Rr. 89. Donnerstag den 14. April 1892 Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Grefzen. Hratisöeikage: Hießener Kamitienbkätler Annahme von Anzeigen zu btr Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaux de» In- und Ausland«» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entoeqen. Die Gießener Jamitien Stälter Verden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Der #U|enrr Anzeiger erscheint täglich, Bit Ausnahme de» MontagS. schauen sind die nachstehend verzeichneten Fasel für tauglich befunden worden, als Gemeindezuchtstiere verwendet zu werden. Sämmtliche Thiere sind an dem Horn mit Brandstempel versehen. Gießen, den 11. April 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. (Sagern. Vierteljähriger Aöonnementspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstrahe Ar.1. Ferusprecher 51. sührung solcher Erhebungen zu unterbreiten. Die Commission darf Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl mit be- ratbender Stimme zu ihren Sitzungen hinzuziehen und Aus' kunftspersonen vernehmen. Sie besieht aus 12 Mitgliedern und dem vom Reichskanzler zu ernennenden Vorsitzenden. — Die Unterhandlungen über den neuen deutschspanischen Handels vertrag nehmen einen so günstigen Verlaus, daß nur noch formelle Schwierigkeiten zu ebnen sind. Neriefte nttn. Wolff» telegraphische» Lorrespondenz-Vurean. Berlin, 12. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches. Bremerhaven, 12. April. Das für bereits gelöscht angesehene Feuer an Bord des Dampfers „Monrovia" brach Nachmittags in bedeutenderem Umfange von Neuem aus. Man befürchtet, daß man den Dampfer werde zum Sinken bringen müssen. Bern, 12. April. Das Zustandekommen des Handelsvertrags mit Italien erscheint nunmehr, wie verlautet, gesichert. Derselbe soll am 1. Juli d. I. in Kraft treten. Toulon, 12. April. In den letzten vier Nächten brach, fast zu gleicher Stunde, Feuer in bewohnten Häusern aus. In zwei Häusern wohnten Richter. Der „Matin" meldet, Deutsches Reich. Berlin, 12. April. Die Königin-Regentin Emma der Niederlande und ihre Tochter, die elfjährige Königin Wilhelmine, werden nunmehr am 9. oder 10. Mai zu dem angekündigten Gegenbesuche am Berliner Hose erwartet. Soweit bis jetzt bekannt, werden die niederländischen Herrschaften im Stadtschlosse zu Potsdam Wohnung nehmen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Regulativ vom 1. April, betr. die Errichtung einer Commisston für Arbeiterstatistik. Die Commission hat die Aufgabe, die Vornahme statistischer Erhebungen über die Verhältnisse der gewerblichen Arbeiter, ferner die Durchsührung, Verarbeitung und die Ergebnisse dieser Erhebungen zu begutachten, sowie dem Reichskanzler Vorschläge zur Vornahme oder Durch- Amtlicher Shell. Bekanntmachung, betreffend Abhaltung öffentlicher Faselschauen. Bei den am 30. März l. I. zu Gießen und am 7. April l. I. zu Grünberg abgehaltenen öffentlichen Fasel- Bekanntmachung, betreffend das Einhalten der Tauben zur Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, während der Saatzeit — vom 15. April bis 15. Mai — ihre Tauben in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Art. 79 des Feldstrafgesetzes zur An- zeige und Bestrafung gebracht werden. Gießen, den 12. April 1892. