Nr Erstes Blatt Donnersta« Len 18. Februar 1882 Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Die Gießener -««ikteuStälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der •itftever Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Vierteljähriger AVounementspreiF r 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Achnlftraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Aveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. ÄNL____■ 1 ■ । — Hratisöeitage: Hießener Aamitienölätter. Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes uehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Ilnrtliehev Ttterl = (9 N- W viqiQ S) Samstag den 26. März l. Js., Abends Schwertern, an G « S S- ~ 5 über die Vortheile des Bezugs fremder Saatfrucht und über Düngung der Wiesen abhalten wird, wozu alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft ergebens! eingeladen werden. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. Gießen, den 16. Februar 1892. Der Director des landwirth^aftlichen Bezirksvereins Gießen: 2) Mittwoch den 9. März I. Js., Nachmit- lag# y24 Uhr, m demselben Locale, über die Frage, ob der Betrieb der Viehzucht der Mllchwirthschaft vorzuziehen ist, 173. Pleuarfitzuug. Dienstag den 16. Februar, 1 Uhr. t t des Mililäretars wird fortgesetzt und zwar bei den Resolutionen betr. Lroldatenmißhandlungen. Abg. Frhr. v. Manteuffel (conf.): Nach der aestriaen Rede des Abg. Bebel sei es unverständlich, wie die SodalbeM Resolution Buhl-Richter zustimmen können; dieselbe müßte ihnen doch als ganz schwächliches Machwerk erscheinen. Zudem enthalte sie n der Bestimmung über die Bcschwerdepflicht eine Beschränkung des reien W'llens, die doch sonst n cht in den Rahmen der Bestrebungen der Herren liege. Übrigens sei diese Beschwerbepflicht ein Schlag inS Wasser, wenn derselben nicht eine Strafbestimmung an die Seite gestellt werde. Der Erlaß des Prinzen Georg von Sachsen führe so strenge Strafen auf, daß nicht einzusehen sei, wie unter dem öffentlichen Militärgerichtsverfahren Soldatenmißhandlungen energi cher entgegengetreten werden solle. Ganz verfehlt sei der Angriff Bebels auf den Adel und specieü den preußischen Adel, als ob in demselben ein Geist gezüchtet werde, wie er in den Soldatenmißhandlungen zu Tage trete; das Gegentheil sei der Fall. Die ganze Erziehung des preuß'tchen O'stzters sei danach angethan. daß er lernt, mit den Leuten umzugehen. (Beifall.) Die Rede Bebels beweise, daß es sich b/ute in der That um den Kampf des Christenthums gegen den Atheismus handle. Zwischen Wissenschaft und Christen! hum bestehe Gegensatz; w r bekämpfen nur diejenige .Wissenschaft", die einen solchen Gegensatz schaffen wolle. Er bestreite nicht, daß das Straf- proceßv erfahren abLnderungstähig sei, aber es dürfe nicht an den Grund atzen gerüttelt werden, mit denen wir die großen Siege erfochten haben. Die auf diesen Grundsätzen aufgebaute Armee sei ein Schatz, den wir unS nicht entreißen lassen dürfen. (Lebhafter Beifall) Deutsches Reich. Berlin, 16. Februar. Das bevorstehende Jubiläum c>es 25jährigen Bestehens der nationallibe- raten Partei soll durch ein allgemeines Parteisest gefeiert werden, für welches ein oder mehrere Tage aus der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten in Aussicht genommen sind. Die näheren Beschlüsse über diese Jubiläumsfeier und über den Ort derselben dürsten von dem Berliner Centralbureau genannter Partei schon im Laufe der gegenwärtigen Woche bekannt gegeben werden. Zugleich wird eine Festschrift erscheinen, welche, dem Vernehmen nach, die Geschichte der nationalliberalen Partei in kurzen Zügen darstellr. — Der Papst ist infolge des Ablebens seines persönlichen Vertrautens und intimsten Rathgebers, des Monsignore Boccaci, sehr erregt und läßt außer seinem Kammerdiener Niemand zu sich. Es steht zu befürchten, daß diese Gemüths- erregung, sollte sie länger dauern, aus