er da nb Itl: au >ik er Je. U: lf= er ff. ht ”9 rr m i» r- i« rb m b- tr IV e ch in s e it r, te n. it te st id n s ir 'S ib S fr V r n It t» c r, i- r d T n s n t t e. s r n Ö r. । r b r Rr. 88 1892 Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen. Hratisöeitage: Hießener Jamitienötätter Alle Annoncm-Vureaux de» In. und LuSlandr» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Vierteljähriger AVonnementspreiS» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchntstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Locales und provinzielles. Gießen. 12. April 1892. Unterstützung der Familien der zu Uebungea einberufene« Mannschaften. Daß die verbündeten Regierungen sich für tiic Annahme des bez. Gesetzes ausgesprochen haben, sott einer nachdrücklichen Besürwortung desielben seitens des Reichs- kanzlerS Grasen Caprivi zu verdanken sein. Fortan erhalten nach dem Gesetze die Familien der aus der Reserve, Landwehr oder Seewehr zu Friedensübungen und der aus der — Die bevorstehende Feier des 25jährigen Jubiläums der Krönung des Kaisers Franz Joseph zum König von Ungarn dürfte sich zu einem hochsest- ltchen Ereignisse gestalten. In Pest trifft man hierzu be- reits umfassende Vorbereitungen, während anderseits aus diesem Anlasse umsassende Gnadenbeweise des erlauchten Jubilars erwartet werden. Vermuthlich wird die Krönungsjubiläumsfeier in der ungarischen Hauptstadt den Herren Czechen Veranlaffung geben, nun wieder ihr Steckenpferd der Krönung Franz Josephs zum König von Böhmen zu reiten. 2lmtlid?cr Theil. Bekanntmachung. VI, Ed hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß «e nach §6 de« Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die bic bewaffnete Macht im Frieden ennittelten DurchschmttSmarktpreise. einschließlich eine« Aufschlag« von Fünf vom Hundert, pro Monat März 1892 Tur den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen; Hafer JL 15.60, Heu JL 5.80, Stroh JC. 4.20. Gießen, den 11. April 1892. Grobherzoglicher Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, da« Mitnehmen von Hunden in Felder und Wälder betreffend. Nachdem die Wahrnehmung gemacht worden ist. daß die Bestimmungen über das freie Umherlaufenlaffen von Hunden in Feldern und Wäldern vielfach unberücksichtigt gelaffen werden und daß die« besonders häufig Seitens der Land- wirthe geschieht, welche zur Feldarbeit ihre Hunde mitnehmen und ste dann zum Schaden der Jagd umherstreifen lassen, sehen wir uns veranlaßt, ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß dies strafbar und daß an die Polizeiorgane Weisung ergangen ist, Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Gießen, den 11. April 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Lüneburg, 11. April. Ueber 700 Hectar Wald bei Rieback im Landkreis Celle sind gestern niedergebrannt. Bochum, 11. April. Eine in Gelsenkirchen abgehaltene Bergarbeiter-Versammlung kritisirte die Berggesetznovelle, sic enthalte nur Rechte für die Arbeitgeber und keine Bestimmung über die Arbeitsdauer. Es sei nothwendig, einen Normalarbeitstag festzusetzen. Es erfolgt eine Eingabe an den Landtag. Stuttgart, 11. April. Der König verlieh dem Fürsten von Dsenburg das Großkreuz des Ordens der württem- bergischen Krone. Stuttgart, 11. April. In Sontheim ist das Haus des Bäckers Gscheidle abgebrannt- ein Mann verbrannte. Wien, 11. April. Bei den diesjährigen größeren Manövern werden die Truppen zum ersten Male mit Preßbrod, Fleischzwieback