V Q(m1 ini| n\\ H der I ieur I ofc 1 fort doy j QQr I r y-1 Wt. 66 Freitag den 18. März Gießenerin,einer Kenerak-Unzeiger Die Gießener >emUUnmUtx werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme des Montags. Vierteljähriger ASonnementspretrr 2 Maik 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Psg RedacNon, Expedition und Druckerei: KchntSraße Hir.7. Fernsprecher 51 en icht SU die ii. Un rls in. ine in. )ie ft en. ft. er s. i- r V n i- n. i r n r f Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gießen chratisöeifage: Hießener Kann'sienßsätter. Amtlichsv Theel biS 189 B e merkungen 8 & G es JL * Arbetts- verdienft Innabm« von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgei vn Tag erscheinenden Nun->ier bis Borm. 10 Uhr. E Z Alle «nnoncen-vureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen 5 S 3 £ Gelieferte Arbeit nach Stückzahl c -S 5 Z Hälfte der fällig gewordenen Beiträge Zur Landestrauer. Aus der Residenz. (Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".) Darmstadt, 16. März. E. M. Aus der Fülle der Blumen- und Kranzspenden, die am Katafalk niedergelegt worden sind, heben wir nur folgende hervor, da an Vollständigkeit der Angabe aus Raumesgründen nicht zu denken ist. Ein kostbarer Blumenkranz mit Palmenarrangement ist von Ihrer Majestät derKönigin von England gestiftet worden. Der Herzog von Edinburg und dessen Sohn Adalbert schließen sich an mit prächtigen Gedächtnißkränzen. Als ein sinniges Zeichen treuester Pietät und kindlicher Liebe hat der jetzige Groß- herzog Ernst Ludwig auf des Vaters Bahre einen Kranz niedergelegt, der ganz aus Vergißmeinnicht besteht. Höchst sinnig ist auch das vom Prinzen Heinrich von Hessen gestiftete Palmenarrangement, denn es hat zwei Palmen in sich ausgenommen, die aus dem Besitz der Mutter, der hochseligen Prinzessin Karl stammen und von dieser mit besonderer Sorgfalt gesiegt worden sind. Der von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen niedergelegte Kranz trägt die Inschrift: „Seinem geliebten Schwiegervater der ewig dankbare Schwiegersohn, Heinrich, Prinz von Preußen". D!e Beiträge für die JnvaltditätS- und Altersversicherung wurden vom Fabrikanten erstattet Zunamen und Vornamen der versicherungspfltchttgen Hilfsarbeiter auf solche Hausgewerbetreibenden, welche das Geschäft regelmäßig für eigene Rechnung betreiben und nur gelegentlich von anderen Gewerbetreibenden für deren Rechnung beschäftigt werden. 2. Die Versicherung erfolgt, bei derjenigen Versicherungsanstalt, in deren Bezirk sich der Betriebssitz des Hausgewerbetreibenden befindet. 3. Die Pflicht zur An- und Abmeldung liegt dem Hausgewerbetreibenden ob. 4. Die Hausgewerbetreibenden sind verpflichtet, über die von ihnen im Gewerbebetrieb beschäftigten Hilfspersonen Verzeichnisse zu führen, aus welchen sich insbesondere die Dauer der Beschäftigung der letzteren ergibt. Hierzu kann das unten abgedruckte Muster benutzt werden. Sie haben diese Verzeichnisse den sie beschäftigenden Fabrikanten auf Verlangen zur Prüfung vorzulegen. 5. Die Fabrikanten rc. sind verpflichtet, den für ihre Rechnung arbeitenden Hausgewerbetreibenden bei der Abrechnung die Hälfte derjenigen Beiträge zu ersetzen, welche die letzteren für sich und für die von ihnen beschäftigten versicherungspflichtigen Hilfspersonen entrichtet -Haben. Gießen, den 14. März 1892. Großherzoglichetz Kreisamt Gießen. v. Gagern. Kalenderwoche vom Es ist selbstverständlich, daß die Orte wie Wien, Straßburg, wo sich zum verstorbenen Großherzog militärische Beziehungen ergaben, mit Blnmenspenden in erster Linie vertreten sind. Dach neben dem Offiziellen steht auch hier das, was die persönliche Liebe des Einzelnen dargebracht hat. Der Kranz des Landmanns, der aus dem Odenwald und Vogelsberg hereingekommen ist, um seinem