Mr. 156 Freitag den 8. Juli 1892 Der {frifjtetr erlAemt täglich, mir Ausnahme bei Montag». Die Gießmer •erben dem A«t"ger Wöchentlich brtieal britdegL Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. vierteljähriger Köi»«ne«e»LspreiO i 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: -chntstrateAr.F. Fernsprecher 51. Amts- und Zlnzeigeblutt für den "Kreis Gieren. ■■J.U --— 1 —■ .■ .a.T' -- -- ' - _ ■■ .... ■■«■IM II — ®ene6mt 80" dlnzeige« zu der Nachmittags für den (Arflf Mt «naoncen-vureanx des In. uub Lllslandes nehm« folgenden Tag erscheinenden Nummer dis Bonn. 10 Uhr. ^UUl&UtlUigC. ^amUienUlUUCi; »,z.igen für den .Gießener Anzeiger- entgegen. Aintlichev Lhcil. Bekanntmachung, 6etr. die Maul- und Klauenseuche unter den Schafherden zu Watzenborn-Steinberg. Nachdem die unter den Schafherden zu Watzenborn- Steinberg ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben. Gießen, den 5. Juli 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, am 6. Juli 1892. Betreffend" Die Ausführung der Novelle zum Kranken- versicherungsgesetz, hier die Feststellung und periodische Veröffentlichung der ortsüblichen Tagelöhne. . , . Das Großherzogliche Kreisamt Gießen sm die Grptzh. Bürgermeistereien de» «reife». Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 31. Mai 1892 noch nickt entsprochen haben, werden an Erledigung derselben hierdurch erinnert. v. Gagern. Gießen, am 5. Juli 1892. Bet reff knd: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau. Das Grotzherzogllche Krelsam Gießen an die Großherzsglichen Bürgermeistereien Mendorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf Gill, Eberstadl, Grotzen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Ach, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Roberts. hausen, Rodheim, Steinhrim, Trais-Horloff und Utphe- Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August .1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergeffen ist. v. Gagern. Tabelle über die in der Gemeinde........vom .... 18 . . bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere. Namen der Besitzer Der kreptrten ober getödteten Thiere Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt feftgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Cü- daver. Gießen, am 6. Juli 1892. Betreffend: Die Ausführung des Jnvaliditäts. und Alters- versicherungsgefetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien de» «reise». (X Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 4. Juni 1892 noch nicht nachgekommen sind, wollen derselben baldigst entsprechen. v. Gagern. Lehrkl-Conferenz des Konferenz-Bezirks Gietzen. Mittwoch den 13. Juli, Vormittags 10 Uhr, in Gießen (Lieder 65, 142, 185); des Conferenz-Bezirks «ich—Hungen Donnerstag den 14. Juli, Vormittags 9 Uhr, in Hungen (Lieder 63, 95, 98);'. des Conferenz-Bezirks Grünberg Montag den 18. Juli, Vormittags 10 Uhr> in Grünberg (Lieder 33, 138, 190). ' Gießen, den 6. Juli 1892. Büchner, Schulrath. Deutsche- Reich. Berlin, 6. Juli. Die kurzen Meldungen, welche über die Fahrt unseres Kaisers entlang der norwegischen Küste eingehen, lassen erkennen, daß diese Seereise des hohen Herrn bis jetzt ohne irgendwelche Zwischenfälle verlaufen ist. Einen etwas längeren Aufenthalt unterwegs hatte der Kaiser nur in Drontheim genommen, wo der „Kaiseradler" und der „Siegfried" vom Montag Abend bis zum Dienstag Vormittag 12 Uhr verweilten. Alsdann setzten die kaiserlichen Schiffe die Weitersahrt nach Bodö, der am Saltenfjord malerisch gelegenen Hauptstadt des Amtes Nordland, fort. — Die Berliner Meltaus st ellungss rage