Nr. 189 Dienstag den 16. August 1892 f'n >njct#tT rrichrmt togltd}, Mt Ausnahme d-S MontagS Dit Gießener >4*trien#riftti Verden dem Anzeiger biet mof ''ngrlrgk Gießener Allzeiger cheneral-^^nzeiger. ßtertdtäbngei A6onnfmfntsyreU Mark 20 Pfg w» t*rtnqerlobn. £uid) oic 'pofi bezöge 2 Marl 50 ttrhacnon. Lxvedetlo- und Druckerei: - Lu tSrotze Wr.i ikruforfdKT 51 und llnjeitjebhü für den Kreis Glefzeru «■nobme »nn Anzeigen ,u der «achminags hhr den f&r/if t ßi>t VftAO* & 0V TM t flOtt RfÄt4^Y Ave Annoncen-Bureoui beS ;)n. und tuilanbtf nehmen Agenden tag erlchemrnden -lummer hil «orw. K) llbt. Ul lb UU1 Uy C . hl I 11 t H 1H UUfl. An-eigen ftir den ^Gietzener Anzeiger- entgegen ^W^VM>^WiW»HGW»W^«WW»MMM^W^^^»M»M»»>W»^M»»»WW»»WWWM>»»P»MHE»»»^»M»»^M^W^W»»»»»WWW»^MIlWWWW^M»^IWWWWWWWWWWWW!WWMAWWWWWWMWM Aintlichev Theil. Bekanntmachung, Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche betreffend. Erfahrungsgemäß finden viele Verschleppungen von Maul- lnd Klauenseuche von einem Gehöft zum andern dadurch statt, Dafe Seuchenausbrüche nickt zu richtiger Zeit angezeigt werden lnd daß deßhalb die Maßregeln zur Verhütung einer Weiter- Verbreitung nicht rechtzeitig angeordnet werden können. Indem vir wiederholt die gesetzliche Vorschrift in Erinnerung bringen, ki6 jeder Viehbesitzer zur sofortigen Anzeige von Seuchen- »usbrüchen und verdächtigen Erscheinungen unter einem Viehstand verpflichtet ist, bemerken wir, daß wir eine chuldhafte Unterlassung der Anzeige überall dann annehmen uerben, wenn nach dem Gutachten des Kreisthierarztes die Krankheit zur Zeit der Anzeige bereits über 24 Stunden be- tanden hat. Diese Annahme erscheint dadurch gerechtfertigt, >aß die Seuche zur Zeit in der Gegend verbreitet ist und mß deßhalb jeder Besitzer, bei dessen Vieh sich verdächtige Erscheinungen zeigen, daran denken muß, daß es sich um Naul- und Klauenseuche handeln kann. Es kann deßhalb den Viehbesitzern, damit sie sich vor Strafen schützen, nur empfohlen verden, von jeder Erscheinung unter ihrem Vieh, welche den verdacht auf Maul- und Klauenseuche begründet, sofort der Äroßh. Bürgermeisterei Anzeige zu machen. Schuldhafte Unterlassungen der Anzeige werden, sofern iach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe von 10—150 X oder ait Haft nicht unter einer Woche bestraft. Gießen, den 13. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 13. August 1892. Betreffend: Wie oben. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen xn die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Ißeife verkündigen lassen und dieselbe im Publikationskasten Aushängen. Werden Anzeigen wegen des Ausbruchs oder es Verdachts der Maul- und Klauenseuche bei Ihnen ermattet, so wollen Sie vorläufig Stallsperre anordnen und so- ort an uns berichten. v. Gagern. Bekanntmachung, Maul« und Klauenseuche zu Bellersheim betreffend. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in drei weiteren Gehöften zu Bellersheim ausgebrochen ist, haben wir die Sperre der Gemarkung Bellersheim verfügt. Neben der be- eits durch unsere Verfügung vom 9. l. M. getroffenen Be- timmung, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine nur zur ofortigen Abschlachtung und nur auf Grund eines thierärzt- tdjen Gesundheitsscheines ausgeführt werden dürfen, besteht nernach die Anordnung, daß das Ausfahren mit Rindvieh- Gespannen aus der Gemarkung Bellersheim und das Durchreiben von Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen durch die- elbe verboten ist. Gießen, den 13. August 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche. Zu Ulrichstein, Kreis Schotten, und zu Berstadt, Kreis Hübingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und ^ehöftsperre angeordnet worden. Gießen, den 13. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung. Nachdem unter der Herde des Schäfers AdamWißner u Mainzlar die Schafräude ausgebrochen ist, haben wir die Sperre der betr. Herde verfügt. Derselben wird durch Nroßh. Bürgermeisterei Mainzlar ein bestimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen sie nicht überschreiten darf. Da ie andere Schafherde zu Mainzlar mit der erkrankten seither n Berührung gekommen und dieselbe hiernach der Ansteckung erdächtig ist, haben wir deren polizeiliche Beobachtung ver- ügt. Es ist deshalb bis auf Weiteres die Ausführung von 5chafen aus der Gemarkung Mainzlar überhaupt nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholender Erlaubniß zulässig. Gießen, den 13. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Aeich. Berlin, 13. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." legt in einem längeren Artikel die Beweggründe dar, welche die Regierung zu ihrer ablehnenden Haltung in der Weltaus- stellungssrage bestimmten. Unter anderem führt die „Nordd. Allg. Ztg." aus, daß, so oft der Wunsch, eine Weltausstellung in Berlin zu' veranstalten, vor 1890 ausgetreten, er sofort zurückgewiesen worden sei. Die Regierung sei der erneuten Anregung deshalb nicht von Hause aus entgegengetreten, weil diesmal die Bewegung in dem deutschen Handelstage einen Trager gesunden hatte, dessen Bedeutung nicht gestattete, ihn einfach zu ignoriren. Auch würde man sich schwerlich bei einem kurzweg ablehnenden Bescheide des Reichskanzlers beruhigt haben. Im weiteren Verlaufe des Artikels wird betont, weder die deutsche Industrie noch die politische Stellung Deutschlands bedürften einer Weltausstellung. Auch verdiene es keinen Tadel, daß die Regierung Anstand nahm, das Reich für Ausgaben zu engagiren, deren schließliche Höhe nicht zu übersehen sei. Berlin, 13. August. Die „Nordd. Allg. Ztg.A bezeichnet die Meldung, daß das Seitens mehrerer Handelskammern an den Reichskanzler gerichtete Gesuch wegen Erweiterung des Postschalterdienstes an den Vormittagen der Sonn- und Festtage abschlägig beschieden worden sei, als unrichtig. Den in der Angelegenheit vorstellig gewordenen Handelskammern sei vielmehr nur mitgetheilt worden, daß' eine Entscheidung über die Regelung des Sonntagsdienstes bei den Postanstalten erst dann erfolgen könne, wenn die z. Z. noch schwebenden Ermittelungen abgeschlossen wären. Berlin, 13. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Bericht des Reichskanzlers über die Weltausstellung in Berlin, wonach von 58 Bundesstimmen 40 gegen, 7 für und 11 unentschieden lauteten. Er räth von dem Eintreten des Reiches ab, weil weder die Ueberzeugung eines Nutzens für die deutsche Industrie noch ein opferwilliges I Zusammenwirken der beteiligten Kreise vorliege. Der Kaiser habe aus Grund dieses Berichtes entschieden, daß dem Plane ! einer Weltausstellung in Berlin von Reichswegen nicht näher zu treten fei. Berlin, 13. August. Gegenüber dem Widerstand, welchen der Plan einer Berliner Weltausstellung gefunden hat, ist, wie verlautet, in hiesigen einflußreichen industriellen Kreisen der Gedanke ausgetaucht, eine Weltausstellung in Hamburg in Anregung zu bringen. Die bei Hamburg besonders günstig liegende Platzfrage hat zur Entstehung des Gedankens besonders mitgewirkt. — Die deutsche Handelspolitik saßt jetzt erfreulicher Weise auch in Südamerika immer festeren Fuß. Nachdem vor ein paar Monaten bereits zwischen Deutschland und der Republik Columbia ein Handelsvertrag abgeschlossen worden ist, steht ein gleiches Abkommen auch zwischen Deutschland und der Republik Uruguay bevor. Der Präsident von Uruguay hat der dortigen Kammer den Entwurf eines Handelsvertrages mit dem Deutschen Reiche vorgelegt. Derselbe trägt den Character eines