1892 Samstag de» 8. Oktober ErftcS Blatt Nr. 235 Gießener Anzeiger Henerat-Anzeiger. Fmüprechrr 61. Webaction, Expedition und Druderet: vicrteljähriqcr AVonukmeutspretsr 2 Maik 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf-. Der fcüjfiter Anzeiger erscheint täglich, erit Ausnahme deS Montags. Die Gießener M« mitten S kälter Werben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Aintr» ttttb Anzeigeblntt für den ICreis <^iefze». | Kr-ti-iieitag-- Hich-n-r KamitienKkätt«. | Deutsches Reich. Berlin, 6. October. Das osficielle Programm für den bevorstehenden Besuch Kaiser Wilhelms am Wiener Hose ist nunmehr endgiltig sestgestellt worden. Kaiser Wilhelm trifft am 11. October Mittags aus dem Nordbahnhose in Wien ein, wo ihn Kaiser Franz Josef und die Erzherzöge empfangen. Alsdann begibt sich der hohe Gast nach Schloß Schönbrunn, wo Abends Familientasel stattfindet. Abends ist Festvorstellung im Hos-Opern-Theater. Für Mittwoch Vormittag und Donnerstag Vormittag sind Jagdausflüge in Aussicht genommen, an den Nachmittagen beider Tage finden wiederum Diners in Schönbrunn statt, an dem dazwischen liegenden Abend ist Festvorstellung im Hosburgtheater. Am Donnerstag Abend tritt Kaiser Wilhelm die Rückreise an. — In Berlin sand am Dienstag eine Besprechung in Sachen der Tabaksteuerfrage zwischen Vertretern der Reichsregierung und der preußischen Regierung einerseits und hierzu eingeladenen hervorragenderen Tabakindustriellen Deutschlands anderseits unter Vorsitz des Secretärs des Reichsschatzamtes v. Maltzahn statt. Der Verlauf der Conserenz soll gezeigt haben, daß die Regierung zu einer stärkeren Besteuerung des Tabaks entschlossen ist und nur noch darüber Zweifel hegt, aus welche geeignetste Weise die Erhöhung der Tabaksteuer durchzusühren sei. — Die Cholera in Hamburg hat endlich soweit abgenommen, daß der Senat beim Reichsgesundheitsamte beantragen will, Hamburg wieder als seuchensrei zu erklären. — Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 5. bis 6. October, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle: 1 Todesfall. Hamburg O r t Erkrankungen: 2/10. 26 12 3/10. 43 Datum 4./10. 30 Fiddichow 11 21 Hamburg Preußen Schleswig Stettin 5./10. c ? £ Staat und Bezirk Regierungsbezirk Stettin: in der Stadt Altona Rendsburg Stettin Vereinzelte Regierungsbezirk Stade: in je einem Orte der Kreise Jork und Kehdingen 1 Todessall. Stadt Berlin: 1 Erkrankung. Regierungsbezirk Potsdam: in einem Orte des Kreises Niederbarnim eine tödtlich verlaufene Erkrankung. Rouefte Nachricht«,»». Wolffs telegrophisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 6. October. Es sind bis jetzt einige sechzig österreichische Distanzreiter hier eingetroffen. Mit besonderer Genugthuung wird in dem plötzlich von der Sportlust ergriffenen Berlin die Thaisache begrüßt, daß ein deutscher Reiter, Premierlieutenant Freiherr v. Reitzenstein, der zweitbeste in dem Wettkampf geworden ist. Der Kaiser selbst Hal telephonisch den am Zielpunkt im Steuerhäuschen versammelten Offizieren die ihm aus Wien depeschirte Nachricht mitgetheilt und dabei auch erwähnt, daß Reitzenstein sich in der letzten Nacht im Nebel verritten und dadurch 50 Km. verloren hat- er würde sonst aller Voraussicht nach erster geworden sein. Der österr.