Nr. 35 Donnerstag den 11. Februar 1892 Amts- und Anzeincdlntt für den "Kreis Gieren. Hratisöeilage: Hießener Jamikienbkätter. Aintlichev Theil Kreisen Bedenken gegen B e t r. : zur es Moskau, 9. Februar. Der „MoSkauischen Zeitung* zu- Alle Annoncen-Bureaux deS In- unb Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. sicherung und die Bereitsten Unfallver- versicherungsamts. Die Gießener Jsmittenötütier »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Wahl-Commifsär: Schmidt, Regierungs-Accessist. Er conftattrt, daß in berufsgenossenschast _____________...... die ersten beiden Punkte des socialdeyMattschen Antrags nicht bestehen. hält dieselben aber nicht für ausreichend, um daraufhin allein eine Revision des Unfalloer sicherungsgesetzes vorzrmehmen, und spricht mc Forderung einer Abänderung des iteren Rahmen zu erfolgen haben würde. An Stelle des aus diesem Amte geschiedenen Abg. Dr. Porsch (Str.) wird Abg. Gröber (Str.) zum Schriftführer gewählt. Die Berathung des Etats des Retchsamts des Innern wird bet den Positionen Jnvalidttäts- und Alt Retchsverficherungsamt fortgesetzt. Abg. Rosicke (natlib.) befürwortet an stellung von Räumen zur Aufnahme einer hütungsausftellung in dem Neubau des überhaupt nicht, er empfehle aber doch den von ihm mitunterzeich - ten Antrag Möller und Gen., da die einfache Ablehnung deS stcial- demokratischen Antrags den Anschein erwecken könnte, als ob der Reichstag überhaupt keine Revision wolle. Die hohe Zahl von Betriebsunfällen, welche jetzt bekannt werde, beruhe darauf, daß letzt jeder, auch der kleinste Unfall zur Anzeige gelangen muß. Das Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgesetz stehe nun seit einem Jahre in Kraft und die bei seinem Inkrafttreten geäußerten Besorgniste hätten sich nicht erfüllt. Die rechnerischen Grundlagen desselben hätten sich als richtig erwiesen. Unbequemlichkeiten bringe jedes neue Gesetz. Den Arbeitgebern sei allerdings viel Schererei da er- erwachsen, wo von $ 5 nicht Gebrauch gemacht worden sei. Der Zeitpunkt zu einer Revision dieses Gesetzes sei noch nicht gekommen, da man mit der Invalidenrente so gut wie keine Erfahrungen habe. Würden nach Wunsch Grillenbergers die Landesversicherungsämter beseitigt, so würde das Reichsversicherungsamt zu einem Monstrum werden. Adg. Wurm (Soc.) wendet sich gegen die Verfügung des Bundesraths betr. die Entwerthung der Versicherungsmarken. ES sei nicht einmal die Tinte vorgeschrieben, mit der die Entwerthung ausgeführt werden solle. Der Bundesrath solle ernstlich über ein anderes Verfahren nachdenken lassen. Man möge ein Verfahre» anwenden, welches ein Loslösen der Marke von der Karte vereitelt, wenn sich die Marke selbst nicht auflösen soll. Ungesetzlich sei auch das Verlangen, daß die Arbeiter, welche sich als invalid melden, auf eigene Kosten ein ärztliches Attest über ihre Invalidität beibringen sollen, bevor man ihnen die Rente gewähre. Was den Antrag aus Abänderung des Unfallverstcherungsgesetzes anbelange, so forderten seine Freunde die Revision sofort und wollten nicht ein paar Jahre darauf warten. Die Positionen Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz und Reichsversicherungsamt werden angenommen, ebenso nach Ablehnung der socialdemokratischen Resolution die Resolution Möller und Gen. Damit ist der Etat deS Innern erledigt. Morgen 2 Uhr: Etat. Neueste Nachrichten. GolfiS telegraphisches Lorrespondenz-Burean. London, 9. Februar. Die zur Eröffnung des Parlaments