und Suppenconserven verpstegt. Wie«, 11. April. Die Umgebung des Herzogs von Cumberland bestätigt die Nachricht von einer Fortsetzung des Briefwechsels zwischen dem Herzog von Cumberland und dem deutschen Kaiser, bestreitet aber, daß ersterer dte vorher gemachten Zugeständnisse eingeschränkt habe. Wien, 11. April. Die Kriegsverwaltung wird bei den Delegationen die Forderung zweier neuer Cavallerie- Regimenter stellen und aus Erhöhung des Mannschaftsstandes der Infanterie auf 100 per Compagnie beharren. Paris, 11. April. Die Budgetcommission bewilligte dir Credite für Dahomey, erklärte sich aber gegen die Colonialpolitik der Regierung. Paris, 11. April. Ein Sack, enthaltend mehrere Bomben und Granaten, wurde bei der Kaserne der Invaliden gefunden. Nkwyork, 11. April. Große Quantitäten Weizen werden von Chicago ostwärts über die großen Landseen verladen, um 'eine Ermäßigung der Eisenbahnfrachten zu erzielen. — Die noch immer uncontrolirbaren Meldungen über die neue Militärvorlage, welche dem Reichstage in I seiner nächsten Session zugehen soll, haben weitere Gerüchte über eine in naher Zeit in Aussicht genommene völlige Um- I Salzung m den deutschen Wehrpflichtgesetzen gezeitigt. Von Berliner halbamtlicher Seite aus wird aber 'dem gegenüber I versichert, daß sich nichts ereignet habe, was zu einer solchen I ^nahme berechtigen könnte, daß sich im Gegentheile die I maßgebenden Stellen seit der bekannten Erklärung des Reichs- I Kanzlers in der Reichstagssitzung vom 27. November 1891 I hinsichtlich einer durchgreifenden Armee-Reorganisation voll- I ständige Zurückhaltung auferlegt hätten. Allerdings wird I dann zugegeben, daß in den Kreisen der verbündeten Regie- I rungen schon Erwägungen über eine solche Reform, speciell I hlnsichtlich der Einführung der zweijährigen Dienstzeit, statt- I gefunden haben, indessen betonen diese offiziösen Darlegungen I zugleich, daß das Stadium der betreffenden Versuche und I Vorberathungen noch keineswegs bereits überwunden sei. I Schließlich heißt es sehr deutlich, daß, wenn seitens der poli- I Echen Parteien eine Militärresorm gewünscht werde, dieselben I dann auch die Mittel hierzu bewilligen müßten. I — Nachdem jetzt die Ermittelungen betreffs der neuen I Einkommensteuer in Preußen im Allgemeinen ab- I geschlossen sind, steht die Inangriffnahme der Arbeiten zur I Fortführung der Steuerreform und Vorbereitung der bezüg- I ^.cheu Vorlagen für die nächste Landtagssession seitens des Finanzministeriums zu erwarten. Es handelt sich, wie erinnerlich, um die Umgestaltung der Grund- und Gebäudesteuer, um die Reform des Communalsteuerwesens und um die unterschiedliche Besteuerung des sundirten und unsundirten 1 Einkommens. Man darf annehmen, daß der Wunsch, der- artig große, alle Kreise berührende Gesetzentwürfe vor ihrer Einbringung im Landtage zur öffentlichen Discussion gestellt zu sehen, auch diesmal Berücksichtigung finden wird. — Vor dem UlmerSchwurgericht fand am vorigen Freitag und Samstag eine überaus sensationelle Verhandlung m Sachen von Rekrutenmißhandlungen statt. Dieselben sind bei dem württembergischen Dragoner-Regiment Nr. 26 aus Befehl des Rittmeisters Lauenstein verübt worden. Die Anklage, die Mißhandlungen begangen zu haben, richtete sich gegen fünf Reservisten genannten Regiments. Der Gerichtshof lehnte es bei Beginn der Verhandlung ab, den mitanwesenden Rittmeister Lauenstein zu vereidigen. Lauenstein suchte zu leugnen, daß er den Befehl zu den