Nr. 83 Erstes Blatt. Donnerstag den 7. April 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag». Die Gießener IottienökLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Wchener Anzeiger Aenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Avonnkmeatspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulst raß, Zlr.7. Fernsprecher 51. Aintr» und Knzergeblatt für drn “Kreis (Ziehen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. *—■■——™ui ....... niniini Hratisöeilage: Hreßener JamitienökäLter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche in Friedberg. In Friedberg ist die Maul- und Klauenseuche auSge- brochen und Gehöftsperre angeordnet worden. Gießen, den 5. April 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _________________ v. (3qgern. Bekanntmachung, betreffend die Bezirke der Fabrikinspectoren. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß vom 1. April 1892 ab der Fabrik - Aufsichtsbezirk II (Fabrik- Jnspector Kraus zu Darmstadt) die Provinzen Oberheffen und Rheinhessen umfaßt. Gießen, den 5. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum. £6 wird zur öffentlicken Kenntniß gebracht, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog Allergnädigst geruht haben, denl Gönnte für die Erbauung einer evangelischen Kirche zu Montign»-Sablon in Elsaß-Lothringen die Erlaubniß zu er- theilen, die Loose einer zum Besten des Baues dieser Kirche zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalb des Großherzoqthums zu vertreiben. Wir bemerken noch, daß nach dem genehmigten Ver- loosungsplan 167 500 Loose zu 1 Mk. das Stück ausgeqeben «erden dürfen und 75 000 Mk. zu Geldgewinnen verwendet werden müssen. Gießen, den 5. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Leich. Berlin, 5. April. Für die glückliche Entbindung der Kaiserin wird seit kurzer,'Zeit in den Berliner Kirchen wieder das übliche Gebet gesprochen. — Die Osterferien des preußischen Landtages sollen am 8. April beginnen und bis zum 27. April währen- ob indessen die Innehaltung ersteren Termins möglich sein wird, muß noch dahingestellt bleiben. Auch nach Ablauf der Osterferien hat der Landtag noch ein ziemlich reichhaltiges Material zu erledigen, der Sessionsschluß wird daher wohl erst gegen Ende Mai erfolgen können. Ausland. Paris, 4. April. Bei Beginn des Verhörs am Samstag, in welchem Ravachol, wie bereits mitgetheilt, ein Geständniß abgelegt hat, sprach er sich über die Motive seiner That in Worten aus, welche einen Einblick in den Abgrund seiner Gesinnung und anarchistischen Denkweise gewähren. Nach der „Köln. Ztg." sagte er': „Ich bin heute besiegt und deßhalb kann ich die Sacken erzählen, wie sie sich zugetragen haben. Nur erwarten Sie von mir keine Reue. Die heutige Gesellschaft ist völlig verfault, und in den Werkstätten, den Bergwerken und aus den Feldern gibt es menschliche Wesen, die arbeiten und leiden, ohne hoffen zu können, daß sie jemals den tausendsten Theil ihrer Arbeit erwerben werden. Diese Unglücklichen haben Frauen, die vor Hunger sterben, und Kinder, die sie aus Mangel an Brod nicht ausziehen können. Neben diesem schrecklichen Elend sehen wir die fetten und gemästeten Bourgeois ein Freudenlebcn führen und mit verächtlichem Lachen aus die Thränen der Hungernden antworten. Ja, ich habe gestohlen und gemordet, ich gestehe es zu. Ich habe mich auch an den Richtern rächen wollen, die meine Brüder verurtheilt haben. Ich habe aber aus diesen Handlungen socialer Gerechtigkeit, die Sie Verbrechen