I V 6 l L r s b s h r r i t l x f Nr. 132 Erstes Blatt. Freitag den 10. Juni 1892 Gießener Anzeig er Henerat-Mnzeiger. Anrts- und Elnzeigedlatt für den Ttrers Gieren. Hratisöeitage: Gießener IamikienökäLLer. Annahme von Anzeigen zu bet Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 13 Uhr. Alle Annoncen-Vurcaur deS In» und LuLlandes nehme» Anzeigen für den „Gießener 8»|t<8 e r* mtgegen. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchntstrahe Ztr. 7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger AVoanemeatspreiOr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener Akrdm d-m anjdgtt wöchentlich dreimal beigelegt. Der Oteßener -«»etger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. 2lmilid?er Therl. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Mai 1892 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen: Hafer 15.50, Heu JL 6.—, Stroh JL. 5.—. Gießen, den 8. Juni 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 8. Ium. Heber das augenblicklich hervorragende Tagesereigniß, die am Dienstag in Kiel stattgesundene Zusammenkunft zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Kaiser von Rußland, liegen sehr ausführliche Meldungen vor, welche sämmtlich die ungemein glanzvolle äußere Umrahmung der Begegnung der beiden mächtigen Herrscher bezeugen. Namentlich gestaltete sich der Empfang deS Czaren im Kieler Hafen zu einem wiklich großartigen und farbenprächtigen Bilde. Kaiser Wilhelm war seinen erlauchten Gästen, dem Kaiser Alexander und dem Groß- sürften-Thronsolger Nikolaus, an Bord der „Hohenzollern", gefolgt von dem Aviso „Wacht", am Dienstag Vormittag 9 Uhr bis Friedrichsort entgegengefahren, wo um 9 Uhr 50 Min. die russische Kaiseryacht „Polarstern", gefolgt von den Kriegsschiffen „Zarewna" und „Korniloff", passirte. Gemeinsam liefen dann die deutschen und die russischen Schiffe in den Kieler Hasen ein, in welchem 25 deutsche Kriegsschiffe , im reichsten Flaggenschmuck prangend, paradirten. Nachdem der „Polarstern" dem königlichen Schlosse gegenüber zwischen der „Hohenzollern" und dem deutschen Panzerschiff „Beowuls" vor Anker gegangen war, stattete Kaiser Alexander in der Uniform seines preußischen Garderegiments dem Kaiser Wilhelm aus der „Hohenzollern" einen zwanzig. Minuten währenden Besuch ab, den Kaiser Wilhelm in der Uniform seines russischen Infanterieregiments alsbald an Bord des „Polarstern" erwiderte. Beide Male trug die Begrüßung zwischen den zwei Kaisern einen sehr herzlichen Character. Gegen 12 Uhr fuhren die Majestäten im blauen Kaiserboote :;aäi der Barbarossabrücke und begaben sich von da in das Schloß, wo großer Empfang, woraus Frühstück stattsand. Der Nachmittag wurde im Wesentlichen durch einen Besuch der Canalarbeiten bei Holtenau seitens der beiden Kaiser, denen sich der Großfürst - Thronfolger und Prinz Heinrich von Preußen anschlossen, ausgesüllt. Abends 7 Uhr war Galadiner im Kieler Schlosse. Der hierbei vom Kaiser Wilhelm aus den Czaren ausgebrachte Trinkspruch lautete ungefähr: „Ich trinke aus das Wohl Seiner Majestät des Kaisers von Rußland, des. Admirals ä la suite der deutschen Flotte. Er lebe hoch!" Die Marinecapelle spielte hierauf die russische Nationalhymne, dann erwiderte der Czar mit herzlichen Worten des Dankes für den ihm bereiteten Empfang und schloß mit einem Hoch aus den Kaiser Wilhelm. Abends 9 Uhr 30 Min. traten der Kaiser Alexander und der russische Thronfolger nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser Wilhelm an Bord des „Polarstern" die Rückfahrt nach Kopenhagen an. Die deutschen Kriegsschiffe gaben den Abschiedssalut, beleuchteten das Fahrwasser mit den electrischen Scheinwersern und warfen Leuchtkugeln und Raketen. — Die Zusammenkunft der zwei Kaiser hat zahlreiche Ordensverleihungen an das