Sonntag den tO. April 1892 Anrts- und Zlnzeigeblatt für den Aveis Giefzen. t HraLisöeikage: Hießener Jamitienökätter Politische Seite mitgeihcilt worden ist, entbehrt die bezeichnete Äus- Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nuinmer bi- Bonn. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaux de- In- und Lu-lande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. te ie ie ic n Der deutsche Reichstag geschlossen worden, derselbe digung auf seine Arbeiten ih: •d) u f er te Gefunden. 1 Uhrschlüssel, 1 Granatnadel, 1 Kinderkragen, 1 Hutnadel, 1 Notizbuch, 2 Aexte, 1 Haarpfeil, 1 Borspannwaage mit Kette, 1 Schürze, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Kohlenkorb. Zugelaufen: 1 Hund. Gießen, den 9. April 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ________ Fresenius. Wochenschau. Gießen, 9. April 1892. ist am Donnerstag voriger Woche kann diesmal mit großer Besrie- Bierteljähriger AVormemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kch»tstr«teNr.7. Fernsprecher 51. Berichtigung des Protokolls über die Sitzung des ProvinzialtugcS vom 4. d. M. Das Protocoll der Sitzung des Provinzialtages vom 4. d. Mts. (Gießener Anzeiger Nr. 85) wird zu pos. 4 der Tagesordnung: „statutarische Bestimmung für die Provinz Oberhessen hinsichtlich der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe" dahin berichtigt, daß das Mitglied Dr. Gutflrisch sich für das vorgclegte Statut mit dem Bemerken aussprach, wie er hoffe, man werde in einigen Jahren in der Lage sein, für das Comptoirpersonal von jeder Sonntagsarbeit abzusehen. Dieser Bemerkung schließt sich Graf zu SolmS-Laubach Erlaucht an, und auch Mitglied Jäger spricht sich billigend über das Statut aus. Der Protocollsührer: Becker. ber Ausgleichsvorlage ist vom böhmischen Landtag leider aä Calendas Graecas vertagt worden und somit auch der neueste Versuch einer Beseitigung des Nationalitätenhaders in Böhmen ins Wasser gefallen. — In Argentinien ist eine Revolution ausgebrochen, die nach den vorliegenden Berichten bereits wieder so gut wie unterdrückt ist. Die Bestätigung der bezüglichen Meldungen bleibt indessen abzuwarten. Anläßlich einer hohen Auszeichnung, welche dem russischen Botschaster in Berlin Schuwalow jüngst von deutscher Seite ,u Thcii geworden ist, wurde vielfach die Ansicht laut, daß eine wesentliche Besserung in den russisch-deutschen Bc- Ziehungen eingetreten sei. < ‘ Bekanntmachung. Diejenigen, welche bei der Vertheilung der Steuerzettel der dirccten Steuern keine Steuerzettel erhalten haben, werden hiermit aufgefordeit, dies sosort bei Grobherzoglichem Polizciamt zur Anzeige zu bringen, um etwaigen später ihnen erwachsenden Nachtheilen zu begegnen. Gießen, den 9. April 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Frese nius. Wien, 8. April. Der Vicepräsident des obersten Rcch- nungshoses, Ritter v. Zwölf, erschoß sich in Preßburg. Als Motiv werden zerrüttete Vermögensverhältniffe an- gegeben. Wien, 8. April. Das „Fremdenblatt" begrüßt die Beendigung des 20jährigen Tyroler Schulkampses trotz der großen Opfer sympathisch. London, 8. April. Die „Times" halten die Thatsache aufrecht, daß sich in Petersburg eine Commission unter dem Vorsitze von Abasa gebildet und bereits eine erste Sitzung abgehalten habe zur Erwägung der Grundlage für einen russisch-deutschen Handelsvertrag. London, 9. April. Das „Berl. Tagebl." meldet aus London, der Dampfer „Brampton", mit 2000 Tonnen