nennen, niemals einen persönlichen Vortheil gezogen. Unsere Partei ist arm, die Genossen, die sie bilden, haben wenig oder keine Mittel. Indem ich tödtete und stahl, habe ich jahrelang die Kasse der anarchistischen Gruppe in St. Etienne unterhalten. Ich habe Geld gegeben, um unsere Blätter erscheinen zu lassen, und ich habe vielen Genossen die Mittel gewährt, um gegen ihre Ausbeuter zu kämpfen. Ich bin stolz auf das, was ich ge- than habe, und ich übernehme „dafür die volle Verantwortlichkeit. Nur aus einem einzigen macke ich mir einen Vorwurf: daß ich mich so dumm habe fassen lassen, während ich so ausgezeichnet ausgerüstet war, um das Werk der Vergeltung und Gerechtigkeit zu vollbringen, dem ich mich geweiht habe." Nach dieser Einleitung gestand dann Ravachol alle ihm zur Last gelegten Verbrechen rückhaltslos ein, auch den Mord eines Einsiedlers, dem er 30,000 Francs geraubt, und die Ermordung zweier alten Frauen in St. Etienne. Bei dem Dhnam.tanschlag am Boulevard St. Germain war er von Biala, Gustav Mathieu und der Soubert begleitet, bei dem der Rue de Clichy, da inzwischen die anderen schon verhaftet waren, nur von Gustav Mathieu. In beiden Fällen hat er selbst die Patronen in die Häuser getragen. Den Anschlag aas die Kaserne Lobau will er nicht selbst ausgeführt haben, doch gibt er zu, daß dies Mathieu in seinem Auftrage gethan hat. Der nächste Anschlag sollte nach seiner Angabe gegen den Deputirten Letellier gerichtet werden, weil dieser nach dem Verbrechen vom Boulevard St. Germain eine darauf bezügliche Anfrage an den Justizminister gestellt hätte. Nach dem gestrigen Verhör ist die Verantwortlichkeit aller Urheber der jüngsten Explosionen zweifellos festgestellt und die Voruntersuchung wird als abgeschlossen angesehen. Die gestern Feuilleton. Der Aufstand in Chile. Von einem Leser unseres Blattes wird uns freundlichst der Brief eines Verwandten zur Verfügung gestellt, welcher während des chilenischen Ausstandes in Valparaiso weilte und die Ausstandsscenen als Augenzeuge mit durchlebte. Unter Weglassung des Persönlichen schreibt der Augenzeuge: .... In Santiago s. Z. angekommen, verweilte ich daselbst zwei Tage in dem neuerbauten deutschen Hotel, dessen liebenswürdiger Wirth, noch mehr aber dessen treffliche Küche bei mir in gutem Andenken stehen. Ich besuchte als Fremder natürlich einige der sehenswerthesten Punkte der Stadt, u. a. auch den mitten in derselben sich steil erhebenden Granitberg Eerro Santa Lucia mit seinen Promenadeanlagen, von dessen Plateau man eine herrliche Fernsicht über ganz Santiago gemeßt. Weit schweift der Blick, bis er durch die kreisartig um die Hauptstadt herum grupptrten Partien der Cordilleren mtt ihren gigantischen Gletschern und ewigem Schnee bedeckten Häuptern seinen Abschluß findet. Den großartigen Anblick des bedeutendsten Bergriesen der Andeskette, nämlich des Acomagua, hat man in unmittelbarer Nähe. Dessen First, mit Schnee eine öde Winterlandschast, ohne irgend welch lebendes Wesen, ausgenommen von einem deutschen Geographen, noch nie von eines Menschen Fuß betreten, und unten die erdrückende, alles versengende Januarsonne, welche die herrlichsten, aromatischen Südfrüchte ohne jeden Schutz gedeihen läßt — welch eiu Conttast! Oben auf dem Plateau des Cerro befindet sich auch ein Sommertheater mit einem wunderhübsch angelegten Restaurant- leider ist bei der hohen Temperatur das Bier säst ungenießbar. Von der berühmten Alameda, einer die Stadt der Länge nach durchziehenden Straßenanlage modernen