Erstes Blatt Nr. 62 onntag den 13. März 1892 Hratiskeikage: Hi-ßener Jamikienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und «u-lande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Vierteljähriger AvouncmenlsprelZ i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchntstrahe Ar.?. Frrusprecher 51. Amts- und Anzsigeblatt füv den Av«is Gieren befunden: 1 Thürdrücker, 1 Halsluch, 1 Peitsche, 1 Wagenkapsel, 1 gold. Trauring, 4 Taschentücher, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Chlips, 1 Plüschkragen, 1 Schleier, 1 wollenes Tuch, 2 einzelne Handschuhe, I Zwicker, 1 eiserne Hakelnadel, 1 Maßstab, 1 Fensterrahmen und 1 Kandelrohr Gießen, den 12. März 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. J-! Bischoff. $n ♦Ute«« #«|dgtr erscheint täglich, mit Ausnahme bcS Montags. Die Gießener ^««tktenStälter werden dem Anzeiger mSchentlich dreimal brigelegt. Aintlichev Therl. Bekanntmachung. Die Bahnbrücke bei Ruttershausen kann von Dicnstaq den 15. b$. Ntts. ob wieder befahren werden. Gießen, den 12. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Depeschen „Bureau Herold". Berlin, 11. März. Seine Majestät her Kaiser ver- üe§ heute das Bett, hütet indessen schonungshalber das Zimmer. Berlin, 12. März. Die „Nordd Allg. Ztg." beschwert stch über neuerliche Uebergriffe des Parlaments in sein nicht zustehendes Verwaltungsgebiet, wie gelegentlich des Telegraphengesetzes und des nationalliberalen Antrages, dew Normaletat betr. der höheren Lehrer als amendirbare Gesetzvorlage zu behandeln. Berlin, 12. März. Nach den „Berl. Pol. Nachrichten" gelangt die M e hr s or der ung für die Betheiligung an der Weltausstellung in Chicago als Ergänzungsetat an den Reichstag, so daß die bisher angesetzte Summe von 900,000 Mk. auf 2,000,000 Mk. erhöht wird. Es verlautet, die Ge- sammtkosten werden aus 3,000,000 Mk. geschätzt, es wäre also noch eine kleinere Forderung für 1893/94 notwendig. Die Marrikularumlagen für 1892/93 betragen wahrscheinlich 320,000,000 Mk. i or Berlin, 12. März. Die „Boss. Ztg." meldet, daß am 1 die kaiserlichen Bezirkshauptleute aus der Schutztruppe in Ostafrika ausscheiden und in den Reichsverwaltungsdienst übertreten. Berlin, 12. März. Die Mittheilung, daß die Regierung entschlossen fei, den ganzen Welsenfonds dem Herzog von Cumberland zurückzugeben, wird uns neuerlich bestätigt. 1 Dresden, 12. März. In Sachsen herrscht heftiges Schneetreiben. Stellenweise ist der Bahnverkehr unmöglich. Nürnberg, 11. März. Nach einer Meldung des „Fränk. Cour." entwürfe Professor Wanderer von der Nürnberger Kunstgewerbschule stylgerechte Ausstattungsräume des Sterbe- Hauses Luthers in Eisleben. Wien, 11. März. Der „Reichswehr" zufolge tritt der ' deutsche Corvettencapitän Kalan in die türkische Marine ein. Wien, 11. März. Die österreichische Waffenfabrik hat sich zur Ablieferung von 50,000 Manlichergewehren an Bulgarien bis Ende Juni verpflichtet. Dasselbe ver- sügt dann über 140,OüO kleinkalibrige Gewehre und 6000 Carabiner. Gießener Anzeiger Henerat-Mrzeiger. Ne«este Nachrichten. WjIIW tt» «orrcfponPeni-Buteou. Berlin, 11. März. Bei Beginn der heutigen Sitzung des deutschen Landwirthschaftsraths gedachte der Vorsitzende des Geburtstags des Prinz reg ent en von Bauern und brachte aus ihn ein dreimaliges lebhaft auf- genommencs Hoch aus. Es wurden Anträge angenommen betret,enb die Einführung einheitlicher Lieferungs- und Qua- Iltalsantorderungen an allen deutschen Productenbürsen, bc- tretsend Auivendung eines