Samstag den 6. Februar M. 31. 1892 Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblutt für den Aveis Gieren. | Hratisbeikage: Hießener Jamitienötätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger AöonnemeutspreiL t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener AismitteuStLiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der fiefttntr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Anrtlicl-ev Theil. Bekanntmachung, betreffend Ausführung des Jnvaliditäts- und Alters- versicherungsgesetzeS. Nachstehend abgedruckte Bekanntmachung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 2. Februar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachlmg, betreffend die Entwerthung der Beitragsmarken bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Vom 19. Januar 1892. Auf Grund des mit Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 24. December 1891 (Reichsgesetzblatt Rr. 31) veröffentlichten BundesrathsbeschluffeS vom 22. December 1891 wird über die Entwerthung der Beitragsmarken bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung Nachstehendes bestimmt: 1. Verpflichtung und Besugnitz zur Entwerthung der Beitragsmarken. 1) Krankenkaffen, Staats- und Hofbehörden, sowie Gemeindebehörden, beziehungsweise örtliche Jnvaliditäts- und Altersversicherungsstellen, welche die Beiträge einziehen, sind verpflichtet, die den eingezogenen Beiträgen entsprechenden Marken alsbald nach deren Einklebung zu entwerthen. 2) Die Beitragsmarken in den Quittungskarten derjenigen Versicherten, welche nicht in einem regelmäßigen Arbeitsver- hältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen — vorübergehend beschäftigte (unständige) Arbeiter — sind zu entwerthen, sobald die Verwendung der Beitragsmarke durch den Arbeitgeber, oder, falls der Versicherte selbst nach § 28 des Statuts der Versicherungsanstalt „Gr. Hessen" (§111 des Gesetzes) die Marke im Voraus verwendet hat, sobald die Rückerstattung der dem Arbeitgeber zur Last fallenden Bei- tragshälste durch diesen stattfindet. Zur Entwerthung der Marke verpflichtet ist in diesem Falle der Arbeitgeber; hat dieser aber die Entwerthung der Marke bei Rückerstattung der Beitragshälfte versäumt, so hat der Versicherte noch an dem nämlichen Tage, an welchem die Beitragshälfte zurückerstattet wurde, die Entwerthung vorzunehmen. 3) Die Selbstversicherten und die freiwillig sich weiter Versichernden sind, sofern sie die Marken selbst verwenden, befugt, die Marken selbst zu entwerthen. 4) Wenn in den unter 2) und 3) bemerkten Fällen die Entwerthung der Beitragsmarken bis zum Umtausche der Quittungskarte unterblieben ist, so ist die Entwerthung von der Stelle, bei welcher die Karte zum Umtausch eingereicht wurde, zu vollziehen. 5) Sollten an die Versicherungsanstalt „Gr. Hessen" Karten gelangen, in welchen sich nicht entwerthete Marken befinden, so hat der Vorstand der Versicherungsanstalt die Entwerthung zu bewirken. 2. Form der Entwerthung. 1) Die Entwerthung geschieht — abgesehen von der nachstehend unter 2) bezeichneten Ausnahme — in allen Fällen nur in der Weise, daß auf den einzelnen Marken der Entwerthungstag, handschriftlich oder unter Anwendung eines Stempels, in Ziffern angegeben wird, z. B. 15. 3. 92. — Andere Entwerthungszeichen sind unzulässig. Bei der Entwerthung dürfen die Marken nicht unkenntlich gemacht werden. Insbesondere müssen der Geldwerth der Marke, die Lohnklasse und die Versicherungsanstalt, bei Doppelmarken auch die Kennzeichen der Zusatzmarke, erkennbar bleiben. 2) Soweit die Entwerthung dem Vorstande der Versicherungsanstalt obliegt (I, 5), bleibt ihm die Form der Entwerthung überlasten. Auf die Außenseite der Karte ist der Vermerk „entwerthct" handschriftlich oder unter Verwendung eines Stempels, sowie die Bezeichnung der Versicherungsanstalt zu setzen. 