Atmosphäre der Städte in die freie Gottesluft, in den Wald. Es gibt kein besseres Heilmittel für das geistige und körperliche Leid, kein besseres Mittel zum Wiederersatz der Kräfte, zur Wiedergewinnung der Heiterkeit des Gemüths, der ruhigen, richtigen Denkkraft, der geistigen und körperlichen Arbeitsfreudigkeit und Arbeitsfähigkeit, als der Aufenthalt im Walde. In den Wäldern ist die Kraft des alten deutschen Volksthums erwachsen. Der späte Enkel kann der Quelle nicht entbehren, an der seine Ahnen groß geworden sind. Hat der betreffende Wohnplatz eine Umgebung, in der man sich erholen kann, einen nahe gelegenen Wald, so wird der Städter, dem es der Berus gestattet, der Pensionär, der Beamte, der Rentner, nach getaner Arbeit, womöglich täglich, seinen Gang dahin machen. Der Kaufmann und Handwerker wird wenigstens am Sonntag einen Ausflug in den Wald unternehmen. Wer hierzu keine Zeit und Gelegenheit bat, wer an einem Orte wohnt, dessen Umgebung reizlos ist, der packt, wenn er die Mittel hat, im Sommer die Koffer und fährt auf ein paar Wochen an einen stillen Waldort in die Sommerfrische. Dem starken Zuge der Menschen, in den Städten den dauernden Wohnsitz aufzuschlagen, steht der stets wachsende Erholungszug zur Sommerfrische in das Waldgebirge gegenüber. Damit der Wald nun auch wirklich das biete, was der Erholungsbedürftige in ihm sucht: schönen Baumschlag und Schatten, Blumenflor und Vogelsang, frische Waldluft und rieselnde Quellen, anmuthige Ruheplätze und schöne Durchblicke, muß er entsprechend bewirthschastet sein. Das liegt klar vor Angen, in einer ganzen Reihe von Waldungen, die nicht Schutzwald sind, kann gleichwohl das nackte forstliche Reinertragsprincip unmöglich allein maßgebend sein. Wir wollen ein Beispiel anführen. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, daß bei leidlichem Preise der Eichenlohrinden die Rechnung ergibt, daß die finanziell vortheilhafteste Bewirth- schaftung der Waldungen in der Umgebung von Baden-Baden die Eichenniederwaldwirthschast ist. Nun denke man sich, die Forstverwaltung ginge demgemäß vor. Der entzückende Tannenwald, der sich als sammetgrüner Kranz um das Badener Thal windet und ihm seinen Hauptreiz verleiht, würde niedergeschlagen und auf den entblößten Hängen würden Lohhccken erzogen, die alle anderthalb Decennien umgehauen werden und den wüsten Anblick der Kahlhiebflächen bieten. Ja, wäre das denn überhaupt möglich, ohne einen Schrei der Entrüstung durch ganz Deutschland und über seine Grenzen hinaus, ohne ein einstimmiges Vernichtungsurtheil der gebildeten Welt hervorzurufen Und ohne einen großen Theil der Fremden zu verscheuchen, die in Baden-Baden Gesundheit und Erholung suchen und denen die Stadt ihren zunehmenden Wohlstand verdankt? Was von Baden-Baden gilt, das trifft auch bei vielen hundert anderen Orten zu. Die Bevölkerung verlangt, daß ihr Liebling, der Wald, nicht bloß nach dem starren Verdicte und der schwankenden Grundlage der Reinertragsformel, sondern auch nach den ewigen Gesetzen der Schönheit bewirth. schäftet werde. Demnach reicht es nicht aus, den Wald nur in die zwei Hauptgruppen, in den Schutze und RemertragS- wald, zu scheiden. Es besteht sactisch noch eine dritte Gruppe. Sie umschließt alle die Waldungen und Waldtheile, bei deren Bewirthschastung die landschaftliche Schönheit zu berücksichtigen ist. Ein kurzes bezeichnendes Wort wäre noch für diese dritte Hauptgruppe von Waldungen zu finden. Das Wort „Erholungswald" ist zu lang, vielleicht entspräche die Bezeichnung „Lustwald". * Es bedarf keiner weiteren Darlegung, daß derselbe Wald zugleich zwei, ja selbst den drei erwähnten Hauptzwecken gleichzeitig dienen kann und unter Umständen dienen muß. Der Schutzwald kann nebenher