das Befinden des Papstes, der ja selber von seiner jüngsten Erkrankung kaum erst wiederhergestellt ist, einen ungünstigen Einfluß ausüben wird. — Gelegentlich des beoorstcher^en Bischossjubiläums des Papstes soll in Rom eine große Brfchossconferenz stattfinden, in welcher u. A. auch die sociale Frage zur Erörterung gelangen und ein christlicher Katechismus ausgearbeitet werden soll. — Die Religion in allen Ehren, aber wenn man in den leitenden vaticanischen Kreisen, wie es den Anschein besitzt, meint, mit einem Katechismus die Socialdemokratie bekämpfen zu können, so dürste sich dies bald als ein vergebliches Untersangen Herausstellen- das wahre Heilmittel gegen die socialistischen Irrlehren muß vielmehr aus dem Gebiete des practischen Christenthums gesucht werden. Zn Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landmirthschaftslehrer Leit Higer zu Alsfeld foU gende Vorträge und zwar: 1/ Mwwoch den 24. ds. Mts., Nachmittags Vz4 Uhr, m Gießen ans Lonys Bierkeller, über rationelle Viehfütterung und den Ankauf von Kraftfuttermitteln, Gießen, am 16. Februar 1892. Betr.: DieVonnusterung des Pferdebestandes im Jahre 1892. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen M» die Grotzh. Vürgermeiftereie« de- Kreises. Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß in diesem Jahre (Monat März) eine Musterung der im Lande vorhandenen Pferde vorgenommen werden wird. Wir beauftragen Sie daher, ein Verzeichniß der sämmt- uchen Pferdebesitzer Ihrer Gemeinden unter Beifügung der Zahl der denselben gehörenden Pferde nach nachverzeichnetem Muster alsbald aufzustellen und längstens bis zum 25. d. M. in doppelter Ausfertigung an uns einzusenden. In der in dem Verzeichnisse angegebenen Reihenfolge sind an den Musterungstagen die Pferde aufzustellen. Eine Unterscheidung der Pferde nach ihrer Brauchbarkeit zu Reit-, Stangen-, Vorder- und. schweren Zug-Pferden ist in diesen Listen nicht erforderlich, es sind vielmehr die hierfür bestimmten Spalten des Formulars offen zu lassen, damit solche in dem Musterungstermm benutzt werden können. Dagegen sind in der einen Ausfertigung der Liste Geschlecht, Alter, Farbe und bezw. Abzeichen, sowie etwaige Fehler der einzelnen Pferde in der Spalte Bemerkungen anzugeben. In dem Musterungstermine, welchen wir Ihnen noch näher bezeichnen werden, ist uns ferner eine Liste über die etwaigen Ab- und Zugänge an Pferden zu behändigen, welche seit Aufstellung der Hauptliste stattgefunden haben. v. Gagern. r r ^bg- R/ch^er (dfr.) bestreitet, daß die von ihm mit eingebrachte Resolution ein Ausfluß deS Parteiwesens sei. Dem Reichskanzler habe wah> scheinlich das ©Jpenft der großen liberalen Partei wieder vorgeschwebt. Die Resolution verlange weiter nichts, als was in Bayern bestehe und sich dort bewährt babe. Wenn man der Socialdemokratie wirksam entgegentieten wolle, so müsse man tbr die Angr,ffspunk:e für ihre Agitation entrücken. Seine Freunde theilten die heute bestebende Socialistenfurcht keineswegs, ober sie bekämpften deshalb die Socialdemokratie nicht weniger wirkungsvoll. Der Reichskanzler habe sich über die Presse beklagt, aber die Prelle sei doch nichts andere« als ein Spiegel. Das Bild, welches derselbe zuruckwerfe, möge Manchem nicht gefallen, aber es sei deshalb nicht minder wahr. Der Soldat möge ein Beschwerderecht bab-n, aber daffelbe komme ihm nicht zum Bewußtsein; er habe die Empfinduna daß wenn er sich beschwe e, allerlei Nachtbeile für ihn erwachsen! py «tf " 7 ----—0 .. ~n den alten Grundsätzen könne man nicht f.fthalten; was sich ftüber Uhr, in Steinheim im Gasthaus zu den drei bxuldlt .E Mr alle Zukunft zu bewä-ren. Die QAiwau.