Nr. 154 Erstes Blatt Mittwoch den 6. Juli 1892 Der •WttefT Mrietr rrlchkint täglich, mit Lu-nahmr bei Montags. Die Gie-ener yeeffitelflttei »erden dem Lnzei§« »Achentlich birimel beigdrgt Gießener A nzeiger Heneral-Anzeiger. viertel jähriger >lte«rmr*tsyrcUl 2 Mark 20 Pfg. mit Bnngerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf^ Artactton, Expedition and Druckern: Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt füt? den ICreis <6ieffen Hratiskeilage: Hießen« Iamikienkkätter. Rnnntzme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vor«. 10 Uhr. Alle Lnnoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den »Gießener Anzeiger" entgegen. /> Bekanntmachmlg, betr. me Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Lumdabrücke bei Daubringen. Die im Zuge der Kreisstraße Lollar—Daubringen gelegene Lumdabrürke bei Daubringen wird wegen Umbaues derselben von Montag den 11. Juli d. I. ab bis aus Weiteres gesperrt. Gießen, den 5. Juli 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Wetterbrücke bei Ober-Bessingen. Die im Zuge der Kreisstraße Ober - Bessingen- Ettingshausen gelegene Wetterbrücke bei Ober- Bessingen wird wegen Umbaues derselben von Montag den 11. Juli d. I. ab bis aus Weiteres für den Verkehr gesperrt. Gießen, den 5. Juli 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, betr. die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Ortsvorstand zu Nidda mit dem am 12. September d. I. daselbst stattfindenden Herbstmarkte eine Verloosung von Vieh und landwirthschastlichen Geräthschasten zu verbinden beabsichtigt, um die Mittel zur Prämiirung von Vieh zu gewinnen. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose, zu 50 Psg. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet worden. Gießen, den 4. Juli 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 1. Juli 1892. Betr.: Die regelmäßigen Ergänzungswahlen der Mitglieder des Gemeinderaths. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reifes. Soweit Sie unseren Verfügungen vom 27. und 30. Mai l. I- — Anzeiger Nr. 124 und 127 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung. v. Gagern. Deutsche- Reich. Berlin, 4. Juli. Der Kaiser traf an Bord seiner Jacht „Kaiseradler", gefolgt vom Panzerschiffe „Siegfried", in der Nacht zum Sonntag im besten Wohlsein in Bergen ein, der wichtigsten Handelsstadt Norwegens. Die Kaiserliche Dacht wurde bei der Einfahrt von den Festungsbatterien und von der vor Bergen ankernden deutschen Corvette „Stosch", die jetzt als Cadetten-Schulschiff dient, salutirt. Der Kaiser nahm an Bord des „Kaiseradler" mehrere Meldungen entgegen, hielt dann Gottesdienst ab und setzte um 2 Uhr Nachmittags, ohne an Land gegangen zu sein, die Weitersahrt nach Drontheim fort. — Die Versetzung des seitherigen deutschen Botschafters in Constantinopel, Herrn v. Radowitz, nach Madrid erregt in den Berliner politischen Kreisen großes Aufsehen, da die Nachricht von dieser diplomatischen Versetzung ganz unerwartet gekommen ist. Herr v. Nadowitz hat das deutsche Reich beinahe ein volles Jahrzehnt bei der Pforte vertreten und sich auf dem ebenso schwierige wie wichtigen Stambuler Botschasterposten ungemein bewährt. Es müssen darum gewichtige Gründe gewesen sein, welche die Versetzung Herrn v. Radowitzs vom goldenen Horn nach der spanischen Hauptstadt veranlaßt haben. Inwieweit die hierüber in der Presse coursirenden Mittheilungen den Thatsachen entsprechen, muß noch dahingestellt bleiben- doch hat die Vermuthung Vieles für sich, daß die Uebernahme des in