auch Nutzwald feilt. Der Lust- malb ist wohl in allen Fällen zugleich Nutzwald. Die Aufgabe des Forstmannes muß gerade darin bestehen, daß er bei Bewirthschastung der ihm unterstellten Waldungen allen den mannigfachen Anforderungen, die in den verschiedenen Richtungen gestellt werden, gleichzeitig zu entsprechen vermag, hier kann er sich als Meister zeigen. Die Forderung des Volkes, daß die Waldungen in der Nähe der Wohnorte mit Berücksichtigung der Schönheitsgesetze bewirthschastet werden, ist im höchsten Grade berechtigt. Die Berücksichtigung der landschaftlichen Schönheit bei Bewirth- schaftung der Waldungen ist unter Umständen geradezu eine große ethische Pflicht. Wie bedeutende Mittel werden mit Recht aufgewendet, um in den (Sammlungen die Werke der Kunst zusammen- zustellen, um durch ihren Anblick den Menschen zu erheben, seinen Gxschmack zu läutern, sein Wesen zu veredeln. Dem gleichen Zwecke wird durch Besichtigung einer schönen Land- schast, eines schönen Stückes Natur gedient. Wird unser Herz erhoben bei der Betrachtung des Denkmals eines großen Mannes, eines schönen Gemäldes, so schlagt es nicht minder hoch beim Anblick einer vielhundertjährigen Eiche, die uns den Begriff der Ewigkeit zu vermitteln scheint. An dem festgefügten Stamme hinauf durch die kräftigen gedrungenen Aeste und das rauschende Laubdach gleiten unsere Gedanken Zu dem Ewigen, der die Welten lenkt, in ehrfurchtsvoller Bewunderung seiner Werke sucht unser Geist den Weg zu ihm. Vermögen wir unter Ausbietung aller Kräfte etwas zu Stande zu bringen, das schöner und ehrsurchtgebictender die Milttärvorlage wird einstimmig angenommen. Zur Mai- feier 1893 beantragt Gerisch-Berlin die Annahme einer Resolution. Mit Rücksicht aus die herrschenden wirthschaftlichen Mißstände hält der Parteitag die Proclamirung einer allgemeinen Arbeitsruhe für den 1. Mai undurchführbar und beschließt, die Feier am Abend des 1. Mai abzuhalten. — Aus der Vormittagsrede Bueb ist bemerkenswerth, er erkläre nun Namens der Arbeiter, nicht der Bourgeoisie: „Wir sind keine Chauvinisten, keine Franzasenfreunde, sondern halten nur die Jnternationalität hoch." (Stürmischer Beifall während der Rede und am Schluß derselben.) Berlin, 16. November. Infolge der Entlassung von 40 Pserdebahnange st eilten wegen Agitation beschlossen drei heute Nacht stattgefundene Versammlungen von Verkehrs- beamten, eine Commission von neun Mitgliedern an die Di« rection zu senden und Wiedereinstellung der Gemaßregelten, Aufhören der Maßregelungen, zehnstündige Arbeitszeit und einen Minimalgehalt zu verlangen. Nur im äußersten Falle wird ein Strike beabsichtigt. Berlin, 17. November. Die Anwesenheit des bayrischen Finanzministers Riedel hängt den „Berl. Pol. Nachr." zufolge mit der Deckungsvorlage für die Mehrkosten der Militärvorlage zusammen. Die Vorlagen seien bereits fertiggestellt und gelangten nächste Woche an den Bundesrath. Berlin, 17. November. Die „Kreuzztg." erklärt die Meldung des „Secolo" (Rom), bei Anwesenheit des russischen Thronfolgers in Wien sei eine Zusammenkunft des Czaren mit dem Kaiser von Oesterreich verabredet worden, für grundlos. Hamburg, 16. November. Der Senat hat heute Nachmittag ^Hamburg für seuchenfrei erklärt. Köln, 16. November. Die „Köln. Ztg." sagt, die Auslassungen der „Natlib. Corr." bezüglich der Militärvorlage seien zu düster gefärbt. Die Regierung werde die weitgehendsten Zugeständnisse machen müssen, aber sei dazu, wie die „Köln. Ztg." glaubt, auch bereit. In diesem Falle dürften aber die staatserhaltenden Parteien schwerlich die Verantwortung für eine ernste Krisis in unserem Staatsleben auf sich nehmen und vielmehr zu einem Compromiß bereit sein. Augsburg, 16. November. Wie die „Augsburger