tr. 217 Samstag deu 17. September 1892 Hiehener Anzeiger Keneral-Zq: I tr. Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Lang-Göns. 1 Nachdem in einem Gehöft zu Lang - Göns die Maul- Q.r. g rd Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, haben wir We Sperre des betreffenden Gehöft verfügt. Die Ausführung l. | »n Rindvieh, Schafen und Schweinen aus der Gemarkung | rng-Göns ist bis auf Weiteres nur auf Grund thierärztlicher h 9 esundheitsscheine zulässig. in> | Gießen, den 15. September 1892. oh D Grobherzogliches Kreisamt Gießen. ’m j v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Obstmärkte in Oberheffen. Nachdem in diesem Jahre fast in ganz Deutschland eine ... 9 ringe Obsternte zu erwarten ist, dieselbe aber in Oberhessen im I anzen gut wird, liegt es im Interesse der Obstbau treiben- a, 1 n Bevölkerung Oberheflens, die günstige Gelegenheit zur ■ Dielung hoher Obstpreise auszunützen und in erster Linie I le besseren Obstsorten sorgfältig zu brechen und nur die I ringwerthigeren Früchte zu schütteln. Die Ernte für Winter- u I 'st sollte, da sich die Früchte jetzt erst schön entwickeln und ; ] ne ausgezeichnete Vollkommenheit zu erlangen versprechen, ° Vir dem 1. October nicht vorgenommen werden. Um nun auch den Obsthändlern eine möglichst leichte ■ i inkaufsweise zu ermöglichen, werden vom Oberhessischen Obst- I ruverein Obstmärkte abgehalten und zwar: 5 ? am Dienstag den 20. und 27. September in Vilbel im Gasthaus „Zum Pfau", . I n Mittwoch den 21. und 28. September in Friedberg im „Saalbau", ^In Donnerstag den 22. und 29. September in Butzbach im „Hessischen Hof". Ul ■ we Zu diesen Obstmärkten sind sowohl Obstzüchter als auch Händler zugelassen. Ein Standgeld wird nicht erhoben. Die eingelieferten Obstproben müssen mindestens 5 Kilo von jeder zu verkaufenden Sorte betragen. Die Einlieferung der Proben hat vollständig srankirt zu geschehen incl. Zustellungsgebühr von 5 Pf. und ist an das „Obstmarkt-Comits" der betr. Stadt zu richten. Unsrankirte Sendungen werden nicht angenommen. Wünscht der Einsender die Proben zurück, so erfolgt die Rücksendung auf seine Kosten, wenn er dieselben nicht am Abend des Obstmarktes abholt. Bei Verkaufsabschlüssen in der Ausstellung plombirt der Markt-Ausschuß die Proben ganz oder theilweise, um sie mit der gelieferten Waare in zweifelhaften Fällen vergleichen zu können. Beschicker der Ausstellung, welche nicht nach dem ausgestellten Durchschnittsmuster liefern, werden von ferneren derartigen Unternehmungen des Oberhessischen Obstbauvereins ausgeschloffen und gerichtlich verfolgt. Dem einzusendenden Muster ist ein Zettel beizusügen, auf welchem steht: a. Name des Einsenders, b. Menge in Centnern und Pfunden des vorräthigen Obstes, c. Mindestpreis, zu dem das Obst abgegeben werden darf, d. Namen der Sorte. Die Angabe des Mindestpreises ist nur für das Bureau bestimmt. Der Geschäftsführer der Commission ist verpflichtet, die höchsten Preise zu erlangen zu suchen. Die Benachrichtigung des Kaufabschlusses mit Angabe des erzielten Preises erfolgt durch schriftliche Zusendung, unterzeichnet vom Vor- sitzenden der Ausstellung und dem Käufer. Weitere Bestimmungen können die Marktausschüffe der einzelnen Städte im Einverftändniß mit der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins im Nothfalle treffen. Es sollen jedoch sowohl dem Aussteller wie dem Käufer Schwierigkeiten so wenig als möglich gemacht werden. Anmeldungen zum Markte sind erwünscht und bis 19. September an die betr. Vorsitzenden und zwar: in Vilbel an Herrn Landwirth