1r. 207 Dienstag den 6. September 1802 Der chlthener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener Aamitienbtätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Henerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Aßonnrmentspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zch»tßratzeAr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. —BMÄHSSB——seKWÄ——BSB Gratisbeilage: Hießener Aamikienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2lmtlid>cr Theil. Bekanntmachung. Die auf Mittwoch den 7. September anberaumte Generalversammlung des landwirthschaftlichen Provinzial Vereins st nach Mittheilung des Vereins-Präsidiums vertagt worden. Gießen, den 4. September 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________ v. Gaqern.______________ Bekanntmachung. Zwecks Erhebungen über die Arbeitszeit im Väckerei- lnd Conditoreigewerbe werden von uns am 6. Septem- »er L I an alle Bäckereien und Conditoreien der hiesigen Stabt Fragebogen ausgegeben werden, welche ordnungs- und oahrheitSgemäß zu beantworten sind; dieselben werden am 12. September L I. wieder abgeholt. Die Ausgabe der Fragebogen erfolgt in der Weise, daß ainmlliche einschlägigen Betriebe alphabetisch zusammengestellt mb bei der ersten Hälfte dieser alphabetisch aufgenommenen Hesammtzahl bie Fragebogen den Arbeitgebern, bei der weiten Hälfte den Arbeitnehmern zur Beantwortung rnsgehändigt werden. In Betrieben, wo mehrere Arbeiter beschäftigt sind, »aben sich dieselben sofort darüber zu einigen, wer von ihnen ehuss Beantwortung den Fragebogen in Empfang nehmen oll und wird mangels einer derartigen Einigung der Frage- ogen demjenigen Arbeiter zugestellt werden, welcher am ängsten in dem betreffenden Betriebe beschäftigt ist. Gießen, 3. September 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.- Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, aß Großh. Beigeordneter Rendant Karl Grüneberg -ahier zum Stellvertreter des Standesbeamten des Standes- mtsbezirks Gießen ernannt und als solcher in Pflichten enommen worden ist. Gießen, den 3. September 1892. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. Deutsches Reich. Berlin, 3. September. Kaiser Wilhelm wohnte am Freitag Vormittag dem Manöver des Gardecorps in der legend von Pyritz bei und reiste dann Mittags über Stargard nach Swinemünde weiter. Bei der. Kritik aus dem Manöverfelde hatte der allerhöchste Kriegsherr dem comman- direnden General v. Meerscheidt - Hülleffem gegenüber seine vollste Zufriedenheit mit der Haltung der Truppen, sowie seine Freude darüber, gerade am Sedantage bei denjelben verweilt zu haben, ausgesprochen. Sofort nach der in der fünften Nachmittagsstunde erfolgten Ankunft in Swinemünde begab sich der Kaiser an Bord des „Kaiseradler" und fuhr später mit dem „Meteor" dem bei Heringsdorf ankernden, aus nicht weniger als 51 Kriegsschiffen bestehenden Manövergeschwader entgegen. Am nächsten Tage nahm der Kaiser über diese überaus stattliche Flotte die Parade ab. Seine Rückkehr nach Potsdam von der Flottenbesichtigung wird im Lause des Montag erwartet. — In vergangener Woche haben kurz hintereinander die Reichstagsnachwahl in Halle-Herford und die R eichsragssttchw ahl in Sagan - Sprott au statt- gesunden. In ersterem Wahlkreise ist der vom Centrum unterstützte Candidat der Conservativen, Freiherr v. Hammerstein, gegenüber den von den Nationalliberalen, den Freisinnigen und den Socialdemokraten aufgestellten Gegenkandidaten mit einer Mehrheit von angeblich 1500 Stimmen zum Abgeordneten gewählt würden, die Conservativen