Stils, habe ich nur sehr wenig gesehen und muß ich die am 18. September beginnende dreitägige Unabhängigkeitsfeier (Independencia) als Gelegenheit Zu einem Privatausflug nach Santiago benutzen, um alles genauer meinem Gedächtniß einzuverleiben. Es genügt an dieser Stelle zu sagen, daß es eine an Straßenbreite bisher unübertroffene, zu beiden Seiten mit Prachtbauten und mehreren Reihen Schatten spendender Bäume versehene Straße ist, ab und zu von einem Monument unterbrochen. Im Hotel wurde mir von landsmannschaftlicher Seite gerathen, nicht nach Valparaiso zu gehen, sondern erst in Santiago Beschäftigung zu suchen, da es in Valparaiso politischer Wirren halber sehr faul sein sollte. Ich hingegen setzte mich getrosten Muthes auf die Bahn und legte die 187 Km. lange Strecke, welche den Reisenden wegen ihrer wenig anziehenden Beschaffenheit (Dürre, Oede und gebirgiges Terrain) nur langweilt, in einem Nachmittag zurück und gelangte am 5. Januar gegen Abend hier an, Logis im hiesigen deutschen Hotel suchend, welches sich mit dem von Santiago bet Weitem nicht messen kann. Hier waren per Dampfer von Europa verschiedene von der Regierung contrahirte deutsche und englische Lehrerinnen untergebracht. Am anderen Tage gab ich den von einem bekannten Herrn in Conapcion mir behändigten Empfehlungsbrief an Herrn Ernst Mex (Kaufmann) ab, welcher mich herzlich willkommen hieß und für mein Fortgemeldete Nachricht von der wahrscheinlichen Verhaftung des Gustav Mathieu hat sich nicht bestätigt. Neueste Nnehr^cbteu. OolfiS telegraphische- Eorrejpondenz-Vnrear» Stettin, 5. April. Es verlautet, der Kaiser habe die Einladung der pommerschen Provinzialstände, dem im Juni stattfindenden Fest der Adelsgeschlechter beizuwohnen, angenommen. Paris, 5. April. Das „Journal des Debats" meldet, in dem gestrigen Posteinlaus des Polizeipräsect.en hätte sich eine Blechschachtel befunden, welche von Sachverständigen als eine sorgfältig construirte Höllenmaschine erklärt worden sei. Paris, 5. April. Nach dem gestrigen Verhör Rava- chols sind die einzelnen Thäter der jüngsten Explosionen sestgestellt. Man hält die Voruntersuchung für abgeschlossen. Madrid, 5. April. In Barcelona sanden erneute Verhaftungen statt. In Granada revoltirten in dem dortigen Gefängnisse die Gefangenen. Die Gendarmerie feuerte und tödtete einen und verwundete zwei. Lüttich, 5. April. Gestern Abend wurden aus dem Kohlenbergwerk Banneux unweit Lüttich 200 Patronen, 25 Kilo Dynamit enthaltend, entwendet. Eine Untersuchung ist eingeleitet. London, 5. April. Unterhaus. Matthews erklärt, er habe keine Nachricht, daß Frankreich Mitglieder der Verbrecherklassen ausgewiesen oder auszuweisen beabsichtige. Sollte jedoch eine solche Action irgendwie wahrscheinlich werden und diplomatische Vorstellungen zu deren Verhinderung unwirksam sein, so würde die Regierung nicht zögern, weitere etwa erforderliche Maßregeln beim Parlamente nachzusuchen. Bueuos-Ayres, 4. April. Die Ruhe ist ungestört geblieben. Die Verhafteten verlangten aus Grund der Verfassung sofort verhört zu werden. Eine Verhaftung von Angehörigen der Armee ist nicht vorgekommen und Jrigoyen wieder in Freiheit gesetzt worden. Depeschen deS „Bureau Herold". Aerlio, 5. April. Der „Reichsanz." schreibt: Wegen der bet der Untersuchung von Eisenbahnunfällen festgestellten Ueberbürdung der schuldigen Beamten hat der Eisenbahn- mtmster den Erlaß vom 24. Juli 1891 zu strenger Befolgung in Erinnerung gebracht, wonach den Arbeitern beim Wechsel der Dienststellen