Folge der Demission des Freiherrn v. Stumm erledigten Madrider Botschafterpostens durch Herrn v. Radowitz hauptsächlich mit den Verhandlungen wegen des neuen deutsch-spanischen Handelsvertrages zusammenhängt. Dieselben erfordern, sollen sie in einem für Deutschland ersprießlichen Sinne zu Ende geführt werden, eine diplomatische Kraft allerersten Ranges und als solche darf Herr v. Radowitz allerdings gelten. — Der bereits ernannte neue Botschafter Deutschlands bei der Pforte, der Kaiserliche Obersttruchseß Fürst Radolin-Radolinski, war bis zum Jahre 1883 diplomatisch thätig, zuletzt als preußischerGesandter bei den thüringischenRegierungen(Weimar). Alsdann wurde er Hofmarschall beim damaligen Kronprinzen I Friedrich Wilhelm, später bewirthschastete Fürst Radolin seine I großen Güter in Schlesien. Da der Fürst während seiner früheren diplomatischen Laufbahn schon in« Constantinopel thätig war — er sungirte hier in zeitweiser Vertretung des Grafen Hatzftld als deutscher Geschäftsträger — so sind ihm die Verhältnisse am goldenen Horn wenigstens nicht fremd. — Die Abberufung des Gouverneurs von D e u t s ch - O st a sr i k a, des Freiherrn v. Soden, von seinem Posten soll bei der Reichsregierung beschlossene Sache sein. Es heißt sogar, als sein Nachfolger sei bereits der gegenwärtige Consul in Schanghai, Herr Dr. Stübel, in Aussicht genommen. Indessen wird man gut thun, diese durch ein Kabeltelegramm des bekannten Spezialberichterstatters des „Berliner Tageblattes" in Ostafrika, des Herrn Eugen Wolf, mitgetheilte Nachricht noch mit Zurückhaltung aufzunehmen. Weiter „kabelt" Herr Wolf feinem Blatte die kurze Meldung, daß der Reichscommiffar vr. Peters fein Entlassungsgefuch eingereicht habe. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 4. Juli. Der „Reichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Consistorialraths Dryander zum Generalsuperintendenten der Kurmark. Berlin, 4. Juli. Der „Reichsanzeiger" bestätigt, daß die deutsche und rumänische Regierung übereingekommen sind über den Abschluß eines neuen Handelsvertrags in Verhandlungen einzutreten. Inzwischen solle Deutschland bis 30. November 1892 in Rumänien die Meistbegünstigung genießen. Jede Erhöhung des rumänischen Tarifs solle der deutschen Einfuhr gegenüber ausgeschlossen fein. Berlin, 4. Juli. Die ^Nationalzeitung" erklärt die Münchener Meldung betreffend eine Fusionirung der Münchener „AllgemeinenZeitung" mit der„National- zeitung" als gänzlich aus der Luft gegriffen.. Drontheim, 4. Juli. Der Kaiser ist heute Nachmittag um 6 Uhr an Bord des „Kaiseradler" hier eingetroffen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 4. Juli. Kommenden Samstag findet eine Sitzung der gemischten Deputation für die hiesige Weltausstellung statt. Berlin, 5. Juli. Die „Berl. Pol. Nachr." bestätigen das Bevorstehen entscheidender Schritte in der Frage der reichsgesetzlichen Regelung des Apothekenwesens. Die Grundzüge eines förmlichen Gesetzentwurfes werden im preußischen Cultusministerium ausgearbeitet und der Centralstelle des Reiches übermittelt. Erst nach endgiltiger Stellungnahme dieser wird die Ausarbeitung des Gesetzentwurfs vorgenommen. Vorher sollen Sachverständige der Interessentenkreise gehört und die Veröffentlichung der Entwürfe bewirkt werden. Bei der Verschiedenartigkeit der Gesetzgebung dürften eingehende Verhandlungen zwischen der Bundesregierung nöthig werden. Ferrilleton. Carl Vogt. Von Georg Edward. (1. Fortsetzung.) Für das engere Hessen begann die revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 