Freitag den 14. Oktober 1SS2 Shttte* und rlnzclgeblatt für den Ureis Gieren Der chie5-«er A»zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MonkagS. Die Gießener Aa«itien0kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Annahme Don Anzeigen zu der Nachmittag« für den I l°l«cnden Tag ersAMendcn Nummer bis Vorm. 10 Uhr. rienefLe Nachricht«»». Wolffs teleqr. phische-s Correspondenz-Bureau. Berlin, 12. October. lieber die Ergebnisse der Ver- I «ijTöguiiß zur Einkom men sl euer in Preußen für 1892/93 ! Kammer. Die Neuwahlen werden auf den 6. November, die Stichwahlen aus den 13. November, der Zusammentritt eine Rede, worin er die Beziehungen Italiens zur Union als herzlich bezeichnete. Aehnliche Kundgebungen sanden in Chicago, Philadelphia, Baltimore statt. Ueberall herrscht Newyork. 12. October. Anläßlich der Columbus- er fand gestern Abend Feuerwerk statt. Mehrere tausend Katholiken Newyorks defilirten vor dem Vicepräsidenten Morton. Daran schloß sich eine vom katholischen Club veranstaltete Musikaufführung. Dem Concert der deutschen Musikvereine, die sich unter der Bezeichnung „Columbus, freter Sängerbund" zusammengethan hatten, wohnten Cleveland, der Mayor von Newyork und viele hervorragende Deutsche bei. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Newyork, 12. October. Heute, als am zweiten Tage der Columbusfeier, fand eine große Flottenschau statt. Das Wetter war prächtig. Erne aroße Anzahl herrsch geschmückter Schiffe und Kähne bedeckten den Fluß. Die ^o^sahrt erfolgte in drei Colonnen unter Salutschüssen Dle Mtttelcolonne wurde von ausländischen, die anderen von amen kant sch en Knegsschiffen gebildet. Den Ehrenplatz nahm das spanische Schiff ^Jnfanta Isabel" ein. ' 9 Newyork, 12. October. Columbusfeier. Heute fand eme große militärische Kundgebung und Enthüllung des von den Nallenischen Vereinen gewidmeten Denkmals statt. Bice- | veröffentlicht der „Reichsanzeiger" ausführliche Mittheilunqen. I ! ??o7^ößn“b rfür ba* Steuerjahr 1892/93 veranlagt mC-Mr^3lnmC^ f’nb bic er^‘ steuerpflichtig gewordenen fei furistischen Personen mit 2028 Censiten und 10,056,743 Mk ©teuer betheiligt. Veranlagt sind gegenüber dem Vorjahre Censiten zu einem Einkommen bis 3000 Mk. 86,99 pCt. «egen 87,27 pCt. im Vorjahre, von 3000 bis 6000 Mk 8 40 gegen 9,05 pCt.; die Zahl der Censiten mit höherem Einkommen ist dagegen durchweg gestiegen. ?rc*obe5‘ ®Er ^änis empfing um 4 Uhr i „ ......... s“«1“»1“« «jcmmui» pau. vice* die deutsch», und österreichischen Distanzreiter im Ball- Präsident Morton hielt im Namen des Präsidenten Harrison saale des Residenzschlosses. Der preußische Gesandte Graf ' ---•' - - v Nonhoff, der österreichisch,lmgarische Graf Chotek, und der bayerische, Freiherr v. Niethammer, stellten vor. Der König I begrüßte den ersten Sieger und Herzog Günther besonders. 9ro6c Begeisterung. Um 4«/? Uhr folgte die Galatasel mit 200 Gedecken in zwei Paradeschritt Außer dem König und den Prinzen des Hauses nahmen der Minister des Auswärtigen Metsch, die erwähnten Gesandten, die Generäle Kircbbach und Reyher Theil. Der König brachte folgenden Trinkspruch aus: „Ich fordere Sie auf, dieses Glas zu leeren auf da« Wohl zweier Monarchen, dte selbst erhabene Vorbilder des schneidigen Reitergeistes sind welcher durch Sie, meine Herren, so vorzügliche Früchte gezeitigt. Der Kaiser von Oesterreich und der Deutsche Kaiser leben hoch ! Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 13. October. Wie dem „Berl. Tagebl." aus siondon gemeldet wird, sind an der Küste von Neusnndland bei den letzten Stürmen^ mehrere Schisse unter- gegangen, wobei 19 Personen ertrunken sind. 9 oAa?cb“n0' 12‘ Dct°ber- Amtlich. 