Kalbhenn, in Friedberg an Herrn Bürgermeister Steinhäußer nnd in Butzbach an Herrn Forstinspector Reuß zu machen. Anmeldungen sind aber nicht unbedingt nothwendig und können die Proben an den Markttagen auch direct in die Marktlocale gebracht werden. Der Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins: Dr. Braden. Gießen, den 15. September 1892. Betr.: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. Wir laden Sie ein, in Ihren Gemeinden im Interesse der Obstproducenten für die Obstmärkte zu wirken und obiges auf ortsübliche Weise bekannt zu geben. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 15. September. Die sommerliche Ruhepause in unserer inneren Politik ist mit der nunmehr erfolgten Rückkehr fast sämmtlicher bis jetzt noch beurlaubt gewesener Mitglieder des preußischen Staatsmmisterrums und Staats- secretaire des Reiches nach Berlin zu Ende gegangen. Da bereits feststeht, daß die Wintersession des preußischen Landtages Anfang November, diejenige des Reichstages in der zweiten Novemberhälsre beginnt, so sind wohl schon in allernächster Zeit die Entscheidungen über das beiden Parlamenten zu unterbreitende Material zu erwarten. Unter dem den preußischen Landtag erwartenden Arbeitsstoff werden zweifellos die anderweitigen Steuerreform-Vorlagen die hervorragendste Rolle spielen, während den Mittelpunkt der kommenden Reichstagsverhandlungen wohl ebenso unstreitig die neue Militärvorlage bilden wird. Im Uebrigen sind dort wie hier sonstige erwähnenswerthe Vorlagen noch abzuwarten. Ausland. — Das kleine Großherzogthum Luxemburg scheint dem Dorbilde Monacos folgen und auf seinem Boden dem sonst allenthalben verfolgten Hazardspiel eine Schutzstätte bereiten zu wollen. Dem Spielunwesen in Ostende und anderen eleganten Badeorten Belgiens ist durch das unerwartete energische Vorgehen der belgischen Regierung bis auf Weiteres ein Ende bereitet worden, worüber die Herren Unternehmer natürlich nicht wenig betrübt sind. Jetzt heißt es aber, die Ostender Spielpächter wollten auf luxemburgischem Boden eine neue Hazardstätte errichten und wolle die Großherzogl. Regierung auch ihre Genehmigung hierzu ertheilen, falls sie 25 pCt. Provision erhalte. Vorläufig wird man indessen noch immer hoffen dürfen, daß sich die Regierung des Großherzogs Adolf von einem solchen Schandfleck sreihalten wird. «I «11 Ein I I ml ob] W'l ii v 9 idi P en Feuilleton. Die Weltausstellung in Chicago. Von Ernst von Hesse-Wartegg. (Schluß.) Das Baumaterial für die Wände ist an jenen Stellen, o sie gleichzeitig Träger der Dachrippen sind, Stahl, da- vischen Holzfachwerk, und die Verkleidung besteht aus leicht- üblichem Stucco, etwa von der Farbe des Meerschaums, e den märchenhaften Eindruck dieser von grünen Parkanlagen mgebenen, aus Wasserbassins hervorragenden Paläste noch :1rächtlich erhöht. Die Einfachheit und Leichtigkeit des amerikanischen Con- ructionswesens zeigt sich deutlich an dem Jndustriepalaste. )bschon er die doppelte Größe und Höhe der Pariser Maschinenhalle besitzt, beträgt das Gesammtgewicht der zu :iner Erbauung verwendeten Stahl- und Eisenmasse doch icht viel mehr als die Hälfte jener der großen Maschinenalle , nämlich nicht ganz 6 Millionen Kilogramm. Die anzen Herstellungskosten der Bauten aber belaufen sich aus enau so viel, nämlich 6 Millionen Mark. Mit demselben luswand an Geld und dem halben Aufwand an Eisen- onstruction erbauten die Amerikaner ein allerdings viel eichteres, aber doppelt so großes Gebäude als die Franzosen. - Ein großes Wasserbasfin trennt die südliche Stirnseite