Wr. 263 Erstes Blatt Donnerstag heu 10. November ®n WNkwr >e|Hgtx scheint täglich **t Au-nah mr des Monlag- Dit Gieß en er »erben dem L»zeiHer wöchentlich drei mal bei gelegt Gießener Anzeiger Senerat-Anzeiger. 1892 Biertel|dbriget A-O»e»e«tsprei» 2 Mark 20 Pfg. mt Bringerlohn Durch die Post bezöge». 2 Mark 50 «eboction, ünxbitien and Druckerei: -chnsstratze IJLx.V ^erNlvrecher 51 Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gissten U««ah»e »ob Anzeige« zu der Nachmittaos für den I 71» ? 7 < . ~~~Z~ 77. 7777T77------ " ~ 1--‘ ~ 7™ folgenden Lag erscheinenden Nummer di- vorm. 13 Uhr. | Hratisßeikagt: Hießener Jamikienötätter. | ,7,™”^?*,^t Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen betreffend. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr LandwirthschastSlehrer Leithiger von Alsfeld 1) Samstag den 12. November l.J., Abends 7 Uhr im Rathhaussaale zu Inheiden einen Vortrag „über Wiesenverbefferung und Drainage" 2) Sonntag den 13. November l. I., Nachmittags 3 Uhr zu Lollar in dem Saale des Gasthauses zum Schwanen einen Vortrag über das Thema „Wie bringt der Landwirth in futterarmen Zeiten sein Vieh am Besten durch den Winter?" abhalten wird. Zu diesen Vorträgen werden alle Mitglieder des land- wirthschaftlichen Vereins und alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch freundlichst emgeladen. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 13. October 1892. Der Director des landwirtbschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost. Neriefte tlad? tickten, Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 8. November. Die Sreuerv otrugen werden übermorgen durch Finanzminffter Miquel mündlich dem Abgeordnetenhause unterbreitet. Berlin, 8. November. Der „Post" wird mitgetheilt: Der Programm-Entwurf der Deutschconservativen berühre die Judensrage in der Weise, daß der Ausschluß der Juden von allen autoritativen Staatsämtern gefordert wird. — Die „Post" bringt einen Leitartikel über die Militär- Vorlage und stellt dar, wie die durch die „Köln. Ztg." bekannt gewordenen alle die früheren Angaben der „Post" bestätigen. Eine wesentliche Lücke zeige der veröffentlichte Text bezüglich der erhöhten Etats an Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. Der Entwurf habe zahlreiche Gegner, die mit der Veröffentlichung nicht abgenommen hätten. Die parlamentarische Discussion werde zeigen, ob der Widerstand bis zum Schluß in voller Stärke vorhalte. Berlin, 8. November. Drs „Berliner Tageblatt" meldet: Bei der Ziehung der preußischen Klassenlotterie am letzten Tage find fünf oder sechs Nummern aus dem Ziehungsrad gefallen und wurden in die Trommel zurückgelegt. Ob der Zwischenfall ein Nachspiel haben wird, ist noch unbekannt. Kiel, 8. November. Heute Vormittag sand die Vereidigung der Marinerekruten statt. Der Kaiser ermahnte in einer Ansprache zur Treue dem obersten Kriegsherrn. — Die Kaiserin ist heute Vormittag 10 Uhr nach Grünholz abgereift. München, 8. November. Nach einer Meldung der „Neuesten Nachrichten" traf die bayerische Heeresverwaltung alle Vorbereitungen für Ausführung der Militär- Vorlage für den Fall der Genehmigung durch den Reichstag. lieber die Art der Durchführung wird noch tiefstes Stillschweigen beobachtet. Paris, 8. November. In dem Hause, in dem sich der Sitz der „Compagnie Carmaux" befindet, Avenue de l'Opera, fand der Hausmeister eine Dynamit bombe. Der herbeigeholte Polizist verbrachte dieselbe nach dem nächsten Polizei- Bureau, woselbst die Bombe explodirte. Die Explosion ver- wüstetete das ganze Haus, so daß der Zutritt untersagt werden mußte, da man den völligen Einsturz befürchtet. Sechs Personen waren sofort tobt und deren Körper bis zur vollständigen Unkenntlichkeit zerrissen. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr erstickte einen entstehenden Brand. In der nächsten Nachbarschaft wurden sämmtliche Fenster zertrümmert. Der Präsect Loze und der Ministerpräsident Loubet trafen aus der Unglücksstätte ein. Eine Abtheilung Polizei sperrte den Ort des Attentats ab. — Das Wölfi sche B ireau meldet : Die aus dem Polizeicommifiariat der rue des bons en Fants exp lodirte Bombe wurde durch den Kassirer der Bergwerksgesellschaft von Car^ux im Entresol des Geschästs- gebäudes der Gesellschaft gesunden, sie war unten mit einem Handgriffe versehen. Der Kassirer ließ den Polizeiagenten holen, der, von einem Bureaudiener begleitet, die Bombe zum genannten Polizeicommifiariat trug. Diese beiden, sowie Unterbrigadier und Secretär des Commifiariats standen in der Nähe der Bombe, als sie explodirte, vermuthlich in Folge der Bewegung des Uhrwerks. Alle vier wurden sofort ge- tödtet und ihre Leichen furchtbar verstümmelt. Der gerade anwesende Polizeiinspector ward tödtlich verwundet und zwei Stockwerke des CommissariatSgebäudes völlig zerstört. Die Straße ist mit Trümmern übersät. Um 3 Uhr Nachmittags begann die Feuerwehr die Trümmerstückc zu beseitigen. Der Verwundete und die Leichname der Getödteten wurden, in leinene Tücher gehüllt, nach einem benachbarten Schuppen geschafft. Loubet und Ricard begaben sich am Nachmittag in das Geschäftshaus der Bergwerksgesellschaft Carmaux und hatten daselbst eine längere Besprechung mit dem Verwaltungsrath. — Das neue Dynamitattentat ruft in der Bevölkerung große Erregung und Bestürzung hervor, obwohl die Ansicht vorherrscht, die Explosion wäre bei größerer Vorsicht seitens der Polizisten vermieden worden. Von polizeilicher Seite wird indeß die Behauptung, daß die Unvorsichtigkeit der Polizisten die Explosion ver schuldet habe, zurückgewiesen. Auch der Chef des chemischen Munizipal Laboratoriums, Girard, erklärt, Maschine und Sprengstoff seien derart gewesen, daß die Explosion bet der geringsten Veränderung der Lage erfolgen mußte. Soweit im Klebrigen bisher festgestellt ist, hatte die Sprengmaschine die Form eines Kochkessels, ähnlich jenen, die bei den Attentaten Ravachols benutzt worden sind. — Die Blätter drücken die Entrüstung der Bevölkerung über die Explosion aus. Die „Liberte" sagt: Der Strike von Carmaux entzündete die revolutionären Leidenschasten aufs Aeußerste; obwohl man alles that zur Beruhigung der Ge- müther, seien Nachfolger Ravachols von strikenden Complicen erwählt und die Verwaltungsräthe der Carmauxgesellschast trotz aller Concessionen den Anschlägen von Dynamitarden ausgesetzt. Die Anstifter des Strikes müsse man als wilde Thiere unbarmherzig niederschlagen, die Regierung müffe empfinden, welch großen Fehler sie begangen, und verhindern, daß Hetzer zu derartigen Verbrechen aufreizen können. — //Jour" verlangt die energischsten Maßnahmen gegen anarchistische Verbrechen. Brüffel, 8. November. Die Polizei ist unfähig, alle die umliegenden Straßen anfüllenden Menschenmassen vor dem Volkshause wegzudrängen, so daß das Meeting in der Mitte der Stadt und unter freiem Himmel, trotz des Aufgebots der gefammten Polizei, abgehalten wird. Versuche, die Straßenmanifestationen auszuhalten, sind gescheitert. Die Redner ^proclamiren das allgemeine Stimmrecht oder die Revolution^ Die ersten Abordnungen aus der Provinz treffen bereits ein; während des Umzugs wurden die katholischen Affichen überall herabgerissen, mehrere Gendarmen wurden schwer mißhandelt. Brüffel, 8. November. Die Manifestation ist in vollster Ordnung verlaufen. Der König und die Königin wurden von einer ungeheuren Menge mit begeisterten Hochrusen auf das Stimmrecht und den König begrüßt. Es sind keine Zwischenfälle vorgekommen. Brüffel, 8. November. Nach der Verlesung der Thronrede riefen die Abgeordneten der Linken wiederholt: „Hoch das allgemeine Stimmrecht!" unter dem brausenden Beifall der Tribünen. Die Rechte antwortete mit einem Hoch aus den König. Von den Tribünen fielen zahlreiche Zettel, welche die Aufschrift: „Hoch das allgemeine Stimmrecht!" trugen. Die Urheber wurden sofort verhaftet. Bei der Rückkehr wurde der König von endlosen Hochs auf das- allgemeine Feuilleton. Unser Garten im November. Kalter Regen, vermischt mit Schneeflocken, rauscht nieder; der Wind heult ums Haus, rüttelt an Fenstern und Läden. Erschreckt stiehlt sich der Rauch autz den Kaminen. Von der alten Hainbuche, von den trauten Odstbaumgeftalten, von Ahorn und Silberpappeln der nahen Allee, fegen Stöße des unwirschen Nooembersturmes die letzten bunten Blätter nieder. In tollen Tänzen wirbeln sie dahin, bedecken die kalte Muttererde oder häufen sich^ wie eine zusammengedrängte, vor dem Wolf Rettung suchende Schafherde, in Mauer- und Gartenwinkeln ein. Kahl und öde liegt der