haben also das Mandat des verstorbenen Kleist-Retzow behauptet. Was die Stichwahl zwischen dem Conservativen v. Klitzing und dem Freisinnigen Dr. Müller in Sagan-Sprottau, dem srüheren Wahlkreise Forckenbecks, anbelangt, so waren bis Freitag Abend 10 Uhr für ersteren 4517 Stimmen, für letzteren aber 6177 Stimmen gezählt worden; vermuthlich hat Dr. Müller den Sieg davongetragen. Swinemünde, 3. September. Der Kaiser ging an Bord des Admiralschiffes „Mars" Vormittags 10 Uhr in See, nahm die Parade über die in doppelter Kiellinie ausgestellte Flotte, fuhr an der Spitze des Geschwaders nach der Insel Oie, begle'tet von beflaggen ^affagierdampscrij/ und sodann Mittags 1 Uhr nach Arcona. Bremen, 3. September. Der „Norddeutsche Lloyd", der Auswanderer nach Newyork und Baltimore bis auf Weiteres nur mittelst Extradampfer befördert, erhöhte die Pr.eise für die Zwischendeckpassagiere aus 150 Mk. Ausland. Petersburg, 3. September. Professor Virchow ist gestern von hier abgereist. Der Mirnster für Volksausklärung und zahlreiche Aerzte gaben demselben bis zum Bahnhose das Geleite. Moskau, 2. September. Bei dem heute zu Ehren der Delegirten des internationalen Eisenbahn-Con- gresses veranstalteten Dejeuner brachte der Präsident der Moskau-JaroSlawer Eisenbahn, Mamontow, aus die Theil- nehmer des Congresses einen Toast aus und hieß dieselben als die unermüdlichen Vorkämpfer für Frieden und Arbeit in Moskau willkommen, das das Herz Rußlands sei und immer nur den Frieden und den Fortschritt wolle. Am Abend fand zu Ehren der Congreßtheilnehmer eine Festvorstellung im großen Theater statt. Uewcfie Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Lissabon, 4. September. Ein Hausen besch äs tigung s- loser Arbeiter zog gestern vor das Arbeitsministerium und forderte Lebensunterhalt und Arbeit. Als der Minister erklärte, daß ihm die Erfüllung ihrer Forderungen unmöglich sei, versuchten die Manifestanten, gewaltsam in das Ministerium einzudringen. Die Polizei nahm zahlretche Verhaftungen vor und stellte die Ruhe wieder her. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 5. September. Die „Post^ hält als Ein- sührungßtermin der Mi litär v orla g e den 1. October 1893 fest. Die Vorlage werde in der Wimertagung 1892/93 oder spätestens in einer besonderen Sommertagung 1893 eingebracht. Wie», 5. September. In einer aus 2500 Personen bestehenden Versammlung sprach gestern Bebel über die Entstehungsgründe und Ziele des modernen Socialismus int Allgemeinen und die Stellung der Deutschen insbesondere. Redner empfahl den österreichischen Genoffen die Anstrebung des allgemeinen Stimmrechts. Die Cholera. Die seit einigen Tagen endlich eingetretene Abnahme der Choleraepidemie in Hamburg hält erfreulicher Weise an, wenigstens zeigt die Zahl der täglichen Todesfälle nunmehr eine stetige und verhältnißmäßig bedeutende Verminderung. Was die Nachrichten aus dem übrigen von der Cholera inficirten Gebiete anbelangt, so lassen sie erkennen, daß sich die Seuche an den meisten Orten, wo sie bislang aufgetreten ist, stationär bleibt und keinen bösartigen Character ausweist. Immerhin ist das Verbreitungsgebiet der Seuche in Deutschland ein nicht unbeträchtliches. Daffelbe reichte nach den jüngsten Meldungen nördlich bis Rendsburg, südlich bis Magdeburg; eine größere Anzahl von Choleraerkrankungen weisen indessen — abgesehen natürlich von Hamburg selbst — nur die Orte in der Nähe dieser Stadt, wie Altona, Wilhelmsburg usw. aui. Etwas p08t k68tum wird dem schwergeprüften Hamburg von dort aus nachdrückliche Hilfe gegen die