es Jndnstriepalastes von den zwei nächstgrößten neben» inander liegenden Gebäuden, der Maschinenhalle und dem lgricultnrpalast, welche durch eine imposante Säulencolonade miteinander verbunden sind und zusammen auch eine Länge on nahezu 1 Kilometer besitzen. Ein vierter Titanenpalast ist der Electricität gewidmet, in in Amerika zur höchsten Blüthe gelangter Jndnstrie- wkig, der sich vielleicht der Chicagoer Ausstellung ebenso raracteristisch aufprägen wird, wie etwa die Kunstindustrie I der Wiener Ausstellung von 1873. Jetzt schon, während der Errichtung der Ausstellungsgebäude, spielt sie eine große Rolle, denn sie verwandelt die Nacht zum Tag, und ich kann mich keines eigenthümlicheren Anblicks entsinnen, als die Erbauung dieser Stadt von Palästen durch ein kleines Arbeiterheer zur Nachtzeit, wenn gewaltige electrische Lichtmassen auf die thurmhohen meilenlangen Gerüste geworfen werden, und die tiefen Schatten, sowie die umgebende Finsterniß die erleuchteten Fronten und Balkengerüste magisch hervortrelen ließen. Häuser wurden schon zahlreich zur Nachtzeit bei electrifchem Llcht erbaut, eine ganze Stadt von etwa 300 Gebäuden noch niemals. Neben der Electricität dürste auf der kommenden Weltausstellung auch die Frauenarbeit eine characteristische, ja beherrschende Rolle spielen. In Amerika darf man nicht ohne das schöne Geschlecht rechnen. Die amerikanischen Frauen greifen ins öffentliche Leben, in Geschäfte, Handel, Verkehr, ja, in die Politik viel kräftiger ein als in der alten Welt- sie haben sich in manchen gesetzgebenden Körperschaften schon Sitz und Stimme erobert; sie sind Bürgermeister, Stadträthe, Post- und Telegraphendirectoren, Beamte der Vereinigten Staaten. Sie verlangten ihren Antheil an der Weltausstellung und sie werden ihn bekommen. So wird denn ein großer, archilectonisch ungemein gelungener Palast im Jackson Palast zu Chicago alles enthalten, was Frauenthätigkeit bisher in Kunst, Industrie, im Hauswesen, in Literatur, ja, in Politik geleistet hat, und gerade diese Abtheilung dürste von den Ausstellungsbesuchern am eifrigsten besucht werden, denn sie wird gewiß viel dazu beitragen, auch in Europa eines der wichtigsten modernen Probleme zu lösen. Aber diese Hauptgebäude werden nur einen kleinen Theil der Ausstellung ausnehmen können. Hunderte andere Bauten, allen erdenklichen Zweigen des menschlichen Schaffens gewidmet, sind in der Entstehung begriffen oder schon fertig» i gestellt. Der findige Dankeegeist plant eben Dinge, von den-n sich unser gewöhnlicher Europäerverstand nichts träumen läßt. Natürlich wird sich auch in dem gegen drei Quadrat- Kilometer großen Parke der gewöhnliche internationale Welt- ausstellungsrummel befinden mit seinen Panoramas, Cycloramas, Schaubuden aller Nationen und aller Arten, Rutschbahnen, Bädern, gegen zweihundert Restaurants und Cafes,- aber dazu kommen noch Jndianerdörfer, Aztekenpaläste, Niederlassungen von Jncas und Eskimos u. s. w., bewohnt von Abordnungen der betreffenden Stämme- ein deutsches Dors, eine Straße von Kairo, ein Tempel aus Japan, türkische, chinesische, arabische Bazars u. s. w. werden dort im Herzen des amerikanischen Kontinents einem wahren Völkercarneval zum Schauplätze dienen, und die überaus starke Betheiligung fast sämmtllcher Nationen der Erde, vornehmlich Deutschlands, Englands und Frankreichs werden die Ausstellung zu einer wahrhaft internationalen machen — ein würdiges Culrursest und gleichzeitig die erhebendste Art, auf welche die Entdeckung Der neuen Well und ihr Entdecker Columbus gefeiert toer'cen