neuen Getreideprobers zur Fest- setzung des Qualitätsgewichts sowie betreffend den Erlaß | Wien, 11. März. Im sogenannten erzbischöflichen Kurhausgebäude der geistlichen Alumnen am Stephansplatze wurde ein alter Diener des Hausverwalters ermordet. Raubmord scheint ausgeschlossen. Wien, 11. März. Hiesige Blätter berichten über die schreckliche Zunahme der Hungersnoth unter der Landbevölkerung Ostgaliziens. Im Bezirke Jaworow kämen bereits Hungertodesfälle vor, überdies herrsche Typhus und Blattern. Bukarest, 11. März. Der Gegenbesuch des Deutschen Kaisers in Rumänien wurde bis zu den Herbstmanövern verschoben. Paris, 11. März. Die Arbeitersyndicate wollen, daß die feierliche Eröffnung der städtischen Arbeiterbörse am 18. März, dem Jahrestage der Commune, stattsinde. Der Stadtrath ist noch unentschlossen. Pans, 12.März. Eine furchtbare Dynamitexplo sion fand gestern Abend in einem Hause der Bulevard Saint Germania statt, wo der Beamte wohnt, welcher im Anarchiften- prozeß präsidirte. Es entstand ein sehr beträchtlicher Schaden. Der Pförtner ist leicht verwundet. Brüfiel, 11. März. Auf der Zeche Anderlues fand durch schlagende Wetter eine große Katastrophe statt. Brüssel, 12. März. Bei dem Grubenunglück aus der Zeche Anderlues sind, letzten Meldungen zufolge, 85 Todte und 150 Verwundete. Die Bergungen werden fortgesetzt. Loudon, 11. März. Heute werden wahrscheinlich 120,000 Bergleute in Durham die Arbeit ein stellen. Die Eisen- Werkbesitzer Clevelands treffen Vorbereitungen, die Production von 3/4 lhrer Hochöfen einzufchränken. 1000 Eisenarbeiter sind beschäftigungslos.^ Die Schiffsbauwerste und Eisenwerke von Hartlepool und Stockton werden dadurch in Mitleiden- lckrast gezogen. 10,000 Arbeiter sind zu Hartlepool beschäftigungslos. Das Dampfkeffelwerk in Bolton wurde geschloffen, wodurch zweitausend Arbeiter brodlos wurden. Die Great Northern, die Midland-Great Castern und die North Castern Railway werden hiervon stark betroffen. Nom, 12. März. In Comacchio herrschen schwere Unordnungen unter den Arbeitslosen. Die Bäckerläden werden gestürmt und die Fensterscheiben zerschlagen. Die Polizei schritt ein. Die Krankheit des Großherzogs. _ r Darmstadt, 12. März, Vorm. 8 Uhr 44Min. Vormittaqs- Bullerin: «st. K. Hoheit der Großherzog hatten eine unruhige Nacht. Der Puls, welcher bisher, der seit November v. I bestehenden Herzerweiterung entsprechend, zwar unregelmäßig war, aber an »rast nichts cingebüßt hatte, ist während der heutigen Nacht schwächer geworden. Dieser Nachlaß der Herzthätigkct hat die bisher bestehende Lebensgefahr erheblich gesteigert. Darmstadt, 12. März, 12 Uhr 5 Mi». Bulletin vor, 11 /j Uhr: Der Krästezustand Seiner Königlichen Hoheit des G r o g h c r z o g s ist vermindert, weiterer Nachlaß der Her ,- rhatigkcir bis jetzt nicht cingetrcten. I obrigkeitlicher Vorschriften für einheitliche Feststellung des I Schlachtgewichts aus allen öffentlichen Schlachtviehhöscn Deutschlands. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Feuilleton. Ein Held der Nächstenliebe. Erzählung von C. Western. (Nachdruck verboten.) Eine Badecur brachte mich vor Jahren nach der freundlichen Insel Föhr und dem behäbigen Wyk, und nach dem belebenden Seebade ging ich gewöhnlich hinaus, lagerte mich ,m Sande und ließ mich von der warmen Sonne bescheinen Von dem hervorgezogenen Buche schaute ich dann oft auf das tiefblaue Meer, auf dem die großen Dampfer, mit langen Rauchsäulen hinter sia>, gleich Meerungeheuern und die Segelschiffe gleich