Cholera verheißen. Der Vater des in Dortmund ftationirten Aichungs- inspectors Will, ein Arzt in Ostpreußen, hat nach hinter- Feuilleton. Der Vrtler aus Cstisornikn. Novelle von E. Rudorfs, lerfaffertn des preisgekrönten Romans: „Durch Leid zum Licht". (3. Fortsetzung.) Dem Rechnungsrathe gefiel der junge Mensch; es würde ch mit ihm manches Stündchen angenehm verplaudern lassen, nd Zorn gedachte den Schatz seiner Erfahrungen dem Gaste Infttg nicht vorzuenthalten. Walter erhielt von ihm un- edingte Vollmacht, die nöthigen Veränderungen im Parke orzunehmen. In der Frühe des nächsten Tages erschien Walter be- eits mit einigen Arbeitern. Liesbeth machte sich im Gemüse- arten zu schaffen; sie begoß Pflanzen und jätete voll Eifer, verstohlen blickte sie nach Walter hin, denn sie mußte doch te Reformen des Vetters in nächster Nähe beschauen? Ja, D hatte sie einen rechten Mann, der mit ganzer Kraft den ■amPf ums Dasein aufnimmt, sich stets gedacht. Jede An- leisung an die Arbeiter sprach von ruhiger Ueberlegung, :der Handgriff, welchen er ihnen zeigte, erleichterte ihr chun; und beteiligte sich Walter mitunter an der Arbeit, ) erwies sein schlanker, elastischer Körper sich jeder Krast- nstrengung gewachsen. Die Anlage gewann in kürzester Zeit ein völlig anderes uSsehen; Liesbeth hatte — offenen Blickes — schon lange 15 Verfehlte derselben erkannt und freute sich über das ge- mgene Werk des angeblichen Lorenz Walter. Dieser kam -glich, um nachzusehen, zu putzen und zu verschneiden. Daß Walter ihr Detter Wilhelm sei, daran zweifelte is junge Mädchen keinen Augenblick. Auch sprach „die Stimme des Blutes" zu deutlich dafür. Liesbeth hatte von dem ersten Augenblicke sich unwiderstehlich zu dem jungen Manne hingezogen gefühlt. Sie beschloß, sobald sie einmal mit Walter allein fein würde, ihn in Bezug auf die Ver« wandtschaft zu fonbiren; ihr mußte er doch wenigstens sich anoertrauen. Die Gelegenheit traf sich schnell, denn Walter kam eines Morgens, als der Rechnungsrath bereits aus das Bureau und feine Gattin auf den Markt gegangen war. „Herr Walter," begann Liesbeth nach den ersten Begrüßungen, „wollen Sie eine Frage mir offen und wahrheitsgetreu beantworten?" „Sicherlich, mein liebes Fräulein!" „Was bewog Sie, der scheinbar uns ganz fremd ist, auf die Gartenanlage so viel Zeit und Mühe zu verwenden?" „Ich that es, mein liebes Fräulein, weil es mir unmöglich ist, etwas Schiefes zu sehen, ohne den Versuch zu wagen, es in die richtige Lage zu bringen, und weil ich gewohnt bin, zu arbeiten und mich nützlich zu beschäftigen." „Gleicht mein Vetter Wilhelm Ihnen?" „Wie meinen -Sie das, Fräulein Liesbeth ?" „Ich will damit sagen: ist er auch gefällig, umsichtig, thatkrästig?" Liesbeth sah mit schelmischem Lächeln zu dem jungen Manne auf. Walter wurde augenscheinlich ein wenig verlegen. „In Lagen, in welchen Wilhelm Berg solche Eigenschaften betätigen konnte, habe ich ihn nicht gesehen." „Wie sieht Wilhelm aus? Ist er ein hübscher, junger Mann?" Jetzt war — wie Liesbeth meinte — der junge Herr gefangen. Zögernd, wie es sonst nicht in Lorenz Walters Art lag, entgegnete er: „Der Geschmack ist sehr verschieden, auch finden die Frauen oft das Aeußere eines Mannes angenehm, der auf uns keinen Eindruck macht." „Sie weichen meinen Fragen aus, Herr Walter, allein ich bitte Sie, ganz offen zu fein in Bezug auf meinen Vetter Wilhelm. Seit meiner Kindheit ohne Geschwister, ohne verwandte Gespielen ausgewachsen, hat der Gedanke an Vetter Wilhelm, meinen jugendlichen Verwandten, mich nie verlassen und ich habe ihm im