Nr. 105 Freitag den 6. Mai Kiehener Anzeiger Henerat-Anzeiger. Die Gießener M««rtien-tLiter werden dem Anzeiger »Achentlich dreimal beigelcgt. Der Kietzeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. 1892 Vierteljähriger AvonnementspretBr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kch»tSr«tze Hlr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Hratisbeikage: Hießener Kamitienötätter, Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Lu-landeS nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ mtqeqen. Annahme von Anzeige» zu der Nachmittag» für de» folgenden Dog erscheinenden Nuiumer bi» Corrn. 10 Uhr. Amtlicher Therl. Gießen, den 3. Mai 1892. Betr.: Die Vertilgung der Maikäfer. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Orotzh. Bürgermeiftereie« de- Kreises. Für den Fall, daß die Maikäfer im laufenden Jahr in Ihren Gemarkungen in stärkerem Maß auftreten, weisen wir Sie hierdurch an, dieses Jnsect auf Gemeindekosten sammeln und vernichten zu lasten. Das Sammeln erfolgt am geeignetsten durch Schütteln der Aeste und Anprallen der Bäume in den frühen Morgenstunden, die Tödtung durch Zerstampfen der Käser oder Begießen mit heißem Master. Nicht zweckmäßig ist das Vergraben, da die Käfer dann wieder an die Oberfläche kriechen oder doch in der Erde ihre Eier ablegen können. — Wenn auch in den laufenden Voranschlägen Mittel zur Vertilgung der Maikäfer nicht vorgesehen sind, so werden Sie die entstehenden Kosten aus zu erwartenden Ueberschüssen bezw. aus dem Reservefonds bestreiten können. Wir bemerken, daß die Großh. Oberförstereien in den staatlichen Waldungen in gleicher Weise gegen den Maikäfer vorgehen werden. __________________v. Gagern.___________ Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche unter den Schafen zu Watzenborn. Nachdem unter der Herde des Schäfers Heinrich Junker zu Watzenborn die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist und nachdem auch die zweite Schafherde zu Watzenborn als der Ansteckung verdächtig erscheinen muß, haben wir die Sperre über beide Herden verfügt. Gießen, den 3. Mai 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Leich. Berlin, 4. Mai. Das preußische Staatsministerium hielt am Dienstag unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg eine Sitzung ab. In derselben ist, wie man in Berliner parlamentarischen Kreisen wissen will, die Stellung der Regierung zu dem im Abgeordnetenhause eingebrachten Anträge der Freisinnigen, betr. die Umgestaltung des Schloßplatzes in Berlin, erörtert worden, wobei sich schließlich das Staatsministerium einstimmig gegen jedes mit dieser Angelegenheit in Verbindung zu bringende Lotterieproject erklärt haben soll. Ein solcher Beschluß würde von der öffentlichen Meinung gewiß nur mit größter Genug- thuung ausgenommen werden, nachdem sich schon die Tagespresse aller Parteirichtungen übereinstimmend mißbilligend über den Plan einer abermaligen Berliner Schloßlotterie ausgesprochen hat. — In Sachen der angekündigten Militär- Vorlage läßt sich die „Nordd. Allg. Ztg." erneut in einem anscheinend „inspirirten" Artikel vernehmen. In demselben heißt es, die Pläne für eine neue Militär-Vorlage hätten noch keine bestimmte Gestalt angenommen, sie befänden sich vielmehr noch im Stadium vorbereitender Erwägungen, deren Abschluß noch nicht sobald zu erwarten stehe. Sollte die Regierung indessen die Maßnahmen zu einer weittragenden militärischen Reform als unerläßlich erkennen, so würde sie, auf sachliche Gründe gestützt, an den Patriotismus und die Einsicht der Volksvertretung appelliren, jedoch nicht mit Drohungen hervortreten, zu denen kein Anlaß gegeben sei und deren Wirkung nur eine höchst nachtheilige sein würde. — Die