19 Erkrankungen, 2 Todesfälle - davon gestern 14 und 1. Transporte: ®eftern 10 Kranke. — Altona: eine Erkrankung, kein Sterbefall. ö/ 12\°c'o6er- Nach Besichtigung des Museums und Besuch des Barackenspitals empfing der Deutsche Kaiser, nach Schönbrunn zurückgekehrt, außer Taaffe auch .72’' und Szögyenyi. Die Chefs der diplo- matischen Missionen gaben beim deutschen Kaiser ihre Karten °b. Morgen Vormittag findet Jagd in den Donauauen bei Mannswörth statt. Die Rückfahrt ist mittelst Separatdampfer ®ep.[asn?- ~ ®er Deutsche Kaiser verlieh dem Erzherzog Friedr,ch den schwarzen Adlerorden. Beim Gala-Diner gebracht S°'^r iU" Trinksprüche wurden nicht aus- j Paris, 12. October. Der Bericht des Deputirten Chochery über das Kriegsbudget ist festgestellt. Die or entlichen und außerordentlichen Heeresausgaben seit 1870 betrugen 15 Milliarden und 368 Millionen." «om, 12. October. Das Amtsblatt veröffentlicht heute Abend das Deere« des Königs, betreffend Auflösung der I Berlin, 13. October. Der „Nationalzeitung" schreibt in unterrichteten Börsenkreisen' gelte der Abschluß einer russischen Anleihe mit Rothschild al§ bevorstehend. Der anwesende Delegirte des russischen Finanzministers würde morgen Abend nach Petersburg zurllck- kehren. Die Anleihe würde angeblich 500 Millionen betragen äu 4pSt. Der Emmissionscurs sei ungefähr 95, jedoch sei dies noch unverbürgt. Hamburg, 12. October. Der ärztliche Wachdienst wurde von heute ab in sämmtlichen Desinfectionsanstalten aufgehoben. Wilhelmshaven, 12. October. Contreadmiral Köster, der Director des Marinedepartements, ist zum Viceadmiral, die Capitane zur See Hoffmann und Aschenborn sind zu Contreadmirälen befördert worden. . W'-n, 12. Ociober. Kaiser Wilhelm besichtigte heute Nachmittag die von der freiwilligen Rettungsgesellschaft Berlin, 12. October. Wie die „National - Zeitung" meldet, ist heute früh zu Glion am Genfer See Geheime- rath Lothar Buchen gestorben. Amtlichem Theil. r r Gießen, den 10. Oktober 1892. >0etr.. Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taub- stummen-Anstalt des Landes. Das Grohherzogliche Kreisami (Sieben an die Schulvorstände des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom ^4. August noch nicht nachgekommen sind, werden hierdurch an Erledigung derselben erinnert. ________________v. Gagern. Bekanntmachung. Klagen und sonstige Erklärungen sind bei unserer Ge- richtsschrelberei an allen Wochentagen Vormittags zwischen I« und 1.2 Uhr vorzubringen. Wer einen Richter sprechen • * vorgeladen zu sein, hat sich Mittwoch Vor- «uttags einzufinden. Gießen, den 11. Oktober 1892. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Fresenius.__________ Deutsches Reich. 12. October. Die Unsicherheit der inneren poetischen Lage in Deutschland, wie sie durch die vtelfachen uncontrollirbaren Meldungen über die neue Militärvorlage und die hiermit zusammenhängenden Erscheinungen characterisirt wird, läßt sich trotz aller Beruhigungsartikel der Berliner Officiösen doch nicht vollständig hinwegdisputiren Datz Sensationsnachrichten, wie diejenigen, wonach sowohl Rcichskanzter Graf Caprivi als auch der preußische Ministerpräsident Graf Eulenburg wegen der infolge der Militär- frage geschaffenen Situation bereits ihre Entlassung einaereicht haben sollen, weit übers Ziel hinausschießen, ist zweifellos, aber ebensowenig kann' es wohl einem Zweifel unterliegen, daß durch die Militärvorlage in den maßgebenden Kreisen von Berlin eine gewisse Krisis hervorgerusen worden ist. Ob und wie sich dieselbe weiterentwickeln wird, das hängt allerdings von dem Gange der Parlamentarischen Ereignisse ab und da dem Reichstage die Militärvorlage vermuthlich erst nach Neujahr zugehen wird, so ist vorläufig eine weitere Zuspitzung der Situation kaum zu befürchten. Immerhin wäre es für den Stand der Dinge characteristisch, wenn die Nachricht wahr sein sollte, daß man sich in Regierungskreisen mit dem Plane einer eventuellen Reichslags-Auflösung ichener AmeiaerM . 