Nr. 9 Erstes Blatt Dienstag dm 12. Januar 1892 Clints- und Anzeigeblatt fnv den Aveis Gieszen. Hratisöeitage: Gießener IamitienMtter Amtlichem Theil 2. Z. 4. b. c. d. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Vierteljähriger Avounementsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar. 7. Fernsprecher 51. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufüaen: a. Geburtszeugniß; Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 17. December 1891. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Bekanntmachung, betreffend die Schafräude zu Hof-Albach. Nachdem die Schafräude in Hof-Albach nunmehr erloschen rst, haben wir die über diese Gemarkung verfügte Sperre unter dem heutigen aufgehoben. Gießen, den 9. Januar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Ausland. Bern, 9. Januar. Die Botschaft des Bundesraths über die Handelsverträge mit Deutschland und Oesterreich. Ungarn berechnet die künftigen Zollerträgnisse auf jährlich 36,230,000 Frcs. Mailand, 9. Januar. Die Influenza ist hier im Abnehmen begriffen, dagegen tritt sie in Genua und Turin sehr ernst auf. Nom, 9. Januar. „Popolo Romano" erwartet eine ungestörteBesitznahmedesThrones durch den neuen Khediven Abbas. Die „Tribuna" befürchtet das Wiederaustreten des englisch-französischen Gegensatzes. Dorpat, 9. Januar. Der Unterrichtsminister hat verfügt, daß die Abiturientenprüfung in russischer Sprache stattfinden muß. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. -5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. Srnwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen nctiben Dtenstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein; ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; Hettefte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Burcau. Aachen, 10. Januar. Auf dem Schacht „Wilhelmine" bei Nothberg wurden zwei Bergleute infolge des vorzeitigen Losgehens eines Sprengschusses getödtet. Paris, 10. Januar. Senator Admiral Peyron, früherer Marineminister, ist gestorben. Petersburg, 10. Januar. Das Verbot der Ausfuhr von Weizen wird durch ein heute veröffentlichtes Manifest aus Finland ausgedehnt. Kairo, 11. Januar. Die hierher gelangte Nachricht von der Ansicht der europäischen Aerzte, daß der Tod des Khedive durch die Pflichtvergessenheit und Unfähigkeit der egyp- tischen Aerzte verursacht sei, hat große Entrüstung hervorgerufen und ist die weitere Untersuchung der Angelegenheit wahrscheinlich. » » s London, 11. Januar. Der Herzog von Clarenee ist an der Influenza mit Lungenentzündung erkrankt. Depeschen deS „Bureau Herold". Bremen, 10. Januar. Der Norddeutsche Lloyd beförderte 1891 über Bremen 138457 Personen gegen 140 410 im Vorjahre. Deutscher Reich. Berlin, 9. Januar. Der Kaiser hielt am Samstag in Begleitung seines aus Kiel in Berlin eingetroffenen Bruders, des Prinzen Heinrich, und einer Anzahl hierzu eingeladener Herren eine größere Hofjagd auf Damwild im Grünewald ab. — Die Besserung im Befinden des Prinzen Georg vonSachsen schreitet regelmäßig fort. Der Prinz bringt bereits einige Stunden täglich — allerdings mit Unterbrechung — sitzend außer Bett zu. Appetit und Allgemeinbefinden sind befriedigend. — Der Bundesrath hielt am 7. Januar seine erste Plenarsitzung im neuen Jahre ab. Nachdem zunächst der Gesetzentwurf über die Rechtsverhältnisse der Lehrer in Elsaß- Lothringen den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden war, trat der Bundesrath in die Specialberathung des Trunksuchtsgesetzes auf Grund der Ausschußberichte