Garten. Schon mehrmals versuchte eine leichte Schneedecke sein Leid zu verhüllen: wo ist nur sein schmuckes Kleid, die hübsche Ordnung des Sommers geblieben? Lohnt es sich überhaupt noch, sich mit dem grämlichen, erstorbenen Gesellen zu beschäftigen? „Huh! jetzt vom Garten plaudern! vom kalten durchweichten Erdreich mit feinen Schnupfenbacillen, vom faulenden Laub, vom bereiften Gras und der Poesie einer krachenden ersten Eispsütze? Lassen wir doch das Dahinsterbende und Erstorbene den langweiligen, ekeln Geistern der Verwesung! Da lobe ich mir jetzt ganz andere, reellere Genüsse: der prickelnde gährende Traubensast, dazu köstliche Maronen — die Martinsgans! und bei,traulicher Abendlampe, beim Glase Grog, aus weichem Sessel, eine prickelnde Lectüre, Zolas „DsbLcle" vielleicht? oder aber am gemüthltchen Stammtisch bet den zungenlösenden Geistern des Tabaks und Gerstensafts ein bischen „Mtlttärvorlage"?" So wehrt sich wohl mancher „vernünftige" freundliche Leser und, ähnlich, manche freundliche Leserin, gegen den fatalen Gedanken, im November Im Garten herumzuschnüffeln. Gut, Sie sollen ungestört bleiben. Andere, die ihre Gottesnatur — die Liede zu ihr — tiefer im Busen tragen, denken freilich nicht so. Im Gegenlheil: ohne süßliche Phantasten zu sein, läßt es ihnen ihr echt deutsches Fühlen und Denken nicht zu, den Freund, dem sie in den Tagen der Freude, seines sonnigen Glücks treu und bewundernd angehangen, jetzt, in den sreudeleeren Zeiten, in den Zeiten scheinbaren Elends, in den Stunden des Abschieds, schnöde zu mißachten. Fühlen die ersten armen Gemüther denn nicht, daß wenn jubelnde Lieder das Erwachen uno frohlockende Weisen das Blühen und Reisen der Natur begleitete, es nun finnige, noch tiefer zum Herzen dringende Klänge find, die sich mit dem sanften Verwehen, mit dem Schlafengehen und Heimgang verweben? Spinnen diese „Vernünftigen" unter unserem Himmelsstriche ihre Tage, ohne zu wissen, daß tr wie andere Länder- strecken unserer Muttererde gerade deshalb glücklich zu preisen, weil ihm der Wechsel der Jahreszeiten beschieden ist, daß dieser Wechsel der Jahreszeiten so außerordentlich tief mit dem deutschen Gemüths leben zusammenhängt?! Wem die mächtige, herrliche, erschütternde Sprache eines Allerheiligen-, eines Allerseelentages nicht in die Seele geschrieben; wer es nicht fühlt, warum liebende Hände gerade im November den friedlichsten der Gärten, beim allgemeinen Welken und Hinsterben der Natur, den „Gottesacker", mit einem Meer der letzten Blumen, mit weihevoll flackernden Lichtern sinnig schmücken, der — „stehle weinend sich aus unfern Bund!" Mein höchster Lohn wäre freilich, wenn es mir gelänge, auch bei ihm, der das Anklingen der liederreichen Saiten eines lebenden, geschmückten Sommergartens doch schon vernommen haben muß, das Hören und Verstehen jener verhallenden ergreifenden Aeolsklänge zu erschließen, die der Novemberfturm, der Boreas des Winters, ihnen im schlafengehenden und erstorbenen Reiche der Natur entlockt. Worten, ja tobten Buchstaben von Papierblättern, ist dies freilich schwer. Aber Gemüther, die sich über das Alltägliche und dessen Prosa noch zu erheben vermögen, werden den Sinn ahnen ober verstehen, der in ihnen liegen möchte. Noch find übrigens die letzten ausflackernden Farbengrüße im Garten nicht erstorben- Sonnige Stunden locken uns hinaus in sein absterbendes Reich. Die japanische Wucherblume, die herrlichen Chrysanthemum, stehen jetzt im schönsten Flor und schüchtern, unter dunkelm dichten Laub versteckt, schickt sich die in mehrfacher Hinsicht interessante Ehristblume, Helleborus niger, gleichfalls dazu an. Ja, der sinnige Gartenfreund kann sich zu feiner Freude an einer wahren Wunderwelt kleiner jetzt erst auflebender Pflanzenhaine und Gärtchen ergötzen: an den Moosen und Flechsen der Baumstämme, Mauern rc., selbst die Lustwandler einer kleinen Thierwelt fehlen darin nicht.' Vertraut nickt er den wachsenden Quasten des Hafelnußstrauches, als den allerersten Vorboten eines kommenden Lenze« zu, in deren Nähe ein Trüppchen langbeinige Schnaken einen schwermüthigen Lufttanz aufführt. Sonst ist freilich die reiche Kleinthierwelt des Gartens scheinbar erstorben: die Freudenposaunen unserer erhabenen Natur haben zur allgemeinen Ruhe geblasen; bald