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnaut h. Kichener Anzeiger Heneral-Anzeiger. die Bevölkerung sei beunruhigt, da man die Brände anarit isti- schen Anschlägen zuschreibe. Toulon, 12. April. Sämmtliche Miether eines Hauses am Freiheitsplatze erhielten Brandbriefe. Ein Anarchist wurde wegen ausgestoßener Drohrufe verhaftet. Kontiere, 12. April. Eine Dynamitpatrone explodtrte Nachts vor dem Hause eines Arbeiters in Boussu, der sich geweigert hatte, die Arbeit einzustellen. Der materielle Schaden ist beträchtlich. London, 12. April. „Reuters Bureau" meldet aus Dokohama, 12. April: Nach Berichten aus Tokio sind durch die Feuersbrunst gegen 6000 Häuser zerstört und ist eine größere Anzahl Menschen in den Flammen umgekommen. Rom, 12. April. Der „Jtalie" zufolge erließ Nicotera an die Präfecten bestimmte Weisungen betreffs des 1. Mai. Alle öffentlichen Demonstrationen, Auszüge und Meetings werden dadurch verboten, die Behörden hätten im Nothsalle gewaltsam einzuschreiten. Auch geschlossene Versammlungen sind nur gestattet, wenn die Theilnahme an denselben gegen Eintrittskarten stattfindet und Vertreter der Presse nicht anwesend sind. Newyork, 12. April. Das Gericht in Trenton im Staate New Mersey legte dem Agenten der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, Cortis, eine Geldstrafe von dreihundert Dollars auf, weil er sich weigerte, vier aus Hamburg hierher gekommene und zur Grubenarbeit in Virginien bestimmte Einwanderer nach Europa zurückzuschicken. Washington, 12. April. Im Repräsentantenhause brachte Coombs den Antrag ein, den Zoll auf deutsches Spieg ^lglas auszuheben. ' Depeschen de» „Bureau Herold". Berlin, 13. April. Die „Kreuz-Ztg." meldet aus Brüssel: König Leopold soll im letzten Ministerrathe eine internationale Convention gegen die Anarchisten angeregt und die Frage aufgeworfen haben, ob nicht die belgische Regierung die Initiative der Einberufung einer solchen Convention nach Brüssel ergreifen solle. Bochum, 13. April. Im Bochumer Steuerproceß findet am 28. April die Revision statt. Saarbrücken, 12. April. Der Kaiser wird Sonntag den 24. April hier eintreffen. Saarbrücken, 12. April. Die Königliche Bergwerks- direction hat mehrere Bergleute, welche infolge ihres Auftretens in der Bergarbeiterbewegung abgelegt waren, auf ihr Ansuchen wieder angelegt. Der Vorsitzende des Rechtsschutzvereins hat ebenfalls ein diesbezügliches Gesuch eingereicht. Der Bescheid steht noch aus. — Das Verhalten der Majorität bei der Berggesetznovelle erregt in den Bergarbeiterkreisen andauernden Unwillen. Nr. Eigenthümer Rasse Farbe Alter Körperbau Nähr- und Gesundheitszustand Name Wohnort 1. Wilhelm Heßler Queckdorn Simmenthaler Reinzucht Gelbscheckig 16 Monate Gut Gut 2. Zimmer'sche Gulsoerwaltung Winnerod Vogelsberger Roth 18 Monate Gut Gut 3. Johannes Keil I. Ettingshausen Vogelsberger Roth 17 Monate Genügend Gut 4. Kaspar Gödel JlSdors Simmenthaler Kreuzung Falbsch.ckig 16 Monate Genügend Gut 5. Georg Kauß BrrnSfeld desgl. desgl. 18 Monate Gut Gut 6. Bcrt und Lantelm Londorf ' drsgl. Gell-scheckig 14 Monate Genügend Gut 7. Heinrich Grün II. Nieder-Ohmen desgl. Gelbroth 21 Monate Genügend Gut 8. Joh. Deibel VI. Wieseck Vogelsberger Braunroth 21 Monate Genügend Gut 9. Heinr. Moos IV. Lollar deSgl. desgl. 18 Monate desgl. Gut 10. Helnr. Heuser II. Burkhardsfelden desgl. desgl. 