Nr. 242 Erstes Blati Sonntag den 16. October 1892 Der stießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Jamitien vtälier werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Hießmer Anzeiger Kenerat-Nnzeiger. Vierteljahr iger Abonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Brrngerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition 1 und Druckerei: Schulstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Attzeigeblatt für den Kreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den Arf>t TArtO» Itttt A frtf f 01* Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. | v. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Anrtliehev Theil. Bekanntmachung, -ie Abhaltung des für den 18. und 19. October 1892 für Schotten bestimmten Viehmarktes betreffend. Die nachstehenden, bezüglich des obigen Marktes Seitens des Grobherzoglichen Kreisamts Schotten getroffenen Bestimmungen bringen wir zur Kenntniß der Interessenten. Gießen, den 15. October 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bezüglich des Zutriebs selbst gelten folgende Bestimmungen: 1) Diejenigen, welche den Markt mit Vieh befahren, niüffen mit einem Ursprungszeugniß der Bürgermeisterei versehen sein, in welchem der bisherige Standort des Viehes angegeben ist. 2) Der Viehhändler, welcher, sei es von Schotten aus oder von außerhalb, den Markt mit Vieh befährt, bedarf eines Gesundheitsscheins. 3) Der Landwirth bedarf eines Gesundheitsscheins nur dann, wenn er den Markt von außerhalb befährt. 4) Ist der Ort, aus welchem das Vieh auf den Markt verbracht werden soll, seit länger als einem Monat gänzlich seuchenfrei, und ist er von jedem Orte, in welchem ein Seuchenausbruch festgestellt ist, wenigstens 3 Stunden entfernt, und wohnt kein ermächtigter Thierarzt in demselben, so kann das unter 2 und 3 erwähnte Zeugniß von der Bürgermeisterei ausgestellt werden. Andernfalls, sowie bei Treib- Herden von Schafen und Schweinen ist das Zeugniß von -einem ermächtigten Thierarzte auszustellen. Jedes Stück Vieh wird, ehe es den Markt betreten darf, thierärztlich untersucht._____ * Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Heinrich Seng, seither Dienstmann Nr. 19, diese Stelle mit Heutigem nievergelegt und um Rückgabe seiner Caution gebeten hat. Wir fordern deshalb Diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Caution aus seiner Eigenschaft als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen 8 Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, 15. October 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Gefunden: 1 schwarze Schürze, 5 Taschentücher, 1 Medaillon, 1 Kinderstrickzeug, 1 Kinderschuh, 1 Metermaaß, 1 kleines Messer, 1 Hundehalsband, 1 Tuchrock, 1 graue Weste, 1 Stück schwarzes Band, 2 Wagenkapseln, 1 Peitsche, 1 Regenschirm, 2 Betttücher, 1 Laterne, 1 Cigarren-Spitzen- Etui, 1 Vorstecknadel. Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund, ein Huhn. Gießen, den 15. October 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsches Reich. Berlin, 14. October. Die „Post" schreibt: Wie man sich erinnert, war vor längerer Zeit ein Gerücht in Umlauf gesetzt worden, daß unser Kaiser in Wien den Besuch des Herzogs von Cumberland empfangen werde. Jetzt haben die Thatsachen die Grundlosigkeit des Gerüchtes .dargethan, eines Gerüchtes, das spurlos verschwunden wäre wie manche andere, wenn nicht die Braunschweigische Landeszeitung l'sselbe mit einem Artikel voller Besorgnisse über die angel l ch in Aussicht genommene Erhebung des Sohnes des Herzogs von Cumberland aus den Thron von Braunschweig begleitet hätte. Uns selbst war eine Darstellung zugegangen, wonach die Königin von England