str. 186 Freitag den 12. August Der erscheint täglich, ■it Ausnahme bei Montag-. Die Gießener W-Mtktea Stätte» »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt. Gießener A nzeiger Kenerat-Anzeiger. 1892 Vierteljähriger ASonnementsprelO» 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 60 Psg. Nedaction, Erpebiti« und Druckerei: Ach«tfir«tze Kr.H. Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren. feiflmbm lag rrfdjtinenbm 9.'uintntt bi* Porta. [~ Hratisöeilage: Hießen er Jamikienbtätter. Amtlicher» Theil. Bekanntmachung. Zu Heuchelheim, Kr. Büdingen, ist die Maul- und I Klauenseuche festgestellt und Gehöftsperre angeordnet worden. Gießen, den 10. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Zu Schotten ist die Maul- und Klauenseuche aus- I ebrochen und Gehöft- wie Gemarkungssperre angeordnet I )orden. Gießen, den 10. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend öffentliche Faselschau zu Grünberg. Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß am 25. August ». I. gelegentlich des an diesem Tag stattfindenden Vieh- larkts und in Verbindung mit der durch den landwirthschaft- chen Bezirksverein veranlaßten Viehpreisvertheilung auf dem iiehmarktplatz zu Grünberg eine öffentliche Faselschau urch die Körcommission abgehalten werden wird. Die -chau beginnt Vormittags 8 Uhr; zur Ankörung kommen ur Fasel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmen- j ialer Rasse, auch müssen die Bullen bereits sprungsähig sein. Pie Thiere müssen sicher geführt und gefesselt sein, anderen- rlls hat der Besitzer sich der Wegweisung vom Markt zu ewärtigen. Gießen, den 10. August 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Ga gern. Bekanntmachung. Donnerstag den LS. August 1892, Vorn«. > Uhr präcis wird im „Englischen Hof" zu Grünberg Herrn Wagner) eine Generalversammlung des land- »irthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden. — Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirks- ereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine, der Vieh- lchtgenofsenschaft, sowie alle Freunde der Landwirthschaft erden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren »emcinden vorhandenen Mitgliedern des Vereins von dieser inladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch :r Versammlung hinzuwirken. Tagesordnung: 1) Vorlage und Festsetzung des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirksvereins zu Gießen pro 1892/93. 2) Vorlage und Prüfung der Rechnung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins pro 1891/92. 3) Viehpreis - Vertheilung auf dem Viehmarktsplatze zu Grünberg. Gießen, den 10. August 1892. Der Director des landwirthschastl. Bezirksvereins Gießen. Jost. ____________________ Bekanntmachung, betreffend den Oberhessischen Obstbauverein. Sonntag den 14, August d. I., Nachmittags »Uhr, findet bei Gastwirth Gör lach zu Cberstadt eine Zersammlung des Oberhessischen Obstbauvereins att, bei welcher Herr Landwirthsckastslehrer Reichelt von riedberq einen Vortrag über Obstsortenwahl und Obst- aumpflege halten wird. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des bstbaues lade ich zu dieser Versammlung freundlichst ein. üe Herren Bürgermeister von Eberstadt und den umliegen- ;n Crten ersuche ich, zum Besuch der Versammlung durch ttsübliche Bekanntmachung noch besondere Einladung ergehen i lassen. Gießen, den 10. August 1892. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebel, Amtmann. Gießen, den 10. August 1892. Betreffend: Die Strafregister, hier: die Nachweisungen der im 1. Halbjahr 1892 verstorbenen, seit dem 1. October 1882 bestraften Personen. Der Großherzogliche Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhesien an die Ortspolizeibehörden zu Bersrod, Birklar, Geilshausen, Klein-Linden, Obbornhofen, Oppenrod und Winnerod. Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 30. Juni d. I. (Anzeiger Nr. 151) werden Sie hiermit nochmals aufgefordert, die vorgeschriebene Nachweisung bezw. Fehlanzeige innerhalb drei Tagen bei Meldung disciplinärer Ahndung an mich einzusenden. Jöckel. Deutsches Seich. Berlin, 10. August. Kaiser Wilhelm ist im besten Wohlsein von dem jüngsten Besuche in England wieder nach seiner Sommerresidenz Potsdam zurückgekehrt, woselbst er die nächste Zeit über zu verweilen gedenkt. Auch dieser Ausflug des erlauchten Monarchen entbehrte, wie schon die unmittelbar vorangegangene Reise nach Norwegen, jeglichen offiziellen Characters, wie dies das ganze Auftreten des Kaisers während seines Aufenthalts aus englischem Boden bekundete. Wenn derselbe diesmal gerade in einen für das englische Volk bedeutsamen politischen Zeitpunkt fiel, den der bevorstehenden Ersetzung des bisherigen Torycabineis durch ein liberales Ministerium, so war dies eben ein reiner Zufall, denn ganz sicherlich hat die englische Reise Kaiser Wilhelms mit den jüngsten politischen Vorgänge., jenseits des Eanals nicht das Mindeste zu thun gehabt. — Die am Montag im Reichsamte des Innern stattgefundene Vorerörterung zwischen Vertretern der Reichsregierung und der preußischen Regierung in Sachen eines etwaigen deutsch-russischen zollpolitischen Abkommens wird, Berliner Meldungen zufolge, die einzige Berathung dieser Art bleiben. Es würden also nunmehr die directen Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland über das projectirte Abkommen beginnen können; vermuthlich ist indessen die Sache noch nicht so weit gediehen. Was die Ergebnisse der erwähnten Vorberathung anbelangt, so soll hierüber einstweilen „strengste Amtsverschwiegenheit" von Seiten ihrer Theilnehmer beobachtet werden. — Der längst in Sicht gewesene Rücktritt des bis- herigen preußischen Ministers des Innern, des Herrn H err- furth, ist nunmehr zur Thatsache geworden. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus England hat Kaiser Wilhelm das Entlassungsgesuch Herrsurths genehmigt und an dessen Stelle den Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg zugleich auch zum Minister des Innern ernannt. Der sweidende Minister wurde seitens seines erlauchten Souverains durch Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub und der königlichen Krone ausgezeichnet. Herr Herrsurth übernahm am 21. Juli 1888 an Stelle des von Kaiser Friedrich im Juni zuvor entlassenen Herrn v. Puttkamer die Leitung des Ministeriums des Innern und in dieser seiner mehr als vierjährigen Ministerthätigkeit hat sich Herr Herrsurth als ein streng gewissenhafter und überaus kenntnißreicher Ver- ' walkungsbeamter gezeigt, zugleich aber auch wiederholt Proben einer hohen, staatsmännischen Begabung abgelegt. Als hervorragendstes Werk seiner ministeriellen Wirksamkeit hinterläßt er die neue Landgemeindeordnung, deren practische Durchführung seinem Nachfolger als nichts weniger denn leichte - Ausgabe zusällt. Was aber die Gründe für den Rücktritt des bisherigen preußischen Ministers des Innern anbelangt, so weiß man, daß sie in Differenzen mit dem Finanzminister Dr. Miquel wegen der weiteren Steuerreform wurzeln. Klar ' st aber die Geschichte des Rücktritts dieses verdienten I Ministers noch immer nicht, vielleicht, daß hierüber die nächste • Zeit den wünschenswerthen Ausschluß ertheilt. — Das Comite für die Berliner Weltausstellung hat einen letzten Schritt zur Rettung des Unternehmens ge- than. Es ist von dem Comite eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet worden, in welcher Gras Caprivi ersucht wird, aus keinen Fall in der Ausstellungsfrage eine negative Entscheidung zu fällen, ehe nicht den für das Unternehmen eingetretenen Großindustriellen und Corporationen Gelegenheit gegeben sei, einmal den Nachweis zu erbringen, daß die