ist durch die drohende französische Concurrenz acut geworden, ein Stadium, welches endlich das ernstliche Eingreifen der Berliner leitenden Kreise erfordert. Dasselbe macht sich denn auch nunmehr bemerklich, zunächst durch das Ersuchen des Reichskanzlers Grasen Caprivi an die verbündeten Regierungen, zu dem Plane einer in Berlin zu veranstaltenden Weltausstellung amtlich Stellung nehmen zu wollen. Außerdem fand am Dienstag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums unter Theilnahme des Reichskanzlers statt, die sich auf die Ausstellungsfrage bezogen haben soll. 'Es ist zu wünschen, daß die Gutachten der einzelnen Bundesregierungen über das Project so baltz_. ri * Berliner Zentralstelle eingehen, damit die Reichsregiermig auf Grund derselben alsdann sofort ihre weiteren Entschließungen fassen kann. Berliner Blätter rathen bereits zur Einberufung des Reichstages zu einer außerordentlichen Session in Sachen der Weltausstellung, indessen erscheint es noch fraglich, ob eine Mitwirkung des Reichsparlaments in der Sache so unbedingt geboten wäre. — Die Bismarckfehde scheint wider alles Erwarten doch ihren Fortgang nehmen zu wollen. Durch sein Organ, die „Hamb. Nachr.", antwortet der Altreichskanzler von Kissingen aus aus die wider ihn gerichteten scharfen Artikel der „Nordd. Allg. Ztg.", obwohl er hinsichtlich derselben zuerst gesagt haben soll: „Dor lach' ick öwer!" („Darüber lache ich!") Indessen dürfte die Form dieser jüngsten Veröffentlichung in dem Hamburger Blatte gegen jdie „Norddeutsche" schwerlich vom Fürsten Bismarck selbst herrühren, derselbe wird vielmehr nur die Gedanken geliefert haben, deren Ausarbeitung und äußerliche Gestaltung dann der Redaction der „Hamb. Nachr." überlassen blieb. Der Antwortartikel der „Hamb. Nachr." ist ebenfalls ungemein scharf gehalten und eine Replik der „Nordd. Allg. Ztg." hierauf steht darum mit ziemlicher Gewißheit zu erwarten. Daß man in den Kreisen aller wahren Vaterlandssreunde den Fortgang dieses ganzen Streites aufs Tiefste bedauert, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. — Ueber die Ursachen der überraschenden Versetzung des deutschen Botschafters bei der Pforte, Herrn v. Rado- witz nach Madrid tauchen immer neue Vermuthungen auf. So wird fetzt behauptet, die Versetzung des genannten hervorragenden Diplomaten vom goldenen, Horn nach der spanischen Hauptstadt besitze gar kein? besondere politische Bedeutung. Die Maßregel sei vielmehr aut den Umstand zurückzuführen, daß für Diplomaten der Aufenthalt in Madrid weit billiger sei, als in Konstantinopel, Herr v. Radowitz verfüge aber über kein Privatvermögen und mit seinem Gehalt von 120 000 Mark allein habe er das Deutsche Reich nach außen hin nicht würdig genug in dem theueren Konstantinopel vertreten können. Ob diese Version zutrifft, muß noch dahin gestellt bleiben, Thalsache ist indessen, daß der Nachfolger Herrn v. Radowitz' auf dem Stambuler Botschafterposten, Fürst Radolin, ein sehr großes Vermögen besitzt und darum das Deutsche Reich am Hose des Sultan allerdings weit glänzender repräsentiren könnte, als dies Herr v. Radowitz vermochte. Uebrigens .wird auch noch aus einem anderen diplomatischen Posten Deutschlands eine Veränderung ange- uudigt. Der Botschafter in Wien, Prinz Reuß, soll wegen eines vorgerückten Alters beabsichtigen, ins Privatleben zurückzutreten. Berlin, 5. Juli. Nach der dem Bundesrathe unterbreiteten Uebersicht der Ergebnisse des H e er es - Erg än- z/lngsgeschafts für das Jahr 1891 ist Folgendes feft- gestellt: In den alphabetischen und Restantenlisten werden geführt: 