nn, doch wurde die Debatte schließlich abgebrochen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangten verschiedene Angelegenheiten von untergeordnetem Interesse zur Erledigung. Berlin, 9. Januar. Der Kaiser forderte einen Bericht ein über vorhandene Rettungs- und Schutzeinrichtungen für die durch Hochwasser gefährdeten Gegenden und drückte die Hoffnung aus, daß Jeder sein Leben einsetze im Falle der Gefahr. Berlin, 9. Januar. Nach dem „Staats-Anz." findet die Eröffnung des preußischen Landtags am 14.Januar- Mittags 12 Uhr im weißen Saale statt. Berlin, 9. Januar. Nach Meldungen des „Berl. Tgbl." beruht das Gesetz über das Armenwesen, welches demnächst vor den Senat gelangen wird, auf den Statuten I des Elberfelder Armengesetzes. Breslau, 9. Januar. Zu der Blättermeldung über einen Erlaß, betr. Ersparnisse der Eisenbahnverwaltung, bemerkt die „Schles. Ztg.", sie erfahre von berufener Seite, daß es sich weder um einen Ministerialerlaß noch um eine Verfügung der hiesigen Direction, sondern, die Authentität des Schriftstücks vorausgesetzt, lediglich um eine Verfügung des Betrtebsamts handle. Eine Herabsetzung der Arbeiterlöhne im Breslauer Bezirk sei nicht beabsichtigt. Es sei eine Untersuchung eingeleitet, ob eine derartige Verfügung von dem Betriebsamte des Directionsbezirks Breslau tatsächlich ergangen sei. Hamburg, 9. Januar. Die „Hamb. Börsenhalle" erklärt aus Grund. bester Informationen, die Mittheilungen des ,,-vemps über den in Weidah betriebenen angeblichen I Menschenhandel beruhten auf einer irrtümlichen Darstellung der Verhältnisse. Es handelte sich um Engagements I bon Arbeitern auf bestimmte Zeit für den Eisenbahnbau int Congostaat, wie solche schon immer, auch für Plantagen, bei verschiedenen Volksstämmen abgeschlossen wurden. München, 9. Januar. Im Landtage theilte Minister Crailsheim mit, die bayerischeVerwaltnng stehe der Reform I des Etsenbahntarifs sympathisch gegenüber.' Die Verhandlungen seien bisher an der ablehnenden Haltung anderer I Verwaltungen gescheitert. totales und provinzielles. Gießen, 11. Januar 1892. . . 3 -b'°terverein hat mit Lessings „Emilia Galotti" sein erstes Vereinsjahr roürbig und wohlgelungen abgeschlossen. Freilich, das Jahr war etwas lang, Julian und Gregorian rechnen wesentlich kürzer diese Zeitspanne. Die Schwierig- I . ten, die stch dem jungen Unternehmen entgegenstellten, waren mcht unbedeutend, stets sehr unerwartet, die Führer des Vereins hatten nirgends einen Anhalt, alles mußte erst aus eigener Praxis gelernt werden- es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, selbst nicht einmal ein Theatermeister. Es wäre nicht uninteressant, nachzuforschen, ob unser, jetzt im sicheren Fahrwasser steuerndes Vollschiff „Co ne ertverein" I hundert Iah ren alle Klippen ohne Havarie umschiffte, ob nicht auch damals, wie es jetzt der kleinen Schaluppe „T h e a t e r v e r e i n" geht, ihm der Vorwurf der Seeräuberei I geuwcht worden ist. Weiter wäre es interessant, zu wissen, wie der Theaterverein sein erstes Säeulum begehen wird, ledenfalls im eigenen Hause, wohl gar mit der Tetralogie von I Richard Wagner? Ehe aber dieses goldene Zeitalter herein- gebrochen ist, soll fleißig weitergearbeitet werden. Warum dem Verein eigentlich Widersacher erwachsen sind, ist nicht recht verständlich,- der die Legende gebildet hat, daß dem hiesigen Theaterunternehmen eine illoyale Coneurrenz geschaffen, ist noch nicht ermittelt worden, wohl aber weiß man, wie falsch, wie thöricht diese Behauptung ist. Wer die Mitgliederliste des