Nr. 138 Freitag den 17. Juni 1892 Der Gießener Z»-ei»er erscheint täglich, mit Au-nahme de» MontagS. Die Gießener W.Mitie.-rLlter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Unzeiger. viertel^hriger AöounemeutsprelA« 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kch»kfir«ße Ur.I. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Gieren. ] Hralisöeikage: Hießener Iamitienötätter. Nnnohm« von Anzeigen zu der Nachmittags für bat folgenden tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Therl. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche im Kreis Friedberg. Die Maul- und Klauenseuche in Ober-Erlenbach (An- -eiger Nr. 75) ist erloschen. Gießen, den 15. Juni 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 15. Juni 1892. Betr.. Ablieferung der allgemeinen evangelischen Kirchensteuer von 1891/92. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» dte Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises. Einem Ersuchen Großh. Ober-Consistoriums entspechend, beauftragen wir Sie, die Gemeinde-Einnehmer anzuweisen, die bis jetzt eingegangene Kirchensteuer von 1891/92 — soweit noch nicht geschehen — unverzüglich in runder Summe an den Rechner des evangelischen Centralkirchenfonds abzuliefern. v. Gagern.___________________ Gießen, 14. Juni 1892. Betr Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen sm die Gretzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen der Einsendung der Verzeichniffe der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 15. Juni. Der wiederholt verschobene Gegenbesuch der italienischen Majestäten am Berliner Hose, der nach einer kürzlichen Mittheilung aus Rom sogar erst im Herbste vor sich gehen sollte, wird nun endlich in den nächsten Tagen doch erfolgen. Eine anscheinend halbamtliche Berliner Meldung besagt, daß der König und die Königin von Italien am nächsten Montag Abend in Berlin eintreffen werden. Ueber die Dauer des Besuches liegen noch keine zuverlässigen Meldungen vor, indessen wird in dieser Beziehung zweifellos Näheres baldigst bekannt werden, ebenso auch hinsichtlich des nicht bedeutungslosen Umstandes, ob König Humberr aus seiner bevorstehenden Berliner Reise vielleicht von einem Mitgliede des neuen italienischen Cabinets begleitet sein wird. Mit den Empfindungen freudigster Genug- rhuung blickt das deutsche Volk dem Besuche der italienischen Majestäten am kaiserlichen Hose entgegen, denn wenn auch durch diese italienische Königsreise zunächst nur eine unabweisbare Pflicht der höfischen Etikette erfüllt wird, so ist sie schließlich doch zugleich ein erneutes Symbol der unverbrüchlichen Fortdauer des dem europäischen Frieden so ersprieß- ltchen deutsch - italienischen Freundschasts - Bündnisses. Hie und da ist der wiederholte Aufschub der Deutschlandsfahrt der italienischen Majestäten als auffällig bekrittelt worden. Es bedarf indessen wohl kaum des besonderen Hinweises daraus, daß diese Verzögerung mit der bisherigen ungewissen parlamentarischen Lage in Italien zusammenhing. Nachdem dieselbe durch den großen Sieg des Ministeriums Giolitri in der Frage des provisorischen Budgets eine wesentliche Klärung erfahren hat, ist auch vom König Humbert der definitive Entschluß zum Antritt der längst geplanten Berliner Reise gefaßt worden. — Der Verbrauch an reinem Alkohol zu Trinkbranntwein ist in den acht Monaten von October 1891 bis Mai 1892 weiterhin um 3 pCt. zurückgegangen. Es wurden in diesem Zeiträume 1,508,554 Hectoliter reinen Alkohols nach Entrichtung der Verbrauchsabgabe in den inneren freien Verkehr übergeführt. Das sind 46,721 Hectoliter weniger als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Arr-land. Die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird im November ds. Js. für die Dauer von vier Jahren