1,421,559 Mann. Davon sind als unermittelt in I den Restantenlisten geführt 43,144; ohne Entschuldigung ausgeblieben 108,553; anderwärts gestellungspflichtig geworden 359,313; zurückgestellt 483,455; ausgeschlossen 1245; ausgemustert 27,291; dem Landsturm ersten Aufgebots überwiesen 109,116, der Ersatzreserve überwiesen 87,421. Der Marine Ersatzreserve überwiesen: aus der seemännischen, bezw. halbseemännischen Bevölkerung 394, aus der Landbevölkerung 379. Ausgehoben 172,515; überzählig geblieben 15,664; freiwillig eingetreten 13,069. Von den Ausgehobenen traten in das Heer zum Dienst mit der Waffe 165,198; zum Dienst ohne Waffe 3600. In die Marine sind eingetreten: aus der Landbevölkerung 1779, aus der seemännischen und halb- seemännischen Bevölkerung 1938. Es sind ferner vyr Be-. ginn des militärpflichtigen Alters freiwillig eingetreten in das Heer 12,063, in die Marine 850. Wegen unerlaubter Auswanderung sind verurtheilt: aus der Landbevölkerurg 18,964, aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 366» Noch in Untersuchung befinden sich aus der Landbevölkerung 14,889 und aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 299. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 6. Juli. Der „Reichsanzeiger"'schreibt: Einige Zeitungen fahren fort, Aeußerungen zu bringen, welche durch den Umstand, daß sie aus den Fürsten Bismarck zurückgeführt werden, Interesse erregen, deren sachlicher Wertb aber der Regierung keinen Anlaß gibt, sich mit ihnen zu beschäftigen. Der „Reichsanzeiger" citirt d/mn die Aeußerung der „Hamb. Nachrichten", daß Caprivi der Candiöat des CcurrumS weit früher gewesen sei, als betätige deö Kuise.s, da die antibismarckischen Beziehungen Caprivis weit zurückreichen. Der „Reichsanzeiger" schließt: Der Reichskanzler Caprivi hat bis zu dem Augenblick, in welchem Se. Majestät ihn zum Reichskanzler ernannte, nie nach einer politischen Wirksamkeit gestrebt, nie Beziehungen', auch nicht ami- bismarckische, zu irgend einer politischen Partei gehabt oder gesucht. Berlin, 6. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut der Verständigungen über die provisorische Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Spanien, sowie Deutschland und Rumänien. München, 6. Juli. Officiell wird mirgetheilt: In Gesammt-Bayern ist der Stand aller Saaten ein guter, vielfach ein vorzüglicher. Die Juniregen haben die Trockenheit des Mai ausgeglichen und schadeten der sehr reichlichen ersten Wiesenernte nur geringfügig. Das Wintergetreide hat bestens geblüht und ist theilweise kurz an Stroh. Das Sommergetreide ist durchweg aussichtsreich; Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Futterpflanzen sind meist vortrefflich ausgegangen. Tabak gut gesetzt, Hopsen mittelgut, Obst unregelmäßig. Weinberge versprechen gute Qualität. Hochwasser, Gewitter, Hagelschläge veränderten die Hoffnungen aus eine vortreffliche Gesammternte nur sehr unbeträchtlich. Szegedin, 6. Juli. Das große Fabrikerablksse- ment der ersten ungarischen Hanfspinnerei ist sammt den Nebengebäuden vorige Nacht abgebrannt. Der Schaden beträgt nahezu eine halbe Million Gulden. Menschen sind nicht verunglückt, aber 200 Familien brodlos geworden. Pa^iS, 6. Juli. Ein Telegramm aus Porto Novo melden, Oberst Dodd b om b ar birtr gestern mit zwei Kanonenbooten einige Dahomeer-Dörfer: man halt, einen 1 Landangriff vor dem Eintreffen von Verstärkungen für unausführbar. Chriftiania, 5. Juli. Heute sand ein aus 12000 Personen bestehender Volkszug nach dem königlichen Schlosse statt. Die von einer Deputation überreichte Adresse besagt, daß