Nr. 266 Erstes Blatt. Sonntag den 13. November D« W*** erscheint täglich, ■U Lu-uahme bei MoutagZ. Die Gießener •erben dem Anzeiger Wöchentlich bni»el bdgdegt Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. 1892 Biertelphriger JWawiecebyrdll 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 PsG. Redaktion, Expedition und Druckerei: Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen. Annahme los Anzeigen zu der Nachmittags für ben folgenden Lag erscheinenden Nummer dis vor». 10 Uhr. Hratisöeilage: Hießener Jamitienötätter. Alle Annoncen-Vureaux des In- nutz AuAlnubeS nehmen Anzeigen für ben ^Gießener Anzeiger^ entgegen. 2tmtlieber Theil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 der Reichsgesetze» vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittrmarttpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat October 1892 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen: Hafer 16.80, Heu 10.50, Stroh Jt 5.80. Gießen, den 10. November 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _______________________I- V.: Jost.______________________ Bekanntmachung, betreffend die Ausführung des Reichsgesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. In Gemäßheit des rubr. Gesetzes vom 15. Juni 1883 und 10. April 1892 haben wir nach Anhörung der Gemeindevorstände den Betrag des ortsüblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagearbeiter mit Wirkung vom 1. Januar 1893 an wie folgt festgesetzt: 1) für die Stadt Gießen, die Gemeinden Garbenteich, Großen-Linden, Grüningen, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Lollar, Watzenborn mit Steinberg für erwachsene männliche Arbeiter 1 Mk. 80 Pfg., für erwachsene weibliche Arbeiter 1 Mk. 10 Pfg., für jugendliche männliche Arbeiter 90 Pfg., für jugendliche weibliche Arbeiter 80 Pfg.; 2) für die übrigen Gemeinden des Kreises für erwachsene männliche Arbeiter 1 Mk. 60 Pfg., für erwachsene weibliche Arbeiter 1 Mk., für jugendliche männliche Arbeiter 80 Pfg., für jugendliche weibliche Arbeiter 70 Pfg. Die hier festgestellten Löhne bilden den Maßstab, nach welchem bei der Gemeindekrankenversicherung (§ 4 des Ges.) das Krankengeld (§ 6) und der Versicherungsbeiträge (§ 9), und bei den eingeschriebenen und sonstigen Hülfskaffen ohne Beitrittszwang (§ 75), wenn deren Mitglieder von der Verpflichtung zum Beitritt zur Gemeindekrankenversicherung oder einer anderen nach Maßgabe des Gesetzes errichteten Krankenkasse, mit Ausnahme der Knappschaftskassen, entbunden werden sollen, das Krankengeld zu berechnen ist, sowie den Maßstab zur Beurtheilung der Versicherungspflicht von Personen bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung (§ 4 des Ges. vom 22. Juni 1889), der Erwerbsunfähigkeit von Personen 9) und zur Berechnung der Lohnklaffen (nach § 21 pos. 5 des Ges. vom 22. Juni 1889). Gießen, den 10. November 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v. Gagern.___________________ Gießen, 10. November 1892. Betr.: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie, soweit sie Ihre Gemeinden angeht, auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen und hiernach das aus der Gemeindekrankenversicherungskasse zu entrichtende Krankengeld und die Versicherungsbeiträge der Mitglieder dieser Kaffen (1V2 °/e des ortsüblichen Tagelohns) neu berechnen und den Rechner der Gemeindekrankenversicherung anweisen, nach dieser Berechnung vom 1. Januar 1893 an die Mitgliederbeiträge zu erheben und das Krankengeld auszuzahlen. v. Gaqern. Die Grotzh. Bürgermeistereien Albach, Climbach, Lauter, Lindenstruth, Lumda, Ober - Bessingen, Queckborn, Rödgen, Steinheim, Trohe und Watzenborn werden an die umgehende Einsendung der Sterbzählkarten und Todeszeugniffe von den Monaten September und October d. I. erinnert. Gießen, den 11. November 1892. Großherzogliches Kreisgesundheitsamt. , Locales rind