werden mit Ausnahme kleiner Wachtstübchen und Winterquartiere, in denen es ganz lustig hergeht, die Utzten Lichter zum Schlafe gelöscht fein. Freund Maulwurf, der Verkannte, in seiner Erde, ist freilich noch nicht geneigt, den Faulenzer zu spielen; fein Appetit ist viel zu groß und die zahl- I reichen, kaum bezogenen Schlaffäle der bösen Engerlinge, der Larven der Maikäfer, sind zu verlockend. Dieser Wächter der Unterwelt will I noch nichts von Winterruhe wtfien: er wühlt und geht als gelernter Bergmann abwärts, um gelegentlich auch den sonst nützlichen Regen- wrirmfamtlien in ihren gemeinsamen Schlafcabinets unliebsamen Besuch adzustatten. Er mahnt uns, selbst im Novembergarten mit der Arbeit noch keineswegs zu feiern. ES gibt noch Nöthiges zu thun und das muß unbedingt noch vorgenommen werden, ehe anhaltender starker Frost, hartgefrorener Boden ober eine tiefe Schneebecke uns einen Strich durch bie Rechnung macht. Also zur Piaxitz! Zunächst bitte ich, mir in ben Obstgarten zu folgen. Wohnen wir in rauhem Klima - in Sübbeutschlanb ist bas meist nicht nothig — fo lösen wir bie Weinstöcke vom Spalier rc., um sie nieber- zulegen unb mit Erbe zu bebecken. Junge Apfelbäume erhalten, sofern Hasen zu befürchten sinb, einen Einbanb von Stroh ober hornigen Reifem um bie Stämmchen. Wir wollten einige Obstbäumchen pflanzen? Es ist noch Zeit dazu. Die bicksten, tabelloS geraben Stämmchen ber besten Localsorte haben wir in der großen Baum- fchule gekauft. Es ist da Garantie für Sortenechtheit. Wir wissen baß der höhere Preis berfelben sich bezahlt. Pflanzlöcher haben wir schon im September gegraben Jetzt pflanzen mir. Zuerst ben Pfahl eingetrieben, bann bas Bäumchen sorgsam unter Beigabe von altem Compost fo gepflanzt, baß es mit feiner Wurzelhalsbasis in bem kleinen Pflanzhügel stark IVi Faust höher als ber umltegenbe Erdboden steht. Mit biefer Lehre springt bem Leser ein Golbstückchen ju, benn soviel unb mehr ist sie werth: bas Zutiespflanzen ist ein Krebsschaben bes Obstbaues! DaS Bäumchen wirb erst am Pfahl befefti0t, menn sich ber Boben etwas gesetzt hat. Gegofien wirb im Herbst nicht. Von ben alten Bäumen müssen jetzt mit guter Baumscharre Moos unb Flechten abgekratzt werben. Die Stämme und möglichst auch die Kronen sollten einen Anstrich von Kalk mit event. Zugabe DDnJ?,u.6 erhalten. Hatten wir im Garten Birnbäume, deren Blätter an Pilzkrankheiten litten, etwa durch Gitterrost (Roestelia eancellata Beb.) mit seinen orangerothen Flecken ober burch Blattbräune (btigmatea mespdi Sor.), burch Fleckenkrankdeit (Septoria nigerrima buk.) uhu., so ist batz zusammengeharkte Laub sorgfältig zu ver- Hochstämme bes Gartens sollten jetzt unbedingt Wintertoilette, den papiernen Klebgürtel, dick mit Raupenleim «2u5Cn' £®ic Listen Leser wissen wohl, baß solche Haupt sachlich zur Bekämpfung bes furchtbaren Schabens bienen, ben bie Stimmrecht begrüßt. Die Bürgergarde und Offiziere riesen „Stimmrecht!" Zahllose Zettel mit der Aufschrift: „Allgemeines Stimmrecht!" fallen aus den König und dessen Pferd nieder, welches wiederholt scheut. Die Volksmassen gingen in musterhafter Ordnung und mit großer Begeisterung auseinander. Die Ruhe scheint vollständig gesichert. Die Straßen sind von feiernden Menschenmassen gesüllt. Gent, 8. November. 5000 Manisestanten stießen nach dem Schlüsse des Meetings mit der Polizei zusammen, welche diese vergeblich aufzuhalten versuchte. Die Polizei griff wiederholt mit blanken Säbeln an, indessen ohne Erfolg zu erzielen. Trotz zahlreicher Verwundeter und einigen Verhaftungen wurde die Manifestation fortgesetzt und beendet. Gent, 8. November. Bel den gestrigen Zusammenstößen wurde die Polizei mit einem Steinhagel von auf- geriffenem Straßenpflaster, Gläsern, Flaschen und Eisenstangen zusammengeschlagen. Vier Polizeicommissare und drei Schutzleute wurden schwer, zahlreiche Polizisten leicht verwundet. Die Polizei machte von ihren Schußwaffen Gebrauch. Die berittene Gensdarmerie eilte derselben zu Hilfe und säuberte den Platz von Nachzüglern der bereits weitergezogenen Mani- sestanten. Fünf Verhaftungen wurden vorgenommen. Newyork, 9. November. Präsidentschaftswahl. Nach den bisherigen Meldungen wird Cleve land im Wahlcollegium voraussichtlich über 257 Stimmen, oder über 34 Stimmen mehr als erforderlich, verfügen. totale» und provinzieller. Gießen, 9. November 1892. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog treffen heute Abend 6 Uhr mit Ihrer König!. Hoheit der Prinzessin Heinrich von Preußen und Ihrer Großh. Hoheit der Prinzeß Alix hier ein, um mit Sonderzug nach Romrod weiter zu fahren, wo in den nächsten drei Tagen Hosjagden stattfinden. Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen treffen morgen früh 8 Uhr von Kiel hier ein und begeben sich mit Sonderzug direct zur Jagd. — Die Aussichten für die Jünger des Eissports sind in diesem Jahre keine sehr hoffnungsreichen. In der Stadt- verordneten-Versammlung sind nämlich Stimmen laut geworden, man dürfe, um etwa mögliche Schädigung der überschwemmten Wiesen zu vermeiden, den Wasserzufluß aus die Eisbahn erst vom Beginn des December ab gestatten. Um jene Zeit ist aber erfahrungsgemäß das Wasser der Wieseck bereits sehr knapp und der Vorstand des Eisvereins fürchtet, unter solchen Verhältnissen die Bahn überhaupt nicht eröffnen zu können. — Verhaftet wurde gestern ein junger Bursche von hier, der seinen Nebengesellen durch den Schlag mit einer Schraubzwinge bedeutend auf dem Kopf verletzt hatte. Außerdem wurde ein Knecht wegen Obdachlosigkeit, ein Frauenzimmer wegen lüderlichen Umhertreibens und eine Ladnerin wegen eines zum Nachtheil ihres Principals begangenen Diebstahls verhaftet. _____________ — Dienst Versetzung. Seine Königl. Hoheit der Großherzog *;a6en Allergnädigft geruht: am 5. ds. MtS. den Oberförster der Oberförsterei Grebenau Philipp Walther zu Grebenau in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Griesheim zu versetzen. — Kirchliche Dieuftuachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 29. August dem evangel. Psarrer Zentgraf zu Reichenbach die evangel. Psarrstelle zu Eberstadt, — am 13. September dem Psarr- verwalter Georg Heinrich Port zu Gelnhar die evangelische Psarrstelle zu Homberg a. d. Ohm, — am 17. September dem Psarrverwalter Wilhelm Briegleb zu Zotzenheim die evang. Psarrstelle daselbst, — am 15. October dem Pfarrer Albert Schäfer zu Seckmauern die evangel. Psarrstelle zu Biebesheim zu übertragen- — am 15. October den von Seiner Erlaucht dem Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, gefräßigen Heere der kleinen Froftspannerräupchen im Frühjahr an Knospen, Blättern, Blüthen und Früchtchen anrtchten. GrS wollen nämlich jetzt die schlauen ungeflügelten Weibchen der verschiedenen Froftnachtfchmetterltnge, befonders des Kleinen Frostfpanners (Chei- matobia brumata LJ an den Stämmen emporklettern, um die Kronen mit ihren höchst zahlreichen Eiern zu beglücken. Die Thierchen bleiben im Leim hängen — der Baumzüchter mutz leider grausam sein — um darin zu sterben. Ein Leimring bringt ost mehrere Körbe Aepfel ein! Wer Hühner hat, laste solche jetzt in allen Gärten schalten und walten; sie nutzen durch Ausscharren und Vertilgen vielen Erdungeziefers, das im seichten Boden seinen Winterschlaf abhalten wollte. Im Gemüsegarten wird alles etwa noch ungegrabene Land bei schneelosem Wetter gestürzt. Die eingewinterten Gemüse werden fleißig gelüstet, nachgesehen; bei Frost die Grubenmagazine (S.October) mit strohigem Pserdedünger umschlagen und mit Stroh gedeckt Der Hausfrau, die süßgewordene und dadurch nährstoffarme Kartoffeln auf dem Tisch nicht liebt, sei gerathen, auch die Kartoffelvorräthe im Keller mit einer Norken trockenen Strohdecke zu versehen. ^m feineren Gartenbau können sehr gut jetzt schon Mistbeete zu Kopfsalat, Radieschm, Kohlpflanzen rc. angelegt werden. Wir müssen hier wegen Raummangels leider von den Finessen dergleichen Treibereikünste absehen. Im Blumengarten erstatten wir jetzt, wenn uns Schnee und Frost nicht schon früher dazu gezwungen, der Blumenkönigin, der gefeierten Rose, unseren Dank am schönsten dadurch ab, daß wir ihr ein fürsorglich warmes Winterbett bereiten. Ganz besonders die feinen Theerofen rc. erfrieren sehr leicht; andere Sorten werden durch die Wtnte, kälte mehr ober weniger beschädigt. Nur die alte gute, leider oft mißachtete Eentifolie macht darin eine Ausnahme; sie ist wtnterhart, was übrigens auch von diversen Schling- rc. Rosen gilt. Also wir lösen die Rosenbäumchen von ihren ins