das Volk überzeugt sei, der König werde die Ehre und das Recht Norwegens stets vertheidigen und 'ür die Durchftihrung der Gleichstellung arbeiten. Der König, dir Königin und die Kronprinzessin nahmen aus dem Balkon des Schlosses die Huldigung einer, wohl 50 000 Personen umfassenden Menge entgegen. New-Holk, 6. Juli. Gestern Abend kam eS m Home - siead in Pennsylvanien zu einem Zusammenstoß zwischen treikenden Schmiedearbeitern und Potizeischutz- )eanrten, welche die die Arbeit sortsetzenden Arbeiter bc« chützen sollten. Man machte von der Feuerwaffe Gebrauch, es wurden 12 bis 15 Personen theils schwer, theils leicht verwundet. Unter denselben befinden sich fünf Polizisten. Bei dem heute Morgen erneut zum Ausbruch gekommen Confliet wurden fünf Streikende gelobtet und' eme Anzahl verwundet. — Ein späteres Telegramm des „W. T. B." aus Pittsburg besagt: Nach den letzten Meldungen aus Homestealr> sind zehn Personen gelobtet, elf verwundet. Die Polizisten kamen bei Tagesanbruch aus Booten an und wurden, als sie zu Imtben versuchten, mehrmals von den Ausständischen zurück- geworsen. Die Stadtbehörden ersuchten den Gouverneur Penn- sylvanienS um Verstärkungen- die Lage ist noch kritisch. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 6. Juli. Eine gemischte Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten beschloß, der Stadtverordneten- Dersammlung vorzuschlagen, von Seiten der Stadt zehn Millionen zum Garantiesonds der Berliner Weltausstellung zu zeichnen. Als Ausstellungsjahr ist spätestens 1898 in Aussicht genommen. Leipzig, 6. Juli. In der gestrigen Versammlung Ahlwardts waren 5000 Personen anwesend, circa 3000 mußten an der Kasse zurückgewtesen werden. Ahlwardt erhielt einen großen Lorbeerkranz. Wien, 6. Juli. Eine hiesige berufene Stelle bestätigt die Wahrscheinlichkeit der Abberufung des deutschen Botschafters Reuß, versichert aber sehr bestimmt, von der angeblich geplanten Zusammenkunft des Czaren mit dem österreichischen Kaiser bei den russischen Manöver« und Herbstjagden sei nicht das Geringste bekannt. Triest, 6. Juli. Bei einem unter bedenklichen Anzeichen erkrankten Landmanne constatirte der Arzt die Cholera N ostras. Rom, 6. Juli. Die italienischenKanonenboote, welche in Südamerika stationirt sind, wurden angewiesen, sofort nach Rio de Janeiro zu gehen. Die italienischbrasilianischen Beziehungen sind gespannt. Paris, 6. Juli. Die Cholerafälle nehmen zu. Die Zahl der Erkrankten war gestern sehr groß. Davon gestorben sind gestern in Aubervilliers 2, in Saint Denis 2, in Clichy, Levallais und Courbevoie je 1. Die Schwerkranken wurden nach Paris überführt. Ein von Argenteuil nach Paris Heimkehrender brach unterwegs zusammen. Paris, 7. Juli. Freycinet ordnete sehr umfassende und dringende Maßnahmen zwecks schleunigster Fertigstellung der Vertheidigungslinie an der Alpengrenze an und kündigte eine persönliche Jnspection für Anfang nächster Woche an. Freycinet erklärte im Ministerrathe, die neuesten Forti- ficationen würden unter feinen Augen und seiner eigenen Leitung in kürzester Frist vollendet sein. Brüffel, 7. Juli. Die russische Regierung übertrug der National-Waffensabrik Herst al die Umarbeitung von 400,000 Gewehren. Warschau, 6. Juli. Die Studenten der medicinischen und juristischen Facultät an der hiesigen Universität müssen künftig die vorgeschriebene Praxis in Rußland absolviren. — Civilgouverneur Moden demissionirte wegen eines (Son* flicts mit Gurko. Rio de Zaueiro, 6. Juli. Die Regierung kündigt die Einnahme Cordoka's an. Die Ruhe in San Paolo ist wieder hergestellt. CocaUs und provinjiclle^ Gießen, 7. Juli 1892. — Kreisansschuß Sitzung. Samstag den 9. Juli l. I., Vormittags 9 Uhr 'beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Gesuch des Bierbrauereibesitzers Friedel und Asprion zu Gießen um Gestattung des Betriebs seiner Eismaschine zur Nachtzeit während der Sommermonate Mai bis September. 