provinzielles. Gießen, 12. November 1892. — In kommender Woche wird in unserer Stadt, wie es bereits im übrigen Lande und in ganz Deutschland geschehen ist, eine Collecte für das Rauhe Haus in Horn bei Hamburg erhoben werden. Da diese Anstalt und ihre Bedeutung unter uns nicht genügend bekannt sein dürfte, so werden vielleicht einige kurze Mittheilungen darüber willkommen sein. Das Rauhe Haus — so genannt nach dem früheren Besitzer der kleinen strohbedeckten Hütte, in der die Anstalt ihren Anfang nahm, Rüge, oder hochdeutsch: Rauhe — ist vor allem eine großartige Rettungs- und Erziehungsanstalt für verwahrloste oder doch sittlich gefährdete Kinder. Nach dem letzten Bericht waren darin 204 Kinder untergebracht. Ist dies schon an sich eine sehr große Zahl, zu deren Unterbringung und Erziehung weite Räume und ein zahlreiches Personal erforderlich sind, so kommen noch Umstände hinzu, wodurch die Anforderungen an die Anstalt erheblich vermehrt werden. Um nämlich den Zöglingen eine besonders sorgfältige und auf ihre Eigenart eingehende Behandlung, wie sie nur im kleineren Kreise der Familie möglich ist, angedeihen lassen zu können, sind sie in Familien von je zwölf Kindern eingetheilt, von denen jede unter einem besonderen Hausvater in einem eigenen, von einem Garten umgebenen Häuschen wohnt. Sodann ist mit dem Rauhen Hause noch ein besonderes Pensionat für solche, die sich aus eine höhere Laufbahn vorbereiten wollen, und zu deren Unterricht ein Progymnasium und eine höhere Bürgerschule, verbunden. Allein an diesen beiden Schulen wirken 14 ordentliche Lehrer. Um auch solchen, die bereits aus der Schule entlassen sind, Aufnahme zu gewähren, ist eine besondere Lehrlingsanstalt eingerichtet, in der 80 Lehrlinge in Schlosserei, Tischlerei, Schneiderei, Schuhmacherei oder Druckerei unterrichtet werden. So zerfällt das Rauhe Haus eigentlich in eine ganze Reihe von Anstalten, und macht fast mehr den Eindruck eines kleinen Dorfes, als einer Anstalt. Und wer nun gar das fröhliche Leben und Treiben, das dort herrscht, beobachtet, wie die Knaben unter frohem Gesang so munter bei der Arbeit sind, wie sie stramm turnen und exerciren, und am Abend so lustig vor ihren Familienhäusern spielen, der möchte es kaum glauben, daß er sich in einer Rettungsanstalt befände. Denn nicht durch die Strenge feiner Zucht, sondern durch den von feinem Gründer, dem edlen Dr. Johann Heinrich Wichern ererbten Geist der erbarmenden Liebe verdankt das Rauhe Haus feine großen Erfolge, durch die es aus jener kleinen Hütte, in die im Jahre 1833 Wichern mit feiner Mutter und 3 Zöglingen einzog, zu einem so großen Werk ausgewachsen ist. Aber seine Bedeutung liegt in noch etwas anderem. Wichern, der Begründer des Rauhen Hauses, ist der eigentliche Vater der großen vielgestaltigen Liebes- und Rettungsarbeit in der evangelischen Kirche, die man unter dem Namen der „Inneren Mission" begreift, geworden. Mit einem wunderbaren Weit- und Tiefblick der Liebe hat er die schweren Nothstände aus allen Gebieten aufgedeckt und die Wege zur Abhilfe gewiesen, und noch heute kehren wir immer wieder zu den Gedanken und Rathschlägen dieses prophetischen Geistes zurück. Eine Hauptfrage für ihn war es, für die mannigfaltigen Aufgaben und Anstalten der inneren Mission die nöthigen berufenen Feuilleton. Drr schwarze Kasten. Von Friedrich Meister. (2. Fortsetzung). Wir fanden' die Verschwörer nach einigem Suchen ganz allein im sogenannten Rauchzimmer, einem kleinen Cajüten- verschlage ganz im Hintertheil des Schtffes. Sie saßen am Tische und spielten Karten. Wir nahmen ihnen gegenüber Platz und thaten möglichst unbefangen. Sie schienen uns gar nicht zu beachten. Nach einigen Minuten warf Flannigan seine Karten unwillig aus den Tisch. „Da spiele der Teufel weiter!" ries er. „Solch ein Pech!" Müller strich lächelnd seinen Gewinn ein. „Reg Dich nur nicht auf," sagte