N». 56 Zweites Blatt. onntnq hen 6. Mälz HichenerInzeiger Kenerat-Anzeiger. Die Gießener I««rsienv5ätler werden dem Anzeiger wSchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger trjcheml täglich, mit Ausnahme deS MontagS. 1892 Vierteljähriger ASonnemeatsprels: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulftraß, Mr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Giefzen. Hratisöeikage: Hießener Jamikienbtätter 2lnrtlichep Theil Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» Agenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. schiedenen Gründüngungen pro sächsischen Acker nach den derzeitigen Preisen. Darnach würde heute bei den hohen Serradellapreisen eine Serradellagründüngung 5,40 Mark kosten. Es betragen ferner die Kosten bei Gelb- oder Hopsenklee 9 Mk., bei Rothklee 15,75 Mk., bei Lupinen 17 bis 18 Mk., ebenioviel bei Schwedischklee, Wundklee oder Weiß- klee, 19 Mk. bei Peluschke, 21 Mk. beim Inkarnatklee, circa 25 Mk. bei der gewöhnlichen Wicke, 30 Mk. bei der Sandwicke, 32 Mk. bei der Erbse und 35—40 Mk. bei der Pferdebohne. Läßt sich Deutschlands Getreideproduction dis zue Deckung des Bedarfs an Brod- früchten steigern? ES ist eine vielumstrittene Frage nicht nur in land- «irthschastlichen, sondern auch in commerziellen Kreisen, ob sich Deutschlands Getreideproduction durch entsprechende Re- Vermifestes. * Für Briefmarkensammler. Die Verwaltung der französischen Colonien har eine neue Briefmarke für die Colonien dem Verkehr übergeben. Das neue Postwerthzeichen zeigt die Schifffahrt und den Handel, welche das französische Banner aus dem Meere flattern lassen. Die beiden Gestalten sitzen am Steuer eines Schiffes, jede hält die französische Trikolore in der Hand. Oben stehen die Worte Republique fran^aise — Coloniee Postes, unten ist der Preis der Marke, sowie der Name der Colonie, also z. B. Martinique, Senegal, Reunion, Guyana 2C. angegeben. Da Frankreich im Ganzen 14 Colonien besitzt und jede 13 verschiedenwerthige Marken erhält, so vermehrt sich der internationale Briefmarkenschatz um 182 neue Typen. * Fra« Lehmann bei Hofe. Einige Oesen im kaiserlichen Palais bedurften einer unbedeutenden Reparatur und Herr Bekanntmachung. Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten: l) Samstag den 12. März, Abends 6 Uhr, in Hattenrod über verschiedene Fragen aus der Bodenbearbeitung und Viehzucht, 2) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rod heim über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reich Hardt'schen Wirtb- schaft, 3) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in dich einen Vortrag über rationelle Viehfüttcrunq, in der Heiland'schen Wirthschaft 4) eonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Düngemittel, 5) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauern- gutes insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel. Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins und Freunde der Landmirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 28. Januar 1892. Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Gießen. Nachdem in einem Gehöft zu Gießen der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die «L-perre über das verseuchte Gehöft verfügt. Gießen, den 4. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gag ern. Cocalts unb provinzielles. Gieße«, 5. März 1892. — Wir verfehlen nicht, unsere Leser auf die in der großen Aula der Universität nur noch morgen, Sonntag, geöffnete Colonial Ausstellung aufmerksam zu machen. Sonnraa Nachmittag 5 Uhr wird dieselbe geschloffen. -8. In der gestrigen General-Versammlung des Theater. Vereins kam, unter Vorsitz des Herrn Professors Netto, § 10 der Staturen zur Berathung, der dahin abgeändert wurde, daß künftig den Mitgliedern bei Erwerbung eines Abonnements der volle Mitgliedsbeitrag in Anrechnung ge- bracht wird. Die Rcchnungsablegung zeigte einen günstigen Kaffenbestand. Weiteres kam nicht zur Verhandlung. Friedberg, 3. März. Man geht hier mit dem Plane um, em Casino gebäude gegen Anthcilscheine von je 1000 Mk. zu erbauen. Bei dem sehr zahlreichen Mttglieder- ftande der Gesellschaft dürfte die Ausbringung der zu« Bau erforderlichen finanziellen Mittel kaum Schwierigkeiten bieten.(D. Z.) formen im Getreidebau wirklich bis zur Deckung des ein- h-eimischk« Bedarfes steigern läßt, oder ob Deutschland dauernd aus ausländische Roggen- und Weizenzusuhr angewiesen ist. Bei dem heutigen Weltverkehre und dem colossalen internationalen Güteraustausche auf der einen Seite und im Hinblick aus die großen Fortschritte der prac- tischen Landwirthschast und der Agriculturchemie aus der anderen Seite läßt sich schwerlich diese Frage kurz und bündig beantworten, wohl verdienen aber sowohl im Interesse der Landwirthschaft als auch unserer nationalen Wohlfahrt alle diejenigen Bemühungen große Beachtung, welche nachweisen, daß Deutschlands Getreideproduction thatsächlich noch sehr der Steigerung fähig sei, und zwar der Steigerung ohne Vermehrung der bisher zum Getreidebau benutzten Flächen. Eine sehr beachtenswerthe Darlegung gab in dieser Hinsicht Rittergutsbesitzer Arndt aus Oberwartha in Sachsen in einem Vortrage, den genannter Herr kürzlich im Club der Land- wirthe zu Berlin gehalten hat und aus dem wir die hauptsächlichsten Punkte im Nachstehenden reproduciren: Zur Zeit beträgt der Durchschnittsernteertrag in Deutschland pro Hectar 20 Centner Roggen und 27 Ctr. Weizen- wollte es aber seinen durchschnittlichen Mehrbedarf von 600,639 Tonnen Roggen und von 415,953 Tonnen Weizen jährlich selbst erzeugen, so müßte eS seine Roggenernte um etwa IO1/2 pCr. und seine Weizenernte um ca. 161/, pCt. ju steigern haben. Diesem Ziele ist man nun in Sachsen schon sehr nahe gekommen, wo bereits jetzt pro Hectar 26i/z Centner Roggen und 34 Centner Weizen geerntet werden, welcher Mehrertrag durch Gründüngung, speziell mit Serradella, erzielt worden ist. Versuche mit Serradelladüngung ergaben im Vergleich mit Stallmistdüngung und Chilisalpeterdüngung bei Einsetzung der niedrigsten Ziffern, daß 1 Pfund Stickstoff bei der Gründüngung 3i/2 Pf. gegen 36 Pfg. im Stallmist und gegen 60 Pfg. im Chilisalpeter ästete, und dieses Verhältnis stellt sich in günstigen Verhältnissen für die Düngung mit Serradella noch besser. Mit 60 Pfund Serradella - Einsaat pro sächsischen Acker oder 0,56 Hektar, die mit Einschluß sämmtlicher anderen Unkosten auf 4 Mk. zu stehen kam, wurde dieselbe Wirkung erzielt, als mit Stallmist, der 124 Mark kostete, allerdings ein frappantes Beispiel für die Dortresflichkeit der Serradella- Düngung. Freilich