sür die am 4. März n. I. neu beginnende Amtsperiode des Präsidenten vollzogen. Die Wahl ist formell 11111 indirekte, doch thatsächlich insosern eine directe, als die Wahl männer von ihren Wählern aus ganz bestimmte Can- verpflichtet werden. Es stehen sich die republikanische und die demokratische Partei gegenüber. Soeben hat die republikanische Partei, zu welcher der derzeitige Präsident Harrison gehört, diesen als ihren Candidaten aufgestellt. Die demokratische Partei wird ihren Convent zu diesem Zweck erst am 2. Juli abhalten. Neueste Nachrichten. Wolfis telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 15. Juni. Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin begaben sich heute als am Todestage des Hochseligen Kaisers Friedrich III. mit den ältesten Königlichen Prinzen in das Mausoleum in der Friedenskirche, wo Allerhöchst dieselben am Sarge Kränze niederlegten und in stiller Andacht einige Zeit verweilten. Auch Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich und die anderen Höchsten Herrschaften ließen am Grabe des Hochseligen Kaisers Kränze niederlegen. Berlin, 15. Juni. Das Abgeord netenhauS nahm in der heutigen Sitzung die Vorlage betreffend das Tertiärbahngesetz im Wesentlichen nach den Beschlüssen der Commission an. Ferner wurde der Antrag Tiedemann Bomst angenommen, wonach die Capitalien des Dotationssonds auch sür den Bau von Kleinbahnen verwendet werden dürfen, die Resolution dagegen, der Staat möge bei dem Bau von Kleinbahnen für wirthschaftlich schwächere Gegenden sich mit Capitalien betheiligen, abgelehnt. Die Minister Thielen und Miquel hatten sich in zustimmendem Sinne ausHesprochen. Der Finanzminister Miquel erklärte ferner in Beantwortung einer Anfrage aus dem Hause, der Finalabschluß der Eisenbahnverwaltung dürfte voraussichtlich um 58 Millionen hinter dem Voranschlag zurückbleiben. Der Antrag betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts aus Helgoland wird von dem Antragsteller, Abgeordneten Dr. Kelch zurückgezogen, nachdem Geheimrath Blank sich dagegen erklärt und bewiesen hat, daß die bestehende Einrichtung völlig genüge. Freitag um 11 Uhr beginnt die nächste Sitzung. Aus der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Tertiärbahngesetzes. Berlin, 15. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Königlichen Erlaß betreffend die Einsetzung eines Aus- schuffes zur Prüfung und Beantwortung folgender Fragen: Welches sind die Ursachen der neuerdings vorgekommenen Ueberschwemmungen? Hat namentlich das bisherige Regulirungssystem der preußischen Flüsse zur Steigerung der Hochwassergefahr beigetragen? Durch welche Maßregeln kann in Zukunft der Hochwassergefahr und den Heben schwemmungsschäden vorgebeugt werden. Celle, 15. Juni. Oberlandesgerichtspräsident Bardeleben ist gestorben. Brüffel, 15. Juni. Die Ruhe ist im ganzen Laude wieder hergestellt. Barcelona, 15. Juni. Die Unruhen dauernsort. Die Arbeiter halten aus den nahen Bergen Versammlungen ab. 21 Socialisten wurden verhaftet. Patrouillen durchziehen die Stadt und die Umgebung; Fahrzeuge mit bewaffneter Mannschaft circuliren im Hasen. In einer von Arbeitgebern und Arbeitern besuchten Versammlung, in welcher der Maire präsidirte, wurde über die Grundlage eines Einvernehmens berathen. Washington, 15. Juni. Sämmtliche Mächte, ausgenommen Rußland, haben die Einladung zur Münzconserenz angenommen. Auch von Rußland wird eine günstige Antwort erwartet. Der Ort der Conserenz ist noch nicht gewählt. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 15. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Erlaß vom 28. Februar und die Ernennung des Ausschusses zur Untersuchung der Wasserverhältnisse in den der Ueberschwemmung ausgesetzten Flußgebieten unter dem Ehrenvorsitz des Reichstags-Präsidenten v. Levetzow. Berlin, 15. Juni. Der Stadtdirector Tramm von Hannover soll in der heutigen Audienz beim Ministerpräsidenten befriedigende Erklärungen in der Hostheatersrage erhalten haben. Bremerhaven, 15. Juni. Mehrere Verhaftungen hiesiger Geschäftsleute haben stattgefunden. Sie beziehen sich auf Unterschlagungen in der Magazinverwaltung des Norddeutschen Lloyd. Brüffel, 15. Juni. Definitiv wurden in die Kammer gewählt: 90 Katholiken und 54 Liberale, in den Senat 45 Katholiken und 29 Liberale. Stichwahlen finden statt in den urliberalen Kreisen Charleroi, Mons, Tournai, Ver- viers, Nioelles nnd Soignies. Alle Armoncen-Bureaux de» In- und lulleebfi nehme» An-eigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. ikoealer un- provinzielle». Gießen, 16. Juni 1892. — Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffe» am 15. Juni 1892. Zur Verhandlung kam heute die Strafsache gegen Heinrich Wiedersum von Büdingen wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Die Anklage wurde vertreten von Staatsanwalt Schilling-Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Rechtsanwalt Hirschhorn, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Heinrich Ludwig Mylius, Wilhelm Reichert I., Johannes Diehl III., Wilhelm Hensel, Georg Faber IV., Heinrich Ganß IX., Conrad Herber II., Johann Peter Wagner, Philipp Lenz V., Wilhelm Gail, Ludwig Scheich und Beigeordneter Philipp Lenz. Auch diese Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ftatt; der erst 18jährige Angeklagte wurde, nachdem die Geschworenen (Obmann: Fabrikant Heinrich Ludwig Mylius) die Schuldfrage und die Nebensrage nach dem Vorhandensein mildernder Umstände bejaht hatten, in eine Gesängnißstrase von einem Jahre und einem Monat nebst Kosten verurtheilt. — Die Stadt Gießen hat mit den Bankhäusern A. Heichelheim-Gießen, Mauer L Plaut-Cassel und Ephraim Meyer & Sohn-Hannover die Vermittelung einer Anleihe in Höhe von 500,000 Mk. abgeschlossen. — Der Gesetzentwurf, welcher die neuen reichsgesetzlichen Beschränkungen der Sonntagsarbeit durch ein polizeiliches Landesgesetz zu ergänzen bestimmt ist, hat nach dem vorliegenden Bericht des Gesetzgebungs-Ausschusses im Einverständniß mit der Großh. Regierung folgende wesentlich veränderte, sür weitere Kreise bemerkenswerthe Fassung erhalten: Das Aushängen und Ausstellen von Maaren Seitens der Kauf- und sonstigen Gewerbsleute ist an Sonn- und Festtagen untersagt, -ausgenommen jedoch diejenigen Stunden, während welcher nach der Gewerbeordnung (Gesetz vom 1. Juni 1891) und den aus Grund derselben erlassenen behördlichen Verfügungen und statutarischen Bestimmungen in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb stattfinden darf. Insoweit nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung an Sonn- und Festtagen in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb nicht stattfinden darf, ist auch den nicht unter die Gewerbeordnung fallenden Consumvereinen jeder Absatz von Maaren untersagt. Sind die Vorschriften des vorhergehenden Absatzes von Personen übertreten worden, welche der Vorstand des Consumvereins zur Führung der Geschäfte ober eines Theiles derselben bestellt hatte, so trifft die Strafe diese Letzteren. Die Mitglieder des Vorstandes sind neben denselben strafbar, wenn die Uebertretung mit ihrem Vorwissen begangen ist, oder wenn sie bei der nach den Verhältnissen möglichen eigenen Beaufsichtigung des Betriebes oder bei der Auswahl oder der Beaufsichtigung der geschästssührenden Personen es an der erforderlichen Sorgfalt haben fehlen lassen. — Erledigte Stelle für Militäranwärter im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen, Bahnwärter, widerruflich, 664 bis 862 Mk. — An Kohlenoctroi kam im Etatsjahr 1890—91 in den größeren Städten Hessens zur Erhebung in