er. „Heute Abend wirds uns beiden aus ein paar Dollars mehr oder weniger nicht mehr ankommen." Ich erstarrte bei dieser kecken Aeußerung, that aber, als hätte ich gar nicht darauf geachtet, denn ich fühlte Flan- niganS stechenden Blick auf mir ruhen. Er flüsterte seinem Gefährten etwas ins Ohr. „Ach was, Unsinn!" antwortete der Dicke. „Warum soll ich hier nicht reden, was mir gefällt? Allzu große Vorsicht kann noch eher alles verderben!" „Du willst wohl zurücktreten?" zischte der Ire. „Das glaubst Du ja selber nicht," versetzte der andere ganz laut. „Wenn ich etwas unternommen habe, dann führe ichs auch aus, das weißt Du sehr gut. Mit dummen Redensarten lasse ich mir nicht kommen. Ich habe ebenso viel Interesse an dem Gelingen unseres PlaneS als Du — vielleicht noch mehr." Müller hatte sich in Zorn hineingeredet und paffte grimmig an seiner Cigarre. Die Blicke Flannigans wan- derten zwischen seinem Spießgesellen und mir hin und her. Ich wußte, daß ich mich in der Gegenwart eines Desperados befand, der zu allem fähig war- ein Zucken meiner Wimpern, und etn Dolch faß mir zwischen den Rippen. Ich bewunderte meine Selbstbeherrschung. Der Dicke saß regungslos wie eine Sphinx. Endlich blickte er auf und warf den Stummel feiner Cigarre in den Spucknapf. Er sah seinen Gefährten an und dann mich. „Können Sie mir vielleiche sagen, mein Herr," begann er, „wann die erste Nachricht von der „Alemannia" wieder in den Vereinigten Staaten sein wird?" Jetzt glotzten beide Verschwörer mich an. Mein Gesicht mochte noch etwas bleicher werden, meine Stimme aber war klar und fest, als ich antwortete: „Ich meine, daß man von Southampton hinüberkabeln wird, wenn das Schiff dort einläuft." „Hahaha!" lachte der Dicke. „Ich dachte mir, daß Sie das sagen würden. Du brauchst mich unter dem Tisch gar nicht so anzustoßen, Flannigan! Ich weiß, was ich thue. Nein, mein lieber Herr, Sie irren sich." „Die erste Nachricht kann auch von einem der Schiffe kommen, die uns begegnen," bemerkte Paul Remling. „Auch das nicht," sagte der Dicke. „Warum nicht?" warf ich ein. „Weil, schneller als alles dies, eine geheimnißvolle Kraft in Wirkung treten und unseren Verbleib signalisiren wird — und zwar noch ehe dieser Tag zu Ende ist." „Komm an Deck, Müller," brummte Flannigan unwillig. „Du hast zu viel von dem verdammten Porter getrunken und bist nun so schwatzhaft geworden wie ein altes Weib. Komm an Deck!" Damit packte er seinen Freund am Arme und zog mit ihm ab. „Nun?" wendete ich mich an Paul. „Was sagst Du jetzt?" „Was der lange Irländer schon gesagt hat, daß wir dem dummen Geplapper eines halb betrunkenen Menschen zugehört haben." „Aber, Paul, wie kannst Du nur so blind fein! Hat nicht jedes Wort Dir meine Mittheilungen bestätigt?" „Nein, Heinrich. Wenn einer von uns verblendet ist, dann bist Du es. WaS denkst Du Dir zum Beispiel unter der geheimnißvollen Kraft, die plötzlich in Wirkung treten und unseren Verbleib signalisiren soll? Ist das nicht purer Blödsinn, ausgeheckt von einem alkoholumnebelten Gehirn?" „Keineswegs, Paul. Er meinte die aus dem explo- direnden Schiffe jäh aufsteigende Flammengarbe, die weit draußen in See von einem oder dem andern der amerikanischen Küstenfi'cher gesehen werden wird." „Ich hätte D-ch doch für vernünftiger gehalten, Heinrich," sagte Paul ärgerlich. „Wenn Du dem Geschwätze jedes Trunkenboldes Sinn 'unterlegen willst, dann mußt Du allerdings zu den verkehrtesten Schlüffen gelangen. Komm hinauf, Du mußt frische Lust haben. Du bist krank, und zwar nicht nur seekrank. Die Ozeanfahrt wird Dir gut thun!" „Wenn die jetzige glücklich abläuft, will ich in meinem Leben keine andere mehr unternehmen," stöhnte ich. „Laß mich nur unten, ich will in meine Kammer gehen und dort ein wenig kramen." Später, bei der um sechs Uhr stattfindenden Mittagstafel, hatte ich die Genugthuung, Flannigan mir gegenüber