großen Schwänen dahinzogen, hinaus und kehrte von diesem majestätischen Bilde nie ganz gesättigt, stets angeregter zu meiner Lectüre zurück. Eines Tages war ich wieder in die Dünen hinausgegangen. Ich hatte den Heinrich Heine, der das Meer wie kein anderer Dichter beschrieben hat, eingesteckt und las ihn mit wahrem Hochgenuß. Ader als hätte ich damit den dreizackführenden Neptun und das Heer der ihn begleitenden Tritonen und Wassergeister aus der Tiefe beschworen, so begann das bis dahin ruhige Meer jetzt zu toben. Es war eine artige Boe, die jetzt cherauszog: v „Der Wind zieht seine Hosen an, Die weißen Wasserhosen! Ec peitscht die Wellen, so stark er kann, Die heulen und brausen und tosen. Aus dunkler Höhe, mit wilder Macht Die Regengüsse häufen; ist, als wollt die alte Nacht DaS alte Meer ersäufen. l-b-nd-s Wasi-rvebirg- Bildet die tosende See: Hier gähnt ein schwarzer Abgrund, Dort thurmt r« sich weiß In die Höh'." Ich hatte schon zu lange gezögert- ein Sturmwind ent- Rührte mir den Strohhut auf die See hinaus! Da schwamm er hm zur großen Reise, ich aber enteilte schleunigst dem Unwetter, dem alten, lieben, behäbigen Neste Wyk zu. Nach ein paar Stunden hatten die Meergcister ausgerasct und ich trat bei leidigem Sonnenschein einen Spaziergang an. Mein Weg führte mich an dem kleinen Friedhof vorbei und — ich trat hinein. Die meisten Gräber waren einfach, schlicht, mit wenigen Blümchen besetzt, die meisten verfallen. Hier und dort stand ein weißgestrichenes Kreuz, selten sand man einen Stem. Unter diesen zog besonders einer meine Anfmerkiam- fett auf sich. Es war ein kleiner Obelisk von Sandstein und mühsam entzifferte ich daraus den Namen; Wilm Brook, f den 4. April 1843. — Was aus der anderen Seite ein- gerneiselt gewesen, hatte der Zahn der Zeit weggenaat, der Regen abgewaschen. Es blieb unverständlich. Da bemerkte ich einen alten Herrn mit grauen Haaren, bet sich auch bei diesem Grabe zu schaffen machte. Er war städtischer gekleidet, als die Einwohner von Föhr sonst wohl zu sein pflegen,- ich redete ihn an. „Es ist wohl ein Verwandter von Ihnen, der hier ruht?" Der Alte schüttelte das Haupt. „Nein, es war mein Schüler." „Ah, so sind Sie der Lehrer?" „Zu dienen!" Ich stellte mich als College vor und fragte dann: „Was hat denn ursprünglich auf dieser, der Wetterseite des Obelisken gestanden?" Der Alte sah auf. „Wenn es Sie intereffirt, mein Herr, dort stand geschrieben: „Hier ruht der Stolz von Föhr, gestorben im Dienste der Barmherzigkeit!" Das interessirte mich. „Mein Herr," fuhr ich fort, „möchten Sie mir nicht etwas darüber erzählen?" Der Alte nickte: „Wenn Sie Antheil daran" nehmen, gern! Aber eS ist eine lange, traurige Geschichte." „Bitte, erzählen Sie!" Wir setzten uns auf ein Bänkchen, welches neben dem Grabe unter einer verkrüppelten Trauerweide stand, und der alte Lehrer fing an zu erzählen: „Wenn Sie nach Wyk hineinkommen, finden Sie dicht am Strande in der Kirchgaffe ein weißes, einstöckiges Gebäude- es steht heute noch, ist aber in andere Hände übergegangen. Dort wohnte der alte, würdige Oberlootse Pieter Brook. Pieter und seine Ehefrau hatten nur ein Kmd. Es war der Wilm, mein Liebling. Mit dem siebenten Jahre kam er unter meine Hände und mit dem neunten war er bereits einer meiner besten Schüler. Mit dem zwölften Jahre wß er obenan und war ein für feine Jahre großer und starker Junge- ein echter Schleswiger, blond, blauäugig- er war von Gesicht schön, von Körper wohlgebildet, ein Meister im Rudern, Steuern und