2. Beschwerde gegen den Voranschlag .der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. — Der Theaterverein Gießen hat uns bisher stets das Frankfurter Ensemble vorgesührt und wollen wir gern gestehen, daß uns dessen Leistungen befriedigt, ja entzückt haben. Trotzdem waren wir, offen gestanden, hoch erfreut, in unserem Localpatriotismus geschmeichelt, als wir vernahmen, daß der Vorstand endlich mal auf einheimische Kräfte zurückgreisen will, und sehen wir mit großer Spannung dem Gießener Ensemble entgegen. Die Damen und Herren der letztgenannten Körperschaft werden uns nicht böse sein, wenn wir sie in künstlerischer Beziehung ein klein wenig niedriger taxiren, wie ihre Frankfurter Collegen, aber in der Liebe zur Sache stehen sie in diesen nichts nach, sind ihnen vielleicht noch etwas über. Es gibt aber auch keine reizendere Unterhaltung, als eine Dilettanten-Vorstellung, und wenn auch gallsüchtige Menschen behaupten, das Vergnügen sei größer aus Seiten der Mitwirkenden als der Zuschauenden, so erklären wir das hier ganz einfach für boshaft. Die ganze Welt ist ein großes Theater und jeder Mensch hat etwas von Schauspieler an sich, falsche Herzen, falsche Thränen, ja falsche Ohnmächten gibt es in beträchtlicher Anzahl auch außerhalb der Bühne und mit freundlichem Gesicht empfängt man auch im gewöhnlichen Leben so Manchen, den man nach dem Lande wünscht, wo die kräftigen Gewürze wachsen. Sind wir also der Meinung, daß in jedem Menschen ein schauspielerisches Talent schlummert, so behaupten wir weiter, man brauche diesen edlen Funken nur anzufachen, um ihn der Kunst dienstbar zu machen. Kommt nun noch hinzu, daß dieses, vielleicht kleine Talent nicht allein gepflegt werden soll, sich und Andere zu erfreuen, sondern auch dazu diene, an einem edlen Werke, einem Acte der Wohlthätigkeit mitzubauen, bann barf auch der schwärzeste Skeptiker sicher fein, baß ihm etwas Gutes geboten wird und ihn der Bruchtheil Mammon, den er opfert, keineswegs gereuen wird. — Die Mannschaften des auf 12 Tage hier zusammen- gestellten LandwehrUebuugSbataillons trafen gestern hier ein. Die Hebungen begannen heute Morgen. — Der zur Feier des 30jährigen Stiftungsfestes der Burschenschaft Alemannia gestern Abend veranstaltete Fackelzug verlief programmgemäß und fand in allen Straßen, die er passirte, zahlreiche Zuschauer. — § 140, Abs. 1 deS Strafgesetzbuchs. Vor die Strafkammer des Großh. Landgerichts der Provinz Oberhessen werden auf Dienstag den 16. August dss. Js. 85 Personen geladen, die beschuldigt sind, sich dem Dienste im stehenden Heere oder der Flotte durch Verlassen des Bundesgebietes entzogen zu haben. — WeltausftelluugS - Notizen. 89,000 Glühlichtlampen werden seitens der Westinghouse-Gesellfchast zur Erleuchtung des Ausstellungsparkes in Chicago ausgestellt werden. Grünberg, 5. Juli. Ein kecker Diebstahl wurde in der auf den vorgestrigen Festtag folgenden Nacht von einem Soldaten des Gießener Infanterie-Regiments, der bei dem Gau-Turnfest als Kellner dienen wollte, ausgeführt. Derselbe brach in ein Haus in der Nähe des Kriegerdenkmals ein, erstieg ein Fenster, gelangte in die Werkstatt und von hier aus in das Schlafzimmer, wo er einem schlafenden Turner das Portemonnaie entwendete. Als er noch versuchte, den