18 Monate desgl. Gut Feuilleton. Zwei Bstermorgen. Crimtnalnovrlle von Th. Schmidt. (Nachdruck verboten.) I. Zu Anfang des Jahres 187* wurde die medicinische Welt Deutschlands, besonders die der Reichshauptstadt, durch den plötzlichen Tod des Arztes Wichert — eines durch eine Reihe glänzender Operationen schnell berühmt gewordenen Mannes — aufs Schmerzlichste überrascht. Der Verstorbene war erst reichlich ein Jahr früher auf Anralhen Berliner Collegen mit seiner Familie nach der Hauptstadt übergesiedelt, bis dahin hatte er in einem friesischen Flecken hart an der Nordsee als Arzt gewirkt. Trotz seines guten Ruses als geschickter Operateur hatte Dr. Wichert hier wie dort unausgesetzt mit Nahrungssorgen zu kämpfen gehabt, indeß nur in Folge der Art, in welcher er mit seinen Patienten verkehrte. Dr. Wichert gehörte zu jenen Aerzten, die zwar mit schnellem, sicherem Blick die Quelle des Leidens bei dem Kranken finden, die es aber nicht verstehen, diesem Trost und Hoffnung zuzusprechen. Groß und hager von Statur, mit einem gelben, pergamentartigen Gesicht, in dem starre, graue Augen unter buschigen Brauen auf den Palienten den Eindruck des Herben, Hartherzigen machten, entsprach auch sein sonstiges Aeußeres nicht der Vorstellung, welche sich der Htlsesuchende von einem Arzte und Berather in schweren Stunden zu machen pflegt; doch hätte man über dieses alles hinweqgesehen, worüber man nicht hmwegsah, das war der Mangel an Zangesühl, an kluger Vorsicht in den Äußerungen über den Zustand und iit Hoffnungen des Kranken, bei welchem ja nicht selten tröstende und ermunternde Worte des Arztes mehr Wunder verrichten als alle Medicin. Rauh und barsch klangen seine Worte. Selten ließ er den Kranken über seinen Zu stand im Zweifel. Mit einem Worte: Dr. Wichert war kein „Salonarzt". Nun war dieser seltsame Mann, dessen sehniger, nach strenger Methode abgehärteter Körper nie von einer ernstlichen Krankheit befallen war, in kaum vollendetem fünfzigsten Lebensjahre von einem plötzlichen Tode dahingerafft. Da der Verstorbene mit seinen Collegen nur selten persönlich verkehrt hatte, diese vielmehr von seinen glücklichen Erfolgen in der Regel erst durch eine medicinische Zeitschrist Kenntniß erhielten, so fanden sich auch nur wenige persönlich im Trauerhause ein, um der Wittwe einige tröstende Worte zu sagen. Unter denjenigen Collegen, welche im Trauerhause erschienen, befand sich auch ein jüngerer Arzt, welcher, als er mit der Frau des Verstorbenen an die in einer Schlaskammer aufgebahrte Leiche trat, einen Moment stutzte. Der Verstorbene lag aus einem Feldbette mit einem dunklen Schlafrocke bekleidet, seine Augen waren weit geöffnet, ein Zeichen, daß sie ihm keine liebende Hand gleich nach dem Tode zu gedrückt hatte. Der junge Arzt sah lange in das fahle, hagere und verzerrte Antlitz des lobten und es schien, als unterdrücke er eine ihm auf der Zunge schwebende Frage. Je länger jedoch dieses Forschen in den Zügen des Da- liegenben dauerte, desto ernster zog sich die Stirne des Forschenden, der sich allmählich dicht über den Tobten gebeugt hatte, zusammen. Erst das Ausschluchzen der Wittwe, welche mit abgewandtem Antlitz am Fenster stand und in deren Züge die Zeit eine lange Leidensgeschichte eingegraben hatte, erinnerte den Arzt daran, daß es Trauernden einige tröstende Worte zu sagen. Indern er dies that, geleitete er die schwankende Dame wieder in das Nebenzimmer — es war das Arbeitszimmer des Verstorbenen — zurück. Für Dr. Fischer — dies der Name des jungen Arztes —- schien jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu empfehlen. Die Dame mochte das auch wohl erwarten, denn sie sah ihren Besuch mit den von vielem Weinen gerotteten Augen einen Moment fragend an. Derselbe zögerte indeß. „Das Schicksal hat Sie schwer heimgesucht, Frau Doc- tor," wandte sich der Arzt