kr. 208 Trr Hitkcncr Anzeiger crfcbcint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Tir Gliftcncr ^amilicnbtälter werden d.m Anzeiger Döchcntlnl, dreimal bk'grlegt. Mittwoch den 7. September 1802 Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Biertcijährigcr Abonni mrntsprcis: 2 Diart 20 Pfg. mit Kuingrxlohu. Durch dir Poft bezogen 2 Mar! 50 Pjg. RcLaction, Expedition und Druckerei: SchutKrahe Ar.7. Fernsprecher 51. 2lints- und Anzeigeblatt fuv den Kreit Gieren Annahme von Anzeigen ?,n der NachnilNagL für den solgend-n Tag erscheinenden Nummer bis 9'orni. 10 Uhr. Gratisbeilage: chietzener Kamil'ienlil'ätter. eb Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. ——■ Amtlichem Therl. Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche. lieber die Gemarkung Düdelsheim, Kreis Büdingen, wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche die Sperre rhängt worden. Gießen, den 3. September 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _______________v. Gagern.___________________ Bekanntmachung. Die auf Mittwoch den 7. September anberaumte Yeneralversammlung des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins nach Mittheilung des Vereins-Präsidiums vertagt worden. Gießen, den 4. September 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gieben. v. Gagern. Deutsches Seich. Berlin, 5. September. Des Pudels Kern bei dem urcheinander von ofiiciösen und nichtosficiösen Mittheilungen er die erwartete neue Militärvorlage scheint nun doch Erhöhung und Festlegung der Friedenspräsenzstärke aus if Jahre zu sein. Es würde sich demnach um ein Quinquennat nbeln, nach dem Vorb'.lde der fünfjährigen Volkszählungs- d Wahlperioden im Reiche- als Aequivalent wird die Reichs- sierung vermuthlich die Abkürzung der Dienstzeit bei den ißtruppen zugestehen. Was die dauernden Mehrkosten, welche rch die neue Militärvorlage veranlaßt werden, anbelangt, werden sie auf siebzig bis achtzig Millionen Mark jährlich gegeben, eine Summe, welche dem Reichstage die strengste üsung der signalisirten Vorlage zur Pflicht macht. liwcfte llac^ricbUn. WolffS telegraphisches Corrtspondenz-Bureau. Potsdam, 5. September. Der Kaiser kehrte um 8 Uhr orgens zurück und begab sich alsbald in das Marmorlais. Halle (Westfalen), 5. September. Amtliches Ergebniß r Reichstagswahl im Kreise Halle-Herford. Hammer- in (cons.) 7630, Delius (nat.) 3160, Buskühl (dsr.) 1884, wiener (Soe.) 1785, zersplittert 28 Stimmen. Breslau, 5. Seprember. Der fünfte deutsche Bergan n s t a g wurde heute Vormittag in der Aula der Uni- rsität mit einer Ansprache des Berghauptmanns Pinno öffnet, der die Erschienenen begrüßte und auf die Fortritte des Bergbaus hinwies. Der Oberpräsident dankte und begrüßte die Vertreter des Verwaltungszweiges als die Blüthe Schlesiens. Zum Vorsitzenden wurde Pinno gewählt. Die wiffenschastlichen Vorträge eröffnete Professor Riedler- Charlottenburg. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 5. September. Der anstatt des ausfallenden Mechanikertages zu München angesetzte internationale Schrauben tag, eine Eonserenz behufs Einführung einheitlicher Schraubengewinde, findet wegen der Choleragefahr auch nicht statt. Berlin, 6. September. Die „Berl. Pol. Rachr." treten der Ansicht entgegen, als ob mit der bevorstehenden Regelung der Abzahlungsgeschäfte deren Beseitigung geplant fei. Es handle sich vielmehr nur darum, die Auswüchse darin zu beseitigen. Stettin, 5. September. Der „Ostseezeitung" zufolge hat der Kaiser beschloffen, am 17. September eine zweite Flotten schau in der Bucht von Heringsdorf abzuhalten. Brüssel, 5. September. Eine Ordre des Kriegsministers sagt alle Einberufungen von Reserven für dieses Jahr ab. Genua, 5. September. „Prinzeß Wilhelm" ist eingetroffen, Südweststurm erschwert die Einfahrt in den Hafen. Helfingsors, 5. September. Starke Nachtfröste in den nördlichen und östlichen Theilen Finnlands haben das unreife Sommergetreide und den Roggen schwer beschädigt und wird eine allgemeine Mißernte befürchtet. Berlin, 6. September. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Der Kaiser nahm Abends Vorträge des Reichskanzlers, des Staatssecretärs des Innern und des preußischen Kriegsministers entgegen. — Wie _bic „Nordd. Allgemeine Ztg." hört, wäre der Ausfall der Kaisermanöver des 8 und 16. Armeecorps an Allerhöchster Stelle beschlossen. Mainz, 6. September. Nach einer vom Hofmarschallamt soeben hierher gelangten Depesche sind alle Kai serse st l i ch- fetten in Coblenz wegen der Cholera aufgegeben worden. Die Cholera. Die Gesammtzahl der bis Samstag Abend in Hamburg vorgekommenen Erkrankungen und Todesfälle an Cholera ist nunmehr amtlich bekannt gegeben worden. Sie beträgt 8141 und zwar 5623 Erkrankungen und 2518 Todesfälle - von dieser Gesammtztffer entfallen auf die Zeit vom 26. August bis mit 3. September 528 Erkrankungen und 379 Todesfälle. Die eingetretenc Abnahme der täglichen Sterbesälle an Cholera hält an und gestattet diese Erscheinung den Schluß, daß die furchtbare Hamburger Epidemie ihren Höhepunkt endlich überschritten hat- hoffentlich wird sie demnächst völlig erlöschen. Die ans d-n übrigen Choleragegenden Deutschlands vorliegenden Seuchemeldungen bieten zur Zeit kein besonderes Jntereffe dar. Berlin, 5. September. Das Central-Comitö des Rothen Kreuzes beauftragte den Generalarzt Mehlhauser, eine größere Anzahl Aerzte und Krankenwärter auszuwählen, um sie im Nothsalle nach den von der Cholera infieirten Gegenden zu senden. Gleichzeitig bewilligte das Central- Comite namhafte Summen hierzu. Berlin, 5. September. Dr. Guts mann, Director des Moabiter Krankenhauses, erklärte in der Sitzung der Sanität scommisfion, für Berlin seien bisher nicht die geringsten Anzeichen der Choleraepidemie vorhanden, noch solche zu befürchten. Berlin, 5. September. Amtlicher Cholerabericht. Hamburg am 3. September: 528 Erkrankungen, 379 Sterbefälle, am 4. September: 501 und 158, Altona am 3. September : 17 und 10, im übrigen Schleswig am 3. September: 15 und 10. Hannover 1 Erkrankung. Coblenz 2 Erkrankungen, 2 Todesfälle. Rgbz. Potsdam 3 Erkrankungen und 3 Todesfälle. Ludwigslust 1 Todesfall. Bremen: bisher 5 Erkrankungen, davon 3 Todesfälle. Berlin: feit Samstag keine neuen Erkrankungen. Hamburg, 5. September. Von Samstag Mitternacht bis Sonntag Mitternacht sind 501 Erkrankungen und 158Todte, bis heute Mittag weitere 108 Erkrankungen und 34 Todte constatirt. Gestern wurden 492 Choleraleichen beerdigt. Im Allgemeinen hat die Cholera nicht abgenommen. Es werden jetzt hauptsächlich die Vororte von ihr heimgesucht. Es erkranken und sterben vorwiegend Frauen aus befferen Ständen. Hamburg, 5. September. Nach ärztlichen Schätzungen hat heute den ganzen Tag Abnahme der Erkrankungen stattgefunden. In den beiden Hauptkrankenhäusern zusammen waren Freitag Nacht 2086 Kranke - Zugang Samstag 296 Kranke, Abgang geheilt 115, gestorben 184, es verblieb somit in der Nacht zum Samstag ein Bestand von 2083 Kranken. Die Polizei verbietet heute den Transport von Leichen über die Grenzen des Hamburger Gebiets hinaus, wodurch die orthodoxen Juden betroffen werden, deren Friedhof in Langenfelde auf preußischem Gebiet liegt. Nothcomites haben sich bereits constituirt, es sind sehr erhebliche Beiträge eingegangen, ein