können. Die Gesammtkosten der offiziellen Ausstellungsanlagen, ganz abgesehen von jenen der Privataussteller, erreichen die enorme Summe von hundertzwanzig Millionen Mark, welche durch die Eintrittsgelder und den Wiederverkauf des Materials oder der einzelnen Gebäude selbst hereingebracht werden müssen. Ob dies geschehen wird, ist fraglich, aber jedenfalls wird die Ausstellung sich zur sehenswetthesten aller bisherigen Ausstellungen gestalten und es ist zu hoffen, daß die deutsche Industrie und Kunst aus dem Wettbewerb der Nationen am Michigan»See siegreich hervorgehen wird. Man wird in Chicago, in der Stadt wie auf der Ausstellung, viel zu sehen und zu lernen bekommen und da heutzutage die Reise dahin aus unseren deutschen Häfen bequem in zehn Tagen und zu verhältnißmäßig geringen Kosten unternommen werden kann, so sei der Besuch Chicagos im kommenden Sommer angelegentlichst empfohlen. llettefic Ha^Kcbt«N. WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Petersburg, 15. September. In der heutigen Sitzung zur Berathung der Zollconvention mit Deutschland wurde beschlossen, die Ertheilung der Antwort zu vertagen bis nach erfolgtem Studium der Frage. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 15. September. Heute Vormittag hielt das Staatsministerium unter dem Vorsitze Eulenburgs, welcher seine Abreise nach Westpreußen verschoben hat, eine Sitzung ab. Es verlautet, der Reichskanzler legte den Arbeitsplan des Reichstags vor, wonach die Einbringung der Militärvorlage in der nächsten Session feststehe. Die übrigen Einzelheiten der Steuerresormvorlagen wurden ebenfalls be- rathen. Die Einberufung des Landtags ist für den 8. November in Aussicht genommen. Paris, 16 September. Hiesige politische Kreise erklären die Meldung des „Gaulois" von dem bevorstehenden Abschlüsse eines russisch-französischen Bündnisses sür eine lächerliche Erfindung. Genua, 15. September. Das Kö nigsp aar reiste um 10 Uhr ab, begleitet von einer ungeheuren Menschenmenge, welche großartige Ovationen darbrachte. — Der Bürgermeister erließ ein Manifest, worin er im Namen des Königs dankte und die Feste in Genua als die Apotheose des allgemeinen Friedens und der Eintracht bezeichnet. — Das französische Geschwader verläßt morgen Genua. — Der Abschiedsbesuch des Admiral Rieunier beim König war sehr herzlich. — Das Bankett der auswärtigen Journalisten ist herrlich verlaufen. Die Cholera. Zum ersten Male ist die Reichsregierung in Betreff der Abwehr zunächst der Choleragefahr in bemerkens- werther Weise vorgegangen, indem für das Seuchengebiet der Unterelbe ein besonderer Reichscommiffar in der Person des preußischen Geh. Regierungsrathes Freiherrn v. Richthosen ernannt worden ist. Der neue Reichscommiffar hat seine Thätigkeit unverzüglich durch Errichtung von sieben ärztlichen Controlstationen für den Elbstrom bis aufwärts in die Wittenberger Gegend und für sämmtliche auf dieser Strecke von ihm abzweigenden Fluß- und Canalwege begonnen und wird hoffentlich der genannte Beamte die ihm gewordene Aufgabe mit gleicher Energie und Raschheit weiter behandeln. Dann aber ist auch aus dem Gebiete der Sanitätsgesetzgebung nunmehr ein erster wichtiger Schritt Seitens der Reichsregierung erfolgt, durch den vom Reichskanzler Grafen Caprivi dem Gefundheitsamte ertheilten Auftrag zur Ausarbeitung eines Reichsseuchengefetzes. Die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache spricht angesichts der in Hamburg noch immer herrschenden Choleraepidemie für sich selbst und wird man darum wohl die Zuversicht aussprechen dürfen, daß