3. Strasbestimmung. Wer den vorstehenden Anordnungen zuwiderhandelt, kann für jeden Fall, sofern nicht nach anderen Vorschriften eine höhere Strafe verwirkt ist, von dem zuständigen Kreisamte mit einer Ordnungsstrafe bis zu 100 JL bestraft werden. Die Haftung für den durch die Zuwiderhandlung verursachten Schaden bleibt hierdurch unberührt. 4. Aushebung früherer Bestimmungen. Alle von den vorstehenden Anordnungen abweichenden seitherigen Vorschriften, insbesondere diejenigen in §§ 3, 5 Abs. 2 und 6 der Bekanntnui^uug vom 10. December 1890 (Regbl. Nr. 50), sowie in Ziffer 2 und 3 der Bekanntmachung vom 31. December 1890 (Regbl. Nr. 1 von 1891) sind ausgehoben. Darmstadt, den 19. Januar 1892. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. » Finger. Fey. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an sämmtliche mit Ausstellung der Luittungs- karten, Erhebung der Beiträge und Verwendung der Beitragsmarken betrauten Stellen. Vorstehend abgedruckte Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 19. Januar 1892 theilen wir Ihnen unter besonderem Hinweis auf Ziffer V. zur Darnachachtung mit. Gießen, den 2. Februar 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Feuilleton. Vie Zwillinge von MsUs. Novelle von P. Toussaint. (Nachdruck verboten.) Die Abendsonne wirft ihren rothgoldenen Schein aus die blaue Fläche des Mittelländischen Meeres,- das gelbgraue Felsenuser von Malta spiegelt sich in der glänzenden Fluth wieder. Die Gebäude des Forts Manuel und die Mauern der Stadt La Valetta zeichnen sich scharf in dem Waffer ab und gewähren ein eigenartiges Schauspiel. Malta, mit seinen Felsen und Festungen, mit seinen stolzen Granittreppen, deren Glanz das Auge blendet, mit seinem großartigen Krankenbause in geschützter Lage- Malta, mit seinen einfachen, flachen Dächern und seinen phantastischen Balconen, mit seinen unermeßlichen Felsengründen und seinen dünnen Schichten Ackererde. Malta, wo die Wurzel des Kornhalmes gegen den harten Felsenboden stößt und wo der Saft der Orangen blut- roth ist und mit dem feurigsten Weine wetteifert. Malta, mit seinen arabischen Maulthiertreibern und seinen schottischen Kriegsleuten, Malta, wo sicilianische Priester und englische Methodisten mit einander Zusammentreffen, Malta, das schon in der Aeneide besungen wurde und doch einen Hauptort für Romantik und Ritterpoesie bildete — Malta ist nicht mehr, was es in den Tagen der Ritter von Rhodus gewesen ist. Man würde selbst unrecht thun, wenn man es einen Schatten nennen wollte von dem, was es früher war, auch ein Schatten gleicht seinem Bilde, wenn auch nur in unbestimmten, unsicheren Umrissen, aber Malta hat seine ehemalige Form ganz verloren. Das Malta des neunzehnten Jahrhunderts ift nicht mehr der kleinste Fürstenstaat von Europa, es ist ein Europa, eine Welt im Kleinen, wo alle Volkseigenthümlichkeiten, alle Kleidertrachten, Gewohnheiten und Begriffe sich kreuzen, ohne in Conflict zu gerathen, nebeneinander best hen, ohne sich anzustoßen. Malta ist nicht mehr der gefürchtete Feind des Islam, der Anführer des Kreuzes im Kampfe gegen den Halbmond- friedlich gehen hier Türken und Christen nebeneinander her, durch die gemeinsamen Interessen deS Handels verbunden. Es hat nicht mehr das Vorrecht, nur Ritter zu seinen Bürgern zu zählen, die englische und französische Aristokratie macht einen großen Theil der Bevölkerung auS und Reisende aller Herren Länder geben sich hier ein Rendezvous. Was sich aber auch in dem Laufe der Jahrhunderte verändert hat, die eigenartige Schönheit der maltesischen Frauen ist geblieben,- eure gemischte Schönheit, die die Mitte hält zwischen dem Feuer der arabischen Rasse und der üppigen Blüthe der sicilianischen Frauen, deren Hals geschmeidig und deren Tritt leicht ist wie der der gepriesenen Streitrosse der Araber, denen die versengende Gluth des Ostens in den Blicken zittert und auf der sonnengebräunten Haut, aber eine