verlesene Thronrede bezeichnet die Beziehungen zu den anderen Mächten als fortgesetzt freundschaftliche. Der Aieiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Bremen, 10. Februar. Der Director des Norddeutschen Lloyd, Lohmann, ist am Herzschlage gestorben. Brüffel, 9. Februar. Die Anarchisten verbreitete» ein an die Arbeiter und Soldaten gerichtetes Flugblatt in einer Auflage von 100,000 Exemplaren auch theilweise nach Deutschland. Bierteljähriger Aöonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutßratze Ar.7. Fernsprecher 51. Bekanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetze» vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden enmttellen Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf- schlag« von Fünf vom Hundert, pro Monat Januar 1892 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen: Hafer Jt. 15.90, Heu JL 5.80, Stroh Jt 4.70. Gießen, den 9. Februar 1892. Großherzoglicher Kreisamt Gießen- _v. Gagern. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 9. Februar. Die Budgetcommission deS Reichstags bewilligte 732,090 Mk. für Errichtung von 10O Familienwohnungen für Arbeiter der technischen Institute in Spandau, ebenso den Rest des ordentlichen Etats und Extraordinariums. Im außerordentlichen Etat wurde bewilligt 61,033,100 Mk. für artilleristische Zwecke, Handwaffen und Munition, 4*/2 Million als erste Rate für tragbare Zeltausrüstungen, der Rest des Etats und des sächsischen und württembergischen Contingents. Morgen: Marine-Etat. Berlin, 9. Februar. Die „National-Zeitung" schreibt: Die heutigen Zeichnungen aus die dreiprocentige Anleihe gehen flott ein und erfolgen durchaus nicht von specu- lativer Seite- es handelt sich nur um Capitalanlage. Auch das Ausland betheiligt sich, namentlich Holland, England und Oesterreich, auch hier zwecks Capitalanlage. Dte Reichsversicherungsämter sollen 80 bis 100 Millionen gezeichnet haben. Man erwartet mit einiger Sicherheit zweimalige Ueberzeichnung. Möglicherweise erfolgt eine noch größere Ueberzeichnung. Berlin, 9. Februar. Die „National-Zeitung" schreibt: Die Aufsichtsrathssitzung der großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft findet am 10. Februar statt. Die Dividende soll auf 121/2 pCt. festgesetzt werden. Berlin, 9. Februar. In dem Röhrenwalzwerk von Albert Hahn fand ein Explosion statt. Ein Arbeiter wurde getödtet- der Schaden ist bedeutend. Berlin, 10. Februar. Die Ueberführung der Leiche de Launays nach der Hedwigskirche fand gestern Abend 9 Uhr statt. Der Sarg, aus welchem ein Kranz der Kaiserin Friedrich lag, wurde mit einem vierspännigen Leichenwagen befördert. Vorausgetragen wurde eine Blumenspende des Kaiserpaares. Graf Santa Rosa, Mitglieder der italienischen Botschaft und das Hauspersonal begleiteten den Zug, welchem drei Wagen Kränze folgten. Die Leiche wurde vor dem Hochaltar ausgebahrt. Berlin, 10. Februar. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge passirte der Dampfer „Marion", mit 3360 Ballen Baumwolle von Galveston nach Bremen unterwegs, Dover mit brennender Ladung. Das Schiff kehrte nach Southampton zurück. Bekanntmachung. Herr Landwirthschaflslehrer Reichelt von Friedberg wird auf Veranlaffung des Oberhessischen Obstbauvereins Sonntag den 14. Februar l. I., Nachmittags « Uhr in dem Saale des I. Romps XII. zu Lang- Göns einen Vortrag über Obstweinbereitung halten. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden hierzu freundlichst eingeladen. Gießen, den 9. Februar 1892. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebel, Amtmann. Die Wahl des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen. Einladung Wahl des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen. wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß, da die Dienstzeit des Vorstandsmitgliedes Joseph Stern «bgelausen ist, die Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen Donnerstag den 25 Februar l. I. in dem Saale des alten Rathhauses dahier stattfinden soll. Sämmtliche nach § 2 der Wahlordnung vom 4. August 1871 Stimmberechtigten werden zur Wahl mit dem Bemerken eingeladen, daß die Abstimmung Vormittags von 9—12 Uhr und Nachmittags von 3— 5 Uhr stattfinden wird. Gießen, den 9. Februar 1892. Deutsches Reich. Berlin, 8. Februar. Die Commission für das Volksschulgesetz begann heute die Berathungen. Zu § 1 (Ausgabe der Volksschule) beantragt Abg. Rickert, ^Eingangs hinzuzufügen. Die Volksschule ist eine Veranstaltung des Staates, steht unter seiner Aufsicht und bildet die gemeinsame Grundlage aller öffentlichen Unterrichtsanstalten. Zu den ersten zwölf Paragraphen, betreffend die Aufgaben, Zahl, Schülerzahl, Lehrplan und innere Einrichtung der Schulen, liegen zahlreiche Abänderungsanträge des Centrums und der Conservativen vor. Von einer Generaldebatte wurde Abstand genommen. Abg. Hobrecht erklärte, die Natioralliberalen würden sich an der Debatte betheiligen, wünschten jedoch, um eine Majorisirung des einen Theiles zu verhüten, daß aus dem Gesetz alles ausgeschieden und festgelegt werde, worüber ein allgemeines Einverständniß erzielbar sei. Abg. Rickert erklärte sich damit einverstanden und wünschte zu wissen, ob es sich bestätige, daß der Minister vor Einbringung der Vor- * ^ge mit den katholischen Bischöfen birect oder indirect ver- • handelt habe. Graf Limburg-Stirum kann nicht einsehen, weßhalb nicht das ganze Gesetz zur Verabschiedung gelange. Die Ausscheidung des Dotationsgesetzes sei zulässig, aber nicht Practisch. Es wurde gegen die Stimmen des Centrums k>er erste Absatz des Antrags Rickert angenommen, wonach die Volksschule als eine Veranstaltung des Staates und unter beffen Aufsicht stehend hingestellt wird. Minister Zedlitz erklärte auf Anfrage des Abgeordneten Rickert, er könne absolut verneinen, daß er vor Einbringung des Volksschulgesetzes mit Vertretern der katholischen Kirche verhandelt hätte. Dieses schließe natürlich nicht aus, daß er persönlich und Privatim mit verschiedenen Persönlichkeiten auch aus Abgeordnetenkreisen über einzelne Punkte verhandelt habe. Er könne Niemanden das Recht einräumen, ihn in seinen privaten Beziehungen zu ^ontroliren. Gegenüber dem Abgeordneten Frhrn. v. Zedlitz- Meukirch erklärt der Cultusminister, er halte die Rück- Kichemr Anzeiger Keneral-Mnzeiger. eine Revision des Unfallver siche sich deshalb für die allgemVi Gesetzes aus, die dann im rmi:.....ew VHV„t Gan, unzutreffend fei der von Grillenberger gegen die Berussgenoffen- schaften erhobene Vorwurf der Arbeiterunfreundlichkeit. Die Renten würden von den Vorständen festgestellt und diese hätten sich nach den gesetzlich festgelegten Voraussetzungen zu richten, nicht nach Gefühlen und Empfinvungen. Bet Beurtheilung der großen Zahl der Recurse müsse man berücksichtigen, daß das Berufungsverfahren völlig unentgeltlich sei. Er wünsche, daß daran nichts geändert werde, aber man müsse doch diese Thatsach.' in Betracht ziehen. Uebrigens seien durch die