Theatervereins mit der Abonnementsliste des Herrn Reiners vergleicht, wird fast dieselben Namen finden, jene ober, die über Gewalt schreien, glänzen aus beiden durch ihre Abwesenheit. Der Theaterverein gönnt fich sechs Abende im Jahre, dem Theaterdirector bleiben weit über I 100 zur Verfügung - mit demselben Rechte müßten alle | Bijoutenewaarenhändler Gießens ihr Ende nahe sehen, wenn sich Jemand aus der Sommerfrische ein „Souvenir" mit« bringt. In den nächsten Tagen wird der Mitgliederbeitrag für das Jahr 1892 erhoben werden, aus practischen Gründen wird diesmal nur ein Cyclus von drei Vorstellungen geboten, also auch nur die Hälfte des Beitrags (Mk. 2.50) eingefor« öert werden. Im October 1892 beginnt das dritte Theater- jahr, vom October 1892 bis April 1893 datirend. Einer oder der Andere wird zweifellos fahnenflüchtig werden, dafür treten aber, ohne Zwangsaushebung, genügend Freiwillige und zwar nicht nur Einjährige hinzu- ein Verein, der sich ein ideales Streben vorgesteckt hat, wird in Gießen stets fruchtbaren Boden vorfinden. — Neues Theater. Das Gastspiel des Fräulein Thessa Klinkhammer brachte uns gestern die Aufführung eines der besten Stücke von R. B e n e d i x. Im „A s ch e n b r ö d e l" ist das bekannte Kindermärchen für die „großen Kinder" bearbeitet, es ist ein prächtiges Stück voll tiefer Empfindung. Di- Aufführung war tadellos,- der berühmte Gast, Fräulein Klinkhammer, ist dem hiesigen Publikum nicht fremd,- ihre gestrige Leistung war ein schauspielerisches Meisterstückchen, eine Darbietung, an der man von der ersten bis zur letzten Scene eine Freude haben mußte. Schon die erste Scene entzückte das Publikum, der Zauber von Frl. Klinkhammers Persönlichkeit und ihr treffliches Spiel weckten jubelnden Beifall. Das einheimische Personal trat gestern naturgemäß etmaä hinter dem Gaste zurück, leistete aber durchweg Gutes, Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1892. Diejenigen jungen Leute/welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1892 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsiqen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1 Februar 1892 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- cteUcn das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Corn- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende un Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts, ort har. Ter Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamitieubtäiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. ichenerFnzeiger Keneral'-Mnzeiger. Bekanntmachung. «. wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß » . a L 6 beS Reichzgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ennittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aus. Ichlags von »ünf vom Hundert,pro Monat December 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen; Hafer JL 16.10, Heu Jt 5.80, Stroh JC. 5.50. Gießen, den 9. Januar 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 7. Januar 1892. Setr.: Das Hallen der Hess. Feuerwehrzeitung. Das Eroßherzogliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reife-. Wir machen Sie, insbesondere diejenigen Gemeinden des Kreises, in welchen freiwillige Feuerwehren vorhanden sind, auf die in Büdingen erscheinende Feuerwehrzeitung für das Groszherzogthum Hessen aufmerksam und empfehlen Ihnen dtese^e (jährlich 5 Jt) zur Anschaffung. Ebenso machen wir die Befehlshaber und Führer der Feuerwehren auf dieses Blatt aufmerksam. v. Gagern. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung emgereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegeu. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die PrÄsungs-Ordnung (Anlage 2 zur | so daß wir UNS für heute daö Eingehen aus die einzelnen Leistungen ersparen können. Das Theater war dicht gefüllt und wir wollen im Interesse der rührigen Direction, deren Bemühungen wir den schonen Kunstgenuß zu danken haben, auch für die übrigen Abende dasselbe wünschen. — Neues Theater. Als zweite Gastrolle hat Fräulein Thessa Klinkhammer die „Ilse Ramnow" in Hans OldenS berühmtem Schauspiel „I l s e" gewählt, welches am Dienstag den 12. Januar zur Aufführung gelangt, lieber den Werth des obigen Schauspiels ist seiner Zeit bei der ersten Aussührung in Berlin ein so erbitterter Zeitungskrieg ausgebrochen, daß wir wirklich begierig sind, dies eigenartige Werk kennen zu lernen. — Die Kalte der letzten Tage, die einer verhältniß- mäßig milden, mit feuchten Niederschlägen verbundenen Witterung folgte, hat in der vergangenen Nacht eine erhebliche Steigerung erfahren. Gestern früh machte sich allenthalben eine unangenehme Glätte aus den Straßen und Bürgersteigen bemerkbar, ohne daß man diesen Zustand als Glatteis bezeichnen konnte. Unsere Schutzmannschast war deshalb besonders rührig, um das Begehen der Wege zu erleichtern- sie richtete, da eine aus die Bestimmungen über das Bestreuen der Fußsteige bei Glatteis anwendbare Verpflichtung für die Hausbesitzer nicht vorlag, an diese die Bitte, vor den Häusern zu streuen. Es muß zum Lobe der Hausbesitzer erwähnt werden, daß dieser Bitte fast durchgehends willfahrt wurde. Immerhin bleibt es unbegreiflich, wie ein Hausbesitzer ohne Rücksicht auf die Sicherheit der die Straße Begehenden sich noch weigern kann, dem Ersuchen Folge zu leisten. Muß denn immer der starre Buchstabe irgend einer Verordnung zu dem verhelfen, was auszuführen im Interesse der öffentlichen Sicherheit Menschenpflicht ist? — Der siebente Hessische Handelskammerlag zu Mainz, über welchen in voriger Nummer berichtet wurde, faßte nach dem „Mainz. Anz." folgende Beschlüsse: 1. Zur Tagesordnung der bevorstehenden Plenarversammlung des deutschen Handelstags. a) Die Überschüsse aus der Verwaltung der Staatsbahnen sollen lediglich zur Verzinsung und Amortisation der Eisenbahn-Schuld und demnächst zur Schaffung von Verkehrserleichterungen bet den Eisenbahnen, insbesondere zur Ermäßigung der Güter- und Personentarise verwendet werden, b) Der Handelskammertag spricht sich für Abhaltung einer Weltausstellung in Berlin thunlichst im Jahre 1898 aus. c) Der Handelskammertag befürwortet die Herabsetzung der Fernsprech-Abonnementgebühr von 150 Mk. auf 100 Mk., ferner die Bildung von Bezirkssernsprechnetzen aus Grund eines nachgewiesenen Bedürfnisses, aber unter Abstandnahme von Garantieleistungen. Im Besonderen hält er den Anschluß von Bingen, Worms und Gießen an das rechtsrheinische Fernsprechnetz für dringend geboten, d) Er befürwortet die Einführung einer einheitlichen Zeit im bürgerlichen Leben, sofern sie im äußeren Eisenbahnverkehr erfolgt, e) Bezüglich der Gesetzentwürfe, betreffend die Telegraphenanlagen und die Anlage von Eleetrizitätswerken stimmt er dafür, daß das Telegraphen- und Telephonwesen, soweit es dem allgemeinen Verkehr dient, als Regal verwaltet, daß jedoch gleichzeitig die gesummte Materie der Einführung der Electrizität in den allgemeinen Verkehr geordnet wird. Hierbei ist die Errichtung einer obersten Spruchbehörde für Streitfälle vorzusehen, f) Dem beabsichtigten Erlaß eines Gesetzes, betreffend' die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht, steht der Handelskammertag insofern nicht entgegen, als durch dasselbe eine Förderung unsolider Gründungen nicht erfolgt, g) Dem Gründungsvorschlag einer Schutzgesellschaft für fremdländische Werthpapiere steht der Handelskammertag sympathisch gegenüber. 