Nr. 290. Drittes Blatt. Sonntag den 11. December 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AnmitienölLlter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal i» eigelegt. Henerat-Mnzeiger. Vierteljähriger AVonnementspreiZr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Fchntüratze Ar.?. Fernsprecher 51. Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gieren. Locales unO> provinzielles Gießen, 10. December 1892. — Getreidemarkt. Der Getreidemarkt wies in der diesmaligen Berichtswoche wiederholte Schwankungen auf. Zunächst herrschte die übliche Stille und Tendenzlosig- keit mit etwas weichenden Preisen vor, dann griff wieder eine etwas belebtere Stimmung Platz, die sich namentlich in einer Steigerung der Roggenpreise um nahezu 1 Mark zeigte, bis schließlich eine erneute Mattigkeit eintrat. Dieselbe dürfte auch zunächst noch die augenblickliche Signatur für den einheimischen Getreidemarkt bleiben, zumal es an Anregungen von den ausländischen Getreideplätzen fehlt. Im Allgemeinen bewegte sich das Geschäft in Weizen wie in Roggen und Hafer in sehr engen Grenzen. Am Berliner Platze notirten: Weizen von 146 — 157 Mark, Roggen von 127—133 Mark, Hafer vou 134—152 Mark, Gerste von 117—167 Mark. Alles pro 1000 Kilogramm. — Wohrheit un Dichtung. Karl Schaffnit veröffentlicht im „D. Tgl. Anz." folgende Verse: Des stn der eich Porte! E sunnerborer Schlaft! Von „Lieb" un „Wei'" en Zores De ltewe, lange Dag. O liewer Gott! „Süß Liebchen"! Die Fraa Poelsen, ach! Des is e ganzer echter, E dorch un dorcher Drach. Un: „Wei'"? Ja, proste Mohlzeit! So alle Woch'ner vier Da roppt er Samstag owends Dreizehntels Liter--Bier. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Iamilienblätter. Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Aintlichev Theil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat November 1892 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen: Hafer JL 15.80, Heu JL 9.50, Stroh 5.—. Gießen, den 9. December 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Die Erhöhung der Biersteuer. Von den drei neuen Reichsfteuerprojecten, welche nunmehr dem Reichstage in Gestalt der Gesetzentwürfe über die Abänderung der Biersteuer, der Branntweinsteuer und der Börsensteuer vorgelegt worden sind, erfährt die geplante Erhöhung der Biersteuer augenscheinlich die meiste Beachtung und lebhafteste Beurtheilung in der Oeffentlichkeit. Es ist dies allerdings auch ganz erklärlich, schon deshalb, weil die neue Biersteuer durch ihren auf 32 Millionen Mark jährlich veranschlagten Mehrertrag bestimmt ist, die Hauptlast der lausenden Mehrkosten, welche die Militärvorlage im Gefolge haben wird, zu tragen. Abgesehen hiervon, zieht jedoch die vorgeschlagene erhöhte Besteuerung des Bieres die allgemeine Aufmerksamkeit namentlich deshalb auf sich, weil dasselbe bei uns in Deutschland den Anspruch erheben kann, schon längst nicht nur ein unentbehrliches Genußmittel, sondern auch im gewissen Sinne ein Nahrungsmittel weiter Volkskreise zu sein. Die vorgeschlagene nicht unbeträchtliche Erhöhung der Steuer auf Bier trifft demnach ein nothwendiges Lebensbedürsniß für Millionen und es erscheint daher begreiflich, daß man dieser wichtigen Frage in großen Schichten unseres Volkes schon von ihrem ersten Auftauchen an besonderes Interesse zugewendet hat, handelt es sich hierbei doch schließlich darum, ob die