zu sehen. So lange ich ihn vor Augen hatte, befanden wir uns noch in Sicherheit. ES entging mir nicht, daß er dem Weine mit einer wahrhaften Gier zusprach. Sein Freund Müller saß weiter unten; derselbe aß wenig und schien unruhig und beklommen zu sein. Der Capitän erhob sein Glas. „Aus eine glückliche Fahrt, meine Damen und Herren!" riff der brave Seemann. „Mögen Sie sich, bis zur An- kiinst daheim, an Bord der „Alemania" recht wohl fühlen. Ich denke, nach acht oder neun Tagen laufen wir in die Clbe ein." (Fortsetzung folgt.) Persönlichkeiten zu schaffen. Daher hat er sehr bald daS Rauhe HauS auch zu einer Bildungsanstalt von Arbeitern für innere Mission erweitert. Darin liegt, neben aller pietätvollen Dankbarkeit, die wir dem Rauhen Hause schulden, seine bleibende Bedeutung für ganz Deutschland. Aus ihm zumeist nehmen wir die Hausväter unserer Herbergen, unserer Rettungshäuser, unsere Stadtmiffionare. 185 solche Hausväter hat es schon in Erziehungsanstalten, 186 in Herbergen, Arbeitercolonien und Armenhäuser, 95 als Aufseher und Lehrer in Strafanstalten, 92 als Stadtmissionare, 25 als Prediger nach Amerika entsandt. Auch in Hessen haben schon 14 Brüder des Rauhen Hauses gearbeitet, für 62 Knaben wurde Ausnahme begehrt, 17 konnten ausgenommen werden. Grade in den letzten Jahren haben sich die Anforderungen erheblich gesteigert. Kostspielige Terrainankäufe, Neu- und Umbauten, die ohne Schädigung der Entwickelung des Werkes nicht zu vermeiden waren, machten größere Capitalaufnahmen nöthig. Aus dieser Nothlage dem Rauhen Hause zu helfen, soll die in ganz Deutschland gesammelte Collecte dienen. Sie kehrt nicht alljährlich wieder, wie andere Collecten, sondern wird nur diesmal erhoben. Im gewöhnlichen Lauf der Dinge kann sich das Rauhe Haus theils selbst erhalten, theils wird es durch die Opferwilligkeit seiner Hamburger Freunde getragen. Von diesen kann es bei der schweren Heimsuchung, die die Hamburger Bevölkerung getroffen hat, gegenwärtig nichts erwarten. Treten wir also statt ihrer in die Liebespflicht ein, dem Rauhen Haufe, das einen wohl- begründeten Anspruch auch auf unsere Theilnahme und Dank barkeit hat, die Hände zu stärken zu gesegneter Weiterarbeit! — Warnung. Dringend gewarnt wird vor gewissenlosen Aus wand er ungs- Agent en , die in Nord- und Mitteldeutschland ihr Wesen treiben und besonders junge Mädchen zur Auswanderung zu verleiten suchen, indem sie ihnen in der Weltausstellungsstadt Chicago lohnende Stellen versprechen. Was von solchen Versprechungen zu halten ist, weiß man. — Kann bei Nachbestelluug derselben Waare auch derselbe Preis verlangt werden? Ueber diesen Punkt gibls im Geschästsleben häufig Streit. Der Modewaarenhändler I. machte bei der Firma R. eine Bestellung wie folgt: „Bitte, senden Sie mir die nachstehend verzeichneten Roben, wie ich sie bereits von Ihnen bezog" (folgt Verzeichniß). Die Maaren kamen an, waren aber ungefähr 20 pCt. höher als früher berechnet. I. reclamirte und zog einfach bei Zahlung diese Preisdifferenz ab. R. erhob Einwand. Als nach zwei Jahren I. seine Verbindung mit R. abgebrochen, klagte R. auf diese Differenz von 400 Mk. I. wurde, obgleich er entgegnete, das „wie" in seiner Bestellung bezöge sich auf alle Eigenschaften, auch auf den- Preis der Waare, zur Zahlung verurtheilt. Das Gericht erklärte, der Preis sei keineswegs als eine Eigenschaft der Waare zu betrachten, die Waare bleibe dieselbe, auch bei anderem Preise. Vermischtes. * Gelegentlich des Lutherfestes in Wittenberg ist der Nachkomme des großen Reformators, Pastor Luther in Pilsen bei Kötschau nicht allein von Sr. Maj. dem Kaiser mit dem Rothen Adlerorden IV. Klaffe decorirt worden, sondern ist beim Frühstück auch zu derjenigen Tafel herangezogen worden, an welcher der Kaiser mit den Fürsten und höchsten Würdenträgern selbst speiste. Man muß hierin daS schöne Bestreben des