gegenseitige Gefolge zur Folge gehabt. Einerseits zeichnete Kaiser Wilhelm die Mitglieder der russischen Botschaft und die Begleitung des Czaren durch Verleihung zahlreicher Orden aus, anderseits geschah dasselbe seitens des Kaisers Alexander gegenüber der Begleitung Kaiser Wilhelms. U. A. erhielten Staatssecretär v. Marschall, Generaladjutant v. Wittich, Gras Waldersee und Geh. Rath Dr. v. Lucanus höhere russische Orden. Der Czar selbst aber wurde von seinem kaiserlichen Gastgeber durch Ernennung zum Admiral ä la suite der deutschen Flotte in bemerkens- werther Weise ausgezeichnet. — So ist denn der Gegenbesuch des Czaren beim Deutschen Kaiser, nachdem er schon lange vorher so viel von sich reden gemacht hat, nun wieder vorüber. Inwiefern das Ereigniß vielleicht besondere politische Ergebnisse zeitigen wird, das muß natürlich noch dahingestellt bleiben. Immerhin ist es bemerkenswerth, daß die Peters- burger Blätter die Kieler Begegnung durchaus sympathisch Äesprechen und sie in Uebereinstimmung mit der deutschen Presse als ein ersreuliches Friedenszeichen characterisiren. Zum Mindesten aber hat der Verlauf der Zusammenkunft dargethan, daß die gegenseitigen persönlichen Beziehungen zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem Czaren nach wie vor freundschaftliche und herzliche sind, und hierin liegt gewiß eine Bürgschaft für die friedliche Weiterentwickelung des politischen Verhältnisses zwischen ihren Reichen. Netteste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 8. Juni. Der Kaiser tritt die Nordlandsreise von Kiel am 29. Juni an, nachdem er an den vorhergehenden Tagen den dortigen Regatten beigewohnt. Der Kaiser geht zunächst nach Bodoe, wo er den Saltenstroem besichtigen, alsdann nach den Losoten, wo er den Walfischjagden beiwohnen wird. Er wird einige Fjords (Lagesjord, Ranenfjord), dann über Drontheim die ihm von früher bekannten, wie Nord- und Sognefjord, besuchen und zurück nach Wilhelmshaven fahren und hier in den ersten Augusttagen eintreffen. Berlin, 8. Juni. Die Abendblätter veröffentlichen das Antwortschreiben des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller in Sachen der Berliner Weltausstellung, worin es heißt, der Wunsch des Vereins gipfle nur darin, Deutschland und dessen Hauptstadt in einer Veranstaltung von so hoher Culturbedeutung nicht durch rivalisirende Bestrebungen in anderen Ländern verdrängt, eS vielmehr rechtzeitig verbürgt zu sehen, daß Deutschlands Anspruch auf eine Weltausstellung innerhalb dieses Jahrhunderts unwiderruflich fest- gestellt werde, Berlin, 8. Juni. Der ,>ierlichen Einweihung des Lange nbectyuuses wohnte Prinz Friedrich Leopold als Vertreter der Kaiserin bei, ferner waren der Bundesralh, die Militärbehörden und das Armeesanitätscorps vertreten. Als Familienangehörige Langenbecks waren die Generäle Langenbeck, Plessen und Lieutenant Roon anwesend. Nach dem Choral hielt Bardeleben die Weiherede,- er dankte dem Kaiser und der Kaiserin, der Kaiserin Augusta, Herrn v. Goßlar, den Behörden und allen anderen Förderern des Werkes. Nach einem Bericht Bergmanns über die Sammlungen erfolgte ein Rundgang durch die Räume. Von der Großherzogin von Baden war ein Handschreiben eingegangen. Berlin, 8. Juni. Heute Mittag wurde hier der Chirurgen-Congreß eröffnet. Bruns-Tübingen besprach die chirurgische Bedeutung der neuen Feuerwaffen, besonders des Mannlichergewehrs. Gefährlich seien die neuen Geschosse bis zu 1000 Meter Entfernung, sie durchdringen allerdings bis zu 4000 Meter noch die Knochen, da jedoch der Nahekampf verschwinden wer^e, seien allzuweitgehende Befürchtungen für die Zukunft ungerechtfertigt. Der antiseptische Verband sei so früh als möglich anzuwenden und das Krankenträgerpersonal im Verbandanlegen besser auszubilden. Wien, 