im Zimmer befindlichen,'Schreibtisch zu öffnen, wurde er bemerkt und ergriff die Flucht. Da er hierbei Mütze und Seitengewehr zurückließ, dürsten diese Gegenstände alsbald zu seiner Verhaftung führen. > D. Ztg. A Mainz, 5. Juli. Die zur Zeit hier tagende Generalversammlung der „Krankenkasse der Gold- und Stlber- arbeiter Deutschlands" lehnte die Anträge auf Auflösung der Kasse ab und beschloß in Anbetracht des günstigen finanziellen Standes der Kasse dieselbe dem neuen Krankenkassengesetz anzupassen. — Eine Carnevalssitzung im Sommer — eine nicht häufige Erscheinung — findet demnächst hier statt. Das Comite des großen Carnevalvereins „Narhalla" hat nämlich gestern Abend beschlossen, aus Anlaß der Anwesenheit des Newyorker Gesangvereins „Arion" am 28. ds. Mts. eine carnevalistische Sitzung zu veranstalten. Zu dieser Sitzung haben bereits die bewährtesten Redner und Liederdichter ihre thatkrästige Unterstützung zugesagt. vermischtes * Werl in Westfalen, 4. Juli. Vor einiger Zeit wurde das 1% Jahre alte Kind eines Oeconomen als Leiche in einem Brunnen gefunden, in welchen das Kind nicht gut von selbst gerathen sein konnte, weil derselbe verdeckt war. Die Untersuchung hat jetzt ergeben, daß das Kindermädchen, welches zur Pflege des Kindes bestellt war, dasselbe in den Brunnen geworfen hat. Die Mörderin, welche noch kaum 18 Jahre alt ist, hat ein Geständniß abgelegt. Das Kind hat sie in den Brunnen geworfen, weil es ihr zu schwer war zum Tragen. * ArnSberg, 3. Juli. Nach fünftägiger Verhandlung verurtheilte das Schwurgericht den Gärtner Johann Wagebach aus WeiöSnau a. d. Sieg zum Tode. Der Angeklagte war beschuldigt: 1. am 27. Februar 1881 bei Burgholdinghausen den Förster Trempuhr, 2. am 12. October 1891 bei Dotzlar den Förster Kroh vorsätzlich und mit Ueberlegung erschossen und 3. am 7. Januar 1892 bei Stüntzel einen Mordversuch gegen den Förster Hartnack unternommen zu haben. Wegen des ersten Mordes war bereits vor ungefähr elf Jahren gegen Wagebach Untersuchung eingeleitet worden. Zwei Mädchen beschworen damals das Alibi des Angeklagten. Wie sie heute zugeben, haben die Zeuginnen ein wissentlichen Meineid geleistet. In den Kreisen Siegen und Wittgenstein wird das Urtheil mit hoher Befriedigung entgegengenommen werden - ist doch dadurch einer der gefährlichsten Wilddiebe unschädlich gemacht ober, wie der Erste Staatsanwalt Spengler sagte: „ein Genie des Menschenniederschießens"^ * Berlin, 4. Juli. Im städtischen Obdach befanden sich am 1. Juni d. I. 61 Familien mit 210 Personen, darunter 19 Säuglinge. Am 1. Juli war der Bestand 63 Familien mit 293 Personen, darunter 14 Säuglinge. Das Asyl für nächtliches Obdach daselbst benutzten im Lause des Monats Juni 11052 Personen, und zwar 10000 Männer und 1052 Frauen. Von diesen Personen wurden 8 dem Krankenhause Friedrichshain, 42 dem Krankenhause Moabit, 7 der Charite überwiesen, 341 (329 Männer, 12 Frauen) der Polizei vorgeführt. * Berlin, l.Juli. Die „Volksz." berichtet: Das Unglück, mit dem im vorigen Jahre gesuchten Raubmörder Wetzel verwechselt zu werden, hatte neben vielen Anderen der Kaufmann Eduard Jungnickel in Berlin. Dieses unschuldige Opfer der Wetzeljagd ist Handelsreisender. Mit Unzähligen theilt er das Geschick, jung zu sein, schwarze Haare, schwarzes Schnurrbärtchen, frisches aber hageres Gesicht und eine schlanke Figur zu haben, nur ist er vier Zoll kleiner als Wetzel war. Von den Vielen, auf welche das polizeilich veröffentlichte Signalement des Mörders genauer paßte, als auf diesen selbst, wurde zwar nur der kleinste Theil — etwa ein Dutzend — verhaftet, aber