1892 Freitag den 16. September 1r. 216 V Gießener Anzeiger h werden dem Anzeiger Kenerat-Anzeiger Amts- und Zlnzeigeblatt für den "Kreis Gieren Hratisöeitage: Hießener Jamikienbtätter AnrtlLehev Theil zu kr rt v. Gagern. tr S- T dem Feuilleton Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Der Wiegemeister hat dem Verkäufer oder Käufer einen Eintrag ins Tagebuch gleichlautenden Wiegschein aus- Mit Genehmigung Innern und der Justiz Ausschusses des Kreises Gemeinde-Viehwaage zu Außer diesem hat Niemand das Recht, auf der Waage wiegen. zustellen, aus dem sowohl das Gesammtgewicht und eventuell der Kaufpreis als auch der erhobene Gebührenbetrag zu ersehen ist. wöchentlich dreimal beigelegt. 11 d) ri Alle zur Verwiegung gebrachten Gegenstände müssen durch einen verpflichteten Wiegemeister gewogen werden. Großherzoglichen Ministeriums des und unter Zustimmung des Kreis- Gießen wird wegen Benutzung der Wieseck bestimmt: § 1. Die Herren Bürgermeister von Allendorf und der benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. Gießen, den 14. September 1892. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins. Jost. in ähnlicher Weise emporheben, wie die fielen die Chicagoer auf einen genialen ihren Fluß einfach umzudrehen. Bisher Prairien westlich von Chicago kommend, Stadt. So ver- Gedanken, nämlich floß er, aus den in den Michigan- der Ort des Wiegegeschäfts, der Name des Verkäufers und Käufers, Datum der Verwiegung, die Art der gewogenen Gegenstände, das Gewicht des gewogenen Gegenstandes, der Verkaufspreis pro Centner, insofern Verkäufer oder Käufer denselben angeben, wozu sie jedoch nicht gezwungen werden können, der Betrag der erhobenen Wiegegebühren. § 4. Die Weltausstellung in Chicago. Von Ernst von Hesse-Wartegg. (Fortsetzung.) Ein anderes Beispiel: Der Chicago-Fluß, dessen zwei Arme das Herz der Stadt durchziehen, besaß nur ein sehr geringes Gefälle. Die Kloaken, welche sämmtlich in den Fluß münden, verschlammten denselben, und die durch den großartigen Schiffsverkehr ausgerührten Fluthen verpesteten Die Lust. Man konnte das Flußbett selbstverständlich nicht Typhus und verbreiten diese Krankheit auch unter den übrigen Mäusen. Die erkrankten Mäuse unterliegen dem Mäusetyphus in 8 bis 14 Tagen. Professor Loeffler empfiehlt Herbst und Frühjahr als die geeignetste Zeit zur schnellen und radicalen Vertilgung der Mäuse, weil zu dieser Zeit die Mäuse, von Hunger getrieben, gieriger über das Brod herfallen. Diejenigen Bürgermeistereien, in deren Gemarkung von dem Mäusebacillus zur Vertilgung der Mäuse Gebrauch gemacht worden ist, wollen uns sodann später mittheilen, ob die Anwendung dieses Mittels den gewünschten Erfolg hatte. v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschafslehrer Leit Higer von Alsfeld einen Vortrag über Anwendung des künstlichen Düngers Sonntag den 2. Oktober L I, Nachm. 2l/2 Uhr in der Wirthschaft des Kaspar Hildebrand III. Wwe. zu Allendorf a. d. Lahn abhalten wird. Zu dieser Versammlung werden alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und alle Freunde der Land- wirthschaft hierdurch ergebenst eingeladen. Statut über die Benutzung der Centesimal-Viehwaage der Gemeinde Wieseck. Platz taghell erleuchten, wenn die unter Wasser angebrachten Myriaden von Glühlichtern den emporschießenden Strahlen der Fontänen alle Farben des Regenbogens verleihen und wenn unzählige Gondeln — es wurden deren in Venedig