Winterquartier wandernden Piählen, biegen sie vorsichtig, langsam mit den Kronen zur Erde und legen sie in eine vorher auSgehobene Erd- vertiefung, die bei nassem Boden eine Torfmull-Ausbettung erhalten kann, um solche über den Kronen wieder mit Erde bis zu einem kleinen Hügel über dem Boden anzufüllen. Sehr stark beblätterte Kronen können mit Vortheil vor dem Eingraben zuerst mittelst Scheere entblättert werden; zu lange Triebe werden weggeschnitten Niedere Rosen, wie Pyramiden, die man nicht leicht niederlegen kann bindet man dick in Stroh und darüber gebrachtem Fichtenreisig ein- auf die zweite evangelische Psarrstelle zu Schlitz präsentirten Psarrverwalter Otto Fischer daselbst zu bestätigen- — am 13. September den Pfarrer Ludwig Köhler zu Heidelbach aus Nachsuchen mit Wirkung vom 1. October 1892 in den Ruhestand zu versetzen. — Ernannt wurden: Psarrverwalter Koller zu Ruppertsburg zum Psarrverwalter zu Herchenhain, Psarrverwalter Michel zu Groß-Bieberau zum Psarrverwalter von Nieder-Ohmen, Psarrverwalter Wilhelm Eger zu Nieder- Ohmen zum Mttprediger zu Ober-Ofleiden, Psarrverwalter Eckstein zu Homberg a. d. O. zum Psarrverwalter von Reichenbach, Psarrverwalter Sauerwein zu Eberstadt zum Psarrverwalter von Ruppertsburg, Pfarrgehilfe Drescher zu Lampertheim zum Verwalter der Psarrstelle daselbst, Psarr- amtscandidat Carl Vogt zu Lauterbach zum Hilssgeistlichen zu Lampertheim, Psarrverwalter Weißgerber zu Biebesheim zum Verwalter der Stelle eines Hilfsgeistlichen zu Lampertheim. — Die Definitonalprüfung im August 1892 haben bestanden: Dr. August Dieckmann von Friedberg, Dr. Fried- rieb Grein von Darmstadt, Wilhelm Hosmeier von Nidda, Ludwig Jacob von Rimbach, Otto Koch von Fränklsch-Crum- bach, Georg Kumpf von Schwabenrod, Wilhelm Krämer von Darmstadt, Philipp Marquard von Gadernheim, August Schäfer von Sickendorf, Valentin Zatzmann von Mettenheim. — Ernannt wurden: Die Pfarramtscandidaten Grein zum Psarrverwalter in Gießen, Hosmeier zum Psarrverwalter in Gelnhar, Jacob zum Psarrgehilsen in Londorf, Koch zum Psarrvicar zu Sprendlingen, Krämer zum Psarrvicar zu Wersau, Schäfer zum Psarrvicar zu Büdingen, Zatzmann zum Psarrverwalter zu Heidelbach. — Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evangel. Psarrstelle zu Lampertheim, Dek. Zwingenberg- die evangel. Psarrstelle zu Nierstein, Dek. Oppenheim- die evangel. Psarrstelle zu Reiskirchen, Dek. Gießen, die Präsentation steht den Erben des Fürstlich Fuldaischen Geheimeraths von Buseck, gen. Münch, zu- die evangel. Psarrstelle zu Rohrbach, Dek. Büdingen, dem Fürsten zu Ysenburg-Büdingen steht das Präsentationsrecht zu- die evangel. Psarrstelle zu Burkhards, Dek. Schotten. — Einschreibesendungen. In Verträgen wird oft vereinbart, daß Kündigung oder sonstige wichtige Willensäuße^ rungen durch eingeschriebenen Brief erfolgen sollen. Eine Versicherung gegen ein Verlorengehen oder Vergessen ist ja das Einschreiben der Briese, aber, wie bereits mehr- sache Fälle beweisen, eine Sicherung gegen böswilliges Ableugnen der empfangenen Mittheilung keineswegs- der Empfänger des eingeschriebenen Brieses kann behaupten, der Brief habe sonst etwas, Drucksache rc., enthalten, nur nicht die Willensäußerung. Auf die bloße Versicherung des behauptenden Absenders hin wird kein Richter diesem Recht zusprechen. Besser sichert eine eingeschriebene Postkarte, denn der Kausmann ist verpflichtet, empfangene Correspon- denzen zehn Jahre lang auszubewahren. — Aus dem Bundesamt für das tzeimathsweseu. Der Landarmenverband des Kreises Gießen hatte dem Ortsarmenverband der Stadt Gießen die Fürsorge sür die landarmen Geschwister W. übertragen, welche im dortigen Hospital verpflegt wurden. Der Landarmenverband zahlte als Entschädigung 300 Mark pro Kopf und Jahr. Auf Erhöhung dieser Entschädigung klagte der Orsarmen- verband, indem er den Nachweis führte, daß die Selbstkosten sich durchschnittlich für einen Hospitanten aus Mk. 1,20 pro Tag stellten. Der Beklagte beantragte Abweisung der Klage, weil in diesen Selbstkosten auch die Verwaltungskosten mit enthalten seien, die nach § 30 Absatz 2 des Gesetzes vom 6. Juni 1870 nicht erstattet verlangt werden könnten. Diesem Anträge gemäß erkannte der Provinzialausschuß von Oberhesstn, worauf der Kläger Berufung