dazu gehörte Herr I., der obendrein den Vorzug genoß, zweimal „als Wetzel" verhaftet worden zu sein. Beim ersten Male, in Frankfurt a. O., ist es ihm besonders schlecht gegangen. Er war aus einem Zuge gestiegen und genoß am Buffet eine Erfrischung, da klopfte ihm Jemand auf die Schulter und bat ihn, auf einen Moment mit hinaus zu kommen. Da es ein Polizeibeamter war, folgte I., er wurde bis zur Retirade geführt, dort wurden ihm ohne weitere Präliminarien Handschellen angelegt, man sagte ihm auf den Kopf zu, daß er Wetzel fei, führte ihn trotz seines energischen Protestes durch die Stadt, die gaffenden Leute auf den Straßen wurden aufmerksam gemacht: „Das ist der Raubmörder Wetzel!" und so kam er zum Polizeibureau. Vergnügt rieb sich der Inspektor die Hände und begrüßte ihn mit den Worten: „Das ist ja wunderschön, daß wir Sie haben, nun kriegen wir die Prämie!" Als I. erklärte, daß er nicht Wetzel, sondern Jungnickel heiße, hieß es: „Lügen Sie nicht, Sie sind Wetzel!" und gleich daraus, als zur Vernehmung geschritten werden sollte: „Stehen Sie auf, Wetzel!" Als der Gefangene erwiderte: „Ich bin nicht Wetzel, ich heiße Jungnickel" schrie der Jnspector: „Was, Sie wollen noch lügen?" und gab ihm — wie Jungnickel erklärt — ein Paar Ohrfeigen. Während seiner zweitägigen Verhaftung erhielt er nur Wasser und Brod- als er sich beschwerte, hieß es: „Ein Mörder braucht nichts Anderes!" Wegen dieser Behandlung hat J., statt sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden, sich mit einer Beschwerde an den Minister des Innern gewandt und darauf folgende Antwort erhalten: „J — Nr. IA 5734 (9). Der Regierungspräsident zu Frankfurt an der Oder. An den Kaufmann Herrn Eduard Jungnickel, Wohlgeboren in Berlin. Ihre Beschwerde über die hiesige Polizeiverwaltung ist mir von dem Herrn Minister des Innern zur Verfügung übersandt worden. Ich habe demzufolge durch Vernehmung von Zeugen (j über dft Ereignisse vor und nach Ihrer Festnahme im polizeilichen Gewahrsam Ermittelungen anstellen lassen, bin aber nicht zu der Ueberzeugung gelangt, daß Ihnen dabei eine ausnahmsweise schlechte Behandlung zu Theil geworden wäre. Namentlich haben Sie täglich warmes Mittagessen und nicht nur Wasser und Brod als Nahrung erhalten. Ihre große Aehnlichkeit mit dem Raubmörder Wetzel und der Mangel einer Legimationskarte haben Ihre Festhaltung verschuldet. Die Personen, welche dieselbe veranlaßten, befanden sich in einer begreiflichen Aufregung wegen der Schwere des Wetzel- schen Verbrechens und würden daher auch Nachsicht verdient haben, falls wirklich Ausschreitungen gegen Sie vorgekommen wären. — Die Dauer der Hast war Sache des Untersuchungsrichters und ihre Notwendigkeit entzieht sich meiner Kenntniß. Eine Entschädigung kann Ihnen nicht gewährt werden, da mir Fonds hierzu nicht zu Gebote stehen. Puttkamer." Der Postbampser „Pennland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 4. Juli wohlbehalten in Newyoik angekommen. Hamburg, 4. Juni. [Hamburg-Amerikanische Packetsahrt- Actien-Gesellschaft.] Das Hamburg - Newyorker Post - Dampfschiff „Rhaelia", Capitän Ludwig, ist am 3. Juli, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Universität - Nachrichten. Wurzburg, 4. Juli. An Stelle deS nach Berlin gegangenen Professor Fischer ist in erster Linie Victor Mey er-Heibelberg zum Profeffor der Chemie ausersehen. Meyer nimmt an. — Aus Jena wird unterm 4. Juli berichtet: Heute begeht der älteste Lehrer unserer Universität, der Orientalist Geh. Hofrath Profeffor Stickel, das 60jährige Jubiläum als Doctor der Theologie. Stickel hat