Geiste eine innige Zuneigung entgegengebracht. Es war mir stets, als hätte ich fern über dem Ocean einen geliebten, älteren Bruder, ein Wesen, welches j treu in allen Fährlichkeiten des Lebens mir zur Seite stehen könne. Ich habe meine Eltern ja so lieb — — aber mein guter Vater ist schon alt und stets ernst und die theuere Mutter ist im engsten Verkehr mit ihm auch viel stiller geworden, als es sonst wohl der Fall gewesen wäre. Manch- mal bin ich mir wie ein gefangenes Vögelchen vorgekommen'; alle Freude und Sangeslust, die in mir lebte, konnte gar nicht hervorbrechen, weil mir ein lieber Gefährte, der zu meinem Alter gepafit hätte, versagt worden war. Ein Mann vermag kaum sich dies vorzustellen; er tritt in das volle Leben, er findet Kameraden überall, unter welchen er den ihm liebsten zum Freunde sich erwählen darf!" Liesbeth machte eine Pause; Walter erwiderte jedoch nichts, sondern blickte forschend das Mädchen an, als ob er noch mehr zu hören wünsche. „Da habe ich denn immer an Vetter Wilhelm denken müssen und es beklagt, daß er so fern von uns weile. Als die Nachricht kam, daß er kommen würde, habe ich laut aufgejubelt — —" Lorenz Walter hatte, so schien es, die unschuldsvollen Bekenntniffe Liesbeths mit dem größten Interesse vernommen. lassenen Schriften bei der in den 30er Jahren wüthenden ostpreußischen Choleraepidemie mit einem einfachen Mittel großartige Erfolge erzielt. Jeder Cholerakranke, welcher mit dem Mittel rechtzeitig behandelt wurde, soll nach Versicherung des Herrn Will jun. gerettet worden sein. Dasselbe besteht auS Aether und Phosphor und ist, wie ein Gutachten des Kreisphysikus Geheimraths Dr. Hagemann besagt, geeignet, die Nerventhätigkeit anzuregen, woraus es bei den Cholerakranken hauptsächlich ankommt. Herr Will hat sich nun mit dem Gerichtschemiker Dr. Kayßer in Dortmund behuss Anfertigung des Mittels in größeren Mengen in Verbindung gesetzt und ist am Freitag die erste Sendung desselben nach Hamburg abgegangen. Falls dieses Will sche Mittel gegen Cholera sich wirklich bewähren sollte, so kann nur bedauert werden, daß der Sohn des Erfinders mit seinem Geheimnisse nicht schon eher hervorgetreten ist. Berlin, 3. September. Dem amtlichen Cholera- bericht zufolge erkrankten in Hamburg am 2. September 581 Personen und 245 starben. In der Stadt Stade und fünf Orten des Regierungsbezirks erkrankten sechs und starben zwei, in der Stadt Harburg und 6 Orten des Kreises Harburg insgesammt fünf Personen und fünf starben. In der Stadt Clausthal ist ein Todesfall vorgekommen. Aus der Stadt Aken und einem Orte des Kreises Kalbe werden zwei Erkrankungen gemeldet. In Großstrelitz (Oppeln) sind zwei Personen erkrankt, von denen eine gestorben ist. In der Stadt Bielefeld ist eine Person erkrankt. Vom 25. August bis 1. September sind in Mecklenburg-Schwerin in sieben Städten und fünf Landorten insgesammt 30 Personen erkrankt, in 16 Fällen ist die Krankheit eingeschleppt -und neun verdächtige Fälle befinden sich darunter. Gestorben sind 11 Personen. Aus Bremen wird vom 29. August ein Todesfall gemeldet. Berlin, 3. September. Die Kaiserin liefe der Vereinigung der Berliner Sanitätswachen mit Rücksicht aus die in der Cholerazeit zu vermehrende Hilfsbereitschaft tausend Mark zugehen. Berlin, 3. September. Seit gestern erfolgten in Berlin 25 Neuerkrankungen. Berlin, 4. September. Durch Plakate an den Anschlagssäulen macht der Magistrat bekannt, dafe wegen der drohenden Choleragesahr die städtischen Bade- und Schwimmanstalten von morgen ab geschlossen werden. Berlin, 3. September. Mittwoch