allein zweihundert bestellt, — diese leuchtenden Wasserbecken durchfurchen. Die colossalen weißen Palastsronten werden sich dann magisch int Wasser widerspiegeln und so in dieser Stadt des Occidents ein Märchen des Orients zur Verwirklichung bringen. Das gewaltigste der Ausstellungsgebäude ist der In- dustriepalast, gleichzeitig wohl das größte Gebäude, das jemals von Menschenhänden errichtet wurde. Was sind die Pyramiden, die indischen Tempelbauten, unser Cölner Dom, ja selbst die vielgerühmte Maschinenhalle der Pariser Weltausstellung von 1889 an Größe im Vergleich zu diesem großartigen, der Industrie aller Länder gewidmeten Tempel des Jackson Park in Chicago! — Man denke nur: ein Gebäude, das 40 preußische Morgen Landes bedeckt und in dessen Innerem man die ganze Maschinenhalle der Pariser Ausstellung, der bisher größte ungedeckte Raum der Welt, spazieren fahren könnte! Die Längswände des Palastes sind zusammen 1 Kilometer, die Stirnwände zusammen über einen halben Kilometer lang. Der Cölner Dom, eines der größten Gotteshäuser der Erde, könnte über zwanzigmal im Innern des Palastes ausgestellt werden, und die seiner Zeit als so groß angestaunte Rotunde der Wiener Weltausstellung ist wie ein Fingerhut im Vergleich zu diesem Titanenpalast! Die unendlich scheinenden Wände, Pfeiler und Bogen entlang blickend, wurde mein Auge förmlich verwirrt und konnte sich an die großartigen Dimensionen, an die Kühnheit dieses Baues gar nicht recht gewöhnen. Dabei ist der architectonische Schmuck nicht nur dieses, sondern auch aller anderen AuS- stellungsbauten sehr ansprechend und ich war überrascht von der Eleganz, um nicht zu sagen Zierlichkeit derselben. (Schluß folgt.) See. Nun fließt unweit seiner Quellen, durch eine unbedeutende Wasserscheide davon getrennt, der Jllinois-Fluß in westlicher Richtung dem Mtssissippi zu — die Chicagoer durchstachen die Wasserscheide und pumpten große Wasser- waffen aus dem See in den Chicago-Fluß, so daß dieser statt in den See aus dem See heraus und in den Jllinois- Fluß hinein fließt, vereint mit dessen Gewässern er sich also in den Mississippi ergießt. — Dadurch wurde auch das Ilserwasser des Michigan-Sees, welches ja das Trinkwasser der Chicagoer bildet, von allen Unreinigkeiten der Großstadt befreit. Als der Verkehr Chicagos in ungeahntem Maße mit wahren Siebenmeilenstiefeln stieg und demgemäß auch der Werth des Bodens in den Geschäftsstraßen wuchs, nutzten die Chicagoer den Boden dadurch aus, daß sie nicht wie bisher vier- und fünfstöckige Häuser erbauten, sondern solche von zehn, fünfzehn bis zwanzig Stockwerken, ja, es gibt deren noch höhere! In jedem dieser Mammuthspaläste, biefer Riesentempel des goldenen Mammon, vermitteln zwei, a. b. c. d. e. f. Gießen, den 14. September 1892. a Betr.: Die Vertilgung der Mäuse. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Gvoßh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß aus Kosten des I andw. Bezirksvereins 12 Gläser Reinculturen des von I Professor Loeffler entdeckten Mäusebacillus von der Firma I Schwarzlose Söhne in Berlin SW., Markgrafenstraße 29 I »ezogen worden sind und an Gemeinden, in deren Gemarkung I ne Feldmäuse sehr überhand genommen haben, zum Zwecke I >er Vertilgung derselben unentgeltlich abgegeben werden I ollen. Falls sich daher in Ihren Gemarkungen die Feldmäuse I n bedrohlicher Weise vermehrt haben sollten, sehen wir I Herüber Ihrem Berichte