Postzeitung" vernimmt, steht der Kauf des „Münchener Fremdenblatts" durch ein katholisches Consortium zum Preise von 200 000 Mark unmittelbar bevor. Budapest, 16. November. Von einem Postwagen wurde heute aus bisher unaufgeklärte Weise ein Sack, enthaltend eine Million Gulden Staatsnoten, verloren. Marktweiber lieferten der Polizei den aus der Straße gefundenen Sack ab. Amsterdam, 16. November. Die Armeeresorm des Kriegsministers erhöht die He er es stärke von 11000 aus 68 000 Mann und setzt die Dienstzeit im Heere und der Reserve auf 9 Jahre fest. Amsterdam, 16. November. Nach dem Schlüsse des Sympathie-Meetings für die belgischen Vorkämpfer des allgemeiuen Stimmrechtes manifestirten 2000 Personen für das Stimmrecht, wobei wiederholt heftige Zusammenstöße mit der Polizei erfolgten. Eine Anzahl Personen wurden verwundet- einige Verhaftungen wurden vorgenommen. CocaUs unö provinzielles. Gießen, 16. November 1892. — Unfall am Neubau der Zohanneskirche. Als gestern Vormitiag der ca. 70—80 Ctr. schwere, über der Figur des Evangelisten Johannes anzubringende Baldachin in die Höhe gewunden werden sollte, brach an einer der Förderwinden ein Zahn aus- hierdurch schlug die Kurbel zurück und traf einen an der Winde beschäftigten Arbeiter, als derselbe zur Seite springen wollte, an die Beine. Der Mann trug ziem- wäre als ein solches Wunder der Schöpfung, als ein alter ! Baum? Denkmäler, die Millionen kosten, können wir in ' wenigen Jahren errichten- um einen alten Baum auszubauen, i 'st die Arbeit von Jahrhunderten erforderlich und siegreiche • Ueberwmdung aller der Gesalfren, die da drohen von Menschenhand und Blitzschlag, von Raupenfraß und Trockenheit, von Krankheit und Sturm. Was am mächtigsten wirkt, das ist die Verbindung der achten Kunst mit der ächten Natur. Keine Stätte auf deutscher Erde ergreift die Seele gewaltiger als die aus dem Niederwald bet Rüdesheim, aus der das Nationaldenkmal errichtet ist. Woher kommt die starke Bewegung, die selbst durch das Antlitz des weiterharten Mannes zuckt, wenn er jene Stätte betritt? Das Denkmal allein ist nicht die Ursache. Unvergleichlich ist das Denkmal. Aber so, wie es wirkt, wirkt es nicht durch sich allein, so würde es nicht wirken, wenn es drunten aus dem Pflaster im Häusermeer einer Großstadt stände. Einen erheblichen Theil seiner Wirkung verdankt es der wunderbaren Schönheit seiner Umgebung. Wo das Auge hinschweift, trifft es aus etwas Erhabenes. Vun den Figuren des Denkmals, von dem Jüngling, der den Kriegsrus über die Lande schmettert, gleitet das Auge aus das Silberband des Rheinstromes drunten im Thale, ton des Landwehrmannes Abschied von den Seinen aus das Grün der Eichen im nahen Walde. Natur und Kunst wirken hier zusammen und lassen die Vaterlandsliebe zur mächtigen Flamme emporlodern. Nicht in allen Theilen des Vaterlandes kann eine Stätte geschaffen werden, die einen Eindruck hervorrust wie der Niederwald bei Rüdesheim. Aber wenn auch diese höchste Wirkung nicht überall erreicht werden kann, so ist Deutschland doch re-ch an Plätzen, die von der Natur begünstigt sind und an denen immerhin eine beträchtliche Wirkung erhielt werden fann. In die Hand des Forstmannes ist es gelegt, diese Schätze zu heben. Nun haben ja wohl alle Forstleute ihre rechte Freude an der freien Natur und haben vielleicht auch die Absicht, den ihrer Obhut anvertrauten Wald so zu pfleaen daß er den Anforderungen, die an seine landschaftliche Schön- lich schwere Verletzungen davon, ohne daß aus denselben dauernde Arbeitsunsähigkeit zu befürchten ist. Er wurde nach der alten Klinik gebracht. Der aus ungefähr 5 Meter Höhe herabfallende Baldachin ist verhältnißmäßig wenig beschädigt, die ausgebrochenen Stücke können wieder eingesetzt