findet in dem Langeubeck- hause eine außerordentliche Sitzung der Berliner medicinischen Gesellschaft unter dem Vorsitze Professor Bergmanns statt. Der Direetor des Moabiter Krankenhauses, Profefior Guttmann, wird Bericht über die Berliner Cholerafälle erstatten. Stabsarzt Pfeiffer wird nähere Angaben über die baeteriologischen Nachweisungen der Cholera machen. Hamburg, 3. September. Von Mitternacht bis heute Mittag 12 Uhr erkrankten 133 Personen an der Cholera und 35 Personen starben. Nachträgliche Meldungen aus den letzten Tagen enthalten weitere 448 Erkrankungen und 210 Todte, welche nicht in der amtlichen Liste enthalten waren. Heute wurden 245 Choleraleichen beerdigt. Hamburg, 3. September. Die Hamburger Handelskammer hat zur Linderung des Nothstandes Hilfscomites errichtet und zog zur Mitwirkung u. A. auch die Führer der hiesigen Soeialdemokraten hinzu, weil diese die einschlägigen Verhältnisse kennen. Hamburg, 3. September. Ein von der Medicinalbehörde publieirter ergänzender Bericht weist bis zum 1. September insgesammt 4515 Erkrankungen und 1894 Todesfälle auf, dazu kommen die Nachmeldungen der Cholera-Commission des Senats mit 493 Kranken und 80 Todten, macht zusammen bis zum Anbruch des 2. Septembers 5007 Erkrankungen und 1974 Todesfälle. Der Proeentsatz der Todesfälle beträgt 40 pCt. Am Freitag erfolgten 590 Beerdigungen, für heute sind 450 angemeldet. Es handelt sich dabei um die Bestattung der aus irgend welchen Gründen angehäuften Leichenmengen. Hamburg, 4. September. Von den seit gestern Mittag eingegangenen Meldungen entfallen auf Samstag 102 Er- Sein Auge ruhte mit dem Ausdruck innigen Wohlgefallens aus dem Antlitz des jungen Mädchens. „Wenn nun aber Vetter Wilhelm gar nicht Ihren Erwartungen entspräche, wenn er zwar ein höchst braver junger Mann wäre, jedoch einsilbig, in sich gekehrt — “ „Nein, das ist er sicherlich nicht! Er ist frisch, heiter." „Woher wissen Sie das, liebes Fräulein? Haben Sie dies aus seinen Briefen ersehen?" „Seine Briefe waren kurz, er kannte uns ja nicht persönlich —" „Nun — — und?" Liesbeth schwieg eine Weile, dann sagte sie schnell und hoch erglühend: „Wefehalb wollen Sie noch länger Comödie mit uns spielen — Sie sind ja Vetter Wilhelm!" Wie ein Blitz glitt ein eigentümliches Lächeln über die Züge Walters, dann sagte er in ernstem Tone: „Fräulein Liesbeth, ehe ich erkläre, ob Ihre Voraussetzung salsch oder richtig sei, bitte ich Sie, mir ebenfalls eine Frage zu beantworten: „Würden Sie es für kein Unrecht halten, wenn Wilhelm Berg unter erborgtem Namen bei seinen nächsten Verwandten sich eingesührt hätte?" Nun wurde Liesbeth verlegen. „Die Tante Berg und ihr Gatte schieden zwar nicht in Freundschaft von dem Papa, jedoch anders, als es sonst unter Geschwistern Vorkommen sollte. Auch war der briefliche Verkehr nicht so herzlich, wie man es wünschen durste. Wer könnte es da Wilhelm verdenken, wenn er unerkannt den Verwandten sich nähern wollte, um sich davon zu überzeugen, ob er aus einen freundlichen Empfang hoffen dürste. Wahrscheinlich hätte ich es ebenso gemacht, denn ein warmes Herz entgegenbringen und mit Kälte ausgenommen werden, das ist gar zu traurig." (Fortsetzung folgt.) krankungen und 57 Sterbesälle, auf Freitag 261 Erkrankungen und 191 Todesfälle, aus Donnerstag 108 Erkrankungen und 126 Todesfälle und aus frühere Tage bis zum 26. August zurück 57 Erkrankungen und 5 Todesfälle, im Ganzen also 528 Erkrankungen und 379 Todesfälle. Die Gesammtzahl beträgt bis jetzt 5623Erkrankungen und 2518 Todesfälle. Die Transporte betrugen am