Dienstag ben 12. April Kenerat-Anzeiger Amts- und Zlnzeigeblatt für deu 'Kreis <5tcf$en. Hratisöeikage: Hießener Jamitienötätter 221.— n von Hiernach weisen die Reserven der Reservesonds 10 000.— Mk. die Betriebsrücklage 23000.— // Gewinnvortrag 9 918.38 t! 1074 504.71 Mk. 42 463.62 9918.38 Annahme von Anzeigen zu her Nachmittag- für den felflmbm Tag erscheinenben Nummer bi- vorm. 10 Uhr. 5000.— 5000.— // // Alle «nnoncm-vureaux bes In» und «u-lanbe- nehm« Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger^ entgegen. beziffert sich im Werthe 291 516.55 678151.14 25614.15 78368.50 854.37 Mk. // aus: von Mk. H 62603.— Mk. folgende Bestände aus: dem Reservefond der Betriebsrücklage 5pCt. Dividende den Geschästs- guthaben 4pCt. Rückvergütung auf berech- Bierteljähriger ZiSonnementspreiF: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Mr.7. Fernsprecher 51. beiterversammlungen sowie corporative Aufzüge verhindern. Die socialdemokratische Arbeiterpartei beschloß den 1. Mai demonstrativ außerhalb der Stadt zu feiern. Paris, 9. April. In der Stefanskirche zu Roan ne kam es während der Predigt zu einem Handgemenge. Dasselbe wurde von Socialisten und Anarchisten anläßlich der Predigt, die jedoch keinerlei politischen, sondern lediglich religiösen Inhalts war, veranlaßt. Die Tumultuanten sangen revolutionäre Lieder, lärmten und pfiffen. Ein Geistlicher wurde durch einen Stockschlag verletzt. Paris, 9. April. Der Prozeß Ravachol ist aus den 25. April festgesetzt. Quesnay de Beaurepaire vertritt die Anklage. London, 9. April. Die Anarchisten beriefen auf Sonntag Nachmittag eine Massenversammlung im Hydepark ein, um gegen das Urtheil in dem Walsall-Dynamitprocesse zu protestiren. Nr. 87. Erstes Blatt tigten Maaren-Bezug 1061590.35 Mk. Vortrag aus neue Rechnung zus. 42 918.38 Mk. gegenüber einem Bestand derselben Reserven bei GeschäftS- beginn im März 1890 von 15147 Mk. Aus den weiteren Verhandlungen sei noch erwähnt, daß die^gesetzliche Revision der Centralgenossenschaft Ende Februar l. I. stattgefunden und daß über dieselbe von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrathes, Herrn Kreisrath Haas, Bericht erstattet wurde. Es wird constatirt, daß die Geschäftsführung im Wesentlichen zu keinerlei Beanstandung Veranlassung gegeben habe und durchaus das Vertrauen der Genoffen verdiene. Dem Vorstande wird einstimmig Decharge ertheilt. An Stelle des wegen Geschästsüberbürdung aus dem [ Vorstände ausgeschiedenen Herrn Jacob Schmitt-Guntersblum wird der stellvertretende Vorsitzende im Aussichtsrathe, Herr Jacob Walther XVI.-Lengfeld gewählt. Die ausgeschiedenen Mitglieder des Verwaltungsrathes: Bürgermeister Gräf- Monsheim, Carl Hahn-Wenings, L. Wörner II.-Reinheim werden wieder- und an Stelle des in den Vorstand gewählten Herrn I. Walther XIV.-Lengseld wird der aus dem Vorstande ausgeschiedene Herr Jacob Schmitt-Guntersblum gewählt. Die auf der vorigen Generalversammlung für die Dauer eines Jahres angenommene Geschäftsordnung für den Waaren- Ankaus wird definitiv genehmigt und außerdem Beschluß über den Actiw und Passiv Credit der Centralgenossenschaft gefaßt. Aus den Verhandlungen selbst ging hervor, daß, wenn auch hier und da Klage über hohe Futtermittelpreise geführt werden, die Genossen sich doch mit den gelieferten Maaren durchaus befriedigt erklärten, es wurde dieses insbesondere auch für Sämereien, Kohlen und künstliche Dünger ausdrücklich hervorgehoben. Der Vorsitzende schloß die interessanten Verhandlungen mit einem Hinweis auf die Erfolge, welche auf dem Gebiete des gemeinsamen Einkaufs früher durch den Verband und jetzt durch die Centralgenossenschaft erzielt wurden und der Mahnung, mit Fleiß und Energie in der bewährten Richtung weiter zu arbeiten; der Erfolg würde dann aus Seiten der Centralgenossenschast bleiben ungeachtet der mancherlei Angriffe, welche das landw. Genossenschaftswesen in Hessen gerade in letzter Zeit habe erfahren müssen. Ausland. Budapest, 9. April. Dem Vernehmen nach wird die 'Staatspolizei die Feier des 1. Mai nicht gestatten, Ar- Derselbe hat dem Werthe nach gegen 1890 um ca 15000 Mk. zugenommen, dem Quantum nach bei sv.