entgegen. Es wird Ihnen dann I ion dem landm. Bezirksverein ein Glas Mäuse-Bacillus auf I Ihren Wunsch übergeben werden. Das Verfahren ist folgendes: Fingergliedgroße Stücke weißen Brodes werden in einem I'desaße mit der präparirten Culturflüssigkeit des Bacillus I durchweicht und je ein Stück des Brodes in ein Mäuseloch I zelegt. Die davon fressenden Mäuse erkranken alsbald an § 2. Der Wiegemeister hat der ihm zugehenden Aufforderung zum Wiegen alsbaldige Folge zu leisten. Die Aufforderung hat von den Betheiligten selbst an den Wiegemeister zu geschehen. Wenn derselbe der Aufforderung zum Wiegen nicht entspricht, so ist sich an die Großherzogl. Bürgermeisterei zu wenden, welche denselben zum Wiegen anhalten und nöthigensalls Großherzogl. Kreisamt Anzeige erstatten wird. § 3. Der Wiegemeister hat über di^ von ihm besorgten Geschäfte ein Tagebuch zu führen, in welchem unter fortlaufenden Ordnungsnummern anzugeben sind: Vierteljähriger Abonuearentspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: SchutSraheAr.7. Fernsprecher 51. Gießen, den 14. September 1892. Betr.: Das Halten der Hessischen Feuerwehr-Zeitung für die Feuerwehr-Eommandanten des Kreises Gießen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen •* die »r-tzi». v»rg«rmeift-r-i-« de« ftteffef. Wir haben Sie bereits zu Anfang des Jahres (Gießener Anzeiger Nr. 9) auf die in Büdingen erscheinende Feuerwehr- zeilung für das Großherzogthum Hessen aufmerksam gemacht und Sie aufgefordert, auf dies Blatt für die Befehlshaber und Führer Ihrer Feuerwehr zu abonniren (Preis 5 Mk. jährlich). Nachdem von Seiten der Verbandsvertreter der Oberhess. Freiw. Feuerwehren auf dem am 7. v. Mts. in Lauterbach stattgehabten Feuerwehrtage betont worden ist, daß bisher jener Aufforderung noch viel zu wenig entsprochen wurde und daß das regelmäßige Lesen dieser Fachzeitung für die Ausbildung der Feuerwehr-Comiaandanten sehr wichtig sei, empfehlen wir Ihnen wiederholt die Bestellung eines Exemplars derselben für Ihre Feuerwehr. v. Gagern. Gießen', den 14. September 1892. I Jett.: Schutzmaßregeln gegen die Cholera. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreise-. Seitens des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ist ein Flug- I ilatt mit dem Titel „Schutzmaßregeln gegen die Cholera" | ^arbeitet worden, welches eine gemeinverständliche Anweisung liber das Verhalten zur Zeit einer Choleraepidemie gibt. Diese Drucksache, welche zum Preise von 5 Pfennigen 1 hundert Exemplare zu Mk. 3, tausend Exemplare zu Mk. 25) 'I >on der Verlagsbuchhandlung von Julius Springer in Berlin N., A Nonbijouplatz 3 bezogen werden kann, eignet sich der knappen | mb verständlichen Form halber außerordentlich zur Belehrung - »es Publikums und sollte an dem letzteren leicht zugänglichen I Stellen öffentlich aufgehängt, und möglichst in den einzelnen । Wohnungen verbreitet werden. Wir empfehlen Ihnen daher | u diesem Zwecke die Anschaffung einer entsprechenden Anzahl I >on Exemplaren. vier, ja sechs Fahrstühle den Verkehr mit den oberen Stockwerken, und damit die Besucher der letzteren auf der Fahrt durch das vielmalige Anhalten des Fahrstuhls in den unteren Stockwerken nicht Zeit verlören, fahren einige dieser Fahrstühle ohne anzuhalten durch die unteren Stockwerke und halten erst vom zehnten Stockwerk auswärts in jedem folgenden an. Man hat also gewissermaßen sogar bei den Fahrstühlen Local- und Schnellzüge