Darmstadt (6 Pf. pro Str.) 87414 Mk., in Offenbach (11,5 Pf. pro Doppelcentner) 82281 Mk., in Gießen (4 Pf. pro Str.) 22822 Mk , in Mainz (6 Pf. pro Str.) 77 934 Mk., in Worms (5 Pf. pro Str.) 74 289 Mk. — Die Eheschließungen zwischen Ausländern, namentlich russischen Untertanen und deutschen Frauen, haben vielfach dadurch Mißstände im Gefolge, daß die Frauen gemäß § 13 Ziffer 5 des Bundesgesetzes vom 1. Juni 1870 über die Erwerbung und den Verlust der Bundes- und Staatsangehörigkeit oft schon nach sehr kurzer Zeit mit ihren Kindern als lästige Ausländer ausgewiesen werden und in dem fremden Lande, dessen Sprache sie nicht kennen, dem Elend entgegen gehen. Um der Gefahr zu begegnen, daß die einen Ausländer heirathenden deutschen Frauen aus Unwissenheit in eine solche Lage gerathen, sind die Standesbeamten in einzelnen Theilen des Reiches mit Anweisung dahin versehen worden, bei Eheschließungen deutscher Frauen mit Ausländern die Bräute aus den durch ihre Verehelichung eintretenben Verlust ihrer Staatsangehörigkeit und die damit verbundenen Folgen ausmerksam zu machen. — Eine interessante Frage ist es, ob vom 1. Juli ab an Sonn- und Festtagen auch der Gewerbebetrieb durch Automaten während der vorgeschriebenen Ruhezeit unterbleiben muß. Der § 41 a der Gewerbeordnung jußt; „Soweit nach den Bestimmungen der §§ 105 b bis 105 h Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe an £>onn» und Festtagen nicht beschäftigt werden dürfen, in offenen SBerfaufiftetlen ein Gewerbebetrieb nicht stattfinden." Nach Wortlaut und Sinn dieses Paragraphen dürfte jene Frage zu bejahen sein. Die Bestimmung hat den Zweck, diejenigen Geschäftsleute, die aus bezahlte Arbeits- kläste angewiesen sind, vor der Concurrenz derjenigen zu schützen, die ohne solche auskommen, also entweder allein oder mir Hilfe von Familienangehörigen ihr Geschäft versehen. Der Grund des Verbotes trifft aber auch für die Automaten ö«. Es werden Cigarren, Chocolade, Streichhölzer u. s. w. an Sonn- und Feiertagen künftig nur während der gesetzlich gestatteten Arbeitszeit auf automatischem Wege verkauft werden dürfen. — Die Taubstummen Anstalt zu Friedberg hatte zu Ende des letzten Schuljahrs 48 Zöglinge (26 Knaben und 22 Mädchen), die von einem aus 10 Personen bestehenden Lehrkörper unterrichtet wurden. Von den Zöglingen, die in 28 Pflegehäusern untergebracht waren, sind zu Pfingsten 19, davon 16 als Confirmanden, entlassen worden. — An der Taubstummcn-Anstalt zu Bensheim unterrichteten 11 Lehrkräfte 67 Zöglinge (42 Knaben und 25 Mädchen), die in 48 Pflegehäusern Unterkommen gefunden hatten. Von den Zöglingen beider Anstalten waren aus Hessen 126 (Starkenburg 52, Oberhessen 42, Rheinhessen 32), aus Preußen und Bayern je 3, aus Baden 2. n— Nach einer statistischen Uebersicht der Java« liditäts- und Altersverfichernugs Anstalt für Hessen betrug im Jahre 1891 die Zahl der Versicherten etwa 200 000. Der Erlös für Marken stellt sich auf 1601233,82 Mk. An Altersrentnern waren 1908 männliche und 654 weibliche vorhanden, welche 249 035,40 Mk., resp. 73 344 Mk. Altersrente bezogen. Aus je 100 Einwohner entfallen 20,13 Versicherte und aus je 1000 der Bevölkerung 2,58 Altersrentner und aus je 1000 Versicherte 12,81 Altersrentner. Die durchschnittliche Höhe der Altersrenten stellte sich für männliche Rentner aus 130,52 Mk., für weibliche aus 112,15 Mk. An Beiträgen entfielen aus den Kops des Versicherten im Jahre 1891 8,01 Mk. — Zur Warnung berichten wir hier von dem folgenden Unfall. Durch leichtfertiges Fortwersen von Obstresten ist wieder einmal ein Unglück herbeigesührt worden. Vor dem Hause Jnvalidenstraße 5 in Berlin glitt am Freitag Mittag eine Frau aus einer Apfelsinenschale aus und erlitt durch den Fall eine so bedeutende Verletzung am Fuße, daß sie nach dem Lazarus - Krankenhause gebracht werden mußte. — Nachstehende Baderegeln seien bei der jetzigen Badezeit in Erinnerung gebracht: 1. Bei heftigen Gemuths- bewegungen bade nicht. 