dahingeschiedenen Fürsten die letzte Ehre zu erweisen, findet seinen Platz neben der kostbaren Gabe aus hoher Hand. (Schluß folgt.) Die versicherungspflichtige Beschäftigung fand statt am Bekanntmachung, betreffend Erstreckung der VersicherungSpflicht nach dem Jn- validitäts- und Altersversicherungsgesetz aus die Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation. Durch Bundesrathsbeschluß vom 16. December 1891 und Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 29. December 1891 ist Folgendes bestimmt worden: 1. Die VersicherungSpflicht nach rubr. Gesetz w rd vom .4. Januar 1892 ab auf die Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation, d. i. solche selbständige Gewerbetreibende erstreckt, welche in eigenen Betriebsstätten im Auftrag und für Rechnung anderer Gewerbetreibenden (Fabrikanten, Fabrikkaufleute, Handelsleute) mit der Herstellung oder Bearbeitung von Cigarren oder anderen Tabakfabrikaten beschäftigt werden und zwar auch dann, wenn die Hausgewerbetreibenden die Rohoder Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher sie vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung Großsürst Sergius, die Prinzen von Anhalt und Schleswig-Holstein sind ebenfalls mit Kränzen und entsprechenden Inschriften vertreten. Gras Hartenau in Graz hat einen Kranz niederlegen lassen, der auf der Schleife die Worte trägt: „Dem heißgeliebten Freunde — Sandro". Die Glieder des Hauses Battenberg, die durch verwandschuftliche und eng freundschaftliche Beziehungen mit dem Grobherzoglichen Hause doppelt verknüpft sind, haben in ernstem, feierlichen Palmenschmuck den Ausdruck ihrer Trauer gesucht. Das russische Leibgarderegiment hat sich mit einem Blumenkranz eingestellt und die Offiziere des russischen Infanterieregiments Nr. 18 haben einen aus Eichen- und Lorbeerblättern gemischten und aus schwerem Silber gefertigten Kranz überreicht. Es ist unmöglich, alle die Vereine und Corporationen aufzuzählen, die sich diesen Ehrenbezeigungen angeschlossen haben, erwähnt sei nur noch, daß die Stadt Darmstadt die Bahre des Landessürsten mit einem Kranz schmückte, der auf weißen Atlasbändern die mit Gold ausgesührte Inschrift trägt: „Ihrem geliebten Großherzog die Haupt- und Residenzstadt Darmstadt". Einen außerordentlichen Eifer haben die beiden Hochschulen und alle übrigen Lehranstalten, sowohl Knaben- als Mädchenschulen entwickelt. Neben dem Chargirten eines Corps oder einer Verbindung trat die Vorsteherin eines Instituts an i den Katafalk heran, um die Zeichen der letzten Liebe zu spenden. Die hiesige Technische Hochschule hat eine Palme in Zimmerhöhe gestiftet, der Botanische Garten ist in ähnlicher Weise vertreten. Mit colossalen und dabei doch höchst geschmackvollen Kränzen, deren Schleifen die entsprechenden Verbindungs- I färben tragen, erschienen: Der Darmstädter Historische Verein (roth-weiß-blau), der Akademische Verein (weiß), 8.0. Darmstadt, Rhenania (gold-weiß-violett), H a s s i a (roth-weiß-grün), GießenerStudentenverein (schwarz-weiß-roth und weiß-roth), Verein der katholischen Studirenden in Gießen(roth-weiß-gold), der akademisch- theologische Verein (dunkelblau-weiß-hellblau), „Gießener Verbindung-Darm st adtia" (roth-weiß-violett) u. s. w. Von Stunde zu Stunde mehren sich die Spenden, die aus Osten und Westen gleich reichlich strömen. Ueberall, | wo Hessen wohnen, künder sich die Trauer und Theilnahme an-. So har u. A. auch der Antwerpener „Verein der Hessen" einen Kranz niederlegen lassen. t>entfahr SdMhttag. 