die Dien st dauer ins Arbeitsbuch einzutragen ist. Die Stationsvorsteher, Bahnmeister und Zugführer sind angewiesen, über die Dienstdauer ihrer Untergebenen zu wachen. Berlin, 5. April. Der „Allg. Reichs-Corresp." zufolge ist der Grenadier Lueck vom 3. Garde-Regiment zum Gefreiten befördert worden wegen correcten Benehmens als Wachtposten bei der kürzlichen Schießaffaire. Berlin, 5. April. Die „Allg. Reichs-Corresp." meldet aus Petersburg: Das Börsencomite von Nicolajew hat sich kommen sehr bemüht war. Genannter Herr ist auch Vorstand des hiesigen 250 Mitglieder starken deutschen Turnvereins und der sogenannte „Vater Jahn der Westküste". Seine und meine Bemühungen waren indessen drei Monate lang erfolglos, denn in derselben Nacht zum 6. Januar begann ^ic Jnsurrectionserhebung des Congresses, welcher sich die im Hafen liegende Flotte gesichert hatte, und begann somit die säst acht Mpnate dauernde Revolution, für mich eine Periode der Drangsale und Noth, da ich von Tag zu Tag die Aussicht auf eine Stelle schwinden sah. Das Geschäft war gleich Null und man war eher geneigt, Leute zu entlassen als zu engagiren. Alles wartete den Verlauf der Dinge ab, und war der Schluß der Geschichte nicht vorauszusehen, da die beiderseitigen Kräfte zu ungleich waren. Der Präsident verfügte über das Heer, welches von Tag zu Tag verstärkt wurde, die Opposition hingegen über den allergrößten Theil der Flotte- somit konnten sich beide Theile nichts anhaben. Heber die Ursache der Revolution kann ich nichts berichten, da ich als Neuling zu wenig vertraut mit der inneren Politik bin. Es läßt sich nur sagen, daß der größere Theil, und zwar der bessere, auf Seiten der Opposition waren, namentlich mit ganz geringen Ausnahmen die Vertreter des Großhandels, überhaupt waren die Leute der Intelligenz, also die Elite des Landes, in der Opposition zu finden. Um auch Balmaceda gerecht zu werden, so muß man seine diplomatische Laufbahn, seine gewaltige Energie anerkennen, besonders aber für uns noch seine Neigung zum Deutichthum (Lehrer, Militär rc.). Keiner seiner Vorgänger hat dem Lande die Segnungen der Cultur in so hohem Maße gebracht wie er. rad vom 5 (1) 3 9 (4) 1 2 (1) nicht genügender Anbausamen Regierung hat bisher unter Saatkorn vertheilt. Localer «n- provinzielle». ©itfeen, 6. April 1892. — Samstag den 9. April 1892, Vormittags 9 Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzial-AuSschuffeS der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wirthschasts-Concessionsgesuch des H- Bello ff II. zn Gießen. 2. Desgleichen des Heinrich Koch in Gießen. 3. Errichtung eines Dampf-Sägewerks durch August Schäfer zu Hungen. — Der Jahresbericht des Großh. Real-GymnastumS und der Großh. Realschule über das Schuljahr 1891/92 hat folgenden Inhalt: Der Schulgarten des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen. Bemerkungen über den naturbeschreibenden Unterricht an Realgymnasieu und Realschulen im Allgemeinen- von Realgymnasiallehrer Dr. Erb. Schulnachrichten. — Es ist an dieser Stelle nicht möglich, näher auf den Inhalt der einzelnen Theile des Programms einzugehen- es sei nur erwähnt, daß der Schulgarten nach dem, was darüber berichtet wird, als ein sehr wesentliches Mittel zur Förderung Wöchentliche Meberficht der Todesfälle in Gießen. 