— o , Militär Verwaltung halte ja sonst nicht am Althergebrachten fest t sondern ziehe sich alle Fortschritte zu Nutzen. Weshalb sollen wir e auf die alte Militär-Strafproceßordnung festgenagelt sein. Früher börte man weniger von Soldatenmißhandlungen, als seitdem wir Unterosfijierschulen haben und seitdem die Ausbildung der Soldaten mehr in abgesperrten Kasernenhöfen erfolgt. Unteroffiziere, die au- der Truppe hervorgegangen, wüßten sich natürlich mehr in den Geist der Leute zu versehen, als solche Unteroffiziere, die gleich als Vorgesetzte in die Truppe eintreten. In Oesterreich hätten sich die Soldatenmißhandlungen mit Aufhebung der Unteroffizierschulen vermindert. Für die Resolution der Commission könnten seine Freunde auch dann nicht stimmen, wenn ihre Resolution abgelehnt werde. Der Unterantrag Gagern zur Resolution der Commission („unbeschadet der in Bayern bereits bestehenden Regelung") sei der Ausfluß eines unerhörten PmticulariSmus. Die Bayern wollten das Gute behalten, aber die Norddeutschen sollen es nicht haben. Die Commissionsresolution sei auch wegen deS Religionspasius unannehmbar. Was der Reichskanzler dagegen gesagt, sei wahrhaft herzerquickend gewesen. Leider gebe es heute dennoch Conventtkel in den Kasernen. bitte den Reichskanzler, dieselben zu verhindern. Er hätte nur gewünscht, daß der Reichskanzler das, was er für das Militär für richtig halte, auch für die Civilbevölkerung gelten lassen wollte. Redner wendet sich schließlich gegen das Duellwesen und beantragt Einschaltung der Worte „unter Beseitigung des Duellunwesens" in Punkt 3 der von der Commission beantragten Resolution. Bundescommiffar Generallieutenant v. Spitz berichtet zunächst über den jetzigen Stand der Strafproceßreform. Die Gutachten der GeneralcommandoS seien eingegangen; dieselben stellten ein weit- fchrchtiges Material vor, über welches nun der Reichskanzler zu entscheiden haben werde. Redner gibt dann eine Darstellung des Beschwerdeverfahrens. Werde dasselbe eingeschlagen, so sei es ganz undenkbar, daß Soldatenmißöandlungen ungeahndet bleiben. Was den angeblich in Köln Hingerichteten Marinesoldaten anlange, so habe man übersehen, daß Hinrichtungen von Mtlttärpersonen im Frieden nur durch die Cioilbehörde, also nicht unter Ausschluß 'der Oeffent- lichkeit vollzogen werden. Die Unteroffizierschulen hätten sich bewährt; ^Melden hervorgegangene Unteroffiziere hätten sich gut, 1037 nicht gut gehalten. Der Reichskanzler habe gesagt, daß daletzte Wort über die Frage der Oeffentlichkeit des Verfahrens der rmeC/uU^c^e' ^an ^be gefragt, wer das sei. Er antworte: die alten Generale. Die Armee sei durch ihre Führer auf ihre heutige Hohe gebracht worden und es sei nicht mehr als reckt und billig, daß man bei einer so tief einschneidenden Aenderung vor Allem die Führer entscheiden lasse. (Beifall rechts.) r- ?b0- H°uhm-nn (Volks!-., bringt eine Anzahl Fülle von Soldatenmißhandlungen in Württemberg zur Sprache. Ein Rittmeister v. Lauenstein, der sich solcher Mißhandlungen schuldig gemacht, trage heute noch den Rock des Königs von Württemberg. Ein Soldat sei infolge Mißhandlungen durch seinen Unteroffizier wahnsinnig ge- worden und habe in einer Irrenanstalt untergebracht werden müssen. Anfangs habe die Voruntersuchung nichts ergeben, weil der bett essende Unteroffizier seine Untergebenen durch Bedrohungen zu falschen Aussagen angestiftet Erst als im Wege des Civilprocesses Schadenersatzansprüche geltend gemacht wurden, war es möglich, den Fall aufzu- Auch durch die übermäßig harten Strafen werde viel Unheil gestiftet. Nach alledem, was in Sachsen, Württemberg, Preußen usw. vorgekommen, müsse man sagen, daß Ehre, Gesundheit und Leben in der deutschen Armee gefährdet seien. Bedauern müsse er die Aeußerung des Reichskanzlers, daß die Rohheit im deutschen Reiche zunehme. Es sei nicht richtig, Deutschland so hinzuftellen, als befinde es sich in der Decadence. Es würde darin allerdings auch die schäi ffte des früheren Reichskanzlers liegen. Das militärische Beschwerderecht sei eine wahre Wolfsgrube mit Fangeism den Mann, der sich beschweren wolle. Man müsse die Offiziere selbst für das verantwortlich machen, was in ihrer Truppe vorkomme.