sich bemühe, den Herzog von Cumberland zum Verzicht auf den Thron von Hannover zu bewegen, in welchem Fall ihm der Thron von Braunschweig gewiß sei. Die verwittwete Königin von Hannover wurde nach derselben Darstellung als unerschütterliche Gegnerin dieses Planes bezeichnet, daher seien die Betreiber desselben aus den Ausweg verfallen, den Herzog von Cumberland zu Gunsten seines Sohnes abdanken zu lassen, damit der Sohn unbehindert durch ein Versprechen, wie es der Vater gegeben, jenen Verzicht leisten und aus den Thron von Braunschweig gelangen könne. Wir erfahren nun auf das allerbestimmteste, daß alle solche Projecte, wenn sie irgendwo bestehen, in die Luft gebaut sind, da auf Seiten des Königs von Preußen und seiner Regierung, die doch wohl das entscheidende Wort zu sprechen haben, nicht der allergeringste Wille vorhanden ist, solchen Projecten näher zu treten. — Die Mittheilung der „Post", es sei für den Reichstag eine Vorlage in Vorbereitung, die sich auf Verschärfung des bestehenden Straf- und Preßgesetzes beziehen solle, begegnet allseitig erheblichen Zweifeln. Dem genannten Blatte zufolge würde die Vorlage strengere Maßregeln gegen Hoch- und Landesverrath, sowie „dehnbarere" Vorschriften über die Beschlagnahme von Drucksachen enthalten, aber da muß sich doch fragen, mit welchen Vorgängen denn derartige gesetzgeberische Maßnahmen begründet werden sollen. Nirgends im Reiche lassen sich Erscheinungen wahrnehmen, die eine solche Verschärfung des Straf- und Preßgesetzes rechtfertigen würden und man darf daher wohl der Verrnuthung Raum geben, daß jene Meldung des Berliner Blattes auf einer falschen Information beruht. Sollte sie sich aber dennoch bewahrheiten, so kann es als sicher gelten, daß eine Vorlage von dem erwähnten Charakter im gegenwärtigen Reichstage keine Zustimmung finden würde. Nachricht«»». WolffS telegraphisches Corresvondenz-Bureau. Berlin, 14. Dctober. Die feierliche Einführung des Oberbürgermeisters Zelle in sein neues Amt unterbleibt mit Rücksicht darauf, daß er erst im vorigen Jahre als Bürgermeister eingeführt wurde. Berlin, 14. October. Amtlicher Cholerabericht vom 13. October: Hamburg 10 und 1; Stralsund eine eingeschleppte Erkrankung- Altona 0 und 1. Nach amtlicher Berichtigung war von den gestern für Altona gemeldeten drei Erkrankungen nur eine durch asiatische Cholera verursacht. Wien, 14. October. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ist früh 6 Uhr aus der Nordbahn eingetroffen - er setzte 7 Uhr 20 Mm. die Reise nach Italien fort, ohne den Wagen zu verlassen. Paris, 14. October. In den ersten neun Monaten 1892 betrug die Einfuhr Frankreichs 3394 Millionen gegen 3741 Millionen des Vorjahres,-die Ausfuhr 2652 Millionen gegen 2555 des Vorjahres. Im September 1892 wurden Nahrungsmittel für 82 Millionen weniger als im September 1891 emgesührt. Genua, 14. October. Bei der Ueberschwemmung > von B u salla stieg das Wasser bis zum zweiten Stockwerk der Häuser. Die Einwohner flüchteten. Es wird befürchtet, daß Menschen umgekommeu sind. Diel Vieh ist verloren gegangen. Die telegraphische Verbindung ist gestört. Der Comosee droht auszutrelen. London, 14. October. Der französische Anarchist Francois, der angebliche Urheber der im Restaurant Very in Paris stattgehabten Explosion, ist gestern Abend hier von englischen Polizeiagenten verhaftet worden. Derselbe leistete bei seiner Festnahme hartnäckigen Widerstand. Feuilleton. Ein Jubiläum. Von Alex Landsberger. (Nachdruck verboten.) Die Pendeluhr holte zum Schlage der siebenten Morgen- fftunde aus. Durch die grünen Rouleauxstäbe stahl sich ein sonniger Strahl in das Zimmer, wo unter einer blauen Seidendecke das blonde Weibchen