Bankhaus zeichnete sofort 5000 Mark. Heute wurden weniger Leichen- und Krankenwagen gefahren. Auch die Bewegung auf den Straßen ist bereits wieder lebhafter. Befremden erregt die Thatsache, daß die Zahl der Beerdigungen auf dem Centralfriedhof in Ohlsdorf erheblich größer ist, als die Ziffern des Medicinalbureaus angeben. Die Beerdigungsnummer ist feit dem 19. August von Nr. 8772 auf 14530 gestiegen, was eine Gefammtziffer der Leichen von 5758 ergibt. Selbst wenn die Zahl der an anderen Ursachen Verstorbenen hoch mit 1000 angenommen wird, verbleibt Feuilleton. Drr Vetter aus (Kalifornien. Novelle von E. Rudorff, :rfaffertn des preisgekrönten Romans: „Durch Leid zum Licht". (4. Fortsetzung.) „Nun, theuere Liesbeth, da Sie eine derartige Täuschung tschuldigen und mir gerade an Ihrer Billigung viel gelegen , so gestehe ich ein: ja ich bin Wilhelm!" „O, wie mich das erfreut! Als Ihr Brief eintraf, inte ich es sofort- und seitdem Sie hier sind, ist es mir n geworden, daß Bande des Blutes uns miteinander ver- nben müssen " „Liebes Mühmchen, die Eltern dürfen jedoch nichts da- )n erfahren." „Weßhalb nicht, Wilhelm? Ich bin gar nicht daran :wöhnt, vor den Theuren etwas zu verbergen. Und wenn ir auch anfänglich der Gedanke kam: wüßte ich wenigstens e Wahrheit, so fühle ich doch jetzt, daß mir ein großer Thell r Freude durch dies Verhehlen genommen wird." „Theuere Liesbeth, ich muß erst einer Sache, welche mir hr am Herren liegt, vollkommen sicher fein, ehe ich gegen n Papa mich ausspreche. So Gott roill,e wird es nicht nge dauern. Wir beide aber wollen uns schon jetzt darüber euen, daß wir miteinander verwandt sind und die Stimme s Blutes es meinem lieben Mühmchen gleich verrathen hat." Nun kam eine fröhlich? Zeit für Liesbeth und Walter, kicher täglich im Hause des Nechnungsrathes erschien, denn fleißig er auch im Garten arbeitete, stets gab es an den verschiedenen Anlagen etwas zu verbessern. Auch wußte der junge Mann so hübsch von dem fernen Lande und von seiner immer mächtiger sich regenden Sehnsucht nach der geliebten Heimath zu erzählen, daß die Stunden wie auf Flügeln dahin« rauschten. Der Rechnungsrath hatte länger als ein Menschenalter hindurch nur Zahlen zum Gegenstände feiner Beobachtung gemacht- ihm fiel daher bie häufige Anwesenheit Walters gar nicht auf. Ebensowenig gewahrte er, daß Liesbeth immer hübscher und fröhlicher wurde. Die Nechnungsräthin bemerkte das Wohlgefallen, welches die beiden jungen Menschen aneinander fanden, allein sie wollte ruhig — rote dies ja in ihrer Weise lag — abwarten, ob Lorenz Walter oder Wilhelm Berg der rechte Mann für ihr geliebtes Kind fein würde. Einige Wochen waren so in beglückendem Verkehr dahin- gegangen, als der Rechnungsrath Walter einlud, mit ihm und den ©einigen einen Ausflug nach Linkau, einem an der Eisenbahn gelegenen Vergnügungsorte, zu unternehmen. In heiterer Stimmung langte die kleine Gesellschaft in Linkau an. Walter forderte bann Liesbeth, als man den Kaffee eingenommen, zu einem Spaziergänge nach dem nahen Walde auf, dessen mächtige Baumkronen sich über die Villen und schmucken Häuser des Ortes erhoben. Der Weg zu dem Walde zog sich längs dem Rande eines schönen Wiesenplanes hin, und Liesbeth beschäftigte sich gar eifrig damit, allerlei zierliche Gräser und Blumen zu pflücken. Die Lust war lind und ein sanfter Windhauch strich über die Fluren. Das Mädchen sand es jedoch drückend heiß, die Brust war ihr beengt, das Athmen wurde ihr schwer. Walter schien ebenfalls unter der Schwüle der Temperatur zu leiden, denn er war viel schweigsamer als sonst und wandelte eine Weile neben Liesbeth hin, ohne ein