das betreffende Gesetz dem Reichstage noch im Verlaufe seiner kommenden Session vorgelegt wird. — Die Choleraepidemie in Hamburg erhält sich seit einiger Zeit auf einer gewissen mittleren Höhe, denn die von je 24 zu 24 Stunden gemeldeten Choleraerkrankungen schwanken gewöhnlich zwischen 330 und 360 und die Todesfälle in derselben Frist pflegen sich zwischen 120 und 150 zu bewegen. So wurden z. B. von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag 344 Choleraerkrankungen und 148 Cholera- todessälle gemeldet. Offenbar ist an eine auffällig rasche Abnahme der Seuche noch nicht sobald zu denken, falls sich nicht etwa ein unvermutheter Frost ins Mittel legt, auf welchen aber einstweilen schwerlich zu rechnen ist. Inzwischen fährt man in Hamburg mit der energischen Bekämpsnng der Epidemie, zu welchen Maßnahmen sich die dortigen Behörden nun doch endlich ausgerafft haben, fort, wie u. A. auch die freilich etwas verspätete Einsetzung einer Commission zur Untersuchung der sanitären Verhältnisse der Stadt, die Bewilligung namhafter Geldmittel zur Bekämpfung der Seuche u. s. w. beweisen. Außerdem richtet sich die Sorge der Hamburger städtischen Verwaltung auch aus die Beseitigung der infolge der Choleragefahr entstandenen Arbeitslosigkeit. Characteristisch ist es aber, daß man in Hamburg an leitender Stelle noch immer jede Verantwortlichkeit und Schuld dafür, daß die Cholera plötzlich so rapid in der alten Hansastadt austreten konnte, strict ablehnt. So wies in der Dienstagssitzung des Stadtverordneten-Collegiums der stellvertretende Bürgermeister in längerer Rede die der Verwaltung gemachten Vorwürfe zurück, woraus die Versammlung gleichsam als Vertrauensvotum für den Senat den durch dringlichen Antrag geforderten „Cholera-Credit" im Betrage von einer Million Mark einstimmig genehmigte. Trotzdem wird hierdurch an dem Urtheile der öffentlichen Meinung des übrigen Deutschlands über die Hamburger Zustände nichts geändert. — Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 14. bis 15. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle: Staat und Bezirk O r 1 Datum 11./S. 12/9. 13/9. 14/9. erkrankt gestorben erkrankt gestorben erkrankt gestorben erkrankt gestorben Hamburg Preußen Hamburg 390 175 333 142 344 148 283 108 Schl- swig Altona 12 5 12 5 12 5 5 1 Mecklenburg- Schwerin Altendors (Kämmeretdors Boizenburg) 2 1 Vereinzelte Erkrankungen.- Negierungsbezirk Schleswig: in der Stadt Wandsbeck und in fünf Orten der Kreise Stormarn und Süderditmarschen 7 Erkrankungen. Regierungsbezirk Stettin: in einem Orte des Kreises Randow 2 Todesfälle. Berlin: 1 Todesfall (Schiffer Lindemann). Regierungsbezirk Erfurt: in der Stadt Erfurt 1 Erkrankung. Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin: in der Stadt Boizenburg 1 Erkrankung. Berlin, 15. September. Das Marineverordnungsblatt veröffentlicht eine Cabinetsordre des Kaisers, welche bestimmt, daß Marinemannschaften, welche bei Herbst- entlasfungen nach von Cholera inficirten Orten entlassen werden müssen, gestattet sein soll, vorläufig länger bei ihren Marine- theilen zu verbleiben. Hamburg, 15. September. Der „Hamb. Correspondent" meldet, der Regierungspräsident von Schleswig erklärte die Stadt Altona für seuchenfrei, da die Cholera dort nicht mehr epidemisch austrete. Hamburg, 15. September. Obgleich die gestrigen Polizei- transporle in der Zahl der Erkrankten und Todten eine geringe Zunahme ausweisen, hat sich der Krankenstand in beiden Krankenhäusern derartig vermindert, daß von den mit dem Armeelazareth hier angelangten 24 Aerzten 