1 Redaction, Expedition Kenerat-Anzeiger. . «UiUeton Die Entdkckung von Amerika vor 400 Iahrrn. Ein Gedenkbla:t an Christoph Columbus. Von Dr. Adolph Kohut. (Nachdruck verboten.) In unterer Zeit der Schnelldampfer und Blitzzüge, in der eine Reise von Europa nach Amerika kein besonders beachtenswerthes Ereigniß mehr ist, kann man sich kaum eine Vorstellung von der Aufregung machen, welche die gesummte Culturwelt erfaßte, als vor 400 Jahren der kühne genuesische Seefahrer Christosero Colombo, ober, wie er mit der la"n«sirten Form seines Namens, der Sitte jener Zeit ge- mnß, allgemein genannt wird, Columbus, am 12. October 1492 eine neue Welt entdeckte. Aber weder der große Mann,- der genialste und berühmteste unter den Entdeckern aller Zeiten, noch das „Jahrhundert der Entdeckungen" — iuie unsere bewundernde Mitwelt den Zeitraum von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nennt — hatte eine blasse Ahnung davon, daß es außer Europa, Äflten und Afrika noch ein großes Festland jenseits des atlan- üschen Oceans geben könnte. Wenn Portugiesen und Italiener 10n dem fieberhaften Bestreben beseelt waren, Entdcckungs Speditionen auszurüsten, so trieb sie lediglich der Eifer, den lächsten und bequemsten Weg nach Indien zu erreichen. Indien bildete das große Ziel, die letdenschastlichste Sehn- "cht aller Abenteurer, Seefahrer und Staaten. Von hier ^us bezog die mittelalterliche Welt mit unendlicher Mühe die leblmgßwaaren und Schätze des tropischen Klimas: Goldlaub, Diamanten und Perlen, Elfenbein, Porzellan, Sammt I unö Seide, theuere Gewebe, Wolle, — kurz, alles, was Menschen Begehr. Der Handelsverkehr mit jenem märchen- paften, die Einbildungskraft fortwährend beschäftigenden Lande machte Amalfi, Pisa, Genua und Venedig, sowie später Spanien und Holland, zu den mächtigsten Seestaaten der Welt. Von einem ungeheuren Jrrthum, welcher aber die glän- zendsten, bahnbrechendsten, unermeßlichsten Ergebnisse zeitigte war^also Christoph Columbus, der, im Jahre 1456 als Sohn eines Tuchwebers in G^nua geboren, geniale Entdecker Amerikas, befangen, als er den Entschluß faßte und es als seine ganze Lebensaufgabe betrachtete, den entfernten Osten öer Erde durch eine Fahrt gen Westen auszusuchen, um dadurch den nächsten und bequemsten Weg nach dem Eldorado der Menschheit, Indien, zu finden. Angeregt durck den berühmten florentimschen Astronomen Paolo dal Pozzo Tos- canelli, mit dem er im Ansange der 80er Jahre des fünfzehnten Jahrhunderts in briefliche Verbindung trat, erfaßte er mit der ganzen Energie, welche diesen seltenen Genius auszeichnete, den Gedanken, das Morgenland in westlicher Richtung aufzusuchen. Toscanelli begnügte sich nicht damit, die Möglichkeit des Unternehmens warm zu befürworten, sondern er gab auch 1474 eine Seekarte heraus, aus welcher man sich über die Länge des Weges ortentiren sollte. Natürlich war hier d>e Entfernung zwischen der Westküste Europas und der Ostküste Asiens auch nicht entfernt correct angegeben. Columbus nahm mir Toscanelli und mit Pierres d'Ailly, aus dessen Werken erft.rcr einen großen Theil seiner kosmo- graphischeu Kenntnisse schöpfte, irrthümlich an, daß die Ost- küste Asiens von der heimathlichen Westküste nur um 130 Gr. entfernt fei; hätte er die wirtliche Entfernung gekannt, so wäre er wahrscheinlich von der Ausführung seines gefahrvollen und abenteuerlichen Planes zurückgetreien. Ohne diese beiden Cardmalirrthumer wäre wohl die neue Well vielleicht noch Jahrzehnte hindurch der allen Well verschlossen geblieben. Thalsache ist, daß Columbus auf seinen Entdeckungsfahrten bte Karte