- Mißhandlungen wirksam entgegengetreten. Der Reichskanzler habe lange Reden über die Disciplin gehalten; er habe !&Cr ,in der bayrischen Armee, welche da« öffmlliche Mitttargrrichtsvtt ahren haben, keine Disciplin herrsche. Nur d.e Resolution duh/'Aichter entspreche der Situation; er werde fürchten, sich an den M.ßhandlungen mitschuldig zu machen, wenn er dagegen stimmte. (Beifall links.) Reichskanzler Graf v. Ca privi: Die Rede Haußmanns könne Zweck haben, Mißtrauen zu verbreiten. (Widersp'uch links.) Welchen anderen Zweck konnte es haben, eine ganze Reihe von Fällen auftuführen, die f)ter kein Mensch beurteilen könne. Man möge doch d e Gewährsmänner nennen? Wie solle sonst eine Untersuchung e naeleitet werden? Herr Bebel habe heute ein Schreiben mtt der Auporderung n-halttn, nähere Angaben über die von ihm angeführten ?u (Beifall.) Wenn sich, wie er angeführt, die Aolbatenmißhandlungen vermindert haben, so spreche das für die Vorgesetzten; gegen eine sonst zunehmende Verrohung spreche die Thatsacke nicht. Wenn Haußmann sage, man dürfe so etwas vor dem Auslande nicht aussprechen, so sei er (Redner) Richter dankbar, daß er sich an der Wäsche, die hier vor dem Auslände gewaschen worden, nicht betheiligt habe. Herr Richter sage, die Behandlung der Soldaten sei früher besser gewesen; wir seien aber gegen früher wohl etwas empfindlicher geworden, früher sei auf den Erercier- plätzen ganz anders geschimpft worden. Abg. Gröber (Centr.) empfiehlt die Resolution der Commission mit dem Amendement v. Gagern (Einschaltung der Wone- unbeschadet der in Bayern bereits bestehenden R'gelung"). Es handle sich hier darum, practische Politik zu treiben, nicht blos akademische El örter ungen zu führen. Die Vorführung von Einzeliällen an bttfer Z/eue war überflüssig, denn es lag ja grade genug Material vor Wozu denn noch bte Auszählungen unerwresener Fälle? Dieselbe konnte nur ben Z-veck haben, verb'tternb zu wi'ken unb bie Anschauung in bas Volk hinauszutragen, daß feine Söhne bdm Militär jebw ffitnrar auSg-I.tzl seien Die Otff ntt.chk.il des D rsndl.nS schaffe Beruhigung; bie Befürchtungen, bte man an die O.ffentl'chkeit nüpe, seien böchftens für ba« Ueberg-ng-ftabtum »utt.ffenb. UCbrt6tn8 tn|balk die bayerische Sirysprozetzo.dnuny hi.sichttich der Oeffentlichkeit eine Fülle von Ausnabmen, so daß bet anbei er P. ori- bie Ausnahmen zur Regel werben würben. Aber bie Praxis fei in »a9ern e ne giite nicht bie desiehenben Bestimmungen Wenn bte- selden einfach auf P eußen übertragen würben, so würd n sie hier, fowdt er die p:eußrschen Herren kenne, sicher eine ganz and»re An- Wendung finden. Durch bie in der Resolutton Buhl Richler gesoiberte Veschwerdrpflicht werde da« Beschwerderecht nur erschwert. Die Forderung der Pfiege religiösen StnneS bedeute nicht Conventikel in den Kasernen, vorausgesetzt, daß man den Soldaten sonst Zeit lasse, ihren religiösen Bedürfnissen gerecht zu werden, Aber die Religion dürfe nicht zum Ammenmärchen werden, sie soll gerade den Mann stützen in seinen Aufgaben. Die Zunahme der Rohheit ergebe sich auS der Iusttzstattsttk. Weiterberathung morgen 1 Uhr. Neueste Nachrichten. fitclftS teltgrashrschrä Lorrespondtnz-Bureori. Königsberg, 16. Februar. Nach einer Meldung auS Palm nicken wurden die sechs vermißten Bergleute gestern Abend tobt ausgesunden. Bonn, 16. Februar. Fürst-Salm-Horst mar, Mitglied des Herrenhauses, ist in letzter Nacht gestorben. Rom, 16. Februar. Die Studiren den der Universitäten Neapel und Catania beschloffen, als Protest gegen die Bestrafung der römischen Studenten den Vorlesungen fernzubleiben. Neapel, 16. Februar. Aus der Basis des großen Vesuv- kegelß ergießt sich neuerdings ein Lava ström gegen Atrio del Cavallo. Petersburg, 16. Februar. Die Blätter melden: Aus den hiesigen Garderegimentern ist eine Anzahl Offiziere und Untermilitärs bestimmt, um die