13. Woche. Dom 27. März bis 2. April 1892. Etmoohnerzshl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). SterbltchkettSztffer: 58,99 ’/oo bezw. 37,86 nach Ausschl. der Ortsfremden Kinder VevMifchLer. * Straßburg, 4. April. Wie die amtliche Correspondenz meldet, hat der kaiserliche Statthalter sür die arme Bevölkerung des Breusch- und Weilerthales die Summe von 3000 Mark zur Beschaffung von Saatkartoffeln bewilligt. * Metz, 4. April. In Olgy (Canton Sigy) wurde gestern eine Kindesmörderin verhaftet, welche nach eigenem Geständniß ihr vor einem Monat geborenes Kind ermordete, zuerst im Schornstein versteckte, dann aber aus dem Schornstein herausnahm, ihm Kops, Arme und Beine abschnitt und diese in einer Schürze im Garten vergrub. Die Mörderin ist eine verheirathete Frau, welche jedoch schon seit 8 Jahren von ihrem Manne getrennt lebt. * Posen, 2. April. Bei einem Feuer verunglückten Vormittags durch den Sprung aus dem ersten Stock in das Sprungtuch eine Frau und fünf Kinder. Die Mutter und eine Tochter sind tobt, die anderen mehr oder minder schwer verletzt. * London, 4. April. Berichte aus Durham melden von großem Elend,- wegen des Kohlenstrikes leiden Hundertlausende anderer Arbeiter- in Dorkshire und Cleveland sind 20000 Personen, die abhängig von der Eisenbranche sind, im Stadium des Verhungerns- die Haltung der Strikenden wird wankend. Biele Gruben schließen aus sechs Monate. Gerade durch letztere Verdienste imponirte er mir und war ich ein die ganze Zeit hindurch getreuer „Gobiernista" (Re- gierungspartei). Die aufständische Flotte ging, da sie hier nichts erreichen konnte, nach dem Norden, woselbst sie sich durch ein Bombardement des Häsens Jquique bemächtigte und sich anscheinend mit den Einnahmen aus den Eingangszöllen und Salpeterausfuhr genügen liefe. Unterdessen wurden auf Regierungsseite die Rüstungen weiterbetrieben, was Geld erheischte, und letzteres wurde eben „fabriciert"- es war aber auch danach. Es coursirt nämlich mit Ausnahme des Kleingeldes in Metall nur Papiergeld von 1 Doll, aufwärts. Durch Herausgabe von achtzehn Millionen dieser Wische und durch die faule Situation gelangte der Papierpeso aus einen Werth von ca. 15—16 d. englisch = 1.30 bis 1.40 Mk. deutsch, während er früher einen Werth von mehr als 2 Mk. repräsentirte. Im Kleinverkehr hielt Jedermann mit dem Metallgeld zurück, da es immer seinen Werth behält, und hierdurch entstand eine wahre Calamität. Um derselben abzuhelsen, wurden neue 50-Cents- Scheine verausgabt, während daß noch kleinere Geld in 2% und 5 Cents geprägten Hartgummistücken seinen Ersatz sand- namentlich war es eine Verkehrserleichterung aus der Pferdebahn re. Erst später gelangte Kleingeld (Metall) in den Verkehr, aber zu dem verminderten Werth des gesunkenen Papiercourses angenommen. Aehnliches geschah natürlich auch in dem oppositionellen Norden des Landes, welcher Theil durch das für die Congrefetruppen (Opposition) siegreiche Gefecht bei Poro Almonte genommen wurde und verschiedene Theile von Regierungstruppen gezwungen wurden, auf bolivianischem und argentinischem Boden östlich der Cordilleren und dann durch letztere mitten hindurch nach Santiago zurück- rukehren. (Forts, folgt.) — Ausübung des Hufbeschlags. Folgende Personen haben die betr. Prüfung bestanden und sind damit befähigt, gewerbsmätzig den Husbeschlag selbständig auszuüben / Wilhelm Arnold aus Leihgestern, Heinrich Eifer aus Muschen- heim, Johannes Fritzger aus Betzenrod, Heinrich Geiß aus Unter-Seibertenrod, Jakob Geiß aus Kastel, Georg Wilhelm Glanz aus Erbach i. O., Johann Ludwig Görich aus Langen, Johann Jakob Hechler aus Zwingenberg, Ludwig Münch aus Wetterfeld, Jakob Oswald aus Gimbsheim, Friedrich Wilhelm Schnörr aus