Lavieren, ein doppelter Meister aber im Schwimmen und Tauchen. Beim Badeamt hatte man Pieter Brook mit dem Posten eines Aufsehers betraut. Das war für Wilm auch eine herrliche Gelegenheit, sich nützlich zu machen, sobald im Hochsommer die Fremden aus aller Herren Länder zu uns kamen, um die Heilkraft unserer See zu erproben. Wie eö beim Baden hier zugeht, wissen Sie ja. Da hatte nun bei einem etwas drangen Seegange ein Wärter die Badekarre zu weit in die Wellen vorgeschoben und dann nicht Acht gegeben. In dem Häuschen war ein dänischer Kadett, ein Bürschchen aus einem uralten, hochadeligen Hause, welches sogar auf königliches Blut Anspruch erhob. Der junge Herr stieg in die Fluth und wurde sogleich von den Wellen fortgeriffen. Einen entsetzlichen Schrei stieß der Unglückliche aus und war verschwunden. Rathlos stand der Wärter da. In diesem Augenblicke stürzte sich Wilm Brook, der beim Vater am Ufer gestanden und alles beobachtet hatte, in öie Wellen, zertheilte sie mit wuchtigem Ruck und war mit einigen Stößen neben dem Verunglückten, den er bei ben Haaren erfaßte und rasch dem imffen Element entriß, »eim Badekarren überlieferte er den fast Ertrunkenen dem Wärter und half, den Ohnmächtigen durch Reiben mit einer Wolldecke ins Leben zurückzubringen. (Fortsetzung folgt.) der Ltadtvervrdueten am 10. März 1892. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Grüneberg und Langsdorfs, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Georgi, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Nachdem bereits vor längerer Zeit das Gesuch der GarnisonVerwaltung um pachtweise Ueberlassung von Gelände zur Lagerung von Kohlen (es handelt sich um eine rechts vom Haupteingange zur neuen Kaserne an der Llcherslraße befindliche Parzelle) genehmigt worden war, ertheitte die heutige Versammlung dem diesbezüglichen Pachtvertrag noch besondere Genehmigung. Die Kosten für infolge Einrichtung eines besonderen Zimmers für den neuen Stadtbaumeister und die damit in Zusammenhang stehende Verlegung des Geschäftszimmers des Armenkassesecretärs nach dem Vorzimmer des Ortsgerichts nöthiggewordenen Herstellungen im Bürgermeisterei- g e b ä u d e werden bewilligt. Die Beschlußfassung über Vermiethung von im Real- schulgebäude befindlichen Kellerräumen an die Firma Gebrüder Hanstein wird ausgesetzt, weil Bedenken gegen das Lagern von Salz, als dem Mauerwerk schädlich, erhoben wurden. Herr R. Scheel hat das C. Stohr'sche Haus in der Marktstraße gekauft und beabsichügl dasselbe niederzulegen, um einen vierstöckigen Neubau an dieser Stelle zu errichten. Das Gesuch wird aus Antrag der Baudeputation beanstandet und zwar auf Grund des § 16 der Ortsbaupolizeiverordnung- diese schreibt vor, daß von dem Gelände ein Fünftel, mindestens jedoch 30 Quadratmeter, als Hofraum unbebaut bleiben muß. Das Gesuch des Herrn Friedrich Helfrich aus Frankfurt a. M. um Erlaubniß zum Umbau eines Gartenhäuschens am Nahrungsberg wird, weil gegen die §§ 5 und 18 des Ortsbaustatuts verstoßend, ebenfalls beanstandet. Bepflanzung des überwölbten Stadtringgrabens vor den Häusern des Herrn I. G. Pfaff an der Westanlage. Hier wird Auffüllung der Ueberwölbung bis zur Homberger'schen Fabrik beschlossen und der Stadtgärtner ermächtigt, die erforderlichen Arbeiten, sowie die Anlieferung der Bäume aus der Hand zu vergeben. Vertilgung der Blutlaus, bezw. Wahl der Sachverständigen. In die (alljährlich zu wählende) Commission werden die Herren Helfrich, Haubach, Simon und Steinberger wiedergewählt. Verpachtung der Gemeindejagd. Die Stadt- verordneten-Versammlung hat gegen die Zulassung eines Mitpächters zu dem von Herrn Ehr. Petri V. gepachteten Jagdgebiet nichts zu erinnern. Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Nachdem in der Sitzung vom 4. März beschlossen worden, die Zeit, während welcher Manusacturwaaren-, Weißwaaren- und Kleidergeschäste an Sonn- und Festtagen offen halten dürfen, aus 11 bis 2 Uhr sestzusetzen und den sonstigen Geschästsbranchen nochmals Gelegenheit zu .geben, ihre (nicht über den Rahmen der den Manusacturwaaren- geschäften zugemessenen Zeit hinausgehenden) Wünsche Lbei Großh. Bürgermeisterei vorzubringen, hatte die Versammlung über eine Anzahl neuer Eingaben zu beschließen. In einer mit ca. 80 Unterschriften versehenen Eingabe sprechen sich die, wohl die bedeutendsten Geschäste aller Branchen vertretenden Unterzeichner dafür aus, daß gleichwie bei den Manusacturgeschästen auch bei ihnen die Verkaufszeit um 2 Uhr abzuschließen fei. Die Eingaben einzelner Geschäftsinhaber lauten ebenfalls auf eine bis 2 Uhr dauernde Verkaufszeit - einige Bäcker ersuchen um Gestattung des Verkaufs von Fastenbretzeln an Sonntag-Abenden- die Barbier- und Friseur-Innung ist für Schluß der Geschäfte um 2 Uhr. Die Cigarrenhändler suchen in wiederholter Eingabe die Nothwendigkeit einer in die Stunden von 11 bis 4 Uhr fallenden Verkaufszeit darzulegen, würden sich aber schließlich mit einer vierstündigen, von 11 bis 3 Uhr dauernden Verkaufszeit begnügen. Die Inhaber der Getreide- und Landesproducten-Geschäfte ersuchen um Zumessung einer die Stunden von 7 bis */zl0 und 11 bis 1 Uhr umfassenden Geschäftszeit, um die nothwendige Correspondenz erledigen zu können. Nach Mittheilung des Landraths- amts Wetzlar sind dort als Geschästsstunden vorgesehen die Stunden von 7 bis 9 und von 11 bis 2 Uhr. Die am Mittwoch versammelt gewesene Commission hat vorgeschlagen, als Verkaufszeit in allen offenen Geschäften die Stunden von 1/28 bis 9 und von 11 bis 2 Uhr sestzusetzen, als Ge- schästszeit in Engros-Geschästen (einschl. Banken) und Comptoiren der Fabriken die Stunden von 11 bis 1 Uhr. Es wird im Sinne des Commis sionsantr agS beschlossen. Weiter erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß an Sonn- und Festtagen gewährt wird den Bäckern die Zeit von Mitternacht bis 8 Uhr Morgens zum Backen, von 6 bis 9 Uhr Morgens zum Austragen der Backwaaren, den Conditoren die Zeit von Morgens 5 bis Mittags 12 Uhr zum Backen, den Metzgern die Zeit von 5 bis 9 Uhr Morgens zum Zurichten der Fleischwaaren, von 6 bis 9 Uhr zum Austragen derselben. Außerdem soll am Charsreitag den Bäckern das Backen von Brod und Brödchen bis 4 Uhr Nachmittags, von 6 bis Mitternacht das Backen von Kuchen gestattet werden. An drei Sonntagen vor Weihnachten und zwei Sonntagen vor Pfingsten finden die Bestimmungen über die Sonntagsruhe keine Anwendung. Die Bestimmungen sollen durch Ortsstatut geregelt werden. Gesuche um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. Von fünf vorliegenden Gesuchen werden drei, bezüglich deren es sich um Uebergang bestehender Wirtschaften in andere Hände handelt, anstandslos befürwortet, nämlich diejenigen der Herren Michael Lechner (Frankfurter Hof), Konrad Schomber (Schmehl'sche Wirthschaft am Brandplatz) und Heinrich Schneider (früher Abel'sche Wirthschaft in der Neustadl). — Bezüglich des Gesuches des Herrn Ang. Lang um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein in seiner Bierwirthschast in der Katharinengasse spricht sich die Versammlung wiederholt für Bejahung der Bedürsnißsrage aus. — Das Gesuch des Herrn Friedr. Wirtz um Ertheilung der Wirthschastsconcession zwecks Einrichtung einer Frühstücksstube im Hause Seltersweg Nr. 63 wird nicht befürwortet. Die Versammlung erklärte in Uebereinstimmnng mit Großh. Polizeiamt ein Bedürsniß znm Ausschank von Branntwein als nicht vorliegend. totales unb provinzielles. Gießen. 