Schiedsgerichte nur 4,60pSt. aller Rentenfeftftellungen abgeändert worden. Was die stattgefundene Vermehrung der Beisitzer beim Reichsversicherungsamt anlange, so wäre es wünschenswert, wenn das stattgefundene Verfahren nachträglich durch Gesetz legalisirt würde. Die Herabsetzung der Renten im Falle der Erhöhung der Erwerbsfähigkeit entspreche g kte zur Revision empfiehlt. Gesondert ordnen könnte man den Punkt des Mangels an nichtständigen Mitgliedern des Reichsoersicherungsamts. Nach den Er- I _ „ . , „ e- örterungen des Staatssekretärs bedürfte es eines Antrages eigentlich folge liegt dem Reichsrathe ein Gesetzentwurf vor, wonach schraubung der Vorlage auf ein einfaches Dotationsgesetz technisch für durchaus möglich, aber nicht für opportun. Man könne dir Dotationsfrage nicht lösen, ohne ins Politische, Con- fessionelle oder Religiöse hinüberzugreifen. J Verstärker Reiedstag. 167. Plenarsitzung. Dienstag den 9. Februar, 2 Uhr. die in Livland und Esthland erscheinenden lettischen und rsthnischen Bolkszeirungen ausgehoben werden sollen. Nischni Nowgorod, 9. Februar. DaS Hotel Filimonow ist niedergebrannt. Die Frau des Besitzers und zwei Hotelgäste sind verbrannt. Localer und provinzieller. Gießen, 10. Februar 1892. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein haben im Einverständniß mit Seiner Majestät dem Kaiser und König Allerhöchst geruht, dem hiesigen Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm den Aller- höchsten Namenszug Seiner Majestät des Kaisers zu verleihen. Der Namenszug besteht aus einem lateinischen W, über diesem die Kaiserkrone mit Schleife, innerhalb des W befindet sich die Zahl II. — Neues Theater. Nachdem die letzte Zeit hindurch unsere Künstler nur der heiteren Muse sich gewidmet hatten, ging gestern Abend „Alexandra", Drama in 4 Acten von R. Voß, über die Bretter. Fräulein Plog hatte sich dies tief ergreifende Stück zum Benefiz ausgewählt und kann man ihre Wahl als eine sehr günstige bezeichnen, denn die beliebte Künstlerin leistete in der Titelrolle wirklich Vorzügliches. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte das Publikum ihrem Spiel, in dem es ihr meisterhaft gelang, den tiefsten Hatz und die glühendste Liebe, besonders aber den Uebergang von einem zum andern, zum Ausdruck zu bringen. Schon nach dem ersten Acte erscholl anhaltender Beifall und am Ende des dritten und vierten Actes mußte sich der Vorhang wiederholt heben. Mehrfache Bouquets und Kränze zeichneten Fräulein Plog aus. Hoffen wir, daß die begabte Schauspielerin, der wir schon so manchen genußreichen Abend verdankten, uns noch lange erhalten bleibe. Auch die übrigen Rollen waren gut besetzt, besonders mögen hervorgehoben werden Fräulein Lindemann („Frau v. Eberth"), Herr Ernst, der den „Dr. Andrea" mit großer Würde spielte, und Herr Peickner, „Erwin". Das Zusammenspiel war sehr gut. Der Besuch der Vorstellung war mittelmäßig- gerne hätten wir Fräulein Plog ein ausverkauftes Haus gewünscht, was sie ihrer Leistung nach auch in reichstem Maße verdient gehabt hätte. — Neues Theater. Wie schon in der gestrigen Nummer- erwähnt, ist es Herrn Director Reiners gelungen, den Großh. Hessischen Hofschauspieler Herrn Georg Hacker noch einmal zu einem Gastspiel für die hiesige Bühne zu gewinnen. Herr Georg Hacker tritt nun, einem allgemeinen Wunsche entsprechend, diesmal in einem Lustspiel aus und zwar hat '.sich der Künstler „Mit fremden Federn" gewählt. Herr Hacker selbst spielt in diesem