des Herrn Franz Richter schlummerte. Das goldig fluthende Licht spielte aus ihrem rosig schim- tnernben Gesichte, rieselte auf die geschlossenen Lider der Augen und kitzelte ihre Nase. Die Schlafende verzog einige Male das Gesicht, als belästige sie eine Fliege, zwinkerte mit den Augen, suhr sich mit der runden, schönen Hand über die : Slime, atbmete kräftig auf und erwachte. Vor ihr stand, völlig angekleidet, im Frack, mit weißer Cravatte, ein großes Blumenbouquet in den Händen, ihr Gemahl, und die Stirne der Erwachenden küssend, rief er mit herzlicher Freundlichkeit aus: „Guten Morgen, theures Weibchen, ich gratulire!" Frau Richter rieb sich die Augen, lächelte selig, ohne daß sie sich über die Bedeutung des Moments noch klar geworden, erhob sich mit halben Körper, im Bette- aufrecht fitzend blickte sie vorerst um sich, sah dann eine Weile fragend den Gatten an und endlich, ganz ermuntert, rief sie staunend: ^Aber, Franz, was soll das bedeuten?" Herr Richter legte den Blumenstrauß auf das Nachttischchen am Kopfende des Bettes, ergriff die Hände seiner Frau und, sie fest drückend — die Hände nämlich — versetzte er: „Du weißt also gar nicht, daß wir heute ein häusliches Fest begehen?" Frau Richter schüttelte den Kopf. Sie sucht vergebens, ihrem Gedächtnisse zu Hilfe zu kommen. Was für ein häuslicher Festtag konnte heute sein? Namenstag, Geburtstag, Hochzeitstag — die hatten mit dem schwarzgedruckten Montag, den der Kalender zeigte, nichts zu schaffen. Sie schüttelte wiederholt verneinend den Kopf, und indem sie es endlich aufgab, die Weihe des Tages zu erralhen, rief sie: „Geh, Franz, jetzt sag einmal, was für ein Fest feiern wir heute und warum gratulirft Du mir?" Der galante Herr Richter erhob sich, griff nach dem Bouquet, und es der Gattin präsentirend, begann er mit einem Ernste, an welchem ein feiner Beobachter einen Schimmer von Spott leicht hätte bemerken können: „Theure Marie! Wir feiern heute ein eigenartiges Jubiläum und es drängt mich, Dir von ganzem Herzen Glück zu wünschen zum fünfundzwanzig st en Dienstboten, den Du seit den zwei schönen Jahren unserer glücklichen Ehe gestern ausgenommen hast." Das Gesicht der jungen Frau erglühte- mit einem Satze war sie aus dem Bette, und während der Gemahl laut aus- lachend aus dem Zimmer sprang, traf ihn ein kräftiger Schlag im Nacken, wohin der wohlgezielte Blumenstrauß nachgeflogen kam. Zugleich erdröhnte es wie ein Kanonenschuß durch das Haus. Frau Richter hatte nämlich die Thüre zugeschlagen, welche vom Schlafzimmer in den Salon führte. Herr Richter hatte kaum das Festkleid abgelegt und den geblümten Schlafrock umgebunden, als es draußen kftngelte- er trat ins Vorzimmer, um zu öffnen. Es war richtig das Dienstmädchen — das sünfundzwanzigste — welches mit einem höflichen Kn ix und einem mehr schalkhaften als respect- vollen „Guten Morgen" hereinkam. Herr Richter gab ihr den wohlweisen Rath, bis die Frau ausgestanden, sich mit dem Reinigen der Kleider nützlich zu machen. Dann begab er sich an die verschlossene Thür des Schlafzimmers, wobei er auf dem Wege dahin den Blumenstrauß beseitigte und leise klopfend, lispelte er in süßflötenden Accenten: „Marie mein Engel, das neue Mädchen ist schon da." Vorerst keine Antwort und nur nach dreimaliger Wiederholung — die engelhaftesten Weibchen haben mitunter inso- serne etwas Teuflisches an sich, daß mans nach Mephisto- . phelischem Recepte dreimal sagen muß — ließ sich aus dem Schlafzimmer ein verdrossenes: „Hol sie der T.....!" vernehmen. „Dann müßtest Du Dich ja um einen sechsundzwanzigsten Dienstboten umschauen," klang eS geduldigen Tones zurück. Diese Bemerkung scheint überhört worden zu fein und erst als Herr