eingesührt. Diese wenigen Beispiele werden genügen, um meine Behauptung zu bekräftigen, daß Chicago selbst das wichtigste und sehenswertheste Object der nächsten Weltausstellung bilden wird. Allein auch diese letztere wird großartig sein, wie alles, was in Chicago unternommen wird. Schon aus den Ausstellungsbauten, welche ich in diesem Jahre zu sehen Gelegenheit hatte, konnte ich entnehmen, daß die „World’s fair“ von Chicago alle ihre Vorgänger an Größe und Pracht übertreffen wird. Fast traute ich meinen Augen kaum, alö ich beim Besuche des Ausstellungsplatzes den mir schon bekannten Jackson Park wieder erblickte. Viele Tausende von Arbeitern waren dort beschäftigt, die ungeheuren Gebäude zu errichten, Canäle zu graben, Straßen anzulegen, mit einem Worte, die schattigen, grünen Parkanlagen §u *einem Weltjahrmarkte umzuwandeln. Waren die früheren Ausstellungen aus dem Festlande, so macht Chicago aus seiner Ausstellung ein kleines Venedig, indem es die hauptsächlichsten Bauten mit Bassins und Canälen umgibt. Der Ausstellungsplatz wird an seiner ganzen drei Kilometer langen Ostseite von den Fluthen des blauen Michigan-Sees bespült und es war deßhalb verhält- nißmäßig leicht, hier die erforderlichen Anlagen zu schaffen. Zur Zeit meines letzten Besuches von Chicago war der größte Theil derselben bereits vorhanden. Weite Bassins mit großartigen Fontänen breiteten sich vor den Hauptsronten aus, und sie werden der Ausstellung gewiß einen seltenen Reiz verleihen, besonders zur Nachtzeit, wenn electrische Lichter in der ungeheuren Zahl von 140,000 den ganzen § 5. Pfg- 20 Pfg- Datum 10/9. 12/9. O r t Sogleich nach staltgefundener Wiegung sind die vor« ES 333142 Hamburg 213 113 3901175 344148 12 5 elitz Erkrankungen: ungen, 4 Todesfälle. Er- von und des Gemeinde-Einnehmer in Ein- dem Wiegemeister an denselben 8 2 5 4 3 5 3 1 12 5 3 1 1 1 10 1 10 3 7 2 1 12 5 2 11/9. ~ c Hamburg Preußen Schl'swig Lüneburg Slade Stettin Meckl.-Str Staat und Bezirk Pfg. // // // 8. von dem Ortsvorstand aus Großh. Kreisamt verpflichtet; 9./9. K er unterliegt als Gemeindebeamter den für solche geltenden Disciplinarvorschristen und erhält vorläufig eine jährliche Besoldung von 25 Mark. Gießen, den 14. September 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. 12. September bis zum gleichen Zeitpunkt des 13. September 333 Erkrankungen und 142 Todesfälle an Cholera gemeldet, hiervon entfallen 237 Erkrankungen und 97 Todesfälle auf Öen 12. September. Doch ist man jetzt in Hamburg wenigstens mit Aerzten und Krankenwärtern genügend versehen, sodaß auch bei einem etwaigen nochmaligen Anschwellen der Seuche ein Rückfall in die traurigen Verhältnisse nicht zu befürchten steht, wie sie sich in Hamburg während der ersten Wochen der Epidemie zeigten. — Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 13. bis 14. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle: 2 2 2! Regierungsbezirk Stralsund: auf der Rhede Wolgast 1 Todesfall. Regierungsbezirk Stettin: in der Stadt Grabow einem Orte des Kreises Randow 3 Erkrankungen. Regierungsbezirk Magdeburg: in einem Orte Kreises Wanzleben 1 Todesfall. § Der Wiegemeister wird Widerruf ernannt und von ersichtlich sind. Diesen Auszug hat er in beglaubigter Form der Bürgermeisterei zu überreichen. Die erhobenen Wiegegebühren werden dann dem nähme deeretirt und dann von ausbezahlt. bemerkten Wiegegebühren an den Wiegemeister zu entrichten. § 7. Am