195. Plenarsitzung. Mittwoch den 16. März, 12 Uhr. n . Die dritte Berathung der Novelle zum Krankenver- sicherungsgesetz wird fortgesetzt. S 6a führt die ortsstatutarischen Bestimmungen auf, welche die Gemeinden hinsichtlich der Gemeindekrankenversicherung zu erlassen I berechtigt sind. " Abg- Dr- Hirsch (d^) beantragt Streichung der Bestimmung wonach die Gemeinden beschließen können, daß das Krankengeld theil wetse oder ganz versagt werden kann, wenn sich die Versicherten die Krankheit durch geschlechtliche Ausschweifungen zugezogen haben Die Streichung liege im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege. I Geh. Rath v. Woedke weist darauf hin, daß ärztliche Hilfe Arznei und sonstige Heilmittel auch in solchen Fällen zu gewähren I sei; nur das Krankengeld solle wegfallen. .- , dlbg. vr. Hoffe!(Rp.) beantragt, daß mindestens eine eintägige Carenzzeit fcftzuhalten sei (wahrend die Vorlage die Gemeinde berechtigt, das Krankengeld schon vom Tage deS Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ab zu gewähren). Abgg. Hitze und v. Strom deck (Ctr.) sprechen gegen diesen I Antrag. Abg. Molkenbuhr (Soc.) wendet sich gegen Zwangsarzte und Zwangsapotheken, sowie dagegen, daß die Gemeinden berechtigt sein sollen, Versicherten, die durch eine mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedrohte strafbare Handlung die Gemeindekrankenversicherung geschädigt haben, oder die sich die Krankheit bet Schlägereien Trunk fälltgkett oder Ausschweifungen zugezogen haben, das Krankengeld zu I entziehen. Auf eine Anfrage des Abg. Tröltsch (natl.) erwidert Geb Rath Woedke, daß bei der dreitägigen Carenzzeit die Sonn- und! i Feiertage mitzählen. Aba. Frhr. Stumm (W) «klärt sich Im Jnt-rrsse b« I Sittlichkeit gegen den Antrag Hirsch. Abgg. Dr. Gutfleisch (dfr.) und Singer (Soc.) vertheidigen diesen Anlrag. Es handle sich hier um ein Gesetz zum Besten der Kranken, nicht um ein Gesetz zur Hebung der Sittlichkeit. Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.): Wie kommen denn die übrigen ‘ Arbeiter dazu, durch ihre Beiträge das Krankengeld für Jemand aufzubrtngen, der sich die Krankheit durch eigenes Verschulden zu-, gezogen. S 6a wird unter Ablehnung aller übrigen Anträge in der von 1 der freien Commission beantragten Fassung angenommen. Angenommen werden ferner die übrigen Bestimmungen über I die Gemetndekrankenversichei ung. Bet den Bestimmungen über dte Ortskrankenkassen beantragt Abg. Grillenberger (Soc.) Streichung des 8 26a, welcher das Verbot der Ueberversicherung enthält. (Kassenmttgltedern, welche! gleichzeitig anderweit gegen Krankheit versichert sind, soll nach $ 26a । das Krankcngeld soweit gekürzt werden, als dasselbe, zusammen mit । dem aus anderwetter Versicherung bezogenen Krankengelde, den vollen Betrag ihres durchschnittlichen Tagelohnes übersteigen würde). Für den Fall der Annahme des $ 26a will Antragsteller wenigstens ein Krankengeld bis zu einem Drittel über den vollen Betrag ihre^ | durchschnittlichen Tagelohnes zulassen; der überschteßende Betrag soll den betheiltgten Kassen zu gleichen Thetlen zufallen. Endlich soll | unter allen Umständen die Bestimmung gestrichen werden, wonach 1 für den Fall der Bestellung bestimmter Kassenärzte dte Bezahlung I der Behandlung durch andere Aerzte abgelehnt weiden kann. Gegen den Antrag erklären sich Abgg. Dr. Buhl (natl) Dr. Hirsch (dfr.) und Frhr. v. Stumm (Rp.). ' Der Antrag Grtllenberger wird abgelehnt und 8 26a mit einigen von der freien Commission beantragten Abänderungen angenommen, ebenso der Rest der-Bestimmungen über die Ortskrankenkassen. S 44 erhält auf Antrag der freien Commission folgende neue Fassung: „Unter Oberaufsicht der höheren Verwaltungsbehörde wird dte Aufsicht über Orts-Krankenkassen, welche für den Bezirk einer Gemeinde von mehr als 10000 Einwohnern errichtet sind, durch dte i Gemeindebehörden, bei allen übrigen Ortskrankenkassen durch die Seitens der Landesregierungen zu bestimmenden Behörden wahrgenommen." 