deutsche Industrie in ihrer überwiegenden Mehrheit doch die Veranstaltung einer deutschen Weltausstellung wünsche. Die Eingabe betont weiter, daß die der Ausstellung günstig ge- ' sinnten Industriellen beabsichtigten, der Reichsregierung einen Plan der Gestaltung der Ausstellung unter Darlegung der Finanziirung zu unterbreiten, doch könne der verheißene Nachweis erst im October erbracht werden. Ob der Reichskanzler der Eingabe Rechnung tragen wird, ist freilich recht zweifelhaft , die angebliche ausstellungsfreundliche Mehrheit der deutschen Industrie hätte sich dann doch ganz anders ins Zeug legen müssen. Ausland. — Die längst erwartete Veränderung im Wiener Cabinet ist nunmehr eingetreten. Der Kaiser hat das Entlassungsgesuch des bisherigen czechischen Mitgliedes des Ministeriums Taaffe, des Freiherrn v. Prazak, genehmigt und denselben unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus berufen. Prazak war in feiner Eigenschaft als „Landsmann-Minister" der Czechen von feinen eigenen Landsleuten in Stich gelassen worden und somit entbehrte seine Stellung des nothwendigen Rückhaltes, die namentlich durch die überraschenden Wahlsiege der Jung- czechen schwer erschüttert worden war. Einen Nachfolger hat Prazak bis jetzt noch nicht erhalten, indessen ist es noch keineswegs gewiß, daß der Posten eines czechischen Ministers in der österreichischen Regierung nun überhaupt unbesetzt bleiben sollte. Mindestens haben die Deutsch-Liberalen keinen Anlaß, das Ausscheiden Prazaks aus dem Ministerium Taaffe in seiner politischen Bedeutung zu überschätzen. — Wiener Meldungen bestätigen die Nachrichten über den bevorstehenden Rücktritt des österreichisch-ungarischen Botschafters am Berliner Hose, des Grasen Szechenyi. Wahrscheinlich wird Gras Szechenyi seinen Posten im October verlassen. — Die französischen Socialdemokraten können bei den am vorigen Sonntag vollzogenen Stichwahlen zu den Gcneralräthen auch einen Erfolg verzeichnen. In der bedeutenden Industriestadt Roubaix (Departement du Nord) siegte bei der Stichwahl zum Generalrath der socialistische Candidat über seinen republikanischen Mitbewerber, was zu einer Freudendemonstration der Socialdemokraten von Roubaix führte. An derselben beseitigten sich auch der Bürgermeister und ein Stadtverordneter, welche beide der socialistischen Partei angehören. Da die Demonstration einen sehr lärmenden Character annahm, so mußte die Polizei einschreiten, welche zwei der Demonstranten verhaftete und auch eine rothe Fahne wegnahm. — Der Zeitpunkt des Besuches des italienischen Königs- Paares in Genua anläßlich der dortigen Columbusseier ist nunmehr auf den 7. oder 8. September festgesetzt. Genua wird zu dieser Zeit ein großartiges Flottenschauspiel gewähren, denn fast alle Mächte haben die Einladung Italiens zur Theilnahme an der Columbusseier in Genua angenommen und werden daselbst durch einzelne Kriegsschiffe oder auch durch ganze Geschwader vertreten sein. Die Zahl der fremd- mächtlichen Kriegsschiffe, welche sich zur Begrüßung des italienischen Königspaares nach der Vaterstadt des Columbus begeben, dürste sich mindestens auf 120—130 belaufen. — Die Meldung von einem in Bolivia stattgefundenen Aufstande bestätigt sich. Der Leiter der Bewegung, General Camacho, wurde nebst 16 Deputaten indeß rasch über die Grenze geschafft. Der bolivianische Congreß ist zusammenberufen worden, um Baptista zum Präsidenten zu wählen. riewefk 2Iacbttd>ten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 10. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu den Conjecturen der Blätter über die Motive des Rücktritts des Herrn Herrsurth: „Dem Vernehmen nach machte Herrsurth als Rücktrittsgründe nur geltend die bekannte Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Steuerreform und gesundheitliche Rücksichten. Dresden, 10. August. Der König eröffnete Mittags im königlichen Polytechnikum die dritte internationale Ausstellung von Aquarellen, Pastellbildern, Handzeichnungen und Radirungen. Straßburg, 10. August. Der deutsche Geologentag ist Vormittags zusammengetreten und sehr zahlreich besucht. Unterstaatssecretär Schraut begrüßte die Versammlung im Namen der Negierung. Beyrick-Berlin wurde zum Vorsitzenden gewählt. Benecke-Straßdurg sprach über die geologischen Verhältnisse der Reichslande. Morgen gibt die Stadt zu Ehren der Theilnehmer ein Abendfest. Der Geologentag dauert bis zum 21. August. Zehn Ausflüge in die Vogesen sind geplant. Toulon, 10. August. Heute Nacht sanden drei Brände statt, die wahrscheinlich böswillig angelegt wurden. Madrid, 10. August. In der Provinz Saragossa wütheten hcslige Regenstürme, die große Ueberschwemmungen herbet- sührten. Fast alle Telegraphenverbindungen Spaniens sind unterbrochen oder gestört. London, 10. August. Das Bureau Reuter meldet aus Teheran: Die Cholera nimmt zu, 60 Todesfälle waren es gestern. — Amtliche Berichte aus Astrabad bestätigen vollinhaltlich die Nachrichten vom Angriff der Kaustäden russischer Unterthanen. Drei russische Kanonenboote trafen im Hasen von Astrabad ein und landeten Infanterie und Cavallerie, um die russischen Unterthanen zu schützen. Deptschen des Bureau „Herold". Berlin, 10. August. Die „Voss. Ztg." berichtet in einem Leitartikel über die Unsicherheit im Innern, unter dem neuen Curse sei es Brauch geworden, die Personensragen und Anschauungen fortwährend wechseln zu sehen, ohne einen inneren Grund zu erfahren. Den maßgebenden Kreisen fehle Sicherheit und Festigkeit. Im Volke schwinde das Vertrauen. Berlin, 10. August. Der Minister des Innern und der Cultusminisier haben in einem Erlaß vom 6. August die Regierungspräsidenten ersucht, dahin zu wirken, daß die Communalverbände die Ueberschüsse aus der lex Huene zur Gewährung von Unterstützungen an unvermögende Schulverbände bei Volksschulbauten verwenden. Berlin, 10. August. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffs Entschädigung der Reichsunmittelbaren wegen der Aufhebung der Steuerbefreiung vom 18. Juli 1892. Berlin, 10. August. Der Gouverneur von Deutsch- Ostasrika, von Soden, hat nach dem „B. T." sein Abschiedsgesuch eingereicht. Als sein Nachfolger hat Capitän- Lieutenant Rüdiger, der jetzige Vicegouverneur, die meiste Aussicht, gewählt zu werden. — Von anderer Seite wird, der „Nat.-Ztg." zufolge, diese Nachricht für unbegründet erklärt, da im auswärtigen Amt nichts davon bekannt sei. Berlin, 11. August. Die Betriebseinnahmen der preußischen Staatsbahnen sind hinter dem ersten Viertel 1891/92 um 23/10 Millionen zurückgeblieben, trotz Millionen Plus im Personen- und Gepäckverkehr. — Der Grund ist der Rückgang des Güterverkehrs um 59/10 Millionen- doch ist den „Berl. Pol. Nachr." zufolge nicht unbegründete Hoffnung vorhanden, daß das lausende Quartal, sowie das Ouartal ab 1. October eine aufsteigende Bewegung ausweisen wird, zum Theil infolge der gegen das Vorjahr günstigeren Ernteaussichten. Köln, 10. August. Die „Köln. Ztg." erhält Meldungen aus Moskau, wonach die Cholera dortselbst von Arrestanten eingeschleppt wurde, die aus den Choleragegenden in das große Moskauer Sammelgesängniß zur späteren Weiterbeförderung nach Sachalin eingeliefert waren. Deshalb wurde jede weitere Einlieferung untersagt. In Moskau wie in Petersburg hält das niedere Volk daran fest, die Aerzte hätten nichts verdient, deshalb hatten sie die Cholera hervorgerusen. Der Generalgouverneur Großfürst Sergei erließ einen geharnischten Befehl mit der Warnung vor Crawallen. BttL.erhaven, 10. August. Heute sand eine Conserenz statt zwischen Vertretern des preußischen, oldenburgischen'und bremischen Staates über Quarantänemaßregeln gegen die Choleragefahr. Brussel, 11. August. Die