Schlüsse eines jeden Vierteljahres hat der Wiegemeister das Tagebuch abzuschließen, sodann hat er einen Auszug aus dem Tagebuch über die im versloffenen Vierteljahr gewogenen Gegenstände zu fertigen, woraus sowohl das Gewicht der gewogenen Gegenstände, als auch die erhobenen Gebühren Localer unb provinzielles. Gießen, 15. September 1892. I — Der Schwindler, welcher seiner Zeit hier unter der I Angabe, er reise für das Waarenhaus Schepler zu Frank- I surt a. M., bei verschiedenen Wirthen Betrügereien verübte, ! wurde heute in das hiesige Provinzial-Arrefthaus eingeliefert! — Die Generalversammlung des Ausschusses der Znva. liditäts. und Altersverficherungs-Anstalt des Großherzogthumr I Hessen sand am 6. d. Mts. unter dem Vorsitz des Herrn Commerzienraths Böhm zu Offenbach und in Gegenwart des Herrn Mmisterialraths Emmerling in Offenbach statt. Dabei wurde I. „Off. Ztg." folgender, ein besonderes Interesse bietender Beschluß gefaßt: „Ein Theil des Anstaltsvermögens, I jedoch höchstens der vierte Theil desselben darf zur Förderung I der Erbauung von Arbeiterwohnungen verwendet werden. I Zu diesem Zweck können Darlehen an Gemeinden, Arbeitgeber, I milde (Stiftungen, gemeinnützige Ballgesellschaften und Bau- I genoffenschasten gegen mäßige Verzinsung gewährt werden. Diese Darleihung an Arbeitgeber, Stiftungen, Ballgesellschaften I und Genossenschaften soll nur gegen hinreichende Sicherheit I erfolgen. Als solche ist zu betrachten: die Verpfändung von I Liegenschaften, die Session von Kaufbriefen und Hingabe von I Werthpapieren, die zur Anlage von Mündelgeldern zugelassen I sind, zu Faustpfand. Die Liegenschaften dürfen bis zu 662/3 I Prozent ihres Schätzungswerthes beliehen werden. Die Dar- I lehen können bereits während der Erbüuung der Arbeiterwohnungen, je nachdem der Bau fortschreitet, in Theitbeträgen gegen entsprechende Sicherheit ausgezahlt werden, lieber die Gewährung der Darlehen und die dabei zu stellenden Bedingungen hat der Gesammtvorstand unter Zuziehung einer durch den Ausschuß aus seiner Mitte zu wählenden Commission zu beschließen. Diese Commission besteht aus drei Mitgliedern,, von denen zwei in Darmstadt ihren Wohnsitz haben sollen. Sie ist als vollzählich zu betrachten, wenn mindestens zwei ! ihrer Mitglieder bei der Berathung anwesend sind. Die Commission hat die allgemeinen Grundsätze, nach denen Darlehen gewährt werden sollen, sestzustellen und der nächsten Ausschußsitzung hierüber Vorlage zu machen. Der Vorstand wird ersucht, die ersorderliche Genehmigung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zu erwirken." Da die Regierung dieser Frage wohlwollend gegenübersteht, ist an Erlangung dieser Genehmigung nicht zu zweifeln. In die bezeichnete Commission wurden gewählt die Herren Commer- zienrath Böhm in Offenbach, Wilhelm Merck zu Darmstadt und Adam Lorenz daselbst. — Aus der weiter von dem Herrn Vorstandsvorsitzenden Dr. Dietz mitgetheilten Uebersicht über die Geschäststhätigkeit der Anstalt während der ersten acht Monate des Jahres 1892 seien folgende Angaben gemacht Bon den 615 zu bearbeitenden (nämlich in 1892 neu erhobenen 584 und unerledigt aus 1891 übernommen 31) Ansprüchen aus Altersrente wurden anerkannt 456, abgelehnt 135, auf andere Weise erledigt 5. Unerledigt sind noch 19. Jnvaliden- ansprüche wurden in 1892 erhoben 310, unerledigt aus 1891 übernommen: feine; anerkannt 109, abgelehnt 167, auf andere Weise