-ungarische Lieutenant Miklos ist nun dritter, vierter ist wieder ein deutscher Offizier, Hauptmann Förster. Hamburg, 6. October. Eine auf gestern Abend ein« berufene große Versammlung von Gewerbtreibenden, die Schritte berathen wollte, um dem nothleidenden, bessergestellten Theile der Bevölkerung eingehendere Unterstützung zu verschaffen, wurde aus Antrag der Gesundheits-Commission polizeilich verboten. Die Commission betrachtet überhaupt die großen Versammlungen als gesundheitsgefährlich. Die erschienenen Theilnehmer mußten unverrichteter Sache umkehren. Wien, 6. October. Heute Nachmittag waren die deutschen Offiziere zu einem gemeinsamen Diner im Hotel „Bristol" versammelt. Als Gäste waren grXafcf* das Präsidium des Distanzrltt-Comiles, sowie zahlreiche österreichische Offiziere. Die Abends bereits hier eingetroffenen deutschen Distanzreiter wohnten fast vollzählig der Vorstellung im Burgtheater bei. Die Ringstraße bot Nachmittags infolge der Anwesenheit der deutschen Offiziere ein ganz verändertes Bild. Sie veranstalteten vom Prater aus, die ganze Ringstraße entlang, bis in die späte Abendstunde einen lebhaften Corso, fortgesetzt äußerst sympathisch vom Publikum begrüßt. Daß Pferd Reitzensteins hat sich durch Cognaclabungen wieder erholt und befindet sich in verhältnißmäßig guter Condition. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 6. October. Der Bundesrath ist heute zu der ersten Sitzung nach den Ferien zusammengetreten. Zur Verhandlung stand unter Anderem die Novelle zum Militärpensionsgesetz, ferner Anträge Bayerns, betr. das Ausscheiden der bayerischen Staatsbaubetriebe aus der Tiefbau-Beruss- genossenschast und Abänderung des Zollverwaltungskostenetats für Bayern. Vor der Plenarsitzung hatten die Bundesrathausschüsse für Justizwesen, Handel und Verkehr Sitzungen abgehalten. Berlin, 6. October. Der „Reichsanzeiger" meldet, die Vorarbeiten für die deutsche Abtheilung der Weltausstellung in Chicago seien soweit gediehen, daß sich der Reichscommissar nebst mehreren Mitarbeitern Ende November ober Anfang December nach Chicago begibt. Berlin, 7. October. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Wien gemeldet wird, ist Prinz Leopold von Preußen an einer Halsentzündung erkrankt. Frankfurt a. M., 6. October. Bei der heutigen Ersatzwahl der Wahlmänner für die Landtagswahlen waren 70 Ersatzwahlen vorzunehmen- 2 Ersatzwahlen kamen nicht zu Stande. Es wurden 44 demokratisch-freisinnige und 24 nationalliberale Wahlmänner gewählt. Dadurch ist die Wahl des freisinnigen Herrn Stadtverordneten Karl Funck, welche am 13. October stattfindet, gesichert. Hamburg, 6. October. Die Stadtviertel Veddel und Finkenwärder sind seit 4 Tagen cholerafrei. Wilhelmshaven, 6. October. Der Kaiser sandte anläßlich des Ablebens des Viceadmirals Deinhard an Admiral Golz ein Con d o lenz sch reib en. München, 6. October. Der amtliche Saatenbericht pro September constatirt aus den rückständigen Gegenden eine gute Getreideernte, eine allgemein gute Wintersaatbestellung und mit verschwindenden Ausnahmen auch eine gute Saatenentwickelung. Niederbayern, die fränkischen Kreise und Schwaben erstatten vorzügliche Berichte. Theilweise wird über Schnecken- und Mäusesraß, geringen Kartoffelertrag auf dem Sandboden, Futtermangel und in Oberfranken über die Hopfenernte geklagt, über Obst durchgängig mit Ausnahme Schwabens. Die Frankenweinberge geben wenig Trauben und hatten eine ungleiche Traubenentwicklung. Viele Weinberge sind wegen schlechten Hanges vernachlässigt. Brüssel, 7. October. Die Cholera gilt für Brüssel und dessen Bannmeile für erloschen. ©ent, 7. October. 2 Erkrankungen, 1 Todesfall. Antwerpen, 7. October. Sämmtliche noch hier liegenden Cholerakranken befinden sich auf dem Wege der Befferung. Seit drei Tagen sind keine neuen Fälle mehr vorgekommen. Die ausländischen Consuln berichteten sämmtlich, daß die Cholera hier für überwunden gilt. Amsterdam, 7. October. 