lustigsten aller Lustspiele, welches am Hostheater in Darmstadt einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen hatte, den John Helbert, eine Rolle, in welcher der Künstler unvergleichlich ist. Wir empfehlen daher diese Novität, verbunden mit dem interessanten Gastspiel, auf das Beste. — Verhaftet. Ein Bürschchen von 17 Jahren wurde gestern wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. — Diebstahl. Während der Hausbursche eines hiesigen Geschäfts in der oberen Ludwigstraße Maaren an Kunden besorgte, wurde ihm von seinem aus der Straße stehenden Karren weg ein Kistchen Cigarren entwendet. — Bestätigung von Stiftungen und Vermächtniffen. Im Lause des 4. Quartals 1891 sind vom Grobherzog u. a. nachstehende Stiftungen und Vermächtnisse bestätigt und hiernach die betreffenden Behörden zu deren Annahme ermächtigt worden: Schenkungen an die evangelische Kirche zu Homberg: a. von Seiten der Familie Schenk zu Schweinsberg- Wäldershausen, bestehend in Kirchengeräthen und Geld im Gesammtbetrage von 600 Mk., b. von Seiten des Gerichtsschreibers Becker zu Homberg, bestehend in einem Oelbild Luthers im Werthe von 500 Mk.; Vermächniß der früheren Jndustrielehrerin Karoline,Henry zu Gießen an die Stadt Gießen zu Gunsten von ledigen oder verwittweten Jndustrie- lehrerinnen an den Schulen daselbst, welche in ihrem Berufe dienstunfähig geworden sind, im Betrage von 5000—6000 Mk.- Schenkung eines Ungenannten zum Baufond einer Capelle zu Bad-Nauheim an die dortige katholische Kirche im Betrage von 800 Mk. — Die Gehalte der Schulverwalter und Schulgehilseu betreffend, ist von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz (Abtheilung für Schulangelegenheiten) unterm 1. d. M. das nachstehende Ausschreiben erlassen worden: Wir sehen uns veranlaßt, mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zu bestimmen, daß die Schulverwalter und Schulgehilfen und beziehungsweise die Schulverwalterinnen und Schulgehilfinnen, neben der ihnen gesetzlich zustehenden Wohnung oder Miethentschädigung, künftig a. vor bestandener Schlußprüfung einen Gehalt von jedenfalls 700 Mk., b. nach bestandener Schlußprüfung einen Gehalt von mindestens 800 Mk. zu beziehen haben. Diese Bestimmung hat mit Wirkung vom 1. April 1892 an ins Leben zu treten und erstreckt sich auch aus solche Gemeinden, welchen auf Grund des Art. 17 Abs. 3 des Gesetzes vom 9. März 1878 gestattet ist, nur den Gehalt eines Schulverwalters (in der bisherigen Höhe) aufzubringen. Wir beauftragen Sie hiernach, wegen Auszahlung der erhöhten Gehalte vom 1. April 1892 an, insoweit diese Gehalte aus den Gemeindekaffen zu entrichten sind, das Erforderliche zu veranlassen und ein Verzeichniß derjenigen Schulgehilfen und Schulgehilfinnen, welche ihren Gehalt aus der Staatskasfe beziehen, baldthunlichst einzusenden. — Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Offenbach mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1200 bis 2400 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Dem zu ernennenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gen. Schule gegen eine Remuneration von 400 bis 600 Mk. jährlich übertragen werden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alzey mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1100 bis 1200 Mk. Dem zu ernennenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gedachter Schule gegen eine Remuneration von 200 Mk. jährlich übertragen werden. An der Volksschule zu Worms drei Lehrerstellen, von denen zwei mit evangelischen Lehrern zu besetzen sind und die eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzen ist, sowie eine mit einer ev. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle mit einem nach dem Dienstalter sich bemeffenden jährlichen Gehalte von je 1200 bis 2400 Mk. — Welt«Uuiverfitäts Statistik. Dem „Jahrbuch der Universitäten der Welt" ist Folgendes über das Alter der Universitäten zu entnehmen: Voran gehen die drei altehrwürdigen Universitäten des 12. Jahrhunderts: Bologna, Montpellier, Paris; nach einiger Zeit erst begegnen uns die ersten deutschen Universitäten, nämlich Prag (1347 oder 1348), Krakau 1364, Wien 1365, Heidelberg 1386. Weiterhin chließen sich an, immer in die große Zahl der außerdeutschen Universitäten eingestreut, die Hochschulen von Würzburg, Leipzig, Rostock, Greifswald, Freiburg, München, Tübingen (15. Jahrhundert) - Halle, Breslau, Marburg, Königsberg, Jena, Straßburg, Braunsberg (16. Jahrhundert)- Gießen, Kiel (17. Jahrhundert) - Göttingen, Erlangen, Münster (18. Jahrhundert)- endlich „last not least* als jüngste Schwestern Berlin (1809) und Bonn (1818). Die jüngste aller Universitäten ist die im Jahre 1891 in Gothenburg gegründete. Eine weitere Tabelle theilt für die größte Zahl der Hochschulen deren Hörerzahl mit. Wieder steht Paris an der Spitze mit 9215 Hörern, es folgt Wien mit 6220, Berlin mit 5527, ferner unter anderen: München (3551), Leipzig (3458) u. s. w. Immer kleiner werden die Zahlen, aus den Tausenden kommen wir in die Hunderte, und sechs von den aufgeführten Hochschulen müffen sich mit einer zweiteiligen Zahl von Hörern begnügen, darunter Braunsberg mit 41 an drittletzter Stelle - in Barbados unterrichten die vier Prosefforen nur 22 Studenten, in Sierra Levone müssen sich die 5 Lehrer in 12 Schüler theilen. B Müuzeuberg, 6. Februar. Bei der heute hier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde von den beiden Herren ® Candidaten Wilh. Gorr IV. und Konrad Hitzel III. Ersterer mit 50 Stimmen Mehrheit gewählt. Hungen, 7. Februar. Heute Nachmittag hielt der Vorsitzende der Versicherungsanstalt für das Großherzogthum Hessen, Herr Dr. Dietz- Darmstadt, auf Veranlassung des hiesigen Örtsgewerbvereins vor einer recht zahlreich besuchten Versammlung einen Vortrag über das Jnvaliditäts-und Altersverficherungsgesetz. Schotten, 7. Februar. Das hiesige „Anzeigeblatt" ver- öffentlicht folgenden Aufruf: Es ist der Wunsch vieler Kameraden, die den Feldzug 1870/71 mitgemacht haben, einen engeren kameradschaftlichen Verein zu gründen, in dem die kameradschaftlichen Beziehungen gepflegt und die noth- leidenden Kameraden unterstützt werden sollen, unter dem Namen „Veteranenverein der Kreise Schotten und Büdingen". Alle Krieger dieser Kreise werden daher ausgesordert, zwecks Gründung des Vereins zu^einer eingehenden Besprechung und Entwurf von Statuten Sonntag, den 6. März l. I., Morgens 10 Uhr, in Gedern in der Bergwirthschaft zu erscheinen. Q Aus dem Kreise Alsfeld, 8. Februar. In den Gemeinden des Kreises tritt seit einigen Tagen die Influenza stärker aus und gewinnt an Verbreitung. Allerdings so stark tritt die Krankheit nicht allgemein aus, wie vor zwei Jahren, auch ist der Krankheitszustand der Patienten viel günstiger als damals, dessen ungeachtet sind ihr aber doch schon Leute, namentlich im vorgerückten Alter, zum Opfer gefallen. O. Nieder Moos, 7. Februar. Dem Kaufmann Isaac Rosenberg aus Lichenroth, weicher hier ein unbewohntes Wohnhaus besitzt, wurden vor Kurzem Nachts sämmtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Stockhausen, 6. Februar. Spätes Glück. 