erledigt 15. Unerledigt blieben 19. Die große Zahl der Ablehnungen erklärt sich daraus, daß vielfach von solchen Personen Invalidenrente beanspracht wird, die bereits bei Inkrafttreten des Gesetzes oder innerhalb eines Beitragsjahres seitdem dauernd erwerbsunfähig waren und für die deshalb die in § 156 des Jnvaliditäts- und Altersversiche- rungs - Gesetzes erforderte Beitragsleistung während eines Beitragsjahres aus Grund der Versicherungspflicht nicht erfolgen konnte. Der Erlös aus verkauften Beitragsmarken beläuft sich für die ersten acht Monate aus rund 1,079,600 Mark, oder im Monat durchschnittlich aus 134,950 Mark. Der Reservefonds aus 1891 beträgt 269,795 Mark; an Capitalien wurden angelegt in 1891: 1,079,569 Mark, in 1892: 753,777 Mark, so daß das Anstaltsvermögen, da zur Zeit nicht angelegtes nicht vorhanden ist, sich aus 2,103,141 Mark beläuft. Altersrenten waren bis zum 1. September 1892 im Ganzen bewilligt: 2941; Invalidenrente: 136. — Vor Beginn der Versammlung wurde unter Führung des Regierungsbezirk Stade: in je einem Orte der Kreise Jork und Kehdingen insgesammt 3 Erkrankungen. Regierungsbezirk Lüneburg: in der Stadt Harburg und einem Orte des Kreises Winsen a. L. zusammen 1 krankung, 1 Todesfall. 3. für jeden anderen zur Verwiegung kommenden Gegenstand, als Frucht, Kartoffeln, Steinkohlen, Coaks, Braunkohlen Eisen, Lumpen, Knochen, Kalk, Eisensteine, Tabak, Baumaterialien u. s. w. bis zu 10 Centner......... für jeden weiteren Centner...... 4. für Heu und Stroh bis zu 3 Centner . . für jeden weiteren Centner...... § 6. Vorsitzenden Herrn Dr. Dietz das Gebäude besichtigt. In dem Kellergeschoß befinden sich die Kessel zur Centralheizung u. s. w. Im Erdgeschoß die Geschäftsräume für die Anstalt selber, als da sind: ein Arbeitszimmer für den Director, ein Sitzungssaal, ein Kassazimmer mit Registratur und ein großes- Arbeitszimmer für Anstaltsbeamte. Im Obergeschosse befindet sich eine schöne Wohnung des Direetors und im Dachgeschoß die des Dieners. Verbunden mit dem Gebäude, aber abgeschlossen durch feuerseste Thüren, ist das anhängende, aus drei Etagen bestehende, gewölbte und feuersichere Kartenhaus.. Bis jetzt ist blos der mittelste Raum in Benutzung, der auch eine größere Höhe hat, um als Geschäftsarbeitsraum benutzt werden zu können, falls jemals die Unfallberufsgenossenschaften mit der Versicherungsanstalt verbunden werden sollten. Die der Anstalt eingelieferten Karten werden in eisernen Kästen nach Jahrgängen und in alphabetischer Reihenfolge geordnet, aufbewahrt. Die ganze Anlage des Gebäudes ist wohl durchdacht, wird voraussichtlich der Zukunst genügen und ist dabei praetisch eingerichtet. Insbesondere ist die dafür verausgabte Summe, im Verhältnisse zu den von den Schwesteranstalten verwendeten Beträgen, eine niedrige zu nennen. Friedberg, 10. September. Mit Anfang der nächsten Woche beginnt die hiesige Zuckerfabrik ihre diesjährige Campagne. Heute werden bereits die ersten Fuhren Rüben in Empfang genommen. Nach der chemischen Feststellung wird der Zuckergehalt der Rüben in diesem Jahre zwischen 13—15 pCt. schwanken und wahrscheinlich etwas größer sein, als in den vorausgegangenen Jahren, da das anhaltende gute Wetter das Gedeihen der Rüben nach dieser Seite hin sehr gefördert hat; andererseits wird jedoch die Quantität infolge der Regenlosigkeit des diesjährigen Sommers hinter derjenigen anderer Jahre zurückstehen. Demzufolge wird