wird man aber die wahre Steigerung der Production nicht in der Frage: Stallmist oder Gründüngung, sondern in der: Stallmist und Gründüngung, zu suchen haben. Weitere Vorzüge der letzteren sind die hierdurch erzielte Unkrautunterdrückung und die bessere Beschattung des Bodens, auch wirkt der organische Stickstoff der Gründüngung viel nachhaltiger als der Stickstoff im Chili- salpeter. Interessant ist eine von Herrn Arndt in seinem Vortrage gegebene Zusammenstellung der Kosten der ver- ' Muster für Soldatenbehrndlung. 1. Muster-Instruction. Hochgeehrter Herr Rekrut PimpelmannEuer Wohlgeboren werden gütigst verzeihen, wenn Ihr ergebener Diener sich unterthänigst erlaubt, Ihnen seine bescheidene Ansicht über wohlderselben Haltung auszudrückcn. Ohne Ihrer persönlichen Ansicht nahe treten zu wollen, kann sich Ihr ergebener Diener dennoch der Ansicht nicht verschließen, daß die Stellung von dero hochgeschätzten unteren Extremitäten nicht dem militärischen Schönheitsideal völlig entspricht. „Der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb", erkühne ich mich deshalb, an Euer Wohlgeboren die ergebene Bitte du richten: in der Stellung der Gehwerkzeuge nicht das Symbol der unbekannten Größe X zu verherrlichen, sondern Tätigst die Gewogenheit zu haben, die Hacken — ver- r«ihen Sie das rauhe Wort — zusammenzunehmen! II. Ueber das Putzen. i/Jch habe nur ein Amt und keine Meinung!" möchte rch heute mit dem Dichter ausrufen, wenn ich wiederum Sie, geehrter Freund und Gönner, mit einem kleinen Anliegen belästigen muß. In unbegreiflicher Verkennung Ihrer mili- rärischen^Talente hat sich der Herr Hauptmann, dessen Urtheil allerdings durch die angeborene Rauhheit deS Kriegsmannes getrübt wird, erlaubt, mich auf die nicht im jungfräulichen Glanze strahlenden Knöpfe Euer Hochwohlgeboren auf» merksam zu machen. Obgleich ich persönlich von der Wahrheit ber Worte durchdrungen bin: „ES ist nicht alles Gold, was glänzt" und „Der Schein trügt!", so möchte ich Sie dennoch bitten, mit der Ihnen eigenen Thatkrast und Willensstärke riie neue Glanzperiode der erblindeten Knöpfe heraus- Aubeschwören! Der Dank der Nation wird Ihnen sicher sein, und kann ich schon im Voraus als der Geringste unter Allen meine freudige Genugthuung über die Bereitwilligkeit aussprechen, mit welcher Sie den kühnen Wunsch eines armen Kriegsknechtes erfüllen. III. Kommando. O Pimpelmann! O könnte mir es glücken, Den stolzen Sinn des Edlen zu berücken: O, wolltest lesen Du in meinen Blicken, • Wie Du mich könntest wirklich doch entzücken, Wenn Du, statt dazusteh'n mit krummem Rücken, Dich in das Unvermeidliche wollt'st schicken: Die Knie doch endlich einmal durchzudrücken! IV. Ansprache beim Appell. Meine herzliche Gratulation zum heutigen Tage! Obgleich ich nicht genau weiß, ob Sie heute Geburtstag haben, so drängt mich doch mein Herz, Sie, mein hochgeehrter Pimpelmann, mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu erfreuen. Ich habe den Vorwand eines Geburtstagsgeschenkes erwählt, da ich mir ohne diese besondere Veranlassung nicht erlaubt hätte, Ihnen dieses schwache Zeichen meiner Verehrung zu überreichen. Hochgeehrter Herr! Am heutigen Tage ist gerade eine Woche verflossen, daß Sie achtmal hintereinander zu spät zum Appell sind! Weit