goldene Hochzeit des Herzogs Ernst und der Herzogin Alexandrine von Coburg ist am Dienstag im gesammten Herzogthume von der Bevölkerung durch Festgottesdienste in den Kirchen, Festacte in den Schulen und festliche Veranstaltungen von Vereinen, Korporationen usw. freudig mitgefeiert worden. In der Residenzstadt Coburg fand die große officielle Feier des Tages durch ein Festmahl, an dem sich die Hof- und obersten Staatsbeamten, das Ossiziercorps des 3. Bataillons 6. Thür. Infanterie-Regiments 9?r. 95, die Mitglieder der beiden städtischen Collegien und zahlreiche angesehene Einwohner betheiligten, sowie durch Galavorstellung im Hostheater statt. Zahlreiche Glückwunsch- Telegramme und Glückwunsch-Adressen gingen aus 'allen Theilen des Landes an das zur Zeit iu Cannes weilende herzogliche Jubelpaar ab. Neueste Had?rid?fen, Wclfi» CorrttyonbctijpCuccw: Berlin, 4. Mai. Abgeordnetenhaus. In heutiger Sitzung wurde der Nachtragsetat ohne weitere Debatte in ( dritter Lesung angenommen. Darauf folgte die Weiter- : berathung über die Berggesetznovelle, von welcher § 80f un- \ verändert, 80 k nach Beschlüffen der Commission, §§ 81 { bis 84 ohne wesentliche Erörterung und § 85 nach kurzer Debatte genehmigt wurden. Die nächste Sitzung findet Donnerstag den 5. Mai 11 Uhr statt. Fortsetzung der Berathung und Gesetz, betreffend Verlegung des Buß und Bettages. Berlin, 4. Mai. Die „Nordd. Allgem. Ztg." erfährt: Bei den aus Paris gemeldeten angeblichen Cholera- sällen habe es sich nur um choleraartige nicht ansteckende Erkrankung älterer Leute gehandelt, welche durch den Genuß schlechten Wassers herbeigeführt wurde. Die Gerüchte über daß Auftreten der asiatischen Cholera seien aber unbegründet. Breslau, 4. Mai. Der „Breslauer Ztg." zufolge dauert ! der Bergarbeiter st rike in Oberschlesien fort. Wie ver- ' lautet, ist wenig Aussicht auf eine baldige Beilegung deS Strikes. Wien, 4. Mai. Eine VersammluMg der Einspänner- Fiaker beschloß, falls bis zum 5. d. Mts. Mittags die in einem Memorandum an die Regierung aufgestellten Beschwerdepunkte nicht erledigt seien, vom 5. d. Mts. Mitternachts ab allgemein zu striken. Paris, 4. Mai. Laut Erlaß des Arbeitsministers dürfen vom 1. Juni an als Maschinisten, Heizer und Konbucieure der Eisenbahnen nur französische Staatsangehörige angestellt werden. Paris, 4. Mai. Ein Decret ordnet die Bildung eines Corps der Eingeborenen-Jnsanterie zu Diego Suarez an, um mit der Verteidigung zugleich die Sicherheit der französischen Niederlassungen an der Küste Madagascars zu erreichen. Lyon, 4. Mai. Heute wurde der vierte internationale Congreß der Bolkscreditge sellschaften eröffnet. Unter den gewählten Ehrenpräsidenten befindet sich auch Raiffeisen, Vertreter des allgemeinen Verbandes der deutschen Darlehns-Genossenschasten. Lüttich, 4. Mai. Bei Beaujeau, einem wegen der Dynamit-Attentate Verhafteten, wurde eine Bombe mit Dynamit-Patronen vorgefunden, deren Papierumhüllung derjenigen der am Sonntag auf dem Fensterbrett an dem Boulevard Sauveniere gefundenen Patrone gleicht. Bei Stoumont, einem anderen Verhafteten, wurden Dynamitpatronen in einem Blumentöpfe vorgefunden. Beaujeau legte dem Vernehmen nach ein Geständniß ab und gab seine Mithelfer an, deren Verhaftung angeordnet wurde. Lüttich, 4. Mai. Die bei dem Maler Beaujeau gefundene Bombe war leer. Bei dem Vater Beaujeau wurde Dynamit gesunden, welches der Sohn hingeschafft. Die Erplosionen hat nach seinem Geständnisse Lacroix durch Patronen herbei- gesührt, die Dynamit mit anderen Sprengstoffen gemischt enthielten. Beide Stoffe wurden im Vorjahre in Flemalle von Moineau und Beaujeau gestohlen. Lacroix, der Maler- Feuilleton. Die Waldrente des Dichters. Von E. Laris. (Fortsetzung.) So