1 Brt den „Gemeinsamen Bestimmungen für die Gemeinde-' Krankenversicherung und für die Ortskrankenkassen" war in der zweiten Lesung S 49b gestrichen worden, welcher dte freien Hilfskaffen verpflichtet, jedes Ausscheiden eines versicherungspfltchttgen Mitgliedes aus der Kasse und jedes Uebertreten eines solchen in eine niedrigere । Mitgltederklasse bei der gemeinsamen Meldestelle anzuzeigen. Dte freie Commission beantragt Wiederherstellung des 8 49b | mit einigen Modtficattoncn. Abgg. Dr. Hirsch (dfr.) und Molkenbuhr (Soc.) sprechen! sich gegen, Abgg. Dr. Gutfleisch (dfr.) und Dr. Buhl (natl.) für1 die Wiederherstellung aus, welche darauf beschlossen wird. Eine Anzahl von der freien Commission beantragter neuer i Bestimmungen hinsichtlich der Einziehung der Beiträge wird debattelos angenommen. Weiterderathung morgen 12 Uhr. Gießen, den 14. März 1892. Betreffend: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises. Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung und unser Ausschreiben vom 21. v. M. — Anzeiger Nr. 20 — beauftragen wir diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden stch Hausgewerbetreibende der Tabakfabrikation befinden, dafür zu sorgen, daß dieselben zur Anmeldung gebracht, damit Quittungskarten für sie ausgestellt und die Beiträge für dieselben zum Einzug gebracht werden. Wir bemerken noch, daß die Hilfspersonen der Haus- gewerbtreibenden bereits seither versicherungspflichtig waren, eine Aenderung ist bezüglich dieser jetzt nur insofern eingetreten, als den Hausgewerbetreibenden die Hälfte der Beiträge für sie von nun ab Seitens der Fabrikanten zu ersetzen ist. v. Gagern. bei der Ab-1 mit dem rechnung Betragvon am I JC ö ei S bri [hi entwendet. Man absolut vertraut. bi ist dem Dieb, der mit den Oertlichkeiten sein muß, auf der ©pur. d b g' er r L <5 tl öic n sei bt k |mi 3t ICC frt eines Trauerchvre« von Fr. Silcher betrat Herr I)r. Strack öic Rednerbühne und gab eine Lebensbeschreibung des Hohen Entschlafenen von seiner Geburt bis zu seinem Tode, wobei er auch desjenigen Tages gedachte, an welchem Erbgroß- Herzog Ludwig nebst Gemahlin im Jahre 1862 das damals stattgehabte Turn- und Gesangsest mit seinem Besuch beehrte, und von welchem Prinzessin Alice ihrer Mutter von den loyalen Gesinnungen der Gießener und wie sich Ludwig mitten unter denselben bewegte, schreiben konnte. Nach halbstündiger Rede und dem Vortrage des Liedes Nr. 454 folgte alsdann der Schluß der erhebenden Feier. Das Ende des Ausstandes ist Die Arbeiter und Zechenbesitzer meter Wandstärke hielt einen Druck von 1600 Atmosphären aus, ohne zu springen. Der hier nur kurz skizzirte 2i/2ftünbige Vortrag fesselte die Zuhörer in hohem Grade und wurde- durch lebhafte Beisallsäußerungen ausgezeichnet. — Verhaftet. Gestern wurde ein Frauenzimmer verhaftet, das sich am 15. l. M. Abends bei einem Bäcker und Kaufmann Maaren auf den Namen seiner früheren Dienstherrschaft ausgeschwindelt hatte. Dasselbe war erst am 15. l. M. Morgens aus dem Gesängniß dahier entlassen worden, wo es wegen ganz desselben Vergehens sechs Wochen Gesängniß abgebüßt hatte,- die Strafe hat auf das Frauenzimmer anscheinend wenig Eindruck gemacht. — Einbruch. In der verflossenen Nacht wurde in dat> totales und provinzielles. Gießen, 17. März 1892. — Trauerfeier im Realgymnasium und der Realschule. Heute Morgen 9 Uhr versammelten sich sämmtliche Lehrer und Schüler der obengenannten Anstalt in dem pietätvoll decorirten Saale der Turnhalle, um eine Trauerfeier für den -v früh Heimgegangenen abzuhalten. Im Hintergründe sah man die schwarz umflorte Büste des Großherzogs Ludwig IV., umgeben von frischem Grün und den ebenfalls umflorten Landessarben, davor das Rednerpult, von dem Sängerchor der Schüler rechts und links umgeben. Nach dem Vortrag London, 15. März, noch nicht abzusehen, bleiben fest. London, 16. März, schusses der Kohlenar -h.. In der