werden. Glücklicherw^e richteten die umherfliegenden Stücke des Zahnrades unter ^en übrigen Arbeitern, obwohl einige derselben getroffen wurden, kein Unheil an. — Die Tyroler Coucertsäuger.Gefellschaft D' Zunthaler, welche heute Abend im Restaurant „Zum Lahn st ein" das erste der angekündigten Concerte giebt, erfreute sich allüberall bester Ausnahme und allseitiger Anerkennung ihrer Leistungen seitens des Publikums und der Presse. Es steht somit wirklicher Kunstgenuß zu erwarten, und glauben wir unsere Leser darauf aufmerksam machen zu sollen. (S. Inserat.) — Im Kaiser Panorama erfreut sich die angekündigte Serie Luzern, Rigi und Vierwaldstätter See eines guten Besuchs. Die trefflichen Ansichten des Vierwaldstätter Sees mit den ihn umgebenden Bergen und Dörfern machen einen wundervollen Eindruck auf das Auge des Beschauers. Wir sehen ferner das Panorama von Luzern, thun einen Blick von Luzern auf den See, dann machen wir einen Gang durch Luzern, an den Quai (Hasen), besteigen ein Dampfschiff und durchkreuzen den See- machen sodann eine Fahrt mit der Rigibahn und kommen an bei Rigi-Klösterli, passiren das berühmte Schnurthal, eine steile schmale Brücke, welche hoch über den Abgrund nach dem Rigi hinaufführt- oben angelangt sehen wir Rigi Kulm, Hotel Schreiber re. Ferner sind interessant das Dors Brunnen, Ansichten von Schwyz, sowie die berühmte Tunnel-Axenstraße bei Brunnen und Fluelen. Bor Allem dürfte aber der historische Löwe von Luzern, die Tellseapelle bei Fluelen und das Monument von Tell in Altdorf von besonderem Interesse sein. — Die Einführung der mitteleuropäischen Zeit erfolgt, wie nunmehr seststeht, auch im äußeren Dienste der preußischen Staatsbahnen und benachbarten Bahnen am 1. April 1893. Von diesem Zeitpunkte werden also die gegenwärtigen, auf Orts- zeit lautenden Winterfahrpläne und Cursbücher hinfällig und müssen durch neue, aus mitteleuropäische Zeit lautende ersetzt werden. + Huugev, 16. November. Zum Besten einer dahier Zu errichtenden Kleinkinderschule sand am Sonntag Nachmittag in der Stadtkirche ein Kirchenconeert statt, zu dessen chönem Gelingen außer den beiden hiesigen Gesangvereinen auch auswärtige Kräfte mit beitrugen. + Gonterskirchen, 12. November. Bei der heute statt- gefunbenen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete Jochem mit 53 Stimmen wiedergewählt. O Ruppertsburg, 14. November. Der Abänderung der schmalspurigen Verbindungsbahn Villingen-Rupperts- burg-Friedrichshütte in eine normalspurige Vollbahn sieht man hier in Kürze entgegen. Die Gemeinde Ruppertsburg bringt der Aussührüng der neuen Bahn bedeutende Opfer. Nieder-Wöllstabl, 15. November. Heute Morgen wurde in der Nidda die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eines unbekannten Mannes im Alter von etwa 25—30 Jahren gekündet. Man bringt den Fund in Verbindung mit dem Umstande, daß sich vor etwa zwei bis drei Wochen ein fremder Mann, der angeblich aus Ober-Nosbach stammte, an den Ufern der Nidda umhertrieb und, von Orts- bürgern mehrfach fortgejagt, dennoch dorthin zurückkehrte. Die Gerichtsbehörde Hot sich heute Mittag an Ort und Stelle begeben, und zur Agnoszirung einen Mann aus Ober-Rosbach mitgebracht. Darmstadt, 16. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Oberst Bock v. Wül- fingen, Commandeur des 3. Großh. Infanterie-Regiments (Letb-Regiments) Nr. 117, den Seeondlieutenant Haupt von demselben Regiment, den Oberst z. D. v. Bachmayr, den heit gestellt werden, entspricht. Aber mit dem guten Willen allein ist es in der Welt nicht gethan, um etwas zu leisten, dazu gehören auch gewisse Kenntnisse. Faetisch sind die Verstöße gegen das Schöne in unseren Waldungen äußerst häufig. Auch dem Forstmanne ist das Verständniß für das Schöne im Walde keineswegs angeboren. Darum müssen wir verlangen, daß diese Lücke durch die Ausbildung geschlossen wird. Die Lehre vom Schönen in spezieller Anwendung auf die Forstwirthschast, die Lehre von der Schönheit des Wirth- schafrswaldes wird von feinem Katheder vorgetragen, die Literatur darüber ist eine äußerst magere. Der einzige Schriftsteller, der über dieses der deutschen Volksseele so wichtige Capttel ausführlicher geschrieben hat, ist Heinrich v. Salisch. Dieser bietet in seiner 1885 erschienenen Forst- ästbetik viel Gutes, feine Arbeit war sehr dankenSwerth, verdienstvoll und um so schwieriger, als sie die erste auf diesem Gebiete war. Leider ist das Buch nicht viel gelesen worden, am Weiterbauen sehlt es vollständig. Besser wird es nicht, bevor sich nicht eine geeignete Kraft auf der Hochschule dieses Gebiets annimmt und dasselbe zu einer besonderen Disciplin ousbildet und regelrechte Vorlesungen darüber hält. Die geeignete Universität hierfür dürfte München sein. Die Forst- ästhettk hat ihre Wurzeln theils im Forstfache, theils in der Kunst. Beide Gebiete werden am leichtesten durch eine Brücke in einer Stadt wie München verbunden, wo mehrere forstliche Docenten, viele tüchtige forstliche Praktiker und zahlreiche Künstler nebeneinander wiiken. Schöne interessante Wald- bilder zur Ertheilung des Anschauungsunterrichts auf Ercur- [wnen wären von dorr leicht zu erreichen. Der Versuch, vom rechten Manne unternommen, muß lohnend ausfallen. Von den zahlreichen Studenten der Forstwissenschaft würde wohl keiner München verlassen, ohne die betreffende Vorlesunq be- sucht zu haben. Wird sie gut vorgetragen, so wäre sie ein weiterer mächtiger Magnet, der die Studirenden des Forst- faches aus ganz Deutschland nach München ziehen würde. (Allgem. Ztg) Pfarrer Zentgraf von Eberstadt, den Pfarrer Porth vot ! Homberg a. d. O., den Bildhauer (Sauer von Kreuznach Zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Oberconsi. storialpräsidenten Dr. Goldmann, den Oberstallmeister Frhrn. v. Nordeck zur Rabenau, den Cabinetssecretär Römheld. Babenhausen, 15. November. Ein seltener Vorfall ist es wohl, wenn es gelingt, einen Fischreiher mit der Angel z u sangen, wie dies heute der Fall war. Ein hiesiger Fischer hatte in der Gersprenz liegende Angeln angebracht, sogen. Grundangeln. Der Fischreiher wollte wohl einen an einer solchen Angel hängenden Fisch erhaschen, blieb aber selbst daran hängen und mußte es mit dem Leben büßen. Die Flügelweite des stattlichen Vogels mißt 1,60 Meter. Mainz, 15. November. Durch die Vorsichtigkeit eines Schutzmannes wurde heute früh in einem Hause der Stall- gaffe ein Brand und Unglück verhütet. In einem verschlossenen Zimmer, in welchem drei kleine Kinder spielten, war Holz, welches um den Ofen zum Trocknen gesetzt, in Brand gerathen. Der Schutzmann sprengte die Thüre, rettete die Kinder und verhütete das Umsichgreisen des Feuers. A Mainz, 16. November. Bei einem hiesigen Psand- amtstaxator wurde gestern eine Persönlichkeit sestgenommen, welche im Verdacht steht, an der jüngst erfolgten Beraubung des Darmstädter Pfandhauses betheiligt gewesen zu sein. Die Verhaftung geschah in dem Augenblick, als die schäbig gekleidete Persönlichkeit, welche angab Grimm zu heißen und von Dieburg zu stammen, eine werthvolle Brillant- nabel versetzen wollte, bie zu ben Gegenstänben gehörte, welche in bem Darmstäbter Pfandhaus gestohlen worden sind. Ein junges blühendes Mädchen einer angesehenen hiesigen Familie erlitt gestern einen Stich einer vermuthlich durch Leichengift inficirten Fliege, durch welchen eine Blutver- gistung herbeigeführt wurde, welche heute den Tod des Mädchens verursachte. vermischtes. * Wetzlar, 15. November. Folgen des Widerst a n d e