projectirte Mehrbesteuerung des Bieres eine Vertheuerung desselben für die Consumenten nach sich ziehen wird oder nicht. Nach der Erregung zu urtheilen, welche in der Brauindustrie durch die neue Biersteuer-Vorlage hervorgerusen worden ist, müßte man nun allerdings meinen, daß lediglich die Producenten die Last der neuen Besteuerung würden tragen müssen. Dieser Auffassung hat ja auch die kürzlich in Berlin stattgefundene große Versammlung von Vertretern der norddeutschen Brauereien Ausdruck verliehen, indem die von ihr angenommene Protestresolution gegen die projectirte Brausteuer-Erhöhung betont, von einer Erhöhung des Bierpreises könnte keine Rede sein. Da aber andererseits die versammelten Interessenten der Brauindustrie zugleich erklärt haben, die Bierproduction könne die ihr zugemuthete Be- j lastung nicht ertragen, so wird eine möglichste Abwälzung । derselben auf andere Schultern doch wohl das Ende vom \ Liede sein, vorausgesetzt natürlich, daß die „Bier-Vorlage" j überhaupt Gesetz wird. Nach der Ansicht vieler National- ’ ökonomen würde die Großbrauindustrie die Mehrbelastung um 32 Millionen Mark jährlich zwar ganz gut ohne nach- ; haltige Schädigung ihrer Interessen aushalten können, dieser ' Meinung sind jedoch die Vertreter der Großbrauereien durchaus nicht und so werden -letztere zweifellos bemüht sein, die neue Steuerlast von sich abzustoßen. Die Bierwirthe und Bierhändler wären dann die nächsten, welche bei Uebernahme » des Preisausschlages aus das Product in Betracht kämen. Ganz unzweifelhaft würden aber diese Vermittler zwischen Producenten und Consumenten sofort bestrebt sein, die ihnen , drohende Belastung durch Erhöhung des Ausschanks- resp. Detailsverkaufspreises des Bieres auf das Publikum gleiten ; zu lassen, das letztere hätte also schließlich doch die ganze . Zeche zu zahlen. Von den osficiösen Preßvertheidigern des r Biersteuerprojectes wird nun zwar hervorgehoben, daß der . Bierausschlag im Einzelnen etwa nur 1/3 bis i/2 Pfennig ’ pro Seidel (4/10 Liter-Glas) mehr bedeuten würde, und das wäre ja an sich gewiß nur eine geringfügige Erhöhung. Bei ■ einer Abwälzung der neuen Steuerlast auf das Publikum , käme aber dann die Biererhöhung doch mindestens aus einen ' Pfennig pro Glas zu stehen, da wir in Deutschland eben keine kleinere Reichsmünze haben und es bedarf gewiß keiner . besonderen Versicherung, wie schwer eine Vertheuerung des j Glases Bier um einen Pfennig in weiten Volkskreisen em- . Pfunden werden würde. Wollen die Brauereien jedoch den Preisaufschlag nicht . eintreten lassen, ihn aber auch nicht tragen, dann ergäbe sich noch der andere Ausweg einer Verringerung der Qualität | des Bieres, was selbstverständlich seitens der Wirthe wie , des Publikums mit entschiedenem Protest ausgenommen werden würde. Schließlich muß noch hervorgehoben werden, daß das Bier sowohl bei einem Preisaufschlag als auch bei einer Verringerung der Qualität eine ihm zukommende wichtige sociale Bestimmung nicht erfüllen könnte, nämlich diejenige, als wirksames Gegenmittel gegen den übermäßigen Branntweingenuß zu dienen. Aus den einschlägigen Statistiken geht । klar hervor, daß das deutsche Nationalgetränk diese seine besondere Ausgabe bis jetzt vortrefflich erfüllt hat, was jedoch künftig bei einer etwaigen Vertheuerung oder Verschlechterung des Bieres schwerlich mehr gesagt werden könnte. Jedenfalls steht