8.Juni. Oer Socialisten-Co ngreß erzielte die Einigung aller Pcrteischattirungen. Rom, 8. Juni. Fürst Od escalchi erhielt einen Brief, unterzeichnet mit „Tie Todesgruppe der Dynamitarden", worin er ausgesorder: wird, eine Million Lire an einem bestimmten Orte zu Hüterlegen. Die Polizei hinterlegte ein Packet und nahm daselbst zwei mit Revolvern bewaffnete Individuen fest. Die verhafteten sind Anstreicher, 19 und 20 Jahre alt und mehrfach vorbestraft wegen Theilnahme an Arbeiterunruhen- sie bekannten sich als intransigente Anarchisten und erklärten, ihre Complicen würden das Palais Odescalchi in die Lust swengen. Lüttich, 8. Juni. In Folge einer Denunciation entdeckte die Polizei bei enem Colporteur und Inhaber eines Cafes mehrere Dynaritpatronen, ebenso 6 Patronen mit Zündern bei einem ^ohlengruben-Arbeiter. Beide Per- onen wurden verhaftet. London, 8. Juni. Der internationale Berg- arbeiter-Congreß berieth heute die Frage des Achr- tundentages für Arbeier über Tage. Sämmtliche auswärtigen Delegirten nterstützten den Antrag, nur ein englischer machte geltem es wäre ungerecht, die gleiche Zahl Arbeitsstunden für Arbiter in und außerhalb der Gruben einzuführen. Die Berthung wurde schließlich vertagt. In der Nachmittagssitzung nahm der Ccngreß eine Resolution an, nach der die Arbei.'r das Recht haben sollen, die Gruben- inspectoren zu ernenrn, während der Staat die Besoldungen trägt. Petersburg, 8. ?ini. Hinsichtlich der Entscheidung in Betreff der Frage de Ausfuhr von Hafer, Gerste und Weizen wird eine nee Sitzung der Getreidecommission baldigst erwartet. Newyork, 8. Jur. Nach einer Meldung des „Newyork Herald" aus Valencia in Venezuela hat bei dem genannten Orte eine Schlacht stattgefunden, welche vier Tage gedauert habe. Die Truppen des Präsidenten Palacio hätten sich schließlich nach Valencia zurückgezogen. Die Lage Palacios sei eine überaus schwierige. Depeschen be8 Bureau „Herold". Berlin, 9. Juni. Das „Berl. Tagebl." meldet aus Zanzibar, am 9. Juni reisen der Ches der Schutztruppe, Perbrandt, der Stellvertreter des Gouverneurs, Capirän- Lieutenant Rüdiger und der bisherige Ches der Tabora-Station, Lieutenant Sigl, nach Deutschland ab. Die Wißmann'sche Expedition bricht von Chinde in Portugiesisch-Ostasrika ins Innere auf. Localer unö provinzieller. Gießen, 9. Juni 1892. — Fahrplan-Aeuderung. Wie aus der Bekanntmachung Königl. Eisenbahn-Direction Hannover in vorliegender Nummer ersichtlich ist, wird der Omnibuszug Nr. 407 Friedberg- Marburg vom 10. Juni ab befördert: Von Gießen 5 Uhr 45 Min. früh, von Lollar 5 Uhr 57 Min., von Friedelhausen 6 Uhr 3 Min., Fronhausen 6 Uhr 10 Mm., Nieder-Weimar 6 Uhr 21 Min., Marburg an 6 Uhr 31 Min. Vom gleichen Tage ab wird der OmnibuSzug Nr. 408 statt in Fronhaufen in Marburg abgehen und zwar 6 Uhr 55 Min. Abends. — Abänderung des Artikels 227 des Polizeiftrafgesetzes. Der zwetten Kammer der Landstände ist folgender Gesetzentwurf zugegangen: Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und, verordnen wie folgt: Einziger Artikel. Mit dem 1. Juli ds. Js. tritt der Artikel 227 des Polizetstrasgesetzes vom 30. October 1855 außer Kraft. An seine Stelle treten nachfolgende Bestimmungen: Das Hausiren mit Maaren oder Vieh, sowie das öffentliche Feilhalten derselben auf Straßen und Plätzen ist an Sonn- und Festtagen gänzlich untersagt. Das Aushängen und Ausstellen von Maaren seitens der Kauf-, Handels- und sonstigen Gewerbsleuten ist an Sonn- und Festtagen gleichfalls untersagt, ausgenommen jedoch diejenigen Stunden, während welcher nach der Gewerbeordnung (Gesetz vom 1. Juni 1891) in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb stattfinden darf. Den Bäckern, Metzgern und anderen unter § 105 e des Gesetzes vom 1. Juni 1891 fallenden Gewerbtreibenden ist der