Samstag 325 Kranke und 197 Leichen, also 45 Kranke und 12 Leichen weniger, als am Tage vorher. Dte gestrige polizeiliche Bekanntmachung, wonach jeder Haushaltungsvorstand bei Strafe verpflichtet ist, innerhalb 24 Stunden jeden verdächtigen Erkrankungsfall bei den Polizeiwachen anzumelden, hat zur Folge, dafe heute bei den Wachen eine große Anzahl von Meldungen einläust. Dadurch wird sich die Zahl der Krankmeldungen voraussichtlich sehr erhöhen, da sie viele Fälle umfassen werden, die bisher unangemeldet blieben, weil meistens nach einigen Stunden Besserung eintritt, ohne dafe es nöthig wird, ärztliche Hilse in Anspruch zu nehmen. Coblen^, 3. September. Der Pfleger des im Jsolir- spital verstorbenen Hamburger Reisenden starb in der verflossenen Nacht unter gleichen Symptomen. Amtlich ist keine Cholera sestgestellt worden. Leipzig, 3. September. In der heutigen Plenarsitzung des Rathes wurde in Anbetracht die Choleragesahr der Beginn der Michaelismesse aus den 3. Octoder festgesetzt und beschlossen, ihre Dauer auf vierzehn Tage zu beschränken. Für den Beschluß soll die Genehmigung des Ministeriums des Innern nachgesucht werden. Bremen, 3. September. Dr. Koch trifft Nachts hier ein, um sich persönlich über die hiesigen Choleraverhältnisse zu orientiren. Altona, 3. September. Hier sind 24 Personen neuerkrankt und 9 gestorben. Breslau, 3. September. Die ersten drei Fälle von asiatischer Cholera in Schlesien werden amtlich aus Suchau und Großstrelitz gemeldet. Einer davon verlies tödtlich. ComIc# tinö provinzielles. Gießen, 5. September 1892. — Nach einer uns aus Crumbach zugegangenen Mit- theilung ist die Weiterverbreitung des in Nr. 194 d. Bl. erwähnten Waldbrandes nicht durch das energische Eingreifen der Förster verhindert worden, sondern durch die vereinigten fast übermenschlichen Anstrengungen der Bewohner von Crumbach, der gerade in diesem Orte beschäftigten Maurer, Handlanger und Zimmerleute, sowie der Einwohner von Kirchvers, Frankenbach und schließlich der Waldarbeiter von Krofdorf. r. Munzenberg, 3. September. Gestern Abend feierte der hiesige Kriegerverein und mit ihm das ganze Städtchen den Gedenktag der Schlacht bei Sedan. Um i/z8 Uhr versammelten sich alle Festtheilnehmer an der prächtig iüuminirten Friedenslinde. Der hiesige Stadtmusikchor begann mit dem Abspielen des Chorals^, ^,Nun danket alle Gott" 20. Hierauf hi^lt Herr Pfarrer Weimar eine kurze, kräftige Ansprache. ES wurden noch verschiedene Feuerwerke abgebrannt und der Zug, voran die Musik, bewegte sich durch die Hauptstraßen der Stadt auf den hellerleuchteten Festplatz, den Steinberg bei Münzenberg. Hier wechselte Musik und Gesang von Vaterlandsliedern einander ab. Der Festwirth hatte für Alles auss beste gesorgt und Jeder hatte das Gefühl in sich: das Fest ist gelungen. BabNauheim, 4. September. Die hiesigen Hotel- und Villenbesitzer haben beschlossen, keine Hamburger, sowie Personen aus infieirten Gegenden aufzunehmen. -1- Heisters, 4. September. Beim Dreschen mit der Dampsdreschmaschine kam ein Arbeiter durch Unvorsichtigkeit in das Räderwerk, wobei einige Finger der linken Hand zerquetscht wurden. *** Metzlos, 4. September. DaS Dienstmädchen eines !)iesigen Landwirths, welches einige Tage fehlte, wurde tobt im Felde aufgefunden. Die Todesursache ist noch nicht estgestellt. O Ober Widdersheim, 1. September. Dahier machte ein schon längere Zeit kranker Mann seinem Leben ein Ende, indem er sich mit einem Messer den Leib aufschnitt. )-( Utphe, 1. September. Gestern ereignete sich dahier ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Konrad