< suttermitteln und Kohlen etwas ab-, bei Hülfsdüngern cm as zugenommen. Es wird hervorgehoben, wie die Thatsache,' daß der Gesammtbezug sich auf der Höhe des vorigjährigen gehalten, um so schwerer ins Gewicht falle, als die Zahl der der Centralgenossenfchaft angehörigen Vereine am Ende des Berichtjahres erst 97 betrage gegenüber einer Zahl von 142 Consumvereinen, die Ende 1889 noch dem Verbände der Consumvereine angehört hatten und deren Bestellungen in 1890 zum größeren Theile noch mit ausgesührt worden waren. Es wird diese Erscheinung zu Gunsten der neuen Organisation ausgelegt, die es ermöglicht habe, in intensiverer Weise als früher zu arbeiten. Das Kraftfuttermittel-Geschäft habe in dem abgelaufenen Jahre die größten Schwierigkeiten geboten, da mau es mit stets steigenden Preisen bis gegen Ende des Wahres zu thun hatte. Die Geschäftsordnung bedinge die Berechnung eines mäßigen Tagespreises und es wird an der Hand der Frankfurter Marktberichte für Kleie und Trockentreber und der Hamburger Berichte für Palmkuchen nachgewiesen, daß die von der Centralgenossenschast in Ansatz gebrachten Preise sich stets erheblich unter den Marktpreisen dieser beiden für die betreffenden Maaren in unserem Lande maßgebenden Handelsplätze gehalten haben; die Verwaltung sei allerdings gezwungen gewesen, der steigenden Preisbewegung zu folgen und es fei dieser Conjunctur der außergewöhnlich hohe Gewinn, der erzielt worden ist, zu verdanken. Der letztere beträgt nach der vorliegenden Bilanz 62 603 Mk. T)ie Vorschläge des Verwaltungsraths und Vorstandes zur Verwendung des Reingewinnes werden einstimmig angenommen und fallen demgemäß zu: 2(mtlid?er Theil. Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche im Kreis Friedberg. 3n Staden ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöftsperre aufgehoben; in Melbach dagegen der Ausbruch der Seuche amtlich festgestellt und seitens des Groß- herzogl. Kreisamts Friedberg Gehöftsperre verfügt worden. Gießen, den 9. April 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Es waren 28 Vereine und Genossen vertreten und es nahmen etwa 50 Personen an den Verhandlungen Theil. Zu den Gegenständen der Verhandlung übergehend, ertheilte der Vorsitzende zunächst Herrn Director Dr* Heidenreich das Wort zur Erstattung des Geschäftsberichts. Von den Ausführungen fei hier das folgende hervorgehoben: Das Jahr 1891 schloß mit einem Mitglieder st and von 97 Genossen gegenüber 85 am Beginne des Jahres. Die Geschästsantheile sind von 85 aus 143 gestiegen und die G e s ch ä s t s g u t h a b e n von 4420 auf 10600 Mk. ; die Haftsumme der Genossen von 42500 auf 71 500 Mk. Der Gesammt-Waarenbezug Deutsches Reich. Berlin, 9. April. Das Programm für den Mitte Mai bevorstehenden Besuch unseres Kaiserpaares in Stettin und Danzig ist nunmehr festgestellt worden. Es erhellt hieraus u. A., daß die Majestäten in der Zeit vom 15. bis zum 17. Mai in Danzig verweilen werden, was die „Nordd. Allg. Ztg." zu der Bemerkung veranlaßt, daß hiermit das Gerücht von einer geplanten Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Czaren in Danzig keineswegs an Wahrscheinlichkeit gewinne. Unwahrscheinlich sei eine solche Begegnung wenigstens auf der Rückreise des Czaren von Kopenhagen schon deßhalb, weil das Ehejubiläum des dänischen Kömgspaares erst auf den 26. Mai falle. — Jedenfalls bleibt auch dem jüngsten Gerücht bezüglich einer geplanten Zusammenkunft zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser gegenüber die äußerste Zurückhaltung geboten. — Die ausgetauchten Gerüchte über eine neue Mili - tärvorlage, welche dem Reichstage in seiner nächsten Session gemacht werden soll, scheint eines thatsächlichen Untergrundes nicht zu entbehren, obwohl die bezüglichen Meldungen noch unsicher genug Hingen. Wie die „Voss. Ztg." wissen will, sollte die angekündigte Militärvorlage dem Reichstage noch in den letzten Tagen seiner verflossenen Session zugehen und sei lediglich auf Befürworten des Reichskanzlers vertagt worden. Es hätten über die Vorlage eine größere Anzahl von Erörterungen einer speciellen Commission unter dem persönlichen Vorsitz des Kaisers stattgefunden. Allgemeiner Ansicht zufolge handelt es sich bei der signalisirten Militärvorlage um die Ausnutzung der steigenden Bevölkerungsziffer des Reiches zur Stärkung der Wehrkraft, wie dies der Reichskanzler schon im Reichstage gelegentlich angebeutet hat. Hoffentlich wird man in der Zwischenzeit bis zum Wiederzusammentritte des Reichstages Näheres in dieser Sache erfahren. — Bekanntlich hat der Bundesrath in voriger Woche dem vom Reichstage so gut wie einstimmig angenommenen Gesetze, betreffend die Unterstützung der Familien von zu Friedens Übungen eingezogenen Mannschaften des Beurlaubten st andes endlich zugestimmt. Bei der Bedeutung des Gesetzes für weite Volkskreise darf man wohl erwarten, daß seiner Ausführung nunmehr keine weiteren Hindernisse bereitet werden, so daß es vom 1. Juli 1892 ab ohne Weiteres in Kraft treten kann. — In Belgien rüstet man sich auf allen Seiten zu den auf Grund des neuen Wahlgesetzes zum ersten Male vorzunehmenden allgemeinen Parlamentswahlen. Bei denselben wird es sich in der Hauptsache wiederum um ein Ringen zwischen den Liberalen und den Clericalen handeln, von seinem Ausgange hängt es ab, ob die jetzige clericale Herrschaft in Belgien noch weiterhin bestehen oder aber beseitigt werden wird. In voller Würdigung der Schwere dieser Entscheidung haben sich jetzt die beiden Flügel der liberalen Partei Belgiens zu gemeinsamem Vorgehen im Wahlkampfe entschlossen und sich über die Ausstellung einer gemeinsamen Candidatenliste bei gegenseitiger Achtung der Programme ge- einigt. Zweifellos sind hiermit die Aussichten für die belgi feben Liberalen in dem bevorstehenden Wahlfeldzuge erheblich gestiegen. Potsdam, 9. April. Der Kaiser traf Vormittags um 9 Uhr ein, besichtigte die Leibcompagnie, die erste, dritte, fünfte und neunte Compagnie des ersten Garderegiments im Lustgarten. ~ Der Besichtigung wohnten zahlreiche fremdländische Offiziere bei. Hieraus nahm der Kaiser an der Frühstückstafel im Osfiziercasino des ersten Garderegiments Theil. Nachmittags sand die Grundsteinlegung der Kaserne der Leib-Escadron der Gardes-du-Corps statt. Der >e)dgcr erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener P-Mttteu-kLlt-r werden dem Anzeiger wßchentlich dreimal beigelegt. 72 420 Ctr. Hülssdünger 114 403,54 Ctr. Kraftsuttermittel 118,5 „ Sämereien 526 Doppelwaggons Kohle» Diverse Maaren jus. Nereefte Nachrichten relegraphiicheS Sorrelpondenz-Bureaa Berlin, 10. April. An der heutigen Frühstückstafel beim Kaiser paar nahmen unter anderen Gras Waldersee und der Abgeordnete Rauchhaupt Theil. Berlin, 10. April. Von den bei den hiesigen Straßen- crawallen am 25. u. 26. Februar Betheiligten verurtheilte die Strafkammer acht wegen Landsriedensbruchs zu 15 bis 38 Monaten Gesängniß, die übrigen wegen Betheiligung an Auflauf und Widerstand zu zwei bis zwölf Monaten Ge- fängniß, einen wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung der Schutzmannfchaft zu zwei Jahren Gefängniß. Paris, 10. April. Wie aus Compiögne gemeldet wird, explodirte dort gestern eth mit Pulver angefülltes Zinnrohr, welches auf ein Fensterbrett in der Wohnung des Prä- fibenten des Gerichtshofes