s. Der Polizeisergeant Becker sah sich vorgestern Abend einem im höchsten Grade ungeberdigen Knechte gegenüber, der im Gesängniß tobte und Alles kurz und klein zu schlagen suchte und außerdem auf den Beamten eindrang, genöthigt, von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen, so daß der rabiate Bursche eine lebensgefährliche Verletzung davontrug. Der Knecht ist heute gestorben. * Liebenan (Kreis Hofgeismar), 11. November. Auf etwas ungewöhnliche Art kam das Rittergut Griemels- jeim um ein Pferd. Während die Knechte beim Abendessen aßen, streifte sich eines der Pferde die Koppel vom Halse und gelangte durch die offene Thür in's Freie. Das Pferd irrte auf dem dunklen Hose umher, gerieth auf die morschen Bretter eines Brunnens und stürzte in denselben. Bei der Nachtzeit blieb nichts anderes übrig, als das Thier im Brunnen Zu erschießen. Mit vieler Mühe wurde am anderen Morgen der Pferdecadaver mittelst eines von auswärts geholten Flaschenzuges aus dem Brunnen entfernt. * München, 16. November. Der Doppelmörder Schindler wurde heute früh 7 Uhr ohne Zwischenfall hinge ri ch t e t. * AlS Vorleserin sucht eine Dame, die in den feinsten Häusern thätig war, Engagement.... So lautete eine Annonce, die sich der besonderen Aufmerksamkeit der Frau H. zu erfreuen hatte. Ja, das war es, was ihr fehlte, um 'hrem Hause ein vornehmes Gepräge zu geben. Zu Leb- Zeiten ihres Gatten, der nur „für s Practische" und bie Berichte vom Schlachtviehmarkt Verstänbniß hatte, wäre ihr eine solche Jbee gewiß nicht gekommen, aber jetzt, wo sie selbstständig über ein bedeutendes Vermögen verfügte, durste sie sich schon erlauben, etwas für den Glanz ihres Hauses aufzuwenden. Sofort setzte sie sich an ihren zierlichen Ro- coco-Schreibtisch und schrieb mit krächzender Feder und n'ckt ohne erhebliche geistige Anstrengung an die Stellungsuchende einen Bries. Diese fand sich am folgenden Tage ein. Mit Entzücken hörte Frau H., daß sie zuletzt im Hause der Gräfin X. thätig war, die eine ganz besondere Vorliebe für bie englische Literatur bekundete. „Und welcher Lcctüre werden die gnädige Frau den Vorzug geben?" fragte die Vorleserin. — „Ganz wie die Gräfin." — „Darf ich mich vielleicht in der Bibliothek umsehen?" „Für Bibliothek war mein Mann nicht," sagte Frau H. verlegen. „Die Bücher schaffen Sie man lieber selbst an- was es kostet bezahl' ich. Aufs Geld kommt's nicht an." Am andern Nachmittag lag Frau H. aus ihrem schwellenden Divan und hörte ihrer Vorleserin andächtig zu. Allmählich aber nahmen ihre Züge einen Ausdruck an, der deutlich bekundete, daß sie nicht recht bei der Sache war. Die Vorleserin merkte es und sagte: „Murray scheint nicht Ihr Lieblingsschriftsteller zu sein?" — „Haben Sie diese Sache auch der Gräfin vorgelesen?" fragte die Wittwe zurück. — „Gewiß!" — „Na, da hat sie sich eben i mit das Pattdeuts che behelfen und das verstehe ich ( nicht, indem ich eben in Berlin ausjewachsen und jroß geworden bin. Wie viel muß ich zahlen, wenn Sie mir daS Alles hübsch hochdeutsch vorlesen? Bei mich kommt ' ß et ja uf en paar Mark mehr jar nid) an ... " Die Vor- 6 leferin hat noch an demselben Tage die englischen Romane an den Antiquar verkauft und lieft jetzt nur noch „hoch- § deutsch" vor. ‘ Hebelgriff. Dem Herrn Buchhalter M., der zwölf Jahre allein in einem Conror arbeitete, wird rin jüngerer 6ol(egt beigegeben. Am ersten Tage, an dem beide im Geschälr allein arbeiten, kommt em Herr ins Conror, fragt nach dem Prinzipal, und da dieser nicht anwesend, geht er wieder, den Herren „guten Morgen" wünschend. Der neu Angestellte sagt ebenfalls sehr höflich „guten Morgen!" ®a dreht sich Herr M. um und sagt zu seinem jüngeren Collegen: „Ich muß recht sehr bitten, sich keine Uebergriffe