Böcher, chon lange Jahre in Diensten des Herrn Gutspächters Fülberth dahier stehend, war mit einem Fuhrwerke seines Dienstherrn gegen Mittag aus das Feld gefahren, um Getreide einzufahren. Da die Witterung regnerisch war, mochte der- elbe rasch gefahren haben, denn nachkommende Leute hatten ein Fuhrwerk aus den Augen verloren, sanden ihn aber zu ihrem Schrecken plötzlich tobt am Wege liegen. Böcher ist wahrscheinlich vom Wagen gefallen unb unter bie Räber gekommen, ba der Kopf ganz zerknirscht war. Heute befanb ich das Gericht hier zur Feststellung des Thatbestanbes. X Rebgeshain, 4. September. Die Kinber einiger hiesiger Lanbwirthe spielten bei einem Wohnhäuschen eines unbemittelten Mannes mit Feuerzeug unb steckten baffelbe in Brand, so daß es total abbrannte, ehe noch rettende Hülfe gebracht werden konnte. § Crainfeld, 2. September. Heute wurde auf hiesigem Friedhof Herr Pfarrer Wilhelm Lehn beerdigt. Derselbe war als Pfarrer 33 Jahre in hiesigem Kirchspiel thätig gewesen und gaben ihm auch deshalb die meisten Bewohner aus seiner Gemeinde das Geleit. ]| Rixfeld, 4. September. Bei der hier stattgehabten Gemeinderathswahl, bei der die früheren Mitglieder wiedergewählt wurden, kam es Abends zwischen zwei Parteien zu einem Handgemenge unb würben drei Gemeinderäthe derart verletzt, daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. Die Sache wird, wie man hört, ein gerichtliches Nachspiel haben. K. Lisberg, 3. September. Heute Nacht brannte die noch nicht lange erbaute Scheuer des Mühlenbesitzers Rings- hausen ab. K. Bingenheim, 2. September. Bei der gestern hier stattgefundenen Bürgermeister wähl wurde der Landwirth Johannes Müller mst einer Stimme Majorität gewählt. Darmstadt, 3. September. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog erlegten vorgestern im Viernheimer Jagdbezirk einen, und gestern im Lorscher Jagdbezirk zwei Hirsche. — Se. Exeellenz Herr Finanzminister Weber ist aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat wieder die Leitung ber Geschäfte bes Finanzministeriums, sowie ben interimistischen Vorsitz im Staatsministerium übernommen. Darmstadt, 3. September. Der größte Theil der hessischen Division wurde im Lause des gestrigen Tages bei Gernsheim 20. mittelst Nähen vom rechten nach dem linken Rheinuser ^übergesetzt, da nunmehr die Manöver in Rheinhessen ihren Anfang nehmen. — Von dem Garde-Dragoner-Regiment Nr. 23 liegen aus Saarlo uis die besten Nachrichten vor. Der Gesundheitszustand ist ein vortrefflicher und hat daö Regiment für seine vorzügliche Ausbildung die lobendste Anerkennung des commanbirenben Generals bes VIII. Armee- corps, v. L o e, erhalten, ebenso anerfennenb sprach sich General v. Rosenberg über bas Regiment aus. (:) Aus dem Oberwald, 4. September. Wie man hört^ sollen wieder Wilddiebe ihr Unwesen hier treiben. Hoffentlich gelingt es den Anstrengungen der Wächter des Gesetzes, den Verbrechern ihr ruchloses Handwerk zu legen. A Mainz, 4. September. Seitens ber hiesigen Gast- wirthe ist gestern eine Vereinbarung getroffen worben, mit Rücksicht auf bie Gefahr ber Choleraeinschleppung vorerst keine aus Hamburg kommende Reisende aufzunehmen. Für die mit den Schiffen eventuell ankommenden verdächtigen Kranken ist in einem unbenutzten Ootroihaus unfern des Rheines neben der städtischen Purnpanstalr eine Unterkunft geschaffen worden. Komischer Weise hatte man zu diesem Zwecke einen Flügel eines der staatlichen Brückenhäuser hergerichtet, in welchem sich ein täglich von Hunderten von Personen frequennrteS