1882 Nr 237 Erstes Blatt. Dienstag den 11. October Der Gießener Anreißer erscheint täglich, eit Ausnahme deS Montags. Die Gießener MckslkienV kälter »erden dem Anzeiger »Achentlich dreimal beigelegt. GießenerAnzeiger Keneral-Anzeiger. vierteljähriger AVonnementspreiF r 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pf-. Kedaction, Expedition und Druckerei: -chntstrnßeUr.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblatt fitv den Kreis Gieren. Hratisöeikage: Hießener Jamitienökätter, Arntlichev Theil Alle Lunoncen-Vureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen der Nachmittag« für d« falgendm Tag erscheinenden Nummer bis vor». 10 Uhr. Deutsches Reich. Berlin, 8. October. Die glanzvollen Festlichkeiten, deren Schauplatz die freundliche thüringische Residenz- und Musenstadt Weimar anläßlich des goldenen Ehejubiläums des Grobherzoglichen Paares soeben gewesen ist, sind Gießen, am 8. October 1892. Betr.: Den Rundgang der Feldgeschworenen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien bei Kreise-. Wir empfehlen Ihnen, die Feldgeschworenen zu veranlassen, nach § 20 der Instruction vom 23. Februar 1833 (Regierungsblatt S. 105) im Laufe dieses Monats die Gemarkungen zu begehen, um stch von dem Zustande der Grenzen zu unterrichten, und über den Befund in ihr Tagebuch ein Protocoll aufzunehmen. Wir machen dabei darauf aufmerksam, daß zwar zu einem Steinsatze wenigstens drei Feldgeschworene beisammen sein müssen, daß aber an den Rundgängen, wenn dabei nicht zugleich Steine gesetzt werden sollen, nur zwei Feldgeschworene theilzunehmen haben. Wegen Beseitigung der Vorgefundenen Mängel wollen Sie das Geeignete veranlassen, wobei namentlich die Aufräumung, Geraderichtung und Erneuerung der Grenzsteine ins Auge zu fassen ist. An den Dreiecks-, Gemarkungs-. Flur- und Gewann-Grenzsteinen darf jedoch 'keine Veränderung ohne Mitwirkung eines Geometers 1. Klaffe vorgenommen werden. Die Wahl und Zuziehung desselben bleibt Ihnen überlaffen; doch wollen Sie da, wo es sich um Grenzsteine mehrerer Gemarkungen handelt, sich unter einander desfalls benehmen. Für die Erhaltung der Parzellengrenzsteine des Gemeindeeigenthums ist auf Gemeindekosten von Ihnen Sorge zu tragen. Wo noch keine Aus- steinung des Gemeinde-Eigenthums stattgefunden hat, beauftragen wir Sie, den Gemeinderath desfalls zu vernehmen und dessen Beschluß zu vollziehen. Die an den Parzellengrenzsteinen der Privaten vorgefundenen Mängel sind den Betheiligten zur Beseitigung zu eröffnen. Im Uebrigen verweisen wir Sie auf das Gesetz vom 23. October 1830 (Reg.-Bl. S. 463) und die vorgenannte Instruction vom 23. Februar 1833 (Reg.-Bl. S. 105), wegen der Kostenverzeichnisse auf die Bekanntmachung vom 18. December 1874 (Reg.-Bl. S. 784) und auf unser Ausschreiben vom 29. Januar 1885 (Anzeiger Nr. 27). Zu Ende laufenden Monats sind uns Abschriften der in die Tagebücher der Feldgeschworenen aufgenommenen Protocolle mit Bericht über Ihre desfalls getroffenen Anordnungen sammt den Kostenverzeichniffen von Ihnen vorzulegen. v. Gagern. im Stromgebiete des Rheins, nach welcher folgende Controllstationen errichtet werden sollen: Emmerich, Ruhrort, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Koblenz, Sanct Goar und Mainz. Die Amtssitze der Beamten besinden sich in den vorgenannten Orten. Die Stationsvorstände nach der Reihenfolge der betreffenden Orte sind die Stabsärzte Bodderstädt, Nehmitz, Schultzen, Assistenzarzt Effelbrügge, Stabsärzte Guillertch, Ritter, Passow und Spilling. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Cultusministers und des Ministers des Innern und der öffentlichen Arbeiten, laut welcher der Oberpräsident von Goßler in Danzig zum Staatscommissar für die Gesundheitspflege im Weichselstromgebiet eingesetzt ist. Berlin, 8. October. Auf der Rennbahn in Westend fand heute zu Ehren der österreichisch-ungarischen Distanzreiter ein Rennen statt. Die Gäste fuhren um 12*/2 Uhr vom Kaiserhos dahin ab in acht prachtvollen von blasenden Postillons geführten Viererzügen. Voran fuhr die Mailcoach mit hervorragenden Gästen, am Schluß folgten zahlreiche von Postillons geführte Zweispänner und viele Equipagen. Aus der festlich geschmückten Rennbahn begrüßte der Vizepräsident des Rennvereins Generallieutenant von Podbielski Namens des Rennvereins die Gäste in einer schwungvollen Ansprache. Das zahlreich versammelte Publikum bereitete den Gästen eine enthusiastische Begrüßung. Essen a. d. R., 8. October. Die Eisenfabrik Thyssen u. Comp. in Styrum, welche 3000 Arbeiter beschäftigt, läßt Mitte November, wie die „Rhein.-Westf. Ztg." mittheilt, eine allgemeine Lohnreduction eintreten wegen der außerordentlichen Abnahme des inländischen Bedarfs, sowie der Minderung der Aussuhrsähigkeit der Eisenindustrie durch die ihr auferlegten Lasten. Wilhelmshaven, 8. October. Als Nachfolger des verstorbenen Viceadmirals Deinhard wird in Marinekreisen der Contreadmiral Valois bezeichnet. Anstand. Wien, 8. October. Kaiser Wilhelm begnadigte den zu halbjährigem Arrest wegen Nichtstellung zum Militär ver- urtheilten Circusdirector Schumann. Wien, 8. October. Auf der hiesigen russischen Botschaft wurde die Frage bez. des Gerüchtes einer Zusammenkunft des Czaren mit dem Kaiser von Oesterreich dahin beantwortet, es fehle zu einer solchen Zusammenkunft jetzt jeder Anlaß. Pittsburg, 8. October. Dynamitattentate gegen 40 Nichtsyndicats-Arbeiter der Carnegie-Werke wurden heute Nacht verübt. Die Dhnamitmaschine explodirte im Schlafsaale, warf alle Betten um, zertrümmerte die Scheiben und Thüren, ohne indessen Arbeiter zu verwunden. Die Untersuchung verlief bis jetzt ohne Resultat. anscheinend ohne die geringste Störung oder sonstigen Mißton verlaufen. Nicht nur aus allen Gegenden des Großherzog- thums selbst waren gewaltige Menschenmassen njef) „Ilm- Athen" geströmt, um Zeuge dieses seltenen JEsestes zu s"in, sondern auch aus anderen Theilen Thüringens, wie aus den benachbarten Ländern hatten sich ungemein zahlreiche Festgäste eingefunden. Die von auswärts zur Theilnahme an der Jubelfeier des Großherzoglichen Paares nach Weimar gekommenen Fürstlichkelten wurden von den freudig erregten Massen stürmisch begrüßt, namentlich aber jubelte die Volksmenge dem Kaiser, dem König von Sachsen und dem Großherzoglichen Paare von Baden zu. Den Höhepunkt der gesammren Feier bildete der prächtige historische Festzug vom Sonntag, welcher völlig programmgemäß vor sich ging und den erhebendsten Eindruck machte. Berlin, 8. October. Der „Natlib. Corr." zufolge ist es nur möglich, die Kosten der neueren Militärvorlage durch Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches zu decken, nicht durch Erhöhung der Marrikular- beiträge. In Frage kommen Tabak, Bier, Branntwein und gewisse Stempelabgaben, auf welche die Last vertheilt wird. Die von Seiten der Regierung angestellten Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen. Es steht fest, daß nicht eine Aende- rung des Steuersystems, sondern nur der Steuersätze beabsichtigt wird. Berlin, 8. October. Das Staatsministerium hielt heute Mittag unter dem Vorsitz des Grafen Eulenburg eine Sitzung ab, welcher der Reichskanzler und der Kriegsminister