am vergangenen Montag, Abends 8 Uhr, im Cafe Ebel abgehaltene» nicht sehr zahlreich besuchten Generalversammlung des Reformverems für Bestattungsweseu erstattete der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Fuhr, den Jahres- bericht, welcher im Allgemeinen ein günstiges Resultat ergab. Durch die Unterstützung der hiesigen Loge „Ludwig zur Treue", welche m dankenswerther Weise sämmtliche Kosten (die bei einem neu gegründeten Verein immerhin nicht unbedeutend sind) übernahm, konnten alle durch den Verkauf der Condolenz- karten eingegangenen Gelder zum Besten hiesiger Nothleidenden verwendet werden- es wurden 20 hiesige bedürftige Kinder mit neuem Schuhwerk versehen, sowie ein weiterer Betrag dem „Verein für Krankenpflege" überwiesen. — Wenn auch der Verein keine besonderen Fortschritte gemacht und sich das große Publikum immer noch ablehnend dagegen verhält, weit jede Gewohnheit und namentlich wenn dieselbe eine so schöne wie die Blumenspenden, eine Macht ist, so glauben wir, unsere Bestrebungen doch fortfetzen zu sollen in dem Bewußtsein, daß es ein Gott wohlgefälliges Werk ist, jederzeit der Armen und Nothleidenden zu gedenken- dieses war ungefähr der Schlußsatz des Geschäftsberichtes, welchem alle Anwesenden gern und freudig zustimmten und gleichzeitig auf Antrag des Herrn Fabrikanten F. C. B. Koch dem seitherigen Vorsitzenden für feine unermüdliche und ersprießliche Thätigkeit durch Erheben von den Sitzen ihren Dank zu erkennen gaben. — Nach § 6 der Satzungen haben alljährlich drei durch das Loos zu bestimmende Herren aus dem Ausschuß auszutreten, sind aber wieder wählbar- das Loos fiel auf die Herren Fischbach, Fuhr und Polizeirath Fresenius, welche aber per Acclamation wiedergewählt wurden. Außer den Genannten gehören noch die Herren Oberbürgermeister Gnauth und Oberamtsrichter Langsdorfs dem Ausschüsse an. — Es dürste unsere-Leser interessiren, zu hören, daß Jedermann Mitglied dieses Vereins werden kann, ohne irgend eine Verpflichtung zu übernehmen, sondern lediglich i nur dem § 2 der Satzungen, welcher wie folgt lautet, nachkommen muß: „Jedes Mitglied macht es sich zur Aufgabe, ohne fern Gefühl in irgend welcher Form zu binden, dahin zu wirken, daß anstatt Blumenspenden möglichst Karten zur Verwendung kommen." Der schöne und wohlthätige Zweck, die billigere und pietätvolle Art und Weise seine Theilnahme auszudrücken, führt hoffentlich dem Verein neue Mitglieder zu, denn je mehr Betheiligung, je mehr Mittel und desto mehr Gelegenheit, Gutes zu thun. — Den seither vom hiesigen Gewerbverein gebotenen Vorträgen über allgemein Wissenswerthes auf technischem Gebiete reihte sich am Dienstag Abend ein neuer interessanter Vortrag an. Herr Ingenieur T hi er aus Erfurt sprach über das Manuesmanu'sche Rohrwalzverfahren. Bei dem Aussehen, I we^es die in Rede stehende Erfindung der Gebrüder Reinhard I unfe Max Mannesmann in Remscheid bisher in allen inter- I Arten Kreisen erregte, war es wohl selbstverständlich, daß sich zu diesem Vortrage eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft im I ©aale des Cafe Ebel eingefunden hatte. Herr Thier legte I nm Anfang seines Vortrages die Bedeutung der Erfindung I öar, Vergleiche anstellend zwischen ihr und der seitherigen I Methode der Herstellung von Röhren mit all' ihren Mängeln. Als besonders mißständig für den Gebrauch der auf die • § Herchenhaiu, 15. — Gedächtnißseier j» der hiesigen Volksschule. Es war ein ergreifender Augenblick, als den Schülern unserer Schule nach Schluß der Gedächtnisrede ans Herz gelegt wurde, doch ja die nunmehr eingetretene feierliche Stunde der Beisetzung des m Gott ruhenden Großherzogs Ludwig IV. in ernster Weise, entfernt von kindlichem Spiele und jugendlicher Lust im Hause zu begehen. Diese Mahnung wurde, wie wir wohl glauben, beherzigt