Gluth, die gedämpft und gemildert ist durch die Vermischung mit dem kühlereu Blute der Europäer. An den Frauen vor Allem sieht man in Malta, daß man Afrika verlaffen hat und anfängt, Europa zu betreten. Ihr Schleier ist nicht von schwarzer Seide, wie der der Spanierinnen, aber sie tragen ihre Quella mit demselben Geschmack, wie die Andalusierin ihre Mantilla, und auch sie wissen mit ihren Reizen zu spielen auf eine Weife, die ihre feinen Finger, ihre zart gebauten Hände vortheilhast hervortreten läßt,- auch sie verstehen daö Oberkleid so lang zu machen, daß nur der kleinste Punkt Deutscher Reich. Berlin, 4. Februar. Beim Reichskanzler Grafen Caprivi fand am Mittwoch Abend ein auch durch die Anwesenheit des Kaisers ausgezeichnetes größeres parlamentarisches Diner statt. Im Ganzen waren gegen 40 Personen anwesend, unter ihnen 25 Reichstagsmitglieder verschiedener Parteien, von den preußischen Ministern war dagegen nur Staatssecretär Dr. v. Bötticher, Vicepräsident des Staatsministeriums, zugegen. Der Kaiser verweilte von 6 Uhr Abends an bis etwa gegen Mitternacht in der Gesellschaft und bewegte sich in derselben in leutseligster Weise. Mit dem Führer der Nationalliberalen, Herrn v. Bennigsen, unterhielt sich der Monarch wohl eine halbe Stunde in angelegentlichem Gespräch, was im Hinblick auf die durch das Volksschulgesetz geschaffene Lage allseitig sehr bemerkt wurde. Die Krisis spielte auch in der allgemeinen Unterhaltung der Gäste Caprivis natürlich eine Hauptrolle und wird versichert, daß hierüber überall die Anschauung hervortrat, es sei die Krisis im Großen und Ganzen als beigelegt zu betrachten. — In Kamerun ist der Anfang mit der Bildung einer Polizeitruppe von zunächst 54 Mann gemacht worden, darunter 17 Haussas der Togotruppe, 18 Krujungen und sonstige Eingeborenen, die sich freiwillig zum Dienst in der Truppe gemeldet haben. Die Uniform wird in Blouse mit roth paspoilirtem Matrofenkragen, kurzer Hose von hellbraunem Kattun, rother Schärpe und rothem Fez mit Troddel bestehen. Die Ausrüstung setzt sich zusammen aus dem Gewehr Modell 71, Seitengewehr, Brodbeutel und Feldflasche. Versuchsweise werden einzelne Leute einen Rucksack erhalten. — Die erste deutsche Station am großen Victoria-See in Centralafrika ist nunmehr definitiv errichtet. Der General- Gouverneur Freiherr v. Soden hat den Lieutenant Herrmann zum Stationschef in Bukola ernannt. Der neue Stationschef hat die ausdrückliche Weisung erhalten, im Hinblick auf die nicht sehr bedeutenden Mittel sich möglichst aller kriegerischen Actionen zu enthalten und zu versuchen, mit den Eingeborenen sich friedlich auseinanderzusetzen. Deutet Reichstag. 163. Plenarsitzung. Donnerstag den 4. Februar, 2 Uhr. Die Declaration bett, thettwetse Verlängerung des am 12. Juli 1883 zwischen Deutschland und Spanten abgeschlossenen Handelsvertrags und der zweite Nachtragsetat für 1891/92 werden in dritter Lesung angenommen. Es folgt erste und event. zweite Berathung des Weltpostvertrags, des Ueberetnkommens bett, den Austausch von Briefe» und Kästchen mit Werthangabe, des Uebereinkommens betr. den Post- anwetsunasdienst, der Uebereinkunft betr. den Austausch von Post- packeten, des Uebereinkommens betr. den PostauftragSdienst und deS Ueberetnkommens betr. den Postbezug von Zeitungen und Zeitschriften. m .. staatssecretär vr. v. Stephan constatttt, daß mit dem erfolgten Beitritt Australiens zum Weltpostverein auf der ganzen Welt für ihrer allerliebsten, niedlichen Füße darunter hervorguckt, auch sie ... . kurz, die Malteserinnen geben ihren südlichen Schwestern an Schönheit und Lieblichkeit nicht daö Geringste nach. Unter den Schönen, die sich in die Reihe der am meisten Beachtung verdienenden stellen konnten, waren die beiden Zwillingsschwestern Peppa und Magallon in erster Linie zu nennen. Ihr reiches, glänzendes Haar fiel in langen, schwarzen Strähnen