Mißhandlungen ertheilt habe, es wurde ihm aber das gerade Gegentheil nachgewiesen; als er den Sitzungssaal verließ, wurde er vom Publikum ausgepfiffen. Der Vertheidiger der Angeklagten, Friedrich Haußmann, schloß seine wirkungsvolle Rede vom Samstag mit den Worten: „Der wahre Schuldige saß nicht unter den Angeklagten, sondern aus der Zeugenbank," was den stürmischen Beifall der Gallerien zur Folge hatte. Schließlich sprach der Gerichtshof sämmtliche Angeklagte frei, worauf der Präsident mittheilte, die militärische Untersuchung gegen Rittmeister Lauenstein werde sofort ausgenommen werden. Üactyrieten. Öolffä telegraphische» Lorresponbenz-Burean. Berlin, 11. April. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser beauftragte den Staatssecretär Hanauer mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in der Reichsjustizverwaltung. 0 Berlin, 11. April. Eine Privatmeldung des „Berliner Tageblatts" nennt als die KoScielecer Attentäter den Töpfergesellen Grzeszkiewicz aus Pilacteski, ferner einen ae- wlssen Pietrowski, der sich kürzlich in Berlin aufgehalten habe. Berlin, 11. April. Zu dem Attentat auf den Decan Pontnski meldet der „Localanzeiger" Folgendes: Die Spuren der Verbrecher führen nach Skifeenfee bei Berlin. Sei einer Haussuchung in der Wohnung des Tischlergesellen j von Zakowski wurde ein polnischer Brief gefunden, nach | welchem Zakowski zu den Attentätern gehörte. Derselbe ' wird seit drei Tagen vor dem Attentate bermifet; die Frau ! unb zwei Töchter wurden verhaftet. Der als Attentäter Der >e|d»CT erscheint täglich, eit Ausnahme be» Montag». Die Gießener P«mttie« »kälter werden dem Anzeiger wAchentlich dreimal beigelegt. mitgenannte Pilatowski wohnte bis März ebensall- in Skifeenfee. . Leipzig, 11. April. Die vom geschästssührenden Aus- schufe berufene außerordentliche General - Versammlung des Deutschen Schriftsteller-Verbandes fand gestern hier im „Hotel de Pruffe" statt unb war von ungefähr 30 Mitgliedern, welche gegen 170 Stimmen vertraten, besucht. Paris, 11. April. Die gestern eingeschifften 300 Mann der Marine-Infanterie erhielten den Befehl, nach Bordeaux zurückzukehren, da die Schutztruppen im Senegal zu der Expedition in Dahomey ausreichten. Petersburg, 11. April. Die Frage der Aufhebung der Getreideaussuhrverbote ist verschoben worden bis zur völligen Sicherstellung der Aussichten betreffs der neuen Ernte. Chicago, 11. April. Eine Arbeiterkundgebunq, an der sich an 20,000 Personen betheiligen dürsten, wird beabsichtigt. Der Centralausschuß erließ ein anarchistisch angehauchtes Rundschreiben in deutscher und englischer Sprache an die Arbeiter. Diese werden aufgefordert, die Solidarität ihrer Vereinigung zu bekunden. Es wird erklärt, die diesjährige Kundgebung habe einen zweifachen Zweck: die Sache des Achtstundentages und einen Protest gegen die Bedrückung der Chicagoer Arbeiter durch die Polizei. Devefchen deS „Bureau Herold*. Berlin, 11. April. Nach der „Kreuz-Ztg." wird sich der rumänische Thronfolger Ferdinand mit der Prinzessin Maria Alexandra von Großbritannien verloben. Berlin, 11. April. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." trifft die Königin der Niederlande voraussichtlich am 9. Mai in Berlin ein. Berlin, 12. April. Nach der „Voff. Ztg." wurde sämrnt- Uchen m Serbien befindlichen bulgarischen Emigranten, Rizow an der Spitze, gestern die Ausweisung zugestellt. leisen heute mit einem serbischen Regierungsdampfer nach Deligrad donauabwärts. Nur Rizow hatte einen russischen Paß. " Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Trais-Horloff und Langsdorf. s . -W*1" di- in einem Gehöft zu Trais-Horloff und in ‘Wften zu Langsdorf ausgebrochen gewesene Maul- mtd Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben. Ließen, den 12. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _________v. Ga gern. x rr /■ m Gießen, den 11. April 1892. Betreffend: den Wieiengang. Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen « die Grotzh. Bürgermeistereien de- »reise-. Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 10. v. M. — Anzeiger Nr. 62 noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an sofortige Erledigung. v. Gagern. m rp t _ Gießen, 11. April 1892. Betreffend: Wie oben. Das Gwßherzogliche Kreisamt Gießen an bic G oftherzogl. Bügermeistereien, Polizeibehörden und Gendarmerie des Kreises. Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung be- ruftragen mir Sie, Uebertretungen des Art. 25 des Jagd- Uafgesetzes unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Soweit An en Feldschützen und Polizeidiener unterstellt sind, wollen Sie dieselben entsprechend bedeuten. v. Gagern. __________Mittwoch den 13. April MchmerIuzeiger Henerat-Anzeiger. Bekanntmachung, betreffend das Einhalten der Tauben zur Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, während >er Saatzeit — vom 15. April bis 15. Mai — ihre Lauben in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift muffen nach Art. 79 des Feldstrafgesetzes zur An- eige und Bestrafung gebracht werden. Gießen, den 12. April 1892. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gn a u t h. Deutsche» Reich. Berlin, 10. April. Der Kaiser von Oesterreich rof am Sonntag früh in München zu einem mehrtägigen ksucke der bayerischen Königssamilie ein. Soweit bekannt, edenkt Kaiser Franz Joseph am Mittwoch Abend die Rück- eift nach Wien anzutreten. Ersatzreservc für die zweite und dritte Hebung einberufenen Mannschaften aus Verlangen und ohne den Nachweis der Bedürftigkeit auS öffentlichen Reichsmitteln Unterstützungen, die weder verpfändet noch an Dritte abgetreten werden können. Die täglichen Unterstützungen sollen betragen für die Ehefrau eines Eingezogenen 30 Procent des ortsüblichen Tagelohnes, jedes weitere unterstützungsberechtigte Familienglied (unerwachsene Kinder, alte Eltern u. s. w.) erhält 10 Procenl des ortsüblichen Tagelohnes. Im Ganzen soll eine Familie zusammen nicht mehr als 60 Procent des Tagelohnes erhalten. Beträgt z. B. der ortsübliche Tagelohn 2 Mark, und besteht eine Familie aus der Frau, zwei un* erwachsenen Kindern und der alten Mutter, so erhält die Familie täglich 1 Mark 20 Psg. Die Regierung hatte für die Ehefrau in den Sommermonaten 20 Pfennige, in den Wintermonaten 30 Pfennige und für jede unterstützungsberechtigte Person 10 Pfennige täglich vorgeschlagen. Der Reichstag hat also eine bedeutende Erhöhung und eine viel gerechtere Bemessung durchgefetzt, indem er Proccnte vom Tagelohn statt eines stehenden Geldbetrages sestsetzte, denn wo der Tagelohn hoch ist, da ist in der Regel auch der Lebensunterhalt theuer. — Bei der Heffen Naffauischen Baugewerks Berussgenoffeu. schäft wurden im Monat Februar 111 Unfälle,, darunter 4 Todesfälle, gemeldet, gegen 74 Unfälle mit 2 Todesfällen im Februar 1891. Die meisten Unfälle geschahen im Baugeschäfte, nämlich 43 (mit 2 Todesfällen), im Maurergeschäfte, nämlich 24, und im Zimmerergeschäfte, 