entfernt, Ihre erprobte Pünktlichkeit zu bezweifeln, kann ich die Schuld nur der ungenau regulirten Kasernen-Uhr beimeffen. Gestatten Sie alfo Ihrem Lehrer, der sich glücklich schätzt, Sie seinen Jünger nennen zu dürfen, Ihnen diese goldene Remontoir- Uhr zu überreichen. Gern hätte ich einen mit Brillanten | besetzten Chronometer gewählt, aber ba§ Traktament reichte dazu nicht aus. Ich hoffe aber, daß Sie auch in dem bescheidenen Werth der Gabe die hohe Verehrung sehen die der Geber für Sie hegt! Stimmen wir also alle in den Wunsch ein: Sie zeige nur die frohen Stunden! Herr Stabstrompeter, bitte Tusch! V. Erklärung der Kommandos. Hochgeehrter Herr Pimpelmann! Geehrte Anwesende! Behufs besserer Einübung des folgenden Kommandos werde ich so frei sein, Ihnen das Schlußcapitel aus dem berühmte» Roman von Marlitt „Das Geheimniß der alten Mamsell" vorzulesen. Nach dem Anhören dieses ergreifenden Seelengemäldes werden Sie vielleicht in der Lage sein, die Zu- muthung zu verstehen, wenn ich Ihnen im Geiste der Dichterin die flehenden Worte zurufe: .... Rührt Euch! VI. Exerzier-Reglement. Hochgeschätzter Herr Pimpelmann! Von dem Naturrechte der freien Bewegung den ausgedehntesten Gebrauch machend, drehen Sie mit löblicher Principientreue Ihr geschätztes Ich stets nach links, wenn ich ergebenst um die Drehung „rechts um" bitte. Ich würde mich nie erkühnen, in diese Wendung der Dinge einzugreisen, wenn nicht der Herr Hauptmann sich in unmittelbarer Nähe befände. Wohl bin ich mir der schweren Verantwortung bewußt, in Ihre Dispositionen ein- gegriffen zu haben, trotzdem gestatte ich mir in Folgendem, obgleich ich nicht Vorsitzender eines Schwurgerichtes bin Ihnen ergebenst eine Rechtsbelehrung zu erteilen! ' Hostöpsermeister Lehmann mußte confultirf werden. Natürlich erschien er sofort. Der Kaiser, der dem alten, braven Hand- werter schon oft einige Augenblicke bei seiner Arbeit zugesehen und sich leutselig mit ihm unterhalten hatte, betrat auch diesmal das Zimmer, in welchem Herr Lehmann au dem kranken Ofen operirte. Der hohe Herr war besonders guter Laune. „Nun, wie geht'S lieber Lehmann?" fragte er. „AuSjezeichnet, Ew. Majestät zu Gnaden." „Was macht Ihre Frau?" „Js immer noch dieselbe, Ew. Majestät. Sie hat immer noch ihre alte Schrulle. Ew. Majestät wissen von wegen den Hosball." „Wenn es ihr wirklich ernst damit ist, lieber Lehmann, konnten wir wohl 'mal das Vergnügen machen." „Ew. Majestät belieben zu scherzen. Wat soll meine Frau aus'n Hosball?!" „Wir werden sehen. Adieu, lieber Lehmann." Damit entfernte sich der Monarch. Herr Hos- töpfermeister Lehmann beendete seine Arbeit, ging nach Hause und erzählte seiner Frau die Unterhaltung mit dem Kaiser Wort für Wort. „Das hast De nu von Deine albernen Jnsälle," schloß er feine Erzählung. „Nu kriegst De 'ne Jnladung, mußt hin, un blamirst De nu de janze Tepper« innung." „Laß man sind!" sagte Frau Lehmann ruhig. Herrn Hostöpfermeister's Ahnungen sollten sich bestätigen. .Vierzehn Tage später traf ein Schreiben vom Hofmarschall- amt ein: An Frau Hoftöpfermeifter Lehmann, hier 8, Lstraße 45. Der Bries brachte die von Frau Lehmann früher oft ersehnte Einladung zum Hofball. In drei Wochen sollte er stattfinden. Frau Lehmann hatte also reichlich Zeit, ihre Garderobe in Stand zu setzen. Aufs