Richter achselzuckend sich ins Speisezimmer begab, zum Morgenblatte griff und sich in die bulgarischen Wirren vertiefte, rauschte Frau Richter aus dem Zimmer, sich in die Küche verfügend, wo sie der neuen Magd die Weisungen für das Frühstück gab. Ein anregendes Zwiegespräch zwischen der Frau und dem Dienstboten riß Herrn Richter aus den erdrückenden Ziffern- cotonnen. Er lauschte. „Warum haben Sie sich nicht den Koffer mitgebracht?" „Ja wissens, gnädige Frau, wenn man ein Haus noch net kennt und man weiß net, ob man dableiben wird, ist das mit’n Koffer eine schwere G'schicht. Das ewige Hin- und Zurücktragen ist eine Rackerei und kost't glei viel Geld." „Ich habe Ihnen aber ausdrücklich gesagt, daß ich ein Mädchen ohne Koffer nicht brauchen kann." „Ja wissen's gnäd'ge Frau, die jetzigen Dienstplätze sind aber so, daß man wirklich net weiß . . ." Herr Richter schmunzelt. So hatte es noch fast jedesmal angefangen,- in günstigen Fällen schloffen artige Plänkeleien mit den Worten: „Sie werden Ihre „vierzehn Tag" machen." Heute jedoch erfolgte das nicht, und Herr Richter athmetc sroh auf, als seine Frau, die Thüre »ffnenb, hereintrat und ihr der neue Dienstbote mit einem großen Brette, auf dem in weißen Töpfen die Milch und der Kaffee dufteten, folgte. Während des Frühstückes erhielt Herr Richter auf seine versöhnenden, freundlichen, ja liebevollen Bemerkungen keine wie immer geartete Antwort. Die Gattin hatte, einige Löffel Kaffee schlürfend, sich erhoben und in den beiden anderen Stuben sich allerlei zu schaffen gemacht. Scheinbar gleich gütig hatte Ich Herr Richter angekleidet und war, ohne daß totales unö provinzielles seines Dienstes ent» in am 11. Nov. l. I. Schmidt über die stattfinden, welcher und Erlebnisse sehr — Sicherem Vernehmen nach wird ein Vortrag von Herrn Chef Rochus Verhältniffe im Seengebiet in Ostafrika burd) Mittheilung eigner Beobachtungen interessant zu werden verspricht. Auszug aus -en rttrchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. «etrante. Raubansall. Gestern Nachmittag wurde zwischen Ruttershausen und Lollar gegen einen jungen Kaufmann von hier von zwei Handwerksburschen ein Rau bans all verübt. Dem Beraubten wurde nur ein Stück Kuchen abgenommen (!), da die Strolche aus das Schreien davonliefen,- sie sind noch nicht ermittelt worden. -Den 8 Oktober. Karl Heinrich Bruchhäuser, Finanzaspirant Darmstadt und Marie Franziska Karoline Elise Emilie Emma Strauch. Tochter des Privatmanns Balthasar Strauch in Giehen. m Den 12. October. Karl Georg, Wirth in Herborn, und Emma Barb, Tochter deL verstorbenen Landmannes Georg Barb in. Niederdresselndorf. ' Denselben. Heinrich Karl Louis Fingerhut, Schneider in Gießen, und Marie Katharine Volk aus Butzbach. _ Denselben. Karl Emil Becker, Kunstgärtner in Gießen, und Sophie Friederike Susanne Georgine Plank, Tochter des Gerberei- besttzers Franz Plank in Gießen. Den 14. October. Heinrich Jost, Knecht in Gießen, und Anna Katharine Schmitt, Tochter des verstorbenen Taglöhners Johannes Schmitt in Gießen. Getaufte. n De» 9. October. Dem Fabrikanten Wilhelm Gail ein Sohn. Ernst Wilhelm Adolf, geboren den 22. Juli. Denselben. Dem Schreiner Philipp Rühl ein Sohn, Heinrich Friedrich, geboren den 16. September. Denselben. Dem Sergeant Johann Conrad Geitz eine Tochter. Anna Luise Elisabeth, geboren den 10. September , . D-ns-lbcn. Dem Glaf-rmcifter Heinrich Gröntnger ein Sohn, Heinrich Friedrich, geboren den 16. August. Denselben. Dem Maurer Philipp Peter eine Tochter, Margarethe Dorothea, geboren den 9. September. , Denselben. D-m Fabrikanten Hermann Eichenauer eine Tochter, Gertrud Margarethe Marie Johanna Emmy, geboren den 14. August. ~ 12. Oct