16. Die 2 übrigen Todesfälle betrafen das Sleinhauer- und das Spenglergeschäst. -n- Lollar, 11. April. Heute Mittag 12^ Uhr entstand auf der Staatsstraße eine sogen. Wind- resp. Sandhose. Dieselbe hatte an der Basis ca. 2 Fuß Durchmesser- in halber Haushöhe verringerte sich derselbe bis zu scheinbar 1 Fuß. Bis hierher hatte die Sandhose eine senkrechte Richtung, der weiteranschließende Theil war nach Osten zu gerichtet, ca. 40 Fuß lang und Va Fuß stark. Als die Sandhose das entgegenftehende Haus erreichte und von demselben gebrochen war, zerfiel die Erscheinung successive, indem abthellungsweise der Staub und Sand zu Boden fielen. So war am Schluß der kaum ein bis zwei Minuten dauernden Erscheinung der untere Theil der Sandhose erloschen, während daS obere Drittel noch vorhanden und sichtbar war. Die Erscheinung war mit keinerlei Geräusch verbunden- die Lust, wie heute allgemein, mäßig leicht bewegt. Ein durch die Sandhose mit emporgenommenes Papier fiel nicht direct zur Erde, sondern stieg höher und höher und entschwand, langsam nach Westen ziehend, in großer Höhe ganz dem Auge. x Utphe, 8. April. Heute wurde durch Herrn Pro- vinzialdirector v. Gagern unser neugewählter Bürgermeister Herr August Schneider verpflichtet und in sein Amt eingewiesen. X. Trais-Horloff, 10. April. Durch unseren Landtagsabgeordneten Herrn Theobald wurde ein Zusatz-Antrag zum hessischen Berggesetz bei der zweiten Kammer beantragt. Hier sieht man mit Spannung diesem Antrag entgegen, da derselbe die Interessen aller Bewohner unserer Gegend in hohem Grade berührt. Möchte derselbe die Unterstützung der Herren Abgeordneten finden. Friedberg, 9. April. Gestern starb in dem benachbarten Fauerbach der in weilen Kreisen bekannte langjährige dortige Geistliche Herr Pfarrer Borna gins im 89. Lebensjahr. Der Verstorbene war allgemein beliebt und hochgeehrt. Das Schicksal hatte ihm schwere Schläge zugesügt, indem alle seine hoffnungsvollen Söhne im Jünglingsalter starben. Lardenbach, 7. April. Sehet zu, daß Kinder kein Feuerzeug bekommen! Gestern begab sich eine hiesige Frau mit Hinterlassung ihres etwa drei Jahre alten Kindes aus ihrer Wohnung. Dieses Kind entwendete in Gesellschaft eines andern Feuerzeug, woraus beide sich in einen mit Reisig gefüllten Schuppen begaben, und daselbst ein Streichholz entzündeten. Glücklicher Weise wurden sie, noch ehe weiteres Unheil entstehen konnte, von einem vierzehnjährigen Mädchen erwischt. Mit der Erklärung, sie hätten Kaffee kochen wollen, gingen beide weiter und setzten bald nachher die Miststätte eines hiesigen Landwirths in Brand, der von daherkommenden Leuten sogleich gelöscht wurde. Offenbach, 9. April. Der hiesige Ortsgesundheits- -rath hielt gestern Abend unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Brink eine Sitzung ab. Außer den nach der Tagesordnung zur Berathung gelangten Punkten, die den Erlaß verschiedener gesundheitspolizeilicher Verordnungen, das Abfuhrwesen u. s. w. betrafen, beschäftigte sich der Orts- gesundheitsrath auch mit der Frage des Beziehens neuer Wohnungen. Selbstredend handelt es sich besonders um kleinere Wohnungen, um solche unbemittelter Leute. Es soll nämlich vermieden werden, daß Wohnungen, die z. B. erst im Spätherbst sertiggestellt wurden und nicht zur Ueber- tointerung kommen, bezogen werden, bevor sie von einer sachverständigen Commission genau besichtigt und als der menschlichen Gesundheit nicht schädlich erklärt worden sind, wobei das