Geld kam es dabei natürlich nicht an, denn Herr Lehmann war sehr reich und zweifacher Hausbesitzer. „Wenn schon, denn schon," sagte er und griff tief in den Arnheim. Der Abend des Hofballes erschien, Frau Lehmann war fertig. Herr Lehmann ließ die Nase hängen, denn er hatte böse Ahnungen. Eine Hofequipage fuhr vor und Frau Lehmann stieg seiderauschend in den Wagen, der sie in schneller Fahrt nach dem kaiserlichen Palais brachte. Hier wurde sie alsbald einer Hofdame abgeliefert, die bei ihr Adjutantendienste verrichten sollte. Unverzagt betrat Frau Lehmann mit dieser Adjutantin den Ballsaal, ohne sich durch den Glanz der Uniformen, Ordenssterne und seidene Gewänder erheblich verblüffen zu lassen. Eine Dame steuerte jetzt auf Frau Lehmann und ihre "Adjutantin zu, „Schön, daß ich Sie treffe, liebe Frau v. ffagte sie zu der letzteren, „ich habe Ihnen..." hier unterbrach sie sich, sah Frau Lehmann einen Allgenblick fragend und befremdet an, verbeugte sich dann höflich vor ihr und sagte: „Ich bin Frau von Tepper-Laski." — „Un ick," — sagte Frau Lehmann mit unverstellter Freude und entzückt, eine Collegin gefunden zu haben — „ick bin de Frau von Tepper Lehmann." Tableau. Frau Lehmann hat nie mehr nach einem Hofballe Verlangen getragen. * Paffende Genugthuung. Student: „Mein Herr, Sie haben soeben meinen Hund auf den Fuß getreten — Sie müssen mir Genugthuung geben." — Aelterer Herr: „Mit dem größten Vergnügen! Kommen Sie nur mit zum nächsten Schweinemetzger — ich kaufe dort dem Hunde eine Leberwurst." Landwirthschastliche Winke und Rathschläge. △ Uns Oberheffen, Anfang März 1892. Hebet Beschaffung von land- und forffwirthschaftUche« Sämereien. Langsam zieht der Winter ab; er war bei weitem nicht so grimmig wie der vorjährige. Wenn er auch hie und da einmal eine finstere, strenge Miene machte, so dah daS Quecksilber im Thermometer vor Schreck bis auf —12° htnabsank, so hatte dies doch keinen rechtm Bestand. Es war mehr ein Schreckschuß, dessen Knall in der Regel nach 2 oder 3 Tagen verhallte. Nun ist der März berangekommen und da wird der sorgende Landwtrth ein Bischen Rück-, Aus-, Um- «ud Vorschau halten in Küche, Speicher und Keller, in Schuppen- und Wagenremtse, denn nun gtlts (recht bald hoffentlich) in die Campagne wieder etnzutreten, mindesten - sie vor-ubereiteu. Wir nehmen an, daß der tüchtige Landmann sein Saatgetreide, Hafer und Gerste für die Sommerfrüchte, nunmehr auS eigenen Beständen zurecht gestellt hat. Er bedarf aber doch einiger anderer Sämereien: Gras-, ÄUe* und Waldsamen, die gar sehr in den Geldbeutel schneiden, weil sie saft immer zugekaust, in den wenigsten Fällen selbst in genügender Menge und Reinheit hergestellt zu werden pflegen. Einige Winke und Rathschläge in Bezug auf Gras-, Klee- und Waldsämereien werden darum sicher gerne entgegengenommen werden. DaS Frühjahr 1891, besondersHdie erste Maihälfte, ließ sich gut an. Die Aussichten für Gras-, Klee- und Waldsamen waren darum anfangs recht günstig. Es folgte ein regnerischer, naßkalter Sommer, welcher dem Ausreisen der Sämereien ungünstig war. Der gute September verbesserte Einiges, aber lange nicht Alles. Aus diesen wenigen Andeutungen folgt, daß man beim Ankauf der Sämereien mit der größten Vorsicht handeln soll, wenn man nicht sein Geld für den