2. Bei plötzlich eintretendem Unwohlsein oder dauerndem Uebel bade nicht. 3. Nach durchwachten Nächten, übermäßigen Anstrengungen bade nicht, bevor Du einige Stunden geruht hast. 4. Nach reichlichem Genüsse von Speisen und besonders von geistigen Getränken bade nicht. 5. Den Weg zur Badeanstalt lege in mäßigem Tempo zurück. 6. Entkleide Dich langsam, gehe dann aber sofort ins Wasser. 7. Springe mit dem Kopse voran ins Wasser oder tauche wenigstens schnell unter, wenn Du das erste nicht magst oder kannst. 8. Bleibe nicht zu lange im Wasser, zumal wenn Du nicht sehr kräftig bist. 9. Nach dem Baden reibe den Körper zur Besörderung des Blutumlaufs, kleide Dich rasch an und mache Dir dann eine mäßige Bewegung. Laubach, 13.Juni. Der Oberhessische Geschichts- Verein in Gießen stattete gestern unserem Städtchen einen Besuch ab. Im Casinosaale hielt Herr Dr. Röschen einen Vortrag über die Geschichte von Laubach. Herr cand. hist. Ebel sprach dann über Kloster Arnsburg. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagsmahle besuchten die Gießener Herren noch das Schloß, wobei Se. Erlaucht Graf Friedrich von Solms- Laubach in liebenswürdigster Weise die Führerrolle übernommen hatte. (D. Z.) Darmstadt, 15. Juni. In Folge des Todesfalles des Präsidenten der zweiten Kammer, Kugler, wird in der am 21. zusammentretenden zweiten Kammer zunächst der zweite Präsident, Herr Wolfs kehl, sungiren, doch wird die Kammer in .der bevorstehenden Tagung wohl noch ihren ersten Präsidenten neu zu wählen haben. Aus Rheinhessen, 14. Juni. Ein Einwohner eines kleinen Dörfchens hatte sich zum Entsetzen seiner befferen Hälfte in den letzten Jahren allmählich an das Schnaps- trinken gewöhnt, und da ihm seit einiger Zeit oft die nöthigen Moneten fehlten, ging es aus Rechnung. Als ihm dieser Tage nun eine recht lange „Leiter" ins Haus gebracht wurde, woraus die nachfolgenden Schnäpse oft mit ditto bezeichnet waren, ries die entrüstete Ehegattin zornig aus: „Do Hot mers, der Lump! Jetzt säuft er aach noch Ditto!" Ans dem Ried, 12. Juni. Die diesjährigen Anmel- düngen von Tabakproduzenten find wieder geringer als früher. Die Landwirthe leiden an Arbeitermangel. Der Tabak erfordert viele Kräfte, das Setzen, Hacken, Geizen, Ernten, Trocknen und Aushängen nimmt zu viel Zeit in Anspruch und das Verwiegen und Versteuern wird als sehr lästig empfunden. Die Leute wenden sich daher dem Kar- toffelbau zu, welcher voriges Jahr viel Geld einbrachte, aber viel geringere Arbeit erfordert. ------- _ s—!"■ I !■ ■■ vermischtes. * Frankfurt a. M., 15. Juni. Ein 17jähriger Schrist- gießer, der seiner Tante 27000 Mark gestohlen hatte, wurde verhaftet. Das Geld ist wieder bis auf etwa 700 Mk., die er verjubelt hat, zur Stelle geschafft worden. * Folgende Spioueugefchichte hat sich jüngst bei Neisse zugetragen. Am Morgen in der Frühe, als eben der thau- gesättigte Erdboden unter den Strahlen der Sonne zu dampfen begann, rückte eine Compagnie Soldaten in voller Ausrüstung Mit dem Hauptmann an der Spitze durch die die Stadt umgürtenben Festungswälle zu einer Felddienstübung aus. Plötzlich, beim Umbiegen um eine Ecke des Walles sahen die vordersten Reihen aus bity Gipfel ber Wallböschung einen Menschen in grauer Stostjoppe, anscheineub in Pumphosen "nd Gamaschen stehen, der in der einen Hand einen Stock oder Ständer und in der anderen ein schwarzes Packet trug, das einem kleinen photographischen Apparate oder einer zusammengelegten Zeichenmappe ähnlich sah. Kaum erblickte der Mann die Soldaten, so rannte er, wie ein Hase durch das thauschwere Gras hüpsend, davon und verschwand hinter einem in