Verkauf ihrer Maaren an Sonn- und Festtagen auch zu den Stunden gestattet, für welche die höhere Verwaltungsbehörde (das Kreisamt) nach Maßgabe des § 105 e den Verkauf zulaffen wird. Das öffentliche Feilbieten von Lebensrnitteln innerhalb der Ortschaften und deren nächsten Umgebung an Sonn- und Festtagen ist, während der Zeiten des öffentlichen Gottesdienstes untersagt- auf das Feilbieten von Lebensrnitteln auf den Eisenbahnstationen erstreckt sich dieses Verbot nicht. Insoweit nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung an Sonn- und Festtagen in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb nicht stattfinden darf, ist auch den Consum- vereinen jeder Absatz von Maaren selbst an ihre Mitglieder untersagt. — Ernennungen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden ernannt: die Gerichtsaccessisten: 1) August Breidenbach in Darmstadt , 2) Dr. Ludwig Dähn in Worms, 3) Georg H einzerlin g in Darmstadt, 4) Ludwig Schneeberger in Darmstadt, 5) Ferdinand Stein in Gießen, 6) Heinrich Sutor in Bürgel, 7) Dr. Ernst Weber in Offenbach zu Gerichtsaffessoren. — Schuldienst-Nachrichten. Am 24. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Köhler aus Heimersheim eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Nierstein, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Dörr- schuck aus Ober-Saulheim eine Lehrerstelle an der katho- lifchen Schule zu Nierstein, — am 25. Mai wurde dem Schullehrer Peter Flath zu GroßBieberau eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Groß-Umstadt, — am 29. Mai wurde dem Schullehrer Philipp Reinheimer zu Nieder-Beerbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiterstadt, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Adam Walter zu Weiterstadt eine Lehrerstelle an der Gr meindeschnle zu Nieder-Beerbach, — am 31. Mai wurde dem Schullehrer Johannes Eckert zu Semd eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lengfeld übertragen. — Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt sind: Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Castel mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1200 bis 1400 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wettsaasen mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. — Verkehrs-Notiz. Der Abg. Erk hat bei der zweiten Kammer der Stände einen Antrag auf Errichtung einer Gütereinlade-Borrichtung in der Station Ober- Widdersheim, Linie Gießen'Gelnhausen, der Oberhessischen Eisenbahn eingebracht. — Ein bei der zweiten Kammer der Stände vom Abg. P sann stiel eingebrachter Antrag lautet: „Hohe zweite Kammer wolle beschließen, an Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, daß der um 3 Uhr lO Min. Nachmittags von Alsfeld abgehende Zug Nr. 6 auf der Haltestelle Ehringshausen der Oberhessischen Eisenbahn wieder anhält und die dortigen Warte- und Verladeräumlichkeiten eine Erweiterung erfahren. — Lebensmittel-Preise Ende April 1892. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralsteüe für die Landes- statistik kosteten: Ochsen^letsch per Pfund Rindfleisch per Pfund 1 Kalbfleisch per Pfund Schweinefl. per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter Eier 1 Stück Städte mit Octroi Darmstadt 76 70 70 66 66 15 14 114-128 17 5-8 Mainz 72 60 70 70 65 15,5 14,5 106-120 19 5-6 Offenbach 76 58 70 70 70 17 15 122-132 22 4-7 Worms 76 66 68 60 68 14 14 108-120 16 5-7 Gießen 74 64 56 68 65 14 13,5! 