12. März 1892. — Der gestern Abend in der Stadtkirche abgehaltene Bittgottesdienst für Erhaltung des Lebens und Wiederherstellung der Gesundheit unseres Großherzogs vereinigte eine solche Anzahl Andächtiger, wie sie die Kirche wohl in zehn Jahren nicht gesehen. Möge das zu Gott gesandte Gebet um Erhaltung des theuren Lebens und um Genesung aus so schwerer Krankheit baldige Erhörung finden. — Heute wurde in der Synagoge der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft ein besonderer Bittgottesdienst für Erhaltung des Lebens Sr. Königl. Hoheit des Groß- herzogs abgehalten. — Herr Professor Collard, der bestrebt ist, deutschen Erziehungsgrundsätzen in Belgien Anerkennung und Eingang zu verschaffen, wohnte während der letzten 14 Tage dem Unterricht in säst allen Gymnasialklassen bei und nahm von den Einrichtungen der hiesigen Anstalt eingehende Kenntniß. — Kunstverein. Die Ausstellung im alten Hosgerichts- gebäude hat in den letzten Tagen durch Zugang von circa 30 Bildern eine wesentliche Umwandlung erfahren, so daß die — nach Abrechnung der Verloosungsgcwinne — etwas magere Ausstellung der letzten Wochen sich nunmehr wieder recht vollständig und gut beschickt repräsentirt. Insbesondere die Landschaft ist sehr gut und vielseitig vertreten durch: Th. v. Hörmann, Znaim — Der erste Frühlingsbote - Fr. v. Kl end gen, Bordighera — Motiv aus Bordighera - Paul Rieß, Lübeck — Mondschein- Max Horte, Berlin — Spreewaldmotiv- Walther Prell, Düsseldorf — Holländisches Fischerdorf- — Joseph Krieger, Salzburg — Raftsund in Norwegen - Anton Zwe n gau, München — Alpe bei Cochel - L. v. Bandtke, München — Landschaft - A. Meermann, München — Oberbayrische Dorfparthie und Andere. Schöne Genrebilder haben gesandt vor Allem: Franz Häusler, München — Unerwarteter Besuch - Hans Kohl, München — Die Rosen - Eduard Daelen, Düsseldorf — Verlassen, während auch das Stillleben und die Blumenmalerei gute Namen mit guten Bildern aufweisen. Der Besuch der Ausstellung, wie der Beitritt zur Mitgliedschaft kann darnach um so mehr empfohlen werden, als dieses Jahr überdies jedem hiesigen Mitgliede ein Prämien bild bringen wird. — Verhaftet Gestern wurde ein Kaufmann aus Berstadt, welcher dahier Agent der Schmalzraffinerie Phönix in Essen war, verhaftet. Derselbe hatte das Guthaben dieser Firma an verschiedene hiesige Geschäftsleute (Bäcker) einkassirt und unterschlagen. Q Mücke, 11. März. Heute Morgen ist der Landwirth und Kausmann Finkernagel von Bobenhausen, früher in Ruppertenrod wohnhaft, den schweren Verletzungen, welche er beim Herabstürzen vom Wagen erhalten, erlegen. Allgemein bedauert man das unglückliche Ende des noch im rüstigsten Mannesalter stehenden, allgemein beliebten Mannes. □ Vom Vogelsberg, 11. März. Der Mond zeigte gestern Abend abermals einen Hof in großem Kreise, doch war derselbe verschwommener, wie der am Mittwoch Abend. Die Hoffnung der „Wetterverständigen", welche sie an diese Erscheinung knüpften, daß nun wieder gelindes Wetter eintrete, hat sich bis jetzt nicht erfüllt. Jrn Gegentheil, der Winter ist noch