Meistbegünstigungsvertrages. — Die Nichtbetheiligung Deutschlands an den Columbusfeie rlich fetten in Spanien hat in Madrid eine unverkennbare Verstimmung gegen Deutschland erzeugt, die namentlich durch den Umstand noch verstärkt worden ist, daß bei der Columbusseier in Genua ein deutsches Kriegsschiff, die „Prinzeß Wilhelm", zugegen sein wird. Zur Ausklärung dieser Angelegenheit bemerkt nun die „Nordd. Allg. Ztg.", die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes zur spanischen Columbusseier sei aus marinetechnischen Gründen unterblieben. U. A. schreibt das osficiöse Blatt: „Während der Manöverübungszeit der Marine mußte bei dem eingeschränkten Mannschaftsstande davon abgesehen werden, in den Ausbildungsdienst noch mehr einzugreifen, als es bereits durch die Entsendung der „Prinzeß Wilhelm" nach Genua geschieht. War aber nur ein Schiff disponibel, so lag es in der Natur der Dinge, wenn dem durch den Dreibund so nahe verbundenen Italien unbeschadet der sreundschaftlichen Beziehungen zu Spanien der Vorzug gegeben wird." — Die Richtigkeit der letzteren Bemerkung kann ohne Weiteres zugegeben werden, dennoch hatte man deutscherseits vielleicht wenigstens ein Kanonenboot nach Spanien schicken können, so armselig ist es denn doch nicht mit unserer Kriegsmarine bestellt, daß nicht einmal ein kleines Schiff abkömmlich sein ' sollte, wenn es bei besonderen Gelegenheit gilt, im Auslande die deutsche Flagge zu zeigen. Köln, 13. August. Nach der „Köln. Volksztg." ist die Lage desrheinisch-westsälischenEisenmarkts günstig. Die Lebhaftigkeit hat sich erheblich erhöht und der Geschäftsgang ist recht erfreulich. Insterburg, 13. August. Die Hamburg-amerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft hat in der Nähe des Jnsterburger Bahnhoss eine Baracke zur eventuellen Aufnahme von auf ! der Fahrt an der Cholera erkrankten russischen Auswanderern erbauen lassen. München, 13. August. Officiös wird versichert, eine • Zusammenkunft der Finanzminister der einzelnen Staaten fei ' noch nicht angeregt. Daß die Reform der Reichs- ■ finanzen eine mündliche Verständigung der Minister erfordert, gilt als unwahrscheinlich. 2Iu»lanö. Basel, 13. August. Die parlamentarische Friedens Conserenz wird am 29. August vom Bundesrath Droz zu Bern im Nationalrathssaale eröffnet. Bis jetzt 1 sind angemeldet 210 Mitglieder der europäischen Parlamente, i u. A. 15 aus Deutschland, 33 aus Oesterreich, 47 aus j Frankreich, 18 aus Italien, 73 aus Rumänien. Der Bundes- J rath offerirt der Conserenz eine Excursion und ein Banket ! am 1. September in Interlaken. Wien, 13. August. Zu den im September stattfindenden galizischen Kaisermanövern wurden nur hiesige militärische Vertreter Deutschlands und Italiens geladen. Lodz, 13. August. Wegen Heber tretung der sanitätspo lizeilichen Vorschriften wurden 28 Hausbesitzer zu Gefängnißstrafen von zwei bis vier Wochen ver- i urtheilt. — Die Aushebung des russischen Roggenausfuhrverbotes ! scheint endlich unmittelbar bevorzustehen. Wenigstens kündigte eine Petersburger Depesche den Zusammentritt der von der russischen Regierung seiner Zeit eingesetzten Getreideeommission für Montag an; in dieser Sitzung sollte über die Aufhebung des Roggenausfuhrverbotes berathen werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese zu erwartende Maßregel mit den signalisirten deutsch-russischen Handelsvertragsunterhandlungen in Zusammenhang steht. KcMcftc 2Iacbrtd>t«?n, Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Petersburg, 14. August. In Petersburg starben gestern dreizehn, in Moskau am 12. d. Mts. zwei Personen an der Cholera. Moskau, 14. August. Gestern sand hier die Eröffnung des internationalen Congresses für prähistorische Archaeologie und Anthropologie statt. Der