in Mainz. Gerade diese Stadt, die sich von jeher durch freie, geistige Bildung ausgezeichnet, in der am Ende des vorigen Jahrhunderts die Republik am Rhein verkündet worden, trat als die erste im Großherzogthum Hessen an die Spitze der Aufregung. Es war in einer Sitzung des Narrenvereins, wo der Ruf: „Kein Carneval, sondern Preßfreiheir und Volksbewaffnung!" die Versammlung plötzlich in eine Bürgerversammlung umgestaltete. Man faßte den Beschluß, nach Darmstadt zu ziehen und der Kammer der Abgeordneten eine Adresse zu überreichen. Es geschah, die Adresse — die muthigste wohl von .allen Adressen, die in jeneT Zeit abgefaßt wurden — wurde 'überreicht und der erste Schritt war gethan. Schon am 27. Februar hatte Heinrich v. Gagern mit einigen anderen Abgeordneten einen Antrag in der hessischen Kammer eingebracht, der darauf hinzielte, den Großherzog zu bestimmen, in der Bundesversammlung und außerhalb derselben die Herstellung eines Bundesstaates , Einsetzung einer Cenrralgewalt und Einberufung einer Volksversammlung in zwei Kammern zu bewirken. Am Abend des nächsten Tages wurde in Gießen im Busch'schen Garten die erste große Volksversammlung abgehalten. Sie war wesentlich durch die Bemühungen zweier Studenten I zusammengekommen, Alexander Büchners, des jetzigen verdienst- I -»otlen Lillerarhistorikers in Caen, und Rudolf Fendts, der ' später als Buchdruckereibesitzer und Verleger der „Neuen Hessischen Volksblätter" in Darmstadt lebte. Da es galt, zu dieser Versammlung für den „Republikanischen Club" einen älteren Mann als Präsidenten zu finden, wanderten die beiden auch zu Carl Vogt, der damals, wie schon oben bemerkt, erst seit Kurzem als außerordentlicher Professor der Naturwissenschaft und „anerkannter Republikaner", wie Fendt in feinem 1875 erschienenen, sehr lesenswerthen Buche über jene Zeit schreibt, in Gießen lebte. Carl Vogts allgemein bekannte Gesinnungen, besonders auch seine Betheiligung an den burschenschaftlichen Bestrebungen der dreißiger Jahre, die ihn damals sogar zur Flucht nöthigten, hatten die jungen Studenten veranlaßt, ihre Schritte zuerst zu ihm zu lenken. Aber wider Erwarten wies Carl Vogt sie ab. „Stürmt meinetwegen den Himmel," sagte der neue Extraordinarius der Naturwissenschaft, „und proclamirt die deutsche Republik — von heute auf morgen! Ich bin Professor und habe Rücksichten aus meine amtliche Stellung zu nehmen, die Euch Tollköpfen fremd sind. Sucht Euch für die mir zugedachte Charge einen Anderen. Später wirds vielleicht schöner!" Aber die weiteren Ereignisse ließen auch Carl Vogt auf der Tribüne des Politikers erscheinen, und daß sein Name bald in Gießen zu den meistgenannten gehörte, geht aus den Flugblättern und Zeitungen jener Zeit hervor. Als in den Märztagen eine Bürgerwehr organisirt wurde, wählte man Carl Vogt zum Obersten, und es scheint, daß sich der professor extra- ordinarius der Zoologie und Doctor der Medicin seiner militärischen Functionen mit großer Pünktlichkeit zu entledigen verstand. Fendt erzählt übrigens, daß der republikanisch gesinnte Oberst Vogt einmal auf einer Parade, wo er als ed)ter Sonntagsreiter auf einer nmfL Rosinante die Front entlang sprengte, eine unvergeßlich ^sche Figur abgab. Nach einer Mittheilung der sehr conservativen „Frankfurter Oberpostamtszeitung" aus jenen Tagen gab es damals in dem kleinen Gießen nicht weniger als fünf politische Vereine. Drei derselben waren ausgesprochen demokratisch-republikanisch, ein vierter schwankte nach rechts und links, und der letzte, der sich selbst