2. Die Abänderung des Hessischen Handelskammergesetzes wird einer Commission zur Vorberathung überwiesen, welche aus je einem Delegirten der sechs Kammern bestehen soll. 3. Zu dem Antrag der Handeskammer Gießen aus Abschaffung der Export- tarise für Steinkohlen stellte die Handelskammer Mainz den Antrag, daß diese Tarife vielmehr aus den Import und den inländischen Verkehr ausgedehnt werden möchten. Dieser Antrag sand einstimmige Annahme. Sodann wurde der Antrag Gießen, dahingehend, daß, für den Fall die Ausdehnung der Ausnahmetarise in der nächsten Zeit nicht verwirklicht würde, die Aushebung der Ausnahmetarife angestrebt werden möge, gegen die Stimmen von Mainz und Offenbach ebenfalls angenommen. 4. Zu dem Antrag Gießen aus Erhöhung des Maximalgewichts für einfache Briese von 15 Gr. auf 20 Gr. stellt die Handelskammer Mainz den Antrag, von dieser Forderung, die sie an und für sich vollständig billigt, als vorerst aussichtslos abzusehen. Der letztere Antrag wird jedoch gegen die Stimmen von Mainz und Bingen abgelehnt und alsdann der Antrag Gießen angenommen. 5. Als Vorort für die nächste Periode wird Mainz einstimmig wiedergewählt. *** Lich, 10. Januar. Eine Wette sonderbarster Art sand dieser Tage hier ihren Abschluß. Ein junger Mann wettete mit seinen Collegen, er lege den Weg durch hiesige Stadt und zwar durch alle Straßen, ausgenommen die kleinen Gassen, im Laufschritt barfuß zurück. Das Schauspiel sollte nun beginnen, und waren einige Zeugen aus verschiedenen Plätzen postirt- nach etwa 20 Minuten langte der „Künstler" wieder auf seinem Ausgangspunkt an und hatte somit seine Wette gewonnen. Der gute Mann dürste wohl einige Hautabschürsungen davon getragen haben, zumal eben alles steinhart gefroren ist und er auch hier und da über Straßen-Strecken lausen mußte, die vor nicht langer Zeit frisch gedeckt waren. Friedberg, 7. Januar. Dem hiesigen Reallehrer K. Uhr ig wurde Seitens der philosophischen Faeultät in Gießen der Doetortttel verliehen. A Mainz, 10. Januar. Heute Nachmittag sand hier eine seltene kirchliche Feier statt, nämlich die Benedietion des großen Thurmkreuzes an der in der Neustadt neuerbauten katholischen St. JosephSkirche. Die Weihe des Kreuzes fand an dem Portal der neuen Kirche statt, woraus dasselbe sofort auf den Thurm gezogen wurde. Neben der Geistlichkeit und zahlreichen Gönnern und Wohlthätern der neuen Kirche wohnten der Feier Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden an. Die St. JosephSkirche befindet sich nach der Rheinseite der Neustadt zu. Dieselbe ist nach den Plänen des Dombaumeisters Luckas von freiwilligen Beiträgen ausgeführt. vermischtes. Hamburg, 9. Januar. Angesichts eines Telegramms aus Washington, nach welchem die Vereinigten-Staaten Regierung Oesterreich mit Retorsionszöllen drohte, und der Thatsache, daß sehr viel österreichischer Zucker über Hamburg nach Nordamerika transitirt, empfiehlt die „H. B. H." den deutschen Zuckerexporteuren dringend, sich bei den amerikanischen Zollämtern schnellstens zu vergewissern, ob dort künftig Ur- prungszeugnisfe für importirten Zucker verlangt werden, bezw. in welcher Form solche ausgestellt sein müssen. Chemnitz, 7. Januar. Aussehen erregt in