Wort zu sprechen, ja ohne sie nur anzusehen. An dem Eingänge zum Walde stand eine Ruhebank und Liesbeth setzte sich — als ob sie tobtmüöe sei — schnell dort nieder. Walter nahm an ihrer Seite Platz- beide schwiegen. Liesbeth zeigte, um der sie bedrückenden Stille ein Ende zu machen, Walter die soeben gepflückten Blumen, welche unter ihrer Hand sich zu einem hübschen Strauße zu ordnen begannen. „Wird dieser Strauß nicht reizend werden, Wilhelm?" „Ganz reizend! Ich habe eine Bitte an Sie, Liesbeth!" Das Mädchen schaute zu ihm auf, allein etwas Fremdes in feinem Blick, in feinem ganzen Gesichtsausdruck ließ sie schnell das Auge wieder senken. Verlegen Ipielte sie mit dem hübschen Strauß. „Liesbeth wollen wir nicht Du zu einander sagen?" „Woher kommt Ihnen der Wunsch? „Es wäre doch so natürlich —" „Das ist wahr, allein so lange die Eltern nicht wissen, daß wir uns so nahe stehen —" „Die Eltern sollen es morgen erfahren! Dars ich nun Du zu Dir sagen, Liesbeth?" „Du sagst es ja schon!" Unbewußt trat das Du auch über ihre Lippen. „Liesbeth, Holde, Geliebte!" Walter umfaßte das Mädchen und drückte einen Kuß auf ihre Wange. „Wilhelm^ was thust Du!" rief sie, sanft ihm wehrend. „Liesdeih, ich bete Dich an, willst Du mein Weid werden ?" Wieder schaute sie zu ihm auf in das kluge, freie, jetzt und das Samenergebniß — der Lein — ist sehr reichlich. Auch der Sommerraps ist meist schon reif und eingeheimft worden. Wer solchen gebaut, dem dürste das so sehr in der Haushaltung nöthige Oel nicht mangeln. Mehlkasten und Oelkrüglein hat dieses Jahr mithin also voll gefüllt, nur daß die bis in den Herbst hinein sich erstreckende Trockenheit den Futtermangel heraufbeschworen, läßt eine Lücke offen, die aber doch nur das Vieh betrifft. △ Mainz, 5. September. Mittelst Extrazuges traf heute Nachmittag gegen 5 Uhr unter Kanonensalven der Großherzog mit Gefolge zum erstmaligen Besuch von Mainz seit seinem Regierungsantritt hier ein. Zu dem Empfang hatten sich auf dem Bahnhof der Provinzialdirector mit den übrigen hiesigen Regierungsbeamten, der Ober- bürgermeister und die Beigeordneten, der Bischof und mehrere Domcapitulare, der Festungscommandant, der Präsident der Handelskammer sowie die übrigen Spitzen der Behörden und die Vertreter der protestantischen und israelitischen Reltgions- gemeinden eingesunden. Gouverneur v. Reibnitz war nicht zum Empfang erschienen, wodurch die Mittheilung von dessen bevorstehender Pensionirung Bestätigung finden dürfte. Eine Ehrencompagnie war nicht aufgestellt und fand auch nur eine Begrüßung und Vorstellung statt. Der Großherzog fuhr, Oberbürgermeister Dr. Oechsner zur Seite, direct nach dem Schloß. In den dem Bahnhof zunächst gelegenen Straßen und auf dem Schloßplatz hatte sich eine recht große Menschenmenge eingesunden, die den Landesfürsten durch lebhafte Hurrahruse begrüßte. Nächster Tage wird dem Groß- Herzog von den hiesigen Vereinen und Corporationen eine Fackelserenade gebracht werden. — In dem nahen Niederolm ist ein Sterbesall vorgekommen, bei welchem der Arzt Cholera nostras constatirte. eine Differenz von 2000 Tobten gegen die amtlichen Ziffern. Hamburg, 5. September. Den Behauptungen inländischer und ausländischer Blätter gegenüber, daß das Auftreten der Cholera in Hamburg von dem Hamburger Senat und den Behörden geflissentlich verheimlicht worden, constatirt der „Hamb. Corr." aus erster Ouelle, daß die Hamburger Me- dicinalbehörde am 22. August sofort nach Abschluß der bacteriologischen Untersuchung über den ersten Cholerafall das Reichs- gesundheitsamt benachrichtigte und alle erforderlichen^Maßregeln ergriff. — Die Sammlungen für den