als constitutionell-monarchisch bezeichnete, war durchaus conservativ. Carl Vogt stand auf der Liste der Wahlcandidaten für die constituirende Versammlung in Frankfurt. Er war bereits im Vorparlament gewesen und hatte sich dort ausgezeichnet. Als er als Candidat der constituirenden Nationalversammlung auftrat, erließ er Anfangs April einen großen Aufruf: „An die Oberhessen." Dieser Aufruf, das politische Glaubensbekenntniß. Carl Vogts, enthält viele Punkte, die dadurch überraschen, daß sie auch jetzt noch auf dem Programm der linksstehenden politischen Parteien Deutschlands auftauchen, andererseits aber zeigt er, wie viele Bestrebungen damals vorhanden waren, die sich erst nach Jahren in Deutschland realisiren sollten, die aber in jener Zeit den Verthei- digern und Vertretern dieser Bestrebungen Verachtung und Verfolgung zuzogen. Außer den bekannten allgemeinen Forderungen, wie Rede- und Preßfreiheit, freies Associations- recht, Gleichheit vor dem Gesetze, allgemeines Staatsbürgerrecht, einheitliches System des Handels, der Sicherheitsgesetze, der Münze, der Eisenbahnen und Einheit der Civil- und Strafgesetzgebung und des Gerichtsverfahrens, enthält der genannte Aufruf Carl Vogts auch die Forderung der „Einheit des Vaterlandes". Der interessanteste Punkt des Vogt'schen Programms ist aber jedenfalls die Stelle, wo er Stellung zu der Frage des zu erwählenden Oberhauptes des Staates nimmt. „Ein Bundeshaupt mit verantwortlichem Ministerium," schreibt Köln, 4. Juli. Die „R. Z." meldet aus Petersburg - Die kaukasischen Blätter berichten über die trostlosen Zustände in Baku und klagen besonders das Stadtamt an, das vorher nichts gethan habe und jetzt den Kops verliere. Ein unsagbarer Schmutz lagere aus den Straßen, Tragbahren, besondere Krankenwagen seien nicht vorhanden, Deöinsectious- mittcl mangeln gänzlich. Einige Aerzte verweigern d:e Behandlung von Cholerakranken, im Krankenhause hegen m Verwesung übergegangene Leichen. Hier cursirt das Gerücht, Deutschland, Oesterreich und Rumänien würden in Unbetracht der Unzuverlässigkeit der russischen Sanitätsmaßregeln ihre Grenzen gegen Rußland vollständig absperren. Wilhelmshaven, 4. Juli. Die Manöverslotte beginnt morgen ihre Hebungen in der Nordsee bei Brunsbüttel und trifft am 11. Juli bei Helgoland ein. Flensburg, 4. Juli. Die bisher nur erbetene und noch nicht gestattete Einfuhr von Schafen nach Frankreich aus dem Seewege über Dünkirchen ist durch das Vieh-Einfuhrverbot Frankreichs zu Ungunsten der Petenten entschieden worden. Schleswig-Holstein, dem nun außer dem englischen auch der französische Markt verschlossen ist, wird dadurch nicht unerheblich getroffen. Wien, 4. Juli. Bei Schlosser Lorenz, welcher wahrend des hiesigen Aufenthalts des Fürsten Bismarck diesem em Packet Schriften in den Wagen warf, wurde V^rs olgungs- wahnsinn constatirt. London, 4. Juli. Die „Times" meldet, die Cholera greise in Südrußland, besonders an der Wolga-Mündung, rasch um sich. Man zählt bereits bis 33 Todesfälle. Alle Schiffe der insieirten Districte befinden sich in Quarantaine. In Tiflis starben am 28. Juni 3 Personen, in Samarkand zählt man 46 Erkrankungen. Das Elend der Hungerleidenden in den insieirten Districten ist furchtbar. Die Todten bleiben Tage lang unbeerdigt. Rom, 4. Juli. Die Ernennung des Nachfolgers für S ch l ö z e r wird für Herbst erwartet, voraussichtlich wird es Graf Monts, deutscher General-Consul in Budapest. Brüssel, 5. Juli. Gestern Abend sanden unter freiem Himmel zehn Meetings statt, in welchen gegen die Verschleppung