15000 Mk., sage und schreibe sünszehntausend deutsche Reichsmark, erhält in der nächsten Zeit ein hiesiger mehr als achtzig Jahre alter Weber von dem Staat Mexiko baar ausbezahlt, weil er zu den wenigen noch lebenden Veteranen gehört, die ehemals die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit dieses Landes als junge mexicanische Soldaten haben mit erringen Helsen. Möge dem alten Manne der Genuß eines sorgenfreien Lebens, das er nie gekannt hat, noch recht lange bescheert fein. Nidda, 9. Februar. Der Director der Spar- und Leihkasse macht bekannt: „Die Einlagen jeder einzelnen Person bis zu 1000 Mk. werden mit 4pCt., weitere Einlagen von ein und derselben Person, welche diesen Betrag von 1000 Mk. übersteigen, dagegen nur mit 8^/2 pCt. verzinst." Büdingen, 6. Februar. Der Vorstand des Mathilden- Hospitals bringt im Interesse der Gemeindekrankenversicherungskassen und der gemeinsamen Ortskrankenkassen Folgendes zur öffentlichen Kenntniß: Bisher sind die von den genannten Kassen dem Spitale zugewiesenen Kranken für täglich 60 Pfennige verpflegt worden, wobei den betreffenden Kassen noch die Kosten für ärztliche Behandlungen und für Medikamente verblieben. In der Vorstandssitzung vom 23. Januar d. I. ist aber nunmehr beschlossen worden, daß von den betreffenden Kassen nur noch Kranke gegen ein tägliches Pflegegeld von Einer Mark ausgenommen werden sollen. Bezüglich der übrigen seitherigen Bestimmungen bleibt es beim Alten, sodaß also auch sernerhin von den betreffenden Kassen die für ärztliche Behandlung und für Medicamcnte entstehenden Kosten bestritten werden müssen. Friedberg, 8. Februar. Obstbaucurse an der land- wirthschastlichen Winterschule zu Friedberg während des Frühlings und Sommers 1892. 1) Obftbaucursus für Baumund Straßenwärter in der Gesammtdauer von 9 Wochen- Der erste Theil beginnt Dienstag den 15. März und dauert 6 Wochen (ausschließlich der Osterferien). Der zweite Theil findet im Juli oder August für die Zeit von 3 Wochen statt. 2) Repetitionscursus für Baum- und Straßenwärter vom 9. bis 14. Mai. Der Cursus ist honorarfrei. 3) Obstbau- cursus für Lehrer und Freunde des Obstbaues. Erster Theil vom 25. bis 30. April, zweiter Theil von 10 Tagen nach Uebereinkunst im Lause des Sommers. Honorar für Hessen 10 Mk., für Nichthessen 15 Mk. 4) Obstbaucursns für Freunde des Obstbaues vom 16. Mai ab.. Dauer desselben nach Uebereinkunst. Wöchentlich zwei bis drei Vorträge und circa vier Stunden Hebungen und Demonstrationen. Honorar 10 Mk. für Hessen, 15 Mk. für Nichthessen. Bad Nauheim, 7. Februar. Hier wird in Verbindung mit der im Spätsommer stattfindenden Generalversammlung des Landesgewerbevereins eine Ausstellung von Zeichnungen und Schülerarbeiten aus den Handwerkerschulen der Provinz Oberhessen abgehalten werden. Im Anschluß hieran gedenkt man eine Ausstellung selbstversertigter Arbeiten hiesiger Lehrlinge zu veranstalten. Es war auch eine Ausstellung von Pro ducten der localen Industrie in Anregung gebracht worden, doch hat das Project die wünschenswerte Unterstützung des hiesigen Handwerker- und Fabrikantenstandes nicht gesunden. (D. Ztg.) Vom Main, 8. Februar. In der Umgegend von Groß- Steinheim, Seligenstadt und Babenhausen lagern noch bedeutende Kar 10 f fei men gen. Die Bauersleute, die im Spätherbste bis zu 8 Mk. pro