5 Erkrankungen, 2 Todesfälle. Feuilleton. Soldatenlied e. Erzählung aus dem Krtegsjahre 1870/71 von Earl Cassan. (3. Fortsetzung.) Endlich trat auch die schöne junge Dame ein, bei deren Anblick Arthur stark erröthete. Sie war ganz erstaunt, den Offizier von heute Nachmittag vor sich zu^ sehen. „Ich hatte keinen Gedanken daran, Sie wiederzusehen," sagte sie mit ihrer melodischen Stimme, „und jetzt will es das Schicksal, daß ich Sie in so kurzer Zeit zum zweiten Male begrüßen darf." „Kennst Du denn den Herrn?" fragte Herr v. Vtlneuve auf Französisch seine Tochter ganz erstaunt, woraus diese mittheilte, daß ihr Gast der freundliche Offizier von heute Nachmittag fei, der ihnen endlich genaue Nachrichten über den kläglichen Verlauf deS Rheinfeldzuges gegeben. Man fei ihm zu Dank verpflichtet. Hieraus bat Arthur, der sich in einer peinlichen Lage befand und gar zu gern den Namen der jungen Dame gewußt hätte, um Vorstellung, woraus der Schloßherr sagte: „Meine Tochter Cäcilie, mein Sohn Robert!" Der junge Mensch verbeugte sich steif und ging dann mit finsterem Gesichte davon. Das Abendessen war zu Ende, nicht aber die Unter- Haltung. Die Herren griffen zur Havannah, Cäcilie zu einer feinen Handarbeit. Dann nickte der alte Herr ein und der junge Offizier schlug noch eine Promenade durch den Park vor, welchen Vorschlag Cäcilie annahm. Hier wandelten die beiden in den hübschen Kieswegen hin und her und der Mond leuchtete dazu so milde, als ob es auf Erden keine Thränen und kein Elend gäbe. DaS Gespräch der jungen Leute war ein sehr animirtes und drehte sich um diejenigen heiligen Dinge, die einen denkenden Kops oft bewegen, um Gott und Ewigkeit. Cäcilie erzählte auch, daß ihre Mutter längst unter dem kühlen i Grabhügel ruhe, daß ihr Vater mit großer Zärtlichkeit an seinen beiden Kindern hinge, daß Robert aber ein verschlossener Character sei, der wenig mit ihm fympathisire. Ost, wenn der junge Offizier sprach, stand sie verwundert stille und sah zu ihm hinaus, denn sie reichte mit ihrer zarten, elfenartigen Gestalt kaum bis an feine Schultern, und ihre Augen ver- riethen dann ein wirkliches Entzücken. So durchwanderten sie den Garten mit feinen Statuen, Springbrunnen und Teichen. War es denn möglich, daß es auf der Erde eine Fülle von so viel Schönheit und Liebenswürdigkeit in einer Person wie in diesem jungen Mädchen vereinigt gab? Plötzlich stand in der Nähe des Hauses Robert Vilneuve vor ihnen und rief: „Cäcilie, komm, es ist Zeit!" Er sagte es hämisch, säst beleidigend. Arthur that, als hörte er es nicht, sondern entgegnete: „Mein Herr, Ihre Schwester war tn guter Gesellschaft!" „Ohne Zweifel," erwiderte jener boshaft. „Aber dennoch, sage ich, ist es Zeit zum Schlafengehen. Entschuldigen Sie meine Aufregung! Ich bin betrübt über mein Vaterland, wie alle meine Nachbarn, sehr betrübt über da- allgemeine Unglück!" Er hatte schon Cäciliens Arm ergriffen- diese aber nahm mit einem freundlichen „Gute Nacht, mein Herr!" Abschied. In der Eingangsthür aber stand ein grauköpfiger Diener, den vielarmigen Silberleuchter mit brennenden Wachskerzen in der Hand haltend, und sagte deutsch zu Arthur: „WennS gefällig ist, Herr Lieutenant, so zeige ich Ihnen Ihr Zimmer!" „Ei, Sie sprechen deutsch?" frug der junge Offizier. „Ich bin ein geborener Elsässer, auS Mühlhausen, und spreche gern deutsch, Monsieur," erwiderte der Diener. „Sehen Sie einmal nach, wo Berger, wo Rößler, mein Bursche und mein Corporal, schlafen." „Hier, Herr Lieutenant, nebenan bei Ihnen - Sie brauchen nur zu rufen, haben aber nichts zu befürchten, so