Gaben des Hilsscomites unter dem Präsidium des Thronfolgers unter die Nothleidenden an Ort und Stelle zu vertheilen. Deveschen deS »Bureau jpcrolb*. Berlin, 16. Februar. Volksschul-Commission. Seitens der Regierung wird mitgetheilt, daß von 422 im Jahre 1879 bestehenden Simultanschulen bis 1888 im Ganzen 23 Schulen mit 21,000 Schülern reconsessionalisirt worden seien. Bochum, 16. Februar. Die Wiederaufnahme der Voruntersuchung gegen Baare ist nach Mittheilung des Oberstaatsanwalts in Hamm an Fusangel am 13. Februar schon beschloffen. Aachcu, 16. Februar. Hier wurde ein Anarchist verhaftet. Bei der Haussuchung wurden zahlreiche gravirende Papiere und ein Packet mit anarchistischen Schriften bei demselben gefunden. Metz, 16. Februar. Durch Fahrlässigkeit erschoß beim Exercieren ein Rekrut einen Sergeanten des 130. Infanterie- Regiments. Localer un6 provinzielles. Gießen, 17. Februar 1892. — Behufs Bildung der Spruchliste für die am 14. März 1892 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden die Namen sämmtlicher Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1892 in die Urne gelegt und von dem Vorsitzenden folgende Namen für die Spruchliste gezogen: 1. Andreas Schäfer I. in Heldenbergen, 2. Karl Kreiling in Lich, 3. Matthäus Jung in Ostheim, 4. Johann Jacob Neubard II. in KleiwKarben, 5. Georg Faber IV. in Leihgestern, 6. Karl Hofmann in HoftGüll, 7. Gottfried Cost in Petterweil, 8. Wilhelm Hahn I. in Stumpertenrod, 9. Karl Friedrich Maley in Reichelsheim, 10. Jacob Konrad Winter in Nieder- Weisel, 11. Heinrich Schadeck in Lollar, 12. Georg Dietz in Nieder-Weisel, 13. Philipp Lenz in Albach, 14. Johannes Jung in Garbenteich, 15. Johannes Steuernagel II. in Rain- rod bei Alsfeld, 16. Konrad Malkomesius in Gießen, 17. Ludwig Lotz in Gießen, 18. Heinrich Adami in Gießen, 19. Friedrich Stoll in Nieder-Erlenbach, 20. Peter Weil in Strebendors, 21. Jacob Korell in Büdingen, 22. Peter Gatzert in Friedberg, 23. Konrad Weppler II. in Zell, 24. Kaspar Schmidt in Großen-Buseck, 25. Wilhelm Rabenau in Alten-Buseck, 26. Engelbert Schneider in Herbstein, 27. Heinrich Koch XIV. in Alsfeld, 28. Anton Joseph Mann in Gießen, 29. Ludwig Möller in Gießen, 30. Heinrich Wagner IV. in Ober-Breidenbach. — Der Kaufmännische Verein hat, wie aus dem Annoncentheile ersichtlich, aus Samstag den 20. d. M. Herrn Reallehrer Kahl aus Wimpfen wiederum zu einem Vortrage gewonnen. Derselbe steht durch seine schon früher in diesem Vereine gehaltenen sehr lehrreichen und mit großem Beifall aufgenommenen Vorträge über Victor Scheffel und Kaiser Friedrich noch in so gutem Andenken, daß ein recht starker Besuch zu erwarten sein dürste. Herr Kahl erntete überall, wo er den hier bezeichneten Vortrag hielt, reichen Beifall und sand die verdiente Anerkennung von Seiten der Preffe. — Am Samstag, den 13. Februar, sand in D a r m st a d t die Generalversammlung beg Kunstvereins für das Großherzog thum Hessen statt. Der Jahresbericht für 1891 enthielt im Allgemeinen Günstiges. Die Mitgliederzahl war in Darmstadt 449 mit 481 Anteilscheinen, in Offenbach 220 mit 235, in Worms 83 mit 83, in Gießen 116 mit 125 und in Mainz 166 mit 166 Anteilscheinen — zusammen 1034 mit 1090 Anteilscheinen, was ein Plus von 55 Mitgliedern mit ebensoviel Antheilscheinen gegen das Vorjahr darstellt. Die Zunahme ist den Vereinen zu Darmstadt und Gießen zuzuschreiben. Die Gesammteinnahme betrug 17 243 Mk., die Ausgabe 12 329 Mk. zu Vereinszwecken wurden angekaust: Kunst'-Gegenstände für 4549 Mk., für Private für 1512 Mk., für Ausstellungen für 2474 Mk. Die Ausstellungen haben im Vorjahre in der seitherigen Weise stattgesunden. In Gießen wurde in einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Locale eine ständige Ausstellung eingerichtet - leider ist dasselbe nicht so geräumig, daß größere Kunstwerke Ausstellung finden können. Offenbach und Mainz hatten nur Ausstellungen