Hauptaugenmerk auf etwaige Feuchtigkeit der Wände zu richten wäre. Der Gesundheitsrath beschloß, die Angelegenheit in der nächsten Sitzung cnbgtttig zu regeln. x Vermischtes. * Frankfurt a. M., 12. April. Wilhelm Jordans brei- actiges Schauspiel „Liebe was du lieben kannst" erzielte bei seiner gestrigen Erstaufführung einen von den Freunden des Dichters bereiteten Achtungserfolg. Nichts in demselben erinnert an den Autor des feinsinnigen Lustspiels „Durchs Ohr", nur die mehr als genügend angewandten Verse zeigen manchmal die Bersgewandheit des alten Rhap foben. Die vorzügliche Aufführung wußte öfters über bte Mängel bes Stückes hinwegzutäuschen. Der gerufene Dichter ließ sich als „am Erscheinen behinbert" entschulbigen unb durch den Regisseur für die „Antheilnahme bestens danken". * Frankenberg, 8. April. Bekanntlich hat im vorigen Sommer der Eisenbahnschaffner Eikelmgnn ein Kind aus der hochangeschwollenen Wettschaft dadurch gerettet, daß er aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge sprang und das in der Wettschaft treibende, dem Tode nahe Kind aus dem Wasser holte. Jetzt hat diese mit Muth unb Entschlossenheit auSgeführte That ihre Anerkennung baburch gefmiben, baß bem Eikelmann bie ihm von Sr. Majestät bem Kaiser verliehene Rettungsmebaille am Banb überreicht worben ist. * Lübeck, 9. April. Eine aus mittel- unb sübbeutschen Herren bestehenbe Gesellschaft hat beschlossen, in biesem Sommer eine Expebition unter Führung bes Norbpol- sahrers Capitain Babe nach Spitzbergen zu entsenben. Das für biese Fahrt zu ^benutzenbe Schiff wirb Lübeck als Ausgangshasen benutzen. * Berlin, 9. April. Ein blutiges Familienbrama, dem vermuthlich drei Menschenleben zum Opfer fallen dürsten, hat sich heute Morgen im Norden Berlins abgespielt. Die 20jährige Tochter Minna des in Charlottenburg wohnenden Wächters Knude hatte mit dem 25jährigen Ziegler W. Uckrow ein Verhältniß unterhalten, das am dritten Osterseiertag zur Hochzeit führen sollte. Seit Kurzem war Uckrow ohne Arbeit und dies war der erste Anlaß zu einer Veruneinigung zwischen den Brautleuten. Hiezu kam, baß Mina Knude vor einiger Zeit einen ihrer früheren Anbeter, den Kutscher Otto Dietze wiedersah und diesem wieder ihre Neigung zuwandte. Obgleich die Eltern der Knude dem Uckrow versprachen, Alles auszu- bieten, um ihre Tochter umzustimmen, beruhigte er sich nicht und erklärte offen, seine ungetreue Braut erschießen zu wollen. In Folge dieser Drohungen flüchtete das junge Mädchen am Dienstag aus dem Elternhause zu ihrer in der Reinicken- dorferstraße wohnenden verheiratheten Schwester. Hierher begab sich auch Uckrow heute Morgen. Zwischen ihm und der gerade zu Besuch weilenden alten Frau Knude kam es dabei zu Auseinandersetzungen. Diese bat ihn, Berlin vorläufig zu verlaffen und später wieder anzuklopfen, sobald er eine gesicherte Lebensstellung gefunden habe. In diesem Augenblicke trat Mina Knude, die den Schluß des Gesprächs gehört hatte, in das Zimmer und äußerte: „Ja, wenn Du ordentlich bist, Wilhelm, heirathe ich Dich und nicht Dietz". Bei Nennung des Namens seines Nebenbuhlers wurde Uckrow sehr erregt und bat seine Geliebte, ihm in ein kleines Zimmer zu folgen. Kaum hatten beide diesen Raum betreten, so knallten zwei Schüsse aus einem Revolver, und das junge Mädchen stürzte blutüberströmt in das Zimmer zurück, schrie ihrer Mutter und Schwester zu: „Wilhelm hat mich in die Brust geschossen" und eilte dann auf den Corridor, um von hier