bereits die Mitte der 80er überschritten, kann aber bei voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit sein akademisches Lehramt noch im vollen Umfang ausüben. Unserer Universitär gehört er se:t seiner vor dem Jahre 1830 erfolgten Habilitation in der philosophischen Facultät als Lehrer an. Literatur uwb Nunft. — Eine reizvolle literarische Neuheit liegt vor uns auf dem Büchertisch: der erste Band der neuen Ausgabe vom beliebten Ottmann'schen .Bücherschatz". Diese überaus wohlfeile Bibliothek zeitgenössischer Schriftsteller erscheint von jetzt an in vierzehntägigen Bänden zu 40 Pfg. geheftet oder 70 Pfg. gebunden. Es ist wirklich alles Mögliche, was uns der Verlag von Victor Ottmann in Leipzig bietet. Der vorliegende Band, sauber auf schönes, holzfreies Papier gedruckt, umfaßt 126 Seiten und ist mit einem Titelbild in feinem Farbendruck geschmückt, nach einer Zeichnung von Oscar Herrfurth. Der Band enthält den ersten Theil des Romans „Glück und Glas" von Eduard Bertz. Dieses Werk hat in seiner ersten Ausgabe allgemeines Aufsehen erregt, denn es offenbart sich in ihm ein Dichter von tiefem sittlichen Gehalt, Schönheit der Sprache und hervorragender Gestaltungskraft. Wir werden nach Abschluß des Werkes ausführlich darauf zurückkommen. Verkehr, Land« und Volkswirthschaft, Limburg, 6. Juli. Fruchtmarkt. Rother Weizen «X 17.00, weißer Weizen JL 00.—, Korn 14.60, Gerste 9.65, Hafer 6.70, Erbsen JL —. — Kostenfrei- Stellen-Vermittelung de- Vereins für Handlungs-Lommi- von 1858 in Hamburg. Durch die Vermittelung dieses Vereins wurden im Juni d. I. 826 Stellen in Hamburg, im Jnlande, im Auslande und über See besetzt. Im ersten Halbjahr 1892 stieg die Zahl der besetzten Stellen bereits auf 1919, gegen 1832 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Den Herren Chefs kann die Benutzung dieser Stellen-Vermittelung angelegentlich empfohlen werden. Sie erstreckt Vxd) auf kaufmännische Stellungen jeder Art und Branche und ist für Aufträge erthellende Firmen sowohl, als auch für stellesuchende Mitglieder völlig kostenfrei. Es wird weder Einschreibegeld, Portovorlage, noch Vermittelungsgebühr oder bergleid)en erhoben. Nur gutempfohlene, von fachkundigen Angestellten ausgewählte Bewerber werden für ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechende Stellungen in Vorschlag gebracht. Deshalb werden über jeden Bewerber in seinem Interesse birecte Auskünfte von seinen früheren Chefs nach Möglichkeit eingezogen. Wir machen gleichzeitig barauf aufmerksam, baß bet Beitrag für bem Vereine beitretenbe Hanblungsgehülfen, welcher bekanntlich jährlich 6 Mark beträgt — nach zehnjähriger Mitgliedschaft nur 3 Mark — vom 1. Juli ab für den Rest des Jahres nur auf 4 Mark sich stellt. — Eintrittsgeld ist von Hanblungsgehülfen nicht zu zahlen. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abenb 7»o Uhr, Samstag Vormittag 8oo Uhr, Samstaa Nachmittag 400 Uhr, SamStag Abend 900 Uhr/ Braut-Seidenstoffe, schwarz, weitz, creme re. — von 65 Pf. bis Mk 22.85 — glatte u. Damaste rc. (ca. 300 verseh. Qual. u. Dispos.) versendet roden- U. stückweife porto- u. zollfrei G. Henneberff, Seidenfabrikant (K. u. K. Hoslief.) Zürich. Muster umgehend. Dopp- Briefporto nach der Schweiz. [214 3648] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, Über Hollünd. Labak von ». «ecker in Seesen a. Harz 10 Pfd. lose i. Beutel fco. 8 Mk. hat d. Exp. d. Bl. eingesehen. Temperatur der Lahn und Lust gemeßen nach Reaumur am 7. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16‘/t Grad, Luft 19'/» Grad im Schatten. Rübsamen'sche Badeanstalt.