gesammte belgische Presse verurtheilt aufs schärfste die Ablehnung Frankreichs betreffs eines Schiedsgerichtes im Congostreit. Frankreich verhöhne die demokratischen Grundsätze und vernichte die Sympathien Deutschlands. London, 11. August. Die Kammer vertagt sich bis Montag. Das Cabinet Salisbury demissionirt, Gladstone geht morgen zur Königin, um die Bildung eines Cabinets zu übernehmen, Roseberry nahm das Portefeuille des Auswärtigen an. Ostrowo, 10. August. Der Vorsitzende des Königlichen Eisenbabncommissariats Berlin, Oberregierungsrath Bensen, besichtigte im Auftrage des Ministeriums die auf dem Grenzbahnhose Wilhelmsbrücke getroffenen Choleramaßregeln. Es wurde die Ausstellung einer Desinfectionsbaracke an der den Grenzübergang bildenden Prosnabrücke beschlossen. Helsingfors, 10. August. Bei Hundholmen fand zwischen -en Dampfern „Ajax" und „Runeberg" ein Zusammenstoß statt. Ersterer sank und 35 Personen ertranken. Der Dampfer war aus der Rückfahrt von einem Feuerwehrsest in Borga mit 75 Passagieren unterwegs. totales rrnd ^provinzielles. Gießen, 11. August 1892. — Zur Hasfia Feier. Nachstehend bringen wir noch den Wortlaut der Reden des Herrn Justizrath Bai st, des Herrn Rectors der Universität, Pros. Dr. Siebeck, des Vertreters der Regierungsbehörde, Herrn Provinzialdirector Frhrn. v. Gagern, sowie des Herrn Oberbürgermeisters G n auth als Vertreter der Stadt aus dem großen Commers am Abend des 3. August in Steins Garten.' Herr Justizrath Batst: Von unseren Festleitern ist mir der ehrenvolle Auftrag ge- worden den ersten Lrinkspruch auszubringen. Eine Legitimation 9hl?h.ni Knmm°pra er meinen sechsundneunzig Semestern. Hassia am 3. Marz 1871 brachte ich einen °UJ b CTa rC4 welche die unseren sind und unter welchen damals eine Anzahl (^orpsbrüder — einige davon sind heute *C 4 be" ?öl-erlampf in Frankreich mit ausgefochten hatten Es war eine große Zeit. Die hefsische Division, in welcher unsere Corpsbruder standen, führte Crbgroßherzog Ludmta die aanre Armee der greise König Wilhelm und feinflrofjer©TnfrXffi von Sieg zu Steg. Aus dem gewaltigen Ringen ging die von allen Patrioten etflrebfc Einheit des deutschen Vaterlandes?das deutsche Kaiserreich hervor Sein Begründer war neben den genannten Helden — ein alter Corpsbursche. Alte deutsche Provinzen wurden jm Frankfurter Frieden dem neuen Reiche als „Reich«lande" wieder erworben. Durch das deutsche Kaiserthum wurde seit 21 Jahren der Friede nicht nur gehalten, sondern auch erhalten. Mit Recht konnte man von ihm sagen: „Das Kaiserreich ist der Friede." Kaiser Wilhelm I. ist gestorben, betrauert von der ganzen Nation. Sein Waffengefährte Großherzog Ludwig von Hessen ist ihm nur -u bald in den Tod gefolgt. Der Erbe des Ersteren ist ein that- kraftiger Mann in den besten Jahren, der das Werk seines Großvaters mit starker Hand weiterführen will, und der schon gezeigt hat, daß er kann, was er will. Auch er hat ein Stück Altdeutschland auf friedlichem Wege dem Reiche zurückerworben und ist eben daran, mitten im Meere daraus ein Bollwerk zu schaffen, das im Verein mrt der Flotte jedem Feinde den Weg nach unseren Häfen und Küsten verlegen soll. Ein Jüngling mit viel versprechenden Gaben des Geistes und des Herzens, der während seiner Studienzeit auch unserem Corps nahegeireten war, ist als Großherzog Ernst Ludwig seinem Vater in der Regierung dieses Landes gefolgt. Wir hoffen und hegen die Ueberzeugunq, daß das Wohlwollen, das der Vater unferer Ludoviciana, ihren Instituten und Bestrebungen stets bewiesen hat, auch von dem Sohne seiner alma mater gegenüber bethätigt werden wird, daß er von seiner erhabenen Stelle herab sein Auge gnädia leuchten läßt über die Gießener Corps und so insbesondere über die Hassia. Möge seine Regierung eine lange und für die Universität wie für das Hessenland eine gesegnete sein. Wir aber, wir Hessen, stehen, möge es Friede bleiben oder Krieg uns drohen, mit alter Hessentreue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland: „Litteris et armis ad utrumque parati.