Gehalt aus New Castle aus der Reise nach Philadelphia, ist mit der Besatzung untergegangen. Rom, 8. April. Der Papst lehnte es ab, den Prinzen Victor Napoleon zu empfangen. Nr. 86. Erstes Blatt Dcr Ktetzener Zazeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener -««tkien vkälter »erden dem Anzeiger Wöchmtlich dreimal bei-elegt. Wien, 8. April. Nach der „Deutschen Zeitung" ordnete sm:, . ■ ' * * ” ~ , der Kaiser eine schleunige Reform deS Oberhosmeister-, E wdessen von unterrichteter Oberstallmeister, und Oberkammeramtes im Sinne des Dua« Zeichnung ftd-S polstischen Ch°räk.-rs' ™ | Üv7°rffch7 Abchcilun^'^"'''" Sitzung der Stadtverordneten am 7. April 1892. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Adami, Georgi, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Die beiden hiesigen Turnvereine haben angefragt, ob die Stadt dem im Jahre 1893 startfindenden Turnfeste des Mittelrheinkreises, falls dasselbe in Gießen abgehalten wird, eine Unterstützung gewähren würde. Die gegen Uebernahmc des Festes erhobenen Bedenken gründeten sich u. A. aus die Annahme, daß das Turnfest mit dem hier abzuhaltenden hessischen Feuerwehrtage zusammenfallen würde, zwei größere Feste aber in einem Jahre zu feiern nicht rarhsam sei. (Der nächste hessische Feuerwehrtag in Gießen findet erst im Jahre 1894 statt. Anm. d. Res.) Da Darmstadt, woselbst im Jahre 1875 das Mittelrheinische Turnfest stattfand, fich ebenfalls um das 1893er Turnfest beworben hat, so ist noch die Entscheidung abzuwarten. Es wird beschlossen, das Fest in herkömmlicher Weise, d. h. durch Ueberlassung von Holz zu den Festbauten, von Fichtenreisern und Laubwerk zum Schmücken und durch Hergabe von Schulräumen zu Massenquartieren, zu unterstützen. Die Punkte 2, 3 und 5 der Tagesordnung wurden ausgesetzt, zu Punkt 4, Entschädigung des Ph. Euler für besorgte Grundauffüllung in der Steinstraße, beschlossen, die übliche Vergütung, im Gesammtbetrage von 1868.71 Mk., zu gewähren. Das Gesuch des Herrn Moritz Flett um Erlaubniß zum Bauen am Schiffenberger Weg wird auf Grund des § 5 bes Ortsbaustatuts, nach welchem außerhalb der durch den Stadtbauplan festgesetzten Bauquartiere in der Regel Bau- ! erlaubniß nicht ertheilt werden soll, beanstandet. Herr Ehr. Petri V. beabsichtigt, an der von der Ostanlage nach der Grünbergerstraße projectirten Straße ein Wohngebäude nebst Nebenbau zu errichten und sucht um die Erlaubniß nach, das zu einem pro«. Stall bestimmte Nebengebäude zuerst aufführen zu dürfen. Da zur Zeit die Verhandlungen über den künftigen Straßenzug, bezw. die Abänderung des früheren Stadtbauplans noch schweben, eine der künftigen Straßenflucht parallele Stellung des Gebäudes sonach fraglich erscheint, auch nach in der Sitzung erfolgten Mittheilungen angenommen wird, daß Großh. Polizeiamt die Genehmigung bereits ertheilt hat, wird die Beschlußsaffung über das Gesuch ausgesetzt. — Herr Oberbürgermeister Gnauth theilte bei Bcrathung dieses Gegenstandes mit, daß Verhandlungen ihrem Abschlüsse nahe seien, nach denen die Straße von dem Brandplatz nach der Ostanlage durch den Garten der Entbindungsanstalt geführt werden könne, demnach der ursprüngliche Plan zur Ausführung gelangen werde. Das Gesuch des Herrn Fr. Kühnhold um Erlaubniß zur Herrichtung eines Anbaues an seinem Hause in der Ludwigstraße wird unter der Voraussetzung befürwortet, daß Gesuchsteller sich unter Sicherheitsleistung in Höhe von 1000 Mk. verpflichtet, innerhalb