dem benachbarten Burgstädt die Verhaftung des Direetors Orla- münder des unlängst in Coneurs gerathenen Creditvereins. Der Creditverein soll bereits seit 2 Jahren nicht mehr günstig gestanden haben. Trotzdem hat es aber der Aussichtsrath nicht für nöthig befunden, einzuschreiten, im Gegentheil sind noch in allerletzter Zeit neue Mitglieder ausgenommen worden, die nun mit büßen müssen. Auch hinsichtlich der Führung der Bücher soll manches nicht in Ordnung se'n. Die Unterbilanz beträgt nach vorläufiger Feststellung etwa 321000 Mk. * Lyck (Ostpreußen), 5. Jahren. Mit hundert Jahren noch flott zu tanzen — ein soscher Fall kann nur in dem gesunden, abhärtenden Klima unseres Ostpreußens Vorkommen. Am 30. vor. Mts. feierte hier das Glasermeister Preuß'sche Ehepaar die diamantene Hochzeit. Der Ehegatte, welcher im 102. Lebensjahre steht, ist zwar hinfällig, indeß geistig noch ziemlich frisch. Die Gattin aber erfreut sich noch der besten körperlichen Rüstigkeit und Lebenslust. Sie beteiligte sich wiederholt am Hochzeitstanz, wobei ihr 60 Jahre alter Sohn meistens der Tänzer der Mutter war. Ein zweiter Sohn, der beim städtischen Nacht- wächtereorps in Königsberg dient, war, wie die „K. V." mittheilt, ebenfalls zur diamantenen Hochzeit erschienen. Das Jubelpaar wurde zum dritten Male kirchlich eingesegnet und empfing in seiner Behausung die Glückwünsche der ganzen Stadt Lyck. * Ein noch unerhobener großer Gewinn von 20000Mk. aus Nummer 17053 der Internationalen Eleetrotechnischen Ausstellungs-Lotterie zu Frankfurt a. M. Dieser Gewinn iel bei der am 2. und 3. November d. I. stattgehabten Ziehung in die Colleete von Lud. Müller u. Co., Nürnberg- Hamburg-Berlin-München. Der Gewinn ist bis jetzt nicht gehoben. Das Loos ist an einen Unbekannten verkauft und da man annimmt, daß der Betreffende die Gewinnliste nicht mit der nöthigen Sorgfalt eingesehen hat, so werden alle Besitzer solcher Loose noch daraus aufmerksam gemacht, sich ihre Nummern nochmals genau betrachten zu wollen. Der glückliche Besitzer der Nr. 17053 wolle sich bei genannter Firma behufs Erhebung seines Gewinnes melden. * Gefälschte Briefmarken. Der „Post" wird aus London geschrieben: Auf unserer Briesmarkenbörse herrscht große Panik. Die größten Briefmarkenhändler der City os London, !)ie Herren Benjamin und Sarphy, Nr. 1 Cullum Street, E. H. sind in die Hände der Gerechtigkeit gerathen. Man macht ihnen und einer Anzahl von Complizen augenblicklich den Prozeß. Mehrere Millionen von seltenen Briefmarken, sämmtlich in London gefälscht, sind mit Beschlag belegt, und es ist erwiesen, daß eine eolossale Menge dieser Falsifikate über die ganze Welt vertrieben worden sind. Das Con- sortium hat die Briefmarken nicht nur nachgemacht, sondern auch die Poststempel, und sogar Briefmarken erfunden, welche niemals existirt haben. Die Sammler sind in Verzweiflung. * Die Generale der Befreiungskriege. In einer lesens- werthen Schrift: „Das deutsche Offizierthum und die Zeitströmungen" erzählt der Verfasser, General-Major Paul v. Schmidt, zur Charaeteristik der knorrigen Derbheit der Generale der Befreiungskriege folgende Anecdote: „Das Aork'sche Corps geht zum Angriff vor. In gleicher Höhe avanciren die Brigaden Borstell und Katzeler. Die Brigaden haben weithin sichtbare Marschrichtungspunkte. Aus einmal weicht die Brigade Borstell immer weiter nach rechts ab, die Brigade Katzeler in ihrem Vormarsch behindernd. Borstell schickt seinen Adjutanten zu Katzeler, er möchte in drei Teufels Namen geradeaus gehen. Katzeler antwortet gar