gelegt war. Menschen wurden nicht verletzt. Man glaubt, daß es sich bei dem Attentat um einen Racheact von Wilddieben handle. Paris, 10. April. Nach einer Meldung aus Buenos- Ayres findet daselbst heute die Wahl der Bürger statt, welche den Präsidenten wählen sollen. Die Radicalen hatten beschlossen, sich der Wahl zu enthalten. Der Belagerungszustand werde für den heutigen Wahltag aufgehoben werden. Depeschen bcS „Bureau Herold". Berlin, 11. April. Gestern, Sonntag, wurden in zwei i hiesigen Wahlkreisen socialdemokratische Flugblätter in vielen tausenden Exemplaren verbreitet. Die Polizei sistirtc einzelne der Verbreiter, ließ dieselben aber nach Feststellung ihrer Personalien ungehindert. - Berlin, 11. April. Die juristische Gesellschaft wählte den Reichsbankdirector Koch zum ersten Vorsitzenden wieder. Koch hatte gebeten, wegen seiner vielen Amtsgeschäfte von seiner Wahl abzusehen, fügte sich aber dem lebhaften Wunsche der Versammelten. Wien, 10. April. Die Nachricht eines polnischen Blattes, der Deutsche Kaiser werde an den galizischen Manövern theil- nehmen, wird osficiös dementirt. Centralgenossenschast der hessischen landw. Consumvereine. Darmstadt, 6. April 1892. Die zweite ordentliche Generalversammlung der C e n t r a l- I genossenschaft der Hess, landw. Consumvereine wurde am Samstag den 2. l. Mts. im Darmstädter Hof I dahier, unter Vorsitz des Herrn Kreisrath Haas-Offenbach, abgehalten. Locale» und z-rovinzielle». Gießen, 11. April 1892. A 91 m gestrigen Sonntag sand in Mainz der 53. Turnlag des Mittelrheinkreises unter dem Vorsitz des Kreisver- rreters Herrn Nothermel-Darmstadt statt. Vertreten waren 120 Vereine mit 185 Stimmen. Auf Anregung des Vorsitzenden ehrte die Versammlung den verstorbenen Großher- zog von Hessen durch Erheben von den Sitzen und sandte eine Depesche an den erkrankten Geschästssührer der detltschen Turnerschast Herrn Dr. Götz-Lindenan ab, ihm baldige Genesung wünschend. Nach dem Bericht des Vorsitzenden besteht der Kreisverband „Mitt elrh ein" zur Zeit aus 485 Vereinen gegen 461 im Vorjahre mit einer Mitgliederzahl von rund 43000 und umfaßt das Großherzogthum Hessen, die Regierungsbezirke Wiesbaden, Coblenz und Trier, die Kreise Marburg, Kirchhain, Hanau und Gelnhausen, das Fürstenthum Birkenfeld, das nördliche Elsaß, sowie einige angrenzende bayerische Gebietsteile. — Als Festort für das 30. Mittelrheimsche Kreisturnsest wurde Darmstadt gewählt. Eine kleine Minderheit stimmte für Gießen. Bei den folgenden Punkten der Tagesordnung: Abänderung der Z^reissatzungen im Anschluß an die Beschlüsse des 10. deutschen Turntages in Hannover, entstanden lebhafte Debatten und sind die wesentlichen Beschlüsse folgende: Der Mittelrheinkreis bildet den 9. deutschen Turnkreis. Bildet sich ein neuer Turnverein, so kann er erst nach zweijährigem Bestände in den Verband ausgenommen werden. Die wissentlich falsche Angabe des Mitgliederbestandes wie sonstiger statistischer Zahlen können zum Ausschluß aus dem Verband führen. Die Kreis- turnseste sollen von jetzt ab nur alle zwei Jahre stattfinden. Die Zahl der Kampfrichter bei Wetttnrnen wurde auf drei festgesetzt und beschlossen, daß auch Turnlehrer von Fach an dem Wettturnen theilnehmen dürfen. (Wie uns mitgetheilt wurde, ist beschlossen worden, die Kreisturnfeste in Zukunft nur alle zwei Jahre abzuhalten, so daß Gießen erst für das Jahr 1895 Aussicht hat, als Festort gewählt zu werden. Für Darmstadt, welches im vorigen Jahre gegen Mainz mit nur 5 Stimmen Differenz unterlag, wurde hauptsächlich geltend gemacht, daß das Kreisfest überhaupt nur zweimal in feinen Mauern gefeiert wurde und zwar zuletzt 1875, während in Gießen das Fest schon dreimal, zuletzt erst 1883, abgehalten wurde. Red.) — Am 9. l. M. wurde ein Mensch verhaftet, der einen Diebstahl begangen hatte, indem er