aus die Treppe zu gewinnen. Hier brach sie bewußtlos zusammen. Uckrow stürzte seiner Braut nach, schoß mit den Worten: „Na Alte, da hast Du auch genug," der am Fenster händeringend stehenden alten Frau Knude eine Kugel in den Rücken und eilte dann auf den Flur, wo er feiner bereits verstorbenen Braut eine dritte Kugel durch die Brust jagte. Als die Flurnachbarinnen aus den Lärm herbeieilten, steckte Uckrow die Waffe in seinen Mund, drückte ab und fiel sofort über der Leiche seiner Braut tobt zu Boden. Die beiden Leichen wurden dem Schauhause überwiesen, während die schwerverletzte Frau Knude in die Charitee gebracht werden mußte, wo sie am Spätnachmittage noch am Leben sich befand. * Unter stürmischer Heiterkeit schloß die jüngste Sitzung des Gerneindecollegs in Würzburg. Ein Mitglied (Rechtsanwalt) hatte eine Münchener Zeitungsnotiz vorn 1. April, wonach ein französischer Chemiker und Director der Sal- petriöre (Pariser Irrenhaus) ein Mittel entdeckt hat, um Granit so weich wie Asphalt zu machen, für Ernst genommen und beantragte, event. sofort den Tiesbaurath nach München, wo am 2. April Untersuchung stattfinden sollte, zu entsenden. Man wies aber den eifrigen Stadtvater daraus hin, daß die Zeitungsnotiz lediglich ein Aprilscherz sei. * Ein neuer Giftstoff. Ein Dorfschulze berichtet an das Landrathsamt, daß dem Ortsbürger X. sämmtliche Hühner mit „Postvorschuß" vergiftet worden seien. Nachdem der Berichterstatter wegen der Seltenheit des Falles zur Erläuterung aufgeforbert worden, stellte sich heraus, daß er „Phosphorus" gemeint hatte. * Philosophische Antwort. Unter den Examinatoren der Berliner Universität waren in den Vierziger Jahren die vier Prosefforen Eck, Kot he, Diefsenbach und Wo Iss wegen ihrer Strenge gefürchtet. Damals war den Studenten folgendes Berschen bekannt: Kommst Du glücklich um die Ecken, Bleibst Du nicht im Koihe stecken, Fällst Du nicht in 'n Diesten Bach, Frißt Dich doch der Wollff noch nach. Als dem Proseffor Wollff (t 1878) einmal das Derschen zu Ohren kam, bemerkte er in seiner trockenen Weise dazu: „Der Wolf srißt nur Schafe." * Zerstreut. Richter (zu einem wegen Bigamie Angeklagten): „Angeklagter, sind Sie verheirathet?"________ Itnivcrfitäts - Nachrichten. Christiania, 11. April. Der Ktrcbenbistortker C. P. Caspari, Proststor der Theologie an der hiesigen Universität, ist in der vergangenen Nacht gestorben. Schiffsnachrichten. Hamburg, 7. April. IHamburg-Amerikanische Packetfahrt- Actien GrseUlchask.j DaS Hamburg - Newyorker Post - Dampffchiff „Rbaetta", Eapitän Ludwig, ist am 9. April, 1 Uhr Morgens nrMhfhalten in Newyork angekommen. Verkehr, Land« und Volkswirthschaft. »ietzeir, 12 April. Marktbericht. Aus Dem heutigen Wochemnarkt kostete: Butter pr. Vfd. * 1,10—1,20, Hübnereier per Stück 5—6 A» 2 St. — H, Enteneier 7— 4, Gänseeier 1 St. 11-12 A, »äse pr. 6t. 5-9 A. Käsematte pr. St. 3 Ar Erbsen pr. Liter — A. Linsen vr. Liter 30 A. Tauben pr. Paar v* 0,60-1,00, Hühner pr. Stück X 0,85-110, Hahnen pr. 6t X 1.30-2,00, Enten pr. St. X 1,50-1,80, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70-76 A, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 62-66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 A, Kalbfleisch pr. Pfd- 60-56 A, Hammelfleisch pr- Pfd. 60-70 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,50-8,00 X, Weißkraut pr. St. 4—10 A. Zwiebeln pr. Eentner 10,00—12,00 X, Milch pr. etter 12—18 4 O A«S dem Ohmthal, 11. April. Sehr