an die gebeugte Frau; dabei vergruben sich gleichsam seine Blicke in ihrem Antlitz, als wollten sie darin nach etwas Verborgenem suchen. Eine lange Pause entstand, die der junge Mann endlich damit beendete, daß er sich zu der leicht angelehnten Thür wandte und diese verschloß. Dann trat er wieder vor die im stummen Schmerz dastehende Frau, ergriff mit einer hastigen Bewegung ihre rechte Hand und blickte ihr in die müden, jetzt aber über sein sonderbares Wesen voll Verwunderung zu ihm aufgeschlagenen Augen. „Frau Doetor," begann der Arzt ausS Neue, ^betrachten Sie mich als Ihren Ihnen aufrichtig ergebenen Freund und beantworten Sie mir eine Frage — ober nein, sagen Sie mir, bitte erst, ob Sie sich stark genug fühlen, wenn ich Ihnen als Freund und Arzt eine Enthüllung mache, die sich auf die Tobesart Ihres Mannes bezieht? Ich betreibe mit Vorliebe psychologische Studien. Ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich sage, daß der bittere Ernst des Lebens, daß harte Schicksalsschläge und herbe Enttäuschungen Sie allmählich gestählt haben, so daß Sie stark sein können, wenn Unwohl an der Zeit sei, der gewöhnliches, Furchtbares an Sie herantritt Jsts nicht so, ' Frau Doetor ?" Deutsch Eqlau, 13. April. Bei dem Creditverein wurden erhebliche Unterschlagungen des Kassirers Gaul! entdeckt. München, 12. April. Zu der am 25. und 26. April in Berlin stattfindenden Conferenz für Arbeiterwohl s a h rt S - Ei n rich tu n g en ist aus Bayern Dr. Karl Schäfer^ von hier geladen. Würzburg, 12. April. Infolge der W e i n z o l l - E r - Mäßigung verzollte das Hauptzollamt im Februar und März 1892 153059 Kilogramm Verschnittweine gegen 87 655 Kilogramm im Vorjahre. Zittau, 12. April. In Eibau kamen beim Brande eines großen Hauses der Färber Gürtler und sein Sohn um. Brüffel, 12. April. Der socialistische Verein verwarf den Antrag Volders über die Aufstellung einer so cialistischliberalen Candidatenliste und nahm einen Antrag Daube und einen Antrag Vandervelde über socialistische Actionssreiheit bei den nächsten Wahlen ausschließlich zu Gunsten der Anhänger des allgemeinen Wahlrechts an. Wien, 12. April. Bei einem auf dem Dampfer „Axio" aus Südamerika in Neapel angekommenen Reisenden Namens Raimonds wurden 500 Gramm Dynamttkapseln gesunden. Raimonds wurde verhaftet. Madrid, 12. April. Die Anarchisten in Alcoy beschlossen dieBesteuerungderParteimitgliederzur Förderung der Propaganda. Madrid, 12. April. Die Arbeitervereine fügen sich dem Circular des socialistischen Comites der Arbeiter, in dem ausgesordert wird, öffentliche Manifestationen am 1. Mai zu unterlassen. Madrid, 12. April. In Pueblo Nuevo wurden gestern sechs Individuen verhaftet, welche zwei Dynamit- Petarden gegen das Ständehaus schleuderten. Menschen sind nicht verunglückt, der Schaden ist bedeutend. Athen, 13. April. Infolge der Zunahme des Räuberunwesens in Thessalien reiste der Kriegsminister selbst dorthin ab. Localer und provinzielles. Gießen, 13. April 1892. — Die am Samstag den 9. April stattgefundene Abendunterhaltung des Sängerkranzes war, wie man bei diesem Verein gewöhnt ist, eine wohlgelungene. Seitdem Dr. Heym wie auch nunmehr Franz Bauer das musikalische Scepter dort schwingt, ist das ernste Bestreben nach höheren Zielen deutlich erkennbar und wir können gleich hinzusügen mit sichtbarem Erfolg. Die ersteren Nummern des Programms waren Gaben edelster Art, schade, daß so viele Nachzügler den Genuß, den die rechtzeitig Anwesenden bei dem