der Revision protestirt wurde. Dieselben verliefen ordnungsmäßig, sowie die soeialistischen Umzüge und die Versammlung im Volkshause. Antwerpen, 5. Juli. Der Gemeinderath beschloß, em vorläufiges Comite zur Veranstaltung einer internationalen Ausstellung im Jahre 1894 zu bilden, drei Vertreter nach Brüssel zu senden und die Genehmigung und Unterstützung der Regierung zu erbitten. Chriftiania, 4. Juli. An der gestrigen Demonstration für das Ministerium Steen nahmen mindestens 10000 Personen Theil. Björnestjerne Björnson hielt eine begeistert ausgenommene Rede sür das Ministerium. Eine Resolution, welche unbedingtes Vertrauen sür Steen aussprach, wurde einstimmig angenommen. Der König weist in einem Antwortschreiben auf die früheren Aeußerungen über die Consulatssrage hm und beschuldigt das Ministerium emes uneonstitutionellen Auftretens wegen der Demissiomrung vor der Berathung der Consulatsrage im osficiellen Staatsrath. Polnische Kreise glauben, die Bildung einer conservativen Regierung stehe bevor. Chriftiania, 4. Juli. An der von den Liberalen in Bergen veranstalteten Volksversammlung und Demonstrationszuge waren über 5000 Personen beteiligt, welche in der Resolution ihre Sympathie für das Storthing und das Ministerium Steen aussprachen. In Farsund fordern angesehene Männer zur Gründung eines republikanischen Vereins auf. Athen, 4. Juli. Die Quarantaine wurde über alle aus Syrien und dem Schwarzen Meere kommenden Schiffe verhängt. , PortoNuovo, 5. Juli. Ein übermächtiges Dahomey- Heer bedroht Porto-Nuovo und Kotonu. Der Gouverneur telegraphirte dringend um Verstärkungen. Vogt, „gewiß! Aber in welcher Weise? Ich werde dafür sein, daß dies Oberhaupt frei gewählt werde von dem Volks- Hause (das erste von der eonstituirenden Versammlung) und zwar aus eine bestimmte Zeit von drei oder höchstens fünf Jahren .... Wie ist es möglich, die Einheit herzustellen, wenn wir nicht an die Mehrheit appelliren, wenn wir dieser nicht srMellen, aus dem ganzen Deutschland den Mann zu bezeichs Ä, welcher der Mehrheit der geeignetste scheint?" Also eine deutsche Republik im vollsten Sinne des Wortes! Aber dann kommt ein Satz, der Vogt viele Angriffe verursachte und den der Vaterländische Verein eifrig aufgriff, um seine politische Unfähigkeit zu beweisen. Vogt sagt nämlich, daß er es trotz dieser seiner persönlichen Ansichten für eine Sünde halte, sich Bestrebungen anzuschließen, „die der Terrorismus der Partei, sei sie nun, welche sie wolle, dem Volke ausdrängen möchte .... Die wahre Freiheit ist meiner Ueberzeugung nach der Wille des Volkes und die große Mehrheit unserer Hessen will einen Fürsten an ihrer Spitze sehen, der dem Volke alle Freiheiten gewährt hat, die es verlangte. Jeder Versuch, dieser Ueberzeugung des Volkes einen Zwang anzuthun, wird in mir seinen Gegner finden." Diese letzte Aeußerung, die scheinbar in so grellem Gegensatz zu der vor- bergegangenen steht, scheint das einzige Mittel gewesen zu fein, welches der conservative Vaterländische Verein bei seinen Operationen gegen Vogt mit einigem Erfolge anwandte. Wenigstens taucht in den Organen und Flugblättern dieser Partei immer wieder gerade dieser Punkt aus und immer wieder wird auf diesen höchsten politischen Grundsatz Vogts mit dem Bemerken hingedeutet, daß er entweder gar kein Grundsatz oder ein höchst bedenklicher sei. Aber das überzeugte die Gegenparteien nicht und als zur Wahl geschritten wird, ging Carl Vogt mit entschiedener Majorität aus derselben hervor. (Fortsetzung folgt.) ■g; totales und provinzielles. Gießen, 5. Juli 1892. — Turnerisches. Aus dem Gauturnfeste in Grünberg am Sonntag den 3. Juli wurden von Gießener Turnern folgende Preise errungen: Ehrenpreis: Carl Heuser, T.