lange der alte Baptiste wacht!" „Sie heißen Baptiste? — Hier!" Er reichte ihm ein Goldstück. „Erzählen Sie mir etwas von Fräulein Cäcilie!" „O, Herr Lieutenant, die ist ein Engel und eine tüchtige Hausfrau dazu - feit dem Tode unserer gnädigen Frau leitet sie alles im Schlosse allein und weiß jeden Anspruch des alten und des jungen Herrn zu befriedigen." „Wecken Sie mich früh sechs Uhr, Baptiste! Pflegt das Fräulein srüh spazieren zu gehen?" Der Alte lächelte leicht. „Jeden Morgen, gnädiger Herr! Uebrigens spricht Fräulein Cäcilie auch deutsch!" „Und das sagen Sie mir erst jetzt?" Der Alte wurde ernst. „Wir vom Hause Vilneuve billigen den Rassenhaß zwischen Deutschen und Franzosen nicht, der jetzt in Frankreich gepredigt wird, nur der junge Herr Robert ist etwas ans der Art geschlagen — doch bonne nuit!“ „Gute Nacht, Baptiste!" Arthur vom Busch konnte lange nicht einschlafen, denn tausend tolle Gedanken fuhren ihm durch den Kops und halb träumend, halb wachend lag er auf seinem Lager. „Willst Du Dein Herz mir schenken." klang eS dabei durch feinen Traum, und dann sah er sich mit weißen Rosen umgeben. Erst gegen Morgen war sein Schlummer ruhiger. Am anderen Morgen stand der junge Osfizier beim ersten Pochen deS Dieners Baptiste auf. Schnell war er angekleidet und dann ging er in den herrlichen Park. Da, o freudiger Schrecken, sah Arthur das schöne Schloß- fräulein schon aus der Terrasse sitzen. Sie erröthete leicht, Paris, 7. October. 22 Erkrankungen, 5 Todesfälle. Havre, 7. October. 4 Erkrankungen. Rouen, 7. October. 1 Todesfall. Sitzung -er Sta-tveror-neten am 6. Octobcr 1892. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Adami, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Köber, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Nach dem über das Gas - undWasserwerk vorgelegten Rechnungsabschluß nebst Vermaltungsbericht hat im Jahre 1891/92 das Gaswerk 23 715 Mk., das Wasserwerk 6786 Mk. Gewinn ergeben. Der Reingewinn vom Gaswerk ergab ein Mehr von 8715 Mk. gegen das Vorjahr oder 29028 Mk., wenn nichts amortiflrt würde. Die Betriebs- überschüffe des Gaswerks sollen an die Stadtkasse überführt werden, wogegen die Ueberschüffe des Wasserwerks zu erhöhter Schuldentilgung Verwendung finden sollen. Aus den Betriebsergebniffen der beiden Werke dürste von weiterem Interesse sein zu erfahren, daß das Gaswerk 768 000 Ebm. Gas erzeugte,- die Zahl der Privatabnehmer belief sich aus 554 mit 8315 Flammen,- im Gebrauche sind 615 Gasmesser, in Privatbetrieb 25 Gasmotoren mit 53J/2 Pserdekräften. Die Zahl der Straßenlaternen beträgt 467, darunter 161 Richtlaternen. Die Einnahme aus Gas bezifferte sich aus 108 454 Mk., diejenige aus Gaseinrichtungen auf 21 504 Mk. Die Ausgabe für Gaskohlen belief sich aus 59 207 Mk. — Was das Wasserwerk betrifft, so sind im Berichtsjahre zu- gefloffen 230 580 Ebm. Wasser — 630 Ebm. täglich, davon wurden abgegeben an Private 96 486 Ebm., für öffentliche Zwecke 59 600 Ebm., der Selbstverbrauch betrug 10200 Ebm., der Verlust 23 060 Ebm., der Ueberlaus 41 430 Cbm. Die Selbstkosten des zugeflossenen Wassers berechneten sich aus 33 484 Mk. oder 14^/z Psg. pro Cubikmeter, des verkauften Wassers auf 21.45 Psg. pro Cubikmeter. Die Zahl der Häuser-Anschlüsse stieg auf 621. Der von Privaten erhobene Wasserzins hat sich gegen das Vorjahr um 2728 Mk. erhöht. Die von der Deputation für das Gas- und Wasserwerk geprüfte Rechnung wird nicht beanstandet und dem Anträge entsprechend dieselbe einschließlich der nöthig gewordenen Credit- Überschreitungen genehmigt. Hinsichtlich der geplanten Ausdehnung