“ Zur Bethätigung dieser Gesinnung reiben wir auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. und des Großherzogs Ernst Ludwig einen Salamander nach alter Burschenweise. Exercitium Salamandris :c. Rector Prof. Dr. Siebeck: Meine Herren! Ich danke Ihnen für die freundliche Einladung, mit der Sie mich beehrt haben, und für die herzlichen Worte, die Ihr Herr Vorredners an mich zu richten die Güte hatte. Es ist vielleicht voraussichtlich das letzte Mal, daß ich als Vertreter der Universität die Ehre habe, in einer derartigen studentischen Versammlung zu stehen. Ich muß sagen, sie bildet einen würdigen Abschluß, indem meine Wirksamkeit gleichsam damit noch in einen volltönenden Accord ausklingt und ihre Abrundung findet. Der Rückblick aus eine Vergangenheit von 50 Jahren ist für eine Verbindung, für ein Corps in mancher Beziehung bedeutungsvoll, nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart und Zukunft. ES ist eine alte Wahrheit, daß in einem ordentlichen Stück Geschichte immer auch ein Stück Urtheil liegt; und eine Verbindung, die nach 50Jabren noch besteht und nicht blos da ist, sondern die auch noch in jugendlicher Frische auf den Füßen steht und mit frohen, freudigen Augen auf wettere 50 Jahre hinauszuschauen den Muth hat, — die hat allerdings gewissen Anspruch, daran zu glauben, daß sie nicht blos äußere, sondern auch innere Berechtigung beansprucht, eine derartige Verbindung hat damit immerhin den Beweis geliefert, daß sie Nutzen hat in der Gemeinschaft, deren Namen sie trägt, daß sie herausgewachsen ist aus Bedürfnissen, die eine nicht blos reale, sondern ideale Berechtigung haben. Sie hat ferner auch damit Anspruch darauf, sich dem Glauben hinzugeben, daß sie Interessen vertreten hat, die nicht nur einen Werth haben für die Gemeinschaft derer, die ich unter ihren Farben zusammenfiodm, sondern auch für wettere Kreise, in denen sie ihr Banner hochzuhalten beflissen ist. Ich danke den Herren bestens, daß Sie es verstanden haben, sich den Bedürfnissen der Zeiten anzupassen und ihnen gerecht zu werden. Darum bringe ich Ihnen meinen Glückwunsch von Herzen. Aus der Rede Ihres Herrn Vorsitzenden ist mir namentlich das Eine wohlthuend entgegengetreten, daß unter den Tendenzen, die Sie hier aufrecht erhalten, im Mittelpunkt diejenige steht, Ihre Mitglieder zu Persönlichkeiten zu bilden nach innen und außen, also nicht einseitig körperliche Vollkommenheiten zu pflegen, sondern abgerundete, kräftige und im Leben wirksame und wirkungsvolle Persönlichkeiten heranzubtlden. Möge Ihnen das, wie es Ihnen bisher so wohl gelungen ist — das beweist ja die große Zahl und die herzliche Sympathie der alten Herren, die in allen Kreisen des practtschen und theoretischen Lebens stehen und mit Ihnen in Verbindung treten — möge es Ihnen gelingen und beschieden sein, sich auch fernerhin dieses Ruhmes erfreuen zu dürfen. In diesem Sinne freue ich mich auch Ihres Bestandes im Interesse unserer Ludoviciana. Sie bilden in derselben eine Vereinigung, die den Anspruch auf eine geachtete und hervorragende Stellung, den Sie erheben, sich zu wahren gewußt hat. Es wird auch anerkannt werden, daß Sie immer beflissen gewesen sind, außer den Freuden und Forderungen des Studentischen dabei auch Ihren wissenschaftlichen Forderungen gerecht zu werden. Wenn auch manchmal eine Lücke im Collegienhefte bleibt, so ist das noch lange nicht o schlimm und, meine Herren, wir Professoren sind ja auch Studenten gewesen! — Meine Herren! Gestalten Sie mir, Sie auszufordern, dieser Ludoviciana, an der Sie diese Stellung von jeher eingenommen haben, ein Hoch zu bringen. Unsere Ludoviciana