Toscanellis bei sich Halle und daß er auf die Worte dieses Meisters schwor. Als der gewaltige Genuese Mn-i 6hh e:s arrle' blC $bee Toscanellis zu verwirklichen, I ^r’eb ,t’m( dieser u. a.: „Ich lobe Eure Absichl, nach Westen zu fahren, und ich bin überzeugt, daß Ihr auf meiner Karte bereits gesehen habt, daß der Weg, den Ihr nehmen wollt, nicht so schwierig ist, als man denkt- im Gegentheil feer Weg nach jenen Gegenden, welche ich ausgezeichnet habe, ist ganz sicher. Ihr würdet keine Bedenken haben, wenn flbr wie ich, mit vielen Personen verkehrt hättet, welche in jenen Landern gewesen sind, und seid gewiß, mächtige Könige anzutreffen, viele volksreiche und wohlhabende Städte ru finden welche von jeder Art Edelsteinen Ueberflnß haben, und es wird die Könige und Fürsten, welche in jenen entfern,en Landern herrschen, hoch erfreuen, wenn man ihnen einen Weg bahnt, um mit den Christen in Verbindung zu treten und W) oon be.HeIbEu in der katholischen Religion und in allen ?a tfln' roc d,e tD,r besitzen, unterrichten zu lasten £.U,^roCr9C" ■t’,Cler anderer Ursachen wundere ich mich so viel Muth zeig,, wie auch die ganze por- tugiesuche Nation, welcher es immer Männer gegeben hat die sich m allen Unternehmungen auszeichnen." ' Tascanelli irrte sich bezüglich der Nationalität des ® N'cht ein Portugiese, sondern ein Italiener sollte das Zie»• ber langiahrigen Anstrengungen der Portugiesen rnr See Indien, erreichen. Wohl aber wandte sich ,m Fab I 83 zuvörderst Colunibiis an Portugal um Unterstützung seines weltbewegenden Planes. Er erbat sich von K^önig bei der Aspernbrücke errichtete Cholerabaracke und entschuldigte sich, daß er wegen Mangel an Zeit die Centralstation der genannten Gesellschaft nicht besuchen könne. Der Kaiser ( empfing vor dem Diner in Schönbrunn den Grasen Taaffe. | Den zweistündigen Besuch der Hosmuseen unterbrach Kaiser > Wilhelm wiederholt durch launige Bemerkungen. Bezüglich des Führers in der ägyptischen Abtheilung sagte der Monarch j zu dem österreichischen Kaiser: „Dieser Herr kennt die k Pharaonenzeit genau wie wir die Standorte unserer Regimenter." Wien. 12. October. Der deutsche Kaiser besuchte nach einftündigem Hiersein Kalnoky auf V3 Stunde und traf dort mit dem Nuntius Galimberti zusammen. Ob dies zufällig ist, ist nicht sestzustellen. Unmittelbar nach der An« fünft in Schönbrunn überreichte Kaiser Wilhelm Taaffe den Schwarzen Adlerorden. Diese Thatsache wird vielfach mit der deutschfreundlichen Schwenkung des Cabinetchess in Verbindung gebracht. Der Kaiser bewohnt in Schönbrunn die Gemächer, welche Napoleon I. und Kaiser Wilhelm 1. einst innehatten. Derselbe pürscht seit heute früh, nur begleitet von dem Oberjägermeister Graf Traun in Anhof bei Schönbrunn. Rom, 12. October. Das „Journal Sicilien" fordert in einem patriotischen Appell die sofortige Befestigung Siciliens gegen französische Angriffe und kündigt die Bildung eines nationalen Vertheidigungscomitös für Sicilien an. Stockholm, 12. October. Gleich nach dem Zusammentritt des außerordentlichen Reichstages finden hier öffentliche Oppositionsversammlungen gegen die Armeevorlage statt. Cocctfci ^Provinzieller. Gießen, 13. October 1892. — Großh. Kreisamt Gießen hatte telegraphisch bei Großh. Ministerium der Finanzen, Abth. für Eisenbahnen, um frachtfreie Beförderung von Liebesgaben für Hamburg, speziell für Kartoffeln, nachgefucht. Hohes Ministerium hat diesem Gesuch entsprochen und Großh. Direction der Oberhess. Eisenbahnen ermächtigt, solche Sendungen sürHamburg frachtfrei auf ihren Linien zu befördern, falls auf den Preußischen Staatsbahnen die gleiche Vergünstigung gewährt wird. Da solches geschieht, so können, wie es in dem bereits erschienenen Ausruf, der auch in heutiger Nummer an anderer