einlegte. Das Bundesamt sür das Heimathwesen änderte durch Urtheil vom 5. November er. die Vorentscheidung im Sinne der Klage ab, indem es aus- sührte: § 30 Absatz 2 a. a. O. komme hier nicht zur Anwendung, weil es sich nicht um eine vorläufige Unterstützung auf Grund gesetzlicher Verpflichtung, sondern um einen Auftrag zur Fürsorge handele. Nach Artikel VI des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Unterstützungswohnsitzgesetz könne behäufelt außerdem den Fuß der Einbände so hoch wie möglich mit Erde. Diesen Einband erhalten überhaupt alle nicht ganz Winterhärten oder empfindlichen Pflanzen, wie gefüllte Mandeln, Rhododendron, Kalmien, Calycanthus, Magnolien, zarte Eoniseren rc.; alle danken diese Wohlthat durch reiches Treiben oder Blühen im Frühling. Durch die kleine Arbeit, die mir an regen- und schneelosen Tagen vornehmen, die uns in der kühlen Novemberluft rasch von Hand geht, uns erfrischt, streuen wir die Saat zu neuen köstlichen Gartenfreuden aus: wir sehen in Gedanken die wundervollen Sträuße der neu oculirten Rosendäumchen — auf unserem Arbeitstisch vor einem Lteblingsbtld prunken, — von zarter Hand als Gartengabe entgegengenommen u. s. w., die jetzt noch geheimnißooll im kleinen Gebilde des Auges, wohlgedettet in der Erde schlummern. Sie werden uns lieber und werther sein als alle die getriebenen, für Geld von Jedem zu erlangenden Blumengcstalten jener Renommirbouquets, die uns bei aller Schönheit doch falt anmuthen. Sie fürchten, die Mäuse, die Ihnen die Oxalis jüngst weggefressen, könnten als ungebetene Gäste einen Strich durch die Rechnung machen § Ganz recht, wenn Prof. Löffler nicht wäre, mit Denen Bacillus typhi murium, von dem Sie gewiß schon hörten, wir in insicirten Brodwürseln den Rackern den Lebensfaden abschneiden Noch eins; wer gesonnen ist, sich ein lauschiges Gärtchen auf vielleicht bis jetzt unschönen Grundstücke hervorzuzaubern, das ihm Nutzen und Freude bringen soll, der thue jetzt die ersten Schritte dazu. Zuerst dem landschaftsgärtnerischen Talent auf dem Papier freien Lauf gelassen; dann prüfen und berechnen, vorsichtig, ehe anzulegende Wege, anzupflanzende Gruppen u. s. w. ausgefteckt ?elbstschaffen im Gartenbau der große Magnet, die klarsprudelnde Quelle vieler Freuden. Der Anfänger verschmähe erfahrener Freunde, auch nicht einfacher gediegener Vorbilder practtsch erdachter und erprobter derartiger Anlagen. Jede bewährte, ihre Leser mit practifchem Rath unter; tUnß «in0t ^artige Vorlagen, die auszubauen, seinem Geschmack anzupaffen, es eine Freude für den Gartenfreund fein tnufj. An den trockenen Tagen des Winters kann sehr wohl ^I^-^?ormen des gegebenen Platzes, durch Rigolen Abstecken rc ""-^.gefördert werden. Sträucher und'Bäume mit Geschmack gewählt werden fchon jetzt zur Frühjahrslieferung bestellt und im Lenz, so Gott will, fröhlich gepflanzt. ' 0 D 11 Ut Heinrich Frh. o. Schilling. I in solchem Falle angemrffene Entschädigung gefordert werden. Daß die Verwaltungßkosten abgesetzt werden müßten, sei in (diesem Falle nicht vorgeschriebeu, und müsse eS daher für zulässig erachtet werden, die vollen Selbstkosten zu liquidiren. Daubringen, 8. November. Bei der gestern dahier abgehaltenen Wahl zum Beigeordneten wurde der Wirth und Schreinermeister Wilhelm Albach mit großer Majorität gewählt. Aus Laug Göns, 8. November, wird uns von Herrn Wenzel, 2. Hauptmann der dortigen freiw. Feuerwehr, mitgetheilt: Der Artikel in Nr. 262 d. Bl. betr. den am letzten Sonntag ausgebrochenen Brand in Lang-Göns, ist dahin zu berichtigen, daß bezüglich des raschen Eingreifens der Feuerwehr unferm ersten Hauptmann W. Brücket daffelbe Lob gebührt wie das meiner Person gespendete auch. er* Ulrichstein, 7. November. Stets fuhr seither die Post zwischen hier und der Bahnstation Mücke über Ruppertenrod einen sechssitzigen Wagen. Dieser Wagen ist nun feit einiger Zeit unbrauchbar und außer Benutzuug gestellt worden. Für ihn hat man jetzt einen nur viersitzigen Wagen in Dienst gestellt. Jedenfalls ist man hierbei von der Meinung ausgegangen, auch ein solcher Wagen genüge dem Verkehr. Das ist aber keineswegs der Fall. Wohl ist nicht immer der Post- magen mit Fahrgästen besetzt, ja fährt oft leer, dann aber auch wieder sind so viele Personen da, daß ein