durch die Cholera verursachten Nothstand ergaben 185 000 Mark. Bremerhaven, 6. September. Der Verkehr mit Helgoland wurde eingestellt- die Postdampfer fahren daher von jetzt ab nur über Wilhelmshaven. Halle, 5. September. Aus Ansuchen der Hamburger Choleracommission hat sich eine Anzahl hiesiger jüngerer Aerzte nach Hamburg begeben. Karlsruhe, 5. September. In Rappenau ist eine Hamburgerin an der Cholera gestorben- zwei andere Hamburger sind dort erkrankt. Karlsruhe, 5. September. Von vertrauenswürdiger Seite wird der „Frkf. Z." mitgetheilt, daß Verhandlungen zwischen dem Ministerium und der Militärbehörde wegen Abbestellung der Kaisermanöver schweben. Paris, 5. September. Wie aus einer von dem Ministerium des Innern ausgenommenen Statistik zu ersehen, betrug in Paris die Gesammtzahl der Cholera-Erkrank- ungen seit März 1054, der Todessälle 365. Wie verlautet, präsidirt heute ausnahmsweise der Cabinetsches Loubet der Sitzung des Gesundheitsrathes und reist morgen nach Havre zum Besuch der Choleraspitäler. London, 5. September. England ist absolut ch o l e r a - frei. Einige englische Damen reisten als freiwillige Krankenpflegerinnen nach Hamburg ab. Newyork, 5. September. Die Zustände auf den in Quarantäne liegenden Hamburger Dampfern sind schlimm. Weitere sechs Personen sind gestorben, elf erkrankt. Die Cajüreupassagiere der „Normannia" boten große Summen an, um von dem Dampfer abzukommen. Die Quarantänebeamten machten indessen unnachsichtlich mit Niemandem eine Ausnahme. Die Reinigung und Desinficirung der Stadt wird energisch betrieben. Locales and provinzieller. Gießen, 6. September 1892. -r Der Kriegervereiu Gießen feierte am Sonntag den Sedantag. — Die Feier verlief, vom herrlichsten Wetter begünstigt, ganz programmmäßig. Um 3 Uhr rückte der Verein von seinem Local, die umflorte Fahne voran, zur Schmückung der Denkmale an den Kriegergräbern auf dem Friedhof. Dorr angekommen, spielte die Musik einen Choral, woraus der Vereinspräsident, Herr Meyer, in trefflichen Worten vor dem in großer Anzahl erschienenen Publikum über die Bedeutung des Sedantages sprach. Er gedachte der großen Zeit, der fürs Vaterland Gefallenen, sowie all der Held.a, insbesondere auch unseres leider allzufrüh ver« verstorbenen Großherzogs. — Nach beendeter Rede wurde noch ein Choral gespielt und die Friedhofsseier war beendigt. — Mit fliegender Fahne und unter den Klängen der Musik marschirte dann der stattliche Zug direct nach Textors Hardt, woselbst der gemüthliche Theil des Festes abgehalten wurde. Musik und Gesang, letzterer vorgetragen von dem Gesangverein „Heiterkeit", unter vorzüglicher Leitung des Herrn Kruse, wechselten ab. Der Vereinspräsident nahm nochmals das Wort, um ganz besonders der Jugend in schneidiger Rede die Vaterlandsliebe einzuschärsen. Den Schluß des schönen Festes bildete ein Tänzchen, welches die Kameraden mit Familie und den erschienen Gästen bis spät in die Nacht hinein in fröhlichster Stimmung zusammen hielt. 25jahrige8 ~ Dienstjubiläum. Am morgigen Tage, Mittwoch den 7. September, begeht der hiesige Stations- von inniger Liebe strahlende Auge- so mußte ein Mann aussehen, dem ein Weib freudig ihre Zukunft anvertrauen kann. „Ja!" „Dank, theuerste Liesbeth, o, wie ich Dich liebe!" Schweigend hielten sie in vollem Glücksgefühle sich eine Weile umfaßt. „Geliebtes Herz," sagte dann Walter, „einen Gefallen mußt Du mir noch thun!" „Sprich nur, mein Wilhelm!" «Du mußt mich künftig Lorenz nennen." „Was soll das heißen?" „Mein süßes Liebchen, ich habe Dich getäuscht, ich bin mcht Wilhelm Berg. Ein wenig Schuld trifft dabei auch Dich, welche diese Rolle mir so reizend