Kaisers erkennen, daS Andenken Dr. Martin Luthers nach jeder Richtung hin, so viel es in seiner Macht steht, zu ehren. * Verdauung und Verdaulichkeit. H- Croce entnahm nach der Mahlzeit sich mittelst Magensonde Proben und fand felgende Verhältnisse. Im Magen verblieben *. Aepsel 1 St. 55 Min. Kirschen, gekocht 2 ft —— ff Kirschen, roh 2 rr 15 tf Kartoffeln, gekocht 2 tt 5 tt Kartoffeln, Brei 2 ff 30 rr Blumenkohl, gekocht 2 if 20 tf Schwarzbrod 2 tr 30 tt Rettig Bisquits 2 ff 40 tr 2 ft 50 H Kohlrüben 3 rr — tt Spinat 3 ft 30 tf Schnittbohnen 3 ft 55 tt Linsen und Erbsen 3 tf — tt Rosenheim stellt folgende Tabelle über die Dauer des Ausent- Halts der Speisen im Magen auf Reis 1 St. — Min. Eier, roh Hirschfleisch, gekocht 1 tf 30 tf 1 rr 45 rt Milch, roh 1 rf — tt Brod 2 rr — tt Bohnen 2 tf 30 rt Kartoffeln 2 tf 30 tt Austern 3 tf — tt Fisch 3 n — rt Eier, weich 3 ff — tt Schweinebraten 4 — tt Rinderbraten 4 // — Schwarzbrod 4 rt — tt Kohl 5 ff — tt Eier, hart 5 ft — tt Von Individualität, Gewohnheit :c. wird überdies zweifellos die Zeit des Aufenthaltes beeinflußt werden. Die Aufenthaltsdauer von Speisen im Magen bei Zufuhr von Salzsäure, Alkohol und anderen Reizmitteln studirte A. Eichenberg ebenfalls an sich selbst mittels der Magensonde und fand, daß Zufuhr von Salzsäure stets die Verdauung um etwa 10pCt. beschleunigte, daß 'auch Zufuhr kleiner Mengen Alkohol (bis zu 50 ccm der alkoholischen Flüssigkeit) die Verdauung beschleunigte, Zufuhr größerer Mengen (1 Liter Wein oder Bier) sie weder beschleunigte, noch verlängerte, daß Zufuhr von Sens sie sehr deutlich, Pfeffer und Condurango sie nur in geringem Grade, von Rabarbertinctur sie gar nicht beschleunigte, daß Zufuhr von lJ/2 Liter Wasser sie nicht unerheblich verlängerte. Dies ist nach anderen Versuchen in noch höherem Maße bei Zufuhr von Bier der Fall. Besonders wollen wir hier noch hervorheben, daß das gesundheitsschädliche kalte Bier (6—8° C.), dessen Verabreichung verboten werden sollte, in noch höherem Maße die Verdauungsenergie herabsetzt. — Wenngleich sehr kleine Mengen Alkohol der Verdauung förderlich zu sein scheinen, so sehe man doch zu, ohne denselben fertig zu werden, um nicht in Versuchung zu kommen, immer größere Dosen zu nehmen. Die Annahme, daß 1 Liter Wein die Verdauung nicht beeinträchtigen soll, muß vorläufig mindestens bezweifelt werden. (itcratur mhö Arnist. — Jugand-Gartenlckube. Vierteljährlich 1 Mk. Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Heft 9 von Band II enthält das Gedicht „Sandmännchen"; Fortsetzung der interessanten Erzählung „DaS alte HauS" von B. Buchwald, mit feinem farbigen Bild; »Hart gebüßt", eine nordische Strandgeschtchte von 81: Groner, mit einem prächtigen Farbendruckbilde; die Erzählung „Ein Künstler" von F. v. Mtnra; Mädchenbrtese von F. Andreae; Rätbsel und Briefkasten. Außerdem zwei Tafeln wirklich entzückender Malvorlagen, die vielen gefallen werden. — Wir wüßten den Familien keine beffere, vornehmere und billigere Lectüre für die Jugend zu empfehlen. Die prachtvollen farbigen Bilder verleihen den Heften einen ganz hervor- ragenden Schmuck. — Jeder Freund guter, lehrreicher Lectüre begrüßt es mit Freuden, wenn man ihm eine gediegene Zeitschrift, die eigentlich auf keinem Famtltentische fehlen sollte, emvfieblt. Wir meinen datz rühmlichst bekannte, practische Blatt »Fürs Haus", daS sich schon viele Freunde bet Hoch und Nieder erworben hat. Neben einer großen Zahl practtscher Rathschläge für unsere HauSfraum finden wir darin kürzere und längere hübsche Erzählungen, sowie Musikbtilaaen, illustrtrte Handarbettsbetlagen und solche fürs kleine Volk. Wir können diese wöchentlich einmal erscheinende Zeitschrift daher Jedermann aufs Angelegentlichste empfehlen und zum Abonnement, welches vierteljährlich nur 1 Mk. kostet, auffordern. 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