herrlichen Clavierquartett von Beethoven empsanden, so stark beeinträchtigten. Es würde zu weit führen, alle die Nummern des überreichen Programms hier auszusühren, Herrn Bauer wollen wir aber gern bezeugen, daß er ein solches geschickt auszustellen versteht und ohne mit dem guten Geschmack in Conflict zu gerathen, von Beethoven und Wagner bis zu Heinze gelangte. Die Solovorträge, ernste wie heitere, wurden von bewährten Kräften und best' Veranlagten aus- geführt, an das „nomina sunt odiosa“ wollen wir auch diesmal im Allgemeinen sefthalten, unbedingt aber bei der Vertreterin der Frauenstimme eine Ausnahme machen. Frau Balser als Berusssängerin und geschickte Gesangslehrerin hat das Recht, auch wenn wir uns durchaus jeder Kritik enthalten, freundlichst erwähnt zu werden,- ein so aus dem Herzen kommender Beifall, wie ihn die Künstlerin am Samstag erntete, ein so stürmisch geäußerter Wunsch nach Zugaben spricht deutlicher wie jede Kritik und macht die Pflicht des Erwähnens zum Vergnügen. Der Männerchor, den wir als Veranstalter wohl zuletzt nennen dürfen, zeigte sein Können in jeder Beziehung, trotzdem die Aufgaben, die er sich gestellt, nicht leichte waren. Ein gemächliches Tänzchen schloß die A b end Unterhaltung am Morgen. Die Blicke der bleichen Frau hingen während dieser geheimnißvollen Worte erwartungsvoll an den Lippen des Arztes. „Herr Doctor, das Schicksal hat bis heute wenig Rosen aus meinen Weg gestreut. Sie täuschen sich nickt, ich kann stark sein. Bitte, reden Sie." „Nun denn, Frau Doctor, Ihr Gemahl ist keines natürlichen Todes gestorben," sagte der Arzt mit gedämpfter Stimme. „Um Gott, Herr Doctor!" ries die Dame erschreckt und ihr Antlitz wurde noch um einen Ton blasser. Doch schnell erholte sie sich wieder und den Arzt ruhig mit ihren großen, dunkelblauen Augen ansehend, stieß sie hastig hervor: „Was berechtigt Sie zu dieser Behauptung, Herr Doctor? Hier, lesen Sie, bitte, was der Bezirksarzt als Todesursache angegeben hat." Damit nahm sie ein beschriebenes und untersiegeltes Blatt Papier vom Tische und reichte es dem Arzte hin. Dieser warf indeß nur einen flüchtigen Blick daraus und legte es wieder an seinen Platz. „Ich weiß das, gnädige Frau, aber der alte Herr irrte sich, als er Schlagfluß schrieb. Nun gestatten Sie mir noch eine Frage: Haue Ihr Herr Gemahl hier im Hause oder in der Stadt einen Feind?" Die Dame schlug vor dem sorschenden Blicke des jungen Mannes die Augen nieder und schien nachzusinnen,' wenigstens haue es so den Anschein. Wohl konnte sie die Frage mit „nein" beantworten, denn der Verstorbene hatte in Wirklichkeit keinen Feind besessen, der einer Thal gegen sein Leben fähig gewesen wäre. Aber ihre Gedanken beschäftigten sich dock mit einer Person, die den Dahingeschiedenen gehaßt, glühend gehaßt hatte. Diese Person war ihr eigener Sohn und es war ihr, als durchlebte sie in diesem Augenblicke noch einmal all die trüben Stunden und Kämpfe langer Jahre. Als junge, hübsche Wittwe hatte sie Dr. Wichert einst die — Gestern wurde ein Frauenzimmer aus der hiesigen Frauenklinik verhaftet, das dort einen Kleiderschrcnk erbrochen und aus demselben einiges baare Geld entwendet haben soll. — Kreisschulinspectoren. Herr Lehrer I. Bauder in Darmstadt ist zum Kreisschulinspector für den Kreis Schotten, Herr Kreisschulinspector Karg von Schotten zum Kreisschulinspector für den Kreis Bensheim ernannt worden. — Erledigte Stellen für Militärauwärter im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen, zwei