einmal voll und ganz auf dem Plane erschienen und streuet Eis und Schnee umher. Allerdings beweist die Mittagstemperatur den höheren Stand der Sonne. Im Felde ist das Frühlingslied der Lerche wieder verstummt. Auch andere Frühlingsboten sind bereits eingetroffen, so die gelbe und weiße Bachstelze. Der Schnee bringt diesen Zugvögeln Nahrungsmangel, für die Saat aber ist er entschieden von Nutzen. Dieselbe war während der letzten Kälteperiode dem Frost ohne Schneedecke ausgesetzt, jetzt vermag sie unter derselben wieder sich zu erholen oder „anzuziehen", wie man zu sagen pflegt. Dessenungeachtet wäre es an der Zeit, wenn der Winter das Feld räumte, denn schon recken im Garten die Schneeglöckchen ihre Köpfchen hervor, bereit, den Frühling einzuläuten. Schlitz, im März. Aus Veranlassung der am 6. d. M. ftattgehabten Erinnerungsfeier an das 50jährige Bestehen der hiesigen Handwerker sch ule hat das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz an den Vorstand derselben ein Schreiben gerichtet, worin dasselbe seine Glückwünsche zu dem erfreulichen Ereignisse ausspricht und feine Anerkennung für die seitherigen tüchtigen und gedeihlichen Leistungen der Schule zum Ausdruck bringt. Verkehr, Land, unö volkrwirthschaft. ettfttti, 12. März. Marktderrcht. ittut Dem bcuttgen Wochemnartt kostete: Butter pr. Vsd. x 0,90— 0,00, Hübnereier per Stück 6— H, 2 St. 11--H, Enteneier 7— Gänseeter 1 St. 11 -12 A, Käle pr. St 5-8 A, frfifematte pr. St. 3 Erbsen pr. Wer — H, Linsen vr. Liter 30 A, Tauben pr. Paar X 0,60—1,00, Hübner pr. Stück * 0.85—110, Hahnen pr. St ** 1,30—2.00, Enten pr. St- X 1,50—1.80, Ochsenfleisch pr. Psd 70—76 4, Kuh- und Rindsteisck pr. Psd. ^2—66 H, ©cbwetnefleifd) pr. Psd. 60- 70 H, .tialbflctfd) pr. Pfd. 54—60 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 60 70 A, Kartoffeln pr 100 Kilo 7,50—8,00 X, Weitz- fraut pr. St. 4-10 H, Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10.00 X, Milch p*. 8tter 12-18 Z. Auszug au» den Stande»anit»regtstern Ver Stadt «Sieben. Aufgebote. März: 8. Ur. Adolf Wteder, prad. Arzt zu Brooklyn, mit Julie Emma Hoch von hier. 8. Johann Georg Beimborn, Weih- btnber und Lackirer dahier, mit Katharine Kirchner hterseldst. 8. Wilhelm Leich, Taglöhner dabier, mit Luise Katharine Müller hterseldst. 8. Heinrich Tamm, Hüttenarbeiter von Reiskirchen, mit Elisabethe Albach hierselbst. 11. Wilhelm August Becker, Photograph dahier, mit Katharine Philipptne Elise Wilhelmine Werner dahier, «hefchlietzungeu. Marz: 5. Kakpar Schwarz, Großh. Salinenbauausseher zu Bad-Nauheim, mit Suianne Philipptne Mathilde MalkomestuS von hier. 9. Johannes Schwarz, Schutzmann dahier, mit Wilhelmine Justine Heß von Biedenkopf. 9. Johannes Hermann Flick, Bäcker von Grünberg, mit Christine Wtlhklmtne Ruckstuhl von hier. Geborene. März: 1. Dem Metzger und Gastwirtb Jean Boller eine Tochter. 5. Dem Schlosser Bertbold Goß ein Sohn. 5. Dem Kausmann Wilhelm Schomber eine Tochter. 5. Dem Wirth Heinrich Wtßner eine Tochter. 6. Dem Schreiner Karl Peter ein Sohn, Heinrich Karl. 7. Dem Dachdecker Karl Kondörfer ein Sohn. 7. Dem Premierlieutenant Heinrich Freiherr von Dalwtg ein Sohn. 7. Dem Königl. Stations-Assistent August Rusag eine Tochter. 7. Dem Tapezier Friedrich Appel dn Sohn. 10. Dem Cigarrenmacher Georg Döriiiger eine Tochter, Margarethe Marie. Gestorbene. März: 6. Wilhelmine Jünger, 59 Jahre alt, dahier, Wrttwe von Taglöhner Jacob Jünger. 7. Katharine Baumann, 1 Jahr alt, Tochter von Toglöhner Ludwig Baumann dahier. 