beiwohnten. Es wird angenommen, daß die Militärvorlage berarhen worden sei. Berlin, 8. October. Der „Reichsanzeiger" theilt Erfahrungssätze über den Wasserwerk bet rieb mit Sandfiltration mit, wonach die Filtr^ionsgeschwindigkeü 100 Mm. per Stunde nicht überschreiten darf. Berlin, 8. October. Der „Reichsanzeiger" schreibt, entgegen der Blättermeldung von dem Zusammentritt einer Commission zur Aenderung der Tabaksteuer erklärt das Reichsschatzamt zwecks Unterrichtung über die mit der Tabakbesteuerung zusammenhängenden Fragen seien Sachverständige einberufen. — Im „Reichsanzeiger" veröffentlicht der Reichs- commissar von Richthosen eine Bekanntmachung über die Zahl der in den Controllstationen Altona, Hamburg, Lauenburg, Wittenberge, Rathenow, Potsdam, Berlin, Fürstenwalde, Eberswalde und Roßlau revidirten Schiffe und Flöße, nämlich 6482, der desinficirten Schiffe und Flöße, nämlich 3864 und der revidirten Personen, nämlich 24111. Bei den Controllen sind feftgestettl worden: 2 choleraverdächtige Erkrankungen und 17 Cholera-Erkrankungen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekannt- I machung des Reichscommissars für die Gesundheitspflege ’ Feuilleton. Soldatenlied e. Erzählung aus dem Krtegsjahre 1870/71 von Carl Cassan. (5. Fortsetzung.) Er öffnete den zweiten Bries und las: „Lieber Arthur! Herzlichen Gruß und Glückwunsch zu Deiner Verlobung. So ists rechts was uns Frankreich genommen, holen wir uns von dort zurück. Grüße Cäcilie von mir; ich bin begierig auf ihre Bekanntschaft. Anbei folgen 100 Louisdor. Ich kann wegen Rheumatismus nicht mehr schreiben. Dein Oheim Richard vom Busch." „Der Onkel, wie er leibt und lebt!" lachte Arthur. „Und nun?" Er öffnete den dritten Brief, sprang aber sogleich jubelnd aus. „Von ihr, von ihr! Rößler, gehe, besorge Wein, Wein für alle Husaren im Zuge! Wir haben ja Geld genug !" Rößler ging und brachte ein Faß Wein für den ganzen 3uß/ an dem sich alle erlabten. Unterdeß las Arthur: „Geliebtes Herz! Klug hab ichs anfangen müssen, Dir ein Brieflein zukommen lassen zu können. Du weißt nicht einmal, Du Armer, wo Dein Schatz weilt. In Straßburg sind wir, das Ähr Grausamen täglich beschießt! Ihr habt uns aber noch r^'cht so eingeschlossen, daß nicht dann und wann ein Bote die Schlupflöcher passirte. Als dieses heute auch der Fall war, bot ich viel Geld für die Besorgung dieses Schreibens und hatte die Freude, es gewiß von Eurer Feldpost befördert zu wissen. Du lieber, einziger, bester Arthur, wie geht es Dir? Ach, wenn doch dieser schreckliche Krieg erst zu Ende wäre! Mit Papa habe ich gesprochen und er hat unseren Bund gesegnet; mein Bruder Robert, — nun, Du weißt, er kann Euch Deutschen nicht leiden, aber ich hoffe, er wird sich bald mit dem Gedanken aussöhnen. Solltet Ihr die Festung erobern, so theile ich Dir mit, daß wir Kleberplatz Nr. 113 wohnen. Es grüßt und küßt Dich tausendmal Deine Cäcilie." Unser junger Freund drückte den Brief wiederholt an seine Lippen, dann verwahrte er ihn sorgsam in seiner Briest tasche. Er betrachtete ihn als ein Heiligthum. Der General von Podbielski konnte gar bald, Dank den Bemühungen des tapferen Generals von Werder, aus dem Hauptquartiere König Wilhelms nach allen Richtungen tele- graphiren, daß Straßburg wieder deutsch sei und die Festung hätte capituliren müssen. In langen Schaaren wanderten die entwaffneten Truppen durch die jetzt geöffneten Thore der Gefangenschaft entgegen; finsteren Blickes und unmuthig zogen sie dahin. Lieutenant vom Busch hatts diese Entwaffnung und den ersten Transport der Gefangenen mit zu leiten, dann vergönnte ihm