-V., 2. Preis W. Hamel, M.-T.-V., 8. Th. Vogt, T.-V., 14. W. Heenes, M.-T.-V., 15. Th. Raulenstrauch, T.-V-, 18. Hr. Weller, M.-T.-V-, 21. Chr. Weeg, T.-V-, 22. Herm. Haubach, T.-V-, 24. M. Veith, T.-V., 30. W. Ziegler, T.-V., 34. L. Heynemann, T.-V., 35. A. Petry, T.-V., 36. Th. Baumann, M.-T.-V., 37. Carl Müller, M.-T.-V., 43. Herm. Kröcker, T.-V. — Musterricgen: Gießen T.-V. mit 20,957, Gießen T.-V. mit 19,265 (Zöglingsricge), Gießen M.T. V. mit 18,306, (Zöglingsriege). — Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich gestern Nachmittag auf hiesigem Friedhose. Die Frau des Dienstmanns Schmidt (in der Bachgasse wohnhaft) war auf dem älteren Theile des Friedhofs mit Grasabmähen beschäftigt. In der Besorgniß, daß, wenn sie ihr sechsjähriges Kind zu Hause lassen würde, dasselbe Gefahr liefe, in den Stadtbach zu fallen, nahm sie dasselbe mit auf den Friedhof, um es dort bei sich unter Aussicht zu haben. Diese Vorsicht sollte recht verhängnißvoll werden. Während des Mähens vernahm die Mutter plötzlich einen Schlag, und sich umwendend, gewahrte sie nur noch einen Theil des Kleidchens ihres Kindes unter einem schweren Steinkreuz hervorragen, das Kind aber erschlagen. Jedcnsalls hat das Kind an dem Kreuz herumgespielt, ist an demselben hinaufgeklettert und hat dasselbe so zum Falle gebracht. Den Schreck der Mutter zu schildern ist unmöglich. — Erledigte Lehrerftellen. Erledigt sind: Die fünfte Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Erbach mit einem jährlichen Gehalte von 1000 Mk. Dem Herrn Grasen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruppertsburg mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine Lehrer- stelle an der evangelischen Schule zu Vilbel mit einem jährlichen Gehalt von 1000 Mk. Dem betreffenden Lehrer kann der Organistendienst übertragen werden. — Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Bei der aus der Main-Weser-Bahn seit einiger Zeit eingerichteten Haltestelle Friedelhausen besteht ein Uebelstand, durch dessen baldige Beseitigung die Gesahr aufgehoben und so einem leicht möglichen Unglück vorgcbeugt wird. Aus der Aus- und Einsteige-Seite der von G i e ß e n kommenden Züge liegt das Steingerölle des nahen Steinbruchs in saft Manneshöhe ausgeschüttet, eine Strecke lang so dicht an das Bahngeleise vorgedrückt, daß sür die Aussteigenden es nur mit großer Anstrengung und Angst möglich ist, den Psad zu gehen, aber nicht ohne die Trittbretter der Wagen hin und wieder zu berühren, und die Haltezeit des Zuges reicht nicht aus, um diesen Steinweg bis zur nächsten breiteren Stelle zu übergehen. Ein baldiges Abfahren des Steinschuttes wäre am Platze und so lange dieser Pfad noch nicht breiter ist, dürste das Publikum erwarten, daß die Schaffner angewiesen werden, Passagiere nach genannter Haltestelle möglichst so unterzubringen (etwa in den mittleren Wagen des Zuges), daß das Aussteigen an der breiten Stelle geschehen kann. — Ein internationaler Wettstreit der Feuerwehr findet in Brüssel aus Anlaß der Nationalseste, welche Mitte Juli in der belgischen Hauptstadt gefeiert werden, statt, sür welchen Staat und Stadt bedeutende Preise ausgesetzt haben. Ein von der Stadtverwaltung eingesetzter Sonderausschuß hat die Bedingungen des Wettstreites sür das Löschen von Feuer, Rettung von Personen, sür Feuerlösch- und Rettungsapparate ic. festgesetzt. Alle