flüchtet der Dichter immer und immer in den grünen Wald hinaus, um die Stimmung für sein Lied sich zu holen, mag sie eine freudige ober düstere fein; denn der Wald ist es wiederum, in den und Horn führt, um ihm unser Leid zu klagen und in seinen Armen Trost zu finden: „O Herz, wenn dir die Erde nicht hält, was sie versprach, wenn Lieb' und Treu', die Schwüre in arger Falschheit brach, dann komm, rufts aus dem Wald, komm her in meine Ruh., mein leises, kühles Rauschen küßt DeineWunden zu." Und ferner: „O Herz, wenn Dich die Menschen verwunden bis zum Tod, dann klage du dem Walde vertrauend deine Noth. Dann wird aus seinem Dunkel, aus seinem Wundergrün, beseligend zum Herzen des Trostes Engel zieh'n!" Auch das Lob der gefiederten Waldsänger bietet häufig Anregung zu Waldliedern: „Welch ein Rcichthum in den Weisen, die in dem kühlen Waldeszelt bald in Accorden, milden, leisen, und bald in vollerer Macht preisen die reicye wunderbare Welt!" Gelten ja die sangesfrohen Waldvöglein den Dichtern als liebwerthe Sangesbrüder sehr viel und werden dieselben ja als ebenbürtige Genossen der sanges- munteren Künstlergilde geliebt und geschätzt. Wer dächte da nicht des prächtigen Vergleiches von Uhland zwischen Dichter und Wald: „Singe wem Gesang gegeben in dem deutschen Dichterwald! Das ist Freude, das ist Leben, wenns von ollen Zweigen schallt!" Heine natürlich gedenkt in seinen Liebesnöthen dec Frau Nachtigall und der anderen Wald- Jänger des Oesteren. Die zwei hübschesten Stellen aber unter diesen vielen sind wohl folgende: „Mein zärtlichstes Geheimniß weiß schon der ganze Wald, denn die Gedanken all, die mir im Herzen seufzen, singt laut die Nachtigall" ; und ferner: „Es erklingen alle Bäume und es fingen alle Nester, wer ist der Capellmeister in dem grünen Waldorchester? Ich glaube, Amor heißt er." Der Wald hat aber außer dem Gesänge der Vögel eine noch viel ergreifendere Musik, die kunstloser zwar als jene, aber doch viel tiefer und mächtiger das Gemüth ergreift. Es ist das wunderbar ergreifende Waldesrauschen, von dem die Dichter mit Recht so häufig und so entzückt singen: „Wie mich sein Rauschen mächtig faßt! Stets mächtiger bannts die Seele mir: dies tief geheimnißvolle Rauschen, als möcht es mir was an- vertrauen, das noch mein Herz nicht wissen soll, als möcht es heimlich mir entdecken, was Gottes Liebe sinnt und will,! Doch schien es plötzlich zu erschrecken vor Gottes Nähe — und wurde still!" Mit letzteren Worten deutete Lenau einen tief poetischen Gedanken — gleichsam zaghaft — nur an, den Andere aber voll und laut aussprechen: es ist der Gedanke an die Nähe Gottes im Walde. „Sonntag! Sonntag! Horch, der Glocken lieblich lockender Ton erschallt! Wie sie Dich zur Kirche locken, locken sie mich zum Wald? Den Ewigen, Einzigen, Einen suchen wir beide. Mir erscheint er im Säuseln des Waldes, Dir im wogenden Orgelspiel." Nicht minder wahr und schön heißt es anderswo: „Wundervolles Wipfelrauschen! Dars ich wieder dich belauschen, lieber Waldeslaut? In dieser sel'gen Stille versenkt in Gott mein Geist sich zum Gebet." Sehr verwandt mit diesen Waldliedern sind die vielen, vielen Gedichte über Waldträumerei. So gelegen den Dichtern der Reim von „bald" auf „Wald" ist, ebenso nahe liegt der von „Waldesraum" oder „Baum" auf „Traum". Ich will damit den Dichtern nicht nahe treten, aber jedenfalls läßt sich nicht leugnen, daß nicht immer das Gedicht den Reim bedingt und verursacht, sondern oft auch dieser jenes. So „träumen" denn die Dichter sehr viel in des Waldes grünen Räumen: „Mir träumte einst ein schöner Traum. Es war im grünen Waldesraum." „Natur, in dein Leben, kühl und still, liege ich selig versunken; ein süßes Kindermärchengefühl macht mir die Sinne