102-112 17 5-6 Städte ohne Octtoi Bingen 75 70 60 70 75 14,5 14 113-135 19 5-6 Bensheim 66 60 60 60 60 16 14 90-100 17 6-7 Alzev Friedberg 69 64 70 70 70 18 13,5 107-118 17 6 68 60 60 60 60 15,5 15 100-110 16 5—6 Alsfeld 62 54 55 54 — 16,5 14 95-100 14 5 Lauterbach 64 64 56 60 56 18 14 100 14 5 — Der achte allgemeine BereiuStag der deutsche» land- wirthschastlicheu Geuoffeuschafteu findet, wie aus der vom Anwalt der landwirthschastlichen Genossenschaften, Kreisrath Haas in Offenbach, versendeten Einladung ersichtlich,Montag, 13. Juni und die folgenden Tage in Insterburg statt. — Bei Beginn der sommerlichen Obstzeit ist die Frage von großer Wichtigkeit: „Wie verträgt sich Obst mit Bier?" Das ist die große Magenfrage der Saison. Die ersten Kirschen, Pfirsichen, Erdbeeren re. werden zu Markte gebracht und locken uns, aber wir wagen oft nicht davon zu genießen, denn wir wollen uns den Biergenuß dadurch nicht entgehen lassen. Aber während der Eine von solch gemischtem Genüsse mindestens die Cholera befürchtet, weist ein Anderer daraus hin, daß die beiden Nahrungsmittel so vielfach homogene Bestandtheile enthalten, daß deren Vermischung für die Verdauung nicht schädlich sein könne. Die Frage ist aber mehr eine praktische Arztsrage. Dem bekannten Grobschmiedsgesellen hals eine tüchtige Portion Eisbein von einem hitzigen Fieber, während ein Anderer an dieser Arznei zu Grunde ging. Aehnlich gehts mit Obst und Bier. Ein kräftiger, robuster und ans Biertrinken gewöhnter Magen wird einen mäßigen Zusatz von Obst leicht vertragen, trotz der vielen unverdaulichen Bestandtheile, die es enthält. Personen, die an Verdauungsstörungen leiden oder solche Nahrung nicht gewöhnt sind, mögen beim Genüsse von Obst vorsichtig sein und kalte Getränke — Milch, Wasser, Bier — nach dem Genüsse von Obst ganz vermeiden. Kinder aber sollten in jedem Falle vor dem gleichzeitigen Genuß von Obst und kalten Getränken behütet werden. Bad-Nauheim, 6. Juni. Mit täglich 1000 Bädern und einem Gesammtbesuch von über 2000 Personen sind wir bereits mit Anfang Juni in die hohe Saison eingerückt. Von Ausländern stellt der skandinavische Norden das Haupt- contingent, aber auch England, Holland, Oesterreich, Rußland, Nordamerika rc. sind mehr oder weniger stark vertreten. Das Hotel Sprengel, das infolge seiner Neubauten 85 Fremdenzimmer zählt, ist v o l l st ä n d i g besetzt; der Besitzer des „Kaiserhos" wird im Herbst ebenfalls zu Neubauten schreiten, um dem Fremdenandrang genügen zu können- auch die übrigen Gasthöfe sind gut besetzt. Für die religiösen Bedürfnisse unserer Sommergäste ist durch evangelischen (deutschen und englischen), katholischen und israelitischen Gottesdienst gesorgt. Darmstadt, 8. Juni. Die Kirschenernte befindet sich an der Bergstraße in vollem Gange- dieselbe verspricht eine reichhaltige und lohnende zu werden. Gestern wurde hier das Pfund Auerbacher Kirschen, große schöne Früchte, zu 20 Psg. verkauft. D. Ztg. Bensheim, 4. Juni. Vom hiesigen Granitwerk ist wieder eine umfangreiche Arbeit fertig gestellt worden, die derzeit zum Versandt gelangt. Es ist der in der Hauptsache aus polirten Granitquadern ausgesührte Unterbau zum Krupp- Denkmal in Essen, an dem seit Jahresfrist gearbeitet wird und dessen Transport acht Eisenbahnwaggons erfordert. Zwei Figuren aus Erz, am Fuß deö Sockels sitzend, stellen Industrie und Humanität da und sind überragt von der Standfigur Alfred Krupps. Dieses großartige, von den Bildhauern A. Mayer und I. Menges in München entworfene Denkmal, ist von den Arbeitern der Krupp'schen Stahlwerke gestiftet und soll Ende Juli enthüllt werden. Mainz, 7. Juni. In einem unserer Nachbarorte fand vor einigen Tagen eine größere Festlichkeit statt und war der Polizeidiener beauftragt worden, mittelst der Schelle die Bewohner des Ortes auszufordern, ihre Häuser mit Fahnen zu schmücken. Derselbe entledigte sich getreulich seines Auftrages- kurz daraus, so zu sagen in einem Atbem, verkündete er, daß in den nächsten Tagen drei Zwangsversteigerungen abgehalten werden würden! verlatschte». * Frankfurt a. M., 8. Juni. Jägers erste Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter dauerte heute Morgen mehrere Stunden. Die Klotz ist, weil sie sich leidend fühlt, in einer Krankenzelle des Polizeigefängntsses, einem verhältniß- mäßig elegant ausgestatteten, geräumigen Zimmer, untergebracht. Ihr Aussehen ist in der Thal ein kränkliches. Heute Morgen soll wieder eine weitere Verhaftung vorgenommen worden sein, bei der es sich wieder um ein früheres Dienstmädchen der Familie Jäger handelt. * Rödelheim, 5. Juni. In der katholischen Kirche wurde in der Nacht von gestern aus heute ein Diebstahl aus- gesührt. Gestohlen wurde ein goldener Kelch im Werthe von etwa 1000 Mk., ferner silberne Leuchter, Kannen, Platten rc. Die Sacristei war erbrochen worden, ebenso ein verschlossener Kirchenstuhl der Frau von Stumpf-Brentano. * Halle a.d. S., 7. Juni. Zum neunten deutschen Lehrertag sind bis heute 1900 Teilnehmer eingetroffen. Die Begrüßungsversammlung war stark besucht, sie wurde von Dr. Schmeil Namens des Ortsausschusses mit einer begeisterten Rede eröffnet und nahm einen erhebenden Verlauf. Die erste Hauptversammlung wählte in den Vorsitz Claus- nitzer aus Berlin, Backes aus Darmstadt, Schmeil aus Halle. Viele Ehrengäste sind erschienen. Oberbürgermeister Staude hielt eine warme Begrüßungsrede im Namen der Stadt, Schulrath Krähe im Namen der Schul-Commission, Lehrer Tangermann im Namen der Lehrerschaft von Halle. Pastor Seysarth aus Liegnitz hielt eine Rede zur Comeniusseier. — An den Kaiser wurde ein Telegramm abgesandt. * Geut, 2. Juni. Vier kleine Jungen stahlen gestern, wie dem „Rh. K." berichtet wird, aus einem Milchwagen eine große Flasche Wachholderschnaps. Sie begaben sich mit ihrer Beute aus das Exerzierfeld vor Gent, wo sie die Flasche vollständig leerten. In der scheußlichen Betrunkenheit, welche diesem Tranke folgte, stürzten sie sich auf einen in der Nähe weidenden Hammel und erschlugen das arme Thier mit großen Steinen- hieraus wandten sie sich untereinander gegen sich selbst und richteten sich mit Messern abscheulich zu. In dem Kampfe kamen sie, ohne es zu bemerken, einem Wassergraben nahe, in welchen die drei jüngsten der Taugenichtse fielen und ertranken, der vierte und älteste starb in Folge des starken Alkohols und der Aufregung an einem Gehirnschlag aus dem Platze. Die unseligen Knaben sind Kinder angesehener Genter Familien. * Pittsburg, 5. Juni. Die Städte Titusville und Oil City sind heute in Folge eines Wolkenbruchs überschwemmt worden. Gleichzeitig wurden die Petroleumrasflnerien durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt. Titusville soll zur Hälfte ein Raub der Flammen geworden sein. Die Zahl der ums Leben gekommenen Personen wird aus 150 geschätzt. In Oil-City sollen 11 Personen in den Flammen umgekommen sein. Nach weiteren hier eingegangenen Meldungen bemächtigte sich der Bevölkerung von Titusville und Oil-City beim Eintreten der Katastrophe eine unbeschreibliche Panik. Die Einwohner flüchteten nach den hochgelegenen Stellen der Umgegend. Zahlreiche Personen, darunter Frauen und Kinder, sind theils im Wasser, theils in den Flammen umgekommen. Die Zahl der Tobten wird auf mindestens 150 Personen angegeben. In Oil-City allein sollen bereits gegen 100 Leichen ausgesunden sein, zahlreiche Personen werden noch vermißt. Der verursachte Schaden wird aus mehrere Millionen Dollars geschätzt. * Frankreichs Verluste an Menschenleben durch die Kriege 1791—1890. In einer Arbeit, die Dr. Lagneau der Akademie der Wissenschaften vorgelegt hat, sucht er nach amtlichen Quellen Frankreichs Verluste an Menschenleben durch die Kriege des abgelauseren Jahrhunderts von 1791 — 1890 zu berechnen. Die Zahlst, die er findet, sind grauenhaft. In Betreff der Verluste von 1791—1799 ist man aus Schätzungen angewiesen. Zu den Fahnen wurden in jenem Zeitraum 2080000 