des Wasserwerks durch Aufschließung neuer Quellen theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß der zu diesem Zwecke berufene Ingenieur Schmidt aus Frankfurt a. M. mit den Vorarbeiten bezw. Untersuchungen in der Umgegend begonnen habe. Die alljährlich vorzunehmende Festsetzung des Coaks- preise für die städtischen Anstalten wird dahin erledigt, daß beschlossen wird, eine Aenderung nicht eintreten zu lassen und die in Rede stehenden Coakspreise entsprechend denjenigen zu normiren, wie sie Abnehmern von über 200 Centnern (10 Psg. pro Centner billiger wie sonstige Käufer) in Anrechnung gebracht werden. Der Bedarf an Coaks für die städtischen Anstalten ist mit 5075 Centner für das kommende Jahr angenommen. Zufolge Gesuchs des Herrn Fabrikanten H. Schassstaedt um Versehung der Schanzenstraße mit Gas und Wasser wird unter Genehmigung des Kostenvoranschlags beschlossen, die hierzu erforderlichen Leitungsröhren bis an die Schaffstaedt'sche Hofraithe legen zu lassen. Dem Gesuche um Ausdehnung der Wasserleitung bis zum Weidig'schen Wohnhause in der Sonnen st raße wird ebenfalls stattgegeben. Nachdem durch wiederholte Analysen sich ergeben, daß das Wasser einer großen Anzahl städtischer Pumpbrunnen für den menschlichen Genuß theils schädlich, theils nicht empsehlenswerth ist, hatte die Versammlung darüber zu be- als sie seinen Schritt hörte und aufblickte. Aber lächelnd streckte sie ihm dann die Spitzen ihrer zarten Hand entgegen, die er galant küßte, und freundlich erwiderte sie seinen Gruß. „Wie haben Sie geschlafen, Mademoiselle?" „Gut, mein Herr, und Sie selbst?" „Ich habe viel wunderbares Zeug geträumt. Aber der Mittelpunkt aller meiner Träume, entschuldigen Sie, daß ich es zu sagen wage, mein Fräulein, waren Sie, Sie aani allein!" 9 ö „Sie wollen mir schmeicheln?" „Nein, im Ernst," entgegnete er und verfiel unwillkürlich m fein geliebtes Deutsch, „es ist so! Das hat aber eine eigentümliche Bewandtniß." Und nun fing er an zu erzählen von der deutschen Heirnath und vorn Schloß Langenhausen, von dem Bilde mit der sonderbaren Sage, die sich daran knüpfte, und den Versen: „Willst Du Dein Herz mir schenken, L>o sei's für mich auch ganz allein; Ich will mich drein versenken Und bin für Ewigkeiten Dein!" Plötzlich unterbrach er sich mit der Frage: „Verstehen Sie mich auch, Fräulein?" „O ja," entgegnete sie hierauf deutsch, und ihm klang es wie Sphärenmusik, „ich spreche auch etwas deutsch- mein Vater hört es sehr gern, nur Robert kanns nicht leiden' Doch erzählen Sie weiter." Er war bald zu Ende. '/3a'" entgegnete sie leise, „das ist wirklich sonderbar' Laut einer alten Teslamentsbestimmuug heißt dieses Schloß auch Maieon-longue, das heißt auch Langenhausen. Unsere Urahne soll auch eine Deutsche gewesen sein und ich besitze ihr Bild aus einem Sillck Elsenbein. Darunter stehen ganz dieselben Verse, die ich von Ihnen hörte. Entschuldigen Sie einen Augenblick." (Fortsetzung folgt.) schließen, in welcher Ausdehnung borgegangen werden solle, um eine Verbesserung des Wassers herbeizuslihren. Die Ursache der Wasserverderbniß in den ösientlichen Pumpbrunnen liegt nach dem Ergebniß der Untersuchiing im Zustande der Brunnen selbst- das schadhafte Mauerwerk der Schächte ermöglicht den Zutritt von Schmutzwasser und sonstigen schädlichen Substanzen. Es ist zur Verhütung der Verunreinigung der Brunnen von Außen empfohlen worden: Anlage eines 50 Ctm. starken Lettenmantels um die Schächte, Erneuerung der Rahmen und Deckplatten, Herstellung eines die Brunnen umgebenden, dichter schließenden Pflasters, Entleerung der Schächte zwecks