zwei Jahren ein Vorderhaus zu erbauen. Der Vermietung der Kellerräume unter dem Realschulgebäude an bte Firma Gebr. Haustein wirb unter ber Bebingung zugestimmt, baß bie Miether zum Schutze beS Mauerwerks unb FußdobenS gegen bie nachtheiligen Einflüsse beö bork zu tagernbcn Salzes eine hohlgeicgte Bretterverschalung Herstellen. zurückblicken. Aus ber großen Anzahl von Gesetzen, welche ber Reichstag in seiner bereits feit bem 6. Mai 1890 währenben, zwei Mal von mehrmonatlicher Vertagung vom Sommer bis November unterbrochenen unb nunmehr enbgültig geschlossenen Session angenommen hat, beben wir bie Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn, Italien, ber Schweiz unb Belgien als besonbers werthvoll hervor. Einen Fortschritt bebeutet auch bas Gesetz über bie Gesellschaften mit beschränkter Haftung unb bas neue Weingesetz. Außerbern registrieren wir noch bas sog. Ar beiterschutzgesetz, bie Krankenkassennovelle unb bas Telegraphengesetz. Unter ben nicht erlebigten Gesetzentwürfen befinden sich einige von größerer politischer Bedeutung, so der Trunksuchtsgesetzentwurs, bie Lovelle zum Strafgesetzbuch anläßlich bes Heinze- schen Mordprozesses, bie Entwürfe zu einem Check- unb einem Spionagegesetz. Ebenso sinb einige Initiativanträge ber politischen Parteien nicht erlebtgt worben. In Preußen ist bie große politische Debatte über bie Veranberungen im Ministerium, welche bei ber Berathung bes Nachtragsetats allseitig erwartet würbe, bis nach Ostern verschoben worben, weil bie Mehrheitsparteien bie auch jetzt noch nicht hinreichenb consolibierten Verhältnisse nicht aufs Neue erschüttern wollten. GichenerAnzeiger Kenerak-Unzeiger. Neueste Hacbricbteti Wolffr telegraphische- Lorrespondenz-Bur^ Berlin, 8. April. Das Magistratscollegium beschloß in feiner heutigen Sitzung, für Deckung ber Bebürsnisse ber I nächsten vier Jahre bie Creirung einer neuen Anleihe im I Betrage von 70 Millionen zu beantragen. Pofen, 8. April. Der Decan Po ninski in Koscielec I bei Jnowrazlaw würbe von vier verkleibeten Männern I meuchlerisch überfallen unb burch Revolverschüsse I lebensgefährlich verwundet. Die Attentäter entflohen, wurden I ober verfolgt und es sand zwischen ihnen unb ihren Versagern ein harter Kamps statt. Zwei Attentäter fielen, bie beiden andern erschossen sich selbst. Nach der „Posener Ztg." I wurden bei den Attentätern rothe Zettel gesunden mit ber I Aufschrift: „Das Executivcomite ber polnischen Anarchisten." I (Wieberholt.) I Posen, 8. April. Ueber ben Ueberfall auf ben Decan I Poninski wirb weiter gemelbet: Dem Poninski mürbe I eine rothe Karte überreicht bes Inhalts: Das Executions- I comite ber polnischen Anarchisten befiehlt ihm, sämmtliche I ^lber abzusühren für bte polnischen Anarchisten, sonst werbe I cr niit bem Tobe bestraft. Der Decan sprang aus bem I Zimmer burch bas Fenster in ben Garten; er erhielt von I ben Räubern vier Schüsse urch den Wechsel bezw. den Ankauf neuer Saatkartoffeln bedingt wird. Die meisten Kartoffelladungen kommen aus der Wetterau, doch werden auch solche aus anderen Gegenden bezogen. Der Preis per Doppeleentner bewegt sich zwischen 7,50 M. und 8,50 M. Der Bedarf an Saatkartoffeln wird nicht nur aus dem Fruchtmarkt zu Grünberg, der stets stark mit Kartoffeln befahren ist, gedeckt, es fahren aus den-Ortschaften selbst Fuhrleute in die Wetterau und holen dort Wagenladungen, oder sie werden auch von dort aus direet nach den Ortschaften gebracht, wo sie