häufig leuchten gegenwärtig aus den Garten und Obstbaumanlagen wieder in tadellosem Weiß bte frischaekalkten Obstbäume. Noch vielfach ist bet dem Landwirth die Ansicht vorhanden, es sei einerlei, ob das Ankalken der Obstbäume im Herbste oder jetzt im Frühlinge geschehe. Weil nun im Herbst vielfach wegen der Anhäufung anderer land- wirthschaftlichen Arbeiten diese Arbeit an den Obstbäumen unterbleibt, so wird sie, wenn gar nicht unterlassen, im Frühlinge aus- gesührt. DaS Ankalken der Obstbäume im Frühling ist aber nicht nur nicht nützlich, sondern geradezu schädlich. Durch einen solchen jetzt auSgefübrten Kalkanstrich werden die Poren in der Rinde des Baumes verstopst. Diese Poren bilden aber die Athmungsorgane des Baumes. Somit wird die Luitcirculation zwischen den saftleitenden Schichten gehemmt unb aufgehoben, unb diese Circulotton ist gerade im Frühling am stärksten. Auch wird der Stamm durch die Kalkblende zu kühl erhalten, da die weiße Farbe das Licht und die Wärme nicht absorbirt, sondern reflcctirt. Ganz anders ist es mit dem Ankalken im Herbste. Hier tobtet die ätzende Wirkung des Kalkes die Jnsecten, welche sich unter abgestorbenen Rindenschichten angesiedelt haben, löst diese Rindenschichten selbst ab und bewirkt, daß der Baum eine glatte Rinde bekommt, bei der bann die Circulationskanäle offen gelegt werden. Es kann darum gar nicht genug aufmerksam daraus gemacht werden, daß wie das Ankalken der Obstbäume im Herbste so sehr empfehlenswerth, es jetzt durchaus zu unterlassen ist. x Born Vogelsberg, 11. April. Die schon Wochen lang anhaltende ungemein trockene Witterung hat im Walde das Laub gehörig ausgetrocknet. Es eignet sich somit gerade jetzt vorzüglich zur Streu, zum Ersatz des Strohes. Obwohl reiche Vorräthe im Walde lagen, ist uns bis jetzt noch keine Verabfolgung von Laub zur Streu bekannt geworden. Wir wiederholen, weil sich das Laub !)urch feine vollständige Trockenheit ganz besonders zur Streu eignet, wäre gerade jetzt seine Verabfolgung sehr empfehlenswerth. — Patente und Gebrauchsmuster van im Grotzherrog- thum Heffen lebende« Erfinder«. Patent-Anmeldungen. Maschine zum Rollen von Fässern u. dergl., L Heyligenstaedt in Gießen, 6. Januar 1892. Patent-Ertheilungen. Excenter- Formmaichine, H. R. Rolle in Lollar, vom 29. Juli 1891 ab. Gebrauchsmuster. Herausnehmbare Jnnentheile bet Füllschacht- euerungen, Eisenwerk Hirzenhain H. R. Buderus in Hirzenhain, 15. Februar 1892. Anwendung der durch das Patent Nr. 48 852 dargestellten Einrichtung, bei welcher Wasser durch entgegengesetzt strömenden Dampf erwärmt wird, zur continuirUchen Erzeugung heißen Wassers zu Heizzwecken, H. Schassstaedt, Fabrikant i« Gießen, 19. Februar 1892. Vorrichtung zur Feststellung drehbarer Sägeblätter in jeder beliebigenSage, K. Dormer undK. Müller II» in Hausen, 9. Februar 1892. Mischhahn mit zwei in einem gemeinschaftlichen Gehäuse, aber getrennt von einander angeordneten Küken, deren Hebel derart angeordnet sind, daß der eine Hebel beliebig, der andere aber nur mit bem ersteren zusammen bewegt werden kann, H. Schassstaedt, Fabrikant in Gießen, 8. Februar 1892. Kirchliche Anzeige« der Stadt Gietzen. Katholische Gemeinde. Gründonnerstag, 14. April: Mittwoch: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 7»6 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte Donnerstag: Morgens um 6 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte; um WZ und V>8 Uhr AuStheilung der hl- Eommunion; um 3/