Reichenbuch, Martin St ei np aß aus Morscheim (Bayern), Wilhelm Uhl aus Lengfeld, Matthäus Uhrig aus Wies-Oppenheim, Ludwig Vogt aus Gießen, Karl Wissner aus Schotten, Konrad Wöll aus Nieder-Gemünden. Brüssel, 6. April. Die Regierung brachte ein Gesetz ^Qnn heimlich entfernt hatte, ein über die Vermehrung' welche während des Winters an den um 613 Uhr von Gießen ankommenden Zug anschloß, wieder an den letzten von Gießen abgehenden und hier um 8 Uhr 20 Minuten ankommenden 3ug. Erfahrungsgemäß bleibt vielen Reisenden diese Veränderung unbekannt und sie müssen dann auf Station Mücke bts zur Post sehr lange warten oder den Weg zu Fuß zurücklegen. Bad Nauheim, 2. April. Nachdem bereits eine Anzahl Kurgäste hier angekommen ist, wurde gestern der nördliche Flügel des Badehauses Nr. 3 für Thermalbäder geöffnet. Das Badehaus Nr. 1 für Sprudelbäder wird vom Sonntag der nächsten Woche an dem Publikum zur Benutzung stehen, wahrend das neuerbaute Badehaus Nr. 5 mit dem 1. Mai, dem Beginn der osficiellen Saison, in Betrieb genommen werden soll. $. gtg> □ Vom Vogelsberg, 5. April. Eine solche Witterung wie die gegenwärtige zu Anfang April gehört in der That zu etwas Ungewöhnlichem, zu einer Seltenheit. Von dem berüchtigten Aprilwetter ist auch nicht eine Spur zu sehen. Dagegen ein wolkenloser Himmel und wirkliche Sonnenhitze. Zur Mittagszeit stand heute das Thermometer aus 20 o R im Schatten, nach der Südseite Nachts ist die Temperatur allerdings bei dem klaren Himmel noch kühl, aber am Tage ist es nun so warm, wie um die Zeit der Heuernte. „Dürrer April ist des Bauern Will'" sagt eine Kalenderregel und in öer That läßt sich die Frühjahrsaussaat ganz vorzüglich bewerkstelligen. Der gut durchfrorene Boden ist gut abge- trocknet und bearbeitet sich leicht und schön. Von dem vorjährigen nassen Sommer sind noch viele Grasreste vorhanden, welche bei einer feuchten Ausstellung die Saat stets schwer schädigen. Das jetzige sehr trockene Wetter ist nun vortrefflich dazu geeignet, dieses Gras auf den Aeckern ausrotten zu Helsen. Mit dem Hafersäen hat man allgemein begonnen, ebenso mit dem Legen der Frühkartoffeln. Eifrig ist man im Garten mit den Sämereien beschäftigt und diese Eile thut Noth, soll der Boden nicht allzu trocken werden. Selten oder gar nicht kann man sich daran erinnern, daß man schon um diese Zeit hier mit dem Graben und Säen der Gärten begonnen hat. Die ungewöhnliche Wärme hat auch die Knospen der Bäume rasch entwickelt, daß man die Tragknospen schon wohl zu unterscheiden vermag. Der Ansatz von Tragknospen an den Obstbäumen zeig? sich als ein reicher, die Wintersaat zeigt eine sehr gute Entwickelung, Winterraps und Klee haben, abgesehen von einzelnen nassen Stellen, vortrefflich überwintert. Die Aussichten in diesem Frühjahr sind mithin die besten und wenn sich etwas tadeln läßt, so ist es die gegenwärtige zu hohe Temperatur, weil das, was sie gut macht, durch einen minder günstigen Mai leicht wieder verdorben werden kann. Darmstadt, 2. April. Der Jnspector des städtischen Saalbaues, Velten, hat sich unter Hinterlassung eines Deficits von mehr als 8000 Mark heimlich von hier entfernt. Er sollte gestern den Baarbestand seiner Kasse abliesern. (V. ist inzwischen verhaftet worden). Wachenheim, 4. April. Am Samstag wurde in der Gemarkung Harxheim in einem Steinbruch ein Arbeiter in dem Augenblick, da er Feierabend machen wollte, von einem mehrere Centner schweren Felsen erschlagen. Um den Leichnam zu bergen, mußte der Felscoloß gesprengt werden. — Der