reißend Absatz finden. Als gute Speisekartöffel begehrt man allgemein viel „Imperator", die auch wirklich ein* sehr weißes und mehlreiches Fleisch besitzt. GroßKarben, 6. April. Ein schrecklicher Unglücks fall ereignete sich heute morgen auf der Eisenbahnstrecke der Main-Weser-Bahn Groß-Karben—Nieder-Wöllstadt an der Stelle, wo die Okarbener Chaussee den Bahnkörper durchschneidet. Schon war der um 9 Uhr von Friedberg und 9 Uhr 15 Mm. von Nieder-Wöllstadt abgehende Omnibus- Zug in Sicht, als der an diesem Uebergang dienstthuende Bahnwärter Loth noch schnell die Barriöre schließen wollte. Mit seinem Rock hängen bleibend, stürzte er indeß zu Boden und der Zug sauste über den Unglücklichen hinweg, dem von den Rädern der Maschine der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde. Loth hinterläßt eine zahlreiche Familie. Den 7. April. Dem Buchbinder Christian Hermann Magrer eine Tochter. Marte Emlie Johannette, geboren den 4. April. Den 8. April. Ein unehelicher Sohn, Karl, geboren den 12. Februar. Denselben. Dem Hausdiener Johannes Need ein Sohn, Louis Georg Johann Wilhelm, geboren den 10. Juni. Beerdigte. Den 3. April. Jakob Wagner, Hospttalit, alt 48 Jahre, ne-- torben den 1. April. Dm 3. April. Johannes Schneider, Spenglermeister, all 44 Jahre, gestorben den 1. April. M Den « April. Johann Georg Wink, Weichensteller i. P, all 66 Jahre, gestorben den 1. April. »en 5. Ap.il. Golilied Breustedl, Kupferschmied, all 86Jahre, gestorben den 3 Aprrl. ' Den 6. April. Heinrich Freyiag, Kaufmann, al, 55 Jadrc, gestorben den 4 April. *' o k W’ T^ter deS verstorbenen Oeconomen Ludwig Martin Christian Noll in Gießen, gestorben den 5. Ap^il. a ui' cPnV* Henrich Schmall, Restaurateur, alt 71 Jahre. gestorben den 5. April. vermischtes. Sranksurt a. M., 8. April. Das Comite der Pferde- markt lotterte hat heute Morgen den Lotterieeolleeteuren mitgetheilt, daß nach der Entscheidung des Polizeipräsidiums die zwei ersten hundert Treffer gültig erklärt sind. Nach geschehener Revision der Loosnummern kann alsdann die Fortsetzung der Ziehung stattfinden. Der Tag, an welchem das geschieht, wird von dem Comite demnächst bekannt gemacht werden. Wien, 8. April. Die Polizei verhaftete ein 17jähriges Individuum unter dem schweren Verdachte der Brandlegung bei einigen der letzten Wiener Brände. * Budapest, 8. April. Die Stadt Ka ba nächst Budapest steht in Flammen. Löschtrains sind mit Separatzuq ab gegangen. * Bon einer epochemachenden Neuerung auf dem viel- umstrittenen Gebiete der Hochzeitsreise weiß das „N. W. T." zu berichten. Binnen wenigen Tagen sollte die Trauung des jungen Paares stattfinden. Der Bräutigam, ein trotz feiner Jugend schon sehr bekannter Wiener Gelehrter, und die Braut, die einzige Tochter eines reichen Kaufmannes, besprachen eingehend die Einzelheiten des kommenden Festtages. Der Brätigam wandte sich entschieden gegen den Brauch der Hochzeitsreise. „Diese Hatz vom unbequemen Waggon in nüchterne Hotelzimmer, diese ermüdende Jagd nach Sehenswürdigkeiten in der und jener Stadt, das Alles ist Der Voranschlag für die Einfriedigung längs der von er Franksurterstraße nach der Hollergaffe anzulegenden, o e n B a h n h of mitdemSelterSberg verbindenden Straße (im Betrage von 540 Mk.) wird genehmigt. Gegen das von C. Windhäuser von Düren ein- Gesuch um Wirthschafts-Concession für das Haus Wolfstraße 21, sowie das Gesuch der Wittwe Gebauer um gleiche Coneession für die Wirtschaft zur „Germania" hat die Stadtverordneten-Versammlung nichts zu erinnern. totales unb provinzielles. Gießen, 9. April 1892. — Die Nr. 8 des im Auftrage des Evang. Pfarr- Vereins im Großherzogthurn Hessen' von Herrn Pfarrer vr. Naumann hier herausgegebcncn „Hessischen Kirchenblattes" ha: folgenden Inhalt: 1. Buße unter Christi Kreuz. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich. 3. Der Wiirttem- bergische Psarrvcrein. 4. Der evangelische Pfarrer und die Kunst. IV. (Schluß.) 5. Schriftstellernde Theologen im Großherzogthurn Hessen. 6. Zum Accidenziengesetz. 7. Eine in Vergessenheit gcrathene heilsame Verordnung. 8. Zur Fürsorge für die confirmirte Jugend. 9. Zur Kalechismus- fragc. 10. Zusammenkünfte der Pfarrvereinsmitglieder. 11. Familicnnachrichten. L. G. Abschiedsconcert von Dr. Stollbrock. Donnerstag Abend sand in Steins Garten das Abschiedsconcert des Herrn Dr. Stollbrock unter Mitwirkung des Concert- fängers Herrn Petersen aus Hanau, des Mannergesangvereins Liederkranz und der Capelle des Regiments Kaiser Wilhelm statt. Der Abend gestaltete ssch zu einem schönen und wohlverdienten Erfolg sowohl für den Concertgeber als die Mitwirkcnden. Die erste Nummer des Programms brachte uns eine Conccrt-Ouverture von Herrn Dr. Stollbrock. Es ist schwer, nach erstmaligem Hören eines Werkes, ohne vorausgegangcnc Partiturstudicn, ein ausführ, lichcs Urtheil zu fällen/ soviel jedoch können wir sagen, daß es ein Werk ist, in welchem Schaffenstalent und gediegenes tonsetzerisches Wissen zum Ausdruck gelangen. Das Thema, das unseres Erachtens nur eine strenge thematische Gestaltung zuläßt, drängt schon deswegen bei Anordnung der Form zu etwas breiterer Ausführung, wie sie in richtiger Erkcnntniß vom Componisten auch gewählt wurde. Dem Orchester darf man nachrühmen, daß es unter der ruhigen, zielbewußten Leitung des Dirigenten wirklich Musterhaftes leistete. Die Solo- wie Chorlieder des Herrn Dr. Stollbrock sanden un- gctheilten Beifall des Publikums. „In den Erlen liegt die Mühle", eine reizende, anmuthige Composition, verständniß- voll und zart von dem mitwirkenden Männergesangverein vorgetragen, wurde da capo verlangt und auch ausgesührt. Ueberhaupl zeugen die Compositionen des Herrn Dh Stollbrock davon, wie ernstlich er sich von dem gewöhnlichen Liedertasel- lon fernhält und wie er um eine gediegene, vornehmere Ausdrucksweise sich bemüht. — Weniger gefiel uns der Mazurka für Violine, der übrigens von Herrn Langenhagen meisterhaft wiedergegeben wurde. — Der uns aus früheren Kirchenconeerten vorrheilhaft bekannte Baritonist Herr Petersen brachte zwei Lieder des Coneertgebers und eine Arie aus Marschners „Hans H^ling" zu Gehör. Er erfreute nicht nur durch den sympathischen Timbre seines gutgefchulten Organs, sondern auch durch seine manierfreie, musterhafte Aussprache des Textes und sein warmbeseeltes Ausdrucksvermögen. Drei weniger tonschöne und intonationsreine Stellen der „Heiling-Arie" (bei den „Gedanken" fassen mich die finsteren „Gewalten", treiben zu gräßlicher Rache mich „an") sind entschuldbar. In dem fieberhaft erregt dahin ^'lenden Allegro-Tempo unterbricht der Componist selbst die Melodie (im gewissen Sinne) und verfällt in den Redeton (gezeichnet durch das vierzehnmal hintereinander stehende c). Den Schluß des Coneerts bildete Traugott Ochs' „Deutsches Ausgebot", für Männerchor, Baritonsolo und Orchester. Hebet die Composition an sich können wir uns kurz fassen. Die Chöre und