man in den Interessentenkreisen der neuen Biersteuer überall abweisend gegenüber und diejenigen Reichstagsvertreter, die sich trotzdem verpflichtet fühlen, für dieselbe einzustehen, dürsten darum ihrer Wählerschaft gegenüber einen schweren Stand haben. Feuilleton. Der Nussenhanst. Scftze aus den A'pm. Von Franz Wichmann. (4. Fortsetzung) Als wir daher an eine etwas breitere Stelle gekommen waren, wo ein vorspringendes Felsstück bequem Platz für zwei Sitze bot, sagte ich: „Hansel, — gelt, wir rasten ein wenig aus; ich bin müde geworden und möchte mir von da auch die Gegend anschauen- drüben am Berge, meine ich, liegt Waldau — und dort, der einzelne Hof — vielleicht zwei Stunden von hier — ist wohl gar der Latschenbauerhos?" Das Wort schien den Alten aus seinen stillen Gedanken, in die er feit dem Fortgänge vom Wirrhshaus versunken war, emporzureißen. Sein Blick flog suchend an den Bergen hin. „Dös is ar, — da Latschenbauer, — Herr, Oes habts errathen," sagte er, sich neben mich setzend, und dann, noch einen Augenblick nachsinnend, fuhr er fort: „Wia habts g'sagt: a Unrecht is, an Menschen zu verdammen — weil feint Leut hernach d runter leiden müff'n." Ich nickte nur zur Bejahung, da ich sah, daß er von selbst im Begriffe stand, sortzusahren. „O mei, Herr, da könnt i Jhna a G'schicht erzähl'n, wiaS ma selm ganga hat." Und mit wenigen Worten berichtete er mir, was ich bereits von der Wirthin erfahr.-n: die Schreckenßthat seiner Mutter, den Untergang seines Vaters und seine erste, trau« rige Jugend. „I hab a leicht's G'müath und an sroh'n Sinn g'habt, denn i hob' ma selm g'sagt — du host koa Schuld an dem Unglück — und wer koa Unrecht thuat, dem muß aa guat gehn imLeb'n, und wann er fleißi und brav is, muaß eahm alles g'linga. — S'ls aba anders kemma, als wia i ma denkt hob. Wißt's, Enk ders i' s ja sog'n, ös sagts Neamd'n wieda. Sell is g'wiß, — wia i a junga Bursch bin g'wen, hab i aa a Deandl gern g'habt — und d'Findelbauern Vroni is Enk dös sauberste Madl g'wen im ganz'n Dors." „Und sie hat Euch auch leiden können?" fragte ich. „O mei — so viel gern hats mi g'habt, — und a Freud und a Glück is g'wen, zwoa ganzi Jahr lang. Aba Neam'd Hot g'wußt von unfern Liab — denn mir waara jed's neidisch g'wen um met Glück- am Tag hab'n ma fremd thoan und nur bei da Nacht uns troffa. Und denkt hab'n ma uns, wias werd'n sollt, wenn ma erst Mann und Weib san und gar Kinderln hätt'n, liabe, klonae, herz'ge Kinderln, und a Bauernhof, — denn wißt's, a Bauernhof war allweil mei größte Freud — aba o met — dös is alles nur a Traam g'wen und anders is 's kemma." „Sie ist Euch untreu geworden?" „Dös net — dös derfts net sag'n. Aba könna hats nimma anders — und da hats halt den Latscher zum Mann nehma müaß'n." „Den Latschenbauern da drüben, der gestorben ist — und zu dessen Hof Ihr heute wollt?"' „Denseln. O mei — ich bin ja an armer Bua g'wen und 's Madl Hot a Geld g'habt und a Bruadern, der is a großer Herr g'wen — und a reicher Fabrikant word'n — dersel, wo vor etlich Johr draußen im Boahrtschen g'storb'n is, — da — dös kennts Enk scho denka, — da hält ma nimma z'samm kemma könna." „Und Ihr habt es doch eine Zeitlang selbst geglaubt?" unterbrach ich ihn. „Sell wohl, aba an dös hab'n ma net denkt, was dö Hauptfach is g'wen bei dö Leut und dem nebligen Herrn Bruader, der dem Bauern koa Ruh net g'laff'n hat, bis sei Schwester vun mir