diesjährige FeldbergTurnlag wird am Sonntag den 24. April stattfinden. Anträge für denselben sind bis zum 10. April an den Vorsitzenden der Frankfurter Turnerschaft zu richten. — Mittelrheinisches Kreisturnfest. Zur Bildung des Festausschusses für das im Laufe des Sommers in Mainz zu feiernde 20. Mittelrheinische Kreis-Turnfest waren am gestrigen Sonntag auf Einladung der Mainzer Turnerschast im „Casino zum Hof Guttenberg" daselbst eine größere Anzahl der Bürgerschaft angehürender Herren erschienen, welche nach erstattetem Vortrag seitens des Vorsitzenden der Mainzer Turnerschast, Herrn Allendors, beschlossen, als Fest-Ausschuß mit dem Rechte der Zuwahl in Thätigkeit zu treten. Als Ehrenvorsitzende wurden die Herren Gouverneur v. Reibnitz, Excellenz, Provinzialdirector Rothe und Oberbürgermeister Dr. Oechsner in Aussicht genommen und zweifelt man nicht, daß die genannten Herren diesen Beschluß genehmigen werden. Für den eigentlichen Vorsitz sind die Herren Dr. Haffner und Falk gewonnen. Die Grundzüge der Turnfest-Ordnung, über welche der am 9. April in Mainz zusammentretende Kreis-Ausschuß zu entscheiden haben wird, sind folgende: Das Fest wird vom 23. bis 27. Juli gefeiert und zwar in der Stadthalle und auf dem anliegenden Meßplatz. Am 23. Juli Abends ist Begrüßungsfeier- am 24. Juli großer Festzug, Freiübungs-, Musterrtegen- und Schauturnen- am 25. Juli Einzel-Wetturnen, Fest-Bankett, Kürturnen, Schülerturnen- am 26. Juli Wettfechten, Wettringen, Turnspiele, Concert der Männer-Gesangvereine- am 27. Juli großes Volksfest. Die nur dem Vergnügen gewidmeten Veranstaltungen werden in den Rahmen dieser Festordnung eingeschaltet. | DerWirthschastsplan setzt in Einnahme undAusgabe 30400 Mk. I fest- die Garantiezeichnungen haben jetzt schon die Summe von 40000 Mark erreicht. Im Laufe dieser Woche werden die Einzel-Ausschüsse gebildet. § Mücke, 5. April. Seit dem 1. d. Mts. schließt die Personenpostverbindung über Ruppertenrod —Ulrichstein, ! Es starben tn: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: 2.—15.J«hr: 2 (2) — 1 Diphtherie 2 (2) Lungentuberculose 6 (1) Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 4 Andere bekannte Krankheiten 11 (5) Summa: 23 (8) 17 (5) 3 (1) 3 (2) Anm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen “n Borsencomitvs des Südens mit I des naturwissenschaftlichen Unterrichts wie ein wichtiges Er. dem Vorschlag gewandt, um wegen der Gewährung der ziehungsmittcl betrachtet werden kann. Was den Schlller- QuS bc" südlichen bestand betrifft, so besuchten die neun Klassen des Real- ru fischen Hasen vorstellig zu werden. Es ist nicht zwcifel- ghmnasiums im ersten Vierteljahr 227, im letzten Vierteljahr haft, daß andere BörscncomttSs sich anschließen. Die Frei- 215 Schüler. Die Realschnle wurde in sieben Klassen besucht gäbe der Ausfuhr dürste kaum lange auf sich warten lassen, von 302 Schülern, die drei Klassen der Vorschule von «£’ a*n‘‘ Beratungen d-r Bundesraths- 148 Schülern. Jnsgesammt betrug die Schülerzahl zu Beginn Uusschuffe sür Zoll- und Steuerwesen, Handel und Verkehr des Schuljahres 677, cs gingen zu 24, ab 36, so daß im und über die Feststellung der Ausführungen zum Zucker- letzten Vierteljahr 665 Schüler vorhanden waren davon ?CrU C6 D°mk 31'1881 sind beendet und werden waren 536 Einheimische, 118 auswärtige Hessen, 44 aus- btefc Bestimmungen dem Bundesrath zur Genehmigung unter- wärtige Reichsangehörige, 3 Ausländer. 