nicht. Wieder erscheint der Adjutant mit noch deutlicherer Aufforderung, deren Wortlaut er nach Möglichkeit zu mildern strebt. Katzeler schnautzt ihn an und hält ihm eine donnernde Rede, so daß die ganze Brigade jedes Wort vernimmt. Der Adjutant kehrt zu Borstell zurück und bestellt, der Herr General wäre zu seinem Bedauern außer Stande, eine andere Marschrichtung einzuhalten, weil, weil--„Ach was," sährt Borstell dazwischen, „mach Er mir keine Redensarten, Herr Tintenspion, bestell er mir wörtlich, was der Katzeler gesagt hat." — „Wörtlich, Herr General?" — „Natürlich, will mirs ausgebeten haben." — „Der Herr General sagten : Wenn das Murmelthier, der Borstell, den Sumps vor meiner Front nicht sehen kann, dann hat er mehr Dreck in den Augen, als wir an den Stiebeln." — „Na also," lachte Borstell, „das sieht meinem Freunde Katzeler ähnlich." * Eine Berlinerin alten Schlages, seit mehr als vierzig Jahren mit ihrem Gatten, einem fleißigen Maurerpolier, in kinderloser, aber glücklicher Ehe lebend, erbte dieser Tage von einer Tante 2000 Mark. Ein seit Jahren bei ihr wohnender Astermiether fragte die Frau, was sie denn eigentlich mit dem vielen Gelde machen werde. „Ach," lautete die Antwort, „jetzt kose ick jeden Sonnabend die jrößten Schweineohren, die ick in de Marchthalle finden kann, un koche enen mächtigen Topf voll Sauerkraut dazu. Det esse ick un mein Oller jar zu ferne." * Coblenz, 8. Januar. Die Verlegung des Königin- Augusta-Garde-Grenadier-Regimenis Nr. 4 nach Berlin ist nunmehr, wie die „C. Z." von zuverlässiger Seite erfährt, beschlossene Sache. Das Regiment bleibt nach den Manövern im Herbst 1893 in Moabit, wo inzwischen der neue Kasernenbau für dasselbe beendet sein wird. * Berlin, 8.Januar. Ein Lausbursche der Deutschen Bank, der unter Entwendung eines Checkbuchs flüchtig geworden war, machte im Verein mit einem Complieen heute Morgen den Versuch, einen Check in der Höhe von 30,000 Mk. bei der Gothaischen Bank in Leipzig emzukasfiren. Der Check wurde jedoch, da die Deutsche Bank denselben nicht avisirt hatte, beanstandet und beide Betrüger verhaftet. * Cleve, 3. Januar. Wie ein Brand entstehen kann. In dem Hause des Möbelhändlers Hunck warf eine Katze durch einen Sprung aus den Tisch eine Petroleum' lampe um. Die Lampe explodirte und das mit der brennenden Flüssigkeit übergossene Thier rannte in seiner Todesangst aus den mit Stroh gefüllten Speicher. Binnen einer Stunde lag das ganze Geschäftshaus in Asche. * „Der Friede ist gesichert". Wer dies noch nicht weiß, kann es aus einem Rundschreiben erfahren, das der Gemeindevorsteher eines Berliner Vorortes an die unter ihm stehenden Beamten erlassen hat. Dieses Schreiben, in dem Umfrage gehalten wird, wer von den Beamten im Falle eines Krieges dienstpflichtig ist, schließt der „Freis. Ztg." zufolge mit folgenden Worten: „Nach von mir eingezogenen Erkundigungen erkläre ich, daß der Friede vollständig gesichert ist." Schiffrnachrichten. Hamburg, 9. Januar. lHamburg-AmerikanischePacketfahrt- Actien-Gesellschaft.] Das deutsche Dampfschiff „California", Capitän Dröscher, ist am 8. Januar, 1 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. verkehr, Land« ttnfc volkswirthschaft. Butzbach, 9. Januar. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund X 1.10—0.00, Käse per Pfund 46—47 Eier zwei Stück 15 H. Srünberg, 9. Januar. Fruchtpreise. Weizen X 23.50, Korn «X 23.—, Gerste X. 17.30, Hafer X 14.40, Erbsen JL —, Linsen Jt —.—. Wicken X. 15.