und findet ja auch im ganzen Hessenlande Derständniß und Ausdruck. Denn in der That ist für Jung u"d Alt diese Stunde eine Stunde feierlich-ernster Gefühle, Laudon, 17. März. Heute fand ein Meeting des Bergarbeiterbundes statt. Anwesend waren 50 Dele- girte. Der Vorsitzende Sam Woods legte nach Entgegennahme der Mandate die Berichte über den Strike vor, darnach striken insgesammt, ungerechnet der Unbeschäftigten, 405,800 Kohlenarbeiter. Morgen findet eine Con- ferenz statt. Lüttich, 16. März. Die Geschworenen im Prozeß gegen die anarchistischen Dynamitdiebe von Tilleur erhielten zahl- reiche Drohbriefe. Der Staatsanwalt führte in der gestrigen Verhandlung aus, daß die Zerstörung Lüttichs geplant war. Neapel, 16. März. Es wurde hier ein Falschmünzer entdeckt, ^welcher 5000 Hundertlirescheine anfertigte. Druffel, 16. März. Der Verwaltungsrath der Zeche Anderlues bewilligte eine Million für die Hinterbliebenen. Die Privatsammlungen dauern fort. In der gestrigen Sitzung des Aus- beitervereinigung in Durham wurde über den weiteren Ausstand noch kein definitiver Beschluß gefaßt. ------ Gottesdienst der israelitischen KeligionrgeseUschast. Freitag Abend 5" Uhr, Samstag Vormittag 8» Uhr, SamStaA Nachmittag Uhr, Samstag Abend 6" Uhr. tt b' Privatzimmer der hiesigen Bahnhofs Restauration etngebrochen und aus einem Schreibtisch circa 150 Mk. uud mit ihm in Treue verbunden Sein ganzes Volk ein. Solche und ähnliche Gedanken sind es gewesen, die die Ge- | dächtnißrede beherrschten und die ihn pries als Den, der ein I e^lcr Landesherr, ein musterhafter Familienvater und ein l tapferer Held war, der mit starker Hand den dräuenden Erbfeind von den deutschen Marken fortgewiesen. Als seiner edelsten Regententugenden eine wird hervorgehoben, daß Er stets nur solchen Gesetzen geneigt gewesen wäre, welche den Volkswohlstand und die Volksbildung zu heben und zu fördern geeignet gewesen feien. Hieraus erkläre sich wohl auch die Liebe und Treue feiner Hessen und die wahrhaft von Herzen kommende tiefe Trauer über Seinen Verlust. — Zum Schluffe wird der Jugend ein Festhalten am Gedächtniß dieses edlen Fürsten und treue Anhänglichkeit zum angestammten Fürstenhause empfohlen. Mit der Bitte zu Gott, die Regierung unseres nunmehrigen Landesfürsten Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig zu einer gesegneten zu machen, schloß die Gedächtniß- rede. Wir aber wollen diese wenigen Worte nicht schließen, ohne Gott zu bitten, daß er unser erhabenes, schwergeprüftes Fürstenhaus in feine gnädige Obhut nehmen wolle. Möge der Gedanke an die Fortdauer der altbewährten Heffenlieb und -Treue Ihm Trost und Beruhigung in Seinem schweren Leid gewähren? Petersburg, 16. März. Anläßlich des Ablebens des Großherzogs Ludwig von Hessen ist für den hiesigen Hof eine vierwöchentliche Trauer angeordnet. Petersburg, 16. März. Nach einer Verfügung der Be- triebSdirectio» der Südwestbahn wird für die Sommer- öiiSfaat bestimmtes Getreide mit Vorzug, d. h. unabhängig von der Reihenfolge der Auflieferung befördert. Die Waggons sind mit der Aufschrift: „Zur Aussaat. Eilig außer der Reihe" zu versehen. Athen, 16. März. Nach Telegrammen aus Larissa wird die Ebene T h e s s a l i e n s von Myriaden Feldmäusen heimgesucht. Die gesammte Ernte ist bedroht. Depeschen deS „Bureau Herold". Berlin, 16. März. Nach der „Nat.