Stelle zu lesen ist, heißt, mildthätige Menschen in den Orten, welche direct an Linien der Oberhess. Bahnen gelegen sind, solche Liebesgaben direct nach Hamburg spediren. — Nächsten Samstag Mittag beabsichtigt der Vorstand des Oberhesfischen Gefchichtsvereins die Ausgrabungen des Herrn F. Kosler am Butzbacher Römercastrum in Augenschein zu nehmen und ladet dazu alle Vereinsmitglieder und Freunde der Geschichtsforschung zur Theilnahme ein. Abfahrt 1 Uhr 57 Minuten. — Theater. Morgen Freitag, den 14. October, kommt ein neuer Schwank von Fritz Bernd: „Cacao" im „Neuen Theater" zur Aufführung. Das lustige und übermütige Stück, welches überall einen coloffalen Lacherfolg zu verzeichnen hatte, wird auch beim hiesigen Publikum feine Wirkung sicher nicht verfehlen. Wünschen wir daher der Direction, was bis jetzt leider noch nicht der Fall, ein recht volles Haus. — Für die am Sonntag stattfindende Schlußübuug bet Gießener Freiw Feuerwehr ist folgende Zeiteintheilung vorgesehen: Nachmittags 3 Uhr: Abmarsch vom Spritzenhause nach Oswalds Garten, daselbst Schulübungen, Besichtigung der Geräthe seitens der zuständigen Behörden. Hierauf: Brandangriff am ehemaligen Walther'schen Hause und Linden- Hof. Abmarsch nach dem Spritzenhaus. Nach der Hebung: Geselliges Zusammensein bei den Feuerwehrkameraden Jas- Johann II. von Portugal ein Geschwader, um die kühne Fahrt in dem unermeßlichen und unbekannten Ocean gen Westen hin zu unternehmen — aber ohne Erfolg. Der Fürst for« berte ein Gutachten darüber von einer Commission, welche aus den bedeutendsten Gelehrten: Diego Ortiz, Bischof von Ceuta und Beichtvater des Königs, sowie aus den beiden königlichen Aerzten Rodrigo und Joses bestand. Aber diese Räthe hielten den Genuesen für einen Phantasten und Pro- jectenmacher, sie verhöhnten ihn als Schwätzer. Erbittert verließ Columbus ein Jahr darauf Portugal, um in Spanien sein Glück zu versuchen- Nach rastlosen Arbeiten und Bemühungen erhielt er hier einflußreiche Gönner, wie z. B. den Herzog von Medinaceli, der ihn fast zwei Jahre lang als Gast in feinem Hause beherbergte, und 1486 war es ihm vergönnt, sein Project der Königin Isabella von Spanien persönlich vorzutragen. Diese wollte nicht ohne Weiteres auf die unsichere Angelegenheit eingehen, doch interessirte sie der Genuese so sehr, daß sie ihn in den Dienst der castilischen Krone nahm. Nach langen vergeblichen Versuchen, die Sache in Fluß zu bringen, und nachdem er 1491 sogar mit dem französischen Hose in Verbindung getreten war, gelang es ihm schließlich, die Königin zu überzeugen. Columbus war vom glücklichen Erfolge feiner Weltfahrt so sehr überzeugt, daß er geradezu ungeheuerliche Forderungen an die Monarchin stellte; er verlangte außer seiner Erhebung in den Adelstand mit dem Prädikate Don die Würde eines atlantischen Admirals mit dem Genüsse aller Vorrechte der Admirale von Castilien, welche im Range nur dem Kronfeldherrn nachstanden, Macht und Titel eines Vicekönigs in allen entdeckten Ländern mit dem Rechte, für alle Remter der künftigen Herrschaften drei Bewerber vorzuschlagen, den Zehnten der Kroneinkünfte aus den Entdeckungen,, endlich ein Achtel aus dem Kronbetriebe der Handelsmonopole. l Fortsetzung folgt.) kowsky (Aquarium) und Lechner (Frankfurter Hof), sowie bei Frau Heß (Lindenhof). Abends 8 Uhr in SteinS Saal bau: Banket mit Theater, Vorträgen und Tanz. — Rohheit. Vorgestern wurde ein hiesiger Einwohner von einem rohen Burschen von Annerod auf der Grünberger Chaussee im Gießener Stadtwald angefallen upd ohne weiteren Grund blutig geschlagen. Der Thäter ist ermittelt und hat seine Bestrafung wegen Körperverletzung zu erwarten. — Verhaftet wurden zwei Handwerksburschen wegen Bettelns und ein solcher wegen Obdachlosigkeit. — Die