609 waren evanqe- brettet. Neben den sehr eingehenden Ausführungsbestimm- lisch, 34 katholisch, 58 israelitisch. Von den Abiturienten des ungcn werden auch Sonderbestimmungen über die Zuckerstatistik Realgymnasiums vor Ostern 1892 widmen sich einer dem ,c't3C'lEUt‘ Postfach, zwei den Kameralwiffenschaften, zwei der Forst- Tilfit, 5. April. Zahlreiche anarchistische und Wissenschaft, einer der neuen Philologie- von den Abiturienten nihilistische Schriften wurden aus dem hiesigen Zollamt der Realschule zwei dem Postfach, fünf der Kaufmannschaft, beschlagnahmt. je einer der Bierbrauerei, dem Baufach, der Technik und der Pest, 6. April. Die „Ungar. Corr." meldet aus Odessa, Oekonomie. Die Anmeldung neuer Schüler hat am 25. April in den südlichen Gegenden Rußlands haben die Saaten schlecht iu erfolgen - der Unterricht beginnt am 27. April, überwintert. Der Stand des Weizens und Roggens — Verhaftet wurde gestern ein arbeitsscheues Individuum, wird 25pCt. ungünstiger geschätzt als im Vorjahre. Für welches in einer hiesigen Wirthschast einem Handwerksburschen, die Sommersaaten sind ebenfalls sehr schlechte Aussichten, weil der mit ihm in einem Zimmer übernachtet, ein Paar Zugvorhanden ist. Die russische stiefeln entwendet hatte. — Weiter wurde verhaftet den Rothleidenden nicht viel ein Tagelöhner, der bei einem hiesigen Oeconomcn, wo er I beschäftigt war, verschiedene Gegenstände sich angeeignet und .derAbgeordnetenzifser -------- gemäß der letzten Volkszählung. — Das Großh. Ministerium hat eine Verfügung er- PariS, 5. April. Die Polizei in Lyon und Douay hat £ffenr' n“* "eld’£r cS bcn schulpflichtigen Knaben untersagt geheime Niederlagen von Dynamit entdeckt und einige s ^7 r.cl °en Turnvereinen als Mitglieder oder als Verhaftungen vorgeuommen. In Narbonne wurden zwei °9‘ zu betheiligen. Russen verhaftet, welche im Verdacht stehen, aus einem Eisen- ortsanwesende Bevölkerung des Großherzogthums bahnzug Dynamit gestohlen zu haben. Hessen zählt nach dem Religionsbekenntnisse 666,118 Nancy, 5. April. Bei einer Rede des Bischofs Tourinaz ^q-96^^ ^93/6,5,1 Katholiken, 3261 Freiprotestanten, über die sociale Frage entstand in der Kathedrale ein Deulsch-Kathollken (Frei-Religiöse), 865 Menoniten Tumult. Der Redner wurde mehrere Male unterbrochen, Baptisten, 25,531 Israeliten, 462 sonstige einer kleinen die Menge warf sich mit Stühlen rc. Es ist kein Unfall ?öer 9°r keiner Religionsgemeinschaft Angehörige. Was die vorgekommen. bci0.en Hauptconfeffionen (Evangelische und Katholiken) betrifft, Madrid, 5. April. Aus der Treppe des Sitzungsgebäudes ®rftCren. b°» Provinzen Starkenburg 3- - ».»"ÄS Oport», 5. rstml. Dte Polizei sand am 1. April 4 Kilo Hessen, 79 in Starkenburg. Die Zahl der Israeliten beträgt Dynamit, 14 Gewehre und 56 Revolver im Konigspalast. in Rheinhessen 8963, in Oberheffen 7402, in Starkenburg touJben v-rhaftet Das Verhör 9166. - Der Kreis Gießen weist aus 70,132 Evan- ^e Absicht der Anarchisten, nach Sprengung des gelische, 2052 Katholiken, 1 Freiprotestanten, 18 Deutsch- «omgsschloffes die Regierungsgebäude und die Polizeipräfectur Katholische, 37 Menoniten, 2022 Israeliten, Sonstige 59. zu besetzen._________________________________________ Die größte Anzahl Evangelische weist aus der Kreis Darmstadt (78/924 bei 91,184 Einw.), Katholische der Kreis Mainz ; (79,598 bei 117,298 Einw.), Freiprotestanten der Kreis Alzey (1591 bti 38,760 Einw.), Deutsch-Katholische der Kreis Offenbach (1368 bei 93,090 Einw.), Menoniten der Kreis Worms (458 bei 69,150 Einw.), Israeliten der Kreis Mainz (3789 bei 117,298 Einw.).