schlechten Samen und damit zugleich die ganze Ernte einbüßen will. Was die Graösämerets« anbelangt, so ist bei diesen immerhin eine Mittelernte vorhanden. Man kann also brauchbare Qualitäten bei erträglichen Preisen erhalten. Recht ««günstig sind die Sämereien der Sleearte« ausgefallen; die Erträge sind nicht hinreichend gewesen und darum steigen die Preise derselben. Rothklee und Luzerne sind lebhaft gefragt und werden darum gegen die Saatzeit hin recht hochpreisig werden. Man kann den Landwirlhen nicht oft genug einschärfen, die theueren Kleesaaten nur durch Vermittelung der landwirthschaftlichen Vereine oder der Consumvereine zu kaufen. ES muß von dem Verkäufer verlangt werden, daß die Samen durchaus seidefrei sind, die größte Reinheit und die größtmöglichste Keimfähigkeit besitzen. Eine Prüfung durch die Samenkontrolftation in Darmstadt welle man nicht versäumen. Auch über die Waldsamen mögen einige Winke folgen. Kiefern und Fichten haben nur eine geringe Ernte geliefert, daher kommt es, daß die Samenpreise hoch sind. Bei den Lärchen hat eine vollständige Mißernte stattgefunden. Der wenige Samen, welcher geerntet wurde, ist sehr geringwerthig und liefert kaum 30 pCt. Keimlinge, die nicht lebensfähig sind. Man kann daher nur Jedem rathen, in diesem Jahre keine Lärchensaatm zu machen, weil es sicher schlechte Erfolge haben wird. Die Samen mancher Laubhölzer find besset ausgefallen. Dagegen sind die Bucheln vollständig mißrathen. Im Hinblick auf das Dorgetragene rathen wir zum Schlüsse noch einmal, recht vorsichtig zu sein und durch die Vereine nur bei hochachtbaren Häusern, die schon wegen deS Ansehens ihrer Firmen stets Gutes liefern, kaufen zu lassen. Wenn vielleicht auch um einige Prozent höhere Preise angelegt werden müssen, so rentiren sie sich unter allen Umständen. pr. Heet. Pf. Hm. L •n 150 105 120 135 ru c^c^^hen, sowie auch ausführliche Preisliste« der Gesellschaft in Gießen durch Earl Schwaad, Delicatessen- und Weinhandlung, in Sich (Oberh.): H. Ummer VII, in Hungen < Wetterau): Gustav Kohlheyer, »Zur Traube". M. 1.05 „ 130 * ‘inr<6i6eei«t (V/VVIVH besserer Qualität von 8-20 Pfg. Gelegenheit geboten, in dem hiesigen «igarren-Dpeeialgefchäft von Philipp Weiler. Harkt 1 vortheilhafter zu kaufen, als von auswärts. — Die von Versandtgeschäften offertrten Cigarren in jeder Preislage werden in Qualität und Billigkeit bei Weitem übertroffen. ES wird gebeten, sich durch einen Versuch zu überzeugen. [105 Marca Italia Vino da Pasto I Vino da Pasto 3 . . Vino da Pasto 4 . . „ „ 1.55 , 150 ; Bel Abnahme von 12 Flaschen einer Sorte 5 Pfg. Rabatt per Flasche. Die Preise versteben sich ohne «la« und »Äffer, welche berechnet und zum berechneten Preise zurückgenommcn werden. Diese durch aSnigl. Jealienisch« «taatScontrolle ga- rontirt reinen, angenehm schmeckenden und wohlbekömmlichen, rothen, italienischen Naturweine der Deutsch - statte«.' ' Imp»»« • •efeOfrteft Daube, Donner' »inen & S». Zentral - Verwaltung: Frankfurt a. M ) eignen sich vorzüglich al« tägliche« Disch,«tränk für weite K?eis« und übertreffen nach dem Unheil competenter Weinkenner und Autoritäten wesentlich die sogenannten Bordeaux - Weine in gleicher Preislage. ,53 ,°”f Me vorzüglichen feineren Tasel- und Dessertweine der «esellschast sei besonder« ans- merksam gemacht. Ladung. 