11 bereits wieder abreisen konnten; weitere 4 Aerzte kehren in den nächsten Tagen in ihre Garnisonen zurück. Die gemischte Senatscommission hält heute im Beisein des Geheimraths Köhler und des Professors Koch ihre erste Sitzung ab. Der Senat deputirte den Bürgermeister Mönckeberg und die Senatoren Hachmann, Lehmann- die beiden Gesundheits- Control-Vorstände unseres Elbbezirks Marinestabsarzt Nocht und Assistenzarzt Garbsch besichtigten auch heute die Fluß- einrichtungen. Stettin, 16. September. Nach amtlicher Meldung kamen zwei neue Cholerafälle vor- ein Arbeiter und ein Kind starben. Antwerpen, 16. September. Hier wurden zwei neue Cholerasälle constatirt. 6 Personen sind als geheilt entlassen worden. Paris, 16. September. In den Hospitälern liegen noch insgesammt 233 Cholerakranke. 45 neue Erkrankungen und 11 Todesfälle wurden gestern constatirt. In St. Quen starben 4 Personen an der Cholera. In Toulouse wurden 4, in Dieppe 1 Todesfall festgestellt. Lille, 16. September. Im Departement Nord starben gestern 12 Personen und 18 erkrankten. Locale» r»nv provinzielles. Gießen, 16. September 1892. — Nikita Concert. Wir urtheilen wohl nicht falsch, wenn wir voraussetzen, daß ein großer Theil unseres musikalischen Publikums von der Sangeskünstlerin und ihren außerordentlichen Erfolgen Kenntniß hat, trotzdem dürste denn doch mancher unserer Leser, der im Jnseratentheile die Voranzeige des Nikita-Concertes liest, sich fragen: Ja, wer ist denn Nikita? — Wir antworten darauf, indem wir die junge Künstlerin durch einen Artikel des „Berliner Börsen- Courier" vom 13. October 1887 vorstellen - dieses in Theater- und Concertkreisen competente Organ läßt sich wie folgt vernehmen : Ntkita! Klingt das nicht fast wie ein Zauberwort aus irgend einem alten Märchen / Nikita, keine S»lbe mehr — ist's ein Roman- ttiel? O nein, es ist etwas weit Besseres als beides: es ist ein junges Mädchen, und mehr: eine junge Künstlerin. Wir leben jetzt in der Aera der Wunderkinder, deren es zwar zu allen Zeiten gegeben hat. aber niemals, glaube ich, in solcher Menge wie jetzt; und Nikita ist auch eines. Ein zartes, kaum dem Kindesalter entwachsenes anmuthiges Geschöpf und eine, nicht fertige, aber trotzdem hervorragende Sängerin, — so trat sie gestern in der Singakademie zum ersten Male vor ein deutsches Publikum. Vielleicht hat dieses sie nicht ohne Mißtrauen empfangen, denn die Glocken ihres Ruhmes hatten von der Themse gar zu stark herübergeläutet, und viel fehlte nicht, so hätten sie Nikita wirklich zu einem Märchen gemacht — und ein Roman wars ohnehin. Desto freudiger nahm die zahlreiche Zuhörerschaft wahr, daß „Niklta" in aller Wirklichkeit etwas, und zwar etwas sehr Reizendes sei. Sie begann mit der Garten-Arie aus „Figaro". Das Tempo war etwas stark gedehnt; es war in der ersten Hälfte mehr Adagio als Andantino. Und doch wußte sie mit dieser Arie sofort das lebhafteste Interesse zu erwecken. Den spontanen, sehr warmen Beifallsausbruch am Schlüsse dankte sie allerdings nur der ganz entzückend gesungenen bekannten Schlußvariante mit dem Doppelschlag auf d und der langsamen Tonleiter vom hohen b abwärts; das war einfach vollendet. Aber von Anfang an nahm sie durch zwei Dinge gefangen: durch die vortreffliche Art der Sttmmbehandlung, besonders der Kunst, die Kopfstimme zu verwenden und ihr die zartesten und einschmeichelndsten Wirkungen ab- zugewtnnen, und durch ihren seelisch empfundenen Vortrag, der in seiner Mischung von kindlicher Keuschheit und wohlbewußter Pikanterie einen ganz eigenthumlichen Reiz gewährte. Und