8. Georg Sack, 63 Jahre alt, Rentner dahier. 8. Marianne Heidelbach, geb. Sauerwein, 30 Jahre alt, Ehefrau von Maurer Valentin Kart Heidelbach dahier. 8. Wilhelm Konrad Gans, 7 Monate alt, Sohn von Taglöhner Christoph Gans dabier. 8. Fridolin Grämlich, 47 Jahre alt, Schaffner bei den Oberhessischen Eisenbahnen dahier. 10. Franziska Breustedt, 68 Jahre alt, dahier, Ehefrau von Kupferschmied Gottlied Breustedt. Auszug aus den Kirchenbüchern -er Stabt Gietzeu. Evangelische Gemeinde. Getraute. Am 6. März. Kaspar Schwarz, Großh. Salinenbauaufseher zu Bad-Rauheim, und Susanna Philippine Mathilde Matkomesius, Tochter des Metzgermeisters Philipp Malkomestus zu Gießen. Denselben. Wilhelm Doll, Wagennotirer zu Gießen, und Anna Elisabeth Wenderoth, Tochter des Weichenstellers Heinrich Wenderoth zu Gießen Am 9. März. Johannes Hermann Flick, Bäcker zu Gießen, und Christine Wilhelmine Ruckstuhl, Tochter des Dachdeckers Joseph Ruckftuhl zu Gießen. Denselben. Johannes Schwarz, Schutzmann zu Gießen, und Wilhelmine Justine Heß, Tochter des verstorbenen Hüttenarbeiters Wilhelm Heß zu Biebenkopf. Getaufte. Am 6. März. Dem UnivelsilätS-Professor Dr. Konstantin Höhlbaum ein Sohn, Heinrich Goswin Max, geboren am 15. De- ctmber 1891. Dens. Dem Schneider Georg Hildebrandt ein Sohn, Carl, geb. am 26. Januar. Dens. Dem Maurer Wilhelm Schneider eine Tochter, Marie Helene Elisabethe, geb. am 16. Januar. Dens. Dem Taglöhner Wilhelm Maus eine Tochter, Elisabethe, geb. am 7. Januar. Dens. Dem Fuhrmann Valentin Dietz ein Sohn, Anton Wilhelm Georg, geb. am 2. Februar. Dens. Dem Bierbrauer Peter Worch eine Tochter, Marie, geb. am 14. Januar. Dens. Dem Weichensteller Peter Michel eine Tochter, Johanna, geb. am 7. Januar. Denf. Dem Jnstitutsdiener Wilhelm Rühl ein Sohn, Hans Carl August Wilhelm, geb. am 8. Februar. Dens. Dem Gastwirth Emil Schmall ein Sohn, August, geb. am 25. Januar. Am 10. März. Ein außerehelicher Sohn, Car! Hans Philipp, geb. am 26. Februar. Beerdigte. Am 10. März. Georg Sack, Rentner, ein Wittwer, alt 63 Jahre, starb am 8. März. Dens. Mariane Heidelbach, geb. Sauerwein, Ehefrau des Maurers Carl Heidelbach, alt 30 Jahre, starb am 8. Marz. Brodpreise vom 13. bis 27. März 1892. 1 Jtgr. (2 Pfd.) 2 ) 2 1 2 3 4 2 '4 2 4 !6 Bet den Bäcker«. Tafelbrod............. Tafelbrod............* . Weißbrod.............. Weißbrod.............. Schwarzdrod.............29 Schwarzbrod.............58 Schwarzdrod.............— bei K. Haas, L- Keil, I. Lei« 87 51 66 31 62 1 Kgr. 2 , 1 , 2 „ 3 w 1 , 2 , 3 , Bet den Brodverkäufer«. A (2 Pfd.) Tafelbrod..............33 (2 I ) Weißbrod 31 (4 . ) « (6 , ) „ .....-........- (2 „ ) Schwarzbrod.............29 (4 . ) .58 (6 , ) , .............- bei K- Haas. L- Keil, I- Lein 87 Siehe«, den 12. März 1892. Großh. Polizeiamt Siehe«. I- V- Bischoff. — Dem »Mädchen aus der ftrtmfrt* gleich, erscheint mit jedem jungen Jahr der Arühiatzrs'Catalog deS großen Ber- fandgefchäfteS Mey & Edtich Leipzig'Plagwitz. „Und alle Herzen werden weit" bet seinem Anblick, namentlich die unserer verehrten Damenwelt; denn der eben ausgegebene, l etchiUustrirte Catalog bringt wieder eine Fülle überraschender Neuheiten auf dem Gebiete der Frühjahrsmoden und des Luxus, für Boudoir und K nderstube, für Salon und Küche. Besonders reich ist auch die Auswahl in Oster-, Confirmalions- und Ftrmungsgeschenken. AIS langjähriger treuer Famtlienfreund bittet der Catalog auch diesmal um freundliche Aufnahme. 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