gemacht, und zugleich Verzeihung für eine derartige Täuschung in Aussicht gestellt hatte. Zürne nicht, ohne diese scheinbare Verwandtschaft wären wir uns nicht so nahe gerückt, wäre nicht so unverschleiert mir der Einblick in das reinste Frauengemüth geworden." „Du häßlicher, böser Mann! Nnn wird jedoch Vetter Wilhelm bald hier sein, dem ich so innig zugethan bin und oer sicherlich einer der schönsten und liebenswürdigsten Männer ist," entgegnete Liesbeth schalkhaft. //Ich hoffe, Du wirst ihn mit der herzlichen Zuneigung empfangen, welche der bescheidene brave Junge verdient, wenn er auch nicht dem geschmeichelten Bilde gleicht, das Du bcr- Seele getragen. Wilhelm Berg hat kein estechendes Aeußere, ist still und in sich gekehrt, und man mutz längere Zett mit ihm zusammengelebt haben, um seine treffen Eigenschaften würdigen zu können. Nein, nein, Du wirft es nicht bereuen, dem falschen Wilhelm Dein Herz geschenkt zu haben." 0 (Schluß folgt.) Vorsteher I. Klasse, Herr Jean Heydt, die Feier seiner 25jährigen ununterbrochenen Thätigkeit im Eisenbahndienste. Sein unermüdlicher Diensteifer, gepaart mit einer seltenen Pflichttreue, seine Energie und Arbeitskraft haben dem Jubilar längst die wohlverdienten Auszeichnungen von Allerhöchster Seite sowie seinen vorgesetzten Behörden zu Theil werden lassen. Derselbe wurde während seiner Dienstzeit vielseitig u. A. von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser, seinem Landesherrn unserem Großherzog, dem Kaiser von Rußland, dem Großherzog von Baden, dem König von Schweden :c. decorirt und ausgezeichnet. Auch bei der hiesigen Einwohnerschaft sowie dem reisenden Publikum hat sich der Jubilar durch sein freundliches und zuvorkommendes Wesen, als Beamter sowohl als in gesellschaftlicher Beziehung überall Freunde und Gönner erworben. Sein strenger aber rechtlicher Sinn hat ihm die Liebe und Anerkennung seiner Beamten und Collegen sowie die Achtung und Verehrung seiner Untergebenen gesichert. Dieselben werden sich Abends zu einem großen Festcommers vereinigen, nachdem Vormittags Deputationen u. s. w. ihre Gratulationen dargebracht haben - auch wir schließen die unsrige hiermit an, mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar noch viele Jahre vergönnt sein möge, seines Amtes in körperlicher und geistiger Frische zu walten. — Verhaftet wurde gestern ein Mensch, der seine etwas außerhalb der Stadt wohnenden Arbeitgeber mit Todtstechen 2C. bedroht hatte. — Schuldienst. Nachrichten. Am 6. August wurden den Schulamtsaspiranten Carl Backes aus Ober - Eschbach und Christian Knell aus Bermersheim Lehrerstellen an der Volksschule zu Darmstadt, — an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Carl Wilhelm Wörner zu Rodheim v. d. H. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, — an demselben Tage wurden den Schulverwaltern Joseph Deubler zu Jügesheim und Heinrich Dölcher zu Lampertheim Lehrerstellen an der katholischen Schule zu Lampertheim übertragen- — am 9. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Offenthal präsentirte Schulamtsaspirant August Habermehl aus Wiebelsbach für diese Stelle, — an demselben Tage wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg- Birstein auf eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Offen- bach präsentirte Oberlehrer Heinrich Andres zu Lampertheim für diese Stelle bestätigt- — am 16. August wurde dem Schulamtsaspiranten Eduard Männchen aus Hohen-Sülzen eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Alzey, — am 17. August wurde dem Schullehrer Friedrich Schlamp zu Vadenrod die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kaulstoß