durch das Fenster in einen Schauspielerwagen eingestiegen war und einen gering- werthigen Clownanzug entwendet hatte. — Raub. Wie man erfährt, heißt der freche Räuber nicht David Hahn/ der Träger dieses Namens wurde in Darmstadt verhaftet, konnte aber seine Unschuld nachweisen. Der eigentliche Thäter nannte sich bei seiner Festnahme und Einlieferung in Großenlüder Martin Müller von Freising bei München. Derselbe soll in der gletchen Nacht, in welcher er ausgebrochcn ist, einen Einbruchsdiebstahl begangen und sich Kleider und Geld verschafft haben. Jetzt fehlt jede Spur von demselben. — Durch Verfügung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 6. April l. I. wurde mit Wirkung vom 1. Mai l. I. für die Gemeinden Bannerod, Weid- Moos, Nösberts und Vaitshain ein gemeinschaftliches Ortsgericht mit der Bezeichnung „Ortsgericht Bannerod" angeordnet. — Schuldienst - Nachrichten. Am 19. März wurden den Schullehrern Georg Falkenstein und Johann Metzger zu Bretzenheim Lehrerstellen an den Gemeindeschulen zu Bodenheim, bezw. Finthen, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Friedrich Andreas Schmitz zu Flonheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bretzenheim, — am 21. März wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Raiß aus Büttelborn die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ibersheim, — an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Otto Wilhelm zu Groß-Eichen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seidenbuch, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Schmidt aus Darsberg die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Siedelsbrunn, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Jochem aus Friesenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Steinheim, mit Wirkung vom 1. April an, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Carl Sturmfels zu Leeheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Goddelau, — am 22. März wurde dem Schullehrer Carl Schmitt zu Finthen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flonheim, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Södler aus Steinfurth die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Atzenheim, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johannes Brück zu Worfelden die Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Offenheim, — am 25. Marz wurde dem Schulverwalter Friedrich Heppner zu Gimbsheim eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule daselbst, — am 1. April wurde dem Schulamtsaspiranten Valentin Müller aus Hering eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen, — am 2. April wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Jacob Thomas auS Büttelborn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kelsterbach — übertragen. A Die jüngst durch die Presse gegangene Mittheilung, daß in Folge des Thronwechsels in Hessen der Großherzog eine Amnestie etlaffen werde, hat, wie uns geschrieben wird, den Staatsanwaltschasten der drei Provinzen eine große Arbeitslast verursacht, indem bei dem Justizministerium von den in den Provinzialgesängniffen des Großherzogthnms und dem Landeszuchthause Jnhastirten und deren Familienangehörigen massenhafte Begnadigungsgesuche eingelaufen sind, welche den Staatsanwaltschaften jetzt zur Begutachtung vorliegen. Da diese Begutachtung eine Prüfung und Durchsicht der einschlägigen Gerichtsacten nothwendig macht, läßt sich ermessen, welche Arbeitslast den Staatsanwaltschasten er- tvächst und wird mithin bis zur Erledigung der sammtlichen Begnadigungsgesuche noch immer geraume Zeit hingehen. Dem „Manufacturist" ging auö seinem Leserkreise nachstehender' Artikel über das überhandnehmende Detailreisen zu, der manches Wahre enthält und den wir deshalb nachstehend zum Abdruck bringen. Er lautet: „Auf einen großen Uebel- stand, den das Detailreisen im Gefolge hat, ist, soviel ich weiß, noch nicht hingewiesen worden, wohl weil er sich erst jetzt fühlbar zu machen beginnt, und das ist die Verringerung der Kaufkraft großer Theile der Bevölkerung in viel von Detailreisenden heimgesuchten Gegenden, die zunehmende Verschuldung und damit die beginnende Verarmung in ihnen. Hier (in Thüringen wohnt der Verfasser) wie anderwärts wird viel detailgereist- 6—10 Detailreisende an einem Platze sind keine große Seltenheit. Unsere Amtsgerichte sind überhäuft mit Hypothekensachen und nie vorher ist die Zahl dcr Hypothekeneintragungen fo groß gewesen, wie irn letzten und vorletzten Jahre. Ich hatte oft Gelegenheit, solchen Geldbedürftigen gegenüber zu stehen und habe mich immer recht eingehend nach der Veranlassung des Schuldenmachens erkundigt. Weitaus in den meisten Fällen begann dieses durch den Kauf beim Reisenden. Die Gelegenheit ist zu günstig, man braucht nicht gleich baares Geld, und so wird für 30, 50 oder noch mehr Mark bestellt, während der Käufer sonst für vielleicht 10 Mk. im Laden gekauft und bezahlt hätte. Beim Wiederkommen des Reifenden, der sich vorher avisirt, will er natürlich Geld sehen. Man bezahlt Etwas, vielleicht die Hälfte, und pumpt wieder neue Maaren dazu. Das geht eine Weile so fort, bis das Conto hoch genug erscheint, dann wird aus Zahlung gedrückt. Der Käufer muß, wenn nicht gar geklagt wird, einen Wechsel über feine Schuld unterschreiben, zu dessen Deckung dann Geld beim Vorschußverein ausgenommen wird. Der Käufer hat nun für die meist ansehnliche Verzinsung und Tilgungsquote zu sorgen. Um dieser möglichst zu entgehen, nimmt er lieber ein Kapitälchen auf seinen Besitz auf, das er nicht abzutragen braucht und zu billigerem Zinsfuß bekommt. Daß solche Familien, denen das Borgen aus diese Weise zur Gewohnheit wird, aus keinen grünen Zweig kommen, ist wohl klar. Zur Verzinsung und Abtragung der leichtsinnig und unnöthigerweise gemachten Schulden werden die nicht zum Lebensunterhalt unbedingt nöthigen Mittel verbraucht und die Kaufkraft der Leute ist andauernd geschwächt. Sv untergräbt das Detailreisen den ansässigen Geschäftsleuten aus lange Jahre hinaus das Geschäft und diese Schädigung ist um so schwerwiegender, als ihre Nachtheile nicht nur dem ursprünglich Schuldigen fühlbar werden, sondern sich eventuell forterben! Wie von anderer Seite schon oft ausgeführt ist, und von in Detail- reisenden Häusern auch zugegeben wird, erwächst ihnen durch das Reifen kein großer Segen. Ich bin überzeugt, daß ein allgemeines Einstellen der Reisethätigkeit auch den Geschäften, die beständig reifen lassen, neuen Verkehr und neue Abnehmer am Platze bringen wird, jo daß sie für das Reisegeschäst durch ein ebenso besseres Hausgeschäft reichlich Entgelt finden werden. Darum fort mit dem Detailreifen! Einem gesetzlichen Verbot desselben würde wohl die große Mehrzahl der Manu- facturiften freudig zustimmen." Grünberg, 10. April. Die hiesige Sparkasse hat wiederum vier Subventionen im Betrage von je 150 Mk. zur Ausbildung von Jndustrielehrerinnen bewilligt, um tüchtige Lehrkräfte für den weiblichen Handarbeitsunterricht für die Schulen des Sparkaffebezirks zu gewinnen. Dorn Vorstände der genannten Raffe*roerben deßhalb die Schulvorstände des Bezirks ersucht, geeignete Bewerberinnen, die den nach Ostern ds. Js. beginnenden Cursus des Alice-Frauenvereins zu Gießen besuchen wollen, anzumelden, bezw. solche vor- Zuschlägen. ? Dodenhausen (Kr. Schotten), 10. April. Aus der benachbarten sogenannten „Heulsmühle" brach am vorgestrigen Vormittag Feuer aus. Bei dem herrschenden starken Sturme verbreitete sich das Feuer sehr rasch, so daß nach kurzer Zeit Dampsschneiderei, Mühle und Wohnhaus in Asche sanken. Die noch neue Scheuer konnte gerettet