Großh Regierung hat nunmehr auch amtlich die baldige Vorlage eines Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung der Declaration, für die Einkommensteuerpflichtigen mit Einkommen von 2600 Mark an aufwärts angezeigt. — Gründung eines Ortskrankeukaffeu-Verbandes für Hessen. Nächsten Sonntag Vormittag findet im Concerthans der Liedertafel zu Mainz eine Delegirten-Versammlung sämmtlicher hessischer Ortskrankenkassen statt, behufs Gründung eines Ortskrankenkaffen-Verbandes. Bis jetzt haben sich für denselben schon 17 Vorstände aus den verschiedenen Provinzen ausgesprochen. — Angestrebte bessere Vertretung des Kleinhandels und der Kleiuindustrie. Dem preußischen Ministerpräsidenten, Grafen Eulenburg, hat der Verein zum Schutze des Handels und Gewerbes in Schweidnitz ein Gesuch um Bildung besonderer Gewerbekammern für die Detailhändler und Kleinindustriellen neben Handelskammern für Großindustrielle und Großhändler und Handwerkerkammern für die Handwerker eingereicht und es damit begründet, daß der Kleinhandel seine Vertretung nicht in den Handelskammern finde. K. Babenhausen L, 11. October. Bei der heute hier statt- gehabten Bürgermeisterwahl wurde der Landwirth August Lenz, an Stelle des seitherigen Bürgermeisters Volz, gewählt. — In dem Nachbarorte Schwickartshausen ist der seitherige Bürgermeister Seum wieder einstimmig gewählt. Friedberg, 11. October. Bei der heute stattgehabten Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete, Rechtsanwalt Jöckel, einstimmig wiedergewählt. — Am 5. October siedelte der Streckencommissär Kosler von Langenhain, wo die Ausgrabungen beendet sind, nach Butzbach über, begann die Arbeit, stieß sofort aus die Umfassungsmauer des hiesigen Castells und hatte bis zum Abend etwa 30 Meter derselben sreigelegt. An den übrigen Tagen der Woche wurde die ganze Westseite der Befestigung mit ihren abgerundeten, mit Thürmen besetzten Ecken und großen Theilen der anschließenden Mauern gesunden. □ Aus dem Kreise Alsfeld, 12. October. Die Kartoffelernte, begünstigt durch das einzig schöne Herbstwetter, ist beendigt. Ihr vorzügliches Ergebniß ist schon mitgetheilt worden und es muß hier bestätigt werden, daß viele Land- wirthe während ihrer Lebenszeit in ihrem Keller nicht den gleich großen und schönen Haufen Kartoffeln ausgeschüttet haben, wie in diesem Herbste. Die Kartoffeln haben ebenso reichlich im Durchschnitt gegeben wie das Getreide, von dem ebenfalls aus vielen Speichern Vorräthe lagern, wie-solche nach zuverlässigen Mittheilungen die gegenwärtige Generation noch niemals gehabt. Reichen doch bei größeren Gütern die Speicher nicht einmal aus, die Frucht alle zu fassen. Die Dampfdreschmaschinen sind in vielen Orten noch in voller Thätigkeit. — Bei den Kartroffeln muß noch besonders betont werden, daß trotz der Menge äußerst wenig faule bemerkt werden und daß die Knollen bei dem trocknen Wetter vortrefflich in die Keller gekommen sind, so daß auch ein Nach- faulen nicht zu befürchten ist. § Metzlos - Gehaag, 11. October. Einem in hiesiger Gegend Vieh aufkaufenden Schweinehändler wurde von einem Bauern aus Schlechtenwegen, der Ferkel an den Händler verkauft hatte, ein Porternonaie mit 500 Mk. aus der Ueber- ziehertasche entwendet. Der zufällig anwesenden Gendarmerie gelang die Ermittelung des Diebes 6atb; derselbe gestand denn auch die That sogleich ein; er wurde ins Haftlocal nach Herbstein gebracht. § Jlleuhauseu, 10. October. Bei der heute hier stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde Herr Johannes Michel II. gewählt. Büdiugeu, 11. October. Der im Sommer dieses Jahres verstorbene Lehrer Schnierle zu Burgbracht war ein bedeutender Kenner und Sammler von Jnsecten. Die von ihm hinterlassene Käfersammlung enthält