Bahnwärter, nach bestandener Prüfung und Probezeit widerruflich, je 664 Mk. — Weltausstellungs-Notizen. Gegenwärtig wird in der Schweiz ein für die Ausstellung bestimmtes riesenhaftes Panorama der Alpenkette hergestellt, dessen Länge 115 Meter und dessen Höhe 17 Meter beträgt, so daß 1155 Geviertmeter Leinwand mit Farben zu bedecken sind. Das Publikum wird in dem Panorama-Gebäude den Anblick der großartigen Landschaft von einem erhöhten Gestell aus genießen, letzteres ist dem Gipfel des Männlicken, eines berühmten Aussichtspunktes zwischen dem Grindelwald und dem Lauterbrunnen möglichst treu nachgebildet. Die grüne Matte des Gipfels verläuft unmerklich in den Vordergrund des Rundbildes, das aber nicht wie gewöhnlich durch plastische Gegenstände belebt ist, vielmehr besteht die Staffage aus Hirten, Kuhherden, Sennhüten, die in weiter Entfernung gedacht sind. Im Hintergrund erblickt der Zuschauer die ganze Kette der Berner und Urner Alpen, ferner die Vorberge, den Thuner und Brienzer See, die schweizerische Hochebene und ganz hinten die Jurakette mit dem Neuschateller See. Das Rundbild verspricht einen überraschenden Eindruck wegen der absoluten Naturtreue und der genauen Beobachtung der Gesetze der Luftpcrspective hervorzurufen.' Die Naturtreue ist dem Umstande zuzufchreiben, daß die sieben Künstler, welche das Werk herstellen, sich behufs dessen zwei Monate lang auf dem Männlicken (in der Höhe von 7000 Fuß) aufhielten und daselbst aus eigener Anschauung das Panorama im Kleinen entwarfen. Es sind die Maler Burnaud und H. van Muyden mit der Ausführung der Staffage und des Vordergrundes betraut, während die Herrn Baud-Bovy, Furet, Martin, Aubry und Pirchaud die Alpenkette malen. Das Bild soll bis zum 1. Juli fertig sein, worauf es in einer Riesenkiste verpackt, nach Chicago befördert wird. Darmstadt, 12. April. Zum Andenken an ihren verstorbenen Vater, den Rentner Herrn Georg Philipp Roemer, haben dessen Töchter, Frau Emilie Hickler und Frau Auguste Diefenbach dahier, dem Alice-Frauenverein für die Krankenpflege im Großherzogthum Hessen die Summe von 1000 Mk. überreicht. Darmstadt. 12. April. Die Erben des verstorbenen Rentners G. PH. Römer, Frau Commerzienrath Hickler und Frau Commerzienrath Diesenbach, «chaden der Volksküche eine Schenkung von 1000 Mk. zugewendet. Worms, 11. April. Die Stadtverwaltung soll beabsichtigen, dem Lutherdenkmal einen anderen Standpunkt zu geben- die Figuren des Denkmals sollen mit der Front nach der Kaiser Wilhelmstraße zu ausgestellt werden, dadurch würde die Hinterfront des Denkmals anstatt durch Gebäude durch Anlage und Bäume gebildet werden. Der Stadtbaumeister soll bereits einen diesbezüglichen Plan ausgearbeitet haben und sollen sich die Arbeiten aus 20000 Mk. belaufen. So wird mehreren Blättern aus Worms gemeldet. Die Wormser Zeitungen enthalten über das Project, das nicht recht glaublich erscheint, nichts. * Frankfurt a. M., 12. April. Einem hiesigen Kriegerverein wurde das Inventar, das sich in dem Vereinslocale, einer in der Brönnerstraße belegenen Wirthschast, befand, darunter die Büsten Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms, durch Gerichtsvollzieher gepfändet. * Metz, 10. April. Die Einweihung des Kaiser- Wilhelm-Denkmals dahier findet in Gegenwart de§ Kaisers am l 1. September statt. Vorher wird ein allgemeiner Feldgottesdienst abgehalten. In der darauffolgenden Woche finden die Divifions- und Corpsmanöver statt. Schlffsnachrichten. c» ,1 ?5rUr? n AprU. (Hamburg Amerikanische Packetfahrt- Actien-Gesellschast j Das Deutsche Dampfschiff „Marsala", Capitän Maaß, ist am 9. April, 8 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. Hamburg, 11. April. (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt- Actien Gesellschaft.) Das Hamburg - Newyorker Post - Dampfschiff „Venetta", Capitän Reessing, ist am 10. April, 5 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. Wöchentliche Neberficht der Sodevfälle in Gießer. 