ob er. Dem Hauptmann Emil Goldmann eia Sohn, Wilhelm Christian Ludwig Elmar Emil, geboren den 22. Juli. Dem Schneider Johannes Eidmann eine Tochter, Dorothea, geboren den 16. Februar. — Von der Universität. Der außerordentliche Professor Dr. Beckmann ist aus. sein Nachsuchen ' lassen worden. ( Ortschaften hiesiger Gegend fast keine Landwirthssamilie, I brinnen nicht der vortreffliche Gelee aus den Beerensrüchten I 2öalbe§ zu finden wäre. Von allen Waldbeeren hat am I reichlichsten getragen die Brombeere. Ihre Ranken hingen so voll, daß sie sich zu Boden neigten. Darmstadt, 14. October. Seine Königliche Hoheit der G r o ß h e r z o g und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzeffin Alix, in Höchstderen Gefolge sich Flügeladjutant Major Frhr. v. Grancy befand, sind heute Nachmittag 1 Uhr 38 Minuten, von London kommend, hier eingetroffen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden im Neuen Palais residieren und von Morgen an wieder Audienzen ertheilen. Groß. Steinheim, 13. October. Während aus allen Gegenden die günstigsten Berichte über reichlichen Kartoffelsegen bekannt werden, ist bei uns die Kartoffelernte mitunter dermaßen gering, daß es sich kaum der Mühe der Einerntung- verlohnt. Beispielsweise erntete in den letzten Tagen ein hiesiger Grundbesitzer auf einem Morgen Ackerland 3 Malter Kartoffeln, wozu 6 Arbeiter einen. Tag lang beschäftigt waren. In anderen Lagen geriethen dieselben freilich besser, immerhin aber ist keine Vollernte zu ver- zeichnen. (Darmst. Ztg.) Westhofen, 13. October. Dieser Tage wurde dahier ein Mrd gelobtet, welches das hohe Alter von 29 Jahren erreichte, den Krieg von 1870/71 -in der hessischen Division mitgemacht hatte, seit dieser Zeit ununterbrochen im Besitze des Bürgermeisters Orb gewesen ist und bis zu seinem Ende immer ein gutes Aussehen bewahrte. Seligenstadt, 13. October. Das fünfjährige Töchterchen eines hiesigen Kaufmanns wurde kürzlich von einem Hunde, der dem Kinde einen Bissen Brod vom Munde abschnappte, um die Mund- und Nasenpartie schauerlich verletzt. Das arme Kind, das einzige Töchterchen der schwergeprüften Eltern, ist nun vorgestern Abend gestorben. Petersburg, 14. October. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die kaiserlichen Prinzen haben gestern über Warschau die Rückreise nach Gatschina angetreten. 14‘ Dctober* Heute früh 7 Uhr wurde hier, in Philippopel, Varna und Rustschuck ein mehrere Secunden dauernder Erdstoß, der von unterirdischem Getöse begleitet war, verspürt. Ueber etwa angerichteten Schaden liegen keine Meldungen vor. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 14. October. Die Entwürfe zur Erhöhung der Besteuerung des Tabaks, des Bieres und der Stempelsteuer sind den Bundesregierungen übermittelt worden. Berlin, 15. October. Die Meldung der „Deutschen Bauzeitung" über größere Reformen in der preußischen Staatsbahnverwaltung bestätigt sich. Es handelt sich vorerst um die Verbesserung der Verwaltungsorganisation und um bessere technische Ausbildung der Beamten. Bremerhafeu, 14. October. Fast jeder von Amerika kommende Dampfer bringt russische Auswanderer zurück, denen bte Rückreise nach Rußland verboten ist. Bereits 147 Personen werden vom „Norddeutschen Lloyd" aus dem Schiffe „Amerika" verpflegt. Budapest, 14. October. Das Kriegsministerium arbeitet an einem Entwurf, demgemäß der Präsenzstand der Offiziere erhöht werde. Diese Erhöhung ist tm Contact mit der Erhöhung der Präsenzstärke der Mannschaft, welche in drei Jahren um 38,000 Mann erhöht werden soll. Jedes Infanterieregiment erhält einen Major, einen Hauptmann, einen Oberlieutenant und jede Compagnie erhält einen Lieutenant. Erntefest. Das