den Wall eingebauten Militärmagazin. Der Hauptmann beorderte sofort eine Abteilung Soldaten zu seiner Verfolgung und schnitt ihm selber die weitere Flucht ab, indem er seinem Roß die Sporen gab und im Galopp um das Magazin herumsprengte. Bald war der Flüchtling von allen Seiten umzingelt- hinter ihm ein Piket Soldaten, das Gewehr zur Hand, und vor ihm der Hauptmann auf hohem Roffe, den Degen in der Faust. Ein Entkommen war nicht mehr möglich, die Katastrophe unausbleiblich — da löste sich in letzter Minute die gespannte Lage: der Spion entpuppte sich als ein harmloser Bürger der Stadt Neisse, der mit bis übers Knie emporgekrempelten Hosen, den Spazierstock in der einen und seine Stiesel — das verdächtige schwarze Packet — in der anderen Hand, als getreuer Jünger Kneipps zur Kräftigung seiner Gesundheit ein Thaubad im Dauerlaus genommen hatte. * Die Stadt Straßburg wurde dieser Tage verurtheilt, an eine Wittwe, deren Sohn sich in Folge mangelhafter Beschaffenheit der Schulbank eine erhebliche Wunde zuzog, eine Entschädigung von 6000 Mk. zu zahlen. * Der älteste Bürger der Stadt Bremen, Diedrich Völlers, ist an den Folgen der Influenza im Alter von 100 Jahren und 12 Tagen gestorben. * Lnremburg, 15. Juni. Das Schwurgericht verur- theilte den mit 17,000 Mk. durchgebrannten, in Berlin verhafteten Posteommis Gläsener zu 6Jahren Zuchthaus und Entziehung der bürgerlichen Rechte. * Zu dem Tode der Fallschirmkünstlerin Fran Earell- Troßmann in Berlin schreibt ein Berichterstatter, daß nach dem Bericht von Augenzeugen die Verunglückte durch eigene Schuld den Tod gefunden habe. Wie es heißt, verliert der Abstürzende jedesmal für 4—5 Secunden das Bewußtsein und kommt erst wieder zu sich, wenn der Fallschirm sich aufbläht. Die C. hat sich nur mit den Händen an dem am Fallschirm befestigten Ringe festgehalten, ohne sich anzuketten, hat dann während des Falles den Krampf in die Hand bekommen und nicht mehr vermocht, sich sestzuhalten. Der bodenlose Leichtsinn der Verunglückten ist schwer gebüßt worden. * Der Räuber Athanasius sagte s. Z. gesprächsweise: „Wir sürchten nicht, erwischt zu werden, denn wir haben keine Weiber bei uns." Diesen Ausspruch hätte ber Kassirer Jäger sich merken sollen, dann wäre er vielleicht noch in Freiheit, denn über das, was seine Verhaftung herbeisührte, wird erzählt: Als er eines Tages die Börse besuchen wollte, erhob die Klotz, die keinen Deutschen in der Nähe glaubte, dagegen Einspruch, indem sie äußerte: „Dürfen wir uns auch dort sehen lassen?" Dies hatte ein Deutscher Namens B. gehört und angezeigt, und aus diese Weise wurde Jäger entdeckt. * Ein Major als Student. Der Major a. D. Förtsch, zuletzt Abtheilungs-Commandeur im westpreußischen Feld- Artillerie-Regiment Nr. 16, welcher im Herbst 1888 in den Ruhestand trat und nach Halle übersiedelte, hatte sich dort immatrikuliren lassen, um Geologie, Philosophie und Geschichte zu studiren. Vor Kurzem ift er zum Doetor der Philosophie promovirt worden. Seine Dissertation behandelt die Entstehung der ältesten Werkzeuge und Geräthe; unter den Thesen lautet die eine: Der limes romanus in Deutschland war keine strategische Anlage. * Daß man Kühe mit Spargel füttert, ist wohl ein ganz außergewöhnlicher Fall und ein Zeichen seltener Ergiebigkeit und Fruchtbarkeit dieses Spargeljahres. Bei der in ganz Braunschweig so reichlich ausgefallenen Ernte dieses wohlschmeckenden Gemüses, daß man sie nur schwer zu bewältigen vermag, ist man im Dorse Oelper dahin gelangt, die dünnen Spargel, für welche sich bei einem Preise von fünf Pfennigen pro Pfund noch kein Abnehmer finden will, als Viehfutter zu verwenden. * Um des Geschäftes willen. Ein Waaren-Abzahlungs- geschäst in der Schönhauser Vorstadt in Berlin ließ am Samstag Vormittag aus der Straße an Frauen — Double- Pantoffeln gratis austheilen mit ausgedruckter Firma. Es erhielt aber Jede nur einen Pantoffel und giebt es den dazu fehlenden erst beim ersten Einkauf nachgeliefert. * Zur Charakteristik der verschiedenen Nationen sagt ein amerikanischer Essayist sehr witzig: In einem neu entdeckten Lande baut der Spanier zuerst eine Kirche, der Franzose ein Theater, der Engländer einen Rennstall, der Deutsche eine Kneipe, der Amerikaner gründet eine Zeitung, um darin Reclame zu machen — und der Italiener läßt sich die Sonne in den Hals scheinen. * Ueber die Häuser und Haushaltungen im deutschen Reiche bringt das „Statist. Vierteljahrs heft" folgende Angaben, die sich aus die Zählung vom 1. December 1890 beziehen: Es waren in Deutschland einschließlich Helgoland vorhanden 5 790 689 bewohnte und 122109 unbewohnte Wohnhäuser, sowie 57 873 andere bewohnte Baulichkeiten, so daß im Ganzen 5 970126 Gebäude re. zur Wohnung dienten oder bestimmt waren. Bezüglich der Zahl der unbewohnten Wohnhäuser erscheinen die Angaben nicht recht zuverlässig. In Berlin sind deren nur 25, im Rheinland dagegen 19 424 und in Elsaß-Lothringen 14912 gezählt. Die Zahl der Haushaltungen von zwei und mehr Personen belief sich auf 9 836 560, einzeln lebende selbständige Personen waren 747 689, Anstalten 33 674 vorhanden, so daß die Summe aller Haushaltungen 10617923 betrug. Wichtiger alß diese absoluten Zahlen sind die Berechnungen, welche die Gebäude und Haushaltungen mit dem Flächeninhalt der Einwohnerzahl u. s. w. in Vergleich setzen. Aus einen Quadratkilometer kamen im ganzen Reich durchschnittlich N,05 zur Wohnung dienende ober bestimmte Gebäude 2c. In Preußen hat der Quadratkilometer durchschnittlich nur 9,68 Gebäude, in Bayern 11,11, in Sachsen 21,89, in Württemberg 15,07, in Baden 14,80, in Hessen 18,73. X)te höchsten Zahlen weisen von den deutschen Einzelstaaten naturgemäß Hamburg mit 88,31 und Bremen mit 92,30 Gebäuden auf den Quadratkilometer auf, die niedrigsten O?enburg mit 8,70, Waldeck mit 7,90, Mecklenburg-Schwerin mit 5,00 und Mecklenburg-Strelitz mit 3,32. Unter den preußischen Provinzen ist mit Gebäuden am dichtesten besetzt äa§ Rheinland mit 23,00 aus den Cluabratfilometer; demnächst folgen Hessen-Nassau mit 14,39, Westfalen mit 14,06, Sachsen mit 12,64, Hohenzollern mit 11,74, Schlesien mit 11,56, Schleswig Holstein mit 8,77, Hannover mit 8,34, Brandenburg einschließlich Berlin mit 7,38, Posen mit 5,82, Westpreußen mit 5,57, Ostpreußen mit 5,38 und Pommern mit 5,14. Der Regierungsbezirk Köslin mit 4,19 erhebt sich nur wenig über Mecklenburg-Strelitz- den Gegensatz bildet der Regierungsbezirk Düsseldorf mit 37,81 Gebäuden auf ein Quadratkilometer. Universität- - Nachrichten. $un*- Nach dem soeben erschienenen V er - i n Personals und der Studtrenden unserer llntversilät betragt die Zahl der Studtrenden 904. Hiervon entfallen au die evangelisch-theologische Facultät 152, auf die juristische 216. auf die medicinische 282, auf die philosophische Facultät 307 Studenten. Die Zahl derjenigen, welche mit Erlaubniß deS Rectortz Vorlesungen hören, beträgt 53, die Gesammtzahl der Berechtigten ist mithin 957. Ihrer Herkunft nach sind von den Hörern 319 Preußen, 123 Nicht- ^^"'..^^^terreicher, 1 Franzose, 13 Engländer, 2 Italiener, n ^Mctlanber, 4 Oesterreich-Ungarn, 7 Russen, 5 Schweizer, 2 Türken^ 3 Afrikaner, 6 Amerikaner, 3 Asiaten. Halle, 13. Juni. Der Professor der Philosophie Johann Eduard Erdmann ist gestern hier gestorben. Freiburg, 10. Juni. Die hiesige Universität ist in diesem Sommersemefter von 1280 Studtrenden besucht, eine Zahl, die bisher nur einmal — im Sommersemefter 1886 — erreicht wurde. Namentlich hat sich die Zahl der Juristen vermehrt. — Professor vr. Hurwitz in Königsberg wird dem an ibn ergangenen Ruf, die Profeffur der