übertragen. — In den weiteren Ausschuß des Landesgewerbevereins hatte diesmal Oberhessen, die Provinz, in . welcher dieses Jahr die Generalversammlung abgehalten wurde, nach Maßgabe der Zahl ihrer Vereinsmitglieder zwölf Mitglieder zu wählen. Bei der am 30. v. M. zu Bad-Nauheim abgehaltenen Generalversammlung wurde schriftlich abgestimmt und sind nach der inzwischen stattgehabten Stimmenzählung folgende Mitglieder, gewählt worden: Buderus, Geh. Corn- merzienrath, Hirzenhain- Diegel, Ernst, Fabrikant, Alsfeld- Dippel, C., Glasermeister, Grünberg- Engel, Wilhelm, Buchdrucker, Schotten- Erck, Wilhelm, Mühlenbesitzer, Nidda - Heyligenstaedt, Commerzienrath, Gießen- Krug, Schreinermeister, Bad Nauheim- Römheld, Adolf, Fabrikant, Fried- richshütte bei Laubach- Schiele, F., Ingenieur, Gießen- Wegener, Robert, Fabrikant, Blitzenrod- Wenzel, G. W., Fabrikant, Lauterbach- Windecker, E., Bierbranereibesitzer, Friedberg. — Die Choleragefahr, so berichtet der „M. Anz.", bringt unseren Landwirthen vielen Schaden, so liegen die Gurken, welche in diesem Jahre einen annehmbaren Ertrag zu liefern versprachen, noch größtentheils an den Stöcken und gehen zu Grunde, da man es nicht der Mühe Werth hält, sie abzumachen. Gurken sind jetzt eben aus dem Markte fast unverkäuflich. Am meisten hat dadurch unser Nachbarort Mo mb ach zu leiden, da dort die Gurkenzucht in großem Maße betrieben wird. -n. Lollar, 4. September. Der hiesige Veteranen- und Kriegerverein feierte gestern die Wiederkehr des S e d a n f e st e s in würdiger Weise. Das Programm wies Musik- und Quartettvorträge, Festrede und Declamationen auf. Heute and Bekränzung des Kriegerdenkmals und gemeinsamer Besuch des Festgottesdienstes statt. C Aus hem westlichen Vogelsberg, 5. September. Die Getreideernte ist nun gänzlich beendigt. Jetzt erst läßt ich das eigentliche Resultat der diesjährigen Ernte sicher eststellen. Die gestellten Erwartungen hinsichtlich des Körnerertrags werden nicht getäuscht. Die Körner aller Getreide- orten sind sehr vollkommen ausgebildet und geben sehr reichlich ins Maß. Der Ertrag pro Fuder — 60 Gebmid ft sehr relativ, da es eben sehr darauf ankommt, wie stark iüe einzelnen Gebunde — Garben — gemacht worden sind. Durchschnittlich kann man ans das Fuder schwachen Gebundes drei Malter, starken Gebundes vier Malter rechnen. So drischt man z. B. in der Gemeinde Qneckborn von allen Fruchtgattungen vier Malter vom Fuder ans. Es ist dies ein Körnerertrag, wie er innerhalb Decennien zur Seltenheit gehört. Dabei ist bei diesem reichen Quantitätsresultat die vorzügliche Qualität aller Fruchtsorten besonders zu betonen. Der Ausdrusch des Getreides mittelst der Dampfdreschmaschine geht sehr gut und rasch von statten, da die Frucht meist gut nach Hause gebracht worden ist. Nur der Hafer geht nicht leicht ab und oft bleiben bei ihm die Spelzen am Halm hängen. Es kommt dies daher, daß man den Hafer trotz des heißen, sonnigen Wetters zu rasch vom Felde gefahren hat, weil man jeden Tag hoffte, in diesem Falle befürchtete, das längst ersehnte Regenwetter würde eintreten. Der Flachs ist in diesem Jahre allerdings durch die Trockenheit kurz geblieben, aber die Knoten sind recht vollkommen gediehen vevInischtcs. * Hanau, 4. September. Heute Nacht um 3 Uhr wurde auf der Straße von der eine halbe Stunde entfernten kgl. Pulverfabrik nach hiesiger Stadt der Pulverarbeiter Hartmann von hier von dem gleichfalls auf der Pulverfabrik beschäftigten Maschinisten Bingemer erstochen. Das Arbeiterpersonal der Pulverfabrik hatte daselbst einen Commers veranstaltet, auf welchem Bingemer infolge von Trunkenheit schon