in den Sommermonaten und soweit hierzu geeignete Locale zur Versügung standen, während Worms aus eine Ausstellung verzichtet hatte. Zu den Ausstellungen waren seitens der Künstler 455 Oelgemälde, 170 Zeichnungen, 22 Aquarelle und 10 Bildhauerwerke gesandt. Verloost wurden 18 Oelgemälde und 27 Kunststiche. Die Reineinnahmen sollen verwendet werden zu drei Fünftel zum Ankauf für die Verloosung, zu einem Fünftel zur Anschaffung eines Vereinsblattes, zu einem Fünftel zur Ansammlung eines Fonds zur Widmung von Kunstwerken- zu öffentlicher Bestimmung. Das Großh. Ministerium hat dem Verein für die Jahre 1891—189^'jährlich 700 Mk. bewilligt. Freudig begrüßt wurde in der Versammlung, daß die Stadt Gießen sich mit 10 Actien an dem Verein betheiligt. Im lausenden Jahre soll für die Vereine Gießen, Offenbach und Worms ein Vercinsblatt aus Vereinsmitteln beschafft werden. In den Verwaltungsrath wurden gewählt für Darmstadt Architect Jacobi, (für das zweite in Folge Ablebens des Oberbürgermeisters Ohly zu wählende Mitglied hofft man dessen Nachfolger zu gewinnen), für Provinzialdirector Küchler wurde Provinzialdirector Rothe in Mainz gewählt, während der Gießener Verein ermächtigt wird, sich von 5 auf 6 Mitglieder zu erweitern. — Für die Krieger- und Militärvereine namentlich unseres Großherzogthums ist der 10. Februar d. I. ein denkwürdiger Tag. Zwanzig Jahre sind es an diesem Tage gewesen, daß Se. König!. Hoheit Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein, damals Prinz Ludwig von Hessen, Commandeur der hessischen Division im deutsch-französischen Kriege, eine Vereinigung von hessischen Kampfgenossen unter seinen Schutz gestellt hat. Dieses Moment verdient aber noch besondere Erwähnung und zwar deshalb, weil Se. Köngl. Hoheit unser Großherzog der erste Soldat deutsch-fürstlichen Geblüts war, der durch Gewährung seines Protectorats über die hessischen Kriegervereine ein erhebendes Beispiel gab, welchem seitdem alle deutschen Landesfürsten folgten. — Vier kleine ländliche Vereine waren eS, die damals den Grundstein zu der jetzigen Kriegerkameradschaft Hassia legten, — heute umschließt das kameradschaftliche Band weit über ein halbes Tausend Vereine mit nahezu 25,000 alten Soldaten aus allen Theilen des hessischen Vaterlandes. — Verhaftet wurde gestern Abend ein junger Mensch, der es verstanden hatte, durch die verschiedenartigsten falschen Vorspiegelungen einer ganzen Reihe von hiesigen Kaufleuten Maaren, Kleider u. s. w. zu namhaften Beträgen abzu- schwindeln. — Reisende, denen die Verlegung der Fahrkarteuprüsung an die Ausgänge der Bahnsteige auf den Berliner Fern- bahnhösen unbekannt geblieben ist, können sich unliebsamen Weiterungen aussetzen, wenn sie die ihnen von den Schaffnern belaffenen Fahrkarten nicht bis zum Verlassen des Bahnsteiges ausbewahren, sondern sich derselben in Unkenntniß jener besonderen Einrichtung schon beim Verlassen des Zuges entledigen. Das Fahrpersonal der Femzüge ist daher infolge einer Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten angewiesen worden, die nach Berlin reisenden Personen rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, daß auf den Berliner Stationen die Fahrkarten erst bei dem Ausgange an den Bahnsteigen geprüft und abgenommen werden und bis dahin auszubewahren sind. § GroßenEicheu, 15. Februar. Nachdem bereits in einer Vorversammlung die Gründung einer Sp ar- und Darlehenskasse nachReiffeisen'schemSystem von mehreren hiesigen Bürgern nach einem Vortrage des Herrn Lehrers Dem von Nieder-Ohmen über den Zweck und Nutzen einer solchen Kasse beschlossen worden war, wurde gestern die Gründung der Kasse durch eine Generalversammlung in der Rahn- schen Gastwirthschast vollzogen. 