Generalgouverneur von Moskau, Großsürst Sergius, welcher Ehrenpräsident des Congresses ist, wohnte mit feiner Gemahlin der Eröffnungssitzung bei. Im Laufe der Verhandlungen stellte der Delegirte Professor Virchow aus Berlin den Antrag, der Congreß möge sich mit der Frage beschäftigen, ob die Theorie Darvins begründet fei. Rom, 14. August. Eine gestern Abend stattgehabte Versammlung von Delegirten mehrerer demokratischer Vereine nahm eine Tagesordnung an, derzusolge das Volk aufgefordert werden soll, die Agitation zur Abschaffung der Garantiegesetze und des ersten Artikels der Verfassung („Der Katholizismus ist die Staatsreligion") wieder aufzunehmen. Der römische Gemeinderath soll ersucht werden, den Elementarunterricht vollständig zu verweltlichen. Depeschen des Bureau „Herold". Alleustein, 15. August. Wegen der drohenden Choleragefahr hat der Regierungspräsident für die Monate August und September die Abhaltung der in Dietrichsfelde anstehenden Marienseste, insbesondere die Zulassung russischer Pilger, untersagt. Haag, 15. August. Eine Manifestation des ganzen Landes zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechtes wird für den 11. September hier vorbereitet. Delegationen aus allen Städten werden daran theilnehmen. Stockholm, 15. August. Nach Eingang eines officiellen Telegramms aus Petersburg, welches daselbst den AuSbruch der Cholera conftatirt, erklärte das königliche Commerz- Collegium ganz Rußland und Finnland von der Cholera inpeirt. Brüssel, 15. August. Der Sergarbeitcrcongrefe in Frameries votirte einstimmig den allgemeinen AuSstand, welcher beginnen soll, sobald die Constituante nicht daS unbeschränkte allgemeine Stimmrecht annimmt. Das hessische Bolksschulwesen. Die statistischen Ausstellungen über den Stand des Mädchenunterrichts, welche das Berliner Centralcomit^ für die deutsche Frauenabtheilung bei der Weltausstellung in Chicago 1893 für das Großherzogthum Hessen dem Director Dr. Wulkow in Darmstadt übertragen hatte, sind nunmehr beendet und werden in diesen Tagen nach Berlin gesandt werden. In der Annahme, daß es manchen Leser interessiren wird, wenigstens einige Gesammtresultate dieser Zusammenstellungen zu vernehmen, setzen wir einzelne uns zur Verfügung gestellten Angaben her. Im Voraus bemerken wir, daß das Bild, das hier ausgerollt wird, ein durchaus erfreuliches ist, daß für die Geistesbildung der Mädchen aller Gesellschaftsklassen in durchaus genügender Weise gesorgt ist und daß auch die Theilnahme des weiblichen Geschlechtes am Lehreramt eine weite und ausgedehnte ist. Die Volksschulen, die erweiterten Volksschulen, welche in den größeren Städten als Mittelschulen organisirt sind und in den kleineren dem Lehrplane der unteren und mittleren Klassen der höheren Mädchenschulen folgen, die große Zahl der Privatschulen, die sämmtlich unter den Großh. Kreisschulinspecrionen stehen und nach besten Kräften den Leistungen der Staatsschulen nachstreben , endlich die höheren Mädchenschulen, welche vom Ministerium des Innern und der Justiz ressortiren: sie alle bilden einen festen in sich geschlossenen pädagogischen Organismus, welcher der weiblichen Jugend den ihr zukommenden Antheil an der für die Gegenwart nothwendigen Geistesbildung sicher gewährleistet. Nur eine leicht erkennbare Lücke weist dieser Organismus auf, welche sich durch keineswegs tief eingreifende Maßnahmen aussüllen läßt: das ist die Ausbildung der Volksschullehrerinnen. Während das Großh. Lehrerinnen-Seminar in Darmstadt den Aspirantinnen für das höhere Schulfach die genügende wissenschaftliche und pädagogische Bildung vermittelt, um mit gutem Erfolg an höheren Mädchenschulen wirken zu können, fehlt es an einer Einrichtung, welche die geeigneten jungen Mädchen mit dem für den Berus