-Ztg." wird das Welsensonds-Gesetz wahrscheinlich zunächst nicht im Plenum berathen, sondern an eine Commission verwiesen, da die Annahme in der vorliegenden Form zweifelhaft fei. Berlin, 16. März. Dem Bundesrath ist der Ent- wurs der Verordnung, betreffend das Jnkrasktreten der auf die Sonntagsruhe des Handelsgewerbes bezüglichen Bestimmungen der Gewerbenovelle, zugegangen. Die Vorarbeiten, betr. die Sonntagsruhe in der Industrie, sind noch unabgeschloffen. Halberstadt, 16. März. Gewerkschaf ts-Congreß. Organisationssrage. Buchdrucker Döblin-Berlin wirst der wcialdemokratischen Partei Jntereffelosigkeit für die Gewerkschaftsbewegung vor. Die Mehrheit der Redner tritt für die Eentralorganisation ein. Paris, 17. März. Der Kriegsminister, mit der Armeecommission übereinstimmend, beschloß die proportionale Verabschiedung der Offiziere nach 20jähriger Dienstzeit, vorläufig jährlich 200, dieselben bleiben jedoch noch zehn Jahre zur Disposition. Libau, 17. März. Ein amerikanischer Dampfer, „Indiana", ist mit Getreide für die Nothstandsgegenden gestern Nachmittag hier eingetroffen. Derselbe wurde vom Grasen Bosrinski Namens des Nothstandscomites empfangen und von einem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Warschau, 17. März. Der Stadtrath verhandelt mit den Hausbesitzern betreffs Unterbringung größerer Truppenkörper. Neueste Nachrichten. WolftS ttlkgraphischeS Torrespoodenz-vurea.r Berlin, 16. März. Die R e i ch s t a g s c o m m i s s i o n für bcn Gesetzentwurf über den Belagerungszustand in Elsaß- Votbringen beschloß heute, dem Vorsitzenden Grafen Ballestrem anbeimzugeben, den Termin für die nächste Sitzung zu bestimmen, um den Mitgliedern Zeit zu lassen, sich mit ihren ,yracnonen in Verbindung zu setzen, um Stellung zu nehmen zu dem Anträge Cuny-Petri, wonach der Gesetzentwurf abgelehnt und die Regierungen ersucht werden sollen, dem Reichstage ein für das ganze Reich bestimmtes Gesetz über ben Kriegszustand vorzulegen. Wie», 16. Marz. Die „Wiener Zeitung" meldet, daß für den verstorbenen Großherzog von Hessen eine achttägige Hoftrauer angeordnet worden ist. Paris, 16. März. Heute Vormittag finden bei allen bekannten Anarchisten Haussuchungen statt. Jedes Individuum, bei welchem Sprengmittel gesunden werden, wird icstgenommen und in Hast behalten. Don dreißig Haus- suchungSbefehlen beireffen die meisten ausländische Revo- i lutionäre. Die Untersuchung der Explosion der Lobau-Kaserne dauert fort. Besondere Maßnahmen sind zum Schutze der Denkmäler getroffen. Alle Militärposten sind verstärkt. Londo», 16. März. Mehrere nach dem Orient gehende englische Schiffe liefen Antwerpen an, um dort ihren Kohlenbedarf einzunehmen, während zahlreiche verscyie- denen Schiffsgesellschaften angehörende Postdampfer in London unschwer Kohlenvorräthe erthalten. „ _ . , hier gegründete- „Papierwaarensabrik Herchenhaiu" wird im Lause dieser Woche ihre Thätigkeit beginnen. März. Die seitherige Art hergestellten Rohre bezeichnete Redner bei« großen nachtheiligen Einfluß, den Witterungs- und Temperatur Verhältnisse auf Gas-, Wasser- und Luftleitungsröhren ausübte- und welcher einer weiteren, bei der Vervollkommnung auj i em Gebiete des Maschinenbaues nothwendigen Verwendung^ von Röhren entgegenstehe. Auch seien die auf bisherige Art! Yergestellten Rohre so porös, daß, besonders bei Gasleitungen, ein erheblicher Prozentsatz verloren gehe, die Röhren ver-i trugen nur einen verhältnißmäßig geringen Druck. Herr mkter 'r*?utertc die Herstellung der schmiedeeisernen, der Guß- und Kupferrohre, die sämmtlich nur bis zu einem ge- luiffen Grade verwendbar und besonders an ihrer Naht dem Bruch, dem Zerreißen ausgesetzt seien. Angestellte Versuche ergaben, daß alle Rohre in ihrer Naht platzten, während sie an oft dünneren Stellen ganz bleiben. Die bei der bis- H^ellungSweise nothwendige Naht fei es vor Allem, welche Anlaß zu Versuchen, Rohre ohne Naht herzustellen, gab, Un rQud) 6ic [e"her angewandten Mittel sehr ! verschiedener Art, u. A. wurden Rohre gebohrt (Kanonen- | roqre, Flmtenlause) oder auf galvanischem Wege hergestellt, .. .