über den stolzen Nacken, ihre Augen waren von einer blauschwarzen Farbe und einem dunklen, träumerischen Glanz, die Zähne weiß, wie die reinsten Perlen aus Koromandel, ihre Lippen frisch und roth wie Vollreife Kirschen, ihre Haltung und ihr Gebühren von einer lieblichen Natürlichkeit. Ihre Umgebung, in der sie ausgewachsen sind, der Verkehr im Hause ihres Vaters hat sie gelehrt, sich in den mannigfachsten europäischen Sprachen auszudrücken, aber am liebsten sprechen sie unter sich das Maltesisch-Arabische, das noch nicht aufgehört hat, die Volkssprache zu sein. Aber zu sagen, worin die Schönheit von Peppa sich von der Magallons unterscheidet, ist unmöglich- ebenso unmöglich ift es zu sagen, welcher von beiden wieder der Preis der Schönheit zuzuerkennen ist. Zwillingsschwestern von Geburt, sind sie sich in Gestalt, Haltung, Gebühren und Stimme vollständig gleich und sie haben es für gut befunden, diese Aehn- lichkeit noch durch Wahl derselben Kleidertracht zu erhöhen. Beide tragen die Quella von leichter, florcntinischer Seide, beide das Leibchen von kirschrothem Sammet mit farbigen Schnüren und das hellblaue Oberkleid aus einem dünnen, luftigen Gewebe,- die vollen, runden Arme werden durch die venezianische Silbergaze mehr gezeigt als verhüllt. Peppa allein trägt zur Unterscheidung eine rothe Rose in dem Depeichrn des „Bureau Herold". Berlin, 4. Februar. Bei dem Diner beim Reichskanzler v. Caprivi erklärte nach der „Kreuz-Zeitung" der Kaiser aus eine Bemerkung Baumbachs, daß die SocialUettcftc Nachrichten. fMlte > pItfl t'äsbifdjc« Inntfp outens'Bureau Paris, 5. Februar. Infolge ungenügender Hammel- zusuhren ist der Hammel preis in den Centralhallen seit einigen Tagen um 20 Frcs. per 100 Kilogr. gestiegen. Petersburg, 4. Februar. Alle Erwartungen in Betreff einer Aushebung des Getreideaussuhrverbots sind unbegründet. Die Regierung denkt augenblicklich nicht daran und weist alle daraus bezüglichen Gesuche zurück. bm Postverkebr die Grenzen auSgeloscht seien und auf diesem Gebiet wenigstens volle BerkehrSfrethett herbetgesührt fei. WaS das zu sagen bade, trete so recht hervor, wenn man sich erinnere, daß noch vor 50 Jahren der Minister eines Kleinstaat« den souveränen Autzspruch thun konnte: llnsere Grenzen sind nicht dazu da, um von dem Ausland niedergetreten zu werden. ES sei ein bedeutungsvoller Moment gewesen, alS auf dem Wiener Congreß der Beitritt der fünf austra- Ufchen Feftlandscolonien, Tasmaniens und Neu-Seelands erklärt wurde. China gehöre zwar dem Weltpostverein nicht an, doch werde hier der Verkehr durch europäische Postanweisungen vermittelt und zwar zu den Sätzen des Weltpostvereins; auch stehe der Anschluß Chinas zu erwarten. Die Herstellung einheitlicher Postkarten für die ganze Welt gehöre noch zu den LukunstSplänen. Redner gibt eine eingehende Darstellung der Verhandlungen des Wiener Com gresses, auf dem 130 Vertreter aller Länder der Erde friedlich zusammenarbeiteten. Die Achse deS Weltverkehr«, die sich erst von Osten nach Westen verschoben, gehe jetzt wieder nach Osten zurück. Der Verkehr, der jetzt über Brindisi gehe, werde seinen Weg nach Anschlutz der griechischen an die türkischen Bahnen über den PiräuS und später über den BoSporuS nehmen. Der internationale Poft- verkehr fei feit 1875 von 925 auf 2759 Millionen Briefe, von 5 auf 15 Millionen Postanweisungen und von 3* 1/* auf 23 Millionen Post- rmckete gestiegen. An dieser enormen Verkehrssteigerung habe der Weltpostverein einen wesentlichen AntheU, indem er die früher bestandenen Hemmntffe beseitigte und Verkehrsfretheit schuf. Auf diesem Wege werde auch ferner fortgeschritten werden. , Abg Dr. Buhl (mH.) spricht dem StaatSsecreiär fernen Dank für dessen Bemühungen um das Zustandekommen der Weltpostverträge auS. (Beifall.) Der Weltpostvertrag und die obengenannten postalischen Conventionen werden darauf paragraphenweise genehmigt. lieber die Frage der Fortdauer des Mandat« des zum Ober- landesgertchtsrath ernannten Abg. Brüning« (natl.) berichtet Namens der GeschäftsordnungScommission Abg. Hahn, welcher beantragt, zu erklären, bah das Mandat des Abg. Brüning« durch die Verleihung deS Titels, Ranges und Gehalt«, sowie der Rechte eines OberlandeSgerichtsraths nicht erloschen set. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. ES folgt die Berathung deS Etats der ReichS-Justiz-Der- waltung. Die Commission (Ref.Abg. Sperlich) beantragt unveränderte Annahme des Etats. t r „ Abg. Schröder (dfr.) bemerkt, datz ihm der Gang der Verhandlungen über das neue bürgerliche Gesetzbuch in der neuen Commission einige Besorgniffe etnflötze. Es scheine, datz man da das lebende Recht nicht vorwärts, sondern rückwärts entwickele. Nachdem an dem Entwurf in der ersten Commission 12 Jahre lang gearbeitet worden, sollte man meinen, datz man damit eine ausreichende Grundlage gefunden. Die neue Commission tage schon zehn Monate und sei über die ersten Allgemeinheiten des Entwurfs nicht hinweg. Auf diese Weise könnten noch viele Jahre vergehen. Staatssecretär vr. Bosse: ES handle sich für die neue Commission lediglich um die zweite Lesung des durch die erste Commission ausgeardeiteten Entwurfs, keineswegs habe die jetzige Commission die Aufgabe, die ganze Arbeit noch einmal zu machen. Je mehr mau sich in den Entwurf der ersten Commission vertiefe, desto mehr erblicke man in demselben eine geradezu unvergleichliche Grundlage für die Codtficalion unseres bürgerlichen Rechts. Es handle sich für die neue Commission, in der fast alle politischen Parteien, alle Hauptströmungen der juristischen Welt vertreten sind, nun wesentlich darum, den Entwurf volksthümltcher, gemeinverständlicher, durchsichtiger zu machen. In spielender Arbeit lasse sich diese Aufgabe nicht lösen. ES sei zu erwarten, datz die Commission 1894 ihre Arbeiten beendet haben werde. Die Commission thue, was sie könne. Allen.Ansprüchen werde ja ihre Arbeit nicht gerecht werden, denn das vermöge Menschen» werk überhaupt nicht. Abg. Goldschmidt (dfr.) constatirt Schröder gegenüber, datz der Widerspruch gegen den ersten Entwurf aus allen Kreisen laut geworden sei. Abg. Or. v. Euny (natl.): Wären der Commission die Grenzen so eng gezogen worden, wie Schröder wünsche, so würde die Commission nicht in der Lage gewesen sein, eine erhebliche Lücke des ersten Entwurfs auszufüllen: Regelung der Rechtsverhältniffe der juristischen Personen. Ein Dertagungsantrag wird angenommen. Morgen 2 Uhr: Etat. dunklen Haar, eine Vorsorge, welche ihr eigener Vater, der würdige Paolo Paterno, selbst bestimmt hatte, um seine Erstgeborene ohne Mühe von ihrer Schwester unterscheiden zu können. Die gleiche Erziehung, der gleiche Umgang, das fortwährende Beisammensein mußte natürlich eine gewisse Gleichheit im Sehen und Erfassen, im Fühlen und Handeln zur Folge haben- tiefer in die feineren Regungen ihres Herzens und die eigenthümlichen Unterschiede ihres Characters einzudringen, ist in diesem Augenblicke noch unmöglich. Der gute Paolo Paterno, der seine schöne Ehegenossin in der Blüthe ihrer Jahre verloren hatte, ohne sich darnach zu einer zweiten Heirath entschließen zu können, fand seinen einzigen Trost in der Liebe, in der Schönheit und in der Tugend seiner Töchter, die nur selten in ihm ein Bedauern aufkommen ließen, daß sie keine Söhne seien, um Erben seines Namens und seiner Brigantinen zu werden. Denn er hatte mit seinen Schiffen auf dem Meere Glück gehabt und war zu einem der reichsten Kaufleute von La Valetta geworden. Als Peppa und Magallon ihr fünfzehntes Jahr erreicht hatten, begann ihr Vater Pläne wegen ihrer Zukunft zu entwerfen. Den jungen Matteo, das Kind seines früh verstorbenen Bruders, hatte er zu sich ins Haus genommen und für Peppa bestimmt, während sich für Magallon eine andere