Erntedankfest will uns im Treiben und Jagen des Tages ein Halt! zurufen, daß wir einmal unferm Herrgott im Himmel, dem Lenker der Winde und der Wolken, für die förnte, die er uns auf den Aeckern gegeben hat, unfern Dank sagen. Das geht nicht nur die an, die in doppeltem Sinne von der Ernte leben, nämlich die Bauern, die den Ernteertrag theils für sich gebrauchen, theils verkaufen, um die andern Lebensbedürfnisse davon zu bestreiten- sie sitzen gleichsam unmittelbar an der Quelle und sehen, wie und wo das Wasser herausquillt. Das Erntedankfest ist auch für die Dielen da, die von der Ernte keinen Erlös haben, sondern die einen Theil ihres Verdienstes daranwenden müssen, um sich aus der Ernte das zum Leben Nothwendige zu kaufen. Die sollen zumal an das Erntedankfest erinnert, sie sollen davor gewarnt werden, zu meinen, wenn sie den Bäcker, den Händler bezahlten, hätten sie keinen Grund, einer höheren Instanz zu danken. Darüber ein paar Worte. Da liegt in der Erde schon viele Jahrtausende so viel, was wir zum Leben nöthia haben - Kohlen, Steine, Eisen und die andern Metalle. Warum fällt es denn Niemand ein, einmal dafür ein Dankfest abzuhalten? Ganz gewiß nicht darum, weil das keine rechten Gottesgaben wären. Freilich scheint es manchen Leuten, als müßten'um der patriarchalischen Verhältnisse willen, in denen wir den Anfang unserer Religion eingeschlossen sehen, die Gaben der Landwirthschaft mit einer besonderen Ehrfurcht als altgeheiligte Gaben Gottes betrachtet werden. Dazu kommt noch, daß die Leute, die mit der Landwirthschaft umgehen, durch das beständige Bewußtsein ihrer Abhängigkeit von einer höheren Hand meistens frommer sind, als die Leute der Industrie, die über den starken Hammerschlägen, womit sie das Eisen bearbeiten, vergessen, woher es doch auch kommt. Nein, das ist der Punkt: Eisen und Kohle liegen für immer in der Erde, geschaffen, um den Menschen ihre Aufgabe: macht euch die Erde unterthan, zu erleichtern. Die Gaben der Landwirthschaft giebt uns Gott jedes Jahr neu. Jener Engländer hat nicht ganz Unrecht, wenn er die Größe der englischen Nation auf die — Hummel zurückführt! Die hilft den Klee befruchten, der macht die englischen Ochsen so stark, die geben das gute Ochsenfleisch, das giebt den Engländern Muth und Energie in die Adern. Es ist nur ein scherzhafter Beleg für die große Wahrheit, daß unsere Cultur und unser Gedeihen zwar nicht einzig und allein, aber doch auch bestimmt ist von den ökonomischen Verhältnissen, in denen wir leben. Schließlich hält uns Gott mit den Sonnen- siecken fest an der Leine. Was für eine Noch, wenn die Ernte schlecht ist! Wir denken nicht an Wein und Spargeln, wir denken zunächst einmal an Korn, Kartoffeln und Futter. Der geehrte Leser, der dies beim Kaffee oder nach einer guten Mahlzeit liest, denke einmal darüber nach, was aus der Welt würde, wenn das „arme Volk" keine Kartoffeln mehr zu essen hätte! Dieses Jahr geht es ja noch, bis auf ba§ futter für das liebe Vieh. Dafür wollen wir allesammt danken, nicht nur die Bauern, sondern auch die Städter, denn sie leben alle von dem, was ans dem Felde wächst. Ohne das gäbe es keine Soupers, keine Equipagen, keine Eisenbahnen. Das Erntedankfest soll uns lehren, zu denken und I Zu dünken. Das Danken mit offenen Lippen und gefalteten Händen ist zwar ganz schön und gut, aber besser gefällt es ohne Zweifel unferm Herrgott, wenn wir die Lippen schließen und die Hände öffnen, wenn wir die Arrnuth und die Noth als die Freundinnen Gottes betrachten, denen wir in seinem Auftrag helfen, denen wir den Dank mit freigebigen Händen I erstatten sollen, der ihm gebührt. Adieu erwidert worden, fortgegangen. Erst als er Mittags