trunken." Unter diesen Träumen verstehen die Dichter selbstredend das Spielen ihrer Phantasie, das Treiben ihrer Gedanken, welche aus den Erscheinungen der Natur so lebendige Beziehungen zum Menschen herauszudeuten wissen. Wie im deutschen Märchen Jung Siegfried den Gesang der Vögel verstand, so offenbaren sich den Dichtern alle Stimmen des Waldes, die uns Werkeltagsmenschen dunkel oder räthselhaft bleiben: „Wenn ich an festlich stillem Morgen den Wald durchschreite, tönt mir, was ich in mir geborgen, zurück in tausend Sprachen." Aehnlich singt Heinrich Leuthold in dem herrlichen „Liederfrühling": „Was die Vögel gewußt, die voll Wanderlust aus dem Süden erst gekommen, was im Walde tief an Märchen schlief, hab ich Alles, Alles vernommen, hab es abgelauscht .... kann es deuten." In erhabener Weise preist Geibel Gottes Allmacht als Schöpfer in feiner Frühlingsoffenbarung und seinem Sonntagsmorgen im Walde: „Kommt her zum Frühlingswald, ihr Glaubenslosen! Das ist der Dom, drinn predigen tausend Zungen," und: „Ich fühls, ich hab em Heiligthum betreten, und all mein Wesen wird ein wortlos Beten." Diese reflectirenben Waldlieder zählen zweifellos zu den schönsten und kostbarsten Perlen der Gedankenlyrik deutscher Dichter. Neben dem außerordentlichen Reiz, den der Wald allezeit auf das empfängliche Gemüth auszuüben vermag, liegt im ganzen Wesen des Waldes offenbar ein gewisser harter und ernster Zug, der sich häufig zum Melancholischen und Düsteren steigert. Bist Du, schöne Leserin, schon jemals an stürmischen Herbsttagen im Walde gewesen und hast daö Aechzen, Stöhnen und Seufzen der vom Sturme gepeitschten Gipfel der alten kernigen Eichen und Buchen vernommen? Und so kommt es denn, daß in mehreren Waldliedern oft ein elegischer, melancholischer Character zum Ausdruck gelangt, denn der gehülse Beaujeaus, räumt ein, mit dem zweiundzwanzigjährigen Büchsenmacher Nocent der Urheber aller Attentate zu sein. Die Polizei nahm über 40 Haussuchungen vor. Der am Sonntag verhaftete deutsche Handlungsreisende wurde sofort in Freiheit gesetzt. In Waremme wurden mit Eifendraht umwickelte Dynamitpatronen am Fenster eines Hauses gesunden. Die bereits brennende Zündschnur wurde vor der Explosion gelöscht. Mons, 4. Mai. Die Polizei verhaftete gestern ein Individuum, welches einem städtischen Arbeiter gegenüber erklärte, drei Häuser reicher Leute in die Luft sprengen zu wollen. Der Verhaftete trug fünf Dynamitpatronen bei sich. Er gestand, daß er mit Unterstützung von vier anderen Anarchisten die Häuser der vornehmsten Bewohner des Parkviertels zerstören wollte. Petersburg, 4. Mai. Das Bezirksgericht in Wilna verurtheilte sechs jüdische Frauen und einen Juden, welche der Engelmacherei unter erschwerenden Nebenumständen beschuldigt waren, zur Zwangsarbeit auf sechs bis zwanzig Jahre. — Ein heute veröffentlichter Ukas des Kaisers setzt die aus administrativem Wege zu verhängenden Strafen fest für diejenigen Personen, welche geheime polnische Schulen in den Gouvernements Wtlna, Kowno, Grodno, Minsk, Witebsk, Mohilew, Kiew, Podolien und Wolhynien unterhalten und beschicken. Petersburg, 4. Mai. Der Vorschlag des Barons Hirsch über die Judenemigration fand, wie verlautet, in der gestrigen Sitzung des Ministercomites principielle Zustimmung. Die definitive Entscheidung wurde wegen der nothwendigen redactionellen Abänderungen des Projectes vorschoben. — Die Abasa'sche Getreid ecommission sprach sich einstimmig für die Freigabe des Exports von Mais und Hafer aus Riga, Libau und Reval aus. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 4. Mai. Die „Allg. Reichscorresp." meldet aus Petersburg von autoritativer Seite, daß die Czarin am 16. Mai aus dem Kaukasus nach Petersburg zurückkehrt. Der Czar und die Czarin reisen alsdann am 21. Mai zu einem mehrtägigen Besuch nach Berlin. Die osficielle Ansage des Besuches erfolge dieser Tage. Berlin, 4. Mai. Der „National-Ztg." zusolge werden Montag die Sitzungen der Börsenenquete-Commissi on wieder ausgenommen und zwar mit der Vermehrung der hiesigen Experten. Berlin, 5. Mai. Die „Voss. Ztg." erfährt aus militärischen Kreisen, die jährliche Mehrersordernitz für das Militär werde aus 60 Millionen geschätzt. Die Annahme ist verbreitet, daß in der nächsten Reichstagssession neue Reichssteuervorlagen geplant werden. Berlin, 5. Mai. Die „Berl. Pol. Nachr." führen betr. der geplanten Vermögenssteuer aus, die Nichtbesteuerung von Hausgeräth, Toilettegegenständen und ähnlichen Mobilien werde für den Betrag der Steuer von minimaler Bedeutung sein. Die Besteuerung derselben stoße auf große Schwierigkeiten und nicht abzuweisende Einwendungen. Anders sei es bei ertragslosen Grundstücken, wie Parks. Dieselben werden jetzt mit 2 pro Mille Grundsteuer belegt. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn nach Aushebung der Grundsteuer dieselben der Vermögenssteuer mit V/4 bis V/2 pro Mille belegt würden. Berlin, 5. Mai. Das „Berl. Tgbl." erhielt eine Kabeldepesche Wolffs aus Dar-es-Salam, Oskar Borchardts Zustand sei derartig, daß seine Rückreise nach der Küste nothwendig sei. Chef Johannes fei mit einer Expedition nach Tanganyka, um dort eine Station anzulegen. Rüdiger, der Stellvertreter des Gouverneurs sei auf Urlaub nach Europa gereist. München, 4. Mai. Für das nächste Cultusbudget wird eine Vermehrung der Gymnasial-Prosessoren- sröhlich grünende Wald gibt sehr häufig der Zufluchtsort des schmerzerfüllten Menschen. Von Heine nun, der gesungen: „Jetzt verwundet, krank und leidend, in den schönen Sommertagen, trag ich wieder, Menschen meidend, nach dem Walde meine Klagen," vernehmen wir die bald echten, bald gefälschten Klaqetöne des Weltschmerzes in verschiedenen Variationen, so z. B. bei L. A. Frankl: „Wenn Du ein tiefes Leid erfahren, rief schmerzlich, unergründlich bang, dann flüchte aus der Menschen Schaaren, zum Walde richte Deinen Gang. Die Felsen und die Bäume wissen ein Wort zu sagen auch vom Schmerz . . ." Als Tröster im Leide und als helfenden heilenden Arzt preisen den Wald wieder Andere, wenn es bei ihnen heißt: „Und was längst begraben ruht Hinterm Kirch- hossflieder: Jugendglück und Seligkeit find' im Wald," oder: „Mir sprudelt hier des Lebens Quell und Heil für alle Wunden." Während in den soeben angesührten Stellen der Wald die Melancholie vertreibt, vergrößert er dieselbe bei anderen Gemüthern- ja, er ruft öfters ein gewisses Kokettiren mit den Todesgedanken hervor,- so z. B. wenn eS heißt: „Goldenes Entfärben schleicht sich durch den Hain- auch Vergehen und Sterben däucht mir süß sein . . ." oder: „Ich sah den Wald sich färben, die Lust war grau und stumm- ich war betrübt zum Sterben und wußte nicht warum." Einen nicht minderen melancholischen Stempel trägt folgendes Gedicht, welches gleichsalls einem Wald- und Weltschmerz sein Dasein verdankt: „Du Tannenbaum da draußen, was schaust du so finster mich an?" — „Die Tanne rauscht: Ich traure, gedenk ich, o Knabe, Dein, schon blinkt die Axt, um zu sällen mich alten, schwarzen Gesellen, für Dich — zum Todtenschrein." — Lenau aber, dessen Muse fast immer vom schwarzen Trauerschleier verhüllt ist, fühlt sich beim Waldesrauschen dem Diesseits ganz entrückt und singt: „Aus den Waldesstimmen des Vergehens hört ich das Hoffnungsflüstern des ewigen Wiedersehens." (Schluß folgt.) und Studienlehrerstellen beabsichtigt, sämmtliche fünfte Klaffen werden mit Professoren besetzt. München, 4. Mai. Der Polizeibericht gibt