Partie darbot, eine sehr glänzende sogar, der Neffe und Theilhaber eines der ersten Handelshäuser von La Valetta, ein Grieche von Geburt, aber seit Jahren in Malta ansässig und Kaufmann mit Leib und Seele. (Fortsetzung folgt.) demokratie im Einschlummern sei, nachdrücklich, daß diese Annahme verkehrt sei. Im Besitze der erforderlichen Machtmittel werde die Socialdemokratie keinen Augenblick mit einem energischen Vorstoß zögern. Mit Humanität und allgemeiner Menschlichkeit sei gegen die Umsturzbewegung nichts auszurichten, nur aus entschiedenes Bekenntniß gestützte Religiosität könne Helsen. Berlin, 4. Februar. Abgeordnetenhaus. An Stelle deS Abg. Mithoff wird zum Schriftführer der Abg. Olzem gewählt. Zweite Lesung des Etats. Die Etats Kriegsministerium, Seehandlung, Münzverwalrung, Staats- schulden-Verwaltung, allgemeine Finanzverwaltung, Bureaus des Staatsministeriums werden discussionslos bewilligt. Die Etats Lotterieverwaltung, Staatsarchive, Generalordens- Commission werden nach kurzer Discussion bewilligt, ferner debattelos eine Reihe anderer Etats. Der Etat des Ministeriums des Innern wird nach unwesentlicher Debatte bewilligt. Freitag Fortsetzung des Etats. Berlin, 4. Februar. Die Budgetcommission des Reichstags lehnte die Forderung für den Kasernenbau in Paderborn, sowie die Forderung von 189,000 Mk. für Köln ab. Vor Eintritt in die Berathung wurde den Commissionsmitgliedern ein tragbares neues Zelt vorgesührt, das im ganzen Heere eingesührt wird. Dasselbe sand vielen Beifall. Berlin,4. Februar. Die Reichstags-Commissijon nahm einstimmig das Gesetz, betreffend Außercourssetzung der 1867 geprägten österreichischen Vereinsthaler, an. Berlin, 4. Februar. Der Naumburger Bankverein ist infolge unvorsichtigen Creditgebens in Z a h l u n g s- schwierigkeiten gerathen. Director Voß ist plötzlich gestorben, einem Gerüchte zufolge soll er sich vergiftet haben. Berlin, 4. Februar. Anläßlich der Veröffentlichung des Erlasses des sächsischen Thronfolgers über die Soldaten- mißhandlungen veröffentlicht die „Nordd. Allg. Zig." einen kaiserlichen Erlaß vom 6. Februar 1890, welcher in Fällen fortgesetzter Mißhandlungen einen Bericht der com- mandircnden Generale an den Kaiser über dir erfolgten Bestrafungen vorschreibt. Berlin, 4. Februar. Die „Kreuzzeitung" erfährt von unterrichteter Seite, die jüngsten Verhaftungen von Socialdemokraten seien das Ergebniß ernster Be- rathungen an maßgebender Stelle. Ein Einschreiten sei bisher unterblieben, weil die Regierung durch zeitweilige völlige Actionsfreiheit der Socialdemokratie die Endziele derselben Allen kenntlich machen, andererseits durch ein Vorgehen gegen die radicalen Elemente nicht der Pgrteileitung einen Dienst erweisen wollte. Die Vorgänge der letzten Zeit hätten aber erwiesen, daß die Geheimorganisation auch nach der Aushebung des Socialistengesetzes sortbestehe, repräsentirt durch die Opposition der sogenannten Jungen, welche neuerdings eine große Thatenlust zeigten. Spandau, 4. Februar. Das königliche Feuerwerks-Laboratorium kündigte circa 500 Arbeitern. Breslau, 4. Februar. Em schwerer Eisgang riß 30 Fahrzeuge fort und zertrümmerte dieselben theilweise. Es sind vier Menschen'er trunken. Die Eisenbahnbrücke wurde beschädigt und daher gesperrt. Wattenscheid, 4. Februar. Die Zeche „Centrum" kündigte aus beiden Schächten 150 Arbeitern. Saarlouis, 4. Februar. In Vic wurde der ^7otar Simon wegen Diebstahls von 16,000 Mk. Mündelgeldern verhaftet. Metz, 4. Februar. Infolge des neuen Zolltarifs hat die Eisenbahnfracht nach Frankreich bedeutend abgenommen. Rom, 5. Februar. Das Gerücht, das Königspaar reise nach England, erhält sich. Die Reise werde zur See zurückgelegt und der Herzog von Genua solle die Flotte befehligen. Mailand, 5. Februar. Unbeschäftigte Arbeiter geriethen mit der Polizei vor der Suppenanstalt der Gemeinde in Conflict. Die Polizei wurde