14. Woche. Vom 3. April bis 9. April 1892. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 32,81 »/«bezw. 30,29 nach AuSschl. der Ortsfremden- Kinder starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Iah : Lungentuberkulose 1 1 — _ Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 2 2 Gewaltsamer Tod 3 (1) Andere bekannte 3 (1) — — Krankheiten 7 3 4 — Summa: 13 (1) 9 (1) 4 — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an nie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswäris nach Gießen gebrachte Kranke kommen rttrchttche Anzeige« -er Stadt Gietzen Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Gründonnerstag, 14. April: vormittags 91/a Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heiliges Abendmahl. Charfreitag, 15. April: Vormittags 9‘/a Uhr: Pfarrer Dingeldey. Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst. Abends 6 Uhr: Liturgische Andacht. Pfarrer Schlosser. Ostersonntag, 17. April: Vormittags 9Vs Uhr in der Kirche: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 9'/« Uhr in brr Frirdbofscapelle: Pfarrer Sch losfer Nachmittags 2 Uhr: Psarrer Dingeldey Collecte für die Armen der Gemeinde. Ostermontag, 18. April: Vormittags 9Vi Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey. Vormittags 9‘/s Uhr in der Friedhofscapelle: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der zu con- firmirenden Gymnasiasten und Stadtschüler. Pfarrer Schlosser. Collecte für die Kirchenkasse zur Vermehrung des Capffal- vermögens der Gemeinde. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 17. bis 27. April besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Literatur und Aurrft. ' Vermischtes. * Luzern, 12. April. Das Dorf Chalais bei Siders (im Rhonethal, Canton Wallis) ist abgebrannt. Ueber 100 Gebäude sind eingeäschert. Der Brand wurde durch Kinder entzündet, die mit Feuer spielten. Hand zum Ehebunde gereicht und ihm Curt, ihr einziges Kind zugeführt- aber der Gatte war dem zarten Knaben kein guter Stiefvater gewesen. Sein rauhes, barsches Wesen flößte dem weichherzigen Kinde vom ersten Tage an Furcht ein- später verwandelte sich diese in Trotz, und dieser wieder, als der Jüngling zum selbstständigen Manne herangewachsen war, in offene Feindschaft, die selbst die innigste Liebe zur Mutter und alle Bitten dieser nicht beseitigen konnten. Der Arzt mochte wohl fühlen, daß weiteres Fragen die niedergebeugte Frau äußerst peinlich berühren würde - es war ja auck nicht seines Amtes, ein Verhör mit ihr anzustellen. Indem er sich zum Gehen anschickte, bemerkte er, daß, wie die Dinge lägen, es leider seine Pflicht wäre, den Gerichts« arzt von seiner Wahrnehmung rücksichtlich des Tobten in Kenntniß zu setzen. „Sie selbst, das ganze Haus haben ein Interesse daran, daß die Angelegenheit untersucht wird." Und als er sah, wie die Dame bei diesen Worten heftig zusammenschrak, setzte er schnell hinzu: „Beruhigen Sie sick, gnädige Frau, ich werde dafür sorgen, daß die Untersuchung