bekannt, daß vor drei Wochen von Bukarest die Pocken hier eingeschleppt worden sind, wovon drei Fälle angezeigt und zwei verheimlicht wurden, wodurch zwei Todesfälle und drei weitere Erkrankungen erfolgt sind. Gegen die Verheimlicher wurde Strafantrag gestellt. Stuttgart, 4. Mai. Die Federnfabrik von Strauß u. Co. in Cannstatt steht in Flammen. Stuttgart, 5. Mai. Bei dem Brande der Stranß- schen Bettfedernfabrik in Canstatt wurden durch enorme Rauchentwickelung mehrere Unglücksfälle herbeigeführt. Wien, 5. Mai. Nach der „Juristen-Ztg." soll die Herstellung und der Vertrieb aller Sprengstoffe verstaatlicht werden. — Vor den hiesigen Kasernen wurden massenhaft socialistische Flugblätter gefunden. Paris, 4. Mai. Bei den Municipalrathswahlen gewannen die Republikaner 11 Sitze. Jnsgesammt wurden 159 Republikaner gewählt. Paris, 4. Mai. In Montbrison, wo Ravachol wegen Mordes abgeurtheilt werden soll, herrscht eine vollständige Panik bei dem Gerichtspersonal und der Bevölkerung. Der Hotelbesitzer, bei dem der Henker gewöhnlich absteigt, erhielt Drohbriefe. Brüffel, 5. Mai. Sechs Verhaftete in Lüttich, darunter ein Deutscher, Wolt, sind geständig. Es wurden weitere Bomben entdeckt. Hier und in Mons empfingen viele Leute Drohbriefe. Potsdam, 5. Mai. Der Großh erzog von Hessen ist heute Vormittag 10 Uhr hier eingetroffen. Se. König!. Hoheit wurden am Bahnhose von dem Kaiser, dem Prinzen Leopold und dem Erbprinzen von Hohenzollern begrüßt. Zum Empsange war das gesammte Offiziercorps des 1. Garderegiments z. F. anwesend. Der Kaiser umarmte und küßte den Großherzog dreimal. Nach Abschreitung der Ehrencompagnie begaben sich der Kaiser und der Großherzog nach dem Stadtschlosse. Cocales «nd provinzielles. Gießen, 5. Mai 1892. — Spritzenprobe. Am Samstag den 7. d. Mts., Vor- mittags 11 Uhr, wird an der Lahn, gegenüber den Bleichen, die Firma I. Beduwe in Aachen eine Dampfspritze neuester Construction ausstellen und auch arbeiten laffen. Interessenten seien hierauf aufmerksam gemacht. — Ernennung. Durch Entschließung des Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz wurde der Großh. Regierungsassessoe Dr. Hermann Kratz aus Friedberg mit der Versetzung der Stellung eines Polizeicommiffärs 2. Kl. mit dem Amtstitel „Polizei'Jnspector" bei dem Polizeiamt Darmstadt beauftragt. Ein Leser der „M. N. N." schreibt diesem Blatte: Daß der Schutz der Singvögel in Italien, bezüglich dessen am 21. April in der bayrischen Kammer verhandelt wurde, nicht im mindesten ausgeübt wird, hatte ich Heuer während der Monate Februar und März in Nervi bei Genua zu beobachten Gelegenheit, da in den umliegenden Olivenwäldern von Früh bis Abends, hauptsächlich an den Sonntagen, alle Singvögel, ob groß oder klein, geschossen und packweise von den vielen „Jägern" nach Hause geschleppt wurden. Mit einem Grashalm wurde das Locken der Vögel nachgemacht, um ja eine recht reiche Beute zu erzielen. Auf mein Vorhalten, daß diese kleinen Vögel ja kaum einen Schuß Pulver, geschweige das Braten Werth seien, wurde mir entgegnet: „Sie schmecken gar zu gut". Charakteristisch ist ferner, daß eine Engländerin an unserem Mittagstisch sich beschwert hat, weil es gar nie — Vogelzungen gebe! Daß über dieses Verlangen allgemeine Entrüstung an unserem Tisch herrschte, brauche ich wohl kaum erst zu versichern. Es ist hohe Zeit, daß solchen „Feinschmeckern" energisch und für immer die Möglichkeit genommen wird, ihrer Liebhaberei zu fröhnen! — Nach der „Apotheker-Zeitung" verlautet, daß das Kammergericht in Berlin am 24. März d. I. über Thier« Heilmittel in dem Sinne entschieden habe, daß dieselben unter die Kaiserliche Verordnung vom 27. Januar 1890 fallen und demnach nur in Apotheken verabfolgt werden