Steuerbureau befindet. Auf Intervention des Steuererhebers ist man doch glücklicher Weise von dieser merkwürdigen Idee abgekommen. — Anläßlich der eben in Rheinhessen stattfindenden Divisionsmanöver wird der Grofeherzog morgen Nachmittag hier eintreffen und bis gegen den 17. d. Mts. im hiesigen Großherzoglichen Palais residiren. — Gestern Abend trafen die Krieger vereine aus Elsafe-Lothringen hier ein, um heute das Nied erwaldd enkmal zu besuchen. Während man aus einen Besuch von vielen Hundert Mitgliedern gerechnet hatte, trafen nur annähernd 100 Mann ein. Die Furcht vor der Cholera unb bie Kaisermanöver in Lothringen haben Viele von dem Ausflug serngehalten.j Vermischtes. * Halle a. S., 1. September. Abermals ist eine Frauensperson in Folge des grenzenlosen Leichtsinns, Petroleum in offenes Osenseuer zu gießen, um die Flamme anzusachen, ums Leben gekommen. In dem Nachbarorte Untergeifeen machte sich die junge Ardeiterssrau Vahlteich gestern dieser Leichtfertigkeit schuldig- im Augenblick stand in Folge Explosion des Gefäßes die Frau in Hellen Flammen und verbrannte fast buchstäblich bei lebendigem Leibe. Nach furchtbaren Schmerzen starb sie heute früh in der hiesigen Klinik^ wohin sie aus Anordnung des Arztes gebracht worden war. Sd>iff$nad>ricbten. Hamburg, 3. September. Der Hamburger Doppelschrauben- Schnkllbampfer „Normannia", Capttän Hedtch, der Hamburg- Amerikanischen Packetsahrt-Actien-Gesellschaft, welcher am 27. Aupu't von Southampton abgegangen, ist am 3. September, 4 Uhr 20 Mm. Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 7 Tage 20 Stunden 50 Mtn. Oceanfahrt von Southampton 6 Tage 18 Stunden 50 Mtn., von Queenstown aus gerechnet nur 6 Tage 3 Stunden 50 Mtn. Hamburg, 3. September. DaS Ham bürg - Newporter Poit- Dampfschiff „Rugia", Capttän Leithäuser, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actten-Gesellschaft, ist am 3. September, 3 Uhr Morgens, wohlbehalten In Newyork angekommen. Antwerpen, 3. September. Die Red Star Linie Hai die Beförderung von Zwischendeck-Passagieren (Auswanderer) auf ihrer Linie nach Newyork und Phtladelphta ganz eingestellt in Folge der Quarantäne, welche in Amerika gegen Dampfer verhängt wird, welche Auswanderer an Bord haben. verkehr, Land- «n- volkswirthschaft. erütif>«re, 3 Srplbr. Fruchtpresse. Met,kN JL 16.80 Korn ac 14.70, Gerste ac. 14.20, Hafer au 13.40, Erbsen Linsen ac Wicken ac--. Leinet —, Kartoffeln^ — Samen JL —.—.______ Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgase,. Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen. Monat August 1892: 14 Kerzen. Buchner. j Hpielplau der vereinigten frankfurter Ltadttheater. vpernhan». Dienstag den 6. September: Undine. Mittwoch den 7. September: Excelsior. Donnerstag ben 8. September: Carmen. Freitag den 9. September: Der Ring deS Nibelungen. Siegfried. Zweiter Tag aus der Trilogie. Samstag den 10. September: Excelsior. Sonntag den 11. September: Der Troubadour- Montag ben 12 September: Der Ring des Nibelungen. Götterdämmerung. Dritter Tag aus der Trilogie. Schauspielhaus. Dienstag den 6. September: Das Jubiläum. Hierauf: Man soll nichts verschwören. Mittwoch den 7. September: Ztgeunerbaron. Donnerstag den 8 September: Böse Zungen. Freitag den 9. September: Clavtgo Hierauf: Grrngotre. Samstag den 10. September: Die beiden Leonoren. Sonntag den 11. September: Nach Madrid. Montag ben 12. September: Nach Madrid. Temperatur der Lahn und Luft gemessen nach Reaumur am 5. September, zwischen 11 und 12 Uh': Wasser 13 Grad, L"tt 13 Grad im Schatten. Rübsauien'sche Oabeanflalt