verschiedentlich Streit suchte. Gegen 3 Uhr begab sich Hartmann mit seiner Frau und noch einem Arbeiter auf den Nachhauseweg. Etwa in der Mitte desselben hörten sie in schnellem Lause Jemand ihnen nacheilen. Hartmann blich stehen und erwartete denselben, während seine Frau und der andere Arbeiter ihren Weg langsam fortsetzten. Kaum waren diese jedoch 15 Schritte gegangen, als sie das Hilsegeschrei des Hartmann hörten, den sie in seinem Blute liegend antrafen und nach einem nahen Bahnwärterhaus der Hanau- Friedberger Bahn verbrachten- während der Ueberbringung dorthin starb Hartmann, denn er war direct unter der Lunge ins Herz gestochen worden. Der Mörder hatte die Flucht- ergriffen. Beim Thatort fand man ein Messer, einen zerbrochenen Schirm, einen Hut und einen Shlips vor und diese Gegenstände, sowie die Beschreibung der Person seitens bei* Frau und eines Nachtwächters, dem er gegen 4 Uhr ohne Hut mit Blut befleckt begegnet war, führten zur Entdeckung des noch unbekannten Thäters. Einige Polizisten begaben sich heute früh in die Wohnung des Bingemer und trafen ihn im Bette liegend an, während seine Frau damit beschäftigt war, die blutigen Kleider zu waschen. Bei seinem Verhöre auf der Polizei erklärte er obige Gegenstände für die seinigen, von dem Morde wollte er jedoch wegen starker Betrunkenheit nichts wiffen. Er wurde jedoch von der Frau Hartmann als auch von dem Nachtwächter wiedererkannt und hinter Schloß und Riegel verbracht. * Fürstenberg (Oder), 3. September. Das benachbarte Seminar Neuzelle ist abgebrannt. Mehrere Personen sind verunglückt. * Stuttgart, 3. September. In Münklingen brannten 13 Wohnhäuser ab. * Für das Königreich Sachsen tritt mit dem 1. October d- I. die Verordnung in Kraft, nach welcher das zu schlachtende Vieh vor dem Ab stechen betäubt werden muß. Damit ist den Juden in Sachsen die Möglichkeit genommen, ihre Schlachtthiere rituell schächten zu lassen. Die jüdischen Einwohner der Stadt Zittau beabsichtigen nun, ihren Fleisch-. bedarf aus Görlitz zu beziehen resp. dort schlachten zu lassen-, sie wurden aber durch einen dieser Tage vom Stadirath m Zittau gefaßten und vom Stadtverordnetencollegium genehmigten Beschluß benachtheiligt. Der Beschluß besagt, daß alles von außerhalb eingeführte Fleisch im Schlachthose zur Besichtigung vorzulegen ist. * Menschliche Bestien. Unter den Arbeitern in Nordamerika herrscht eine unmenschliche Rohheit. Es ist festgestellt, daß die strikenden Arbeiter im Coal CreekDistrict ihre Standesgenossen, die mit ihnen nicht gemeinsame Sache machen wollten, in der grausamsten Weise ermordet haben; fie verbrannten sie bei lebendigem Leibe- sie unterwarfen sie den grausamsten Folterqualen und ergötzten sich an denselben mit teuflischem Behagen. Ein diesen „socialen Reformern und Weltverbesserern" entronnenes Opfer, ein junger Bergmann Namens Rice, ist jetzt in New Uork angelangt und er weiß Folgendes zu erzählen: Anläßlich einer bergbaulichen Forschungsreise wurde er von den sinkenden Bergleuten abgefaßt. Trotz aller seiner Betheuerungcn hielten sie ihn für einen Spion und beschlossen, ihn hinzurichten. Hängen schien ihnen zu einfach, sie beschlossen daher, ihn an einen Eisenbahnwagen zu binden, diesen auf starken Gefällen ins Rollen zu bringen und so den „Spion" zu Tode schleifen zu lassen. Dieser wahrhaft entsetzliche Vorsatz wurde denn auch ausgeführt. Man legte dem „Verurtheilten" eine Schlinge um den Hals, band ihn an den Frachtwagen, löste die Bremsen und die tolle Fahrt begann unter dem Jauchzen und Gejohle der verthicrten Menge, die sich einige hundert Meter entlang des Bahngeleises ausgestellt hatte. Rice,