hetmkehrte, sich schweigend zu Tische setzte, mcht durch Worte, aber durch unfreiwillige Geberden merken ließ, daß die Suppe versalzen und das Fleisch hart war, flog cm freundlicher Schimmer über das Gesicht der Haus- frau und mit einer Art von Genugchuung ries sie: „Du sagtest ja immer, daß ich nnch schonen und die Dienstboten kochen lassen soll, wenn diese behaupten, daß sie sich auf die Küche verstehen. Nun, da hast Du es. So kochen diese . . . ." £r Hi°r folgte ein Ausdruck, den wir bei aller Hochachtunq für Frau Richter doch nicht wiederholen möchten. Da Herr Richter daraus nichts zu antworten wußte, fuhr bie Hausfrau fort: „Du hättest Dir den nicht sehr feinen Spaß von heute früh ersparen können. Bin denn ich Schuld daran, daß ich so häufig „wechseln" muß?" "Ich r weiß, ich weiß, mein Kind, daß Du nicht die Schuld hast- es ist aber doch zum Verzweifeln, daß Du keinen Dienstboten längere Zeit behalten kannst und Dich saft jeden Monat mit dem Drillen eines neu eingestandenen Frauenzimmers abrackern mußt. Ist es denn gar nicht möglich, daß man eine bekommt, die nicht, kaum daß man sich an sie gewöhnt hat, ihre „vierzehn Tag" macht? Es gibt ja auch gute Dienstboten!" „ , ^'«schöne Frau neigte sich zu ihrem Gatten und er« Ehend flüsterte sie ihm etwas ins Ohr, das ihn wie eleetrisch Cr „7ran9 vorn Sessel empor und schloß das Weibchen m seine Arme, den blonden Kops mit unzähligen Küssen bedeckend. . Als Beide wieder Hand in Hand nebeneinander saßen, lispelte sie: ' „®u wirst Dich bald nicht mehr über die Dienstboten beklagen haben, denn der schlechteste Dienstbote ist noch immer erträglicher, als die beste — Amme!" Und als Herr Richter den Blumenstrauß wieder hervorholte, um ihn der schönen jungen Frau ein zweites Mal zu überreichen, schien sie nicht mehr gekränkt, denn zu Tbränen gerührt, fiel sie dem geliebten Manne um den Hals. — Die allgemeine Konferenz der deutschen Sittlich- keitsvereiue wird am 19. und 20. October d. I. in Darmstadt abgehalten werden. Am Mittwoch Vormittag und Mittag finden die Besprechungen im Saalbau statt, zu denen außer den Vertretern der Sittlichkeitsvereine die Deputierten der Magdalenen-Asyle, Landes- und Provinzialvereine für i. M., Stadtmissionen, Gesängnißvereine, Straf- und Irrenanstalten, Armenpflegevereine, Arbeitercolonieen und Arbeiterwohnungsgenossenschasten, Vereine zur Bekämpfung der Trunksucht eingeladen find. Um 6 Uhr findet unter »Mitwirkung des Kirchengesangvereins Gottesdienst in der Stadtkirche statt, bei welchem Prof. Reischle - Gießen die Predigt I halten wird. Um 8*/2 Uhr ist öffentliche Männerversammlung im Saalbau. In derselben werden folgende drei Ansprachen gehalten: 1. von Lic. Pfr. Weber-M. Gladbach: „Die Unzucht das Grab der Völker"- 2. von P. Keller-Düsseldorf: „Die Erziehung unserer männlichen Jugend zur Keuschheit, eine Forderung im Interesse der Wehrkraft unserer Nation"- 3. von P. Philipps-Berlin: „Die Forderung von Bordellen ein Angriff auf die weibliche Ehre und eine Schmach für die Männerwelt». In der gleichzeitig Abends 8V2 Uhr im Vereinshaus (Mühlstr. 24) tagenden öffentlichen Frauenversammlung werden reden: 1. P.Wenck-Karlsruhe über: „Die sittliche Stellung der Fran in Vergangenheit und Gegenwart" • 2 P Zimmermann-Dresden über: „Wie ist den sittlichen Gefahren für das weibliche Geschlecht im gewerblichen Berufsleben vorzubeugen?",' 3. Superintendent Niemann-Kyritz über: „Was haben die Frauen bisher zur Bewahrung und Rettung ihrer Schwestern qe- than, und was müssen sie noch thun?" Am Donnerstag, 9 Uhr Vormittags, finden die Hauptverhandlungen (öffentlich nur für Männer) im Saalbau statt: 1. Bericht über die deutsche Sittlichkeitsbewegung (Lic. P. Weber)- 2. Vortrag des Geh. Sanitätsraths Dr, Brinkmann Wiesbaden: „Inwieweit beeinflussen die Lebensanschauungen und Gesellschastsordnungen der Gegenwart die Sittlichkeit"? (folgt Besprechung)- 3. Vortrag des Patzsche-Liegnitz: „Oeffentliche Vergnügungen und die Unsittlichkeit" (folgt Besprechung). — ;9 Uhr Abends: Ver. sammlung (nur für Männer) über: „Die Bestrebungen des Weißen Kreuzes" von Herrn Generalsecretär Krüger-Frankfurt a. M. , , ~ 3n Folge des schwachen Reiseverkehrs läßt das Eisenbahn Betriebsamt Cassel, wie es durch Schalteranschlag im Hauptbahnhofe zu Frankfurt a. M. bekannt gibt, von Samstag den 15. October an bis voraussichtlich zum 15. Decem- sei&WU«. 167 168 *»*« =*'« ««» Fauerbach, 13. October. Bei der heutigen Bürger- meisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister-Edelmann nahezu einstimmig wiedergewählt. A «ns dem Ohmthal, 14. October. Der Ertrag an Beerenfruchten war in diesem Jahre ein sehr reicher. Bei dem heißen, trocknen Wetter behielt der Waldboden die nöthige Feuchtigkeit, die zu einer reichen F r u ch t b i l d u n g erforderlich, infolgedessen trugen Erd-, Himbeeren und Heidelbeeren reichlich und überall wurden die ebenso schrnackhasten als gesundheits- dtenlichen Waldfrüchte mit allem Fleiße geholt und in der Haushaltung verwendet. Früher gingen diese Beeren meist verloren, aber tn den letzten Jahren ist ihre Verwendung eine sehr allgemeine geworden und man trifft heute tn vielen ’ | * Marburg, 14. October. Die neue Weidenhäuser I Brücke ist heute Morgen um 11 Uhr durch den von der | Regierung damit beauftragten Kreisbauinspector Herrn vom I Dahl abgenommen worden. । * Hamburg, 14. October. In einem Hause zu Hamburg, I das wegen seines schmutzigen Zustandes von den Bewohnern I polizeilich geräumt werden mußte, wurden bei der Desinsi- I zi erung 60 000 Mark in einem Winkel gesunden. Die I Bewohnerin hatte bisher eine Armenunterstützung bezogen. A«»zr»g an» -en Standesamtsregistern der Stadt Gietzen. Aufgebot«. .. e ,.'ob,er: Johannes Kröll, Zimmermann zu Bischofsheim, mit Katharine Rausch zu Gi-tzen. 13. Justus Theodor Emil Adolf Ltesscld zu Wetzlar, mit Marte Claas daselbst 13. Karl Adam jun®ie6en@e S‘ feUt ’u Bruchsal, mit Anna Elisabeth Schüßler _ , , „ c «heschlietzungen. October: 8. Karl Heinrich Bruchhäuser, Finanz-Asvirant >u Darmstadt, «" Marie Franziska Karoline Eitle Emilie Emma r-12,' ^arl Emil Becker, Kunstgärtner dahier, mit ®op6it Friederike Susann- Georgine Plank von hier. 12. Heinrich ?“r‘ Louis Fingerhut, Schneider dahier, mit Maria Katharine Volk V Slerl1 Georg, Wirth zu Herborn, mit Emma Barb von Niederdreffelndors. 14. Heinrich Jost, Knecht dahier, mit Anna Katharina Schmitt hi-rfelbst. 14. Matthias Kaiser, Geschäftsreisender von Wattenheim mtt Katharine Dell Wtltwe, geb. Vogt, dahier^ iJ’ mric6nCo Schuhmacher dahier, mit Helene Lotz hierselbst. 8' ba6kr' mlt Maria Elisabeth _ , . „ »«vor«««. October: 2. Dem Hauptmann und Compagnie Ches Adalbert von Erhardt ein Sohn, Wolfgang Alexander. 3. Dem Kutscher ®eotB Simibt eine Tochter Luise. 4. Dem Taglöhner Heinrich Schneider III eine Tochter, Louise Marie. 6. Dem Schmiedmeister Konrad Walther eine Tochter, Ottilie Gretha Susanne Karoline Regine. 7. Dem Kaufmann Karl Röhr eine Tochter. 7 Dem Dienstknecht Heinrich Naumann ein Sohn, August. 8. Dem Metzaer- meister Gustav Trinkaus eine Tochter, Elise Luise Marie. _ Gestorben«. October: 8 Gotthard Schmidt, 47 Jahre alt, Taglöhner von Erbenhausen. 9. Ludwig Steinmuller, 5 Jahre alt, Sohn von Land - wirth Ludwig Steinmuller II. von Allendorf a. Lahn 9 Ein Kind Ä^ier®4» K T°chi-r non Kaufmann ®atl N>rs Kr^is Wetzlar^ 4°3a6te alt- Bergmann von Lauf-