48 hiesige Einwohner traten der neugebildeten Kasse als Mitglieder bei. □ Vom Vogelsberg, 16. Februar. Die Bauernregel: „Wenn die Tage langen, kommt der Winter erst gegangen", scheint sich bewahrheiten zu wollen. Seit gestern deckt eine saft fußhohe Schneedecke den Erdboden und da die Temperatur unter 0 steht, so hält sich der Schnee. Dieser Schnee bringt aber auch wiederholt unsere kleinen Singvögel in Noth und zwar ist diese Noth jetzt um so größer, als schon manche Strichvögel, durch das seitherige gelinde Wetter verlockt, zurückgekehrt sind. Ja, nicht selten werden um diese Zeit schon Lerchen angetroffen, deren ängstliches Rusen man namentlich in stiller Nacht vernimmt. Unser seitheriger gelinder Winter hat bis jetzt, abgesehen von dem ersten, längere Zeit liegenden Schnee, den Singvögeln ja wenig Noth und Entbehrung gebracht, aber dies darf Niemand zurückhalten, ihnen jetzt, wo wir so nahe dem Frühlinge sind, den nöthigen Schutz und die erforderliche Nahrung zu spenden. Die Mühe ist so sehr gering, der Kostenpunkt kaum in Betracht zu ziehen, aber der Lohn dafür ein sehr hoher. Vergeßt mithin bei dem jetzigen Schnee der hungernden Vögel nicht! Affenheim, 15. Februar. Heute Nacht entschlief nach 17tägiger Krankheit Seine Erlaucht der Herr Gras Max zu Solms-Rödelheim im 66. Lebensjahre. Alsfeld, 10. Februar. In der Gemeinde Schwaben- r o d, Kreis Alsfeld, ist die Feldbereinigung nunmehr auch beschlossen und werden die erforderlichen Arbeiten demnächst ihren Anfang nehmen. A. AuS dem Ried, 15. Februar. Wie sehr es geboten ist, daß alle diejenigen Personen, welche mit Faselochsen, oder Hengsten umgehen, stets die größte Vorsicht bei Be. Handlung dieser außerordentlichen reizbaren Thiere anwenden sollten, zeigt nachsolgender tragische Fall. Herr Land- wirth Herweck in Lampertheim hat einen der Faselochsen, welche der Gemeinde gehören, in Wartung und Pflege. Für gewöhnlich besorgte der Knecht H.'s die Arbeiten des Fütterns und Striegelns bei dem Farren, und dieser zeigte sich hierbei nicht bösartig. Dieser Tage wollte H. den Fasel selber füttern, wobei der Herr die Unvorsichtigkeit beging, in den Stand des Farren hineinzutreten, anstatt das Futter von der Seite über die Scheidewand einzulegen. Der Fasel wurde zornig, als er eine weniger bekannte Person in den Stand eintreten sah, preßte den Mann mit furchtbarer Gewalt wider die Wand, faßte ihn mit den Hörnern und schleuderte den Unglücklichen in die Lust. Aus sein Hülsegeschrei eilten die Angehörigen herbei und schafften ihn au$ dem Stande heraus. Es war sogleich ärztliche Hülse zur Stelle und sofort wurde ein zweiter, sehr geschickter Arzt au5 Mannheim herbeigezogen. Der Unglückliche starb aber gestern Abend unter großen Schmerzen an inneren Verletzungen. *** Bürstadt im Ried, 15. Februar. Im neuen Saale des Gastwirths Winkler dahier hielt Herr Landtagsabgeordneter Metz aus Darmstadt gestern eine gut besuchte Versammlung seiner Wähler ab. Es galt Stellung zu nehmen betreffend die neuen Abänderungsvorschläge über die Berwaltungsgesetze bont Jahre 1874. Herr Metz wies nach, daß die Abänderungsvorschläge nur in zwei Punkten von Bedeutung wären, nämlich in Betreff des Ausscheidens der größeren Städte aus den Landkreisverbänden, was für letztere nur von Vor- theil toäre; sodann in Betreff der Bürgermeister, welche nicht mehr direct gewählt, sondern von dem Ministerium ernannt werden sollen. Bei Besprechung des letzten Punktes zeigte es sich, daß die Landbewohner nicht gewillt sind, aus ihr langjähriges Wahlrecht zu verzichten. Herr Metz theilte mit, daß diese Ansicht in allen Kreisen, die er kenne, die vorherrschende sei und daß daher die Ernennung der Bürgermeister durch die Regierung wenig Aussicht aus Erfolg habe. Mainz, 15. Februar. Der Unteroffizier Müller, der den Soldaten Quick und vier andere von der 5. Compagnie des Großh. Infanterie-Regiments Nr. 117 mißhandelt hatte, wurde vom Kriegsgericht wegen Mißhandlung Untergebener zu einer Gesängnißstrase von 5 Monaten und zur Degradation verurtheilt. Mainz, 15. Februar. Neueren Bestimmungen zufolge soll eine