die Campagne wahrscheinlich schon Anfangs Februar beendigt fein. Die Cholera. Die täglichen Cholerafälle in Hamburg gehen rivch immer in die Hundene. So wurden vom Mittag des Regierungsbezirk Potsdam: in einem Orte des Kreises Niederbarnim 1 Todesfall. Berlin, 14. September. Der gestern früh erkrankte Sohn des hier ankernden Schiffers Lindemann starb nach achtstündigem Leiden unter Zeichen asiatischer Cholera. Nicht nur die Leiche, sondern auch die gesammte Familie und die Schiffsmannschaft wurde nach dem Moabiter Lazareth gebracht. Berlin, 14. September. Aus Einladung des Bürgermeisters Zelle waren heute Mittag eine Anzahl Berliner Bürger im Rathhaussaale versammelt, die beschlossen, ein Comite zu Sammlungen für die Nothleidenden in Hamburg zu conftituiren. Hamburg, 14. September. Die Cholera-Erkrankungen zeigten in letzter Nacht eine geringe Abnahme; am heutigen Vormittag desgleichen. Die auf morgen angesetzte Eröffnung beider Theater dürfte aus Schwierigkeiten stoßen. Eine Anzahl hervorragender Kräfte des Stadttheaters ist bisher nicht eingetroffen. Das Personal des Thaliatheaters ist vollständig. Man erwartet in der heutigen Sitzung der Bürgerschaft eine Interpellation wegen der Theater, die möglicherweise ein Eingreifen der Behörde hervorruft. Der Polizeichef erklärte, er werde die sofortige Schließung der Theater verfügen, sobald ein einziger Krankensall eintreten würde. Hamburg, 14. September. Geheimrath Dr. Koch ist heute hier eingetroffen. Hamburg, 14. September. Die hiesige Handelskammer hat an sämmtliche deutschen Handelskörperschaften ein Rundschreiben gerichtet, in dem diese ersucht werden, gemäß dem ministeriellen Erlaß in Preußen in ihren Bezirken dahin zu wirken, daß von weiteren, über jenen Erlaß hinaus- gehenden, thatsächlich als überflüssig und nutzlos erwiesenen Beschränkungen des Verkehrs Abstand genommen und baldigst diesbezügliche Verordnungen der Handelskammern erlassen werden. Die Hamburger Handelskammer weist auf die Thatsache hin, daß, obgleich der Verkehr von Hamburg nach England vollständig aufrecht erhalten worden sei und der Güterverkehr daselbst keinerlei Beschränkung erfahren habe, dort keine Choleraerkrankung vorgekommen sei. Hamburg, 14. September. Der vom Senat bei der Bürgerschaft beantragte Credix in Höhe von einer Million ist, wie verlautet, nicht für die Nothleidenden bestimmt, sondern für nothwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der Cholera; der größte Theil dieses Betrages ist bereits verausgabt. Erfurt, 14. September. Die Vorsteherin des städtischen Krankenhauses ist an der asiatischen Cholera e r kran ft. Cs ist dies in Erfurt der erste Fall von Cholera; dieselbe wurde von Hamburg eingeschleppt. Thorn, 14. September. Der Regierungspräsident von Marienwerder hat wegen der Choleragesahr den Zuzug russischer und polnischer Arbeiter über die Grenzen des Regierungsbezirks untersagt. Haag, 14. September. Das Verbot der Einfuhr und Durchfuhr von Maaren aus Hamburg und Altona ist aus alle Eldhäfen ausgedehnt. Bern, 14. September. Der Bundesrath hat die von der Nordost- und der Centralbahn angesichts der Choleragesahr gegenüber Deutschland beobachtete Praxis der Nichtweiterbeförderung von direeten Wagen ins Innere der Schweiz auch auf die französischen Bahnanschlüsse ausgedehnt. Deutsches Reich. Berlin, 14. September. Gegenüber den sich vielfach widersprechenden Nachrichten über den Zeitpunkt des