endlich der strenge Dienst ein paar freie Stunden.und sogleich eilte er über Trümmer, Karren, tobte Pferde und alle anderen Anzeichen des männermordenden Krieges in die eroberte Stadt. Bald stand er vor dem Kleber-Denkmal und da war ja auch der Kleberplatz. Eine alte Dame empfing den Offizier in dem Hause, welches die Geliebte als ihre Wohnung angegeben hatte. „Sie suchen gewiß Mademoiselle Villneuve; eilen Sie, denn gerade wollte die Familie abfahren, der Wagen hält am Zwinger Nr. 5!" antwortete die Dame dem jungen Offizier. Auch dieser Weg war bald von Arthur zurückgelegt. Eine miserable alte Kutsche rumpelte ihm entgegen. Ein Heller Jubelruf erklang, der Wagen hielt, Cäcilie lag an Arthurs Brust und Herr Vilneuve kletterte zum Schlag hinaus. a Herzlich war auch die Begrüßung zwischen Arthur und dem alten Herrn. Trotz seines bösen Gesichts mußte der Kutscher umkehren und Herrn Vilneuve, Cäcilie und Arthur gingen in das nächste Hotel, wo sie sich in ein Zimmer zurückzogen und sich der Freude des Wiedersehens Hingaben. „Wenn es in Frankreich unmöglich ist, Herr vom Busch," warf der alte Herr so, beiläufig hin, „daß Sie mit Cäcilie in Frieden leben können, das heißt Hochzeit feiern dürfen, so ziehen wir mit Ihnen nach Deutschland!" Eine Thräne perlte dabei aus den treuen Augen des alten Herrn. „Aber was wird aus Robert, Papa?" fruq Cäcilie überrascht. Der alte Herr erschrack. „Ja so! Nun, Gott wird alles wohl machen!" Er neigte sein Haupt und setzte leise hinzu: „Ich will ja nichts als Euer Glück, meine Kinder!" Die paar Stunden des Urlaubs, die Arthur hatte, ver- gingen schnell. Aus Arthurs Frage nach Robert entgegnete Cäcilie: „Robert ist zur Armee, Arthur! Aus GambettaS Ruf ist er mit Tausenden von jungen Franzosen zur Armee gegangen." Newyork, 8. October. Das schöne Wetter beseitigt die Befürchtungen wegen der Baumwoll-Ernte des Südens, indetz bleiben die Ernteberichte wenig befriedigend, trotzdem tritt die Neigung zum Verkauf schärfer hervor. Die auswärtigen Käufer halten zurück. Die von den Pflanzern zurückgehaltenen Vorräthe kommen jetzt an den Markt. Die Berichte aus den Memphis- und Miflouridistricten sind gut. Ueucfk Nachricht»«*. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 10. October. Die „Post" erfährt von bestunterrichteter Seite, der Herzog von Cumberland werde wegen des seinem Vater gegebenen Gelübdes nicht aus Hannover verzichten, sondern abdiziren, um seinen Sohn in die Lage zu setzen, den Verzicht zu erklären und dann von Braunschweig Besitz zu nehmen. Hamburg, 10. October. Neu angemeldet wurden 14 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Oeffentliche Versammlungen werden gestattet. CocaU» ttnt provinzieller. Gießen, 10. October 1892. — Oeffentliche Sitzung deS Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberheffen am 8. October 1892. Anwesend: der Vorsitzende Großh. Provinzialdirector Frhr. von Gagern, die Mitglieder Curtman, Fendt, Gnauth, Dr. Gut- sleisch, Schade, Stöpler und Trapp. 1. Gelände- Enteignung behufs Erbauung einer Dienstwohnung für den Director der neuen akademischen Kliniken. Die Enteignung einer zur Anlegung der Zusuhrstraße und Arrondirung des Gartens des Verwaltungsdirectors weiter nöthigen, dem Gg. Simon gehörigen Fläche, wurde ausgesprochen. — 2. Gesuch des Assor Adler III. zu Alt-Wiedermus um Erlaubniß zum Wirthschastsbetrieb. Der von p. Adler gegen bas, die nachgesuchte Erlaubniß versagende Erkenntnitz des Kreisausschusses Büdingen verfolgte Recurs wird als unbegründet abgewiesen. — 3. Recurs der Brüder Herz und Michael Kahn in Ranstadt. Die Genannten erhoben gegen einen Polizeibefehl, der die Beseitigung einer, ohne Beachtung der festgesetzten Baufluchtlinie errichteten Einsriedigungsmauer verlangte, Widerspruch. Die Verhandlung ergab, daß zur Einhaltung der Fluchtlinie die Erwerbung eines der Gemeinde gehörigen Geländestreisens nöthig gewesen wäre. Der Polizeibefehl Großh. Kreisamts Büdingen wurde ausgehoben.