Solosätze enthalten recht frische, kräftige Musik, die in ihrer kurzen, knappen Form und durch ihre gesunde Natur das schwungvolle Gedicht Em. Geibels von der richtigen Seite faßt. Die Chöre waren gut etnstudttl und leisteten im Ganzen Erfreuliches. Schwung und Verve tm Vortrag legten den Schluß nahe, daß die Chormttglieder so recht mit Lust und Liebe an die Sache herangetreten sind und die einzelnen Schönheiten des Werks in sich ausgenommen haben. Der Verein Liederkranz dars aus den errungenen Erfolg stolz fein. Das Orchester spielte tm großen Ganzen becent. Nur hier und da hätte es mehr zurücktreten dürfen, so z. B. am Schluß des ersten Bariton- Solos („ausflammten die Feuer von Berg und Thurm ’c") be> welcher Stelle es dem Solisten schwer hielt, über' das allzustarke Forte des Orchesters Herr zu bleiben. Nach Schluß des Concertes versammelten sich Freunde des Herrn Dr. Stollbrock, sowie Musikliebhaber im kleinen Saale des Coneertloeals, um in gemüthlichem Zusammensein mit dem Scheidenden noch eine vergnügte Stunde zu verleben. Einige Solt und Chorlieder, vorgetragen von Herrn Petersen und den Mitgliedern des Liederkranzes, brachten angenehme Abwechslung und animine Stimmung, sodaß die Versammelten sich erst in später Stunde trennten. — Circus Kolzer. Wenn sich die Presse bei den Hin- weifen aus die Vorstellungen fremder Künstler eine gewisse Reserve in Bezug aus Lobeserhebungen auserlegt, so hat sie leider in sehr vielen Fällen genügend Grund dazu^ die ost mit vielem Geschrei angekündigten Leistungen entsprechen nur leiten den ^hatsachen. Um so erfreulicher ist es wieder für die Presse, wenn sie das, was angekündigt wird, in allen Teilen bestätigt findet. Diese letztere Wahrnehmung machten wir gestern beim Besuche des Circus Kolzer Die Leistungen der einzelnen Mitglieder der Künstlerqesellschast können wir hier nicht beschreiben — sie waren alle gleich vorzüglich —, wir wollen nur bemerken, daß uns gestern Abend mir in die Seele zuwider." — „Nun," wendet die Schwiegermutter ein, „Ihr könnt ja auch zu Hause bleiben." — Ja, wenn wir" — — „Wenn was?" — „Wenn wir nicht in demselben Hause wohnten, liebe Mama," sagte der Bräuiigam beh^zt mit liebenswürdigem Lächeln, „wenn wir nicht befurchten müßten, daß Sie, liebe Mama, in Ihrer unermüd- l.chcn Fürsorge..." — „Ach so," siel die Dame cm, „bas Q Nun darüber werden wir schon sprechen, wenn n>tr erst Wichtigeres abgcthan haben."--Die Trauunqs- fcier war vorüber, bas Festmahl im besten Gange. Die ^8*" „ c*cntc verschwanben unbemerkt unb begaben sich in ttjre Wohnung, um bie Fcsttoilette mit ben Relsckleibern zu vcrtauichen. D,e Hochzeitsreise war Alles in Allem buch bas kleinere Hebel. Da traten plötzlich bie Eltern ein, gc- llteselt unb gespornt, wenn man so sagen bars. Papa schwang ’?Cr Ausregung ein kleines Hanbkösserchen unb einen 431010 in ben Hänben, Mama war mit einer Reisetasche qe= Wmurft. „Ah, was bebeutet bas?" begrüßt sie der junge Ehemann, nicht ohne einen gewissen Anklang ängstlicher Sorge. — „Erschrick nicht, lieber Sohn," beruhigte ihn Mama, „wir fahren nicht mit Euch. Im Gegentheil, Ihr bleibt in Wien, Italienlnaii’en einen kleinen Ausflug nach SdnyysHacbricbten. 21 nt i»n L°^°mpftr .Noarbl-nb" bet „Reb Star Linie» in Newp°rk an"ek°mmen 7~ gpr“ 'n Auszug aus den StanOesamtsregiftern der Stadt Gießen. m lr , , Aufgebote. .. 1- Christoph Heinrich MalkemuS, Taglöhner dahier mit Katharina Elisabeth Stumpf hierfelbft. 