der Volksschullehrerin nothwendigen Rüstzeug versieht. Die Mädchen müssen sich privatim auf irgend eine mehr oder weniger geeignete Weise vorbereiten und können dann ihre Prüfung an einem der drei Lehrer^Semi- nare: Friedberg, Alzey, Bensheim, ablegen. Es liegt aus der Hand, daß hierbei ein nach gleichmäßigen pädagogischen Principien geschultes Lehrerinnenmaterial nicht erzielt werden kann und daß ein ungewöhnliches Maß von Energie erfordert wird, diesen dornigen Weg der selbstständigen Vorbereitung furchtlos zu betreten. Durch eine Erweiterung der Mädchenmittelschule in Darmstadt, d. h. durch Hinzufügen von einer Selectenklasse mit zweijährigem Cursus, würde dem Uebelstande in genügender Weise abgeholfen werden können. Was nun zunächst die sechs höheren Mädchenschulen des Landes betrifft (Alzey, Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach, Worms), so werden auf denselben 2172 Schülerinnen unterrichtet. Die Zahl der an ihnen wirkenden Lehrerinnen beträgt 42 und zwar 32 wiffenschaftliche und 10 technische, wobei zu bemerken ist, daß in einigen Fällen der Hand- arbeitsunterrtcht auch von wissenschaftlichen Lehrerinnen gegeben wird. Von den wissenschaftlichen Lehrerinnen sind 14, also über ein Drittel, aus den drei oberen Klassenstufen thärig. Der Cursus dieser sämmtlichen Anstalten ist zehnjährig- er verlangt die Schülerinnen vom 6. bis zum 16. Lebensjahre. Die Zahl der privaten höheren Mädchenschulen erscheint auf den ersten Anblick unverhältnitzmäßig groß. Wenn man indessen die große Zahl der kleineren Städte in Betracht zieht, wo eine öffentliche höhere Schule sich nicht halten ' kann, dagegen eine private Schulanstalt für die die Volksschule nicht besuchenden Mädchen eine sociale Nothwendigkeir ist, so wird man die hohe Ziffer begreifen. Die Provinz Starkenburg hat 14 Privatschulen für Mädchen, 46 Lehrerinnen, 863 Schülerinnen. Eine solche Schule für beide Geschlechter hat Pfungstadt. Die Provinz Oberhessen hat neun Privatfchulen, 17 Lehrerinnen, 223 Schülerinnen. Gemischte Anstalt ist in Schlitz. Die Provinz Rheinhessen hat 16 Privatschulen, 87 Lehrerinnen, 1422 Schülerinnen, darunter in Mainz allein 870. Gemischte Anstalten hat Mainz (1), Sauerschwabenheim, Wörrstadt je 1. Die Gesammtzahl der privaten höheren Mädchenschulen beträgt hiernach 39, die Zahl der in ihnen unterrichteten Kinder 2508, die der Lehrerinnen 150. Hier ist die Scheidung zwischen wissenschaftlichen und technischen Lehrerinnen schwer ausrecht zu erhalten, da die Thätigkeit der Lehrerinnen dem Schulbedürsniß gemäß eine vielseitige ist. Der Unterricht wird demgemäß auch in den obersten Klassen vorzugsweise von Damen gegeben. Zu den Volksschulen ist vorweg zu bemerken, daß in den Städten Darmstadt, Offenbach, Gießen der getrennte Unterricht der Knaben und Mädchen völlig durchgesührt ist. In Mainz und Bingen besteht neben der Volksmädchenschule die gemischte. Im Uebrigen ist selbstverständlich die getrennte Mädchenschule, wie die untenstehenden Zahlen ergeben, sehr in der Minderheit. Ein sehr beachtenswerthes Glied bilden hier die oben erwähnten erweiterten Volksschulen, deren Zahl voraussichtlich sehr bald zunehmen wird. Sie sind in den nach- folgenden Gesammtzahlen mit einbegriffen, doch bemerken wir, daß ihre gegenwärtige Zahl 18 beträgt, 6 ausschließlich für Mädchen, 12 für beide Geschlechter. Als Lehrerinnen sind an ihnen thätig 32, die Zahl der in ihnen unterrichteten Mädchen beträgt 1725. Im Großherzogthum Hessen bestehen Volksschulen ausschließlich für Mädchen 29, für beide Geschlechter 962, ins- gesammt 991 Schulen. Die Zahl der in diesen Schulen unterrichteten Mädchen beträgt 80,730, die Zahl der Lehrerinnen 169 (gegen 2188 Lehrer). Wir lassen gelegentlich diesen statistischen