sie lebe hoch, hoch, hoch! (Lebhafter Beifall.) Provinzialdirector Frhr. v. Gagern: Meine Herren! Gestatten Sie auch mir, meinen Dank auszu- sprechen nicht nur für die Begrüßung des Corps, dessen Farben ich trage, sondern auch für das Gedenken der Stelle, die ich einnehme an der Spitze der hiesigen Regierungsbehörde. Es ist mir in beiden Eigenschaften öfters vergönnt, in dem Kreise der hiesigen Corps, der hiesigen Activen mich wohl zu fühlen. Nicht nur bei großen Gelegenheiten, nicht nur bet den 50jährigen Stiftungsfesten, welche in den letzten drei Jahren ja alle Gießener Corps gefeiert haben, sondern auch im kleinen Kreise, wenn wir in unserem Vereine alter Corps- studenten im Cubiculum latinum die Activen bei uns sahen: da freuten wir uns immer, zu constatiren, daß unter den Activen des Gießener 8. C. die corpsstudentischen Tugenden, der forsche Mannesmuth, die tüchtige Disciplin und Zucht und die treue, brüderliche Anhänglichkeit stets gepflegt und hochgehalten werden. Und wir alten Herren sind mit die Ersten, denen es am Herzen liegt, diese Tugenden zu fördern und uns zu freuen, daß sie lebenskräftig gedeihen bet bin diesigen C. O.'s. Ich fordere die alten Herren auf, auf das Wodl der Activen, insbesondere der Activen der Hassia einen kräftigen Salamander zu reiben. (Langanhaltender Beifall.) Oberbürgermeister Gnauth: Meine Herren! Wenn der Bürgermeister dieser Stadt dankt für die Ausnahme, die Sie ihm hier bereitet haben, wenn er Sie hier begrüßt, so kann er dafür eigentlich keinen besseren, jedenfalls aber keinen beredteren Ausdruck finden als den, den unsere Bürgerschaft selbst dafür heute fchon gefunden hat. Der Schmuck der Straßen, durch die Ihr Festzug sich bewegte, die freudigste Theilnahme der Burger, die ersparen mir die Worte. So wie in ernsten Zeiten Studentenschaft und Bürgerschaft unserer Stadt sich eins gefühlt haben, so heute am Tage der Jubelfeier. Ich bin sicher, daß ich die Gesinnung weiter Kreise in unserer Stadt wiedergebe, wenn ich Sie beglückwünsche zu Ihrem heutigen Jubelfeste, an dem es Ihnen vergönnt ist, mit der Rückschau auf eine ehrenvolle Vergangenheit ju verbinden den Ausblick auf eine hoffnungsreiche Zukunft, wenn ich den „Hessischen Verband" begrüße beim Eintritt in die Zahl der mit eigenem Heim bi er angesessenen, aber auch — grundsteuerpflich- "»en Einwohner dieser Stadt. Meine Herren! Die Errichtung Ihres (Zorpshauses bat auch den Fernerstehenden einen deutlichen ?<"eis gegeben von Ihrer Kraft, von dem Vertrauen in die Zukunft Ihrer ^ache. Und ich darf Sie wohl auch bitten, eine Bestätigung Mefer Auffassung in dem Umstand vielleicht zu finden, daß unsere Stadtverordneten-Versammlung beschlossen hat, der jungen, nach der Hohe des Berges hinaufstrebenden Straße, an der Sie Ihr schönes vc'm gebaut Haben, den Namen H-„en-Straßc ,u verleihen. Ich fasse mich kurz: ©efiatten St- Ihrem Bürgermeister, dah er sein Glas leert aus das Wohl seiner akademischen Bürger, Sie leben ? boch, hoch, hoch! (Langanhaltender donnernder Beifall.) •) Herr stud. Bopp in der Eröffnungsrede, Wir lassen hier noch den Wortlaut des Schreibens folgen, welches Herr Oberbürgermeister Gnauth in Betreff der Benennung der „Hessenstraße" an den Vorstand deS Hessischen Verbandes gelangen ließ: An ben Vorstand des Hessischen Verbandes z. H. des Herrn Amtsrichter Gebhardt hier. «. freuen uns. Ihnen ergebenst mittheilen zu können, datz d» Stadtverordnetm-Dnsammlung in der Sitzung vom 28. v. M. beschlossen hat, die am Nahrungsberg verlaufende Straße R-R des Bebauungsplanes „Hesfenstraße" zu nennen. Wennschon die Anbringung eines eudgiltigm Straßenschildes noch nicht erfolgen kann, so wollen wir doch nicht unterlassen, Ihnen von diesem Beschlüsse heute schon Kenntniß zu geben mit der Bitte, bann zugleich einen kleinen Beweis zu erblicken für die freudige £be