— 4. Das Gesuch des Levi Rothschild von Echzell um Er- laubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße war vom Kreißausschusse des Kreises Büdingen wegen mangelnden Bedürfnisses abschlägig beschieden worden. Der Gesuchsteller hat hiergegen recurrirt und daraus hmgewiesen, daß es sich nur um Uebergang des concessionirten Branntweinverkaufs von seinem Vater auf ihn handle. Dem Recurse wird statt- gegeben. — 5. Louis Hinkel zu Bisses will die bisher von seiner Mutter betriebene Wirrhschast weitersühren. Der Gemeinderath verneinte die Bedürfnißfrage und lehnte demzufolge de^ Kreisausschuß des Kreises Büdingen die Concesstons- ertheilung ab. Rechtsanwalt Katz dahier sungirte als Vertreter des Louis Hinkel und sprach sich dahin aus, daß die Verneinung der Bedürfnißfrage seitens des Gemeinderaths der Begründung entbehre. Das Erkenntniß des Kreisausschusses wurde ausgehoben. — 6. Heinrich Ludwig Culman aus Dauernheim, welcher ein gemischtes Waaren- geschäst betreibt ■ und die Erlaubniß zum Branntweinverkauf über die Straße besitzt, will nebenbei eine Schankwirthschast errichten. Das Kreisausschußurtheil versagte die nachgesuchte Concession wegen mangelnden Bedürfnisses. Die eingelegte Berufung wurde abgewiesen. — Provinzial Ausschußfitzuug. Am 15. October, 9 Uhr Vorm., findet im Regierungsgebäude in Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzial Ausschusses mit folgender Tagesordnung starr: 1. Antrag der Stadt Gießen aus Enteignung von Gelände behuss Ausbaues der Löberstraße. 2. Gesuch der Brauereifirma Friedel und Asprion zu Gießen um Nun, wenn ich mit ihm Zusammentreffen sollte, Geliebte, ich würde für seine Schonung sorgen." Sie sah ihn dankbar an und drückte ihm die Hand. Der alte Herr Vilneuve aber wiederholte: „Gott wird alles wohl machen!" Die Zeit des Urlaubs war um, Arthur mußte ausbrechen - die Kutsche suhr vor. „Wir gehen nach Marseille zu Verwandten," sagte beim Abschied Herr Vilneuve, „schreiben Sie ruo du mer Nr. 328. Adieu, leben Sie wohl und bleiben Sie gesund." Cäcilie war bleich wie der Tod beim Abschiede und Arthur wie zerschmettert. Noch einen heißen Kuß tauschten die Liebenden und dahin rollte die alte Landkutsche mit dem Theuersten, was Arthur vom Busch aus Erden zu besitzen glaubte. Jetzt trug Cäcilie auch Arthurs Ring am Finger. Dahin, dahin aber war das schöne Mädchen, und Arthur stellte sich an jedem Tage wohl tausendmal die Frage, ob er sie je Wiedersehen werde. Der treue Bursche Berger hatte in diesen Tagen seine liebe Noth mit seinem Herrn, den er kaum einen Bissen, kaum einen Trunk genießen sah. „Die Liebe bereitet Freude, Die Lrebe macht uns Pein; Sie flicht ins Haar uns Rosen Und windet Dornen drein, so sagt ein neuerer Dichter," meinte Arthur, „und er hat recht." Arthur war jetzt in das Stadium getreten, wo er über die zweite Hülste jenes Verses tagelang grübeln konnte „Ich will mich drein versenken Und bin für Ewigkeiten Dein!" (Fortsetzung folgt.) Gestattung des Betriebs einer Dampfmaschine bezw. einer Eis- und Kühlmaschine. — KreiSausschußfitzungev. Am 12. October Vorm., 9 Uhr, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentl. Sitzung des Kreisausschusses mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Recurs des Friedrich Benz le r von Gießen gegen einen Polizeibefehl wegen Errichtung von Brandmauern. 