Zusammenstellungen noch einige Nachweise über die Fortbildungsschulen folgen. R. W. in der „Darmst. Ztg." Locale» rntfr provinzielle», Gießen, 15. August 1892. — Bestätigung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht: am 9. August der am 21. Juli l. I. durch die Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen erfolgten Wahl des Tabaksabrikanten Stadtverordneten Ludwig Georgi zu Gießen zum Bürgermeisterei-Beigeordneten der genannten Provinzialhauptstadt die Bestätigung zu ertheilen. — Herr Polizeirath Fresenius hat nach beendigtem Urlaub seine Dienstsunctionen wieder übernommen. — Die Nr. 14 des im Auftrage des Evang. Pfarr- vereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Vorschriften belehren, Beispiele ziehen! 2. An die Arbeit! 3. Correspondenzblatt für die Pfarrvereine. 4. Verbandstag der evang. Psarrvereine in Deutschland. 5. Feindseligkeit gegen die Psarrvereine. 6. Ein Stück Strafgesetz in der Kirchenverfassung — aufgehoben oder übersehen? 7. Noch ein Wort über den „Widerspruch" in der kirchlichen Gesetzgebung. 8. Zusammenkünfte der Pfarrvereinsmitglieder. 9. An die Vertrauensmänner 10. Briefkasten. — Marineverein. Am 13. l. M., Abends, feierte der hiesige Marineverein im festlich becorirten Vereinslocale den Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen. An Se. Königliche Hoheit wurde ein Glückwunschtelegramm abgefandt. — Verhaftet wurde gestern ein Mensch wegen Trunkenheit und Ruhestörung. — Wichtig für Viehbefitzer. Wie gerathen es für die Viehbesitzer ist, von den unter ihrem Vieh stattfindenden Seuchenausbrüchen rechtzeitig Anzeige zu erstatten, möge daraus entnommen werden, daß innerhalb des Kreises Gießen schon häufig recht empfindliche Strafen wegen schuldhafter Verheimlichungen auferlegt werden mußten. So erhielt eine Anzahl von etwa 15 Besitzern einer Gemeinde wegen unterlassener Anzeige der Maul- und Klauenseuche Strafen von je 25 Mk., ein Besitzer einer anderen Gemeinde wegen derselben Unterlassung eine Strafe von 40 Mk. Wegen unterlassener Anzeige der Räude wurden schon mehrmals Schäfer mit 30—40 Mk. bestraft. Es ist anzunehmen, daß die Gerichte, wenn die Verheimlichungen fraglicher Art sich mehren, noch weit schärfere Strafen aussprechen werden, und es muß deßhalb den Viehbesitzern, um sich vor solchen zu schützen, die rechtzeitige Anzeige dringend empfohlen werden. — Oberhesfischer Obstbauverein. Vereinsbezirke Büdingen und Schotten. Sonntag den 21. August 1892, Nachmittags 2 Uhr, findet im Saale des Herrn Gastwirths Uhl (zum Gambrinus) in Nidda eine gemeinschaftliche Hauptversammlung der Vereinsbezirke Büdingen und Schotten des Ober- hessffchen Obstbauvereins statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die Vereinsthätigkeit. 2. Besprechung der Ausgaben der Geschäftsstelle, des Geschäftsführers, der Sectionen und der Vertrauensmänner. 3. Veranstaltung einer Obstausstellung zu Nidda im October d. I. 4. Bildung eines Ausstellungs-Comires. 5. Sonstige Anträge und Mit- theilungen. — lieber die Pflichten der Gaftwirthe ihren Gästen gegenüber hat daß Reichsgericht eine interessante Entscheidung gefällt. Nach derselben ist jeder Gastwirth zwar nicht gesetzlich, jedoch durch seine gewerbliche Stellung verpflichtet, allen Gästen, die sich anständig betragen, Speisen und Getränke zu verabfolgen. Es stehe durchaus nicht in dem Belieben eines Gastwirths, irgend welchem anständigen Gaste die Verabreichung zu verweigern. Die grundlose Zurückweisung würde eine Beleidigung sein. Habe aber der Gast das Bestellte erhalten und verzehrt, oder habe er verständigem Ermessen nach Zeit genug gehabt, dasselbe zu verzehren, dann brauche ihn der Wirth nicht länger zu dulden. Mache aber der Gast eine neue Bestellung, dann müsse sie der