Hebungen werden praetisch aus öffentlichen Plätzen vorgesührt werden. Zu diesem Wettstreite sind bereits Anmeldungen aus Deutschland, Holland, Frankreichs England und der Schweiz erfolgt, die Kölner Feuerwehr trifft mit einem großen Theile ihres Materials in Brüssel ein. -o- Aus dem Kreise Gießen, 5. Juli. Wie wir aus ganz sicherer Quelle entnehmen, wird Herr Hosprediger Stöcker aus Berlin auf dem Missionsseste zu Laubach am 14. d. M. Vor- und Nachmittags predigen. Der Morgengottesdienst wird um 10 Uhr beginnen. Die Nachmittagsfeier soll bei günstigem Wetter aus dem in Laubachs Nähe gelegenen Remsberg gehalten und — ähnlich wie im vorigen Jahre zu Beuern — als kirchliches Volksfest gestaltet werden. Als weitere Prediger nennen wir noch die Herren Pfarrer Vogel aus Beuern (am Vormittag), Widmann aus Büdingen und Diesfenbach aus Schlitz (am Nachmittag). Am Tage daraus — Freitag am 15. d. M. — soll in Arnsburg eine weitere Feier stattfinden, bei der Herr Hosprediger Stöcker ebenfalls reden wird. Nach den Nachrichten, die bis jetzt vorliegen, dürste der Zuzug aus der Nähe und Ferne ein sehr bedeutender werden. ♦* GroßenLiuden, 3. Juli. „Heiße Tage waren es," sagen unsere Landleute, „aber gut waren sie Wenn Meister Pluvius noch einige Tage beim Drohen es bewenden läßt und die Sonne nicht mit seinem nebelgrauen Vorhang verhüllt, so dürste man in hiesiger Gemarkung eine „gute Arbeit" hinter sich haben. Das Heu hat in Folge des günstigen Wetters eine schöne bläulich-grüne Farbe und in Folge des zeitigen Schnittes bedeutendes Gewicht. Die Gräser und Kräuter hatten vor dem Schnitt ihr Wachsthum erst vollendet und ihre angesammelten Säfte noch nicht zur Samenbildung abgegeben. Hier und da begegnet man noch der irrigen Ansicht, die Heuernte dürfte erst beginnen, wenn der Samen reif sei. Wollte man die Samenreife erst abwarten, dann würden die Gräser strohig und die Kräuter- stengel holzig toerhen und man erntete Heu ein, das sehr rauh, leicht wäre u auch einen bedeutend geringeren Nähr- werth hätte. Die lüthezeit unserer meisten Wiesenpflanzen fällt so ziemlich in die Mitte des Monats Juni und habm somit dieselben ihr Wachsthum vollendet. Dies ist btt in welcher der Schnitt erfolgen muß, um nahrhaftes Heu und kein abgestorbenes Stroh und verholzte Stengel em- zuernten. Mit dem Gesammt-Ergebniß der diesjährigen Heuernte sind unsere Landwirthe in Bezug auf Menge und Güte sehr zufrieden. Dies mag anderwärts wohl nicht so sein und hierorts wohl auch daran liegen, daß man hiev lauter und meistens auch gute Grundwiesen hat, die auj Regen länger verzichten können als die trockenen und hoch gelegenen Wiesen. -f- Lich, 4. Juli. Der hiesige Dachdecker Panz stürzte heute in der Ausübung seines Berufes von der Kirche in Ober-Mockstadt und erlitt dabei einen rechten Arm- und einen linken Beinbruch. Der Verunglückte wurde mittelst Wagen in das hiesige fürstliche Krankenhaus verbracht. 1292 Das Prelswuroigsre BurkinTstoff ju einem flamen «n,nge a Mk. 5.85, Mg* £«»•£ “ Burkin-Fabrik-Depüt Oettinger A «o>, wranlfurt a. TL Muster sofort franco» Nichtpassendes roh b zurückgenommen. 