abg'laff'n hot." „So habt Ihr doch um die Vroni angehalten?" „Freili hob i's thon — und dös is der glücklichst Tag in mei'm Leb'n g'wen, weil i ma do größt Hoffnung g'macht hob. Aba nix is g'wen mit da Hoffnung und dem Glück. Wia i's dem Bauer g'sogt hob, daß t sei Madl so recht vum Herz'n liab hob und daß ma z'sammapass'n fürs ganzi Leb'n, und daß ihr Herz mei g'hört und daß er mir aa ihr Hand dazua geb'n müaßt — da is er zorni g'wor'n und hot mi i vom Hof außa g'wors'n, und d' Vroni hat mi nimm oschaug'n ■ derfa. — „Du Lump," hot er g'schrian, „was moanst Du denn, daß Du a ehrlich's Madl heirath'n willst. Woaßt net, J woas Dei Muatta thon Hot, daß se mit an Mord un a ; Selbstmord aus dera Welt ganga is und drauß'n an da Freithos-Mauer liegt. A Sünd und a Schänd woars, wann . t Dir met Deandl gebat. Moanst ebba gar, daß i 's Unglück in mei Haus nimm? Nix is, dös war g'fahlt — i ' will koa G'rnoanschaft hob'n mit dera Gesellschaft, in der Dei ! Muatta is und Dei Voatta, der versoff'ne Lump!" — Da hob i koa Wörtl g'sagt — bin ganga und hob g'woant und । hob all' mei Glück begrab'n. Aba d' Vroni hob i nimma \ vagess'n könna, aa net, wia sie's z'wunga hab'n, den Latscher ? z'nehma, der scho lang um sie ang'halt'n hat- — gar a rührsame Hochzeit is g'wen, wia d' Leut g'sagt hah'n, — und wias da Herr Pfarrer z'sammacopulirt Hot — ham'S alle g'woant — und i woaß, warum." „Und Ihr habt die Vroni nie wieder gesehen?" fragte ’ ich nach einer Pause ernsten Schweigens. Der Alte schüttelte den Kops. „Gar nia mehr, — glei nach d'r Hochzeat is furtganga am Latscher sein Hof — und i bin aa furtganga — weit ins Tyrol eini und ins Welsche auffa — und hab mit aller- ; lei Sach' g'handlt — und bin drüber alt word'n, wias mi da sehts. — Wißt's, i hob mirs g'lobt, so lang da Latscher | I lebt, dersst d' Vroni nimma seh'gen, denn es is an andern sei Wet' worn und du derfsts net anschaug'n, dös waar a ; : — weil d' Liab in deim Herz'n net g'storb'n is. Erft wannS so is — hob i ma denkt — dann dersst's wieda seh'gen, j ; und auf dös hob i g'wart, — und g'wart, — Gott verzeih ma dö Sünd, und hab a sparsames Leb'n g'führt und mir 1 a Geld z'samm crworb'n, mit dem hab i g'moant, wann der - Latscher seli word'n iß, gehst zu ihr — daß net ganz baar und armselig daher kimmst — und fragst, ob's di no mag ! j und zum Manu nehma könnt." (Fortsetzung folgt.) — Neuerung im Fernsprechwesen. Im Fernsprechwesen der Stadt Berlin ist eine sehr angenehme und zweckmäßige Neuerung beabsichtigt. Dieselbe bezieht sich aus die Ersetzung der bisherigen „Batterien", durch welche die Anruf- und Wecksignale hervorgebracht werden, durch einen kleinen und leicht zu handhabenden Magnetapparat. Letzterer fungirt viel exacter als die Batterie- er soll später in allen Orten des Reichspostgebietes mit Fernsprecheinrichtung eingesührt werden. △ Berstadt, 8. December. Dahier starb in diesen Tagen der älteste Bewohner des Ortes, Wolf, im 94. Lebensjahre. Derselbe war aus Steinheim bei Hungen gebürtig. ' Vermischter. * Die Doctorrechnung. In einem kleinen Hause des Wiener Stadtviertels Ottakring hatte sich vor Kurzem ein junger Arzt eingemiethet. Unter den wenigen Parteien des Hauses befand sich auch ein altes Fräulein, das vom Ertrage ihrer Klavier-Lectionen lebte und ein angenommenes Kind, ein Mädchen von 17 Jahren erhielt, eigentlich mit sich — hungern ließ. Das „Klavier-Fräul'n", wie die Leute Fräulein Cäcilie D. nannten, war nämlich ungemein sparsam und gönnte weder sich, noch ihrem Adoptivkind ein warmes Zimmer im Winter, ja sogar in Bezug aus die Kost wurde nur so viel aufgewendet, daß Beide nicht Hungers starben. Trotzdem oder gerade darum circulirte unter den Nachbarn das Gerücht von einem versteckt gehaltenen Geldbesitz der alten Jungfer. Bor wenigen Wochen erkrankte die Klavierlehrerin. Sie verbot ihrem Pstegekinde, einen Arzt zu holen, weil derselbe „viel Geld kosten" werde. Da der Zustand der „Tante" jedoch bedenklich wurde, entschloß sich das Mädchen, den im Hause wohnenden Doctor zu bitten, zu der Kranken zu kommen, ersuchte ihn aber zugleich, der Geizigen zu sagen, daß er sie nicht nur ohne Entgelt behandeln, sondern auch die nöthigen Medicamente gratis aus der Apotheke beschaffen werde. „Ich selbst werde von dem Erlöse meiner Handarbeiten Herrn Doctor bezahlen!" versicherte ihm das Mädchen. Die „Klavier-Fräul'n" starb, aber das ihr angedichtete Vermögen wurde nicht gefunden und die angenommene und jetzt verwaiste „Nichte" stand nun ohne Beschützerin, der vollständigsten Armuth preisgegeben da. Zwei Tage nach dem Begräbnisse der „Tante" sandte der „Doctor vom Hause" der Waise seine Rechnung mit dem Bedeuten, daß dieselbe sofort bezahlt werden müsse und er nicht warten wolle. Bestürzt eilte die mittellose Weißnäherin in die Wohnung des Arztes. — „Sie kommen umsonst", sagte derselbe. „Ich kann Ihnen keine Frist gewähren !". . . Das Mädchen antwortete unter Thränen, daß es keinen Kreuzer besitze und momentan nicht zahlen könne. — „O ja, Sie können mich bezahlen," erwiderte der junge Arzt, „indem Sie meine — Frau werden!" . . . Wirklich soll, schon in einigen Wochen die Vermählung der braven Waise mit dem Doctor stattfinden. * Die Ernährung der Kinder. Man schreibt der „Frks. Ztg.": Eine neuerdings in Kraft getretene gesetzliche Bestimmung in Frankreich verbietet unter Anderem, ohne ärz- liche Anordnung Kindern unter einem Jahre in irgend einer Form feste Speisen zu geben. Der Gebrauch von Flaschen mit Gummiröhren ist gleichfalls untersagt. Man behauptet, daß unter 250.000 Kindern, die in Frankreich alljährlich sterben, 100,000 bei sorgfältiger Pflege erhalten werden könnten. Jene Verfügung ist namentlich den Bemühungen des zum Schutz der Kinder gegründeten Vereins zu danken, dessen Vorsitzender Rouckard ist. * Würzburg. 6. December. Einen recht angenehmen Fund machte nach den „M. N. N." der Bauer Schnabel in Bergtheim. Er fand in dem von ihm erkauften Hause des ermordeten Schimmel einen Centner und sieben Pfund alte Kron enthaler und verkaufte das Pfund zu 48 Mark. mnw ■■■■»■ uw» ■■■■■■■ i ' — ■ '■■ui. ■_____■ ' —_____U IU ttniversitcits - Nachrichten. Berlin, 7. December. Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge ist der Cultusminifter mit dem Krtegsminister in Verbindung getreten, um zu bewirken, daß die Heranziehung von Docenten an Universitäten und technischen Hochschulen zu militärischen Dienstleistungen thunlichst in den Ferienmonaten März, April, August und September stsUfinde. Der Krtegsminister ersuchte die obersten Waffenbehörden, diese Wünsche in gleicher Weise zu berücksichtigen, wie es für die Uebungen der Studirenden bereits angeordnet ist. - Universitätsstatistik. Freiburg: 1066 Hörer (998 Eingeschriebene und 68 Hospitanten) gegen 918 im Vorjahre. Hiervon entfallen auf die theologische Facultät 215, die juristische 195, die medicinische 349, die philosophische 239 Studenten. 