von den Arbeitern angegriffen und gebrauchte ihre Revolver. Mehrere Personen wurden verwundet. Locale» «nd provinzielles. Gießen, 5. Februar 1892. — Aus der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadt- verordnetenVersammlung werden uns die nachstehenden Beschlüsse mitgetheilt: a) Gesuch der städt. Taglöhner um Lohnerhöhung. Der Stundenlohn während des Winters wird auf 22 Psg. erhöht. b) Anschaffung eines Rettungsschlauches. Derselbe soll nach den Anträgen der Sachverständigen und der Feuerwehr von der Firma H. Müller & Co. in Offenbach in Segeltuch ans reinem Hanfgarn bezogen werden, wobei das Unterplatt — statt mit Netz — mit sestgenähter Gurte in Länge und Breite zu versehen ist. e) Errichtung eines Denkmals für den verunglückten Feuerwehrmann Löber. Die dauernde Unterhaltung des Grabes und des von der freiw. Feuerwehr daraus beabsichtigten Denkmals wird aus die Stadt übernommen. d) Zur Vorbereitung von Vorschlägen für alle durch die Sradtverordneten-Versammlung vorzunehmenden Wahlen, sofern dafür nicht die Fachcommissionen zuständig sind, wird eine Vorschlagscommission auf drei Jahre eingesetzt, bestehend aus dem Oberbürgermeister und den Stadtverordneten vr. Gutfleisch, Heyligenstaedt, Dr. Ploch und Scheel - jedes Mitglied derselben soll berechtigt sein, im Verhinderungsfall seinen Stellvertreter selbst zu bestellen. e) Der Pjeil'sche Brunnen in der Stein st raße soll mit Rücksicht aus das ungünstige Ergebniß der Analyse beseitigt werden. f) Die Bureauräume Großh. Polizeiamtes. Die beschloffene Verlegung derselben in das Schulhaus in der Schulstraße soll bis nach der im Gang besindlichen Revision der Städteordnung ausgesetzt bleiben. g) Die zukünftige Verwendung der ehemaligen Stallmeisterwohnung aus dem Brand. Der Antrag der Firma Gebr. Oppenheimer auf Ueberlassung derselben behufs Anlage einer Privatstraße wird mit Rücksicht aus das zu geringe Gebot abgelehnt und beschlossen, daS Gebäude zu kleinen Wohnungen nach vorgelegtem Voranschlag einzurichten und dem Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege zur Einrichtung eines Miethspatronates zu überweisen, sofern letzterer dafür aus mindestens fünf Jahre eine jährliche Miethe von 600 Mk. gewährt. — Zu einem echten Arbeitersest schlichter und gediegenster Art gestaltete sich die am Mittwoch Abend von der Firma Heyligenstaedt & Comp. für ihre Angestellten und Arbeiter veranstaltete Feier zur Vollendung der 50000ften Maschine, welche, wie wir bereits s. Zt. meldeten, schon am 23. December v. Js. die Fabrik verlassen hatte. Der 3. Februar war sinniger Weise deßhalb gewählt worden, weil dann auch gleichzeitig der 50. Geburtstag des Inhabers, Herrn Commerzienraths L. Heyligenstaedt, festlich begangen werden konnte. — Die stattliche Festversammlung, zu der sich neben der Familie des Chefs eine Anzahl geladener Gäste und die Beamten und Arbeiter der Firma mit ihren Familien eingesunden hatten, bot einen interessanten Anblick, zumal in dem prächtigen Rahmen des überreich, aber doch sehr geschmackvoll gezierten Saales, über dessen Eingang in Flammenschrift die Zahl „50 000" brannte. Aus jedem Auge der froh bewegten Menge blitzte Helle Festesfreude und mit Spannung harrte man der Dinge, die da kommen sollten. Nachdem die letzten Accorde des Krönungsmarsches aus dem „Prophet" verklungen waren, erhob sich Herr Commerzien- rath L. Heyligenstaedt, um mit herzlichen Worten die zahlreichen Festgenossen zu begrüßen und willkommen zu heißen. Er erinnerte an die vor fünf Jahren in denselben Räumen statlg-'habte Feier der 25 OOOften Maschine und wieS auf die Summe geistiger und materieller Arbeit hin, welche zwischen damals und heute liege und die es gewiß berechtigt erscheinen laffe, die Vollendung der 50 OOOften Maschine mit einem kräftigen Merksteine in der Geschichte des Hauses zu bezeichnen. Indem er wiederholt dankte für den ihm beim