Wirth auch ausführen. — Angesichts der Choleragesahr und der in Folge der gegenwärtigen Witterung überhaupt näher gerückten Gefahr der Verbreitung epidemischer Krankheiten sei auf einen Gegenstand das Augenmerk der Hausfrauen besonders gerichtet: Das ist auf den Eis sch rank. Das täglich in demselben schmelzende Roheis läßt eine ganze Anzahl faulender Schlammproducte zurück, welche auf die in den Eisschränken aufbewahrten Nahrungsmittel eine üble Einwirkung äußern. Es ist deshalb recht häufige Reinigung der Eisbehälter in den Eisfchränken sehr geboten. Auch vor dem Genuß von Roheis, wenn dasselbe nicht von ganz reinen und klaren Gewässern herrührt, muß gewarnt werden, da in demselben sich häufig pflanzliche und sonstige Rückstände befinden, welche bei Genuß der Gesundheit nachtheilig werden können. — Gegen das Anfaffen der Backwaaren in den Läden von Seiten des Publikums nimmt jetzt die „Bäckerzeitung" angesichts der drohenden Choleragefahr sehr energisch das Wort, indem sie sich wie folgt vernehmen läßt: „Das Anfaffen von Backwaaren Seitens des Publikums ist von uns vor etwa zwei Jahren so nachhaltig und energisch bekämpft worden, daß wir zu der Annahme berechtigt waren, es müsse diese Unsitte gänzlich ausgerottet sein. Leider ist dies nicht der Fall, und wenn wir heute nochmals darauf zurückkommen, so geschieht dies angesichts einer im fernen Osten den deutschen Grenzen bereits unheimlich genug drohenden Krankheit, bei der die geringsten Unterlassungssünden gegen unbedingte Reinlichkeit die Gefahr der Ansteckung, bezw. Uebertragung herausbeschwören, bezw. vermehren können. Es gibt nichts Unappetitlicheres und für die Gesundheit der Nebenmenschen Gefährlicheres, als diese- meist mit schweißigen oder unsauberen Händen ausgeführte Befassen von Eßwaaren. Kann nicht in einem anscheinend gesunden Menschen schon lange ein Krankheitsstoff schlummern, der durch die Poren der Haut Theilchen von sich abgehen läßt, die dann aus die beschriebene Art zu Krankheitsträgern werden? Ist nicht schon das Unästhetische und Unappetitliche dieser Sitte Grund genug, daß dagegen von allen Seiten sollte eingeschritten werden? Ebenso verhält es sich mit dem Zurücknehmen der Backwaaren. Kein anständiger Geschäftsmann kann und wird Backwaare, die aus dem Laden gewesen ist, zurücknehmen, denn er ist nicht im Stande, zu beurteilen, wer die Backwaare in der Hand gehabt hat. Wir sind sest überzeugt, daß uns das vernünftige Publikum Recht geben und unterstützen wird." Heuchelheim, 15. August. In der Nacht von Samstag aus Sonntag wurden unsere Ortsbürger gegen 1 Uhr wieder durch Feuerlärm erschreckt. Trotz der seit dem letzten Brande täglich durch acht Mann freiwillig ausgeübten Sicherheitswache gelang es, Feuer zu legen. Es wurden trotz der energischsten Löschbemühungen fünf große Scheuern ein Raub der Flammen. Möchte es doch bald gelingen, den ober die Brandstifter der gerechten Strafe zuzuführen und den Bewohnern die Ruhe und das Gefühl der Sicherheit wiederzugeben. Die durch den Brand Beschädigten sind: Ederh. Rinn, Ludwig Brückmann Wittwe, G. Löber, Phil. Reuschling, Phil. Sack. Holzheim, 13. August. Daß man in unserer Gemarkung, welche durch ihre vorzügliche Kartoffelcultur in weitesten Kreisen aufs Beste bekannt ist, auch dem Körnerbau die nötige Aufmerksamkeit zuwendet, und hierdurch in diesem Jahr reichen Segen erntet, das erhellt aus einem vorgenommenen diesjährigen Weizendruschergebniß. Der Director der hiesigen Spar- und Darlehenskasse, Herr Wilh- Grieb II. ließ nämlich gestern den Weizen (Sherry) von zwei Morgen (a 320 Klafter) dreschen, wobei dieser Ausdrusch das erstaunliche Resultat von 37 Centner Körner ergab. Möchten sich! doch recht viele unserer Landwirthe ähnlicher Erntesegen in