landwirthschastliche Winter schule hier errichtet werden. Die Schule wird für den Beginn des nächsten Winters eröffnet werden, doch werden vorerst noch mit der Kreissparkasse Unterhandlungen gepflogen wegen der der Schule zuzuwendenden Mittel, während die Stadt Mainz die nöthigen Räumlichkeiten für die Schule zu stellen hat. Bingen, 15. Februar, lieber einen Fall unmenschlicher Behandlung, deren sich die eigenen Eltern an ihrem einzigen Kinde schuldig gemacht haben und die den Tod des Kindes zur Folge hatte, wird aus dem nahen Kempten berichtet. Ein vier Monate altes Kind soll nach schauerlichen Mißhandlungen buchstäblich den Hungertod gestorben sein. Die Rabeneltern sind flüchtig. Vermischtes. * Die Feier des 25jährigen Jubiläums des Technikum Mittweida (Sachsen) findet am 19. bis 21. März statt. Die Anstalt kann mit Genugthnung auf das erste Vierteljahrhundert ihres Bestehens zurückblicken, zählt sie doch im lausenden Schuljahre nicht weniger als 1198 Schüler, welche die Ab- theilung für Maschinen-Jngenieure und Elektrotechniker bez. die für Werkmeister besuchen. Unter den Geburtsländern der Schüler bemerken wir: Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Rußland, Schweiz, Großbritannien, Dänemark, Holland, Italien, Rumänien, Schweden, Norwegen, Bulgarien, Serbien, Spanien rc., aus Asien besonders Java, Ostindien, aus Afrika: Aegypten, Capland, Oranje-Freistaat, ferner Nord- und Südamerika (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Chile, Venezuela). Die Aufnahmen für das nächste Sommerhalbjahr beginnen am 19. April. Ausnahmen in den unentgeltlichen Vorunterricht finden von Mitte Februar bis Ende März jederzeit statt. Programm und Jahresbericht erhält man unentgeltlich von der Direction des Technikum Mittweida (Sachsen). * Der größte Webstuhl der Welt. In der Sächsischen Webstuhlfabrik (Louis Schönherr) in Chemnitz ist gegenwärtig ein mechanischer Webstuhl gebaut und in Betrieb gesetzt worden, welcher Waare in einer vollen Breite von 71/3 Meter webt. Dies dürste der größte Webstuhl mit mechanischem Betrieb und durchlaufenden Webschützen sein, der bis jetzt überhaupt hergestellt worden ist. * Eisenach. In der hiesigen Bahnhofsrestauration tragen die Kellner von nun an statt der unschönen Fracks kleidsame blaue Joppen. Auch in Bebra ist ein gleicher Wechsel eingetreten. Endlich etwas Vernünftiges in der Mode. Eine deutsche Tracht ist der Frack nicht. In der Verunstaltung der Menschen durch Kleider wird immerhin noch vieles geleistet, wenn auch der Frack mit der Zeit ganz im Wegfall kommen dürfte. * Paris, 15. Februar. In der Vorstadt La Billette hat sich gestern eine junge Wittwe, die in das äußerste Elend verfallen war und keine Arbeit finden konnte, mit ihren zwei Kindern von drei und einem halben Jahre durch Kohlendunft erstickt. Sie hatte ihren letzten Besitz daraus verwandt, sich und die Kinder auf demTodtenbette mit neuen Kleidern zu schmücken. * Der kleine Schlaukops. Mama (im Chocoladegeschäft): „Nun, Mäxchen, soll ich Dir hier diese Gruppe, Glaube, Liebe und Hoffnung darstellend, kaufen?" — Mäxchen : „Ach, Mama, sieh nur einmal zu, ob Du hier nicht die zwölf Apostel findest!" * Anzügliche Antwort. Gräfin: „Wer hat denn auf der Rennbahn den ersten Preis davongetragen? Mein Mann oder der Deine?" — Baronin B.: „O nein, ein ganz fremdes Pferd." * Die ersten Versuche. Onkel (zum Neffen): „Ich höre, Du nimmst Tanzunterricht. Kannst Du schon Walzer tanzen?" — Neffe: „Ziemlich gut, aber die Tänzerin steh: einem noch immer im Wege." ..... Universität». Nachrichten. — Dem ordentlichen Professor in der medictnischen Facultöt der Universität zu Kiel Dr. Karl Völckers wurde der Character als Geheimer Medicmalrath verliehen. — Der bisherige Director der hamburgischen Staats-Kranken- häuser, Profeffor Dr. Alfred Kaft wurde zum ordentlichen Professor in der medicmischen Facultät der Universität zu BreSla« ernannt.