Mathematik in Zürich zu übernehmen, Folge keiften. — Aus Leipzig verlautet, daß Pros. W inbscheid mit Schluß dieses Semesters in den Ruhestand treten wird. — Die Universität Straßburg zählt diesen Sommer 915» Studenten gegen 917 im Vorjahre. Davon treffen 114 auf die theologische, 221 auf die juristische, 333 auf die medicinische, 100 auf bte philosophische und 147 auf die naturwissenschaftliche Facultät. Nach dem Domicil sind 845 als Angehörige des Deutschen Reiches zu bezeichnen, darunter 374 aus Elsaß-Lothringen selbst, 255 aus Preußen (46 aus der Provinz Hessen-Nassau), 63 aus Bayern, 58 auS Sabenr 26 aus Württemberg und 25 aus Hessen-Darm st ad t. Das übrige Europa ist mit 46, die anderen Erdtheile sind mit 24 Mann vertreten. Die Zahl der Hospitanten beträgt 40. München, 15. Juni. Univerfitätsprosessor Fischer aus Würzburg, der einen Rus an Stelle des verstorbenen PcosessorS Hofmann nach Berlin erhielt, weilt gegenwärtig hier, um Unterhandlungen wegen seines Verbleibens in Würzburg zu führen. Würzburg, 15. Juni. Amtsrichter Baumann von hier wurde zum Universitätssyndikus ernannt. Schiffrnach richten. Hamburg, 13. Juni. Das Hamburg-Newyorker Poft- Dampffchiff „Rugia", Capttän Leithäuser, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, ist am 12. Juni, 8 Uhr Abends, wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land, nnd Volkswirthschaft. S Herchenhain, 15. Juni. Die gestern und vorgestern hier abgehaltenen Btehmärkte waren hinsichtlich der Zahl des zum Verkaufe gestellten Viehes insofern beeinträchtigt, als an gleichen Tagen Märkte in Hanau und Wächtersbach stattfanden. Der erste Tag war vorwiegend mit Bullen befahren, welche fast alle verkauft wurden. Zuchtbullen kosten 300 bis 400 Mk., Schlachtbullen 46 bis 48 Mk. pr. Eentner Schlachtgewicht. Simmenthaler Bullen wurden gesucht, jedoch waren wenig vorhanden. Im Allgemeinen hätte der Handel in Rindvieh in Anbetracht der nicht ungünstigen Ernte-Aussichten etwas lebhafter sein können. Am zweiten Tage war der Auftrieb in Milchvieh, wovon schon am ersten Tage ca. 100 Stück aufgetrieben waren, etwas ftül ker, besonders in Kühen und Jungvieh. Gute Milchkühe kosteten 280 bis 300 Mk., 1- bis 1'/»jährige Rinder 100 bis 110 Mk. Der Nachfrage nach Milchkälbern konnte nicht genügt werden, ebenso fehlte fettes Vieh. Schweine waren ca. 1100 Stück angefahr n, meistens Frühjahrsferkel, das Paat 3 bis 4 Monate alte wurde mtt 64 bis 95 Mk. bezahlt; es wurde hiervon fast Alle-verkauft. Junge 6 Wochen alte Ferkel kosteten 30 bis 35 Mk. per Paar. Fette Schweine wurden zu 56 Pfg. per Pfund Schlachtgewicht, bezw. 46 Pfg- per Pfund Lebendgewicht verkauft. Im Allgemeinen wird ein Steigen der Preise für Fettschweine bemerkbar. Limburg, 13. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 17.50, weißer Weizen JL 17.—, Korn JL 14.60, Gerste 9.10, Hafer JL 6.25, Erbsen JL —. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 730 Uhr, Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, SamStag Abend 900 Uhr. Ganzseid. befcrucFtr Foulards Mk. 1.35 bis 7.25 pr. Met. — (ca. 450 versch. Dispostt ) vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei in's Haus G. Henneberg, Seidenfabrikant, (K- u. K. Hoflies.) Zurich. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 1596 Unübertroffen in Feinheit u. Milde u. seit zwölf Jahren bewährt Hollünd. Tabak 10 Pfd. lose in Beutel srco. 8 Mk. nur bei B. Becker in Seesen a. Harz. 3648 SkiütMt direkt aus der Fabrik also auS erster Hand v von Elten & Keussen, Crefeid, in jedem Maak zu beziehen. Man verlange Muster mit Angabe des Gewünschten Temperatur der Lahn und Luft gemeffen nach Reaumur am 16. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr^ Wasser 14y2 Grad, Lust 15 Grad im Schatten. Rübsamen'sche Badeanstalt.