ungefähr 800 Arten; darunter befinden sich nicht nur saft sämmtliche deutsche, sondern auch viele ausländische Exemplare. Besonderen Werth verleiht der Sammlung der Umstand, daß die einzelnen Käser genau bestimmt und nach Familien geordnet sind. Die Sammlung steht nunmehr zum Berkaus aus und es würde sich für Interessenten der Mühe lohnen, derselben ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Außerdem hat Herr Schnierle eine ziemlich umfangreiche Schmetterlings- und Muschelsamm- lung angelegt. Singen, 12. October. Das hiesige Kreisblatt, der „Rhein- und Nahebote", veröffentlicht heute Abend in feinem amtlichen Theil folgende Bekanntmachung: Die in dem hygienischen Institut der Landesuniversität vorgenommenen'bacteriologischen Untersuchungen haben zweifellos ergeben, daß der im hiesigen Hospital untergebrachte Heizer des Schleppdampfers „Franz Haniel Nr. IV" an asiatischer Cholera erkrankt ist. Der Kranke befindet sich übrigens besser, wenn auch die hervorragendste Krankheitserscheinung noch nicht verschwunden ist. Großherzogliches Kreisgesundheitsamt Bingen, Dr. Matthias. Worms, 12. October. Der Pfalzbahnzugführer Dittler wurde heute im hiesigen Bahnhofe, als er, um zu feinem Zuge zu gelangen das Geleise überschritt, von der Maschine eines von Alzey kommenden Personenzuges ersaßt, überfahren und sofort getödtet. Dittler hinterläßt vier Kinder. VevMischtes. * Aschaffenburg, 10. October. Zwei Bauern von Damm wollten einem Maisdieb ablauern, tranken in der falten Nacht etwas viel Schnaps und erwachten am andern Morgen in der Scheune des Bestohlenen, wohin sie der Dieb gefahren hatte. * Hamburg, 12. October. Postafsistent Grahmann- Grimma, welcher mit Kassengeldern und Werthsendungen im Betrage von 11,485 Mark flüchtig war und auf dessen Ergreifung eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt wurde, ist in einer hiesigen Wnthsctast verhaftet worden. 6000 Mk. wurden noch bei ihm vorgpsunden. * Essen o. d. Ruhr, 12. October. Der Geheime Commer- zienrath Krupp hat zur Linderung des Nothstan des in Hamburg und Altona der Sammelstelle der Rheinisch- Westsätischen Zeitung 10,000 Mark überwiesen, wovon 7500 Mark für Hamburg und 2500 Mark für Altona bestimmt sind. * Remscheid, 11. October. Großes Aussehen erregt hier, der „Rhein. Wests. Ztg." zusolge, die Thatsache, daß der Vorstand der hiesigen Reichsbank Nebenstelle, Alfred Backe, sich gestern freiwillig dem Staatsanwalt gestellt hat. Die von ihm verübten Veruntreuungen sollen sich auf 52,000 Mk. beziffern. Er ist bereits in Hast genommen worden. * „Choucroute-mann !a „Sauerkrautmanu", so nennt der Franzose den Deutschen, denn er meint, daß wir daheim fast nur von Sauerkraut und Knödeln leben. Doch haben wir — so schreibt ein Pariser Berichterstatter — nirgends so viel Sauerkraut essen sehen, wie in Frankreich, insbesondere in Paris, wo die Choucroute garnie — die Garnitur besteht aus je einem papierdünnen Scheibchen Schinken und Wurst — das beliebteste Essen in den Bierwirthschasten und Nachtrestaurants ist. Man speist des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr, wenn man aus dem Theater kommt, um sich die nöthige Bettschwere zu geben. Frankreich kann seinen Bedarf an Weißkohl bei Weitem nicht selber decken. Man hat dies neuerdings bemerkt, als wegen der Cholera die Einfuhr der flach auf dem Boden wachsenden Gemüse und Früchte aus Deutschland, Belgien und Rußland verboten wurde; der Preis des Doppelcentners Kohlköpse stieg von 7 auf 15 Franken. Eine Sturmpetition der Sauerkrautschneider und Händler, sowie der Bierwirthe ist daher ans Ministerium ergangen, wo der Director des Gesundheitsamtes glücklicherweise noch ein Einsehen hatte. Die Einfuhr des Weißkohls wird wegen der hervorragenden Rolle, welche