Untersuchung der Sohle und des Wassers, Anlage von Filterschichten. Die Kosten dieser Arbeiten sind veranschlagt auf Mk. 2382 und als der Ausbesserung und Reinigung bedürftig erachtet worden folgende Pumpbrunnen: 1) an der Verbindung zwischen der Franksurterstraße und dem Bahnhof, 2) am Teufelslustgärtchen, 3) im Hospitalhos, 4) am Eingang zur Wettergasse und Mäusburg, 5) in der Sandgasse, 6) an der Schule am Asterweg, 7) in der Neustadt am Gatl'schen Hause, 8) an der Obermühle, 9) in der Wetzsteingasse, 10) an der höheren Mädchenschule, 11) am Schulhaus in der Schulstraße, 12) im Hofe der Bürgermeisterei, 13) im Hofe des Polizeiamts, 14) im Hose der Realschule, 15) am christlichen Friedhof, 16) am israelitischen Friedhöfe, 17) im Philosophenwaid- das Wasser des Jughardtsbrunnens am Seltersweg wurde als gut bezeichnet. Die Deputation Hal beantragt, Von den hier aufgesührten Brunnen erst diejenigen behufs Herstellung auszusuchen, bei denen ein öffentliches Interesse vorliegt, je nach dem Erfolg der Herstellungsarbeiten sollen dann die übrigen der Verbesserung unterzogen werden. Es wird sonach nach eingehender Besprechung, an welcher sich die Herren Scheel, Heyligenstaedt, Jughardt, Wallenfels, Hornberger, Schopbach, Beigeordneter Georgi, Director Bergen, sowie Oberbürgermeister Gnauth betheiligen, beschlossen, demnächst im Sinne der Verbefferungsvorschläge herzustellen die Brunnen am Verbindungsweg zwischen Franksurterstraße und Bahnhof, am Teufelslustgärtchen, im Hospitalhofe, am Eingang der Wettergaffe und Mäusburg, in der Sandgaffe und am Schulhaus am Asterweg. Der auf die hier genannten Brunnen entfallende Kostenantheil von Mk. 1027 wird bewilligt. Das Gesuch des Herrn Gärtner Carl Becker um Erlaubniß zur Erbauung eines weiteren Gewächshauses am Schiffenberger Weg soll ausnahmsweise (der Lage des geplanten Gebäudes in einem noch nicht zur Bebauung bor- gesehenen Stadtheil wegen) befürwortet werden. Bezüglich des Gesuches des Herrn Wilh. Gail um Erlaubniß zur Erbauung einer Aufseherwohnung bei der Dampsziegelei wird beschlossen, auf die ursprünglich bor- geschriebene Parallelstellung des betr. Gebäudes zum Erdkauterweg zu verzichten. Zu dem Gesuche einer Anzahl Einwohner des Kirchen- Platzes, der Sch lo ß g ässe und der C ap laneig a ss e um Herstellung eines besseren Wasserabflusses längs ihrer Häuser wird der Antrag der Baudeputation angenommen, »ach welchem eine Aenderung des bermaligen Zustandes bis jur Entscheidung über die Frage einer systematischen Entwässerung der Stadt (Canalisation) nicht borgenommen werden soll. Die in einer besonderen Eingabe der Herren Buchhändler Ferber und Apotheker Roth beschriebene Mißständig- keit der Gosse bor ihren Häusern liegt mit an dem Mangel erhöhten Trottoirs, tm übrigen seien die Uebelstände in den borgenannten Straßen nicht schlimmer als in anderen Stadtteilen, bezüglich deren Beschluß wegen Verbesserung der Wasserabsührung ebenfalls bis nach Entscheidung über die Frage der Canalisation ausgesetzt sei. Der bon den Petenten in Anregung gebrachten Anlage einer Rohrleitung über den Kirchenplatz nach der Stadtbach hinter der Kirche sei eine Rohrleitung nach dem Lindenplatz, weil kürzer, borzuziehen, zu einer solchen könne sich aber borerft die Stadt, eben in Rücksicht auf die Frage der Canalisation, nicht entschließen und solle es deshalb den Interessenten anheimgestellt werden, dieselbe auf ihre Kosten (ca. 6—700 Mk.) Herstellen zu lassen. Der vor einiger Zeit bei einer Offenbacher Firma nach borher eingesandtem Muster bestellte Rettungsschlauch für die Freiwillige Feuerwehr