Franzosen berufen. Von ihnen fielen dem Grafen Garnier zufolge 720 000 Mann, nach anderen Demographen aber 1500000. Von 1799—1815 dienten 3 153 598 Mann. Vor dem Feinde blieb eine Million, doch kam eine andere Million in )en Krankenhäusern und Lagern um. Von 1815—1851 warm die Verluste trotz des Feldzuges in Griechenland und Algrien gering. Im Krimkriege starben 95615 Franzosen, 1(240 aus dem Schlacht- selde, 85 375 in den Krankenhäusern Der italienische Krieg kostete 12173 sranzösische Leben. Dr Verluste des mexikanischen Feldzuges wurden nie bekannt gegeben. Doch läßt sich berechnen, daß alle Abenteuer des Käserreichs von 1851 bis 1869 356000 Leben hinrafften. Dn Verlust des 1870er Krieges findet Dr. Lagneau mit sollender Methode: 1866 hatte Frankreich 38192064 Einwohhr, von denen auf die verlorenen Gebietstheile 1597 238 kamen. 1872 wurden 36102921 Einwohner gezählt. Vot 1866 vermehrte sich die Bevölkerung jährlich um 3,6 aus 000. Die Vermehrung hätte also von 1866—1872 816 900betragen müssen, statt dessen zeigte die Zählung eine Abnahme um 491905. Der Verlust von 1308 805 Menschenleben ist auf-Rechnung des 1870er Krieges und CommuneaufstandS zu setzen. Wie man sieht, hat Frankreich in seinen Kriegst während der letzten hundert Jahre ein wahres Meer stnes eigenen Blutes vergossen. ! * Revanche. Wirthin eines kleitzn Landstädtchens zu ihrem Manne: „Du, Mann, der HerLPostassistent ißt nun schon zwä Johr lang regelmäßig bei fang zu Middag, da muscht Du jetzt doch aach emol e paq Briefmarke bei ihm hole lasse!" , 1 * Studenten - Scherz. Ein Student wohnte in einem Gasthause und hatte durch seine lustigen Schwänke viele andere Gäste herbeigezogen und dem Wirthe bedeutenden Nutzen verschafft. Er wollte abreisen- der Wirth brachte ihm die Rechnung und sagte: „Damit Sie sehen, wie dankbar ich bin, so streiche ich die Hälfte der Rechnung." — „Und damit auch Sie sehen, daß ich nicht hinter Ihnen zurückbleibe, so streiche ich die andere Hälfte," sagte der Student. Der Wirth lachte und war es zufrieden. Itnivcrfitäts • Nachrichten. — Dieser Tage wurde von Berlin aus die große Virchow- Medaille an alle deutschen Universitäten versandt. Die Medaille auS broncirtem Kupfer hat einen Durchmesser von 20 Ctm. und ist ein Abguß von der großen goldenen, die der Gelehrte vom Virchow- Festausschuß zu seinem 70jährigen Geburtsfeft erhielt. — Während die drei oberen Facultäten der Universität Göttingen in Sachen des Frauenstudiums einen ablehnmdm Standpunkt einnehmm, hat die philosophische Facultät sich für Zulassung der Frauen zu den Universitätsstädten zunächst als Hospttante» ausgesprochen. Berlin. Ein langjähriger Universitätslehrer, Dr. Wilhelm Krause, trat am 1. Juni bei dei hiesigen medicintschen Facultät alS — Prtvatdocent ein. Der Forscher ist, so wird der „N. A. berichtet, von der Anatomischen Gesellschaft hierher berufen, um eine einheitliche anatomische Nomenklatur feftzustellen, und gleichzeitig zum Laboratortumsvorstand in WaldeyerS Institut ernannt worden. Der „jüngste" Berliner Prtvatdoeent ist ein alter Gelehrter, am 12. Juli 1833 zu Hannover geboren. Sein Vater, K. F. Krause, stand an der Spitze detz hannoverschen Medtctnalwesens. Wilhelm Krause war schon seit 1860 außerordentlicher Professor für Histologie in Göttingen. Bet seiner wissenschaftlichen Bedeutung ist sein Eintritt in dm Lehrkörper ohne Weiteres erfolgt, der Gelehrte hält nur, um der Form zu genügen, eine öffentliche Antrittsvorlesung. Ein ähnlicher Fall lag bei Eulenburg und Preyer vor, die sogar ordentliche Professuren aufgegeben hatten, um hier als Privatdocmtm wieder sich einzu- sühren. Citeratur u*6 Knnft — Das 20. Heft der vorzüglich illustrirten Familtmzettschrist rUttfoetfam* enthält folgende Beiträge: „Rauschgold", Novelle von Marco