1. Anton Bonifacius Eu- siuger, geboren zu Dietkirchen am 9. Juni 1855, zuletzt wohnhaft in Gießen, Schneider, katholisch, 2. Nikolaus Stoll, geboren zu Böbingen am 8. Januar 1861, zuletzt wohnhaft in Gießen, Schloffer, evangelisch, 3. Ernst Christian Schlen stein, geboren zu Salzungen am 16. Januar 1860, zuletzt wohnhaft in Gießen, Bäcker, evangelisch, 4. Christoph Aorbach, geboren zu Daubringen am 28. Mai 1867, zuletzt wohnhaft in Heuchelheim, Schreiner, evangelisch, -verden beschuldigt, zu Nr. 2 als Wehrmann der Landwehr I. Aufgebots ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, zu Nr. 3 und 4 als Ersatzreser- visten ohne Erlaubniß ausgewandert -u sein, zu Nr. 1 als Wehrmann der Landwehr II. Aufgebots ausgewandert zu sein, ohne von der bevorstehenden Auswanderung der Militärbehörde Anzeige erstattet zu haben, ^Übertretung gegen § 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs. Dieselben werden auf Freitag den 24 Juni 1892, Vormittags 8i/2 Uhr, vor das Großherzogl. Schöffengericht Gießen zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben aus Grund der nach $ 472 der Strasproceßordnung von dem Großherzogl. Bezirks-Commando zu Gießen ausgestellten Erklärung verurtheilt werden. Gießen, den 18. Februar 1892. Der Grobherzogliche Amtsanwalt. Wiener.______1556 1967) Ein Mädchen empfiehlt sich im ÄtdbetwuKbew bei billiger und guter >rbett. Näheres Burks Mühle 20. Holzversteigerung. Dienstag den 8. März d. I. werden aus den Abtheilungen Brauhof 1 a, 2 a, 4 a, Hasenkopf 5, 6, Lornrnerberg 35 a versteigert: 12 Eichenschnittholzstämme von 45—60 cm Durchm. und 3—8 m Länge mit 14,58 fm, 105 Eichenbauholzstämme von 14—45 cm Durchm. und 3—10 m Länge mit 54,81 fm, 3 Kiefernstämme von 32—38 cm Durchm. und 10 m Länge mit 2,95 fm, 8 Fichtenstämme von 13—26 cm Durchm. und 6—14 m Länge mit 2,41 fm, 13 Eschenstämme von 13—28 cm Durchm. und 3—8 m Länge mit 1,80 fm, 2 Buchenstämme von 52—54 cm Durchm. und 4 m Länge mit 1,77 fm, 11 Erlenstämme von 21 — 31 cm Durchm. und 5—15 m Länge mit 6,10 fm, 30 Eschenderbstangen von 6—13 cm Durchm. und 4—8 m Länge mit 1,47 fm, 2 rm Elchen-Nutzscheüer. Die im Sommerberg 35 a beim Steinbruch liegenden Eichen- und Nadelstämme werden bei der Versteigerung nicht vorgezeigt, sie kommen gegen Mittag im Brauhof zum Ausgebot. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Forstgarten im Hasenkopf. Nähere Auskunft ertheilt der Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten. Gießen, den 27. Februar 1892. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 1789 Holzversteigerung. Aus den Abtheilungen Brauhof, Hasenkopf, Sommerberg und Kirchberg werden versteigert: 1. Mittwoch den 16. März: Buchen: 61 Rm. Scheiter, 49,2 Rm. Knüppel, 4500 Wellen, 90,6 Rm. Stöcke; wichen: 43 Rm. Scheiter, 18 Rm. Knüppel, 800 Wellen, 37,4 Rm. Stöcke; Nadel: 2,2 Rm. Scheiter, 2 Rm. Knüppel, 150 Wellen; Erlen: 2 Rm. Stöcke. — Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Forstgarten im Hasenkopf. 2. Freitag den 18. März: Buchen: 50,3 Rm. Scheiter, > 34,3 Rm. Knüppel, 3000 Wellen, 68 Rm. Stöcke; Eschen: 50 Wellen, j 3 Rm. Stöcke; Eichen: 45,2 Rm. Scheiter, 14 Rm. Knüppel, ! 