ist nicht mustermäßig ausgefallen, weshalb aus Antrag der Feuerlösch-Commission beschlossen wird, einen anderen bei der Firma W. Fuchs in Halberstadt zum Preise bon 195 Mk. zu bestellen. An den Sätzen für die alljährlich sestzustellenden Löhne und Fuhrkosten bei Waldculturarbeiten soll für das Jahr 1893/94 nichts geändert werden- die Tagelöhne betragen sonach für männliche Arbeiter 2 Mk. im Sommer, 1.60 Mk. im Winter, für weibliche Arbeiter für das ganze Jahr 1.20 Mk. Für Fuhren werden bergütet pro Tag 6 Mk. für einen mit einem Pferde oder zwei Kühen, 10 Mk. für einen mit zwei Pferden oder zwei Ochsen bespannten Wagen. Unter „Decretur bon Kostenrechnungen" wird eine vom Ortsgericht eingegangene Ausstellung, unter „Sachliche Kosten der Poltzeiverwaltung" die Kosten für Reparatur zweier in Benutzung der Polizei befindlicher Fahr- rader, unter „UneinbringlichePostenundNachlässe au« dem Rechnungsjahr 1891/92" die Streichung einiger derartiger Posten genehmigt. Unterm 28. August hat das Großh. Kreisgesundheitsamt mtttelft Schreibens angesichts der Choleraepidemie aus die Gefahr der Verwendung des Wieseckwassers aufmerksam gemacht unb, besonders gewarnt vor dem Ausspülen bereits gekochter Wäsche, dem Auswaschen der Zimmer u. s. w. mittelst dieses Wassers- das Kreisgesundheitsamt hat danach den Erlaß eines entsprechenden Verbots beantragt. Großh. w°Stiel“mt b“raul bcn im Sinne des gesundheitsamtlichen Antrags ausgearbetteten Entwurf borgelegt. Man hat sich weder '» der Bau- noch in der juristischen Deputation für em unbedingtes Verbot der Benutzung des Wieseckwassers ausgesprochen- das Vielfach zum Spülen und Waschen benutzte Wasser des Stadtbaches und des Stadtringgrabens sei mindestens ebenso gefährlich, wenn nicht gefährlicher als daö Wicseckwasser, dessen Benutzung zur Wäsche und Bleiche der Einwohnerschaft zur Gewohnheit geworden- es lasse sich aber auch schwer die Frage beantworten, womit solle man waschen und bleichen oder wo das zur Begießung der Gärten rc. nöthige Wasser hernehmen u. dergl. m. Dem Polizeiverbot wird schließlich nach Annahme einiger von den beiden Deputationen vorgeschlagenen Aenderungen insoweit zugestimmt, als das Verbot der Entnahme von Wicseckwasser erst dann erlassen werden soll, falls wirklich Fälle von Cholera oder ähnlichen Krankheiten eintreten, das Verbot soll aber wieder aufgehoben werden, sobald die Krankheit erloschen ist. Dagegen sollen Stadtbach und Stadtringgraben dauernd geschlossen werden, sobald Jnfectionskrankheiten sestgestellt sind. Die Verwendung von Kindern zum Verkauf und Umhertragen von Backwaaren, Blumen und sonstigen Waaren hat Großh. Polizeiamt veranlaßt, der Stadtverordneten-Versammlung den Entwurf eines den Handel der Kinder theils verbietenden, theils für gewisse Gegenstände einschränkenden Polizei-Reglements vorzulegen. Die namentlich in sittlicher Beziehung hervortretenden Schäden des Feilbietens von Waaren durch Schulkinder hat die mit Prüfung des Entwurfs betraute juristische Commission nicht verkannt, sie hat aber gleichzeitig die Streichung einiger Bestimmungen beantragt, für deren Anwendung nach den jeweiligen örtlichen Verhältnissen keine Veranlassung vorliegt. Durch das betreffende Reglement soll lediglich der Verkauf von Backwaaren, Blumen und Kurzwaaren durch Kinder unter 14 Jahren, besonders durch Schulkinder, verboten werden. Zur Aufnahme weiterer Bestimmungen über die Verwendung von Kindern unter 14 Jahren zu Schaustellungen u. s. w. lag nach fernerer Erklärung der Commission kein Anlaß vor, da einer derartigen Verwendung schon durch die Reichsgewerbeordnung