Broctner. — „Die vulkanische Schmiede im Felsengebirge" von Paul Lindau. Mit Illustrationen von Albert Richter. — „DaS verlorene Bergwerk" von Felix Freiherr von Mtnntgerode. — „Krischan Rompagel tn't Kunzert" von Heinrich Seidel. — „Einige merkwürdige electrische Erscheinungen der Erdatmosphäre" von vr. Klein. — „In Flammengluth", Novelle von E. Merk. — Rundschau: „Biographie des Prof. Dr. E. Thiersch." — V „Der Laubfrosch als Gefangener." — „Die goldene Rose" von Paul Lindner. — Gedichte, Humoristisches, Räthsel rc. — Von den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen: „Die Erwartung" von E. Ntezky. — „Verthetdtgung einer Brücke" von Berue-Bellecour. — „Entführung" von Frank Kirchbach. — „Maimorgm im Walde" von V. Brozik. — Preis des Heftes 50 Pfg. Verkehr, Land, und Volkrwirthschaft. Limburg, 8. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizm ** 17.60, weißer Weizen JL —, Korn 15.00, Gerste JL 10.00, Hafer 6.50, Erbsen JL —. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 7*> Uhr, Samstag Vormittag 8« Uhr, Samstag Nachmittag 4°° Uhr, SamStag Abend 9<* Uhr. "• 1 Eingesandt. _ , _ r „ Gießen, 8. Juni. Zwei sehr vortreffliche künstlerische Leistungen von E. W. AllerS sind zur Zeit in dem Local des hiesigm Kunstveretns ausgestellt. Lassen wir der Kürze halber den Ausflug des Hamburger Clubs Eintracht nach Hausbruch, der des erheiternden Stoffes sehr viel bietet, außer Betracht, so kann die „SUVerue Hochzeit- des wohlsituirtm Hamburger Schneidermeisters Battelmann und Frau mit thrm 44 Einzelbildern fast in jeder Hinsicht als ein wohlgelungenes Meisterwerk echt volksthümlicher Humoristik betrachtet werden. Die Festpoeten H. Winter, Onkcl Schmäht, Dr. Dabelstein, Onkel Bakof als Theaterdtrector, die (Erb-) Tante Pinch en als artistischer Betrath find köstliche Ftgurm. Die mancherlei Vorbereitungen auf dm Jubeltag wie z. B. die verstohlenen Memorirübungen des Commis Groth, die Leseprobe, die cultnarischen Versuche der Frau Schulz u. s. w. sind höchst drollig. Der Aufmarsch der Festgäfte, als der Familie Mertens, Alters und Benjamin, wobei die Corpulenzm nicht fehlen (Alters, stud. Kramer, Schmabl und Dabelstein) und die Reihenfolge der Gratulanttu — Alles ist sinnig geordnet. Die Enkelinnen Life und Grelle „aus dem Elsaßschtädtle Schtraßburg" eröffnen in gemüthltcher Weise den Reigen der Gratulanten, Nichte Anna und die Deputation des Gesangvereins „Poly- hymnta" folgen. MandusGriese und Frau haben sich als Dreh- orgelspteler verkleidet, die lustige Liese Mörtng tritt auf als alte Jungfer masktrt. Die Deputation des Kegelclubs „Alle Neegen" überreichte einen Ehrenpocal. Die Festfeier wird gekrönt durch das Spiel des Ltebhabertheaters, wobei der Theaterdirector Onkel Bakof den Souffleur abgibt. Zum Schluffe kommt die Rede des Jubilars, sodann die Reihe der Toaste und post festum noch die Bemerkungen der Dienstboten. — Allen Freunden der Kunst und des heiteren Humors kann der Besuch der Ausstellung bestens empfohlen werdm. Briefkasten. M., Lollar. Wir wollen davon Abstand nehmen und den Tag erst abwarten. Vielleicht findet sich dann Gelegenheit, der Sache näher zu treten. Frdl. Gruß! Red. Braut-Seidenstoffe, schwarz weiß, creme rc. — von 65 Pf. bis Mk 22.85 — glatte u. Damaste rc. (ca. 300 versch. Qual. u. Dispos.) versendet roden- u. stückweise porto- u. zollfrei G. Henneberg, Seidenfabrikant (K. u. K. Hofltef.) Zürich. Muster umgehend. Dopp. Briefporto nach der Schweiz. [214 Das ganze Geheimniss auch noch in den reiferen Jahren zu haben, besteht darin, dass man die Haut pflogt, sie zart und geschmeidig erhält und sich von der Anwendung schlechter, sodascharfer Seifen hütet. Durch das Waschen mit solcher wird die Haut rissig und welk. 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