Wiederzusammentritts des Reichstages und des preußischen Landtages wird jetzt in einer anscheinend offiziösen Berliner Notiz versichert, daß letzterer Anfang November, der Reichstag aber in der zweiten Novemberhälfte zusammentreten werde. Voraussichtlich wird darum auch in den nächsten Tagen die Sitzung des preußischen Staatsministeriums stattfinden, in welcher der vorläufige Arbeitsplan für den Landtag festgeftellt werden soll, was zugleich auch die Entscheidung über die ferneren Steuerreformpläne Dr. Miquels in sich schließen würde. — Die Gerüchte über einen möglichen Besuch des Deutschen Kaisers aus der Chicagoer Weltausstellung im nächsten Jahre scheinen doch nicht unbegründet zu fein. Von verschiedenen Seiten wird übereinstimmend berichtet, daß Kaiser Wilhelm in einer dem bekannten Pianosortefabrikanten Steinway aus Newyork erteilten Audienz diesen Besuch als durchaus nicht unmöglich bezeichnet habe. — In der brennenden Frage der Seuchenabwehr sind seitens des Reichskanzlers die ersten entschiedenen Schritte erfolgt. Zunächst hat Graf Caprivi auf Grund von Art. 4 der Reichsverfaffung (Oberaufsichtsrecht des Reiches in Sachen des Medicinalwesens) einen Reichscommispr für die Gesundheitspflege im Stromgebiete der Unterelbe in der Person des preußischen Ober - Regierungsrathes v. Richthofen ernannt. Derselbe ist angewiesen worden, unverweilt mit den Behörden derjenigen Amtsbezirke, welche durch seine Thätigkeit berührt werden, in Verbindung zu treten. Hoffentlich wird die Wirksamkeit des neuen Reichscommissars den aus sie gesetzten Erwartungen entsprechen. Weiter aber ist das Reichsgesundheitsamt vom Reichskanzler mit der Ausarbeitung eines Reichsseuchengesetzes beauftragt worden, eine Maßregel, die man nur mit aufrichtigster Genugtuung begrüßen kann; die schauderhaften Zustände in Hamburg haben gezeigt, wie dringend nöthig wir in Deutschland eine reichsgesetzliche, also einheitliche Regelung der Abwehr von Menschenseuchen haben. Heeicftc 21ad>rieben. Depeschen de4 Bureau „Herold". Berlin, 15. September. Die „Kreuzzeitung" wendet sich in einem Leitartikel, welcher „die Anklagepflicht des Staatsanwaltes und das Polizeiunrecht" überschrieben ist, gegen die Ueberhandnahme der polizeilichen Strafandrohungen und Polizei strafen und verlangt die Ausdehnung der in § 416 des R.-St. G. enthaltenen Bestimmung auch auf die eigentlichen Polizeiübertretungen. Budapest, 14. September. Die Vertreter der Hauptstadt wählten Ludwig Kossuth anläßlich feines 90. Geburtsfestes mit großer Majorität zum Ehrenbürger. Genua, 14. September. Ein Ausschuß italienischer Arbeiter begab sich an Bord des „Formidable", um eine Adresse zu überreichen, konnte aber den Admiral Rieunier nicht sprechen. Die Adresse wurde einem Offizier überreicht, welcher dankte, woraus der Ausschuß sich zurückzog. London, 15. September. Reutermeldung aus Zanzibar: Gestern räumten die englischen Missionare frei= willig die Station Moschi am Kilimandjaro. Altona Wilhelmsburg Bützfleth Stettin Lübztn Schönberg Gebühre ntarif. An Wiegegebühren sollen erhoben werden: 1. für Kleinvieh, als Schweine, Schafe, Kälber, Ziegen u. f. w. von jedem Stück .... 10 2. für Großvieh, als Ochsen, Kühe, Rinder u. s. w. von einem jeden Stück....... Vereinzelte Regierungsbezirk Schleswig: in den Städten Wands- beck, Lauenburg, Rendsburg und in fünf Orten der Greife Stormarn, Steinburg, Segeberg und Kiel (Land) 4 Erkrank-