diesem Herbste erfreuen. -u. Altenstadt, 13. August. Von den in Lindheim erkrankten fünf Haushaltungsschülerinnen hat der Tod gestern Abend ein Opfer gefordert: Fräulein PH. aus Oppershofen. Büdingen, 12. August. Die seit Jahren in Breitenborn, Kreis Gelnhausen, bestandene Glasfabrik, die Wein, Bier- und Champagnerflaschen fabricirte, hat beschlossen, ihren Betrieb, infolge der sehr ungünstigen und teuren Transportverhältnisse nach Breitenborn, hierher zu verlegen. Die Stadt Büdingen hat ein Gelände von ca. 2T/2 Morgen in der Nähe des Bahnhofes erworben und an die Glashüttengesellschast mit der Bedingung verkauft, daß der Kaufpreis für fünf Jahre unverzinslich gestundet, vom sechsten Jahre ab das Capital zu 4pCt. verzinst und in 20 Jahren zurückbezahlt wird. A. Aus Starkenburg, 14. August. Die Ernte der 1892er Halmfrüchte ist in unserer Provinz bis auf einige kleine Partien Hafer beendigt. Die Körnererträge sind an manchen Orten geradezu colossal zu nennen. So z. B. ist es nichts Seltenes, daß der Haufen (= 10 Gebund) Roggen 125—145 Pfund gibt. Ganz ähnliche Gewichtsverhältniffe liefern Weizen, Spelz, Gerste und Hafer, alle geben bis P/i Centner Körner und darüber. Dabei sind die Körner klar und hell wie Crystall und besitzen ein höchst feines Mehl, denn die Früchte sind unter stetem Sonnenschein gereift und besitzen dader lauter edle Eigenschaften. Die kräftigen Regen, welche in den ersten zehn Augusttagen niedergingen, waren von vorzüglicher Wirkung. Es gibt eine große Masse Spätkart osseln von großer Güte. Das Frühobst an der Bergstraße wurde mit hohen Preisen bezahlt. (Landwirthe pflanzet und pfleget Obstbäume!) Das Spät obst, wo welches vorhanden, wird sehr gut bezahlt werden. — An der Bergstraße gibt es bereits reife Trauben. So etwas hat man blos in den berühmten Weinjahren 1834, 1846, 1857, 1865 und 1868 erlebt. Der 1892er Jahrgang wird sich diesen berühmten Marken würdig an die Seite stellen. Der einzige Punkt, wo zu wünschen übrig bleibt, ist der Futterertrag. Wenn es heiß ist, bleiben die Futterpflanzen zurück. Die Landwirthe können sich dadurch einigermaßen helfen, daß sie jetzt gleich auf die Stoppeln und, wo es angängig ist, Lupinen, Stoppelrüben, Wickfutter oder noch besser ein Gemenge von Oelrettig, weißen Sens und Buchweizen säen, welches zusammen sehr gutes und reichliches Futter gibt. Das diesjährige Futter zeichnet sich durch große Güte aus. — Wir hatten im vorigen Jahre eine gute Ernte gehabt, welche große Massen lieferte, die aber durch den» vielen Regen in der Qualität etwas beeinträchtigt war. Die I diesjährige Ernte ist in der Masse geringer, aber in der / Dualität bedeutend besser. Unsere Landwirthe dürfen mit/ den beiden Jahren 1891 und 1892 sehr zufrieden sein. Seligenstadt, 11. August. Unsere vereinigten Landwirthe faßten in einer neulichen Versammlung den Beschluß, sich künftig bei vorkommenden Wildschäden von Ob st bäumen nicht mehr auf blosen Ersatz der mitunter schon feit Jahren. gepflegten und dann beschädigten Bäumchen durch junge Setz- ’ linge einzulassen, vielmehr volle Geldentschädigung zu verlangen. Der Anspruch für ein Gebund beschädigten Hafers wurde von 60 auf 70 Psg. erhöht. Bei entstehenden Differenzen trägt der Verein die erwachsenden Kosten. Durch diese Ansprüche dürsten sich die Beträge für Wildschäden, die sich im Vorjahre in unseren Jagdrevieren allein auf 4000 Mk. bezifferten, noch wesentlich erhöhen. A Mainz, 14. August. Von militärischer Seite verlautet, daß der Gouverneur der hiesigen Festung, General von Reibnitz, mit dem 1. October in Ruhestand treten wird. Wie man in Officierskreisen versichert, ist ein Personenwechsel bei dem hiesigen Gouvernementsposten durch die Ernennung des Generallieutenants v. Wittich zum comman-