919 entstammen Deutschland. 79 sind Ausländer. — Würzburg: 1321 Studtrende, davon 740 Mediciner, 260 Juristen, 136 Theologen, 60 Pharmaceuten, 40 Philologen, 37 Philosophen, 34 Chemiker und 14 Studirende der Naturwissenschaften. Neuzugegangen sind in diesem I Wintersemester 436 Zu den Jmmatriculirten kommen noch 100 Medi- ctner, die im Staatsexamen stehen und ihre Legittmattonskarte nicht zu erneuern brauchen, und ferner noch 20 Hörer, also tnsgesammt 1403 Studirende. Im vorigen Sommersemester waren es ebenfalls 1403, im vorigen Wintersemester 1514. — Heidelberg: 973 Studirende und 121 Hörer. Der theologischen Facultät gehören 65, der juristischen 302, der medictntschen 249, der philosophischen 174, der naturwissenschaftlichen 183 Studtrende an. — Königsberg: 660 Studirende und 16 Hörer. Der theologischen Facultät gehören 126, der juristischen 160, der medictntschen 232, der philosophischen Facultät 132 Studtrende an. — Greifswald: 778 Studirende, 251 Theologen, 69 Juristen, 382 Mediciner, 76 Philosophen. — Göttingen: 715 Studirende und 39 Hörer, davon studiren 157 Theologie, 161 Rechtswissenschaft, 181 Medicin. — Bonn: 1258 Studtrende. darunter 94 evangelische, 173 katholische Theologen, 290 Juristen, 271 Mediciner, 430 Philosophen. Zu ihnen kommen 28 Hörer. — Halle: 1557 Studirende und zwar 596 Theologen, 200 Juristen, 263 Mediciner, 498 Philosophen. Die Zahl'der Hörer beträgt 72. — Akademie Münster: 414 Studtrende, 264 der theologischen, 150 der philosophischen Facultät angehörend. — Leipzig: 3307 Studirende und 111 Hörer, darunter Theologen 451, Juristen 1078, Mediciner 928, Philosophen 850. — Straßburg: 969 im- matriculirte Studenten, genau so viel wie im vorigen Winter; davon sind 119 in der theologischen, 245 in der juristischen, 327 in der medictntschen, 119 in der philosopbischen und 159 in der mathemattsch- naturwissenschaftltchen Facultät inscribtrt. Literatur uttfc NrrnsL. — Meisterwerke der Holzschneidekunst auf dem Gebiete der Alchitectur, ecuiptur und Malerei. Piets des Heftes 1 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das soeben erschienene zweite Heft des fünfzehnten Bandes enthält Tizians Biographie und Selbst- bildntß im König!. Museum zu Berlin, sowie folgende Abbildungen: Mtldthätigkeit von Hermann Koch. — Der öffentliche Ausrufer von Fausto Zonaro. — Fuchs, Fasanen beschleichend, von Christian Kröner. — Präriepferde, von Wölfen angegriffen, von Albert Richter. — Holländisches Genre von R. Gudden. — Die Ausrüstung Amors durch Venus und die Grazien von Tizian. — Karstlandschaft bei Triest von A. Heilmann. — Am Wlldpaikthor in der Winternachr von F. Lindner. — Tizians Venus mit dem Lautenschläger. — Der Kuß der Mutter von V. Gamba. — Jugendfreund. Jllustrirte Wochenschrift zur Belehrung und Unterhaltung für die Jugend von 10 bis 16 Jahren. Preis in Wochennummern vterteljährltch 75 Pfg., in Monatsheften ä 30 Pfg., Breslau, Franz Goerltchs Ver-ag. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Diese ganz eigenartige, nützliche und zugleich angenehm unterhaltende Jugend-Zeitschrift als Lcctüre für das Alter von 10 bis 16 Jahren dürfte als Wethnachtsgabe recht willkommen sein. Ieilgeöotenes. 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