Doppelcentner erzielen konnten, aber auf Preissteigerungen rechneten, würden die Kartoffeln jetzt gerne um 7 bis 6 Mk. abgeben, wenn sich nur ein Käufer fände. Die bisherigen Absatzgebiete, Westfalen und Rheinlande, sind vollständig verschlossen und die Zwischenhändler suchen vergeblich nach anderweitigen Absatzquellen. vermischtes. * Marburg, 7. Februar. Auch unsere Stadt ist reicher, als man bis jetzt annahm. Bei der neuen Selbst- sch ätzung soll sich herausgestellt haben, daß hier nicht weniger denn 10 Millionäre wohnen. * Aus der Mark. Der zehnte Knabe ist, wie der „N. A. Z." mitgetheilt wird, dem Schmiedemeister Schmidt zu Brielow geboren; der siebente hatte den hochseligen Kaiser Wilhelm L, der achte den hochseligen Kaiser Friedrich III. und der neunte Seine Majestät den Kaiser Wilhelm II. zum Pathen. * In der Nähe von Rummelsburg werden größere Holzplätze von bissigen Hunden bewacht. Der etwas angetrunkene Tischler Wolff wollte die Hunde necken und kletterte deßhalb^ms den Zaun des Grundstücks. Dort verlor er das Gleichgewicht, stürzte hinunter und wurde von den Bestien in einer solchen Weise zerfle ischt, daß er innerhalb einer Stunde seinen Geist ausgab. * Wien, 8. Februar. Wegen Entwendung eines Portemonnaies mit einem Inhalte von 2 8 Kreuzern (= 50 Psg.) wurde heute ein Mann vom Schwurgericht zu acht Jahren chwercn Kerkers, verschärft mit einem Fasttage in jedem Monat, und zur Abgabe in eine Zwangsanstalt nach verbüßter Hast verurtheilt. Dieser Mann, Franz Bixer, mußte nämlich als Gewohnheitsdieb qualificirt werden. Er steht im 41. Lebensjahre, wurde zum ersten Male schon vor 27 Jahren und seither noch neunzehnmal, zumeist wegen Diebstahls, gerichtlich bestraft und hat bis heute schon neunzehn Jahre im Zuchthause verbracht. * Antwerpen, 9. Februar. Die Auswanderung über Antwerpen betrug im Jahre 1891 insgesammt 48,788 Personen mit directen Dampfern. Hiervon gingen 43,260 nach den Vereinigten Staaten mit Dampfern der Red Star Line, 3624 nach Südamerika mit Dampfern des Norddeutschen Lloyd, 1503 nach Australien, 139 nach New-Orleans, 243 nach Kanada, 19 nach verschiedenen Richtungen. — Jndirect über England reiften 2631 Auswanderer. * Eine anonyme Kunstausstellung^ ist in Kopenhagen vor einigen Tagen eröffnet worden. Sie enthält 120 Bilder, deren Meister man nicht kennt, so daß das Publikum genöthigt ist, sich eine selbstständige Meinung über die Kunstwerke zu bilden und dieselben nach ihrem inneren Werthe, nicht nach der Etiquette, zu beurtheilen. Besonders für jüngere Künstler, die oft nicht wagen, mit ihren Werken öffentlich hervorzutreten, bietet diese Art Ausstellung große Vortheile. Die Idee ist aus Schweden, wo sie entstanden ist, hier eingeführt und hat guten Anklang gefunden.________________________ Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen. 5. Woche. Vom 31. Januar bis 6. Februar 1892. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 45,42 «/ogbezw. 20,19nach Aussch^. der Ortsfremden. ES starben an: Zufammen: Erwachfene: l.L tot vom ebenSjahr: 2.—1b. Jahr 1 Diphtherie 3 (3) — 3 (3) Lungcnschwindfucht 2 (1) 2 (1) — — Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 3 (1) 2 (1) 1 — Gehtrnschlagfluh 1 1 — — Andere bekannte Krankheiten 7 (4) 5 (3) 2 (1) Unbekannter Krankheit 1 — 1 — Verunglückung in einem Bergwerk 1 (1) 1 (1) — — Summa: 18 (10) 11 (6) 4 (1) 3 (3) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Vorbereitung zur Kinderkirche: Donnerstag 4 Uhr.