2. Die Unterbringung des Karl Schmalz zu Grüningen in eine Erziehungsanstalt. — In der auf 'den 15. October, Nachm. 3 Uhr anberaumten öffentlichen Sitzung kommt zur Verhandlung die Reclamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Bellersheim. — Von der Universität. Professor Dr. Schmidt wurde auf Nachsuchen seines Dienstes entlassen und an seine Stelle Professor Reitzenstein-Rostock zum ordentlichen Proseffor in der philosophischen Facultät der Landesuniversität ernannt. — Die Nr. 21 des im Austrage des Evang. Psarr- vereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Worte zu ernster Selbstprüsung. 2. Das Vaterunser. 3. Hessische Theologen im Auslande. Bitte. 4.^Nachtrag zu: Versorgung der Psarrwaisen. 5. Der evangelischHPfarrer und die Kunst (Fortsetzung). 6. Die Delegirtenversammlung der deutschen Psarrervereine in Wittenberg. 7. Hauptversammlung des Psarrvereins für das Groß- herzogthum Hessen. 8. Ausschuß-Sitzung sür Oberhessen. 9. Bericht über die Zusammenkünfte von Pfarrvereinsmitgliedern. 10. Zusammenkünfte der Pfarrvereinsmitglieder. 11. Quittung über eingegangene Gelder. 12. Anzeigen. — Im Hotel Victoria dahier waren gestern Nachmittag die dem Kreis Gießen angehörigen Mitglieder des Landes- Ausschusses sür die Errichtung eines Denkmals weiland Seiner Königlichen Hoheit des Grobherzogs Ludwigs IV. nahezu vollzählig vereinigt, um sich zu gedachtem Zweck als Ausschuß für den Kreis Gießen zu constituiren. Nach Einsetzung eines Executivcomites, bestehend aus den Herren Provinzialdirector Freiherr von Gagern, Oberbürgermeister Gnauth und Rechtsanwalt, Reichs- und Landtags-Abgeordneten Dr. Gutfleisch, und Bestellung eines Schatzmeisters wurden im Wesentlichen die Bildung von Ortsausschüssen für die Städte und größeren Gemeinden, sowie die Wahl von Vertrauensmännern in den übrigen Gemeinden des Kreises verabredet, und die danach im Einzelnen zu erlassenden Publikationen 2c. festgestellt. — Das gestrige Nikita Concert im Saale des Gesellschafts-Vereins war nur mit dem Prädicat als „ganz vorzüglich" zu bezeichnen. Wir erinnern uns kaum, eine solch jugendsrische, außerordentlich geschulte Stimme gehört zu haben. Auch die beiden Partner des Fräuleins, die Violin- und Clavier-Virtuosen, leisteten in ihrem Fache ebenfalls recht Gutes. Wir behalten uns vor, in nächster Nummer eingehend über das Concert zu reseriren. — K. Theater. Vor einem sehr gut besetzten Hause ging gestern Mosers „Bibliothekar" in Scene und entfesselte bei den empfänglichen Hörern wahre Stürme des Beifalls, die besonders vor den Actschlüssen sich einstellten. — Gespielt wurden die Hauptrollen von Herrn Reiners („Schneider Gib- son"), Frau A. Reiners („Edith"), Frl. L. Coppe („Eva") und Herrn Martiensen („Macdonald d. Aeltere"). In den kleineren Rollen waren thätig die Damen Coppe und Ganzenmüller, die Herren Roscheck, Stückel, Born und Weisel. — Die aus Oswalds Garten befindliche Falk'sche Menagerie erfreut sich recht zahlreichen Besuchs uno bietet allen, sich für Raubthiere Jnteressirenden Stoff zu Studium und Betrachtung. Einen Hauptanziehungspunkt bildet die Dressur junger Löwen in Gemeinschaft mit einem Königstiger. Die Thiersammlung ist sehr zahlreich, in schönen, gutgehaltenen Exemplaren vertreten und kann deren Besichtigung bestens empsohlen werden. — Verhaftet wurde gestern ein Commis, der tn dem Geschäfte seines Prinzipals über 350 Mk. unterschlagen hatte, heute Morgen ein Fremder wegen Zechprellerei. — Die Hauptversammlung deS