die Stimme selbst? wird man fragen. Ohne groß zu sein, ist sie im Forte doch klangkräftig, im Pianissinm aber ungemein deutlich vernehmbar und in der Höhe dann vom schönsten Klange. Alle diese Vorzüge traten am deutlichsten in der Romanze aus Thomas „Mignon" heraus, deren Vortrag, mit hohem poetischen Reiz ausgestaltet, das Beste der gestrigen Darbietungen war. Ob das zum Theile auch in der Art Mignons begründet war, die halb Kind, halb Jungfrau, der jugendlichen Künstlerin mehr als irgend eine andere ihrer Aufgabe nahe- stehen konnte? Während die junge Sängerin hier ihr Debüt in so glänzender Weise durchführte, liegt ihr Meister Strakosch, der fich gewiß nicht wenig von ihren Erfolgen versprochen, zweihundert Meilen von hier auf der Todtenbahre. WaS er für ein GesangS- meister gewesen, das hat er an der Patti, aber auch an diesem jungen Mädchen bewiesen, dessen Können in vielen Dingen weit über ihr Alter hinausgreift. Möge ihrer ferneren Laufbahn ein guter Stern leuchten! Wir halten es bei der Bedeutsamkeit der Künstlerin für angebracht, den wundersamen Lebenslaus der jungen Dame, der fast der Phantasie eines Coopers zu entstammen scheint, im Feuilleton unserer Zeitung demnächst wiederzugeben, zumal uns versichert wird, daß derselbe genau den Thatsachen entspricht. * Blühende Bäume. Im Garten des Herrn Maurermeister Größer an den Bahnhöfen, befinden sich drei blühende Pslaumenbäume, darunter einer in vollem Blüthen- schmuck, aber ohne Blätter. — Bei der gelegentlich des Niddaer Herbftmarktes am 12. September stattgehabten Verloosung von Vleh und landwirthschastlichen Geräthen fielen auf folgende Loose Rinder: Loos Nr. 91, 322, 445, 457, 922 1. Preis (eine Kalbin), 1058, 1112, 1278, 1776, 2505, 2780, 3747. öS wurden 8000 Loose ausgegeben und es ist auffallend, daß in das erste und zweite Tausend neun Hauptgewinne, in das dritte und vierte Tausend drei, aber in die übrigen vier Tausend gar kein lebender (Haupt-) Gewinn gefallen ist. Anz. f. d. Kr. Sch. § Bermuthshain, 14. September. Bei der heute hier stattgesundenen Gemeinderathswahl wurden als Gemeinderathsmitglieder gewählt: Heinrich Appel, Landwirth, mit 49 Stimmen, Heinrich Schultheiß mit 48 Stimmen, Ernst Pfannstiel Gastwirth mit 43 Stimmen. Es waren im Ganzen 21 Candidaten ausgestellt. Geilshausen, 12. September. Heute Morgen in aller Frühe wurde ein hiesiger Mann, gegen den das Verfahren wegen Meineids eingeleitet werden soll, durch einen der Londorfer Gensdarmen in das Gesängniß nach Grünberg verbracht. Atzenhain, 12. September. An Stelle des seitherigen Bürgermeisters, Herrn Damm, wurde bei der heute statr- gehabten Neuwahl Herr Wilhelm Lenz II. mit 50 Stimmen gewählt. 36 Stimmen fielen auf dessen Gegencandidaten. NiederOhmen, 14. September. Bei der heute dahier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde unser seitheriger Bürgermeister, Herr Ohnacker, mit 123 Stimmen wiedergewählt, während sein Gegencandidat 61 Stimmen erhielt. Durch diesen Ausfall der Wahl ist die Leitung unseres Gemeindewesens wieder auf weitere neun Jahre in die Hände eines um unsere Gemeinde verdienten Mannes gelegt und dürfte Herr Bürgermeister Ohnacker dieses ihn ehrende Resultat als ein Sporn ansehen, auf dem von thm betretenen Boden zur Hebung unseres Gemeindewohles weiterzuarbeiten. Mainz, im September. Nach den statistischen Miltheilungen über die General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in Mainz haben derselben beigewohnt 1774 Mitglieder. Davon entfallen auf Deutschland 1667, und zwar aus Preußen 648 (Rheinprovinz 