können. Friedberg, 4. Mai. Heute beging der Bahnwärter Georg am DorheimerUebergang sein 50jährig es Dienstjubiläum. Am 5. Mai 1842 trat derselbe beim Militär und zwar als Tambour in Darmstadt ein und wurde nach 18jähriger Militärdienstzeit im November 1860 von der Main-Weser-Bahn, bei welcher er bis heute ununterbrochen beschäftigt ist, übernommen. — Vor dem Spielen der Kinder mit Bohnen und Erbsen kann nicht genug gewarnt werden. Dieser Tage mußte schon wieder bei einem Kinde, welchem sich eine Bohne in der Nase festgesetzt hatte und ausgequollen war, ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden. Darmstadt, 4. Mai. Der Zweiten Kammer der Stände ist von Großh. Regierung eine Gesetzesvorlage gemacht worden, betr. die polizeiliche Beaufsichtigung der Miethwohnnngen und Schlafstellen. Bekanntlich ist dies ein wunder Punkt in unserem socialen Leben von gesundheitlicher, wirthschaftlicher und vor allem auch von sittlicher Bedeutung. Die größeren Städte wissen sämmtlich mehr oder minder davon zu sagen. In England und Frankreich ist man bereis gesetzgeberisch damit vorgegangen, für Frankfurt behandelte der frühere Oberbürgermeister, jetzige Finanzminister Dr. Miquel dieselbe eingehend. Es ist ein Stück der socialen Frage. Neben Anderem hat sich auch aus diesem Gebiete die Habsucht breit gemacht in der Form von „Wohnungswucher". Daß mit den neuen, meist polizeilichen Maßregeln aus diesem Gebiete, welche der Gesetzentwurf proponirt, die individuelle Freiheit des Erwerbs und Eigen- thums im Interesse der Allgemeinheit etwas beschränkt wird, stellt sich allmählich aus höheren Gründen als unabweislich hin. Jene Freiheit thunlich zu vereinbaren mit den Interessen der Allgemeinheit ist dabei die Aufgabe. Vom „Staats- socialismuS" ist gleichwohl hier nicht die Rede, wie es da und dort gewollt wird. Anderseits soll der Staat auch hier dem Aermeren, Kleineren beistehen, um zugleich auch bann feine höhere Culturaufgabe zu erfüllen. Castel, 4. Mai. Heute Morgen hat sich ein im octioen Dienst stehender Soldat des 3. Brandenb. Artill.-Regiments in der Nähe des Frankfurter Thores erschossen. Aus dem Odeuwalde, 3. Mai. Im Weschnitzthale und dessen Umgegend schenkt man jetzt dem Anbau der Johannis- beer- und Stachelbeersträucher erhöhte Aufmerksamkeit. Größere Flächen Landes wurden Heuer mit diesen Sträuchern bepflanzt. Aus der Gewinnung der neuerdings beliebt gewordenen Beerenweine verspricht man sich lohnende Erträge. vermrischtes. * Marburg, 4. Mai. Heute Morgen wurde der stud. pharm. Lorenz aus Lüneburg tobt in feinem Bette auf- gesunden. Nach Ansicht der Aerzte liegt Vergiftung vor. Beweggründe hierfür sind nicht bekannt. In dem Zimmer wurde ein Brief des Verstorbenen an seine Mutter aufgefunden. n * Tilsit, 3. Mai. Ein Dragoner erschoß sich hier. Die Kugel durchbohrte die Brust, ging dann durch die Zimmerdecke und verwundete im oberen Zimmer einen im Bette liegenden anderen Dragoner schwer an beiden Füßen. * Würzburg, 3. Mai. Bei der Eröffnungssahrt unserer neuen Pferdebahn fand, wie der „Frkf. Ztg." mitgetheilt wird, der Conducteur unter der Sitzbank eines dicht besetzten Wagens eine pulvergesüllte, mit glimmender Zündschnur versehene Metallröhre. Die Explosion, welche glücklicher Weise noch verhindert werden konnte, hätte unter dem dichten Menschenknäuel ein fürchterliches Unheil anrichten müssen. In Betreff des Thäters fehlt einstweilen ein bestimmter Anhaltspunkt. ♦ Eine liebevolle Mutter. In Berlin stürzte sich dieser Tage ein junges Mädchen ins Wasser, wurde jedoch noch lebend wieder herausgezogen. Man brachte die Bewußtlose ins nächste Hotel und holte ihre Eltern herbei. Der Vater kniete weinend vor seinem unglücklichen Kinde nieder, es