viersitziger Wagen keinesfalls genügt. Wie sehr unangenehm es aber für Jemand ist, wenn er Abends, zumal in der Winterszeit, von der Mücke mit der Post fahren will und kann hierin nicht mehr ausgenommen werden, weil bei nur vier Personen der Wagen schon besetzt ist, kann sich leicht vorgestellt werden. Es bleibt ihm dann nichts übrig, als entweder auf Mücke zu übernachten, oder den Weg bis nach Ruppertenrod resp. Ulrichstein per Fuß zurückzulegen. Da die Postverwaltung so sehr dem Interesse des Publicums nachzukommen sucht, so dürsten vielleicht diese Zeilen dazu dienen, daß wieder aus der Postlinie Ulrichstein—Ruppertenrod—Mücke ein sechssitziger Wagen an Stelle des dem Verkehr nicht genügenden viersitzigen in nächster Zeit eingestellt wird. Friedberg, 6. November. Gestern Abend trat der hiesige Gesangverein „Frohsinn" in das 41. Jahr seines Be- I stehens ein. Anläßlich dieses freudigen Ereignisses feierten । seine Mitglieder den Gedächtnißtag durch Ansprachen, musikalische und deklamatorische Vorträge im Hotel Trapp. Dem einzigen Mitgliede, das dem Verein seit seiner Gründung heute noch angehört und derzeit Präsident desselben ist, wurde ein Ehrendiplom übergeben. Bad-Nauheim, 7. November. Auf dem von Herrn W. Madler am südöstlichen Abhange des Johannisbergs hier angelegten Weingute des Herrn Löffler wurde in der vorigen Woche die Lese des weißen Weines beendigt. Der Quantität nach ist ein Viertelherbst, bei dem Riesling sogar ein halber Herbst zu verzeichnen. Die Qualität ist eine vorzügliche- das Mostgewicht nach Oechsle beträgt 98 Grade, bei der Auslese sogar 112 Grade. Am südlichen Bergabhang wurdL. voriges Jahr ein weiterer Wingert angelegt, so daß jetzt insgesammt 17 hessische Morgen mit Wein bepflanzt sind. D. Ztg. △ Mainz, 8. November. Auf Einladung des Vorsitzenden des Gesammtausschuffes des Deutschen Schützen- bundes findet Montag den 21. d. M. hier eine Sitzung der Schießordnungscommission statt, in welcher die endgültige Feststellung der Schießordnung für das nächstjährige deutsche Bundesschießen vorgenommen wird. Der Emwurs zu der Schießordnung ist bereits durch eine engere Commission des hiesigen Schützenvereins vorberathen worden. — In einer am Sonntag hier stattgehabten Versammlung von Conserven- sabrikanten wurde zum Zwecke der Wahrung gemeinschaftlicher Interessen die Gründung eines Verbandes rheinischer Conservensabrikanten beschlossen. Als Sitz des Verbandes wurde Mainz bestimmt. Vermischtes. * Wien, 8. November. Nach der „Reichswehr" verwendet Rußland eine neue Art Backosenwagen zur Broderzeugung bei geringem Holzverbrauch. Der Brodwagen liefert binnen Tagesfrist zehn Metercentner Brod. Zur gewöhnlichen Bedienung sind drei, aus dem Marsche fünf Mann Bedienung nöthig. * Paris, 6. November. Hohes Alter. In einem Kloster in Jerusalem starb dieser Tage eine armenische Nonne im Alter von 115 Jahren. Sie war, 17 Jahre alt, in das Kloster eingetreten und hatte seit 98 Jahren deffen Thür- schwelle nicht mehr überschritten. * Petersburg, 8. November. Wie die St. Petersburger Blätter melden, wird der Reichsrath in erster Linie sich mit einer Vorlage des Oberprocureurs des Synod, Pobedonoszew, betreffend die Sonntagsruhe, befassen. Das neue Gesetz soll aber nur Anwendung finden auf Städte und Fabrik- etabliffements aller Art, nicht jedoch auf das flache Land und landwirthschastliche Arbeiten. Ferner wird der Reichsrath über die Erhöhung einiger bereits bestehender und die Einführung einer Anzahl neuer Auflagen und Steuern zu beschließen haben. * Ein Denkmal für den Erfinder der Lithographie, Sene- selder, ist am Sonntag in Gegenwart einer zahlreichen Festversammlung in Berlin feierlich enthüllt worden. * Ein neuer Diftanzritt wird für das kommende Frühjahr geplant. Wenn auch die Strecke dieselbe bleibt, wie bei der diesjährigen Parsorcetour, so hat man sich doch wider- standssähigere Rosse gewählt, nämlich solche aus Stahl. Der Gau 20 des Deutschen Radsahrerbundes hat am letzten Verbandstage beschloffen, mittels Zweirades eine Fahrt von Wien nach Berlin ober umgekehrt zu veranstalten, um zu zeigen, wie weit das Rad dem Pserd überlegen ist. Die näheren Bedingungen wird der auch über Oesterreich verbreitete Deutsche Radfahrerbund stellen. Sa viel dürfte schon fest-