300, Hessen-Nassau 152, Westfalen 111, Provinz Schlesien 26, Brandenburg 15, Westpreußen 12, Hannover 10, Provinz Sachsen 10, Ostpreußen 4, Hohenzollern 4, Posen 2, Schleswig-Holstein 1, Pommern 1), Großherzogthum Hessen 405, Königreich Bayern 308, (Rheinpsalz 93), Baden 149, Württemberg 100, Elsaß-Lothringen 35, Oldenburg 7, Sachsen- Weimar 6, Königreich Sachsen 4, Bremen 2, Sachsen Coburg, Mecklenburg-Strelitz, Waldeck je 1. Auf das Ausland entfallen 107 Namen. Die Geistlichkeit war vertreten durch 2 Bischöfe und über 500 Welt- und Ordenspriester aller Rangstufen. Vom Adel nahmen nahezu 100 Vertreter Theil- darunter befanden sich 9 Fürsten und Prinzen, 27 Grasen und 30 Freiherren. Reichs- und Landtagsabgeordnete waren mehr als 50 anwesend. Die katholische Presse hatte 94 Vertreter gesandt. " vermischtes. * Das Opfer eines Zrrthums. In der Wiener Sommerfrische Mauer geriethen am Dienstag Abend die beiden jugend- lichen Ortsbewohner Rohrer und Niederauer, nachdem sie vorher tüchtig gekneipt, aus dem Heimwege in der Valen- tingasse vor einer Villa, in der einige Tage vorher ein Einbruch verübt war, in Wortwechsel und Niederauer stieß seinen Kameraden Rohrer an einen Gartenzaun und taumelte dann aus der Straße weiter. Rohrer gerieth mit dem linken Arme zwischen die etwa einen Meter hohe Gartenplanke, und da er im Rausche sich nicht befreien konnte, fing er am Zaune zu rütteln an, wodurch die Hausglocke in Bewegung gesetzt wurde. Ein Bewohner der Villa, ein in Wien etablirter Eisenconstructeur Namens Karl Kammerer, ein Mann von 27 Jahren, lag schon zu Bette, als die im selben Hause wohnenden Damen zu schreien begannen: „Diebe, Einbrecher und Mörder! Zu Hilfe! Zu Hilfe!" Der junge Mann ergriff aus die Hilferufe rasch einen Revolver, sprang aus dem Bette und eilte an das geschlossene Fenster. Durch die herabgc- ^assenen Jalousien bemerkte er den Rohrer am Zaune hängln. Ohne sich lange zu besinnen, feuerte er in kurzen Intervallen nach dem vermeintlichen Einbrecher drei Schüsse ab. Zugleich lamen mehrere große, bissige Haushunde und suchten den Körper des Rohrer zu fassen. Der Gendarmerieposten- Commandant eilte aus die abgegebenen Schüsse nach der- Villa und sand dort den ihm bekannten Rohrer, welcher mit dem Arme eingeklemmt war, aus mehreren Wunden blutend und besinnungslos an der Planke hängen. Der Gendarm befreite den Unglücklichen aus seiner Lage und leistete ihm die erste Hilfe. Der herbeigerusene Gemeinde Arzt legte dem Schwerverwundeten einen Nothverband an und consta- tirte zwei tödtliche Verletzungen an der Brust und im Unterleibe. Rohrer wurde dann in die elterliche Wohnung gebracht, woselbst er Morgens um 9 Uhr starb. Der Thäter erklärte osort, er habe die Schüsse nur aus Besorgniß für das Leben- und Eigenthum der in der Villa wohnenden Personen abgegeben. Da er aber Ausländer ist und der Verdacht der Flucht gegen ihn vorlag, wurde er sofort verhaftet. Der" erschossene Rohrer war erst tags vorher von der Waffenübung zurückgekehrt. * Schwarze Sultane. Lieutenant Gras Schweinitz, bcr bekanntlich am 5. Juni bei der Erstürmung des befestigten Dorfes des feindlichen Häuptlings Sikki schwer verwundet und nach Tabora gebracht wurde, wo er sachkundige Pflege and, hat an seinen Bruder von Urguru, etwa vier Tage* Märsche von Tabora, einen Brief geschrieben, der, einem Auszug der „Köln. Ztg." zufolge, u. A. eine interessante Charakteristik der schwarzen Sultane giebt: „Ich wurde im Schreiben unterbrochen. Der Sultan Maharuri kam, mich zur Besichtigung seines Torfes abzuholen. WaS hatte ich