werden. Der Brand ist jedenfalls in der unmittelbar an das Wohnhaus schließenden Dampsschneiderei entstanden und hat ersteres sogleich in Flammen gesetzt. Der Besitzer ist außer der landesgesetzlichen Landesbrandkasse nicht versichert, fein Verlust somit beträchtlich. B. Büdingen, 9. April. Bei der heute dahier vorgenommenen Pferdemusterung verunglückte der hiesige Gensdarmeriewachtmeister Jö ckel dadurch, daß ihm ein Pferd wider die Brust schlug, in Folge dessen er ohnmächtig wurde und nach Hanse getragen werden mußte. Der Zustand soll bedenklich fein. Mainz, 9. April. Eine hiesige bedeutende Firma, die vor einiger Zeit ihr Hauptgeschäft nach Frankfurt a. M. verlegte, in Mainz selbst aber nur eine Filiale des Geschäfts unterhielt, sah sich nunmehr auch infolge eines bedeutenden Besitzwechsels veranlaßt, die hier befindliche Filiale aufzugeben. Durch diese Geschästsveränderung war sie ge- nöthigt, das überschüssig gewordene Arbeiterpersonal zu entlassen. Vor einigen Tagen wurden nun zwei Arbeiter, die noch nicht sehr lange in dem fraglichen Geschäfte thätig waren, ausgelohnt und entlassen, aber gleichzeitig wurde ihnen von der Firma ein Betrag von je 250 Mk. eingehändigt in Rücksicht aus dte Dienste, die sie setther dem Geschäfte geleistet hatten- drei andere Arbeiter, die schon lange Zeit in dem fraglichen Geschäft thätig waren, erhielten für die Dauer ihres Lebens eine jährliche Pension von je 600 Mk. von den Inhabern der Firma ausbezahlt. Eine solche Arbeiterfürsorge verdient hohe Anerkennung. A Lampertheim, 9. April. „Nein! so etwas ist doch noch nicht dagewesen," riefen gestern die Bewohner unseres Marktfleckens aus, als cs bekannt wurde, daß in der Nacht der fünfte, sage und schreibe der fünfte Einbruch verübt und der Einbrecher endlich dingfest gemacht wurde. Wer aber ist dieser Einbrecher? fragte jeder. Man höre und staune: es ist ein etliche zwanzig Jahre alter taubstummer Schneider geselle? So etwas war wirklich noch nicht da und man würde es nicht glauben, wenn der Bursche nicht bereits vier Einbrüche vollständig zugestanden hätte, während er einen noch leugnet. Waß nun die Persönlichkeit des Einbrechers anbelangt, fo ist zu bemerken, daß er äußerst schlau und pfiffig ist. Er wußte sich stets die genaueste Localkenntniß der betreffenden Häuser zu verschaffen. Daneben versteht er zu klettern, zu laufen und zu springen wie ein Schimpanse. Boshaft und schabernakisch ist er auch und ein eifriger Karten- und Hazardspieler dazu. Er versteht es, ein Bänkelchen aus- zulegen. Um seinen Liebhabereien zu sröhnen, brauchte der Bursche Geld, welches das Schneiderhandwerk nicht abwarf. Das Einbrechen fiel aber auch stets mager aus. Man sieht den Gerichtsverhandlungen natürlich mit großer Spannung entgegen, denn das Verhör eines taubstummen Einbrechers scheint in den Annalen der Strafgerichte zu den Seltenheiten zu gehören. Vom Odenwalde, 8. April. Seitdem die neuen Handelsverträge in Kraft getreten, werden größere Mengen italienischer Rothweine nach unserer Gegend eingesührt. Derselbe wird auf den Zvlllagern verschnitten und um 36 bis 40 Mk. per Hectoliter abgesetzt- in den Wirthschasten wird das y4 Liter für 20 Psg. verzapft. Vermischtes. * Mannheim, 9. April. Heute früh 51/2 Uhr fand im Hose des hiesigen Amtsgerichts die Hinrichtung des Raubmörders Rei tter statt, welche durch den Scharfrichter Müller aus Ladenburg vollzogen wurde. * Neisse, 9. April. Der Gutsbesitzer Ludwig aus Procken- dors wurde wegen Ermordung seiner Magd zum Tode verurtheilt. * München, 9. April. Gestern Nachmittag wurden durch Einsturz eines Gewölbes in einem Hause an der Schwind- straße zwei Arbeiter verschüttet. Sie erlagen den hierher erlittenen Verletzungen. * München, 9. April. Nach einer Meldung der „Neuesten Nachrichten" aus Füssen brannte in der Staatswaldung