dieses Gemüse bei der Volksernährung spielt, von den Choleramaßregeln ausgenommen und wieder freigegeben. Die Franzosen werden nach wie vor uns das Sauerkraut wegessen und uns dennoch „Choucroute- mann“ betiteln. * Ein interessantes Document ist von dem kgl. Hausarchivar Dr. Ernst Berner entdeckt und den Sammlungen zur Geschichte des preußischen Staates einverleibt worden. Es handelt sich um das „älteste Extrablatt", das von einem preußischen Kriegsschauplatz aufgeflattert ist. Dieses „Allerneueste" stellt sich als ein Bericht über die Schlacht von Fehrbellin dar! Citeratar unö Kunft — Die Geschichte eines Kricges in der Form eines Romanes zu behandeln und dabet sich in peinlicher Genauigkeit an die wirklichen historischen Ereignisse zu halten, ist eine ungemein schwierige Aufgabe, besonders wenn der Verfasser ein Ganzes gestalten will, welches nicht nur ein Krtegsgemalde von hervorragender Kraft und plastischer Anschaulichkeit ist, sondern eben auch als Roman das allgemeine Interesse im höchsten Grade zu erwecken und zu fesseln weiß. Rach dem übereinstimmenden Urthetle Aller ist dies Zola in dem Romane: „Der Zusammenbruch" in der denkbar vollendetsten We se gelungen. Dad hochinteressante Werk hält noch immer in einer trefflichen Uebersetzung die Leser der vielgenannten Zeitschrift fremden Airrrgen" (herausgegeben von Prof. Joseph Kürschner, redigtrt von Otto Baisch, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, Preis 50 Pfg. pro Heft) in lebhafter Spannung. Wohl in keinem anderen seiner bedeutenden Werke hat Zola seine eminente DarftellungSgabe in gleicher Vollkommenheit bewiesen, wie in „Der ZusamM'Nbruch". Mit bewunderungswürdiger Objectiottät behandelt er die gewaltigen Ereignisse, und von besonderem Interesse muß dabei für uns Deutsche fein, wie er die Thaten unserer Truppen zu würdigen weiß. An dieses Hauptwerk reiben sich noch einige mit feinem Geschmacke auS- gewähtte bedeutende Erzeugnisse anderer Literaturen. Verkehr, Land- ttnö Volkrwirthschaft. Limburg, 12. October. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 14.55, weißer Weizen X 14.30, Korn X 11,80, Gerste X 10.30, Hafer X 6.70, Erbsen .—. Neue und praktische Erfindung. Da in Folge sehr hoher Fleischpreise der Fischconsum in letzter Zeit sehr gestiegen, und man auch in weiteren Kreisen allmählich auf die Vorzüge eines gut zubereiteten Fisches aufmerksam geworden, ist es mit Freuden zu begrüben, daß in der Unikum-Fischputzvorrichtung nunmehr ein Werkzeug geschaffen ist, welche die so schwierige und zeitraubende Reinigung des Fisches bedeutend erleichtert und verdient diese neue Erfindung die vollste Anerkennung aller Hausfrauen. Die Prüfungs- commiffion des Deutschen Gastwirthverbandes hat diese Neuerung einer Prüfung unterzogen und hat ihr Gutachten über die Brauchbarkeit in der Zeitung „Das Gasthaus" veröffentlicht, welches schließt: „Die Commission kann diese Fischputzvorrichtung allen Collegen und Privaten bestens empfehlen." — Herr A. Welz (F. E. Winter Nachf.), Wallthorstraße 16, durch welchen dieselbe zu beziehen, hat die Freundlichkeit, dieselbe jedem Interessenten gerne zu zeigen. Der Preis ist ein sehr niedriger und ist dieses überaus practische Werk- zeug jedem Haushalt sehr zu empfehlen. SeAnW direkt au3 der Fabrik also aus erster Hand v von Elten & Keussen, Crefeld, S in jedem Maah au beziehen. Man verlange S Muster mit Angabe deS Gewünschten. Für die Nothleidenden in Hamburg gingen ferner bei uns ein: Ungenannt 3 X, H. W. 10 X, S. K in L. 10 X, durch G. Wortmann 40 X (& Kltngspor 20 X, Frau Prof. Taschs 5 X, Frau E Schäffer 5 X, H. R. 1 X, Wortmanu 9 X) Zusammen 63 X JnLgesammt 2283.03 X Weitere Gabm nimmt bereitwtlligft entgegen Die Expedition des „Gießener Anzeiger".