-------? । A geschweißten Drahtwindungen, spiralförmig aufgewickelte« dte Stunde namltch, wo man Ihn hinausträgt und Ihn Stahlbändern u. f. w. wurden Versuche gemacht, ohne daß bettet zur ewigen Ruhe, zum ewigen Frieden, unseren heiß- | ein befriedigendes Resultat erreicht wurde. Es war selbst- geliebten und Nesbetrauerten Landesvater. In die Klage um verständlich, daß durch die Erfindung der Gebrüder ManneSmann Seinen allzusruhen Verlust stimmt heute Sein hohes Haus sowohl in den Kreisen der Rohrfabrikanten wie der Con- w t ~ I suwenten viel Streit und Zweifel darüber entstanden, ob das I Verfahren wirklich allen Anforderungen entsprechen I ^"e, die man nach Allem, was darüber geschrieben, an I asselbe stellen zu können glaubte. Der Streit entbrannte um so heftiger, je weniger die Erfinder sich entschließen konnten, mit Tatsachen vor das Publikum zu treten - sie | hatten aber dazu allen Grund, denn das, was ihnen her- I « gelungen war, trug noch zu sehr den Stempel der I Unvollkommenheit und hätte ihnen mehr geschadet als genützt, i Die Erfindung kam zu ihrer Geltung, als am 16. April 1890 ^riUJC0U^ in $erIin vor einer äußerst zahlreichen ’ *rttaft und unter Vorführung einer großen Anzahl au« Mannesmann-Röhren hergestellter Gegenstände erklärte, was em Mannesmann-Rohr ist. Wie es hergestellt wird, I erklärte Redner nicht, denn die Erfindung war bereits als patent in die Hände einer Gesellschaft übergegangen, deren Patent-Conto sich auf 32,000,000 Mk. belief. Das Verfahren wurde zwar später, nachdem es patentirt, beschrieben, es ist aber bisher noch Niemand, auch nicht dem Vor- tragenden, gelungen, Eintritt in ein Walzwerk zu erhalten, in welchem Mannesmann-Röhren hergestellt werden. Herr Thier hatte sich einige Modelle hergestellt, an der Hand deren er den Vorgang, der der Herstellung eines Mannesmann- Rohres zu Grunde liegt, unter Anwendung einer eigens dazu hergcstellten, die Stelle des Stahls vertretenden Masse, erläuterte. Danach wird ein Stahlblock in Weißhitze (nur Stahl eignet sich zur Herstellung der Röhren) derart vor und zwischen etgenartig construirte und bewegte Walzen gebracht, daß sich I oer Block tn Folge des aus ihn ausgeübten Druckes und der Bewegung in eine Röhre verwandelt, die keine Naht hat und demzufolge eine große Festigkeit besitzt. Selbstverständlich isd zur Bewegung der Walzen und zur Erzeugung des Druckes eine Slraft erforderlich, die nahezu ans Fabelhafte grenzt uud die es anfänglich für zweifelhaft erscheinen ließ, ob die Her- ' fteHung solcher Röhren sich lohnen würde. Dem rastlosen Eifer der Erfinder ist es zu danken, daß auch die Frage der Krafterzeugung, allerdings unter Ucberwindung großer Schwierigkeiten und nach mancherlei mißglückten Versuchen gelöst ! werden konnte, so daß der Fabrikation der Mannesmann- j Röhren nichts mehr im Wege steht. Was nach dem Mannesmann- versahren hergestellt wird, sind: GaS-, Wasser- und Damps. leitungsröhren, Wagenachsen, Schienen, Telegraphenstangen, 1 He^rohre für Dampfkessel, Mäntel für Gewehrläufe, Feilen, j Beile, Hämmer, Gestelle für alle Zwecke, Brückenconstructionen I u. s. w. u. s. w. Nach dem bisher Erreichten eröffnet das | Mannesmann-Walzverfahren der Industrie und Technik, dem i Verkehr ganz neue Bahnen und wird dasselbe eine vollständige I Umgestaltung auf dem Gebiete der Eisenindustrie herbeiführen^ Die Vorzüge des neuen Verfahrens erläuterte Redner durch Vorzeigen von Röhrenabschnitten, Werkzeugen u. s. w. Das | Mannesmann'sche Walzverfahren führt eine solche Verfilzung | und Verbindung der einzelnen Stahltheile herbei, daß ein I Brechen geradezu ausgeschlossen ist, wovon die Zuhörer sich I durch Besichtigung einiger besonders „mißhandelter" Stücke j überzeugen konnten. Was die Festigkeit der Röhren betrifft, | so hat z. B. ein Rohr von 25 Millimeter Durchmesser und I 0,86 Millimeter Wandstärke einen Druck von 509 Atmosphären I ausgehalten, ein 37 Millimeter weites Rohr von 7 Milli- I