Abgang der Maschine überreichten herrlichen Pokal nebst Adresse, bat er die Anwesenden, sich des ungetrübtesten Frohsinns hinzugeben und ersuchte die Herren Frech und Mäder, die Pflichten des Präsidiums zwecks pünktlicher Abwickelung des außerordentlich reichen Programms zu übernehmen. Unter der schneidigen Direktion des Herrn Frech ging denn auch Alles in bester Ordnung von Statten. Ein von einem Angestellten des Geschäfts verfaßter schwungvoller Prolog, tadellos gesprochen von einer die „Industrie" darstellenden Dame der hiesigen Theatergesellschaft, leitete wirkungsvoll das Erscheinen eines lebenden Bildes ein, das sich auf das Zauberwort der „Industrie" dem entzückten Auge des Beschauers zeigte. Man sah das Innere eines Berges, in dem Gnomen mit der Gewinnung des Erzes und dem Transport desselben nach der Außenwelt beschäftigt waren, während andere einen Hochofen zur Gewinnung des Eisens bedienten und eine dritte Gruppe von Berggeistern der Verarbeitung dieses Materials in characteristischen und malerischen Stellungen oblag. Das Ganze krönte der auf der Spitze des Berges zwischen Emblemen des Handels und der Industrie ruhende „Merkur". Das Bild, auch von einem Beamten entworfen und gestellt, erntete mit Recht großen Beifall und immer wieder mußte der Vorhang gezogen werden. — Gegen Ende des Festmahls, welches durch die vorzügliche Tafelmusik der concertirenben Capelle gewürzt wurde, feierte in einer längeren Ansprache der Procurist des Hauses, Herr F. May, den Herrn Heyligenstaedt, einen Mann, welcher wie wenige, das Herz auf dem rechten Fleck habe und dem es deßhalb nie an Segen und Erfolg fehlen könne. Redner schilderte, wie sich der verehrte Jubilar durch eigene Kraft, ernstes Streben und unermüdliches Schaffen vom einfachen, schlichten Arbeiter zum angesehenen Fabrikherrn emporgeschwungen habe und rühmte namentlich bie gewissenhafte und edle Auffassung von den Pflichten eines Arbeitgebers, die Herr Heyligenstaedt seinen Beamten und Arbeitern gegenüber stets bethätigt und erst in den jüngsten Tagen wieder durch einen Akt hohen Edelsinns bewiesen habe.*) Herr May schloß nach längeren Ausführungen mit den herzlichsten Glückwünschen an den Gefeierten zu feinem Geburtstage und mit einem warmen Appell an feine Mitarbeiter, ihrem Ches das Versprechen treuer Pflichterfüllung und unwandelbarer Ergebenheit als schönste Festgabe in die Hände zu legen. Das brausende Hoch der Anwesenden, welches dem Chef des Hauses, seiner Gemahlin und der Firma galt, erfüllte mächtig die Räume und legte beredtes Zeugniß ab von den Empfindungen, welche die Herzen der Festtheilnehmer bewegten. — Ein humorvolles, in gebundener Form gehaltenes Lebensbild des Herrn Jubilars, versaßt und vorgetragen von Hrn. Gust. B e r g e n, wurde mit großem Jubel ausgenommen. Das Programm bot nun in reicher Abwechselung Musik- und Gesangsvorträge ernsten und heiteren Inhalts, und der Berichterstatter muß lobend anerkennen, daß bei einzelnen, zumal den humoristischen Gesangsstücken, in Anbetracht der verfügbaren Kräfte, wirklich Gutes geleistet wurde. Die Sänger sowohl wie die Darsteller der comischen Rollen waren ausschließlich Geschäftsangehörige. Zur Feststimmung trugen auch nicht wenig die gemeinschaftlichen Lieder, theils ernsten, theils heiteren Inhalts bei, von denen einige speciell zu Ehren des Tages ins Dasein gerufen worden zu fein schienen. Nach Erledigung des Programms trat das Tanzbein in feine Rechte und wie lange es geschwungen wurde, weiß Herr Gühlholtz genau zu berichten. Uebrigens hat desfen Küche *) Wir dürfen hier verrathen, daß Herr Commerzienrath Heyligenstaedt für Beamte und Arbeiter, welche eine entsprechende Reche von Jahren in seinen Diensten stehen, eine Summe von ca. 22000 Mk. bet hiesiger Sparkasse anlrgte, welche Summe von Jahr zu Jahr vergrößert werden soll. Red. I ! t c L Q l t l h r bi u Hl r fc la bi