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Kranz aus Karlsruhe von der Ruine Ebersteinburg herab und war sofort tobt. ^cr Verunglückte hatte mit mehreren Herren eine Tour durchs Murgthal ausgeführt, deren Endziel die Ruine Ebersteinburg war. Man bestieg den Thurm, um das sich von hier bietende herrliche Panorama zu schauen. Herr v. Kranz trat unvorsichtiger Weise auf die Umfassungsmauer heraus und thar, während er mit dem Feldstecher beobachtete, einen Fehltritt, der seinen Absturz herbeiführte. Der Tod trat durch einen Genickbruch ein. Die Leiche wurde in die hiesige Leichenhalle verbracht. * Staßfurt, 3. Juli. Der Feldhüter Wendt und der Förster Sommer, die im Dienst der hiesigen Firma Bennecke, Hecker u. Co. standen, wurden, wie der „Köln. Ztg." gemeldet wird, heute früh von Wilddieben erschossen. Mehrere der That verdächtige Personen sind bereits verhaftet worden. v * Einen sensationellen Selbstmord meldet das „Berliner Tageblatt" : Am gestrigen Sonntag machte im Hotel Termums zu Paris der weltbekannte Diamantenhändler Julins Loewy durch einen Schuß (einem Leben ein gewaltsames Ende. Der Selbstmörder hinterließ vier Millionen Francs Schulden,-, besonders stark soll ein Berliner Juwelier geschädigt fein. Loewy kaufte Diamanten ans Credit und verkaufte sie unter dem Werth, wodurch er selbst eine Baisse auf dem Diamanten- markt hervorrief. Man weiß nicht, wozu er das Geld verwandte, da er selbst sehr einfach lebte. In einem zuruck- gelassenen Briese heißt es: Wenn man auch nach meinem Tode über meine Person Nachforschungen anstellt, wird man nichts finden. Mein ganzes Leben ist Lüge gewesen. L. war angeblich aus Szegedin gebürtig. * Ein praktisches Ehevermitlelnngsversahren. Aus einer in Charleston, der Hauptstadt des Staates Süd-Carolma^, gegebenen Hochzeitsseier, an welcher eine große Anzahl un» verheirateter Herren und Damen theilnahm, machte ein junger Advocat folgenden Vorschlag: „Die unverheirathetew. Mitglieder der Gesellschaft wählen aus ihrer Mitte einem Vorsitzenden. Dieser muß sich mit feierlichem E'de verpflichten, alle ihm in feiner amtlichen Eigenschaft an deuv Abend zugehenden Mittheilungen geheim zu halten, ^edcr ledige Herr und jede ledige Dame in der Gesellschaft nun schreibt feinen oder ihren Nomen auf ein Blatt Papier und barunter den Namen der Person, welche er oder sie ^irathen möchte- der auf diese Weise beschriebene Zettel wird dem- Präsidenten eingehändigt und dieser hat, im Falle, daß em Herr und eine Dame sich laut Zettel gegenseitig zu ehelichen wünschen, beiden davon Mittheilung zu machen- die Namen derjenigen Personen, bei welchen dieser Wunsch kein gegenseitiger ist, müssen vom Präsidenten geheim gehalten werden. Dieser Vorschlag wurde angenommen und zur Ausführung gebracht. Das Ergebniß war, daß zwölf junge Damen und zwölf Herren gegenseitig schriftlich den Wunsch äußerten, sich ehelich zu verbinden, doch erfuhren von dieser Wahl nach dem Vorsitzenden nur die Betreffenden selbst. Einige Mona-e nach diefer Begebenheit waren bereits elf der Paare, welche sich auf so eiqenthümliche Weise gesunden hatten, verhnrathet und acht der jungen Ehemänner erklärten, daß sie niemals den Muth gehabt hätten, um ihre Lebensgefährtinnen auf andere Weise, wie die oben beschriebene, zu werben.__ Verkehr, Land- und Volrswirtyjchaft. Sirtrö, 6. Juli. Marktbericht. Aus dem b-uttg-n tnftete • Sutter pr. Md. X 0,85—0,95, Hübn-rei-r 6- X 2 Stück - H, Enteneier 6-7 A, Gänse-t-r 1 sF11-12 A Käse pr. St. 5—8 A, E-matt- pr. St. 3 A, pr. Liter 17 A, Linsen pr. Liter 28 -».Tauben pr. Paar m n cn_n 75 Hühner pr. Stück ult 0,85—1.00, Hahnen pr. St- 1 £M10, B prP ©t X l,40-i,70JD4 Wd) pr.Md. 70—7,6 A. Kuh- und Rindfleisch pr. W. 62—66^ ®4roetaefleiW pr. Md. 60-70 A. Kalbfleisch pr-Pfd. ,50-b« Hammelfleisch pr. Md. 60 -70 A, Kartoffeln pr. IMKiw 10,00-0,00 X, W-itz- traui pr. Stück — A, Zwiebeln pr- Enttner 11,50—12,00 X, Milch pr. Liter 12—18 A, Kirschen pr. Pfd^ 20—25