möglichst im Geheimen geschieht. Emen Verdacht habe ich gegen Niemand in Ihrer Familie aussprechen wollen." „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, aber auch ich wünsche jetzt, Herr Doctor, daß eine gerichtliche Todtenschau stattfindet. Unser aller Ehre erfordert das," sagte die Dame in ernstem, festem Tone. „Dars ich erfahren, was an dem Todten Ihren Verdacht erregt hat?" Der junge Mann wich dieser Frage geschickt aus, indem er sagte, daß er dem Gutachten der Gerichtsärzte nicht vorgreisen möchte- es sei ja immerhin möglich, daß er sich irre. Dann empfahl er sich schnell mit einigen höflichen und tröstenden Worten. (Fortsetzung folgt.) - Bechholds Handlexikon der Rainrwiffenschaften «Nd Medici«, bearbeitet von A. Velde, Dr. W. Schaut, Dr. G. Putvermacher, Dr. L. Mehler, Dr. V. Loewenthal, Dr. C. Eckstein, Dr. I. Bechhold und G. Arends. (Verlag von H. Bechhold, Fiank- furt a. M.) Wir erhielten die Lieferungen 7 bis 9. Das Werk »rsetzt eine ganze Bibliothek naturwissenschaftlicher und medicinifcher Literatur; dank der geschickten, durchsichtigen Anordnung ist es möglich, eine solche Fülle von Material in so gedrängter Form zu bieten. Niemals ist uns der enge Zusammenhang von Naturwissenschaften und Medicin, sowie der einzelnen Disciplinen untereinander, mehr zum Bewußtsein gekommen, als bei Durcksicht dieses Werkes und kein anderes Buch kann durch den erdrückenden Beweis der That- sachen klarer als dieses zeigen, daß ein Fortschritt in der Wissenschaft auch einen solchen in Industrie und Technik bedeutet. Für den praclischen Gebrauch ist das Werk deshalb besonders empfehlenswert^, weil man unter jedem Stichwort das Grwünschle findet oder auf die richtige Fährte gewiesen wird. Für die Verfasser waren immer die Gesichtspunkte leitend: Was ist wissenSwerth? Wodurch ist der Gegenstand interessant oder wichtig? Wird von einem Jnsect gesprochen, so wird immer mttgetheilt, wodurch es schädlich oder nützlich ist, welche Mittel man zu seiner Vertilgung kennt rc., bei Besprechung einer Krankheit findet man Ursachen und Symptome eingehend beschrieben, bei industriellen Erzeugnissen ist Fabrikation und Verwerth- barkeit auf das Uebersichtlichste dargestellt, wissenschaftliche vnd theoretische Geaenftände sind in einer für Jeden verständlichen Form gegeben. Daß ein solches Werk die neuesten Entveckungm und Erfindungen mit besonderer Sorgfalt behandelt, ist selbstverständlich. Wlr empfehlen das „Handlexikon" aufs beste. 50000 Liter Wasser! Eingegangen: 49 004 Liter! Wir rechnen auf die treue Liebe unserer Wafferscköpfer, daß dieselben bis ans Ende ausharren werden! Vor dem Ueberfließen braucht Niemand bange zu sein, — der Ausbau und die innere Einrichtung unseres Wasserhofes für 20 epileptische Kranke und ihr Unterhalt wird in vielem Jahie allein 10000 Mk. kosten. — Auch gedenken wir am 26. Juni d. I. das 25iährige Jubelfest unserer Colonie für Epileptische zu feiern und möchten als Jubiläumsgabe gern 80 epileptischen kleinen blödsinnigen Mädchen ihre neue Heimath „Klein - Bet del" schuldenfrei schenken. Sollten hietfür einige Liter übe,fließen, würden wir innig dankbar fein! Bethel bei Bielefeld, 9. Ap'tl 1892. v. Bodelschwingh, Pastor. Grohe Partien und Eheviot, sowie fertige Herren- und Knab.nanzüge, Confirmandenanchge, Ueberzieher, Havelocks rc. werden zu außer- gewShnlich billigen Preisen verkauft bei tiebr. Stamm, Markt und SchulstraßewEcke. (1405 Anfertigung nach Maß in bester und billigster Ausführung