4. Sylvester Freiherr von Autenried, Lieutenant dahier, mit Georgine Freiin Löw von und zu Steinfurth in Steinfurth, Kreis Friedberg. 5. Friedrich Kreuder ‘ F1«** CfI,,abe,& Bob ju Gießen 6. Iah' »Äon ®alS. ^"mine Margarethe Pauline QT t ^«heschlietznngen. mit »athnrin 6»?a*‘ ®fdf?rbornX Weißbinder und Lacktrer dahier, km/^dartne Kirchner hierielbst. 6. Wilhelm Peter Theobor Dörr iu«,r bteh« Ra6ler,' Ä^ntonie. Catharine Luise Jacobine Heinrich Damm. Hüttenarbeiter von Reiskirchen, mit Elssabetha Albach hterseidst 8. Heinrich Grün, Kellner von Bernsselb, mit Dorothea Puth hierselbst. 8. Wilhelm Lesch, Taglöhner dahier, mit Luise Katharine Müller hierselbst. U Geborene. aä>: ?8. Dem Conditor Hieronymus Heinrich Hettler eine pochier, Marie Emilie Henriette. 30. Dem Locomotivheizer Louis Jung eine Tochter, Minna Elisabeth. 30. Dem Schaffner Hermann Sf"!1 CJ”CL^ter, Emmy Au^tste. 30. Dem Thürmer Ferdinand em Sohn, Ferdinand Georg. 30. Dem Schwimmlehrer Andreas Rodel ein Sohn, Ernst Andreas. April: 1. Dem Schreiner Earl Kroh eine Tochter, Marte. 1. Dem Metzger Hermann Barth eine Tochter Helene. 2. Dem Vtcefeldwebel Friedrich Roth ein Sohn, ernfl Ludwig 2 Dem Metzger Adam Dietz ein Sohn, Wilhelm Ernst Carl. 4 Dem Buchbinder Christian Hermann Wagner eine Tochter Marie Emilie Henriette. 4. Dem Kaufmann Josef Sauer «ne Tochter. 4. Dem Handelsmann Isaak Walldorf eine Tochter, Ae'tha4. Dem Locomotivheizer Louis Wachenhaufen eine Tochter, Frieda Auguste 6. Dem Hilfsbremfer Ludwig Einheufer eine Tochters L D/m Schmied Friedr. Aug. Benk ein Sohn. 8. Dem Kaufmann Philipp Weiler ein Sohn, Max. Seftorbeue. ar ir r30- ®cor9 Nachtigall, 22 Jahre alt, Fuhrknecht dahier. ?P£ Wink, 66 Jahre alt, Weichensteller t. P. dahier. 1. Johs Schneider, 44 Jahre alt, Spenglermeister dahier. 2. Andreas Krug, 42 Jahre alt, Landwirth von Alsfeld. 3 Joh. Gg Leib 1 Monat alt, Sohn von Former Joh. Gg. Leib dahier. 3. Gottlieb drtustedt, 66 Jahre alt, Kupferschmied dahier. 4. Heinrich Freitag, aIt# Kaufmann dahier. 4. Heinrich Louis Gg. Stautz, 4 Monate alt, vohn von Metallgieher Joh. Gg. ©tauft dahier 5. Wilhelmine Johanna Marte Minna Roll, 38 Jahre alt. ledig dahier. 7. Johannette Hermanni, geb. LooS, 79 Jahre alt Wittwe ^Z^ungs-Assessor i. P. Louis Hermanni dahier. 7. Georg °"',^chteiner dahier. 8. Margarethe Schmidt, geb. Pfaff, 69 Jahre alt, Wittwe von Schneider Heinrich Schmidt III. dahier. 8. Marie Emilie Johannette Wagner, 4 Tage alt, Tochter von Buchbinder Christian Hermann Wagner dahier. Auszug aus den ^Kirchenbüchern der Stadt Gietzerr. Evangelische Gemeinde. Setraute. Den 6. April. Johann Georg Beimborn, Weißbinder und Lacktrer in G'eßen, und Katharine Kirchner, Tochter des verstorbenen MaurerS Heinrich Kirchner in Brauerschwend. Denselben. Heinrich Damm, Hüttenarbeiter in Reiskirchen, und Elisabeth Albach, Tochter deS Ackermanns Philipp Albach in Burkhardsfelden. Denselben. Wilhelm Peter Theodor Dörr, Hilfs-Telegraphist in Gießen, und Antonie Katharine Luife Jakobine Burger, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Heinrich Burger in Gießen Den 8. April. Heinrich Grün, Kellner, und Dorothea Puth, Tochter des Pumpenmachers Jakob Puth in Gießen. Getaufte. Den 3. April. Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geboren den 13. Marz. Denselben. Dem Fußgendarm Otto Weckmann ein Sohn, Otto, geboren den 7. März. Denselben. Dem Schreiner Hermann Hoffe eine Tochter Johanna, geboren den 19. November 1891.