vorgebeugt ist. Die Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich mit Annahme des Entwurfes, wie er aus der Commissionsberathung hervorgegangen, einverstanden. (Schluß folgt.) totales rind provinzielles. Gießen, 7. October 1892. — Verhaftet wurde gestern ein Dienstmädchen, das seiner früheren Herrschaft mittels Nachschlüssels einen größeren Geldbetrag entwendet haben soll, und ein Taglöhner wegen Zechprellerei. — Falsche preußische Thalerftücke mit dem Münzzeichen A nnd der Jahreszahl 1861 befinden sich seit einiger Zeit im Umlauf. Die gefälschien Geldstücke sind an ihrem Mindergewichte, dem bleiernen Glanze und fast glattem Rande von den echten Thalern leicht zu unterscheiden. Aus Garbenteich, 5. October, erhielten wir nachstehende Mittheilung: In No. 534 des „Reichsherold" erschien eine Annonce über die hiesige Gemeinderathswahl, worin eine Anzahl Wähler als Sozialdemokraten bezeichnet wurden, welche bedeutend agitirt hätten, um zum Siege zu gelangen. Die heute stattgefundene Bürgermeisterwahl zeigt jedoch, daß dem nicht so ist und Einigkeit und Frieden unter den Bürgern dahier herrscht. Wir möchten dem Artikelschreiber den Rath ertheilen, in Zukunft mit seinem Urtheil nicht so voreilig zu sein und es zu unterlassen, einen Keil zwischen den Frieden der Bürger zu treiben. Ostheim, 6. October. Die hiesigen Gemeindeobstanlagen, welche schon eine lange Reihe von Jahren, Dank unserem tüchtigen Bürgermeister Herrn Schneider, als mustergültig bezeichnet werden können, haben auch in diesem Jahre, wo m hiesiger Gegend der Obstsegen als ein nicht allgemein reicher zu bezeichnen ist, trotzdem wieder einen recht hübschen Ertrag für unsere Gemeindekasse ergeben. 1240 Mark war der Erlös für versteigertes Gemeindeobst. Darmstadt, 6. October. Am 19. und 20. October findet hier im städtischen Saalbau bte Allgemeine Conferenz der deutschen Sittlichkeitsvereine statt. Bürstadt, 6. October. Heute beim Morgengrauen wurde ein junger Mensch von 18 Jahren auf der Straße in seinem Blute tobt aufgefunben. Mehrere töbtliche Messerstiche haben seinem jungen Leben ein jähes Enbe bereitet. Von der Stelle, an welcher ber Stahl ihn traf, schleppte er sich ungefähr 50 Meter fort, wo er tobt liegen blieb. Fünst hoffnungsvolle Bürschchen von 15 bis 18 Jahren wurden heute Nachmittag auf dem Rathhause verhört und nach Lorsch abgesührt. vermischtes. * Es lebe die Concurrenz! In Treuen machte eilt Kaufmann bekannt: „Jedem mich beehrenden Kunden werde ich mit einer Tasse Kaffee uud einem Stückchen Kirmeskuchen auswarten. Um ihn zu übertrumpfen, zeigt nun ein Con- current an: „Jeder Besucher meines Geschäfts erhält eine der Größe der Einkäufe entsprechende Bratwurst !" * Braut bleibt Braut! In einem Geraer Blatte befinden sich zwei curiose Anzeigen. In einer Nummer wirb mitgetheilt: Meine Verlobung mit Fräulein Emma Ziegler erkläre ich seit ber schriftlichen Mittheilung vom 8. August trotz ihrer Weigerung für aufgehoben. Richarb Jörk. — In ber barauf folgenben Nummer: Berichtigung. Ich erkläre hiermit, baß ich mit ber Verlobungsaufhebung des Herrn Jörk nicht einverstanden bin. Ich bin unb bleibe noch bie Braut. Emma Ziegler. * Lüttich, 6. October. Ein Attentat gegen ben Postwagen würbe in ber Mitte ber Stabt verübt- es war aus bie Werthsachen abgesehen, welche vom Bahnhof nach bem Postbureau per Wagen gebracht werben. Der Attentäter erbrach eine Werthkiste mit einem Brecheisen und raubte 100000 Francs, welche er, als er verfolgt würbe, wegwarf. Er heißt angeblich Grase, ist aus Bayern unb gestand ein, seit Jahren vom Diebstahl zu leben.