Hohenschwangau-Füssen ein District von 30 Tagwerk ad. Das Feuer ist noch nicht gelöscht, lieber taufend Feuerwehrleute befinden sich an der Löscharbeit. * Wien, 7. April. Der Sicherheitswachmann Adalbeit Jake sch, 27 Jahre alt, hat sich heute Morgen um 4 Uhr, als er vom Rayondienst einrückte, in der Sicherheitswachkaserne in der Postgaffe aus einem merkwürdigen Motiv erschossen. Er hatte heute Nacht seinen Mantel und Säbel in eine Rettungszille gelegt, welche der Wind wegriß. Er konnte Mantel und Waffe nicht mehr erreichen und hat, wie er selbst nieberfflhrieb, den Selbstmord begangen, nm einem Anstand und dem Spott der Kameraden zu entgehen. * Paris, 9. April. Der Mörder der Baronin Dellard, Exoffizier Anastay, wurde heute Morgen hingerichtet. Er war standhaft und bat, feinen Kopf für wissenschaftliche Zwecke zu verwenden. * Furchtbare Scenen bei einem Schadenfeuer. In Freienwalde a. O. kam vor einigen Tagen Morgens aus bis jetzt noch nickt ermittelten Ursachen in dem in der Marktstraße gelegenen Wohnhaufe des Brauereibesitzers Danz Feuer zum Ausbruch, das längere Zeit unbemerkt blieb und die Treppe unpaffirbar machte, ehe alle Bewohner des Hauses geweckt werden konnten. Acht Personen, Nachbarn, $' <,riterr Gesellen und Lehrlinge, welche sich vor Eintreffen bet Feuerwehr in hochherziger Weise am Rettungswerke beteiligten, haben in dem brennenden Hause ihren Tod gefunden oder sind ihren Wunden erlegen. Von den Bewohnern des Hauses ist die Mietherin des oberen Stockwerkes, Frau Leugner, in den Flammen umgekommen - die übrigen Bewohner sind gerettet. Das Unglück geschah in Folge Einstürzens des Schornsteins, dessen Trümmer die im brennenden Gebäude Anwesenden begruben. Den Verunglückten zu Hilfe zu eilen, war nicht möglich und unthätig mußte man dabei stehen und die Hilferufe anhören. Einem Schlächtergesellen waren durch die Trümmer beide Beine vollständig eingeklemmt- er sah selbst, daß Hilfe unmöglich war. Er bat, ihn doch zu tödten, damit er nicht dem Flammentode preisgegeben sei, und als er keine Erhörung fand, zog er fein Taschenmesser hervor und stieß sich dasselbe in den Hals, fo daß er alsbald verblutete. ♦ Erinnerungen eines Gardeoffiziers aus der Regierungszeit des Königs Friedrich Wilhelm IV. erzählt der Freiherr von Kessel-Zeutfch in feinem im Verlag von R. Eisensckmidt erschienenen Buche. Wir greifen aus demselben eine Anecdote heraus, die sich aus die nächtlichen Spaziergänge des Königs bezieht. Derselbe passirte, wie gewöhnlich während des Sommerabends, unmittelbar vor Mitternacht, in einen Mantel gehüllt, von einer Promenade heimkehrend, die Wache. Auf Wachtposten stand ein ober- * schlesischer Grenadier des 1. Garde-Regiments, der als Wasser- pole der deutschen Sprache nicht ganz mächtig war. Als derselbe in der Nacht die Gestalt des Königs gewahrte, der in der Regel einen anderen Weg einzuschlagen Pflegte, um das Schloß Sanssouci zu erreichen, rief derselbe in vollem Diensteifer den Landesherrn mit: „Halt — Wer da!" an. — „Der König?" war die Antwort. — „Dos glob ich nicht," erwiderte der Posten. — „Nun denn", sagte der König, „komm er doch an die Laterne, da wird er mich erkennen!" Mit gefälltem Bajonnet näherte sich n"n der diensteifrige Grenadier wirklich der Laterne, überzeugte sich, daß der Angerufene wirklich der König sei, und sagte, das ; Gewehr präsentirend, zu ihm: „Können passieren!" Der König fragte nun den Posten: „Woran hast Du mich denn j erkannt, mein Sohn?" woraus der Grenadier mit lauter- I Stimme erwiderte: „An Ihre dicke Kupp!" Der König, der I so herzlich über derartige derbe Redensarten lachen konnte, ’ vermochte sich des Lachens nicht zu erwehren, das er fortdauernd wiederholte und dadurch die Königin, welche sich bereits zurückgezogen hatte, veranlaßte, ihm entgegenzugehen. b 2 5 Gl ft: rt |el hi