Hilfs Vereins im Groß, herzogthum Heffeu für Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde findet Montag den 17. October, Nachmittags halb 4 Uhr im Damensalon des Darmstädter Saalbaues statt. — Kirchliche Dieuftuachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 20. August dem Mitprediger Karl Kleeberger zu Schotten die erste luth. Psarrstelle zu Groß Umstadt, — am 26. August dem evang. Pfarrer Otto Wifsig zu Lampertheim die evang. Psarrstelle zu Bad Nauheim, — am 29. August dem evangel. Pfarrer Wilhelm Zentgraf zu Reichenbach die evangel. Psarrstelle zu Eberstadt, — am 30. August dem Psarrverwalter Theodor Römheld zu Güttersbach die evangelische Psarrstelle daselbst, — am 31. August dem Psarrverwalter Ferdinand Naumann zu Kirch-Brombach, aus Präsentation des Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und des Herrn Grasen von Erbach-Schönberg die evang. Psarrstelle zu Kirch-Brombach, — am 7. September dem Psarrverwalter Carl Günzer zu Londors die evangel. Psarrstelle zu Ober-Beerbach, — am 13. September dem Psarrverwalter Georg Heinrich Port zu Gelnhaar die evangel. Psarrstelle zu Homberg a. d. O., — am 17. September dem Psarrverwalter Wilhelm Briegleb zu Zotzenheim die evang. Psarrstelle daselbst zu übertragen. Am 27. August wurde dem Caplan und Religionslehrer Otto in Mainz die katholische Psarrstelle zu Armsheim, — am 12. September wurde dem Pfarrer Blankenberger zu Dals- heim die kathol. Psarrstelle zu Gundersheim, mit Wirkung vom 20. September an, — an demselben Tage wurde dem Religionslehrer Kemmerer zu Worms die katholische Pfarr- stelle zu Hirschhorn, — am 16. September wurde dem Psarrverwalter Glllig zu Zornheim die kathol. Pfart stelle daietbsi, — am 20. September wurde dem Beneftztums i Verwalter Litzendorf zu Heppenheim a. d. B. die katholische i Psarrstelle zu Gundheim übertragen. — Thierschutzvereiu für da8 Großherzogthum Heffeu Der am Samstag Nachmittag in Darmstadt zu einer aus den drei Provinzen des Landes besuchten Sitzung zusammengetretene Ausschuß des Thierschutz-Vereins sür das Großherzogthum Hessen hat einstimmig beschlossen, Stellung zu nehmen gegen die Thierquälerei bei dem „Distanzritt Berlin—Wien", und die Redaction des Vereinsorgans beauftragt, dieser Stellungnahme in der Novembernummer gebührenden Ausdruck zu geben. — Kartoffelpreise. Man hört jetzt vielfach die Ansicht äußern, bei dem diesjährigen Ausfall der Kartoffelernte sei ein weiterer Rückgang der Kartosselpreise mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen und man thue gut daran^ mit der Deckung des Winterbedarss noch einige Zeit zu warten. Demgegenüber möchten wir darauf Hinweisen, daß bei der gegenwärtigen Rauhfutternoth die Kartoffel zu Viehsutterzwecken in sehr erheblichem Maße herangezogen wird, und nach dem jetzigen ersten starken Angebot, welches vielfach aus den Mangel an Lagerräumen zurückzusühren, auf einen weiteren Preisrückgang schon deshalb nicht zu rechnen, weil der hohe Selbft- bedarf des Landwirths die Vortheile einer guten Ernte wieder ausgleicht. Es dürste sich demnach empfehlen, jetzt zuzugreisen und den Winterbedarf an Kartoffeln so rasch als möglich zu decken. ** Bettenhausen, 8. October. Bei der heute hier stattgehabten Beigeordnetenwahl wurde der Landwirth Heinrich Roth III. mit 57 Stimmen einstimmig gewählt. Laubach, 7. October. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der bisherige Bürgermeister Jochem trotz lebhafter Gegenagitation mit 189 Stimmen wiedergewählt. Der Gegencandidat, Vorschußkasserechner Göbels erhielt 114 Stimmen. S. Trais Horloff, 9. October. Nachdem auf hiesiger Briquettssabrik „Grube Friedrich" eine Anzahl Arbeiter, vorzugsweise auswärtige, entlassen wurden, ist die Ruhe wieder hergestellt und wurden die Arbeiten wieder ausgenommen. -n- Lauter, 8. October. Bei der heutigen Bürger- meiste rwahl wurde der seitherige Bürgermeister Feldmann einstimmig wiedergewählt. § Kaulstoß, 8. October. Bei der heute hier stattge-- fundenen Bürgermeisterwahl wurde unser seitheriger Bürgermeister Heinrich Lust einstimmig wiedergewählt. § Nieder Moos, 7. October. Als Gemeinderathsmitglieder wurden gewählt: Konrad Rühl, Post-Agent und Gastwirth, Caspar Eurich, Schreinermeister und Johannes Hofmann II. § Sichenhausen, Kreis Schotten, 8. October. Gestern sand hier Bürgermeisterwahl statt, wobei unser seitheriger Bürgermeister Heinrich Appel wieder einstimmig mit 44 Stimmen gewählt wurde. — Altenstadt, 7. October. Dem Oeconomen H. im benachbarten Bönstadt sind bei einem angelegten Brande etwa 500 Gentner Heu theils mehr oder weniger beschädigt worden. -h. Butzbach, 9. October. Der in weiteren Kreisen (speciell in Gießen durch seine Bestellgänge) bekannte Bote Schön, ein äußerst braver Mann, hatte vergangenen Donnerstag das Unglück, beim Nußabmachen vom Baume zu stürzen und zog sich derselbe so schwere innere Verletzungen zu, daß seine Uebersührung in das Johanniter-Spital nach Nieder- Weisel erfolgen mußte. Der Zustand des Verunglückten soll ein sehr hoffnungsloser sein. m. Butzbach, 9. October. Folgendes heitere Stückchen wird hier viel belacht. Im benachbarten H. (am Hausberg) kommt in einer der letzten Nächte der Nachtwächter zu dem Bürgermeister gelaufen mit dem angstvollen Rufe, daß in dem Garten der Wirthschast B. ein wildes Thier, jedenfalls ein Wildschwein, sei. Einige beherzte Männer bewaffneten sich mit Heu-, Mistgabeln 2C., um das wilde Thier unschädlich zu machen. Und was war die Ursache der Aufregung?' ein Korb, der durch den Sturm hin- und hergeschleudert wurde. Unter allgemeiner Heiterkeit zog die tapfere Schaar wieder zur nächtlichen Ruhestätte. A. Bürstadt im Ried, 9. October. Heute hat hier N a ch- kir ch weihe sein sollen, der ganze Ort hat jedoch die Tanz- erlaubniß für ein volles Jahr entzogen bekommen, weil seit einer Reihe von Jahren bei jeder Gelegenheit die schwersten Verwundungen, sehr oft auch Todtschlag oder schwere Körperverletzungen mit tödlichem Erfolge vorzukommen pflegen. Genau vor zehn Jahren erstach der hiesige Schuldiener den Geistlichen. Ersterer kam vor einiger Zeit aus dem Zuchthause untf erhängte sich aus den Jahrestag seiner Miffethat. Die Messerhelden von Bürstadt sind in der ganzen Prov'nz berüchtigt. In dem benachbarten Bobstadt schossen sie kürzlich auf einen Sonntag einen Mann nieder, der an dem entstandenen Streite gar nicht betheiligt war. Beim Militär werden sie stets unter besondere Aussicht genommen. — Vergangenen Sonntag verlor ein junger Mensch von 17 Jahren das Leben, indem er sich beim Kirchweihtanze mit seinem Gegner wegen einer Tänzerin entzweite. Der Letztere lauerte dem Ersteren mit einigen Helfershelfern auf, stach ihm in den Oberschenkel, wodurch eine Schlagader getroffen wurde und Verblutung entstand. Nicht genug damit, traten die Helfershelfer dem Angegriffenen auch noch die Brust ein und ließen den Gemordeten in einer Blutlache liegen, wo er als Leiche gegen Tagesanbruch gesunden wurde. Die ganze Gegend- ist empört über die scheußliche Blutthat. Meistens sind es unzeitige Bürschchen, noch nicht 20 Jahre alt, welche die Missethaten verüben. — Gestern kamen hier zwei heftige Brechdurchfälle vor, welche mit Tode endigten.