1100 Wellen, 31 Rm. Stöcke; Erlen: 8 Rm. Scheiter, 7 Rm. Knüppel, 1330 Wellen, 14 Rm. Stöcke; Weichholz: 790 Wellen. Das im I Sommerberg beim Steinbruch lagernde Buchen- und Eichen - Scheiter-, 'Knüppel- und Reisigholz, sowie das in Abth. Kirchberg zerstreut liegende Weichholzreisig wird nicht vorgezeigt, es kommt gegen Mittag im Brauhof zum Ausgebot; Steigliebhaber wollen dieses vorher einsehen. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Brauhossweiher. Nähere Auskunft ertheilt der Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten. Gießen, den 1. Marz 1892. Großh. Oberförstcrei Schiffenberg. 2043 Heyer. Bekanntmachung. Die erledigte Stelle eines Kreis- straßenwarts mit dem Wohnsitz in Daubringen soll demnächst wieder besetzt werden. Die Bewerber haben ihre Meldungen bei Bezirksbauaufseher S e n ß - selber in Gießen bis längstens 15. März l. I. schriftlich ein- Verdingung. Die Anfuhr von Steinkohlen für 11892/93 wird am Sonnabend den 12. März, Vormittags 10 Uhr, im diesseitigen Geschäftszimmer, woselbst auch die Bedingungen ausliegen, verdungen. [19701 Garnisonverwaltung in Gießen. zureichen, wobei Alter, Wohnort und seitherige Beschäftigung unter Beifügung etwaiger Zeugnis) e über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art anzugeben sind. [2007 Gießen, am 2. März 1892. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Holzverfteigerung. Samstag den 12. d. Mts. werden versteigert: I. Vormittags von 9 Uhr ab im Gemeindewald Weidenhausen, District Streithecke, unmittelbar an der neuen Straße von Wetzlar nach Weidenhausen: 62 Kiefernstämme 11,64 fm, 17 Kiefernstangen I./II. El. u. 2 rm Kiefern-Knüppel. II. Vormittags von 10 Uhr ab im Gemeindewald Reiskirchen, Beginn District 7 „Hirschbach" (ganz in der Nähe): Eichen: 3 Stämme I. El. = 7,75 fm, 6 Stämme II. Cl. = 10,11 fm, 55 Stämme III. Cl. = 35,60 fm, 36 Stämme IV. Cl. — 6,92 fm, 12 Stangen I. u. II. Cl., 3 rm Nutz- u. 61 rm Derbholz. Buchen: 52 rm Derbholz, 2,5 rm Stöcke u. 34 rm Knüppel. Weichholz: 400 Stück Hasel - Gerten VI. Cl. u. 2 rm Knüppel. Nadelholz: 109 Stämme ITI./IV. Cl. = 18,24fm, 29Stangen I./III Cl., 1 rm Knüppel u. verschiedene Reiser. Das sämmtl. Stamm-, Stangen- u. Nutzholz wird zuerst hintereinander ausgeboten u. dann erst das Brennholz. Gr.-Rechtenbach, 3. März 1892. Das Bürgermeister-Amt. 2022 Mtgeöotenes. Cacao 1,36 Cacaopuloer, Cacaomaffe, Cacaofchalen, Kochchocolade, Gefundheitschocolade, Va- utllechocolade, Gewürzchocolade, Speise- chocolade, Klnderchocolade rc., empfiehlt die Drogenhanblung von Otto Schaaf. Corsetten in besten Fayons, für Damen und Kinder. Extra - Weiten werden nach Maß angefertigt. [734 _____A. Fangmann. Kidleder - Creme hi Dosen L 25Hzn haben in der ©regeir Handlung von [1934] Otto Schaaf. Wollene und wasserdichte [1186 Pferde- und Wagendecken empf. Louis Wittich IL, Neustadt 6. Husten + Heil (vrusicararrreUetr) zu haben bei [1918 Sebr. Adami, Mäusburg 14. Feinsten Cognac per Liter JL 2.—, französischen Eagnac» hochfein, per Flasche JL 4.t>U bis Id —, ächte« Malaga, Sherry fff. Port. Wei« empfiehlt [1083 E Dort, Wallthorstraße. Mosel-Cognac aus der Destillerie von A. L. Slfe« in Trier a. d. Mosel, Weindestillat shnc den geringsten Spritzusatz; in Brüssel mit der stlbernen MedaMe gekrönt, empfiehlt die >/,-Flasche ,u X 3 — und die V«-Flasche zu jte 1.60 (1127 Pb. Bauer II., Bahnhofstr., Gießen