mit den zärtlichsten Worten überhäufend- die Mutter aber hatte der inzwischen zum Bewußtsein Gekommenen nichts zu sagen, als: „Wo haste Deinen neien Hut?" Und als die Tochter mit schwacher Stimme erwiderte: „Er ist fortgeschwommen," replicirte das praktische Wcib: „Dann kannste künftig Deinen alten, den weißen, ufsetzen?" * Bei Sport Ausflügen wird, so schreibt das englische Blatt „Sporting Life", oftmals von freundlichen Gastgebern der Fehler begangen, einen substantiellen Imbiß serviren zu lassen. Eine solche Generosität ist, wenn auch von den wohlwollendsten Absichten veranlaßt, übel angebracht. Der Sportsmann bedarf einer Erquickung, die zugleich leichter Art und von kräftigendem oder anregendem Character ist- eine üppige Mahlzeit dagegen befördert eher die Schlaflust als die Actionsfähigkeit. Sportsleute sollten daher stets das echte Liebigs Fleischextract mit sich führen, dessen Reinheit garantirt und deffen Zubereitung eine so leichte ist. * London, 25. April. Der deutsche Kaiser hat dem englischen Handelsamt mehrere Handschreiben und Geschenke (4000 Mk., goldene Uhren und Photographien) für die bei Rettung der Passagiere und der Ladung des Norddeutschen Lloyd-Dampfers „Eider" betheiligt gewesenen Personen übermitteln lassen. Schiffsnachrichten. — Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 3. Mat wohlbehalten in Newyork angekommen. Verkehr, £an6» r»nv Volkswirthschaft. Friedberg', 3. Mai. Frachtpreise. Weizen «X 19.50 bis 20.00, Korn X 19.50-20.00, Gerste X 14.50—15.00, Hafer X 13.00— 00.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund. Friedberg, 4. Mai. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 1.00-1.10, Eier 1 St. 5-6 H, 2 St. 11 H. Limburg, 4. Mai. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 18.00, weißer Weizen X —, Korn X 15.00, Gerste X 9.70, Hafer X 6.40, Erbsen X —. — Am 30. April lief zum ersten Male der neue Berlin* Frankfurter Blitzzug — einer der schnellsten Züge jetzt auf dem Kontinent — im Frankfurter Hauptbahnhof ein. Die fahrplan- mätzige Schnelligkeit von 8'/, Stunden konnte jedoch, wie die „Frkf. Ztg." mittheilt, nicht ganz etngehalten werden, da bei Erfurt die Maschine plötzlich defect wurde und der Zug mit 13 Minuten Verspätung in Erfurt etntraf. Nach Auswechslung der Maschine setzte der Zug seine Fahrt mit der fahrplanmäßigen Schnelligkeit fort und nachdem nochmals in Elm Maschinenwechsel stattgefunden hatte, hielt der Zug, der nunmehr mit einer gewöhnlichen Schnellzugslocomotioe geführt wurde, allerdings unter Entfaltung der vollen Maximal geschwindigkeit, obschon er sehr stark besetzt war (er zahlte 36 Axen). seine vorgeschriebene Fahrzeit bis Frankfurt genau inne und traf dort statt um 4 Uhr um 4 Uhr 13 Minuten ein. Auf der 539 Kilo meter langen Strecke von Berlin bis Frankfurt hält der Zug nur 13 Mal für einen Zeitraum von einer bis fünf Minuten an, dagegen findet in Bebra eine Restaurationspause von 30 Minuten statt. __________________ — Wohl nur selten dürfte ein hauswirthschaftlicher Artikel sich, fester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände eingebürgert haben, als die von Max Elb in Dresden fabricirte CH. A. PapenrS Essig-Essenz. Die Originalflacons, welche diese Essenz enthalten, sind durch einen Maßstab abgetheilt, der die zur Bereitung einer Weinflasche Tafelessig oder zuverlässigen Früchte-Einmache-Esstg erforderliche Menge Essenz aufs Genaueste anzeigt. Während früher das Laufen der Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörte, bat man jetzt in dieser Form 10 Liter Essig im Haus und bereitet sich eine Flasche bei Bedarf im Augenblick durch Verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig hat den Wohlgeschmack und das Öroma