—, Lein X. ——, Kartoffeln X. —•—, Samen X ——. Literatur und ttanft — Daß eine Zeitschrift durch besondere Beilagen für Wohl- thätigkeitszwccke voll und ganz eintritt, ist neu und anerkennenswerth. Die beliebte practische illustrirte Frauenzeitung „Mode und Hairs" ist zu dieser lobenswerthen, mit Gratis-Jnseraten-Anzetger für die Abonnenten verknüpfte Einrichtung geschritten. Die soeben mit großem Schnittmusterbogen, Mode- und Handarbeiten-Originalen, Monogramm-Alphabet, illustrirter Belletristik, illuftrirter Hausfrauenzeitung, ärztlichem Rathgeber und vielen anderen interessanten und nützlichen Beilagen erschienene neueste Nummer von „Mode und Haus" gibt uns über das Wesen dieser 'das Allgemeinwohl fördernden Erweiterung erschöpfende Auskunft. „Mode und Haus" kostet nach wie vor nur 1 Mk., mit farbenprächtigen Stahlstich Modebildern, bunten Hand- arbeiten-Lithographien, Monogramm-Gravüren und Muster-Frisuren 1.25 Mk. das ganze Vierteljahr. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen zu diesen Preisen Abonnements für das laufende Quartal entgegen. Probenummern unentgeltlich durch sämmtliche Buchhandlungen und durch die Expedition von „Mode und Haus", Berlin W. 35. — Vor uns liegt Heft 12 von „Illustrirte Welt" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), dem lieben Gaste, den wir jedesmal freudig willkommen heißen, wenn er uns besucht von vierzehn Tag zu vierzehn Tag. Auch diesmal bringt das Blatt wieder viel des Schönen und Interessanten : es grüßt das neue Jahr mit warmem Wort und prächtigen Bildern und fährt in spannendster Weise fort mit seinen „Enthüllungen aus der Welt des Scheins". Gar seltsam wunderliche Dinge erzählt uns die neu anfangende Novelle „Im Grausenwald", während der Artikel „Die dunkeln Existenzen Berlins" uns mit Menschen und Verhältnissen bekannt macht, die uns den Schlüssel zu mancher criminaliftischen Verhandlung geben. Einen ergreifenden Moment stellt das Bild dar „Die Christen am Vorabend des zweiten Jahrtausends"; recht intereffant und belehrend ist der ebenfalls illustrirte Artikel „Aus der Heimath der Puppen" (Thüringen). Es ist uns nicht möglich, den ganzen, überaus reichen Inhalt deS'schönen Heftes hier aufzuführen, mögen unsere Leser sich dasselbe selbst ansehen, sie werden niemals den kleinen Betrag von 30 Psg. gewinnbringender ausgelegt haben. Spielplau der vereinigten Frankfurter Ltadttheatn Opernhaus. Dienstag den 12. Januar: Der Wasserträger. Cavalleria rusticana. Mittwoch dm 13. Januar: Drittes Abonnement- Concert unter Mitwirkung von P. de Sarasate. Donnerstag den 14. Januar: Don Juan. Samstag den 16. Januar, Nachmittags 3V» Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Johann von Paris. Coppelia. Sonntag den 17. Januar, Nachmittags 3*/r Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 Uhr: Trompeter von Säkktngen. Schauspielhaus. Dienstag den 12. Januar: Der freie Wille. Mittwoch den 13. Januar: Die Sclavin. Freitag den 15. Januar: Der arme Jonathan. Samstag den 16. Januar: Zu Grillparzers Geburtstag. Sappho. Sonntag den 17. Januar, Nachmittags 31/2 Uhr: Die Haubenlerche. Abends 7 Uhr: vr. Klaus. Montag den 18. Januar: Zum ersten Male: Der Viceadmiral. Dienstag den 19. Januar: Zum ersten Male: Die Flamme. Trauerspiel in 4 Auszügen von Ludw. Beer. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Bibelstunde heute Montag den 11. Januar, Abend« 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 4, VerS 13: Gesetz und Verheißung, Glaube, Gottoertrauen. Pfarrer Dr. Naumann- Bankgeschäft, Giessen Frankfurt a. ML Marktstrasse 4. [16] Zell 69. zfehulhof & ^omp